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Full text of "Gesammelte Schriften von Dr. Zunz"

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GESAMMELTE SCHRIFTEN 




Dr. ZUNZ. 



Hei*ausgegel)eii vom Curatorium der „Zimzstiftimg. 






DRITTER BAND. 



BERLIN 1876. 
Louis Gerschel Verlagsbuclihaadluug. 

\Vilhelm=tr. 32. 






9/w 

j3^ ^ 



Inhalts- Verzeichniss. 



Seite. 

I. Die hebräischen Handschriften in Italien (1864) 1 

II. Wünsche für ein Wörterbuch der hebräischen Sprache (18f>?>) . 14 
m. Das Adverbium |XD (1870) . 31 

IV. Hebräische Redeweisen für bescheidene Meinungs-Aeusserung (1871) 41 

V. ,, Verfassen und übersetzen" hebräisch ausgedrückt (1871) . 50 
VI. lieber das Verbum DD"5D (1872) .68 

VII. Biblisches und Geschichtliches; 

A. Alter der Casselschen Bibel-Handschrift Kenn. 157 (1871) 77 

B. Masora Talmud Kabbala Grammatik in historischer Wirk- 
samkeit (1818) . 80 

C. Aelteste Nachrichten über Juden und jüdische Gelehrte in 
Polen, Slavoiiien, Russlaud (1846) 82 

D. Eine merkwürdige Medaille (1840) 87 

VIII. Berichtigungen: 

A. Das Buch Jaschar (1828) 98 

B. Heisst Raschi Jarchi? (1839) 100 

C. Anmerkungen zu Tholuk: de ortu Cabbalae (183S) . . 105 

D. Aus Briefen in Geigers Jüdischer Zeitschrift (1867, 1868) 107 

E. Aus einem Briefe (1872) 110 

IX. Beurtheilungen und Anzeigen : 

A. Beurtheilung von Herzfeld's Kohelet (1839) 112 

B. Beurtheilung von Sachs' Psalmen-Uebersetzung (1836) . 116 

C. Beurtheilung von Hamberger's Uebersetzung von de Rossi's 
historischem Wörterbuche (1839) 122 

D. Anzeige von Or Sarua (1865) 128 

X. Biographisches: 

A, Saadia und sein Zeitalter betreffende Bemerkungen (1839) 132 

B, Jochanan (1842) 136 

C, Joel (1842) 141 

XI. Analekten : 

1. Jose ben Jose (1836) 143 

2. Abraham ben Isaau und Abraham ben David (1836) . . 145 



IV. 

3. Kalonymos ben Kalonymos (1836) ... 150 

4. Jehuda ben Moses Romano (1836) 155 

5. Joab (1837) 162 

6. Rom A. 1270 bis 13.30(1839) 177 

7. Namenkunde (1839) 185 

8. Die Gersoniden (1844) 191 

9. Verfehltes Wortrerständniss (1868) 200 

10. Begleitnamen in Chififeru (18G8) 204 

11. Alte Sentenzen über Hochmuth und Demuth (1868) . . 214 

12. "liin hagadisch gedeutet (1870) 221 

13. Erlösungsjahre (1871) 224 

14. Saadia's ruyil fUJlCN*, ältere Uebersetzung (1872) . . . 231 
XII. Aus Steinschneiders Hebräischer Bibliographie: 

1. Die Censur hebräischer Werke (1858) 239 

2. Die Baraita Samuel's (1862) 242 

3. Elasar b. Samuel und Elieser b. Samuel (1864) . . . 250 
4 Das Buch limm (Wehishir) (1865) 251 

5. Nachlese zur Spruchkunde (1869) 260 

6. Zweite Nachlese ziir Spruchkunde 265 

7. Mose Cohen b. Elasar 267 

n"\S* und r]"V2 (1870) 267 

9. Miscellen (1869 — 1875) 273 

Nachträge und Berichtigungen 297 



I. 
Die hebräischen Handschriften in Italien. 

Ein Mahm'uf des Rechts und der Wissenschaft von Dr. Zunz, 
Berlin, 1864, W. Adolf & Co. 



Zu den Schattenseiten europäischer Kultur gehört die 
Behandlung der Juden und des Judenthums. Jüdische Sitte 
und Leistung ist selbst bei vorgeschrittenen Nationen ein 
missgünstig angesehenes, ein theilnahmlos bei Seite gescho- 
benes, nicht gekannt von Unterrichteten, der Menge gleich- 
gültig. Wie viele Menschenfreunde kümmert das Geschick, 
wie viele Historiker die Geschichte der Juden? welcher Jurist 
studirt talmudisches Civilrecht? wie viele Mitglieder von 
Akademien können hebräisch lesen, wie viele Professoren 
hebräisch schreiben? Wissenschaftliche Werke werden, wofern 
Judenthum ihr Inhalt und Juden die Verfasser sind, von 
christlichen Gelehrten selten gelesen oder gar gekauft. Die Ver- 
nachlässigung der jüdischen Literatur und des Jüngern He- 
braismus habe ich an verschiedenen Orten nachgewiesen*): 
seit zwei Jahrhunderten ruhet die sprachliche, seit einem die 
antiquarische Thätigkeit auf diesem Gebiete; was in neuerer 
Zeit geleistet worden, selbst die bibliographischen Hülfsmittel, 
haben wir lediglich nicht angestellten Juden zu danken. 

Der wissenschaftlichen Statistik, der heute so grosse 
Theilnalime zugewandt ist, empfehle ich auch diese Unter- 

*) Goltesdieustliche "Vorträge (18.32) Vorrede S. VII tf. Itiaerary 
of Benj . of Tudela (1840) Vol. 2 pag. .394 ff. (Gesammelte Schriften II, 265;. 
Zur Geschichte und Literatur (184.5) S. 9 u. ff. Deutsch-morgenländ . 
Zeitschrift B. 10 (1856) S. 501. Die Ritus u. s. w. (1858) S. 177. 178. 

1 



— 2 — 

suchung: ein so vernachlässigtes Feld fordert ihm insbesondere 
gewidmete Thätigkeit, eine Arbeit, derjenigen verwandt, die 
auf anderen Gebieten gegen die vom Mittelalter ererbte 
Barbarei unternommen worden, und die politisch, sozial und 
wissenschaftlich zugleich ist. Hier sei mir verstattet, einen 
einzelneu Punkt herauszuheben: die hebräischen Hand- 
schriften-Sammlungen, und aus dem Ländergebiet ein 
einzelnes Land: Italien. 

In Italien, woselbst der Aufenthalt jüdischer Gemeinden 
nach Jahrtausenden zählt und wohin seit 5 bis 6 hundert 
Jahren die Flüchtlinge und die Vertriebenen aus Frankreich, 
Deutschland, Schweiz und Spanien sich wandten, sammelten 
sich mehr als in den Nachbarländern hebräische Manuscripte 
an; seit dem 16. Jahrhundert gingen viele in den Besitz von 
Sammlern und von öffenthchen Bibliotheken über, so dass 
gegenwäriig Italiens Vorrath an Handschriften dieser Art auf 
mindestens dreitausend Mss. anzuschlagen sein wird. 

Rom beherbergt in der Vaticana: a) 453 Mss. älteren 
Besitzes, b) 59 aus Urbino (seit A. 1658), c) 68, die Ang. 
Mai*) verzeichnet als neuen Erwerb, zusammen 580. Ausser- 
dem werden die Bibliotheken Barberini, Casanata, Zelada, 
Angelica, des Collegio Romano, der Neofiti, der Propaganda 
u. a. m. als Inhaberinnen von Bibelhandschriften, Machsor 
und sonstigen Codices genannt**). Vor einigen und dreissig 
Jahren stand dort ein schönes Talmud-Manuscript zum Ver- 
kauf***). Das Institut in Bologna besitzt die Handschriften 
des Grafen Marsigli; von den hebr. Mss. des dortigen Domini- 
kanerklosters geben bereits Montfaucon und Andres Nachricht. 
Alte Bibelhandschriften hat das Kapuzinerkloster in Imola, 
In Mailand ist die Ambrosiana, in Venedig die Marcus- 
Bibliothek zu nennen. Turin hat in der öffentlichen Biblio- 
thek 169, Florenz in der Laurentiana 130 Nummern, vielleicht 



*) Script. Veter. nova collectio Th. 5 Abth. 2 p. 83 bis 93, woselbst 
zwar von N. 454 bis 530, also 77 neue, und in Allem 590 Mss. gezählt 
sind ; allein es sind darunter mindestens zehn lateinische, die von Christen 
herrühren. 

**) In den die Bibelhandschriften betreffenden Werken von Ken- 
nicott, Bruns, Fabricy, de Rossi u. A. 

**=*=) Blume iter ital. B. 3 S. 211. 



— 3 — 

auch einiges in der Magliabecchischen Sammlung. Alle aber 
übertrifft, Dank de Rossi, die Naxionale in Parma, woselbst 
a) 1430 codd. de Rossi, b) 111 aus der Sammlung B. Foa in 
Reggio, c) einige und zwanzig Codices aus der Biblioteca 
Reale lagern. 

Ausserdem haben die Lehrhäuser jüdischer Gemeinden 
an verschiedenen Orten, z. B. in Mantua, dessen Mss. Mortara 
zu beschreiben angefangen, desgleichen Privatpersonen mit- 
unter Vorräthe von Manuscripten. So hat Jos. Almanziin 
Padua eine Sammlung von 315 Nummern hinterlassen, die 
von S. D. Luzzatto, der selber 120 besass, verzeichnet sind*). 
Nur über die Codices der Vaticana und der Nazionalbiblio- 
theken von Turin, Florenz und Parma besitzen wir Cataloge; 
die Rom, Turin und Florenz betreffenden sind 1749 — 1757 
erschienen, also bereits älter als hundert Jahre, meist von 
Geistlichen, die mit den Gegenständen wenig vertraut waren, 
angefertigt, und unter der Censur der Inquisition veröffent- 
licht; aus den Werken werden höchstens Unterschriften mit- 
getheilt. Die ganze Art und Weise, wie diese Literatur an- 
gesehen wird, ist eng und kleinlich, die Form der Beschrei- 
bung veraltet: die bibliographische Leistung bleibt hinter 
heutiger Anforderung weit zurück. 

Der Herausgeber des Turiner Catalogs, Pasini, mit der 
jüdischen Literatur so gut wie unbekannt, hat für Autornamen 
und Buchtitel in Bartolocci oder Wolf nachgesehlagen ; kaum 
erfährt man durch ihn mehr als den Wortlaut von üeber- 
und Unterschriften, und auch diese oft fehlerhaft; p. 35 wird 
„epistola Ascer Kalisnaphar" verzeichnet, weil man aus dem 
relativum „ascher" (quam sc. epistolam) den Namen Ascher 
gemacht und den richtigen Namen — Abraham Klausner — 
nicht gekannt hat." Die Berichtigung ist auch de Rossi 
(cod. 755) entgangen. 

Der cod. 29 mit vier Reihen beseitigt, „partim cum 
punctis partim sine punctis vocalibus, est prima pars machazor 
germanici." Mit dieser verschiedenen Vocalisirung hat es 
folgende Bewandtniss: Der Codex eröffnet mit einem selbst- 
ständigen Ritualwerk, das in der Weise des Machsor Vitry 



") In Steinschneider's hebr. Bibliographie N. 20 u. ff. 

1* 



_ 4 — 

eine Einleitung in die Gebetsordnung ist. Der Verfassei- 
dieses gänzlich unbekannten Buches, das dem zwölften Jahr- 
hundert angehört, heisst Menachem, und scheint mir entweder 
Menachera b. Salomo oder Menachem b. Mose zu sein, beide 
um A. 1140 in Italien lebend. Natürlich ist nur das Machsor 
vocalisirt, das übrigens durch seltene Stücke und wegen des 
Ritus merkwürdig ist. Welch ein Geräusch hätte man ge- 
macht, wäre die Handschrift ein griechischer Besitztitel über 
ein Kloster! Gleich darauf heisst es von cod. ^0: secunda 
itidem pars machazor german. Wer aus diesen Worten fol- 
gert, die Handschrift sei eine Fortsetzung der vorhergehenden, 
der irrt; sie gehört einem andern Ritus an and enthält zum 
Theil das Gleiche. Dass Vieles in diesem Ms. überklebt, und 
dasselbe in der Mitte defekt ist, wird verschwiegen, jenes 
weil es keine Ehre bringt, dieses weil man es gar nicht ge- 
merkt hat. 

An Kenntniss wie au Sorgfalt hat die Tarinischen Kata- 
logistenBiscioni, der die Laurentiana beschrieben, übertroffen ; 
er theilt nicht nur grössere Unterschriften mit, sondern regel- 
mässig den Anfang der Abhandlungen, öfter auch das Ende, 
obwohl meist mit zu wenigen Worten. Aber er ruhet doch 
nur auf den Schultern der Vorgänger, und weil ihm die 
Kenntniss der Literatur fehlt, müssen wir lange Stellen aus 
Wolfs Bibliothek statt der Mittheilungen über die Werke 
hinnehmen. Ueberdiess hatte er die Arbeit im vorgerückten 
Alter unternommen und die beste Kraft auf syrische Manu- 
scripte verwandt. Dem Verzeichnisse gebricht es an einer 
deutlichen Numeration ; Drucke und Manuscripte sind unter- 
einander geworfen. Trotz einzelnen gesunden bibliographischen 
Bemerkungen, wie solche z. B. zum cod. 32 (pag. 88) hervor- 
treten, fehlt die Einsicht für genauere Daten über anonyme 
Werke, daher auch die verzeichneten Schriften dieser Gattung 
nicht zu erkennen sind. 

Eine ähnliche Leistung ist der Vaticanische Gatalog der 
beiden Assemani, welchen drei handschriftliche Verzeichnisse 
vorlagen: von 0. Fr. Borromeo (A. 1640, über 173 codd.), 
Baptist Jona, einem Täufling aus Safet (st. A. 1668, über 
584 mss. und edd.) und Morosini, Jona's Nachfolger, der 
693 Nummern beschrieben. Den beiden letztgenannten war 



— 5 — 

auch Bartolocci behülflich. Was Assemani von Bartolocci 
sagt, dass er öfter irreführt, das gilt auch von ihm selber . 
Jedenfalls übertraf er in hebraicis den Angelo Mai unseres 
Jahrhunderts. 

Mit den Catalogen von Pasini, Biscioni und Assemani 
hatte die Kunde der hebräischen Codices von den Gelehrten 
Italiens vorläufig Abschied genommen. Indessen kam anders- 
woher der Anstoss für eine erneuete Thätigkeit in diesen 
Kreisen. Von Oxford aus ward (1T5B) ein Verlangen ange- 
regt nach der Urschriic des alten Testaments; in der Hoffnung 
dieselbe unverfälscht noch in alten Manuscripten zu entdecken, 
wurden in verschiedenen Ländern Bibelcodices, Commentare, 
Versionen untersucht und verglichen. Professor deRossi in 
Parma, der bereits früher in einer eigenen Schrift gegen die 
Vernachlässigung der hebr. Studien aufgetreten war, begann, 
für jene Idee begeistert, eine grosse Anzahl Codices durch- 
zusehen, zu welchem Behufe er nicht bloss Reisen machte, 
sondern Handschriften ankaufte, so dass er um das Jahr 1780 
bereits die bedeutendste Sammlung von alten Ausgaben und 
Manuscripten besass. Die Frucht dieser Mühen war zwar 
nicht der gesuchte Urtext, doch aber ausser einer trefflichen 
Bibliothek und gelehrten Abhandlungen, ein 1803 erschienener 
Handschriften-Catalog. 

De Rossi's Catalogus Mss. überragt die drei ält-.iren 
Cataloge an Literatur-Kenntniss, allein in der Beschreibung 
bleibt er — einzelne Digressionen abgerechnet — hinter 
Biscioni und Assemani zurück; man vermisst die Angaben 
über die Stärke oder Blattzahl der Codices, die Bezeichnung 
des Blattes, wo die Einzelschriften anfangen und endigen, 
die Anfangs- und Schlussworte derselben, die Wiedergabe von 
Orts- und seltenen Personennamen im Original. Das Wieder- 
erkennen von Anonyma und die Unterscheidung zwischen 
gleichnamig benannten Sachen macht sein Catalog schwer, ja 
unmöglich, und Vieles bleibt trotz der Verzeichnung gänzlich 
unbekannt. Die Variae lectiones, die Polemik gegen anti- 
christliche Stellen , die oft ungerechten Ausstellungen an 
Wolfs Bibliotheca müssen in vielen Fällen die Beschreibung 
einer Handschrift ausfüllen. 



— 6 — 

Dass heut alle diese Cataloge nicht mehr genügen, liegt 
weniger in der Form als in dem Stoffe. Die Männer, die 
jenen Arbeiten sich unterzogen, de Rossi nicht ausgenommen, 
Avaren bei aller Gelehrsamkeit oder sprachlichem Wissen in 
der nationalen Literatur der Juden Fremdlinge; fremd blieb 
ihnen das synagogale und das rituale Fach, so wie alles 
juridische und talmudische Wissen ; von Spezialgescbichte, 
von Sitten und Gebräuchen hatten sie dürftige, oft falsche 
Kunde. Rechts das Vorurtheil, links die Censur, verloren sie 
den freien Blick in die jüdischen Geisteserzeugnisse und die 
Fähigkeit zu unabhängigem Urtheil. De Rossi liebte seine 
pergamentnen Schätze, aber nicht ihre Urheber: aus Lieb- 
losigkeit und Geringschätzung kommen Irrthum und Un- 
wissenheit. 

Dieses über den Catalog im Ganzen ausgesprochene 
Urtheil lässt sich in vielen Belegen einzeln nachweisen. 

Cod. 148. Es ist nicht erwähnt, dass am Ende ein Ver- 
zeichniss von Beschneidungen, die um das Jahr 1610 und 
später in italienischen Orten stattgefunden, ein sogenanntes 
Mohel-Buch, vorkommt. Dergleichen sind von Werth für 
Personen- und Gemeindekunde. 

Cod. 150. Die Nummer 3 ist der auch im cod. 1280 
befindliche Tractat de coitu. 

Cod. 166. Das fragmentum ignoti libri (catal. p. 108), 
das den Codex eröffnet und als N. 1 zu bezeichnen war, ist 
ein Gebetbuch mit Erläuterungen ; der dort genannte Mazliach 
b. Elia ist R. Mazliach in Sizilien, der Zeitgenosse des Hai 
Gaon, und es muss iggeret (epistola) anstatt aga da gelesen 
werden. Das Schreiben des David Nasi (N. 6) ist im Mai 
1288 (nicht A. 1339) verfasst, indem die hebräischen Worte 
nicht 5099 (creationis), sondern 1599 (Seleuc.) ausmachen; 
die Stadt Atur ist Mossul. Bekanntlich hatte i. J. 1286 der 
Nasi Jisai in Damaskus eine ähnliche Schutzschrift für den 
„Führer der Verirrten" (More) erlassen. N. 7, mit dem Inhalt 
von N. 6 zusammenhängend, ist vom Monat September des 
Jahres 1288 (1600 Seleuc.) und besteht aus zwei Schreiben- 
Die von Salomo in Acre ausgegangene Verketzerung des 
More war bald nach 1290 bis zu Schemtob Palquera in 
Spanien gedrungen. An jene Correspondenz schliesst N. 8 



— 7 — 

an, in welcher R. Joseph b. Todros halevi*) erzählt, dcass sein 
Vater bereits gegen Ketzer und deren Schriften eingeschritten. 
An ihn ist in derselben Angelegenheit das Schreiben eines 
Ungenannten gerichtet, das handschriftlich in Oxford liegt. 
Meir b. Jesaia (N. 9) lebte A. 1300 in Lunel**). Dass „so- 
lutio quaesiti'" eine die Busse betreffende Stelle aus Abraham's 
b. David Vortrag zum Sühnfeste ist, kann Niemand errathen. 
N. 11 und 12 sind in Montpellier gesammelte Excerpte über 
Verbotenes und Erlaubtes. Dass Samuel Maghedi Samuel aus 
Agde heissen müsse, war sclion vor der Einsicht des Codex 
bemerkt***). Das dunkele demonstrationes (N. 16 und 17) 
bedeutet rituelle Decisionen. Folgende zwei Stücke sind 
übergangen : 

1) Schreiben von R. Salomo b. Abraham b. Samuel in 
Monpellier an Nachmanides. Desselben Mannes Schreiben 
an R. Samuel b. Isaac befindet sich in einer Oxforder 
Handschrift. 
2) Ein poetisches „Barchu" von Joseph b. Jehuda. 
Cod. 3o9 verdient eine das Verhältnis« beider Werke 
zu einander feststellende Untersuchung. 

Cod. 392. Das Werk Abiesri von R, Elieser halevi, das 
allein einen Folianten ausmachen würde, ist in dieser Hand- 
schrift ganz und gar nicht vorhanden, sondern wird am 
Schluss einer Anmerkung nur zitirt. Die erste Nummer des 
Codex besteht aus 212 Paragraphen, die ein Zuhörer Meir 
Rothenburgs zusammengetranen, und wovon Mehreres mit 
demselben Anfang in das Buch Col bo übergegangen ist. 
Als eine der Quellen, aus welchen der Sammler geschöpft, 
ist ein Coliectaneen-Heft des R. Isaac aus Wien zu betrachten. 
Die unter N. 3 aufgeführten constitutiones sind nicht ineditae 
(p. 19). Folgende drei Stücke sind übergangen: 

1) Jacob b. Ascher halevi poetische Unterweisung über 
kascher und terefa; 

2) von der Busse; dasselbe in cod. 1(36 N. 3; 

3) die Pforten des R. Elasar aus Worms, defect in § 34. 



*) Vgl. Zur Geschichte und Literatur S. 433. 

**) Das. S. 478. Vgl. Isaac de Latas Rga. S. 41. 

***) Zur Geschichte S. 482. 



— 8 — 

Cod. 397. Den ,,kleindn Mordechai" des Samuel aus 
Schlettstadt (nicht Salistas) nennt de Rossi ignotum und dessen 
Verfasser Wolfio ignotissimus. Beides ist nicht der Fall, da 
Werk und Autor im Oppenheimerschen Cataloge 1782 
(Abth 2 f. 14a) und bereits von Wolf (bibliotb. Tb. 4. p. 903), 
freilich nicht im Register, genannt sind. Auch durfte bei 
cod. 403 Salomo b. feimson nicbt als Wolf unbekannt aufge- 
fiihrt werden, da er ihn Th. 3. pag. 303 zitirt. 

Cod. 416. Dass man erst aus dieser Handschrift das 
Vorhandensein des Gebetes Manasse in hebräischer Sprache 
erfahre (p. 35), ist schon darum nicht begründet, da es sich 
bereits bei Gedalja Jachia (19a) findet. 

Cod. 629. Wie „Rabiah'^ aus cod. 392, so ist aus diesem 
Jehuda Tibbon zu streichen, den ein unwissender Abschreiber 
zum Verfasser einer alten unzählige Male gedruckten Vidui 
gemacht hat. 

Cod. 654. Trotzdem das Manuscript 427 Folioblätter 
zählt, erfahren wir nichts weiter als Titel und Unterschrift. 
Es ist aber eins der merkwürdig.sten in der ganzen Samm- 
lung; die Tabelle der darin enthaltenen synagogalen Stücke 
hätte viele Blätter des Catalogs einnehmen und ihr leiden- 
voller Inhalt alle Polemik übertäuben müssen. 

Cod. 655. Noch ärmlicher als der vorige wird dieser 
codex, ungeachtet er zweitausend Columnen stark ist, abge- 
fertigt. Der Commentar gehört verschiedenen Autoritäten des 
zwölften und des dreizehnten Jahrhunderts, aber keineswegs 
einem Simeon an. 

Cod. 694. Mose Kimchi's Commentar zu den Sprüchen 
befindet sich in den rabbinischen Bibelausgaben und heisst 
also mit Unrecht ineditus. 

Cod. 767. Das Sittenbuch, 33 Seiten stark, heisst mit 
Beziehung auf einen talmudischen Ausspruch*) Balul (nicht 
Bahul) und sein Verfasser Joseph. 

Cod. 799 enthält: 1) Gebetbuch, 2) Taschbez, welchen 
de Rossi Commentar nennt, vermuthlich weil er in der Hand- 
schrift die Gebete am Rande umgiebt, 3) Halacha's und Be- 
merkungen verschiedener Art, 4) das Buch Seder Tenaim 



*) Sanhedrin 24 a. 



— 9 — 

we - amoraim , 5) die Pforten R. Isaac's aus Düren 
(de Dura). 

Cod. 835. Von den drei (nicht zwei) Briefen Profiat's 
ist der erste nach Barzellona, der zweite nach Toulouse, der 
dritte nach Gerona gerichtet; der letztere betrifft nicht den 
More, sondern eine Stelle des Buches die Palme, was auch 
cod. Michael 738 bestätigt.*) 

Cod. 860. Fünf Dichter macht der Catalog namhaft, 
nur denjenigen nicht, welcher der eigentliche Träger des 
Machsor ist: Mose b. Esra. De Rossi, der nur von spa- 
nischen, deutschen und italienischen Älachsor wusste, hat in 
diesem Codex und in cod. 1117 den provenzalischen, in codd. 
198, 407, 1215 den altdeutschen, in codd. 654, 855, 856, 978, 
1198 den französischen Ritus nicht erkannt. 

Cod. 921. Die „Tochechoth Chajim aben Ezrae" ist 
eine am Ende des Manuscripts befindliche Abenesra zuge- 
schriebene ethische Abhandlung. 

Cod. 963. Die Angabe des Inhalts schliesst mit fol- 
genden Worten: et seder (Tamid) alter Binjamini constitutus 
a Meir gallo. Die Sache verhält sich so: der Schreiber hatte 
das bekannte Tachanun R. Meir's b. Isaac irrthümüch mit 
dem Namen R. Binjamin's überschrieben, was eine jüngere 
Hand berichtigte, dieselbe, welche dicht vorher den Namen 
R. Natanel de Chinon Zarfathi (galli) notirt. De Rossi hat 
hier den R. Meir, ungeachtet er dreimal seine Selicha ver- 
zeichnet, nicht w^ieder erkannt, gleichwie in Kastelin (cod. 1274) 
nicht Jehuda halevi, in Isaac b. Abraham (cod. 313) nicht 
Isaac Latef. 

Cod. 966. Die Schriften sind aus verschiedener Zeit, 
nicht bloss von verschiedenen Händen, und der Midrasch 
Neelam ist der Soharische. 

€)od. 1034. Die 8 Blätter umfassenden constitutiones 
sind von Jesaia de Trani. Aus mahadura tinjana (zweite 
Rezension) ist Isaac aus Dura geworden, obgleich die Be- 
zeichnung mahadura bei den Schriften R. Jesaia's ihm be- 
kannt war, s. catal. vol. I. p. 127. 



*) Vgl. Dukes Spruchkunde S. 67. 94, und den edirten l^.S nti'VD 
S. 185. 



— lU — 

Cod. 1131. Die Nummer 3 theilt das Schicksal vieler 
anderen Schriften: wir erfahren nichts weiter, als dass bei 
Wolf vergebens gesucht worden. Der Verfasser dieser aus 
147 Abschnitten bestehenden Sittenlehren ist, wie aus dem 
Schlussgedicht hervorgeht, Elia b. Chajim hacohen. Die 
Minhagim (N. 1) sind dieselben, welche in cod. 1233 N. 2 
als die des Abraham Childek*) angegeben werden. Die 
Collectanea N. 5 finden sich theilweise in Taschbez. 

Cod. 1133. Mit fünf Reihen abgefertigt, miiss der Leser 
des Catalogs, der zu dem „Buche der Frommen'' lediglich 
Varianten und Zusätze erwartete, wohl erstaunen, wenn er 
eine ganz andere Rezension jenes Buches, und statt 1178 
Abschnitte deren 1983 vorfindet, von denen einige ziemlich 
gross sind, so z. B. § 1512 fünf, §§ 14 und 15 elf Columnen. 
Auch nehmen die Theile andere Stellen ein: ed. § 155, 158 
ist Ms. § 1, 2, 12; ed. § 604 = Ms. § 30; ed. § 612 = Ms. 
§ 36; ed. § 764 = Ms. § 1592. Während hinwieder ed. § 206 
in der Handschrift § 212, also fast die gleiche Stelle hat. 
Unter andern werden Stücke aus Schabtai Donolo's Schrift, 
aber mit märchenhaften Zuthaten, mitgetheilt. 

Cod. 1237. Hinter dem Namen (N. 8) Abraham b. Salomo 
fehlt: ihn Tasart; es ist demnach derselbe Autor, der im 
Buche Juchasin Salomo heisst. 

Cod. 1240. Die Pesikta schliesst mit der für den achten 
Tag Azeret. Der Pesikta rabbati, welche de Rossi nicht ge- 
kannt, gehören, ausser mehreren im Cataloge aufgeführten 
Abschnitten, auch noch drei an. die zwischen N. 12 und 13 
des Codex ihren Platz haben müssen, nämlich rabbati Ab- 
schnitt 26, 27, 28 und zwar wird Abschn. 26 hier Midrasch 
Threni (Echa) genannt. Der Codex bricht in dem wirklichen 
Midrasch Threni defect ab Bl. 309. Die Blätter 301 bis 
308 fehlen. 

Cod. 1282. Die Handschrift ist nicht vor dem Jahre 
1391 verfertigt und enthält auch noch: 

1) Seder Tenaim we-amoraim (vgl. cod. 799; nicht ganz 
dasselbe scheint Seder Mischna cod. 1199 zu sein, das 
im Register übergangen ist); 



") Ritus S. 179 Note 2, 



— 11 — 

2) Jekutiel über Accente, Vortrag der Thoi-a, Punctation 
und ähnliche Gegenstände. 

Ueber den Autor des cod. 1372 sehe man: Zur Geschichte 
S. 482 und 480 und Munk sur la philosophie p. 28 Note 2. 
Statt de Son ist de Salon zu lesen. 

Nicht selten noacht de Rossi seine Handschriften älter, 
als sie sind. Codd. 1215 und 1216 sind aus dem 14. (nicht 
13.), cod. 1104 ist aus dem 16. (nicht 15.), cod. 418 aus dem 
17. (nicht 15.) Jahrhundert; der cod. 799 ist vom Jahre 1516, 
cod. 1283 frühestens vom Jahre 1674. Den cod. 435 verlegt 
er in das dreizehnte Saeculum ,,indubiae vetustatis exhibet 
indicia". Aber die Handschrift ist frühestens um A. 1500 
angefertigt, da sie Stücke von Abigedor Kara aus Prag ent- 
hält. Die eingeschriebenen Geburtsdaten sind vom Jahr 1538. 
Vermuthlich hielt er das Gebetbuch für alt, weil ihm die 
Existenz eines griechischen Gebetritus unbekannt war. Cod. 
150 gehört den letzten Dezennien des 14. Jahrhunderts an, 
wie bereits anderswo*) nachgewiesen. Im cod. 945 gehört 
die Jahrzahl 22 nicht dem Abschreiber an, die Schrift aber 
dem 10. Jahrhundert. Cod. 801 ,,variarum lectionum fons", 
ist nicht aus dem 14. Saeculum ; der Schreiber Levi Chalfan 
b. Aaron — irrig Abraham bei Wolf t. 4. p. 962 -- lebte im 
J. 1476, wie aus cod. Opp. 625 Q. hervorgeht. Sein Sohn 
ist der Abschreiber Mordechai in Ancona aus den Jahren 
1477 und 1480 (cod. Michael 665, cod. Rossi 657), in welchem 
letzteren Jahre der Vater, Levi, noch am Leben war. Den 
cod. 650 verlegt de Rossi in die ersten Jahre des 14. Jahr- 
hunderts, fast in die Lebenszeit des Autors (Salomo Aderet), 
weil ein Besitzer vom Jahre 1319 eingeschrieben. Diese An- 
nahme wird scheinbar verstärkt durch cod. Taurin. 107 
(Kenn. 251), welchen derselbe Besitzer i. J. 1310 für sich hat 
anfertigen lassen. Allein jener Name ist — was zuerst Bruns 
bemerkte — an die Stelle eines ausradirten Namens geschrieben 
folglich lebte er später als A. 1310. Der Mann heisst Leon 
Sinai de Cologna, und wie aus cod. Almanzi 140**) hervor- 
geht, lebte Leon Sinai b. Samuel de Cologna in den ersten 



*) Itinerary 1. 1. p. 11. 

**) Hebr. Bibliographie N. 26. S. 46 



— 12 — 

Dezennien des 16. Jahrhunderts in Argentine. Hiermit stimmt, 
dass dessen Sohn Malkiel im März 1566 in Mantua wohnte, 
wie aus einem Aktenstücke jenes Jalires erhellt*). Und unser 
cod. 650 gibt die Bestätigung, indem das Datum nicht 1319, 
sondern 15 15 ist**) Vielleicht ist Jehuda Samuel Sinai de 
Cologna, der in cod. Michael <S54 und vom Jahre 1465 in 
cod. Taurin. 1 eingeschrieben ist, der Vater Leon's, also von 
Samuel nicht verschieden. 

In vielen Fällen sind die Einzelschritten nicht beachtet 
oder sind verkannt. So wird in vier Gebetbüchern ein tar- 
gum mixtum angegeben, was als eigenes Targum gar nicht 
vorhanden gewesen. Selten wird einer wenig bekannten 
Scbi'ift eine genügende Beschreibung zu Theil, was namentlich 
bei den später hinzugekommenen Mss. (cod. 1378 bis 1430) 
der Fall ist. Bei cod. 1384 ist et aliorum zu streichen, da 
der Codex nur Sachen von Jeituda Romano enthält. Auch 
von mancherlei Fehlern im Verständniss des Textes ist der 
Catalog zu säubern. 

Diese Ausstellungen, weit entfernt von einer Verkleine- 
rung der Verdienste de Rossi's, sollen vielmehr zur Nach- 
eiferung erwecken. Vollenden wir, was dieser Gelehrte, fast 
alleinstehend in seiner Zeit, so schön begonnen hat. Oder 
sollen wir träge ausruhen, wenn die Wissenschaft den Fort- 
schritt fordert, zufrieden mit sechzig- oder hundertjährigen 
altersschwach gewordenen Catalogen? Soll Veraltetes, Falsches 
stehen bleiben trotz aller sittlichen und intellektuellen Er- 
kenntniss? Dieser Mahnruf ergeht namentlich an Rom, wo 
die Bücher vor den Forschungen der Denker verschlossen 
gehalten, fremde Werke nicht zugelassen, fremde Besucher 
aus der Bibliothek getrieben werden, und mehr gefaullenzt 
als gearbeitet wird. So schildern Andres und Adler schon 
vor achtzig Jahren die Mönche, die Hüter der ewigen Finster- 
niss, die Alles hasst, was denkt und redet, was sich regt und 
bewegt: ein Gespenst am hellen Tage. 

Freie Rede und freie Bewegung ist der Schlachtruf der 
Völker geworden, der Denker wie der Arbeiter. Europa's 



*) onDin nb.s 31 a. 
**) my St. -ny 



— 13 — 

Süden ist hinter dem Norden in Mancherlei, auch in Betreff 
der Juden, zurückgeblieben; jüdisches Schriftthum ist dort 
noch ein halber Fremdling, ein grosser Unbekannter. Wohlan 
denn, Volk von Italien! Du hast den geistlichen Wächtern in 
Florenz, Bologna, Parma, Turin, Mailand die Zügel entrissen, 
befreie mit Rom zugleich die hebräischen Manuscripte von 
den hütenden Drachen. Wie der Gedanke nach dem be- 
lebenden Worte, durstet Europa nach befreiender That, Italien 
nach dem Untergänge des Kirchenstaates. Wenn das Morgen- 
roth jenes Tages anbricht, an welchem vom Kapitol die 
Trikolore der Einheit, der Freiheit und des Völkerbundes 
wehet, dann werden auch die Ketten der jüdischen Menschen 
und Bücher gesprengt, und die befreiende Wissenschaft und 
die erleuchtende Liebe in die Räume des Vatikan einziehen. 



IL 

Wünsche für ein Wörterbuch der 
hebräischen Sprache. 

(Zeitschrift der deutsch-morgenländischen Gesellschaft 
Bd. X (1856) S. 501—512). 



Wenn ein hebräisches Lexikon den Wortvorrath des 
hebräisch redenden und schreibenden Volkes bedeutet, so 
besitzen wir noch kein solches. Niemand würde ein Lexikon 
zum Herodot, selbst eins für alle Autoren vor Theophrast, 
ohne weiteres ein Wörterbuch der griechischen Sprache nennen, 
so vollständig es für die Schriftsteller und den Zeitraum, auf 
welche es eingerichtet wäre, auch sein möchte. Vier und 
zwanzig hebräische Bücher, in der Amsterdamer Ausgabe 
vom Jahre 1630 — nach Abzug der aramäischen Stücke — 
592 massige Oktavseiten füllend, dieselben welche die Alten 
vorzugsweise biblia nannten, — diese sind es allein, deinen 
Sprachschatz die von den Juden erbenden Theologen in das 
Wörterbuch aufgenommen haben ; der gleich starke, aus noch 
andern zehntausend Büchern wurde des Hebens nicht für 
würdig befunden. Diesem Theile widmeten sich nur sehr 
vereinzelte Kräfte früherer Jahrhunderte, und mit Buxtorf 
dem A eitern hatten sie ihren Höhepunkt erreicht. Derselbe 
begann im Jahre 1609 ein Lexikon des Targum, berück- 
sichtigte bei seiner Arbeit auch den Wortvorrath der Talmude 
und des Midrasch, wodurch er gelegentlich sich veranlasst 
fand, mehrere Ausdrücke mitaufzunehmen, die er bei jüdischen 
Autoren gefunden. So entstand das nach seinem Tode von 
dem Jüngern Buxtorf vermehrt herausgegebene Lexicon chal- 
daicum, talmudicum et rabbinicum, noch heute die einzige 



— 15 — 

Zuflucht derer, welche nichtbiblische hebräische Bücher lesen 
oder Studiren ^Yollen. 

Dieses ,,noch heute'' sollte in Erstaunen setzen. Gleich- 
zeitig mit Buxtorf lieferte Jacob Donacher (1627) ein Kunst- 
büchlein für Kochkunst und Conditorei, PhiUpp Müller (1611) 
ein ausführliches Recept für die Bereitung des öteines der 
Weisen, der Arzt Zacuto (1629) eine Ueberschau über das 
Heilverfahren seiner Vorgänger. Ausserdem schrieben über 
Geschütz und Feuerwerk, Büchsenmeisterei und Befestigungs- 
kunst de Boy (1619), Furttenbach (1627), Meynier (1626); 
über Mineralbrunnen schrieb Saltzmann (1612), über Sonnen- 
uhren Zubler (1614); Holyoke gab (1617) ein lateinisch-eng- 
lisches Wörterbuch, Schickard (1621) einen Anfang zu bib- 
lischen Einleitungen, und von Sprenger wurden (1610) Homer 
und Virgil in Reime gebracht. Aber heute giebt es keinen 
Jünger der Kriegskunst, der aus jenen Büchern sich zur 
Prüfung vorbereitet, keinen Leser, der in der Leihbibliothek 
nach Sprenger fragt, keinen Reisenden, der Holyoke nach- 
schlägt, und keinen Gastwirth, der nach Donacher kocht, so 
wenig ein Naturforscher sich auf Mullerus berufen und ein 
Professor der Exegese das Bechinat ha-peruschim zu Grunde 
legen wird. Alle jene Männer mussten von Nachfolgern ab- 
gelöst werden, — Buxtorf allein steht noch auf seinem Posten. 

Nahe liegt der Einwurf, alle jene Leistungen seien durch 
grössere ersetzt, während Buxtorf für alle Zeiten genüge; er 
allein habe unter seinen Zeitgenossen seine Aufgabe erschöpft, 
ein vollendetes Werk geliefei't. Aber selbst wenn sein Wörter- 
buch das opus admirabile ist, wie Bochart es nennt, ist eine 
solche Behauptung unstatthaft. Nur den Werken des Genius 
ist das Vorrecht einzuräumen, dass sie in ihrer Art vollendet, 
als schöpferische Erzeugnisse jeder spätem Ueber- oder Um- 
arbeitung unzugänglich sind. Die Kunstwerke von Cervantes, 
Shakespeare und Rubens konnten von Nachfolgern nicht ver- 
bessert werden, aber Lexika, die sie geschrieben, hätten es 
gekonnt. Schwerlich dürfte ein Wörterbuch, zu einer Zeit 
begonnen, wo Europa nur zwei Zeitungen besass — die eine 
in London, die andere in Venedig — , heute nach drittehalb 
Jahrhunderten noch ausreichend befunden werden, da die 
Werke sehr verdienter Männer, die damals in den verschiedensten 



— 16 — 

Fächern sich Lorbeeren errangen, Männer wie Kepler, Neper, 
Galilei, wie Seiden, Casaubon, Erpen, Heinsius, wie Jungius, 
Campanella, Gothofredus, durch die grossen Fortschritte und 
Entdeckungen einer Jüngern Zeit in don Hintergrund getreten 
sind. Dem Jünger, der sie studirt, können nur die Alexander 
von Flumboldt, Arago, Faraday, Gauss, die Fr. Aug. Wolf, 
de Sacy, Ritter, die Wilhelm von Humboldt, Bopp, Grimm, 
können nur diese grösseren Nachfolger die Reife geben. Von 
dem Gesetze des steten Fortschrittes kann auch Buxtorf sich 
nicht befreien: derselbe, dessen »Schriften über hebräische 
Grammatik, biblische Kritik und Lexikographie längst ver- 
drängt sind, kann in dem einzigen hebräisch-talmudischen 
Werke nicht das Vollendete erzeugt haben. 

Vielmehr veralten Lexika gerade am schnellsten. Mit 
den Fortschritten in Welt- und Naturkunde, der Bereicherung 
an Sprachkenntniss und geschichtlichem Wissen, mit ver- 
änderten religiösen und philosophischen Anschauungen und 
ganz neu gestalteten Beziehungen zwischen häuslichem und 
öffentlichem Leben muss schlechterdings eine veränderte Auf- 
fassung eintreten von all demjenigen, worin das Leben und 
der Geist eines Volkes besteht, mithin auch von der Sprache, 
als dem Ausdrucke für jene. Jedes Wort, zugleich Sache 
und Bild, wird Gedanke und Empfindung; jede Redensart die 
Frucht einer unsichtbar sich entwickelnden Kultur. Die Er- 
läuterung von Worten und Dingen, das Verständniss der 
Autoren und der Epochen, von philosophischer und literarischer 
Bildung, von vielerlei Kenntnissen abhängig, kann 1856 nicht 
auf der Stufe von 1626 stehen. Von den heutigen Ansprüchen 
an ein hebräisches Wörterbuch konnte der alte Buxtorf keine 
Ahnung haben und ein solches eben so wenig schreiben als 
Kepler den Kosmos. 

Laut der Vorrede des Jüngern Buxtorf giebt das von 
ihm herausgegebene Lexikon alle Wörter vollständig, die 
irgendwo in hebräischen Büchern vorhanden sind, sammt 
Etymologie, namentlich seien die griechischen Wörter wieder- 
hergestellt; ferner die verschiedenen Stellen, die Redeweisen 
und deren Anwendung, eine Sammlung von Sentenzen und 
Sprüchwörtern nebst sachlichen Erläuterungen. Was die 
letzten anbelangt, so erscheinen sie unzulänglich selbst bei 



— 17 — 

bei einem cursorischen Durchlesen. Sogar ausführlichere Be- 
spreciiungen, wie z. B. u^"I^^, mJDIN, "Ij, y72, gehen theiis nicht 
in die Sache ein, theiis dienen sie nur polemischen Zwecken. 
Wie weit andere hinter heutiger Wissenschaft zurückstehen, 
kann beispielsweise eine Vergleichung der Artikel rn;iN p. 1295, 
N-^t:E^* p. 182, vxnci^'N p. 237, :nnvX p. 2642, .sntcc: p. 446, 
]ip: p. 1386, "Itr p. 2338, p:^in p. 2643 mit demjenigen 
zeigen, was hierüber in Krochmal's More (Lemberg 1851), in 
Rapoport's Encyklopädie (erster Theil, Prag 1852), in den 
wissenschaftlichen Abhandlungen genannt ^Ivnn (zweiter Jahr- 
gang, Lemberg 1853) und einigen deutschen Werken neuerer 
Zeit zu finden ist. Selbst derjenige, der in dem Buche „Die 
synagogale Poesie des Mittelalters^' (Berlin 1855) den Ab- 
schnitt Piut und Selicha nicht gelesen hat, wird in den fünf 
Reihen des Artikels r\TV7D p, 1483 Nichts entdecken von der 
Eigenschaft eines Reallexikons. In Bezug auf die Vollständig- 
keit der Conjugationen und der Anwendungen kommt des 
Herausgebers eigenes Geständniss uns zuvor: in talmudicis 
et rabbinicis ea ratio tam accurate observari non potuit; nur 
das Targum ist hier gemeint. Talmud und hebräische Schrift- 
steller gehen leer aus, und für die Redeweisen der mittel- 
alterlichen Autoren ist beinahe gar nichts geleistet. Was an 
Sentenzen noch nachzutragen ist, kann mau unter andern aus 
Dukes' Schriften lernen. 

Nach der Versicherung des Herausgebers ist Alles genau 
mit Beweisstellen beleiht, testimonio confirmatum. In dem 
Buchstaben Beth allein begegnet man folgenden Artikeln 
ohne alle Nach Weisung: 

'^"l^<5 Kalir und Spätere sehr oft. 

mtr\SD übler Geruch. 

nT:;2 Josippon p. 513. Samuel Tibbon llp"* S. 86. Nach- 

manides Genes. 39, 9. 
*13Z! Mischna Nedarim 10, 2. 
rTi''"2 das einsam Sein. 
nTniDPn (eine Stelle aus Kimchi giebt das Lexicon breve 

rabbinico-philosophicum Buxtorfs, Basel 1655) Jehuda 

Tibbon Emunot 10, 3 § 12. Samuel Tibbon More 1, 8. 

Abraham halevi pilf ^JWü S. 48. 

2 



— 18 — 

"•TiD Erdichtung, altes Nizzachon S. 95. 99. 151. 157. 

Tischbi v. \X"2 liest ^"^"C In Vajikra rabba c. 9 f. 175a 

^TiZpi^'':); Bereschit rabba 48 f. 50 ""^HD; ib. 115a 

D"'''l"i2 D''"12~. Alle drei Stellen sind parallele, daher die 

Lesung zweifelhaft 
^"iZC verzinnt. Bei Maharil 24a kommt noch vor: 7"'"ID HDIÜD. 
nbizn Mischna Berachot 5, 2. 
np^D Mischna Pesachim Anf. Sanhedrin 5. 
n"'3"l"i2 Verschwenderin. 
''CriD Jehuda Tibbon Herzenspflichten 3, 2. Kusari 2, 26. 

Elasar in Rokeach 7 b. Joseph Zaddik Mikrokosmus 

S. 41. 
pilZ^'D Mezia 27 b, 33 a. 
nnM2 (404)*) More 3, 25. 
m:j12nn Jehuda Tibbon Ermahnung S. 5. Emunot 6, 1. 

Joseph Zaddik S. 50. More 1, 2. 2, 6 u. öfter. 
HjTü (393) Simeon b. Isaac Keroba des Neujahrfestes. 

Abenesra Gen. 3, 24. 
vtCZ in allen Conjugationen. 
W^2 Fiel: Mischna Kama 8. 
'p'Id'pz Raschi Genes. 37, 29. Parchon Lex. f. 5 b. Kusari 

2, 68. Herzenspfl. 5, 6. 
nV'hz Mischna Tohorot Anf., Tosefta Berachot c. 4. 
G1D2 (387) Raschi Kidduschin 17 a. 
L:iy2 Tritt, Kama 19 a. 
ny^iZ (in Buxtorf's de. coena dominica § 57 ist auf Orach 

Chajim 167 verwiesen) Isaac Giat in Halachot (DTIDC). 

Raschi Berachot 47 a. Tosafot daselbst 39 a. 
mj<^p~ Raschi Gittin 69 b. Samuel b. Meir Levit. 13, 2. 

Serachja halevi zu ChuUin c. 3. "IIjHH "ISC § 151. 

Simson b. Abr. D^lCCIIi' RgA. N. 20. 
nrizn Simson zu Kilajim 7, 2. Nachmanides zu Batra 

c. 5. Tosafot Batra 83 a. 
mnz jer. Sabbat 7,2. Erubin 36 b. 
"ptfznn Mischna Terumot 10, IL Nedarim 6, 2, woselbst 

auch (6, 6) die Conjugation Nitpael. 



*) Die hier und in folgenden Artikeln hinter dem Schlagwort be- 
findlichen Zahlen in Klammern verweisen auf die Seite meiner ,,synago- 
galen Poesie'', wo jenes Wort aufgeführt ist, 



— 19 — 

Ist für Authentie, Alter des Ausdrucks und Geschichte 
der sprachlichen Entwickelung die Nachweisung der Quelle 
wichtig, so ist vielleicht die grösstmögliche Vollständigkeit 
eine noch dringlichere Aufgabe, indem jedes fehlende Wort 
den Suchenden im Stich lässt. In der That scheint Buxtorf 
der Jüngere dies gewollt, auch geglaubt zu haben, ein voll- 
ständiges Lexikon zu liefern. Allein dies ist nicht der Fall 
und war in jener Zeit, bei dem Mangel an Quellen, 
auch nicht zu erreichen. Hülfswerke wie Elia Levita für 
Targum, wie Aruch des R. Natan, Münster und der den 
Lonsano stillschweigend ausschreibende Philipp Aquinas für 
Talmud und altern Midrasch darboten, gab es für das Mittel- 
alter keine; der ältere Buxtorf hatte für das sogenannte 
rabbinische Collegium sich ein kurzes Vocabularium angelegt, 
und Nachträge oder Nachweisungen aus More .und einigen 
bekannten Erklärern und Grammatikern lieferte der Sohn, 
der beim Tode des Vaters das Werk in iuextricabili con- 
fusione gefunden. Wiederum mögen einige Beispiele darthun, 
wie viel hier noch nachzuholen ist. 

Gänzlich vermisst werden im Buchstaben Beth folgende 
hebräische Wörter und Conjugationen: 
T'J^Dn Raschi Rechtsgutachten N. 14. 
''"nt<''2 Adj. Israeli astronomisches Lehrbuch Jesod olam 1, 1. 

]n.s2 (401). 

ntt'\S-2 im Buche ncp-in c. 33 S. 212. 

nii'vSZn Tana debe Eliahu bei Jalkut Deuteron, f. 306c. 

rb22 Midr. cant. 9 c. \ i , , • , 

]ip^bz2 Tanchuma 30d. / babylonisch. 

nn:z (403). 

nnz Erdichtung, ]:"Nn § 107 Anf. Jechiel disput. S. 5. 
HvXnz dasselbe bei Chisdai ('n IW 2, 3, 2 Ende. 2, 5, 5. 

2, 6, 1 Sign. 18, 4 b unten) und hieraus in WO^' mj 

f. 145 a. 

^nz (411). 

Tizm (421). 

P"'~Z alte üebersetzung von Saadia's Emunot. 

bnz (411). 

'?-lb (387), auch in der Aboda anf. nmii'K. 

2* 



— 20 — 

rh^^)2 s. Aboda HD y'r2i<. 

rÖn2 Aldabi ''b^^'^' Abschn. 9 f. 114d ed. Riva. 

''''h'>12 Buch der Definitionen (Hagedarim) 72b. 

'r^iblZin Adj. Mose Narboni zum More 2, 1 f. 26a. 

p'>''\2r\ Menachem b. Seruk Wörterbuch v. "!1X. 

^n^nn grosse Pesikta 36. Josippon p. 24, 82, 572. Schab tai 

Donolo: Der Mensch S. 2. 
bn2 (386). 
D^biHD (389). 

mSl-H Mose Narboni a. a. O. 3, 6. 
mCnD Herzenspflichten 8, 3 § 12. 
nvcrc Aldabi 6, 10 f. 94 a. Zarza Pentateuch-Commentar 

f. 8d. Simeon Duran mZN yj2 f. 85b. 
piHD (411). 

pil2 Piel, in der römischen Aboda. 
r\pr\2r\ Salomo Alkabez zu Cant. 4, 1. 

nnz! (410). 

1)^2 Tobia im Lekach tob f. 17 a. 

^"1\"lD Joseph Delmedigo p. 50. 51. der Abhandlung Majan 

chatum. 
WTHD in D^%' m: 4, 3. 

"»NIZD Adj. Aaron b. Elia im Ez-chajim c. 95 und 96 Ende. 
■jn (393). 
-]:d (407). 

njDH (in dem erwähnten lexic. breve aufgeführt) schon vor 
Jehuda Tibbon bei Menachem b. Salomo und Raschi 
Genes. 41, 15. 

orn (409). 

mznn jer. Pesachim 6, 2. Chanuca-.Midrasch S. 135 ed. 
Leipz. Conj. Nitpael in Taanit 16 a. 

ninnn bei Abraham halevi a. a. O. S. 106. 

^112 Sabb. 22 a (auch Raschi das.), Semachot 13, grosse 
Pesikta 21. Maimonides in vüiPl 3, 11; Commentar zu 
p7n und Abot c. 4. Nachmanides Genes. 25, 34. Buch 

n^in p'ürhD 32 a. 
bnD (386). 
pnzn Frühgebet; Mechilta X2 c. 11; Sabb. 12a. Sanhe- 

drin 8 b. Buch Jezira. 

nrcx (396). 



— 21 — 

njriDn Raschl Sanhedrin 72 b. Joseph Kara zu Hiob 21, 30; 

Kara ms. a. a. O. hat PjnDD r\Vir\ ]\N'. Alte Uebersetzung 

von Saadia's Emunot. Abrah. b. Daud Glaubenswerk 

S. 92. 
n'>''jnZ!n Todros Rhetorik des Aristoteles S. 54. 
]n2D (405) ; daher myit'n ]n2D Uhr (D^iyn b)i 3, 6). 
''ITID Kusari 5, 20. Palquera Meinungen der Philosophen 

ms. 1, 2, 5. \lfp2r2n IIb, 15a. 
''"'"ITC Abrah. b. Daud a. a. O. S. 97. Gersonides Deuteron. 

f. 211c. Mose Narboni a. a. O. Vorrede. 
nnDD oder ^nHDD Kusari 5, 20. 
]t<"inZ! (arab.) Krisis in Fiebern. 
^:inn2 Maimonides Perakim c. 11 f. 34 b. 
It'HD Piel. Aldabi 57 b. 
COD (arab.) Ente. Aldabi 4, 1 f. 50 b. 4, 3 f. 64 c. 5, 10, 

2 f. 83 a, 85 c. Das arabische ("TTID ist bei Kusari 3, 35. 
LD2::2ni Schemot rabba 31 f. 148 c, Tanchuma 30 a. Rascbi 

Exod. 22, 24 — und hieraus Buxt. — liest Ü2Ü30, 

Lonsano tSÜDHi. 
nx^L:2 (393). 
r\'\D2r\ (395). 
n\St:2D s. Wolf biblioth. t. 3 p. 1157. 

nn^ioD (393). 

'^^SD Kai, Abot R. Natan c. 7 und 29. 

m^LD^ Midrasch Temura c. 3. 

nutODnn Jedaja's Sendschreiben. 

Di<^D s. V. a. DHD Hirt, jer. Sota 11, 11. 

V'2 (392). 

^2 eine kleine Münze, der sechste Theil eines Maa, jer. 
Kidduschin 1, 1. 

''li^D eiweissartig. Abenesra bei Zarza a. a, O. 49 c. Me- 
nachem in Zeda laderech 1, 1, 14. 

''"'iJ''D 1) eiweissartig. Almansor 9, 25. Maimonides Pera- 
kim 4b. Simeon Duran nn^S po 51b. 2) eiförmig. 
Joseph Delmedigo p. 31 a. a. 0. 

DTD Jehuda hadasi nennt die Rabbaniten DTiD "'JD- 

r\yV2 s. V. a. n^IlIC Porticus, Josippon p. 839. 

n"i3:i'''''D Blödigkeit, Maimonides Einleitung zu Abot, c. 4. 
Abuab Leuchter c. 337. 



— 22 — 

Nn''2 das griechische Beta, Schekalim 3, 2, bei den Neu- 
griechen Bita (Simeon Duran a. a. O. 54 b). 

]in^2 (402). 

]P2D (398). 

D:h2 (arab.) das griechische (f^iyfia^ der weisse kalte Saft 
(pituita) im Körper, einer der vier ursprünglichen Säfte 
bei den Aerzten des Mittelalters, hebr. nn""? (Donolo 
S. 13) oder HJ^bn HH^b (Aldabi 4 f. 43 d), daher jede 
im Körper sich ansammelnde kalte Flüssigkeit (Maimo- 
nides Perakim c. 2). 

''12:h2 Adj. Maimonides a. a. O. c. 2 f. 6 b. c. 6 f. 15 d. 
Menachem Zeda laderech 1, 3, 10. 

''"'Q:'^: Jehuda Natan ms. f. 65 a. Definitionen v. Tm und 

■«bin. 

^I^D Verwesung, medicinisches Buch "liyn ms. § 65; Defi- 
nitionen 87 b; Dl'pii' mj 83 a; biOr^^l' Wllü Abot c. 5 
gegen Ende. 

n''^'?2 in ]'\'''-^r\ r\2i<bü iia. 

\:h2^ü in der Aboda anf. nmit'iS. 

bb2 Nifal: Mischna Menachot 12. Hifil: Menachem b. 

Mordechai Pesach-Jozer. Hofal: jer. Sota 8, 1 Ende. 

vbzin Isaac halevi Hochzeit-Jozer. 
'pD^Dm Midrasch Temura; Raschi Genes. 10, 25; Aruch v, 

prStSpEX; Jehuda Tibbon in Kusari 1, 48 und Emunot 

1, 4 § 7. 
üb2 Fiel oder Hofal: Tosefta Bechorot 4, Bechorot 40b. 
Vb2 Hofal: Mischna Erubin 4, 6. 
ny^Dn Erubin 44b. Nedarim 37 a. Menachem b. Salomo 

Wörterbuch v. h^ü. Tosafot Aboda 62 a. 
'Vb2 (421). 

p'h^il Kalir im Chanuca-Jozer. 
t^'^'?2Q (417). 
ÜD2 oder üli'2 Gewürzhändler, jer. Schebuot 6, 6. Kiddu- 

schin 82 b. Tobia Lekach tolD 32 b. 
D1DZ Binjamin b. Samuel Keroba des Wochenfestes. 
CD2 Fiel, s. die synagogale Foesie S. 425 N. 9. 
D2D (409). 
1D2 verachten: jer. Joma 4, 1. 



— 23 — 

1V2'C Cant. 4, 1 erklärt Midrasch Cant. 23 a durch das 

arab. "1^3 geräumig sein, hebr. nn. 
]VV2 (398). 

12V2 Hifil: Batra 21a. 
^V2 (386). 
"iy2 Hitpael: Mischna Maaser scheni 5, 6. jer. Pesachim 

6, 4. Succa 40 b. 

nyn (387). 

nyzö (40.5). 

nnVD Samuel Tibbon ^Y S. 94. 100. 

myzn (408). 

nyz Hifil: Mischna Joma 5. Kalirs Keroba des Versöh- 
nungsfestes. Hitpael: vSchemot rabba c. 30 f. 147a und 
in den Vorzeichen des Messia. 

nyz (386). 

nn^yz (393). 

^üZ hervorquellen: jer. Pesachim 7, 1. Tosefta Mik- 
waot c. 1. 

^iJZ Nitpael: Megilla 14 a. 

-iiliZ (387). 

HTiJZ das Weinlesen, Moed katan 3 a. 

^^niiS^pz im Buche Elim p. 56. 

nypzn Buch der Definitionen v. plZ- (In Estori's Kaftor 
waferach c. 33 in beiden Ausgaben 1. nyzpn). 

ppz Nifal im Gebete Dinn; Hifil bei Kalir (417). 

"> nz s. V. a. {^nz bei Jehuda b. Barsillai (s. Halichot kedem 
S. 70. 75) und Jehuda hacohen im Midrasch ha-choch- 
ma ms. 

N-lzc (405). 

''"'m{<''"lZ Averroes Compendium der Logik f. 2b. Buch der 
Definitionen s. v. 

nxnzn Algasali m:nz Abschn. I. Todros a. a. 0. S. 12. 

"f^Zn Jehuda hadasi in Eschkol c. 96. 

■'"nz die mittlere (krystallinische) Feuchtigkeit im Auge, 
bemerkt Simeon Duran (a. a. O. 51 b) , arabisch 
ni"ii7:i7N nzilOvX, wird von den Uebersetzern bald 
^^T)Z von -["IZ Hagel, bald mp von mp Eis, bald 
"»^"IISZ von "IIDZ Reif genannt. In der That findet sich 
^1"1Z bei Samuel Tibbon: Meinungen der Philo- 



— 24 — 

sophen VI. 3, 1. Jehuda hacohen im Midrasch ha- 
chochma, Schemtob Palquera 'Z'pZr^n 46a, Aldabi in 
^b''!'^' Abschnitt 4 u. A. Tllp haben Abenesra bei Zarza 
Commentar 49 b und Menachem in Zeda laderech 1, 1, 14. 
^*1''2D oder "'"'IIDD findet man bei Gersonides Cant. 5, 11, 
Abraham b. Daud Glaubenswerk S. 28, Mose Riete in 
pjZ'pn ly ms., Abravanel in Cl^nn U^DU/ f. 31a. Ausser- 
dem giebt es noch zwei Bezeichnungen, nämlich 4) "'"T'vJ 
Samuel Tibbon a. a. O. Maimonides Perakim c. 3, 
Cummentar ms. zu Almansor 9, 15. 5) ri''3"'2* bei Al- 
dabi 4 f. 48 d und im Buche Schaar hascham^jim 54a, 
welche beide Autoren die gläserne Feuchtigkeit mit 
n''1"'SD bezeichnen. 

^mz s. mz. 

miD Maimonides in Mischne Tora (vom Aussatze 5, 2). 
''^nZ- Chirurgische Operationen heissen r"l'''pnz n\X121 Mai- 
monides Perakim c. 15 f. 38 c. 

bnizD (417). 

rT\^12 Schemot rabba c. 27. Josippon p. 570. Kusari 3, 19' 
More 3, 37. 

nrnzn Maimonides Rechtsgutachten N. 179. 

nZ''1Z jer. Succot 5, 4. 

pziZ in einem poetischen Kaddisch, anf. miX- 

DDIZnn. Jochanan Jerechoni : de urina ms. nennt die Hirn- 
wuth bei einem starken hitzigen Fieber |ir(?2P li'ZV 
DDIznn "ly ip"'iO"':TD iOpin. Er bezeichnet demnach die 
q.Qtylng, ähnlich wie Jehuda Tibbon (Kusari 5, 14) 
DND''Z durch mcz 5<D'n?2 wiedergiebt, während das ara- 
bische GD"1Z pleuritis bedeutet, wie auch Aruch das tal- 
mudische DD"iZ (Gittin 69 a, Chullin 105 b, an letzterm 
Orte und bei Buxtorf mit Z anhebend) erklärt. Dahin- 
gegen meint Raschi, es bedeute einen fliessenden 
Schnupfen, französisch T^'I'H». Vgl. Steinschneider, 
fremdsprachl. Elemente S. 15. 

np^^lZ More Einleitung. 

np"izn Simeon Duran mZN' ]:o 10a. David Kimchi Lex. 
V. ^'W. 

yp'^.Z lat. braccae, fehlt bei uns Tanchuma 4 a. Vgl. Aruch 
l^'C2S, Lonsano ]"'plZ. Mussafia pIZ und (""pIZS. 



— 25 — 

|iDp"'"12 (jer. Nedarim 3, 2. jer. Schebuot 3, 8) gehört zu 
dem vorangehenden vD, vgl. nokvßQoxog. 

"Tn2 Hifil, Joseph Tobelem Keroba des grossen Sabbat. 
Hofal: Raschi Erubin 37a, Beza 37b, 30a, Gittin 25a. 

^')2 (410). 

nbti'Zn die durch Wärme bewirkte Reife, s. Samuel Tibbon 
Meinungen V. 2, 24. 3, 13. Palquera zum More S. 110. 

nit"'lt'Z Zögerung: Binjamin b. Samuel im Jozer für Zwischen- 
sabbat Pesach. 

Dvi'IPM jer. Joma 3, 9. Erubin 54 a. 

dtrz s. DD2. 

W2 Adj. Maimonides Perakim 28 d. 36 a. 

niQU'2 s. Ms. Wien GL VII, Verz. S. 167. 

nVr^b'Z Gersonides Exod. ncnn 104 c. 

nr^'Z Adj. Herzenspflichten 10, 4. nnc |ipn 5a. Aldabi 44b. 
52 d; häufig bei den medicinischen Autoren. 

^"•^if Z Jehuda hacohen im Midrasch ha-chochma ms. f. 42 b. 
Aldabi 59 b. Kimchi Lex. v. Zliy. 

pinz (426). 

|nPZ Meir b. Isaac im Chanuca-Jozer. 

Aber selbst in den Artikeln, die Buxtorf hat, lässt die 
Angabe der Bedeutungen, was die Vollständigkeit betrifft, 
viel zu wünschen übrig. Die Zusammensetzungen, insbeson- 
dere die mit p> PZ"i u. s. w., sind spärlich und fast stets ohne 
Quellenangabe. Einige Beispiele aus dem Buchstaben Beth 
werden auch hier genügen. 

"PIZJ 1) abstractum, körperlos, gleichbedeutend mit TISJ 
p. 1800, meist mit rnii, Dliy. bzti' verbunden. 2) in- 
commensurabel (Samuel Tibbon Verzeichniss der Fremd- 
wörter, Buchstabe D). 

I^ZJ war im Mittelalter eine Bezeichnung des Standes und 
ein Ehrentitel; vgl. mein: Zur Geschichte und Literatur 
S. 518 Anm. d. 

NJJIZ oder nyiz die Urinblase (Schemtob Palquera Mei- 
nungen der Philosophen ms. ti'pZ/^n 16 a. Aldabi 
83 b. Menachem in Zeda laderech 1, 1, 13 und 37. 
Das Buch J<iJ02n p. X u. f.). Die anderen synonjTnen 
Ausdrücke sind : 2) D^bn >0^D b'^ O^D Elieser b. Natan 



— 26 — 

im Eben ha-Eser § 257. 3) ]P'\l'n C^ Jehucia hacohen 
Midrasch ha-chochma, Buch Tyn, wo im § 116 D"'D allein; 
Aldabi 59 d, 60a. 4) ]nt^•^ n-^pü Schabtai Donolo: Der 
Mensch S. 4, Schaar haschamajim 30a u. m., Meir Al- 
dabi 43 c, 59 b, 60 b. 5) D^b^T ^O mpQ Donolo S. 10 
und hieraus Orehot Zadikim c. 28. 6) D^bn ^D n^D 
Rokeach § 398. 7) b2: Donolo S. 10. 8) jnii'n ^\^pü bz: 
Donolo S. 4. Aldabi 59 c. 9) r{)pü Commentar zu Al- 
mansor 9, 72. 73. Maimoindes Perakim 3b, 5a u. a. m. 
Schaar haschamajim 64b. Aldabi 83 d. Buch der Defi- 
nitionen s. V. und sonst. 10) HTTID'?!^' Donolo S. 4. 10. 
16; aus Donolo auch bei Hirz Treves Tefilla-Commentar 
zu nct^j. Elieser b. Natar. a.a.O. Herzenspflichten 2, 5. 
Ascheri zu Chullin c. 3 § 45, Jore Deah 45, Jerucham 
Ritualbuch 15, 10, Almansor 9, 72 u. ff. p'X'n mxiD 
ms. 34b, 36 b. Aldabi 82 b, Buch "lUS § 1139, Orehot 
Zadikim. Es ist für den Charakter der Studien seiner 
Zeit bezeichnend, dass Bensew's Wörterbuch keinen 
dieser Ausdrücke, sondern das ungebräuchliche aramäische 
J<n^n (Beutel) hat. 
NITZC ist bei Joseph b. Zadik da, wo es die Feststellung 
der Begriffe gilt, so viel als Erkenntnis (Mikrokosmus 
S. 39), parallel mit Xli' Verstand, beide nicht sinnlich 
wahrnehmbar (S. 34; vgl. S. 3, 6, 24, 32, 35); daher 
heisst die Logik (Dialektik) sS^^Z^n PCZn ,S. 2, 6). Den 
Gebrauch dieses Ausdruckes bezeugt auch der Com- 
mentator ^Dl^ SiN f. 66 a, 86 a. Vielleicht hat derselbe 
bei Josippon p. 888 denselben Sinn. Noch Samuel 
Tibbon (Hp"" S. 37) unterscheidet zwischen äusserlichem 
und innerem t^tTDC; letztern verstehen die NI2DCn ""Crn; 
Schemarja (s. Wolf bibl. Th. 3 S. 1157) verbindet 

n^:i^:nm n\s"t:z?:n. Da nzi und "im synonym mit h2\i; 

(Samuel Tibbon Verzeichniss der Fremdwörter v, PID, 
Commentar ^Z}V 'PHvS' 136 b), so ward a'^2r2 auch synonym 
mit 112"! (s. Maimonides Logik c. 14, vgl. Steinschneider 
jüdische Literatur S. 397 Anm.3), und schon bei Joseph 
Zadik (S. 24) wird in diesem Sinne "nz"im {^^lTZCH ver- 
bunden. Was Tibbon inneren {<:22C nennt, heisst bei 
Palquera {^'pZCn 43a) zbn lin, daher rlie Logik auch 



— 27 — 

heisst 112~n n^m (Palquera a. a. O. 40b, 43 b) oder 
"112"! nZiÖü (Samuel Tibbon Verzeichniss Buchst. H^, 
oder "12"! nDZn (Herzenspflichten Vorrede und 2, 5. 
Jacob im Malmad Abschnitt Nti*^, Serachja halevi 
zu Ende des Buches N*2':»n) und die logischen Wahr- 
heiten mn2"in mn?^vX (Kusari 5, 12). — In dem Buche 
□b'yn bi 1, 7 wird die Grammatik .SuZCn 'n genannt. 

n^Z die Reimzeile, seit Dunasch. ""122 n^2 u. a. m. in der 
Astrologie. 

"T12''2 s. meine synagogale Poesie S. 70. 

bv^ in vielen Zusammensetzungen, z. B. Ct^*- Wunderthäter, 
n^^2r\- endliches. 

^ii2 Nifal. in der Bedeutung Trauben schneiden: jer. Jeba- 
mot 15, 3. 

Vp- der Sinus im Kreise (Israeli astronomisches Lehrbuch 
1, 2 Fig. 49. Oft bei Delmedigo). 

nn2 der Hebel (Delmedigo p. 32. 187). 

nti'p2 1) Untersuchung, 2) die poetische Bakascha, 

Der Tadel trifft nicht diejenigen, die vor mehr als zwei 
Jahrhunderten jenes Lexikon geschrieben, sondern die, welche 
seither kein besseres vermisst haben. Ein solches sollte nichts 
aus dem Sprachschatze ausschliessen, weder wissenschaftliche 
noch poetische Bildungen, zumal bei vielen es schwer zu er- 
mitteln sein dürfte, ob es Ueberreste der lebenden Sprache, 
ob es Neubildungen sind, ob Grammatiker und Erklärer von 
dem Peitan, oder dieser von jenen gelernt. Ein kleines Ver- 
zeichniss von Beispielen, die noch vermehrt werden könnten, 
wird diess beweisen. Man findet nämlich Wörter, die der 
altern Zeit fremd sind, bei Dichtern und Prosaisten gemein- 
schaftlich, als "'UN Kalir, Menachem b. Salomo im Wörterbuch ; 
]1jN Kalir, Kalonymos im Thierfabelbuch ; DI^X Jechiel in 
einer Selicha, im karäischen Buche mo"'W; rimz; y"l)IO; ^12T 
Salomo und Kalonymos, Samuel Tibbon 1p^ S. 113; pP^I 
Kalir, Buch der Frommen § 396; p^DH; f]yCB'^ Joseph b. Salomo, 
Raschi Sabb. 42 b; 21^"; Raschi in einer Selicha, alte Ueber- 
setzung des Emunot wedeot; p'lti'''; ^"in2 Isaac b. Ruhen, 
Samuel Tibbon; nbrh KaHr, Donolo u. A.; (nO; pt:: Salomo 
b. Jehuda, Menachem b. Salomo im Wörterbuche; It'Di:; 



— 28 — 

]'^^2ü; POy Nifal (synag. Poesie S. 414) die alte Uebersetzung 
des Emunot wedeot: IHD; 'pi^bli; ]V\i^'*p; DW") aus dem jerusa- 
lemischen Targum (s. Aruch s. v.) aufgenommen, bei Kalir 
u. A., Donolo, Joseph Zadik; A^ti;'; HD'^i^ti^ Kalir, Binjamin, 
Samuel b. Meir Genes. 27, 46; mDJP; niMT) (Bewegung, 
Klage) bei Binjamin b. Samuel, Jehuda Tibbon, David Kimchi. 
Ohnehin haben Uebersetzer und Peitanim, wenn auch nicht 
immer gemeinschaftliche, doch häufig, im Verhältniss zu den 
Stämmen, ähnliche Bildungen; so z. B. entsprechen 1) Dmii^'O 
von ünit' bei Palquera in Reschit Chochma ms., 2) i^^P^ 
Menachemb. Seruk, 3) ax^D Chisdai, 4) jD^^n bei Aldabi 56a, 
5) pn2, 6) Pr^'in der Tibboniden, 7) n']^V^\ Schlaflosigkeit, 
(medizin. Autoren) und 8) nilZl^Ti bei Abraham b. Chija, — 
den peitanischen 1) DIIHD (415), 2) nij?0 (406), 3) HN^tSD (393), 

4) pznS (398), 5) ]v^v (399), 6) n^mn (408), 7) nsiyn (409) 

und 8) n"li2Jn (408). Dieses letztere Wort namentlich hätte 
in seiner Bedeutung ,, Stärke, Uebermacht" in den neueren 
deutsch-hebräischen Wörterbüchern einen Platz verdient, den 
das ganze Mittelalter ihm bereitet. Ausser den Dichtern ge- 
brauchen es Autoren aller Gattungen, z. B. Raschi, Menachem 
b. Salomo, Elasar b. Jehuda (Rokeach 4c), das Buch der 
Frommen (§ 30ü), Jehuda Tibbon (Emunot 3, 6i, Samuel 
Tibbon (More 2, 10), David Kimchi (Ps. 120), Abraham des 
Maimonides Sohn (Milchamot 3b), der Mikrokosmus (S. 55, 
64, 74), Jehuda Charisi (Lehren der Philosophen 2, 4), Mai- 
monides in den Perakim, Mose Tibbon (bei Natanel Kaspi), 
pi)i ^JlkSD S. 142, die Pentateuch-Tosaphot Tu 4 a, Immanuel 
p. 78, das Buch Schaar haschamajim (54b), Todros Rhetorik 
(S. 32), die Abhandlung ^^yD3^ p. XL, Salomo Costantini (bei 
Zarza 12 a), das Sittenbuch eines Ungenannten, Machir b. 
Abbamare, Mose Narboni, Nissim (mi^m 7a), Samuel Zarza 
(Mekor chajim 96 d), Meir Aldabi, das Glaubensbuch Abra- 
ham's b. Daud, Bonafus im Buche der Definitionen, Simeon 
Duran (a. a. O. 59 ab, 65 b, 66b, 70b), dessen Sohn Salomo 
Duran in der Streitschrift gegen Hieronymus de Santa Fe 
(f. 34b), David b. Jachia im Commentar '•pil 3p zu den 
Sprüchen, Jochanan Aleman (s. Reggio's Briefe Th. 2 S. 71), 
Isaac Abravanel, Abraham Farissol, Mose Almosnino u. A. m. 



- 29 — 

Ueberhaupt sind aus Poesie und Wissenschaft lebensfähige 
Bildungen hervorgegangen, von denen viele älter sind als man 
glaubt, so z. B. riDTl älter als Aaron b. Elia, da es bereits 
8aadia bat; Manches war so eingebürgert, dass es unter 
biblischen Wortformen mit aufgezählt wurde, wie z. B. nil^n 
bei Abraham de Balmes in seiner Grammatik de radic. strata 
16, Signatur n. f. 7 b). Vielleicht Hessen sich noch heute 
ähnliche neue Wörter für neue Begriffe bilden. 

Ein vollständiges hebräisches Wörterbuch, das für den 
gesammten Wortvorrath Abstammung, Bedeutung und quellen- 
mässig begründeten Gebrauch angiebt, ist nicht nur für ein- 
zelne Fächer, wie Sprachlehre, Geographie, Heil- und Him- 
melskunde, sondern für die Geschichte der Cultur und der 
Literatur von unberechenbarem Werthe, von grösserem 
vielleicht für Humanität, für Ausrottung blutdürstiger Vor- 
urtheile, für Recht und Wahrheit. Nebenher würde eine solche 
Arbeit der Kritik der alten wie der neueren Werke erspriess- 
lich werden. So würde man z. B., dass Meir Aldabi's Werk 
ein aus verschiedenen Schriftstellern zusammengelesenes Werk 
ist, schon an den verschiedenen Ausdrücken erkennen, die er 
für die Blase hat. Ohne einem solchen Wörterbuche die Last 
eines Reallexikons aufbürden zu wollen, müsste es doch überall 
eine richtige Sacherklärung geben, und in seinen Kreis mit 
hineinziehen sowohl die durch Analogie und üebertragung 
hebräisch gebildeten, als auch die in ihrer ausländischen 
Form gelassenen Fremdwörter, Eigen- wie Gattungsnamen. 
Zu ersteren würden gehören z. B. mmj< Hussiten, D"'D:i Grossi, 
Groschen, D'^lfin Prädikanten, D"'b2iri Franziskaner (cor- 
deliers), übv 2M:: Gutkind, ^nT» aus Lunel, ]Vj^ Slavonien, 
f<Z"ii» Haleb, D''Tyü Miuoriten. Zu den letzteren gehören alle 
allgemein gebräuchlichen fremden Wörter, solche zumal, die 
mit dem hebräischen Artikel vorkommen und aus welchen 
Eigenschafts- und Zeitwörter gebildet sind; sie haben den 
gleichen Ausspruch wie archon, angelus, basilica, comes u, s. w. 
aus den Midraschim. Solche sind z. B. "j^D^X (Estori Parchi), 
D±>2, N^^Dnz (Salomo Verga), jvSnnD, Dnm, nf<^?3^2 (Herzens- 
pflichten), Np^DI^ (Kusari 2, 64), p:::D. n^JTl^J (Tosefta 
Mezia 2), njnt^ÜN* Säule oder Cylinder. Daher heisst der Kegel 
nj'ncüN'n Tlina, sonst auch, nach dem arabischen, nü1"inD, 



— 30 — 

wobei gelegentlich zu bemerken, dass lOH^D (bei Schemtob 
Palquera und Joseph Caspi zu More 1, 73 § 10) und mj^tcn^lD 
(in Herzenspflichten 8, 4) Druckfehler sind, und Di:X''b2'?i< 
bei Caspi nicht in Euklid verbessert werden durfte, da es 
ApoUonius (Drjlbzt^), der Verfasser des Buches von den Kegel- 
schnitten (D''t3nnn IZD) ist, woselbst die zwei sich nähernden 
und nie treffenden Linien bekanntlich die Hyperbel und ihre 
Asymptoten sind. Endlich sollten auch Abkürzungs-Formeln 
in dem Lexikon Platz linden, nicht bloss solche, deren Ver- 
stand niss für Geschichte und Alterthümer wichtig ist — ich 
habe Belege dazu in meinem Buche zur Geschichte und Lite- 
ratur gegeben — sondern so viele, die den Leser aufhalten 
oder irreführen können, zumal wenn sie ihm ohne Erkennungs- 
zeichen begegnen, wie r\22 das Unendliche, nit'D die Meta- 
physik, "'2^ eine Euphemie, und andere mehr. Ein Wörter- 
buch, sprachvergleichend, vollständig, authentisch, ausführlich 
und geschichtlich, würde demnach noch immer eine Leistung 
sein, einer Akademie der Wissenschaften würdig^ der Lorbeer 
kann ihm nicht entgehen, da die Niederlage, die ein solches 
Werk einem grossen Heere von Irrthümern beibringt, unver- 
meidlich ist. 



III. 
Das AdTerbium j^D 

(Zeitschrift der deutsch-morgenländischen Gesellschaft 
Band 24 S. 591—598). 



I. Aehnlich den sowohl Ort als Zeit bestimmenden Par- 
tikeln ]N und njH bezeichnet »"12 Gränze und Ruhepunkt in 
Bezug auf Entfernung und Zeitdauer, näher bestimmt durch 
die beides messende Zahl, daher nr IV 1) dorthin, 2) bis jetzt, 
3) bis so viel (Jos. 17, 14) bedeutet. Gleiches gilt von dem 
aramäischen HD (Dan. 7, 28, Wajikra rabba c. 23, wo r{2''DW 
in nr "'?2*^' zerlegt wird), das in Targum und Talmud durch- 
gängig J^r geschrieben wird: hier NDI wird dem da N'^H oder 
dort pn, pro gegenübergestellt und der Ortsbegriff auf die 
Nähe des in Rede stehenden Falles übertragen, was noch 
deutlicher in dem Gegensatze von "IHi^ 722 (überall) und f<21 
(jerus. Nasir 6, 1) geschieht. Daher beisst DIpJD 72^ dennoch 
oder in jedem Falle, • * * ' li' D1p02 (oft in Sifra) da wo. 
Umgekehrt ist Nehem. 2, 16 p IV, ursprünglich bis so, auf 
die Zeit übertragen: bis jetzt. 

Mit f<2 zusammengesetzt und zum Theil durch Präpo- 
sitionen bereichert sind: N*2\X (Chullin 110a) d. i. X2 n*"« (hier 
ist) und die Verneinung ND"'7 s. v. a. N2 n\S i<b. 

N*2n hier, ist aus X2 gebildet, wie Dnn dort aus DD 
(hebr. ül^') und entspricht den hebräischen !ljn (Gen. 15 16), 
np (Gen. 38, 21. Exod. 24, 14. Num. 23, 1), n2 (Gen. 31, 37*. 
Ruth 2, 8), HD (Gen. 19, 12); „hier .... da" wird ausge- 
drückt durch: vX2n J<2n, {<21 • • • • J<2n (j. Pea 8, 5. Sche- 

biit 3, 4. 7 Ende), ]Qn • ' • ' 5<2n (j. ßatra 6, 1), N21 • • • • pH 
(Terumot 5. j. Chagiga 3, 3), ^^^ pi'O (j. Moed katan 

1, 2. Succa 2, 7). 



— 32 — 

x:*? dorthin ; N'D^ Nr'p (hebr. n2 • ■ ' HD Num. 11, 

31) ; Nrbl XDb (hebr. HD! HD Ex. 2, 12. Him njH Jos. 8, 20) 
dahin und dorthin, bisweilen N'^bm 5<D7n (Numer. 21, .35), 
indem NZbri das hebr. Hjn oder ÜPn vertritt. Hieraus ward 
-jSl, "lb\Xi, und "jb\S1 ■]b\S* hier- und dorthin. 

iiyD von hier, hebr. Hjp (Ex. 11, 1. 13, 3. 19. 33, 1. 
15). Nr''D ' • • • ND"'?3 ,,von der einen . . . von der andern Seite" 
(Ex. 25, 19. 26, 13. jerus. Nasir 3, 5). ND^D üb) N'D^O i6 (j. 
Kidduschin 3, 3). Nr^il Nr^ (Exod. 17, 12. 32, 15. ]. Pea 8, 
2. Kilajim 5, 1). «::':' • ' ' ^*20 (Jes. 10, 14), pvb p')V'\ mn vSD^O 
(j. Kilajim 8 Ende) „er war von hier und lief dorthin". i<yf2 
f)nb) (Pesikta ed. 1868 f. 183 a) „von nun an". 

II. In der aramäischen Sprache ist nicht allein in den 
Wurzeln, sondern auch in den Bildungsformen das Nun vor- 
herrschend: Fürwörter und Partikeln anlangend sei hier nur 
an l^sS (TN*), p« (DN), |'?N (H^N), p (Hl), ]i<n oder p (Midr. Can- 
tic. 8 a, 31c) (n\X), jn^n (HDD), jHD, pnD (HD), I^D (nnj7). p oder 
]X0 (^D), |JD (HTO \X) erinnert. Aus OH (hebr. Dti') ward pH, 
aus N*bn7 (hebr. r\i<bil 1 Sam. 10, 3) pro, aus N3 das auch in 
p^X und p^D erhaltene p (j. Nasir 7, 1. j. Targ. Numer. 12, 
15. Vgl. Samuel b. Meir zu Pesachim 116 a), das allmählig 
Von]XD verdrängt wurde,so dass neben einem dreifachen dor t(]Onj 
Dnn, Dfl) ein ähnlich gebildetes dreifaches hier (jXD. N^H, ND) 
gebräuchlich wurde: f<D verblieb der palästinischen Volks- 
sprache, |XD wurde von dem Jüngern Hebraismus eingebürgert. 

Demgemäss gingen alle Verwendungen des HD oder ND 
auf ]&<3 über : es bezeichnet die Stelle an welcher, die Zeit in 
welcher man sich befindet, nicht minder die Zahlgränze, 
den vorliegenden Fall, wie die hier folgenden Belege verdeut- 
lichen werden. 

]i<D jXD, dem NDH Nm (j. .Jebamot 3, 1) ent- 
sprechend, beantwortet bisweilen eine Frage „hier f^^n heisse 
es so und dort NOm so" (j. Terumot 4, 3. Maaserot 2, 1). 
Dreimal ••• ]N*D kommt Kilajim 5, 1, j. Sabbat 2 Ende vor; 
]XD1 ]i<D „in beiden Fällen", „hier wie da" ist in der Mischna 
(Terumot 11, Erubin 6, 8. 10, 13. 14. Megilla 1, 10) und 
den Talmuden (j. Demai 7. Sabbat 3, 4. 14 gegen Ende, Ne- 
darim 3, 2. Aboda 2, 2. Meila 14a) sehr häufig, kommt auch 
in dem Gesänge n:v jzSl und Piut y^^D D^blliN vor. In fast 



— 33 — 

ununterbrochenem Gebrauche sind die Vergleichssätze ' ' " ^^X 

jvSD- • ]X3 no (Rosch Haschana 2 b), ]XD r].S pro Jlü, oder 

auch ]XD • • ' ■ ]0n, dem XDn • • • • DHn analog- (j. Kilajim 1, 1. 
Terumot 11, Moed katan 2, 1. Cliagiga 3 gegen Ende). 
jXD gegenüber dem inx DipDD (j. Nasir 6, 9) oder D^pü2 DsX 
(]. Nasir t), 2, Sifra 3 f. 34a d) be^;eichnet den verschiedenen 
Fall, dem ')2V^''7 (Mechilta 31b, 48b) gegenüber die gegen- 
wärtige Zeit. Aehnlich dem DZ'^' (Ps. 122, 4. Mischna Sche- 
kalim 0, 2. j. Kidduschin 4, 1) oder pnbw (j. Ketubot 4, 8) 
ist auch pli^ (Elieser b. :Natan liyn ]ZvX f. 38 bc), meist ]XDl^' 
(oft im jerusalemischen Talmud, z. B. Kilajim 3, 1. Sabbat 11, 2. 
Erubin J, 1. 8, 3. Moed katan 3, 5, Joma 3, 8, Schebuot 4, 
2. 5, 2) üblich, wofür Raschi (Exod. 15, 2, Samuel b. Meir 
(das. 29, 27), Abraham b. Isaac (RGa. ms. N. GOü) ]XD bw 
schreiben. Ausserdem sind in stetem Gebrauche: ]X!D """in 
(Mischna Joma 2, 5), worin die Interjection "'"in d. i. "'"IX XH 
(hebr. T D^n) zu unterscheiden von dem fast gleichlautenden 
Hauptwort """in (st. ""Xin) in Mischna Kama 1, 1, Mechilta 
Mischpatim 91 b, 97 a, 106 a, Sifra Anf. Ferner ]HD Z"* (j. 
Sabbat 7, 1) oder ]XD n\X (j. T. Numer. 12, 15 wo p, j. Kid- 
duschin 1 f. Ca) entgegengesetzt dem ]XD ]''X (j. Sabbat 7, ), 
j. Schebuot 8, 2), |sXD ]\X XDl (j. Horajot 1, 3), D)bz ]XD ]\s* 
(Mischna Bechorot c. 2), jXD D^b (j. Sabbat 9, 4. j. Megilla 
1, 2. j. Sanhedrin 9, 3) oder nur TV'7 (j. Schebuot 6 Ende, 
wofür Ittur G8b j.'^D ]^X schreibt), das Stattfinden oder dessen 
Verneinung bezeichnend; 11 ]XD IJ'"'! j. Sabbat 2, 1 f. 9a soll 
wohl der Behauptung noch besondern Nachdruck geben, 
womit n^ nx ]''X p"i"!X1 j. Berachot 4, 3 zu vergleichen sein 

dürfte. 

]XD IV bedeutet: a) bis hieher, z. B. inü'?- (j. Aboda 

1, 2), nz:^ Dinn- Vergl. noch Mischna Erubin 5, 5, Ketubot 

2, 10; b) bis zu dieser Stelle im Pentateuch (Sifre "]n--J7n2)j 
in der Mischna (]. Chagiga 3, 2); c) bis so weit (Berachot 
G2a, Bereschit rabba c. 94 min n^l Vr^p-); d) bis zu 
dieser Zeit, wie HD IV (Schebiit 1, 1. Schekalim 3, 1); e) bis 
jetzt, analog dem p "IV (oben S. 31), und gleichbedeutend 
mit VZ'DV IV, f^TO'n ny, ]n3 iy (j. T. Exod. 24, 5. j. Terumot 
2, 1), s. ben Sira 18a: „bis jetzt bist du noch kein Rabbi''; 
f) • • ncxp xb ]XD IV oder '^TO^ ' ' ' „überhaupt" sagen oder 

3 



— 34 — 

meinen die Lehrer nur wenn u. s. w. (Sabbat 117 b, Gittin 
20a). In Aruch v. IW wird vSb ^n^sX durch dieses vS'? ]^D ly 
erläutert. Meist folgt diesem i<b ]i<D IV ein einschränkendes 
sS^X, z. B. Berachot 21b, Sabbat 107b, Erubin 38b (]ND ly 
]W^2 {<b{< |i2T ''yh^ N^), Pesachim 43a, Medarim 5b, Kama 30b, 
Batra 31b, 75 b, Arachin 23a, Gaon bei Aruch Art. ^3 10. 
Dieser Anwendung des \J<3 "ly entspricht — ohne die Vernei- 
nung f^*? — im palästinischen Talmud (HD IV, welches im j. 
Targum DTiO (Num. 10, 7), HD IV (das. 7, 16), nnV IV (Gen. 
32, 5), -ny (Gen. 18, 22. 43, 6. Exod. 4, 18. 9, 2. 17), liliy 
(Num. 11,33) vertritt, zuweilen (Gen. 2, 5, Esther 3, 1) HD IV 
lautend. Scheinbar werden hier Gränze und Fortsetzung 
durch dasselbe Wort wiedergegeben, weil „hier" oder „jetzt" 
sowohl das Ende der bisherigen als den Anfang der folgenden 
Bewegung bezeichnen kann. Eben so wird das aramäische 
□13 für Einschränkung (DDN Num. 22, 35. fX das. 12, 2. 36, 
6. Richter 7, 19) und für Erweiterung (^K Num. 16, 14. Ü3 
das. 11, 4. 24, 24. Ruth 1, 12) gebraucht. 

III. Die jüngere Sprachform hat zur Bezeichnung der 
Richtung „wohin" statt des H am Ende (Hü^, HJH, n:i<) das 
voranstehende 7; sie bildet demnach die Wörter Dl^7 (Mischna 
oft, z. B. Kilajim c. 4. Sabbat 16, 4, Pesachim 4, 1. Succa 4, 
5. Menachot 10, 3. Tosefta Maccot. Auch Mechilta, Sifre und 
Gemara), prb (Num. Targ. 16, 12), XDnb (j. Challa c. 1), 
(X'p (Mischna Abot c. 3. Tosefta Taanit c. 3. Mechilta 65b, 
Midrasch Vajoscha Anf.), die letzten drei aramäisch. Analog 
wurde p'^ (Arachin 32 ab, 33b), meist ]X3^, der Ausdruck für 
dahin, dorthin, hieher, um den Platz, die Stelle, die Be- 
hauptung näher anzugeben. Hier einige Belege : 

]^2b i<2 Sifre gegen Ende, j. Schebiit 6, 1. Sabbat 112 b. 
Erubin 58b. IND*? • • • N2 HD (j. Pesachim 1, 8) „wie 
kommt das hieher?" 

jvSDb Dp-iT Bereschit rabba c. 100. 

I^^Db }ü:y Kidduschin 52 b. 

Jnd'? rhv j. Taanit 4, 5 f. 14a. j. Sanhedrin 7 Ende. 

]K2b HDCD: Raschi Numer. 18, 8, wofür Sifre hat: HIDX: 

]xrb D2'ü „von dort hieher" (Gittin 6 b. 34 b). 

]iCb Gllp „früher", Arachin a. a. O. Tanchuma 5c ob. 



— 35 — 

Hai in m3J?n D S. 98. Tobia in Lekach tob f. 32 d. 

]i<::ih r\r2M i:\X (Hajaschar § 532 f. 59a unten). 

jXDb imüD ]. Chagiga 1 Ende. 

]ii^b n2"'ü HD „wie kommt das hieher?" (R. Tam im Buche 
Hajaschar § 613; in demselben Satze bei Bamidbar rabba 
f. 274 d, 276 d und Raschi Exod. 24, 13 steht ]vS*D). 

]HDh iT1X"l ,,hieher gehörend" (Raschi Sabbat 116a). 

]XDb N^'^ nbn: n\S"l (Samuel b. Meir bei pN"1 145c). 

]«Db m pv ni2 Sifre bei Jalkut 229b. j. Megilla 1, 1. Tan- 
chuma N*T1 8 c. Raschi Deut. 10, 6. Richter 5, 4. pi< 
]i<Zib nrjy:R. Tama. a. O. f. 74a. Der ältere Midrasch 
hat dafür auch: nh H] py r\r2 (Sifre Abschn. «IJn 'D und 
riD-IDH nxil, Sifra 73a, Wajikra rabba c. 25 f. 194 b, 
Jelamdenu bei Aruch m, Cantic. rabba IIb, 30 d) 
oder auch: Hl büN* ' * * (j. Berachot 9 f. 34b), so dass 

mb = |xDb. 

pb pb oder IND9 jXD'P (]. Terumot 5 Ende , j. 

Chagiga 1 Ende): „dahin .... dorthin", „nach der 
einen .... der andern Seite", ]i<jb^ j^D^ (Kilajim 2, 5 
und gegen Ende, ]. Erubin 5, 2. Erubin 40 b u. oft) 
„hier- und dorthin", „für das eine und das andere", 
gleich dem ^<D^b^ i<Drh (Bechorot 60a). Raschi Nehe- 
mia 7, 7: jsSD^I jXD^ nw „hier und dort gleich". 
IV. Dem auf die Frage wohin antwortenden ]X37 
gegenüber steht ]yü, |XD?2, das die Richtung woher bezeichnet, 
dem r\]p (Gen. 37, 17) aram. Nr?2 entsprechend, also „von 
da her" ausdrückt, z. B. ]vSD "lyi ]f<DO (Mischna Beza c. 4 
Ende),]N*DQN*2 (Mischna Erubin 3, 5), ]vSDC NiJ^ (Mischna Challa 
2, 1. Sifre nbti' und pbz), ]XD^CD (Nasir 7a) ,,als von hier an", 
]iCD 11 (Mischna Taanit 3, 8) „von hier weg". Auf die Ent- 
fernung in der Zeit angewendet bedeutet es „von jetzt" oder 
„von da an": lyi ]y^ oder "iV ]XDr2 (Mischna Gittin 7, 3. 8. 
Nedarim 10, 7. Kidduschin 3, 2. Mezia 5, 3. Maccot 1, 1), 
ist demnach gleichbedeutend mit 1^1 N*nti*nD (RGA. der Gaonen 
29 b) und jvXDD mit )^^2V^ (Mischna Mezia 5, 2. 3. Nedarim 
29a. Nasir 13 b. Jalkut Numer. f. 221c), nur dass letzteres 
„von jetzt an" unabhängig von der Bestimmung einer Gränze 

lyi ausdrückt. Stehend ist der Gebrauch des |vSD?2, um 

anzugeben, woher ein Satz, ein Gebot, oder eine Lehre und 

3* 



— 3(3 — 

Behauptung den Ursprung- hat, oder woraus etwas gefolgert 
wird, und folgt jenem Umstandswort alsdann der Satz ent- 
weder unmittelbar, oder wird durch die Hervilbuclistaben 
•'•b und • • • li' eingeführt, z. B. PiVzbü pob ]src (Mechilta 

33 a.), ]n r\^2b ]{<2ü (das. 60 b), bzpb j^^p ]\N* D^pnijnii' ]ü2d 

(das. 53a); in den meisten Fällen jedoch wird zwischen jsrc 
und dem Satze noch nCvS*, "ICIN Pasv ^C\S rTH, ]- HnN, 'cb nnN, 
Ijicb oder T^D eingeschoben. Dass in einem Text 
etwas weggelassen sei, wird mit jJ^-C n^n) t3''?^ü'n gegeben 
(Abraham b. David Anmerkk. zu Mainionides i'y nizbn 3, 6. 

nzü' n 27, 10). ]ii,2ü ■ ■ • ■ ]i\2i2 in zwei Parallelsätzen wieder- 
holt bezeichnet wie nD?2 • * • • nsc „von dieser . . . von jener 
Seite"; jede Seite zu bezeichnen wird ]^2D wohl auch drei- 
mal (Bereschit rabba c. 98, Tanchuma CtCSlt'D Anf.) oder 
viermal wiederholt (j. Kilajim 3 f. 10b). Indessen ist in "^D 
|NrC Ni'Cl ]xrc (j. Orla c. 2 gegen Ende) ungeachtet der 
Wiederholung dieselbe Seite gemeint, da es unmittelbar da- 
rauf ^Jli'n "-JD NiCI ]xrD "jD heisst. jNTCI jsS^C gleich dem HiO 
riV^I (Mischna Sota 7, 5) ist „von beiden Seiten" (Mischna 
Erubin 3, 5. Batra 1, 2, Tamid 1, 1. Middot 1 Ende. Mik- 
waot 4, 3. j. Maaser scheui 2, 3), oder „rechts und links*' 
(Jebamot f. 21), auch „in beiden Fällen" (Midr. Ps. 90 = 
Jalkut 220b). 

y^n^ pi2 oder ■jb^NI ]i<2ü — Gabirol hat ■i^\S1 ]vXr in 
den Ahaba's mfN^ rti' und C12V^ Tl*^' — wofür bisweilen 
(Eschkol Th. 3 S. 50, Hamanhig 49a, Abraham b. David 
nbzpn D 3öb) -|'pij<i D'^/^ vorkommt, drückt das weitere und 
folgende aus, sowohl in Bezug auf Raum und Zeit als auf 
Zahl und Gegenstand, so dass es hinter '^.2VU,'b die Gegenwart 
(Sifre Dn2"i) , hinter V^2V "J? die Folgezeit bezeichnet, s. 
Mischna Berachot l, 2, Beehorot 3, 1, Machschiriu G, 8, To- 
sefta Berachot c. 2, Mechilta 49a. Aehnliches bedeuten: 
nubnb) INZO (RGa. r\2WD nyi^ N. 340, Raschi Exod. 19, 12; 
vgl. i<bro) vXrn ]C „von nun an und weiter" Wajikra rabba 
3U f. 2u0d), ]^n'71 |Nrc (Batra 96a. Midr. Samuel c 23, vgl. 
]br\b) Cl^'C Hamanhig 29a), «2^1 p^?2 (j. Moed katan 1, 1. ]. 
Kidduschin 1 f. 6a) oder i<2rb) |.SL':: (Mischna Kelim 7, 1. 15, 
1. 18 Ende, 30, 1), das dem nrcb (Nidda 15a, Sanhedrin 



— 37 — 

27a") entgeo-engesetzt ist; HI^C^I p"'Q hat R. Chananel (Or 
sarua 1 § lOß). Zeitverhältnisse bezeichnen noch: ]3''0 C'j^y 
(Sifra "IHD c. 7, Bereschit rabba c, 1) „früher" s. v. a. ''j^^ 
niD Nehemia 13, 4; ]^DD inx'? ,, später" (Mischna Kidduschin 
2, 6. Nasir 9, 4. Sanhedrin 9, 1. Maccot 2, 6. Bechorot 2, 3. 
Chullin 10, 2); Grösse oder Menge: jXDD (im^) "in^ (Mischna 
Kilajim 7, 6. Terumot 4, 5. Schebiit 5, 7. Erubin 1, 8. 5, 
7. Gittin 3, l. KeHm 29, 3. 8),' womit p p TH^ (j. Chagiga 
2, 2) und p bv "in^ (Tosefta und Tr. Batra 83a) zu ver- 
oleichen; ]N'DO DinS (.^Hschna Schebiit 1, 2. Taanit 3, 4. Ba- 
tra 1, 6. Nidda o, 4. Kelim 7, 3. 4) gleichbedeutend mit i^lD 
]y^ (j. Kilajim 3, 1. j. Taanit 3, 7), vgl. HN'D vSns (j. Erubin 
2, 5) ,, weniger hundert"; sNi? ist dem ^\S* entgegengesetzt (j. 
Ketubot ß, 6). 

V. Von den drei Präpositionen ' ' ' v (7^\)■ ' ' "O (]D), " ' 2 
(]"'Z) bestimmen nur die ersten beiden die Richtung wohin 
und woher; die dritte, welche die Gränze bezeichnet, ist mit- 
hin bei Partikeln, die wie rdH übn ND HD U^ DD diesen Ruhe- 
punkt selber angeben, überflüssig, folglich nicht anwendbar. 
Das hebräische HD bildet keine Ausnahme, da es nur in der 
Bedeutung ,,auf diese Weise" (1 Kön. 22, 20\ nicht als Orts- 
Abverb, n^2 wird ; vollends gehört das D22 nicht hieher, in 
welchem nur, ähnlich dem jm"' ''22 der Mischna oder dem 
nii'^'' }<72 des Sifra, das Wort HD als Bibelstelle bezeichnet 
wird (Sifra '''^nx, Sifre nj^l, Piut Tl^N* des siebenten Pesach- 
tages). Die Vorstellung von hier und dort, von Nähe und 
Ferne, liegt auch dem hinweisenden Fürwort zu Grunde: 
dieser heisst der welcher hier ist — hie qui hie — ; jener 
ist der entfernte, daher nin nn?n „diese", t>n r\DZ2 „jene" 
Thüre (Mischna Tohorot 6, 8); HD ,,in diesem" heisst dem- 
nach „hier" (s. oben S. 31). mb und HID wurden ]i<D7 und 
|Xr?2. Wurde in jXD die Vorstellung der Nähe, mit der Be- 
deutung von ,, dieser hier" zusammenfallend, die herrschende, 
etwa dem Hin D"lpD2 gleich, so konnte auch |f<rD gesagt werden, 
zumal ein solches vorgesetztes 2 allmählig auch sonst üblich 
geworden, wie ^sm^Z, yiTZ. jr2, ''"02 (Mischna Schebuot 2, 3), 
l'^irriD iS'pri (Mischna Erubin 4, 4) u. a. m. beweisen. 

Nichtsdestoweniger ist der Gebrauch von |t<D2 wohl erst 
nach gänzlichem Aussterben der hebräischen Sprache anzu- 



— 38 — 

setzen, und scheint zumeist bei den Autoren der Westländer 
in Gang gekommen. In den unzähligen Fällen, wo wir in 
den talmudischen und Midrasch-Werken das |N*3, namentlich 
]kXD nc und ]ND ^X finden, ist j^^^D fremd. Die Stellen Taanit 
25a, Abot R. Natan c. 7, Tanchuma 21c oder Schemot rabba 
c. 5 erwarten noch eine urkundliche Bestätigung; die letztere 
fehlt Jalkut Exod. § 175. Andere Belege von ]J<^2, die in 
jüngeren Ausgaben sich finden, sind fehlerhaft, so z. B. 
Kilajim 9 f. 24a |i<r2li' muss in ]i<Db^* (s. En Jacob ed. 1603) 
verbessert werden; Bereschit rabba c. 18 ]J?221 lautet Jalkut 
Maleachi 87d : |X2. Gleich unrichtig ist ]XDD in Sifre rb\i; 
und Tanchuma ''"IHN 51 d. Die ersten sicheren Beispiele des 
Gebrauchs datiren aus dem zehnten Jahrhundert, man findet 
selbiges in midraschischen Schriften jener Periode als in 
Midrasch Wajoscha (S. 47), dem Tode Mose's (Jalkut 304b), 
Bamidbar rabba (254d. 280b), dem Midrasch von den zehn 
Märtyrern (S. 65), der Zehngebote (S. 71), ben Sira (ßa, 8b, 
9a). In dem Hochzeits-Tischsegen lautet in einer alten Hand- 
schrift eine Stelle: ]i02 D''2^Dr2n) ]{<2 D^2\^'Vr\, während die Aus- 
gaben (Orchot Chajim 36b, Kol bo 24b) jN^ D^DID^H lesen. 
Vereinzelt findet sich ]N22 bei Dunasch (Kritik Saadia's S. 
48. 49), Hai (Hapardes 25b), Chananel (bei Or sarua It^'p 
§ 8, Bechai nt^^lt' 73c), Isaac b. Baruch (^i;ij?n 'd S. 54), 
häufiger bei Nissim (nnscn 12a, 17b, 18a, 58a b, nVtrVO 49a, 
60b, 72a\ Alfasi (RGa. N. 28, 32, 36, 59, 215, 229 u. a. m., 
zu Tr. Berachot f. 22a), Natan im Aruch (j^nZN*. b'?^<, ^n, DSD, 
~lW), selten bei Raschi (II Sam. 5, 8. Sebachim 80b). Aus 
dem elften Jahrhundert sind noch zu nennen : Jehuda hacohen 
(Meir Rothenburg RGA. N. 844. 875. 879), Isaac Giat (Hobn 
Th. 2. S. 45) und Ungenannte (HD^t^'n njJlJ' N. 126, Hapardes 
61d und in dem Auszuge [Likutej 20a). Zahlreicher ist die 
Anzahl der j^<22 schreibenden Autoren aus dem zwölften und 
dem Anfange des dreizehnten Jahrhunderts, und bei Einigen, 
z. B. Joseph Migasch, Abraham b. Chija, Abraham b. David, 
Joseph Kimchi, Joseph Bechor Schor, fast i-egelmässiger Ge- 
brauch. Es sind folgende: 

Tobia (Lekach tob, Parascha DFirS f. 59b unten). 

Joseph Migasch (RGA. N. 14, 18, 60 u. a, m. RGA. ItO 
inn N. 211 f. 45a. N. 213 u. 214). 



— 39 — 

Abraham b. Chija (]r:n S. 3. 9. 11 u. a. m. Iizyn S. 12, 

17, 19, 29, 34 u. a.). 
Samuel b. Meir (Gen. 27, 3. Exod. 20, 6. 21, 2. zu Batra 

f. 64b, 101b, 102b, 127b, I37b). 

Abot-Commentar 4, 18 (.]i<22 N2N*). 5, 4. i 

Commentar zu Bereschit rabba c. 71 zweimal I nach 

]ND2 Nizb. > Raschi 

Commentar der Chronik I. 8, 29. \ genannt. 

Saadia zu Daniel 10, 25: ]{<r2 vSlz'?. / 

Isaac b. Ascher halevi (]5>{1 «^ßd. 37a). 

EHeser b. Natan (das. f. 32 [33Jb: ]NZ2 ^^l^ nV 34ab. 

I24d unt.j. 
R. Tam (Hajaschar 85a). 
Parchon (Lexic. v. 2m, 122, CXD, i6ü). 
Isaac b. Mordechai (Hajaschar 84a). 
Abraham b. David oft in den Anmerkungen zu Maimo- 

nides, z. B. nziU'P 6, 8, ^^'V^ 3, 20, mcnn 14, 8, n2l^ 

5, 16, D\sb2 7, 3. 6, 2. plJJ 1, 21, nn^lJ 3, 7. RGA. 

D^y-! D^cn ^J. 47 114 Ende. Sifra- Commentar 21c, 42b, 

94d, 98c. m2in 42b. 
Joseph Kimchi constant im Commentar der Sprüche, aus 

welchem nur auf den Anfang (Geiger in Ozar. nechmad 

Th. 1 S. Ii2) und auf S. 4, 6, 12, 15, 18, 21, 23, 24, 

2^, 29, 33, 34, 36 und 38 der Ausgabe Breslau 1868 

hier verwiesen sei. Zu Hiob c. 15. 
Jehuda Tibbon (Herzenspflichten Abschn. 1 Anf., Kusari 

5, 12, Testament S. 7). 

Isaac b. Samuel [i'-^j in Jehuda's Tosafot zu Berachot 4 a, 

Zürcher Semak ms. § 196 (|N22l^')- 
Elchanan, des Genannten Sohn (s. sein Gutachten in Hag. 

Maim. RGA. zu Dm: N. 4 f. 59a). 
Commentar des Tr. Kinnim c. 2. f. 23b. 
Commentar von Ruth ed. 1855 S. 34. 
EHeser aus Metz D\S1^ 'D 63a. 
Petachja's Reise ed. Wagenseil S. 188. 
Joseph Bechor Schor zu Gen. 1, 3!. I4, 1.3. 18, 15. 24, 

13. 36, 12 u. a. m. 
Im ■^t^•^^ 'D §§ 104. 242. 476. 503 (]vS22t£'). 529. 



— 40 — 

Im ncnrn 'D in den D^:c^D § 249, während das Werk 

selber NTH hat. 
Abraham aus Lunel, der R, Isaac b. Samuel (Hamanhig 
83 b, 87 a, 89 a) und R. Elchanan (das. 31a) gekannt 
(das. 72a, 73a\ 
Jehuda Sir Leon (Tosafot zu Tr. Berachot 5b). 
Elieser halevi (s. Meir Rothenburg RGA. ed. 3 N. 76). 
Elasar aus Worms im Commentar zu den Gebeten, ms> 

Luzz. f. 199b und 202d. 
David Kimchi zu II Sam. 24, 9. Jes. 22, 18. 38, 14. 
Hin und wieder liest man |i<r2 im Buche der Frommen 
(§§ 549. 767) und in den pentatenchischen Tosafot (68a), 
himfiger in Or sarua (Th. I §§ 695. 738, 740. II §§ 9. 42. 
4'^'3) und den Schriften des Nachmanides. Später verdrängt 
es fast das einfache )J<r. 



IV. 

Hebräische Redeweisen für bescheidene 
Meinung-s-Aeusserun^. 

(Zeitschrift der deutsch-morgenländisc-hen Oesellschaft 
Band 25 S. 132—138). 



Gleichwie der Grieche ßUmip^ der Lateiner videre, hat 
auch der Deutsche ,, sehen" von dem leibüchen auf das geistige 
Auge übertragen, wie die Wörter ersehen, versehen, einsehen 
und das verwandte ,,es erhellt" zeigen. Aehnlich hat der 
Hebräer der Wurzel HN") nach und nach die Bedeutung von 
verstehen, erkennen, beachten, zustimmen — gleich 
dem visum mihi est „es gefällt mir" — , erwählen verliehen. 
Von biblischen Belegen sei hier nur verwiesen auf nx"1 ^zb 
(Kohelet 1, 16), D^Ti HvSn (das. 9, 9), ixn (1 Sam. 12, 24), 
nas n.xnn meinst du? (2 Sam. 15, 27), i<nn (Sprüche 23, 31), 
as-in (Deut. 12, 13), .NT (Genes. 41, 33) und IN^ (1. Sam. 
16,17) „erwählet", ^2 n\sn HQ (Genes. 2n, 10) „was bestimmt 
dich zu".... Der Imperativ ^^s"l ist fast ,,halt! bedenke!" 
und mit VI"' verbunden ,,sieh ein!" So ("IN"!"! V"! (1 Sam. 24, 12; 
2 Sam. 24, 13; 1 Kön. 20, 22), \sm ^yi (Jer. 2, 19. 25, 17), 
\S-n iy-| (1 Sam. 12, 17. 14, 38. 23, 22; 1 Kön. 20, 7. 2 Kön. 
5, 7) oder lj?m INI (1 Sam. 23, 23; Jerem. 5, 1). Daher in 
feierlicher Rede an lyTI IK^^ noch ib^Dtf^l iQ^lt'^l anschliessen 
(Jes. 41, 20^ Bereits Tobia') erläutert das ^^<^ in Deut. 4, 5 
und Kohelet 1, 16 durch ,, verstehen" und bemerkt, dass — 
wie im lateinischen und griechischen — in der hebr. Sprache 



*) Lekach tob oder Pesikta sutarta f. 67 b, vgl. 56 c. 



— 42 — 

„sehen" bisweilen „hören" bedeute. So erhielt auch "'IN"), aram. 
''in, die Bedeutung von ausersehen, passend, tawgUch, gebührend. 
Demselben Sprachgebrauche folgt der jüngere Hebrais- 
mus, wo n^^l in folgenden Bedeutungen auftritt: 
überlegen (Wajikra rabba c. 10 von Aaron); 
urtheilen (Mischna Keritot 3, 7. 8. 9); 

dafür halten, betrachten, namentlich in der Verbindung 
mit ''v'Nr oder nur . . . d z. B. Mischna Kilajim 5, 2. 6, 9, 
Terumot 4, 10, Erubin 1, 5, Pesachim 9, 5, Kama 6, 5, 
8, 1. 6, Sebachim 8, 4. 6. 9, Chnllin 6, 5, Sifra IHD c. 6. 
Sanhedrin 22a, Wajikra rabba c. 19 und 22 nas'lt' Dn^l 
n.vn, Pesikta 200a = Jalkut Deut. f. 310 d. 
berücksichtigen z. B. Dl HsST Mechilta 10b, loa, nZT nnsi 
trn: bii'' Bere.schit rabba c. 19, ^22 PN HN^n Abot R. Natan 
c. 15 Anf. 
bei- oder zustimmen: Mischna Rosch haschana 2, 8. Ketubot 
13, 3. Batra 9, 1. Schebuot 6, 3. Tosefta Meila c. 1. 
j. Sanhedrin 4, 7. Pesachim 78 ab. 
ersehen: Raschi Deut. 33, 21. 

vorziehen in der Redensart. .. . ''"1D10 . , . "inZT Hi^TI, z. B. 

Mischna Kilajim 2 Ende, Scliekalim 4, 7, Abot 2, 9 (auch 

Abot R. Natan c. 14), Tosefta Sota c. 6, Menachot c. 8; 

Sifre Abschn. pnHN'l (Aruch v. V21i<), Pesikta 12 b = Jalkut 

Prov. § 952. 

Sehr gebräuchlich ist die Frage Hi^") HD ,,was bestimmte 

N. N. zu ... . ?" meist mit einem folgenden Inünitiv pDl7, 

pwro u. ;i. m.), zuweilen mit ' • ■ V/ und dem verbum finitum, 

z. B. Tosefta Beracliot c. 1, Mechilta 67 a, Sifre i:''ixn, j. Je- 

bamot 12, 1, j. Sanhedrin 7, 6. 7, Megilla 19a, Horajot 6b, 

Bereschit rabba c. 62, Sehemot rabba c. 18. u. 48. Bamidbar 

rabba f. 270a. Esther c. 3. Midr. Ps. 17, Tanchuma 67 cd, 70 d, 

71a und öfter, Genesis- Agada c. 5. 19. 37. 58. 67, Tobia in 

Sutarta 66c, 88a, Raschi Exod. 16, 8. Ebenso HDi^l HD 

(Megilla 15b, Genesis- Agada c. 70), \S"1 HC (.Sifre ^SITJ, j. Be- 

rachot 9 f. 36 a, j. Ketubot 4, 11, Pesachim 53b, Tanchuma 

21c = Aruch v. ']1^ , Bamidbar rabba 267b). Sogar 1X~1 HDi 

Esther 9, 26 überträgt das Targum: V^püb Vn HD. 

Während nj<"l HÜ die Vergangenheit hagadisch ansieht, 
ist für das praktische der Gegenwart P\S"1 HD die Frage 



— 43 — 

Formel. Drahe häufig in halachisclier Erörterung meist eben- 
falls mit folgendem Infinitiv, z. B. Mechilta N^ 13 a. Sifra 
J^ip^l 3, 15. 9, 6. 10, 7. 12, 5. 13, 7. G^ti'np 3 u. sonst, 
Sifre 5 b (auch j. Nasir 1, 7), 24 b, 58 d. Mischna Edujot 6, 3 
fünfmal, j. Megilla 1, 4. Jebamot 47 ab (mit folgendem verb. 
finit.). Sebaehim 27b. Menachot 59b. 60b. 61a. Ohne eine 
solche Folge absolut fragend, auch n\X~l HCl, findet man 
Berachot 47 b und vier Parallelstellen ; Pesachim 35 b, Jeba- 
mot 70 b. 71a. 73b. Kamma 24a, Kidduschin 5a, 8chebuot 
21b (Tosafot). Aramäisch dasselbe ist ']r2^r2 H^nn HTO (j. San- 
hedrin 2, 1, j. Nidda 1, 2), oder • • • T mn \S*0 (Pesachim 
25b. Mezia 55a u. sonst^). Daher in den geonäischen Gut- 
aciiten die Formeln 2): ^n\S1 ']2, i:\N-l "j;. D^Kn ^:^< -[D, aramäisch: 
J<:^in pn oder jnn und der Ausdruck inyiD nniTT Hü 3). 

I. Bezeichnet nun die Conjugation Paal das Zustimmen, 
so muss für den Ausspruch, dem zugestimmt wird, das Nifal 
passen, daher; • • • • l^ riiSlJn (Tosefta Sabbat c. 18. Tr. Sabbat 
150a) „ist es dir recht, dass....?" ferner ^s"l^ rivSlj (Sifre 
J<t^': 3 b), asn: iS'; (Arachin 9 a), am häufigsten nz"} D^}<n: 
(Mischna Arachin c. 8. Keritot 5, 3, Sifra y"liJO, Tosefta Chullin 
c. 2 u. 8, Temura c. 1, Tr. Kidduschin 24b, Mezia 24b, 54 a, 
Batra 10 b u. sonst), und in den alten Gutachten und Com- 
mentaren die Formeln: nj^n^i), ''b ilia:^) oder HNi: ^b^), 
i:bn.S1J7), i:b asnj -jD^)^ aram. .s:b ^inn^N pn 9). Dem tal- 
mudischen ^J^y2 N*in -jD") oder ^J^y2 DnpVi) verwandt ist 
^:^V2 nx-lJ i2j ^^^^ dem ^b Honcr i3) das ^:^V2 nOTI 14) mihi 
videtur. Durch solche Ausdrucksweisen erscheint die Richtig- 
keit einer Behauptung gewissermassen von der eigenen Seh- 



') S. Millius formulae talm. S. 191. ^) pHkX ]p1 Nr. 97. Meir 

Rothenb. EGA. N. 40, 122. yn^CH 68 a. l^pb 'h^'Z' ms. § 201. 
monnn 49, 4. Mose Ala.schkar RGA. 105 a. Parchi c. .89. ^) J<1:C) 

i^lD^n § 21. *) R. Ger.schom, Elieser b. Natan u. A. ^) Kalonymos 
(RGA. N. 107. 110), Ra.sclii (Zunz, Zur Geschichte S. 66), Menachem im 
)rü p{<. In Maimonides Schreiben an Pinchas : ^'p HJ^I^. *) Oft bei 

Raschi u. A. ^) Isaac b. Baruch in "lIDyH 'D S. 61. «) Hai in RGA. 
plif """lytit' 2b, 9) Das. 6a. 2.3b. "^) ^anhedrin 88a. ") Jebamot 
109a. '*) Raschi oft, David Kimchi in Michlol 53 a, 80ab; R. Isaac bei 
RGA. Meir Rothenburg N. 6u. A.m. **) Jebamot 9a. *•*) Meschnllam's 
Schreiben an R. Tai». 



- 44 — 

kraft abhängig-, und dem besser Sehenden bleibt die Möglich- 
keit eines abweichenden Urtheils , wie es etwa die heute 
übliche ,,aus dem besondern Standpunkt gewonnene An- 
schauung" zulässt. 

IL Deutlicher tritt die Bescheidenheit des Urtheilenden 
hervor, wenn er unserni ,,nach meiner unmassgeblichen Mei- 
nung'^ ähnlich die Richtigkeit des Ausspruches auf das Maass 
seiner Einsicht und Kraft, seines Verstandes und Talents 
zurückführt. Schon vor 1600 Jahren schrieb R. Jeremia in 
seiner Antwort auf eine Anfrage: HuIj DD'T'Cv'n Py"!^) und im 
elften Jahrhundert war ntC13 Tiyi^) die übliche Eingangsformel 
der Gutachten. Die gebräuchlichen Ausdrücke für die eigene 
Fähigkeit, auf welche mau sich beschränkt, sind ny"l. ny^"i\ 
rh2\ ny^'n, h^^'. nj^). Bei Abenesra und Späteren ist ^S*?, 
^ny" häufig; Jehuda Tibbon^) sehreibt ^V" ^?2, Jacob b. Rüben ^) 
^b-D'^ ^22. Gabirol, Zahlal, Hadasi, Elasar^) haben ^^y^' 'Zb, 
Gabirol und viele Dichter ^rü "'DZ- Salomo babli hat n'PZ'' ^22 
Raschid) n'piDM ^ih; ^r^h^ ^DD») haben Abraham b. Chija^), 
Jehuda Tibbon "') und Andere ^M; Dunasch ^^) schreibt ""E^D 
"•T PÜtiTI, ebenso das alte Nizzachon ''"'' rti'H "It^'i^D; Joseph 
b. Zaddik '3) hat \'^r^'n ^22- 

Nicht selten werden zur Verstärkung des Eindrucks 
mehrere der erwähnten Ausdrücke verbunden, als : "'^1 "'D'^ 
'bz'Z') li), ^rc) ^^72^' ^SD (Jacob b. Rüben i^)) vgl. ^2'^' TG ^23 bei 
Abuab'«!, ^nyizn-DZ (Schemtobi^j), nbiD\m rCH ^22 (Abu!- 
walid'8)), nnri n^::^ ^DZi9), ^HD b^ZI \'^bl2^ te (Nissim^o)) 



) Batra Ißöb. ^) R. Gerschom bei Meir Rothenb. RGA. N. 5, 
in V'N 693 und Jehuda b. Ascher RGA. .52 a. Jehuda hacohen oft; HCCJl 
i:nyi T^'pX in inyn 'D S. SS. ^) V^l. Zunz, Synagog. Poesie S. 479 
u. f. *) Michaelscher Katalog S. 367. ^) Das. S. 373. «) Nischmat- 
Gedicht rnPi'ii'X. ^) Zachar. Anf. «) Vg-i -ip'p;-' ''2D Josippon S. 189. 
®) "llZyn B. .5, 29. i"j Vorrede zu den Herzenspflichten u. Schreiben an 
Ascher aus Lunel. ") Cod. Paris 853. N. 3. Michaelscher Katalog S. 376: 
Parchon Lex. f. 3 cd: IJH'PD'' ^^2- ") «• Dnkes HD^:^ '^''W S. V. 

ebenso in "HZyn S. 5. ^^) Mikrokosmus S. hb. '*) Anfang der 

D''"iyti' in cod. Rossi 563; jlTi^'i 6 S. 155. '5) Michaelscher Katalog 
S. 373. '6) Leuchter, Vorr. und c. 34. ") Synag. Poesie S. 480. 

") n^p^n Vorr. S. XIV. i9j Synagog. Poesie a. a. O. ^o) ^p^Q 

Vorr. f. 7 b. 



— 45 — 

'^rb^' n:iirn ^DD (Jehuda b. Biniamin), ') ^T PX'm \nbr ^DD 
oder ^b^W statt n"» (Jehuda Tibbon)^), ^n:t&'nnnyni vn^p 
(Simson deChinon)^); TT^DD FC ""DZ hat Abr. Bedarschi (S. 55). 
Nur bei Dichtern finden sieh ^b^n ^^2, ^^Til TC 'zb, HD ^C^ 

III. Durch die Bemerkung, dass Kraft und Wissen des 
Redendon arm, geringfügiy' und klein seien, tritt der Sprecher 
oder ►Schreiber vollends zurück gegenüber dem Zuhörer- oder 
Leserkreise. Die Öpuren solcher Redeweisen reichen ebenfalls 
bis in das römische Zeitalter hinauf; diese sind jedoch erst 
seit dem neunten Jahrhundert allgemein im Gebrauche. 

A. Unwissenheit wird schon in einem alten Spruche als 
Armuth vorgestellt'^): daher der Ausdruck nyi "^jV^). Wenn 
Samuel'') seine Meinung mit IJHPjy^ einführt, so Avird das von 
Raschi mit „Armuth an Wissen", von R. Natan mit „Armulh 
an Weisheit" erläutert. Des 1jni"'jyi! bedienen sich Raschi '^), 
ältere römisciie Rabbinen^) und verschiedene des 15. Jahr- 
hunderts'*); Estori Parchi^^) schreibt l^nT'jy'p, ein Neuerer ^i) 
:^V2Vb■ \"n^jy ^D^ haben Chananel (nzCH 21), Samuel b.Meir^^). 
Abraham b. David ^^), Abraham aus Regensburg i^) ; Maliaril ^^) 
hat ^•^tel Tirj!;. Seltener sind die Phrasen ^l'? nv:j? ^sb i6). 
oder '''7J'^' riT'jy "'S? '''). In stehendem Gebrauch ist indessen 
nur die Verbindung mit ny~ geblieben; bereits ein Gaon^^) 

hat iS:ny- n^^:y Die'?. Des \nyi n?:y ^s'? — abgekürzt T^vb 

— bedienen sich die Gaonen und die Autoren des elften und 
der folgenden Jahrhunderte, z.B. Mose b. Chanoch^^), Abra- 
ham b. Chija^^), Isaac Barzelloni^^), Ungenannte 2^), Isaac 



') Wolf biblioth. Th. 3 S. 303. ^) Vorrede zu Sandia's 

Glaubeuswerk und Michaelscher Katalog S. 36(5. ^) mPT^^r 'D 

Abschu. 5 zu Anfang. *) Nedariin 41 a. ^) Zur Geschichte 

u. s. w. S. 99. «) Jebamot 92 b. ^) ti^Din S. 5. «) Luzzatto 

"!li\SM n^2 58 a. ^) Maharil RGA. 78. Joseph Kolon RGA. 

N. 81. 88, 94 u. a. '") Kaftor c. 5 f. 15 a. ") QW ^li':j^ ^Z'MH zu 

Mordechai Batra c. 3, Chullin § (33(3. ^^) pNT 144 b. ^^) ':iN*:n HWV^ 

§ 443 ") Das. § 452. ^^) EGA. 90, 1«) pN"] 145 b unten. 

") Synag. Poesie S. 480. '8) nDlLITl ed. 1848 f. 27 a. ^^) RGA. 

pliJ nr^' 30 a N. 9. 20^ "llDyn S. 32, 55, 91. *') Vorrede zu Hai 

12^12} npD. ^*) Hajaschar 82 d. Migdal os zu H"'!»^^' c. 2. nnat< ed. 

Augsburg N. 9. 



— 46 — 

b. SamueP), Isaac b. Baruch^), Elieser b. Samuel 3), Sim- 
son*), Simcha^) u. A. m. I^Hj;- nv:j7 ^DD oder \nyn haben Elia 
b. Jehuda '^) und Jüngere ') ; pnVT PPjyz schreibt Abraham 
b. Isaac ^), 13ny- PiVjVZ Parchon^), ^Pyi nv:y2 Abraham b. 
David ^^) und Spätere^'). Bei Jehuda Barzelloni ^2) findet man 
Ijnyi HT'jy'P, bei Autoren des 15. und 16. Säculums^^) meist 
TiV" nVjyb. Nur ''nyi PT'jy haben Jerucham^*) und Maharil^'^). 
Seltener sind : 'TW' mbl ^sb und 'b^^t' m^PID i«). Chajim b. 
JeehieP^) nennt seine Ansicht nt'DDn Ttyi. 

B. Von der Geringfügigkeit (tSiyO) des Wissens und 
der Einsicht (ny* oder nyT) sprechen Josippon^^) und die 
Karäer Tobia'^) und Hadasi'°); vor ihnen schon Saadia^') und 
Bechai-^). Mit den erwähnten Ausdrücken, welche Verstand 
und Befähigung bezeichnen, verbunden entstanden nun fol- 
gende Redensarten: 

a) ^ny" *i2iyc (Isaac aus Wien -3) und Andere 21)), ^sb 
^ny-i üiyD (Simcha^s)) oder ^j^V' 'C^Vü ^^b^^), U^Vr2 ""SD 

\ny-27)^ i^nyn i:iya2 28)^ i:ny-i -liiyo ^jdd29), ^ny-i ^dd 
iTL0iy;Dn30)^ \nyn^ (oder tsyc ^BZ) tciyc'psi)^ iyi 'cvr2 ^Bb^% 

^nyi t2p (oder ^D21) ^D^^s). 



') Maimoniot D''*l2SK'D 'D RGA. K 32. "^ Qiy-; Qi;2n N 224. 

^) D\X1^ § 42, vgl. § 113 und Piske Eecanate 563 *) Mordechai 

Chulliu § 1249. 5) Meir Kothenb. RGA. ed. Cremona N. 148. Mordechai 

Mezia § 538. «) pNl 153b. '') Meir Rothenb. RGA. N. 241. 285. 

cod. Lip.s. h. 17. Briefe ed. Augsburg N. 46. ^) Escbkol sehr oft z. B. 
Th, 1 S. 2, 97. 100, Th. 2 S. 12. ») Lex. f. 5 ab. ^o) G^yi D'^DP 

K 238. ") Meir Rothenb. RGA. N. 188. VZliTl Th. 2 Ende. Isserlein 
QipDS 257, Mose Alaschkar RGA. N. 58. RGA. D''plCy D''^ N. 40. 
^) D''yi □"'Cn N. 176. Aaron hacohen 99 c, 100 d, 106 a. Ascheri Erubin 
4 und ThefiUin. ^^) Isserlein bei Maharil RGA. N. 198. Jos. Kolon 

RGA. 94. 95. Oft bei Elia Misrachi. ") D^"i:r''?2i Vorr. '5) RGA. 38. 
78. 216. 1«) Hapardes 21 d. D''y" D^CH N- 63. ") Meir Rothenb. 

RGA. N. 463. i») S. 355. i») l^nJ "lii'IN ms. «O) C. 337. 21) nUlQX 
c. 2. 22^ Herzenspflichten 3, 8. ^3^ Or sarua § 745. ^4) chajim 

or sarua N. 247. Jos. Kolon RGA. N. 74 ^s^ Or sarua § 793. ^6) D^g 
§ 605. Ist auch in RGA. D''p"lDy Wü ed. Berl. 21a. ") S. Pinsker 
Likkute S. 97. ^s) p^<-^ 153 ^ 29) Q,,p, y^ g j^gö. ^o^ Hadasi 

c. 338 Ende. 3i^ nin^D Vorr. cod. Vatic. 337. ^^) ]D "K"! 1*9 »• 

33) Rokeach § 319 



— 47 — 

'h^W'^), ^boi^' t:p^E05), ^^Dli* L:p ::yD ^^h^). Menachem b. 
Saruk^) und Samuel b. Meir») sehreiben: ""S^ (oder 
^zb) lyra t^yc, Hadasi») sogar T^ÜO lyTO :2p tCyD ^2D- 

c) ^nr Lciyo ^d"? und lyicn inr ^sr (Donolo^o)), ^n^ i2^v^ ^sd 

"•^Dl&'l (Samuel b. Mcirii)), ^nrz lyiC HD ^sb (Menachem 
b. Saruki2))^ i^ri •LCiy;^ ^zb^^). 

d) ^n:ti'n t:iyD (Ahuab^^)), ^n:trn üiy?2 ^dd (Josua ibn 

Gaoni^)), p^jj-iD ny^i'n nyin ^DD (Menachem b. Saruk in 
der Vorrede), Py: 'jyD ^D^ (Kahr^^))^ wo HW d.i. HWn 
dem T' TtiTl gleich angewandt ist. 

C. Nachdem die biblischen Autoren "l^p mit Hand oder 
Athem verbunden, um Ohnmacht und Ungeduld zu bezeichnen, 
drückt der spätere Hebraismus mit n"!iJp ^pyi neben Jäh- 
zorn^'') und Missgunst ^^) die Unzulänglichkeit der geistigen 
Kraft aus: so bereits im zweiten Jahrhundert^^); andere Be- 
lege geben Jelamdenu ^o), Nachmanides^M, Binjamin b. Je- 
huda^^) un(j Spätere^'). Die Unzulänglichkeit des mensch- 
lichen Wissens überhaupt, i:ny-i niip-'*) oder anyi nap^^), gab 

nun den Stoflf her für folgende Redewendungen: 

a) ^nyi IJipD (Joseph AlfuaP^), Abuab^^)), ^nyi "liJpD 
(Ishac28)), häufiger ^Py- l^p ^^h (Todros halevi^^), 



») Aldabi n:iD5< "''p^Zlf Vorr. 3a. ') 21L3 D'^ "IHD Ib. ^) n^5vS"l 
ms. § 901 und Jehuda b. Ascher RGÄ. 52b. *) "ipM 'D Donolo's. 

^) Cod. Rossi 655: Ephraim aus Bonn. ^) Commentar ms. zu Perlen- 
schnur CiriD^) Auf. ^) Lexic. 8. 66. ») ]2X"1 146 c oben. ^) C. 23 
Strofe 'D. ">) W)'VZ> S. 14. 16. »') pN~l 143 d. ^ä) Luzzatto PCS 

"litlNn 31a. 13) Zunz Lit. d. syn. Poesie S. 457. **) Leuchter, Ende. 
15) Cod. Kenn. 82. i«) Synag. Poesie S. 479. ") Midr. Prov. c. 15 

und Jalkut 139 b. »s) Batra 145 b. >9) Berachot 29 b. 2°) Jalkut 

Hiob § 916. 21) Pen tat. Commentar, Vorrede: Hllip ^nyiV ^^) Ein- 
leitung zu "j^riD S. 27. 23) Vgl. die Vorreden zu D'^Tl HimN* und 
G''1ti'^D, Jehuda b. Ascher RGA. 23 b, 24 b, Joseph Kolon RGA. N. 38 
u. o^t. **) Abenesra Höh. Lied 8, 9, Jos. Alfual Vorr. zu Commentar 
''"^^ed, D''''n Vy S. 124, Efodi c. 27 Anf. ^s) Herzenspflichten, Vorr. 
«) s. Anm. 24. 2^) Leuchter, Vorr. ^) Katalog Michael S. 368. 
''') Treves Commentar zu den 13. Middot. 



— 4b — 

SchemtobPalqueraM, Jacob Abasi^), Jomtob Aschbili^), 
Samuel Zarza*), Menachem b. Serach ^), Chajira b. 
Mose 6), Jeschua halevi'^)), auch TiV"! l^p ""DD (Simsen 
deChinon^)), seltener n:^pn ^DV' ^^b (Isaac b. Elia^)), 
oder \^yi"!^ T:>'pS (Jesaia Parnesi")). 
b) ^mri y^p ^H:*? (Jesaia de Trani'i)), ^H^lt'n nüp OZb) 'ZD 
( Samuel Tibbon [Vorwort desMore], Simson deChinon^^), 
Samuel Zarza^^i, ein Ungenannter i'^) ), C^b) ""CD 
^bDW nypJS) (Jesaia 1*5;, Krescas-'^), Ungenannter '8)\ liJp 
''bzii' T (Maimonides, Baruch b. Mose^^)); ^jllt'b "liip ^ro 
hat Gabirol in der Königskrone, "'T' "l^p Mose Tibbon 
im Vorwort zu Maimonides D^i:'"ll^'. MWp2) n\S^bn. 

(]"n nr^n- 60 b). 

IV. Genügen einfache Ausdrücke der eigenen Unzu- 
länglichkeit nicht mehr der wirklichen Demuth, so genügen 
sie um so weniger der scheinbaren: ohnehin sinken zu 
Formeln verbrauchte Redeweisen nach und nach im Werthe, 
dann muss, wie Schreien den Gesang, Schwulst die Wahrheit 
ersetzen. Der Autor verdoppelt seine Betheuerungen, fügt 
der Kleinheit seiner Einsicht noch die Geringfügigkeit hinzu, 
zeihet sich der Schwäche und des Mangels an Verstand und 
im Uebermass von Höflichkeit selbst der Thorheit. Hieraus 
erklären sich folgende Ausdrueksweisen : 

\'^:^2 'c^V'^y \ny-i n^jy ^S2 (Mose b. Joseph 20)), ^ny^^ JCiy^D 
^r\:z'n lüpi (Bechai2i)),\njQn ::iyci ^by^' Loiyo ^D'p(Raschi 22))^ 

im^:yi inyi ycp ^zb^^^), -^by^') ^nyi nypD (Abuab^i)), ^nymap 

-'by^' rWZ'^bn) ^'^), ^rhy nii6in (Gabirol in der Königskrone), 



*) n"11?2n mV2 S*. 109. ^} Vorrede zu Commentar Nasfhim. 

3) RGA. D"'p1^y Wü Th. 2 N. 56. *) Vorrede zu D''^n l^pü- 

5) 1, 1, 36. *) Hag-ahot Mordechai zu Tr. Chullin § 337. ^) mZ"''?«"! 
üblV §§ 183. 218. 8) Ende des 'tCaH tJ^n^S- ^) Chajim Or sarua RGA. 
N. 164. 16.0. *"; Nachwort zum Aruch ed. 1.531. *') Or sarua § 756. 
'*; mrrnD Vorr. «3) ^olf bibUoth. Th. 4 S. 996. ") Cod. Lips. hebr. 30. 
N. 6 *5) Vgl. "l^ri^' l'^p'Ü/ Herzenspflichten Ab.?chn, I Ende. *6) Verz. 
der Wiener hebr. Mss. S. 108. ") Commentar More, Vorwort. ^®) Mose 
b. Nachman (angebl.) ROA, N. 112. ^^) mn'''?D Venedig 1600, nach 

More 1, 31. 2, 22, 20) (^^^ jjos.si 769 bei 'Dllp 'PTO I- S. 25. ^ij Com- 
mentar Pent., Vorr. ^^) Gutachten ms. über doppelte Galle. *^) Ginse 
Oxford Th. 1 S. XXII. 2^) Leuchter, Vorr. Ende. "j Herzenspflichten. 
Vorr. Vgl. das. 3, 8: 1:^31 r))^'hn. 



— 49 — 

^-lD n:i^'n nit'binzi und ^n::j'n nii'bin ^dd (Ahuab^)). Indem 

Gebetstücke inQ\X ^l^^S* heissen die Menschen b^Z' non 
untl Menachein b. Salomo ^) nennt sich einen D'p "IDn, 
daher bei Späteren : ^'^yi jncn ^sb 3) oder ^br^ jnDnci 
^nym*). Samuel b. Jehuda halevi^) schreibt ^II^DD ^D^?, 
Kaleb Afendopulo<') ^m^Dp^nyi niip ^s'p, Meir Aldabi^) 

-h^D 2m ^'pDiJ'LDiy^D; von^m^DDi ^nv:y und nbDon ^nyi war 

oben bereits die Rede. 
Demnach ist der Gebrauch solcher bescheidenen Rede- 
wendungen, nächst Spuren aus dem römischen Zeitalter, seit 
dem neunten Jahrhundert ohne Unterbrechung nachgewiesen 
wie die Belege bei Gaonen, Kalir, Josippon, Temim, Donolo, 
Menachem b. Seruk, Salomo Babli, Nissim, Abulwalid, Gabirol, 
Zahlal, Isaac Giat und vielen jüngeren Autoren zeigen. Nur 
das mit Roms Christianisirung eröffnende und mit dem Be- 
ginne arabischer Philosophie abschliessende halbe Jahrtausend 
geht wie für viele Gegenstände der Culturgeschichte auch für 
den vorliegenden leer aus. 



1) Leuchter, Vorr. und c. 338. ^) Wörterbuch v. "ll ^) Chajim 
IN RGA. N. 161. 4] Aldabi r\y\12^ "''p''2'ki' Vorr. ^) Meir Rothenb. 

RGA. N. 533. «) in^'PN miN 77 e. 7) a. a. O. 



V. 

„Verfassen und übersetzend^ hebräisch 
ausgedrückt. 

(Zeitschrift der deutsch-morgenländischen Gesellschaft 
Bd. 25 S. 435—448. 1871). 



Der Ausdruck „ein Buch verfassen'' setzt so bedeu- 
tende Culturelemente und eine so ausgebildete staatliche Ge- 
staltung eines Volkes voraus, dass wir demselben in allen 
Litteraturen erst in verhältnissmässig späteren Zeitabschnitten 
begegnen. Zuerst fällt er mit ,,ein Buch schreiben" zusammen. 
Schreiben, das Schauen und Denken bei dem Gebenden, 
Lesen und Verstehen bei dem Empfangenden voraussetzt, 
vertritt Hören und Sprechen, bezweckt Leln'en und Handeln, 
umfasst mithin die Thätigkeit des Verfassens. In dieser Be- 
deutung ist „verfassen" dem altern biblischen Schriftthum 
noch unbekannt. Exod. 32, 32 heisst es: „Aus deinem Buche, 
das du geschrieben" (riDnr), und noch in j. Sanhedrin 10, 
1 liest man: „Alle Bücher, welche von jener Zeit an ge- 
schrieben d^nSJ^') d. i. verfasst worden." Bei Autoren des 
Mittelalters, wie Menachem b. Seruk (Lex. v. ^n^), Josippon 
(S. 309), Raschi (^Tr. MegiUa 7a), Samuel b. Meir (Kohelet 
Ende), Jchuda Tibbon (Kusari 3, 63), bezeichnet 2nD oder 
"1?D 2r\)D den Verfasser und selbst bei Späteren 2mrn '•7 oder 
zmrn "»JX') nicht immer den Abschreiber, sondern gleichfalls 
den Verfasser, s. birU\S Th. 1. S. 17, 62, Vnzcn N. 31 Ende, 

c^:\s:n nti-yo 12 und 182. 



') Vgl. Zur Geschichte u. s. w. S. 197. 



Zuerst in dem späten Buche Kohelet heissen nti'V und 
]pr auch verfassen, und letzteres Verbum, mit der Nebenbe- 
deutung von ,, einführen", erscheint dort als Ausgangs-Thätig- 
keit des Ergrün dens und Lehrens. Aehnlich heisst es j. 
Schekalim c. 5 Anf. von R. Akiba: nizhn) ^iniK^) n:ti'D ]^p:^r\2^' 
nn;m. im Talmud z. B. Megilla J7b wo T"Dn s. v. a. jpH, 
und in dem Amraraschen Siddur ist ]pn vornemlich vom Ver- 
fassen und Einführen der Gebete, später jedoch in allge- 
meiner Bedeutung gebraucht, wie Menachem b, Seruk's Send- 
schreiben n?L? ]prh), Siddur Amram ms. f. 54 H'^Dbn jpn), 
Hai (RGA. der Gaonen 87), Abenesra (^D^Jl.XD Einleit), Sa- 
lomo b. Natan (jpn DJ1 "CR), Elasar aus Worms ^), das Buch 

y2Wr\ § 219 n)'-]2 1J''Z!l IpnU' 1DD2) w. A. beweisen. Bereits 
Raschi erläutert nt^J? Gen. 18, 8 durch ]pr^-, und ähnlich dem 
griechischen noifly wird Hl^'V, wenn es mit "ISD verbunden ist 
nach dem Vorgänge in Kohelet „verfassen", wozu 'tiTC Ps. 4n, 
2 „meine dichterische Arbeit" und r\]l'VD Esther 10, 2 ,, Ge- 
schichte" — letzteres oft auch in Mischna und Talmud — 
die Parallelen sind. Belege für diesen Gebrauch des nti'JJ 
geben mehrere mittelalterliche Autoren, namentlich: Amram's 
Siddur ms. f. 54 Hl^'pn D2b ni^'^N), Josippon S. 311. 535 
(nD"in cn?D nU'J?), Dunasch gegen Saadia § lÜ , Gabirol 
(grammatisches Gedicht V. 23 u. 57), Raschi Spr. 1, 7, Aben- 
esra Gen. 46, 27 und in ^1)12 HDti' 14a, Jehuda b. Bar- 
sillai-), R. Tarn (Jebamot 1Gb), Parchon Lex. Vorrede, Ben- 
jamin de Tudela C]!"!;?!"! 'D n\l/V^')' Joseph Kimchi (tlerzens- 
pflichteu 7, 7: ^n^UT^' nnnPZl wo J. Tibbon ^nzHD T^'vS hat), 
Maimonides") (>n^iJ'>tr D^tinT^n), Zidkia 27a, Jehuda b. Kalo- 
nynios (in Cr sarua Th. 2 § 275*, ein Machsor-Commentar"^), 
Sal. Luria's Gutachten N. 29. Dunasch schreibt einmal auch 
1DD DÜTTI (gegen Menachem Vorr.) ; aramäisch dasselbe ist 

Seit dem zehnten Jahrhundert kommt auch ID"* in Ge- 
brauch. Bereits in der Chronik und dem Buche Esther, 



1) s. Lit. d. synag. Poesie S. 491. Es heisst rlort: C"~CX "] pHti' 
rninn. ^) D~p m-''bn S. 72. ^) schreiben nach Lunel in Ozar nech- 
macl Th. 2 S. 3. *) s. Lit. d. syn. Poesie S. 151 unten. *) Or sarua 



Th. 2 § 281 r\r\::)2 nnx tc^^s tdi? n*p \s*cn. 



4* 



daher auch im Talmud (Megilla 3a: □HD"'! mm), bedeutet 
dieses Zeitwort, mit ]pr'- sinnverwandt, einrichten und an- 
ordnen; mit demselben schien daher die Arbeit der für den 
Gottesdienst schreibenden Peitanim passend bezeichnet: "D^ 
bedeutet demnach im Allgemeinen „Piut verfassen", im Be- 
soudern ,,sich ausdrücken'^, „einen Gedanken verwenden'". 
Das letztere geschieht nun in folgenden Wendungen: 

"O^ z. B. Jehudi b. Scheschet^), Raschi Klagel. 3, 20 

(j2iwn ic^ ]N2D1), Daniel 8, 14 (n^lt' 110^2 HD^ ^''bpn N"l"l), R- 
Tarn Tos. Jebamot 16 b ("ID^ IHN* toVD21), Isaac b. Samuel in 
den Maimoniot zu den verbotenen Speisen Gutachten N. 5; 
Commentar zu Bereschit rabba c, 5(3; cod. H. h. 17 zu Cha- 
Duca, Pesach und Sühntag, cod. h. München 5 zu Hiob öfter 
u. f. 240b, 241b-, Sal. Luria Rga. N. 29; Baruch b. Simson 
A. 1450 (HN'I \mD^). Vgl. die Stellen in Lit. d. syn. Poesie 
S. 28, 62, 63, 115 Anm. 2, 239 Anm. 5. 

"iC pl haben Kaschi (Mezia 69b), Commentar Klagel. 
ed. Leipzig S. 42, Commentar Chronik 1, 28, 9, Chaskuui 
i<2, Simson Nakdan^), Tosafot Tr. Chagiga 12a, Aboda 17a; 
Zidkia^), Maimoniot zu Hiä^l ycn c. 7. "l^lli' c. 3; die kleinen 
Halachot Mordechai § 1417; cod. H. h. 17 zum 9. Ab; Elasar 
np-1 201. — Anstatt ]D1 ist auch p bv oder r\D2 bv (Raschi 
Zachar. 5, 11. Ps. 42, 5) auch -jDI (Jesaia in ynD?2n 62) 
gebräuchlich. Vgl. auch Lit. S. 62 Anm. 1, 104 Anm. 1, 
111, 121, 128, 234 Anm. 2, 649. 

-D^lt': Raschi Ezech. 21, 18 (nDljHD IDW lO^^Dm), Joma 
67a, Joseph Kara zu Hiob 14, 11, R. Tam^), Or sarua Th. 
2 S. 120, Tos. Chagiga J3a, S. Luria N. 29; cod. H. h. 41a 
N. 12. cod. H. h. 17 zu Pesach, cod. h. Paris 646 f. 9b; 
andere Stellen s. Lit. S. 61, 62, 234. — ID^tt' )DD haben die 
pentateuchischen Tosafot 49 a, Chaskuni Nii"'!» m?2U', Zidkia 
(Lit. S. 61 N. 2), cod. h. München 17 zum Wochenfeste, 
Recanate (Lit. S. 62), Bedarschi's Synonymik S. 169. 

ID^i:' t<in: Raschi Genes. 30, 22, Exod. 26, 15, Cant. 
4, 10. Commentar Klagel. S. 44, 49, der Chronik 2, 20, 1, 



^) r\)2)\£/r\ ed. Steru S. 37. «) Geiger Zeitschr. B. 5 S. 429. 
^) ""bsiy N. 5 (Lit. .S. 63). 57 f 27a, 66 f. 30 c. *) Machsor Vitry, s. 
Kerera chemed Th. 3 S. 202. 



— 53 - 

des Bereschit rabba c. 6, Tosaf. Batra 14a, Chaskuni n'7Ii'2. 
Noch häufiger ist ID^lI'jm, z. B. bei Raschi 2 Kön. 11, 2, 
Jes. 24, 22, Ezecb. 43, 3, Commentar der Chronik 1, 25, 3. 
2, 35, 22, pentat. Tosafot 31a, 40d, 74b, 75a, 88b, D^:pi "im 
la, 27a, 32b, 33a, 71a, 72b. Elasar aus Worms in ^n ^')D 
ms. 66a und in codd. Paris 772 und 850. Or sarua Th. 2 
§ 281. Tosaf. Aboda 35a. Taschbez § 467. Bedarschi's 
Synonymik S. 123. Häufig- in Codd. H. h. 17, 32, 62. Vgl. 
Lit. der syn. Poesie S. 173 Anm. 4 und 234 Anm. 4. 

Für die Anwendung des 1D\ gleich rilL'V ^), für Piut ver- 
fassen überhaupt, sowohl Piut im Allgemeinen als dessen ein- 
zelne Gattungen, sind bereits in meiner Literaturgeschichte 2) 
Belege gegeben, denen hier noch folgende hinzuzufügen sind : 

nznp HD^ (Hapardes 24 c), niTjn mznpi nmus nc^ (das. 

43 d); R. Tarn schreibt nhr\D pü IID ID^^); Efraim aus Bonn: 

nn"in "D^IJ"'). in Tosafot Chagiga 14a wird „verfassen" von 
Keduscha und Keroba mit ID"" gegeben. Begreiflich ist der 
Uebergang des Wortgebrauches in gleicher Bedeutung auf 
Gebete, auf biblische Bücher und Psalmen; letzteres bezeugen 
Raschi (1 Kön. 4, 31, Hoheslied Vorwort, Ps. 45, 2. 88, 1) 
und Samuel b. Meir (Hohesled Anf. und 3, 11, 8, 12', und 
ein ungenannter Commentator der Klagelieder sagt im Vor- 
wort: Diyp rhyo "ID"* "lU't^. Gleicherweise heisst es von dem 
„Abinu malkenu": R. Akiba HD;»). HHD^ und i:'? HD^I 
schreibt Raschi (Hapardes 23b, 57b) in Bezug auf Gebet- 
stücke. Andere Belege liefern cod. H. h. 61 (im Auszuge in 
Hamanhig 19 ab), cod. Saraval 68»), Taschbez § 253 (V'^'^n^ 
i:"''py ID^), Bedarschi's Synonymik S. 121, 171, wo Stellen aus 
dem Nischmat mit "C ]Z"! und "C ~]\t'^2 aufijeführt werden. 



1) R. Tarn in Tos. Jebamot 16 b: ID"! -iPuS ul^DDI " ' ' l^'^^DH Hii'y. 
Anstatt nii^y m des cod. Nürnberg hat Selicha ed. 1609 HT "D^ (im 
Commentar zur Selicha nm"lD n''"12)- Vgl. beider Verbindung in Raschi 
Ps. 45, 2. 2) S. 59 Anm. 2, 151, 177 Anm. 1, 236 Anm. 2, 261, 282, 300 
Anm. 2, 319, 326, 327, 361, 362, 610. ^) Kerem chemed 3 S. 202. 

*) Cod. Opp. 1073 F. 771 F. Or sarua 2 § 276. ^) Denkschrift S. 12. 
«) H. li, 17 zu Pesacb. '^j Das. ^) Mein Ritus S. 118 Anm. d. 

*•) Lit. S. 146 Anm 2. 



— 5-i — 

Daher wird, Gebetstücke betreffend, verfasst durch, 
1DVD ausgedrückt, z. B. IDVQ Hl -lICTQ (Raschi Ps. 49, 2), 

ZN* "2 -DTO nzti' n:pn (Hapardes 56 a), r\2)y2 (das. 23 a), 
pnp pite -iDV?2 .Xim (Commentar der Chronik 1, 28, 19), 

nT*;n, DHD mDTO 11 nn^hD'^'*), und gleicherweise Verfasser 
durch Ipl^: pvD2 ~D''Dn IC")! schreibt ein alter liturgischer 
Autor 5), ebenso Simeon Duran^). 

Da nun innerhalb des germanisch-romanischen Juden- 
thums, welchem diese Verwendung des ID^ vorzugsweise ange- 
hört, Wissen ein Bestandtheil des religiösen Lebens war, so 
ward auch ein die gottesdienstliche Poesie angehender Aus- 
druck bald zu einem allgemeinen: "ID'' ward zu „verfassen" 
überhaupt erhoben, bei Werken der verschiedensten Gattung, 
Commentaren und Wörterbüchern, halacLischen und aske- 
tischen Schriften gebraucht. Man schrieb z. B, jün "D"' Tt^'N 
(cod. Opp. 260 F.), IJ'n^sn m bz ntl'yi 1D^ (Perlenschnur Ms.), 
■jryn -ID^t/' (Maimoniot mti'W Gutachten Nr. 12), "IDD IDW 
*l"IJ<?in (Juchasin ed. London S. 218), und so findet man dieses 
Zeitwort denn auch bei HDItiTin ~12D (Buch der Frommen 
§ 613 Ende), nzilt'nn niD (Mordechai Schebuot § 1098), 
DZVn niD 7) .myiiipD (Mordechai das. § 1103), ^J^D (Catal. Lips. 
p. 277), ncnnn (Maimoniot PZli' c. 3 und Sal. Luria RGA. 
N. 29). Gleicherweise wird eine halachische Arbeit mit Hl 8) 
"IDin eingeführt; der Verfasser des Commentars zum Buche 
Jezira nennt Abraham dessen Ipl^^^ auch der Autor des 
Prüfsteins ^'^), Kalonymos, nennt sich "IpI^D ; Joseph Caspi^^) 
spricht von pit'Sn ''"IC''?2 die die Sprache erfunden oder ver- 
fasst haben; Abraham b. Chija heisst mmSl ■1D''?0^2)_ 

1) Cod. H. h. 15 Ueberschrift von N. .303. *) Efraim aus Bonn 
Denkschrift S. 9. ^) Cod. H. h. 1.Ö Ueberschrift von N. 222. •*) Cod. 
Opp. 1073 F. zur Selicha np~l)i ftlX. ^) DT"! ''IDIpb Ms. Aschkenasi 82. 
Dasselbe in codd. Rossi 159 und 858, vgl, Lit. d. syu. Poesie S. 59 
Anm. 2. ß) HIDN ]yC 84a: Hni QiJiyi 1-))^ ID'^Cn (vgl. Lit S. 574 

N. 124). '') Commentar p (Ozar nechmad Th. 2. S. 101) und pentateu- 
chische Tosafot 10a. ^) Machsor Vitry Ms. § 121. Ms. Aschkenasi N. 82 
zu Purim. 9; s. Dukes DTiiJip (1846) S. 77. i") ]nD pJ< S. 62, 92, 
93, 97, 10(5. 11) Ppj i-iV^y S. 65. Dukes in Ozar nechmad Th. 2 S. 104. 
'^) Steinschneider catal. Leyd, p. 150. 



— 55 — 

Wie nun bei demZeitworfiD'' aus „gründen" verwenden 
und verfassen geworden, ward in dem Hauptwort HD'' 
„Grund'' zu Inhalt und Gestaltung und endlich zu Schrift- 
werk selber, anfangs für Piut und Aehnliches , dann für 
Werke überhaupt, so dass mit diesem Worte als cähere 
Bestimmung, bald der Namen der Verfasser, bald die Bezeich- 
nung des Inhalts oder des Werkes verbunden wird. Man 
schrieb demnach D)212 H^D IID''), D^'CV^n 1)D'% HznpH DD^^}. 

nri:n btr iid^^), miimcn "id^"), n^n^^ niD^'j, nDinn iid^^), 

aber noch häufiger in Verbindung mit den Autoren, als: 
Ü'r22n IID^ (Hapardes 40b), :n":D ^I^'IS DD'D (Vitry)»), tlD^^) 
niicrij am häufigsten mit dem Namen des Verfassers, welcher 
dem ■nD\ b\l' M)D^ oder dem 110^2, b'^' HÜ^^ unmittelbar folgt, 
wofür ausser den in meiner Literaturgeschichte^^) enthaltenen 
Anführungen auch noch folgende Stellen zeugen: 

niD"* des Amrami d. i. Amram's Siddur (stets in Haman- 
hig), R, Jacob's b. Simson (Machsor Vitry ms. § 200), Jan- 
nai's (H. h. 17), R. Abraham's (Maimoniot ^VC DV c. 4), R. 
Isaac's (Cr sarua § 43), R. Elasar's (nwn^D: 'D ms.), R. 
Schemaja's (Commentar der Gebete ms.), des Isaac Chasan 
(nnn) aus Troyes^-), R- Baruch's (Tosafot Joma 16b). — 
Tii-* niD"' R. Samuel's b. Meir^^), Joseph Kara's (Commentar 
der Gebete ms.) — n^Ct' HID^D Kalir's (Raschi Daniel 8, 14). 
— t>\L' 1^D^2 Kalir's (cod. h. München 5 zu Hieb c. 23). — 
b'^ ^'^D'2 R. Elasar's (cod. Paris 646 f. 20a), Mose Cohen 
(Commentar der Gebete ms.), Abraham b. David (Tos. Joma 
18b). — Die aus älteren Büchern entlehnten Stellen sowohl 
als die Autorschaft einer Schrift werden ohne weiteres mit 
"IIDV^ oder T\l' '\'^^^D''t2 eingeführt, wie unter andern Raschi ^^), 
Menachem jHD ]'N Art. nj< Serachja^'^) , Mordechai (Chullin 



^) t^pbn ^b2\L^ § 1. ^) Hapardes 43d. 3) Buch der Frommen 
§ 256. ^) Lit. S. 104. ^) Nissim nPCCn Vorr. 8a. «) B. d. Frommen 
§ 13, -was § 155 mit ^^<"l''^ Ticb bezeichnet ist. '') Hapardes Ms. u. 
ed. 24b. «) Kerem chemcd Th. 3 8. 200. ^) l^pbil "'bzit' ms. §§ 45 
n. 70. D''JlN:n nt5'J?D ms. § 420. i«) ■^D'^D S. 88, 121, 151, 153, 336: 
b\i,' 1"nD"'D S. 61, 68, 104. 151; "nDV^ S. 283, 328, 333, 361, .362; mo^'D 
b^ S. 62. )b\L^ llD^n S. 239. 121. ") Tefilla ed. 1525 zu p-lTD D1p\ 
12) Kerem chemed Th. 7 S. 69. '3) Zu Numer. 19, 22. 26, 36. 32, 24. 
33, 1. ") Zum Alfasi t. 2 f. 294. 



— ob — 

§ 924), Or sarua (Th. 2 § 373 Ende), die pentat. Tosafot 
2b, cod. München 5 (Ende des Pentateiichs und Chronik), 
cod. Paris 391, cod. H. h. 39 N. 85, codd. Oppenh. 1074 F. 
und 1257 Q. u. A. m. ^) beweisen. Diese Bedeutung des 
Wortes erhielt sich bis zur Zeit des beginnenden Bücher- 
drucks, wie aus Stellen bei Jacob Mölln (RGA. N. 149), 
Samuel aus Speier 2) und Eisak Stein 2) erhell: von da ab 
verdrängt ihn der Stil der jüdisch-spanischen Schriftsteller. 

Eingeschränkter war für diese Bedeutung der Gebrauch 
des im Aramäischen dem hebräischen ']1V entsprechenden 
Zeitwortes "IID, mit welchem ordnen, anordnen, einfülii-f^n 
(oben S. 51), Gebete richten und schreiben^), Gebetsord- 
nungen herstellen^), endhch überhauj)t verfassen ausgedrückt 
wurde. Zu den anderswo *") aufgeführten Belegen hier noch 
folgende: r\r2bw I^^DT "nOtt' yiV "TID (Hapardes ms. Ms. Asch- 
kenasi 82) die Pesachfeier betreffend, womit im edirten Ha- 
pardes (14 d) das nd)^ "] ^£D -nD:i7) stimmt; r\):hn -lIDti' 

schreibt Raschi in einem Bescheide über doppelte Galle 
(Hapardes ms.); IID mT'lt' Jehudi b. Scheschet (ed. Stern 
S. 18); nbsn m2Sn2 limoti' Isaac Giat (Halachot Th. 1 S. 45); 
\"l"nD IWü, DH^n der Verfasser des angeblichen Briefes von 
Josua (Juchasin ed. Cstpl.). Bei R. Natan, dem Verfasser 
des Aruch, ist '^''"IDn'? "pV oder 1"!^ "Müh gleichbedeutend 
mit 11V DinDb. Eben so ist "^ID^^n (Menachem b. Sernk 
Wörterbuch S. 70) s. v. a. IDl^H ,ünmDQ ]^12VB, s, v. a. D^'üVr2 
(Tanja 67b) und t^^^DH nTDU' imi in Hapardes ms. dasselbe, 
was "bei Raschi n^^^pn lü^W Nin mi«) lautet. 

Indessen weder 11D noch "D"' erhielten sich, als von den 
spanischen Autoritäten, von den Kimchi's und den Tibboniden 
"12n an deren Stelle gebraucht ward. Bereits in dem biblischen 



•) s. mein Eitus S. 194, Steinschneider catal. Bodl. p 2176. Am 
Rande des cod. H. h. 63, der den Commentar zii Tr. Batra enthält, be- 
merkte einer Namens David nüb^^' i<:iO pvX:.! bnjin 2in 1)D^D ]kSD HJ? 
V'IJ] prü?"" 12; in den Ausgaben heisst es: Wy^^^ "tH'D HJ/- *)'Mein 

Zur Gesch. S. 105. ^) D''~nN*"'Z! zum Seraag Verbot 242: niD"'?0 nämlich 
aus einem Commentar zum Tr. Nedarim des Mose b. Chisdai (Lit. S. 316 
Änm. -9). 4) Mein Die synag. Poesie S. 367. ^} Ritus S. 18. ^) Ritus 
das. Literaturgesch. der synag. Poesie S. 168. ^) Vgl. m213 IID 

mc:::' (Hapardes 24b). ^) Literat. S. G3 N. 29 Z. 1. 



— öl — 

]''7D riTZriN* (Hiob 16, 4) ist „Worte als Rede zusammen- 
fassen" angedeutet, und das dem hebräischen D"'"1D"I entspre- 
chende aramäische ]v^ bezeichnet^, zugleich Wort und Gegen- 
stand. Scherira's^) pnb "IDHTDT ^';v:r ist hebräisch DnDID 
CnDinDVnti' ;^b^0 m^nb istp D"12nb oder "1£D2 Crnrb, womit 
noch sein p^ZH -h'ü und HD^ 112^1 jnzr,?^ nn^n und Dü- 
nn >ch's D'^'nzro DvC2 zu vergleichen. Das Zusammenstellen von 
Worten oder Buchstaben unter eine Rubrik bezeichnen Me- 
naebem b. Seruk (Lexic. S. 69) und seine Zuhörer 2) mit 
TZnn, daher bei Rasclii öfter: nzn Dnjt2. Wie ovyn&^i/nt, und 
compono schritt denn auch "l2n vom zusammenfassen zum 
verfass.^n vor, und zwar bei den älteren Schriftstellern meist 
in der alten Hifil-Form, die erst später vom Piel verdrängt 
worden. n"T'2nx haben Kalonymos b. Jehuda^), Samuel ha- 
levi in der Klage nrT'ti'X, der Einheitsgesang im ersten Tage, 
Meir b. Baruch^); T'Dnn verbunden mit 1?D ben Ascher^), 
Menachems Zuhörer^', Mose Draa'^); mit mziti^'n 'D dieselben 
Zuhörer 8); T2nn mczn sa;rt ben Scheschet^), I^Dnnb D'h^D 
Jacob b. Elasar "'), D"'Jnn5 TZÜ^NI Menachems Zuhörer, die 
auch TZPin ohne Begleitwort schreiben ^^). Bei den genannten 
Zuhörern heisst ein Verfasser T2nc und Dunasch's Zuhörer 
ben Scheschet schreibt 2lVr\ pt^'b TZH^'S) in derselben Be- 
deutung, wie später "^oy^ (s. oben S. 54) gebraucht wurde. 
Noch Charisii3) hat T^HN*! und lT2rP 1ti\S "l^Ii'n. 

Die Vorstellung dtis Zusammenfügens und Verbindens, 
welche in der Hifil-Form noch thätig war, verlor sich all- 
mählig in dem Piel, in 12n, dem zuerst in neunten Jahr- 
Iiundert begegnet wird. Kalir hat im Regengebet D"'Dyü 
"12nx, in welchem Satze das nebeneinander stellen noch 
vorherrscht: allein bei Dunasch ^^),Josippon'^''),Nissim^^),Jefet^''), 



') Sendschreiben S 18, 22, 23, 27; ed. London S. 39, 43; nii12p 
D^^rn S. 107. 2) ed. Stern S. 40, 80, 84 u. a. m. ^) In: Literat. 
vS. 16G N. 15. ■*) Das. S. 360. ») In der masoretischen Abhandlung, 

anf. TDnn'ii' CCyi^n "»pnp-ir^ "IDD m in der Hibel ed. 1517. «) S. 
20. 35, 79. 7) pinsker i'Clp^ S. 73. ^) S 44. ^) Das. S. 13. 

"») Ozar nechmad Th. 2. S. 160. »') S. 17; 10, 36. ^^) S. 10, 19; 

Scheschet S. 29. '^j Tachkemoni c. lOf. 21a. c. 18 f. 3.öb. ^*) Gegen 
Menachem S. 2 Z. 44, gegen Saadia S. 27, 40. »^i g 99, 150, 310, 888. 
**) "PSCn 2b, 3a u. a. m. ") Pinsker a. a. 0. S. 21. 



— Oö 



Abraham b. Chi ja, Mose Gekatilia, Abenesra bedeutet es 
constant verfassen und hat seitdem die Herrschaft behauptet; 
bei Abraham b. Chija und Binjamiu b. AsrieP) heisst "IDPID 
,, Verfasser"; gleicherweise heisst "inn das ,,Werk" beiNissim^), 
Joseph Migasch^), Abraham b. Chija*), R. Tani^)^ Abraham 
b. Isaac^), Joseph Kimchi '^) u. A. m. 

Uneigentlich, fast nur in dichterischer Sprache, daher 
bloss vereinzelt, werden statt der aufgeführten einige andere 
Zeitwörter für die Bedeutung des Verfassens verwendet und 
zwar ppn statt ^HD- bv^ statt r\Z% n:2 statt 'D\ 1N*I statt 
^ID, und anstatt "Infi: '^''''D, seltener :i"1N undnn. 

Bereits in Jesaia (10, 1. 30, 8) und Hiob (19, 23) wird 
Znr parallel das vielleicht ältere ppn verwendet; IDPiD"'"! in 
gleicher Bedeutung mit IpprV) hat auch Midr. Ps. c. 1. Im 
Piut n^ttwn nnnivS für das Wochenfest heisst n2)P2 p^pn „ist 
darin enthalten''. Beide Zeitworter werden in gleichem Sinne 
in den alten Asharot^) und von Jeschua Kar.^) gebraucht. 
Mit der Bedeutung „verfassen" findet sich T^lpn bei Chas- 
dai ^^) und Menachem b. Saruk ^^), bei denselben ^^) so wie 
bei Tam ^^) und Menachem ben Salomo ^^) mpn'?. In gleichem 
Sinne bedienen sich des ppFi Dunasch i^), Jefet halevi^^) und 
Abenesra ^'^) : daher auch bei Menachem *^) und Tam ^^) „Ver- 
fasser" ppin^i heisst. 

Wie wirken zu ausführen verhält sich 'pys zu niJ/y; 
daher bezeichnet rWL'V) bV^ (Jes. 41, 4) die Gesammtthätigkeit 
und nv^-y'p D^'^yiDn (Mischna Mezia 7, 7) das durch Arbeit 
herzustellende. Gleich den Ausdrücken ,,opus, Werk" ward 
n^iys, z. B. von Jehuda Romano 2'') von schriftstellerischer 



•) iu dem Ofau lyz"! PHNZ- s. Literat. S. 145, Ritus S. 241. ^) a. 

a. O, 3a, 4b. ^) P^ÜZIpü HtTti' zu Mezia 170 a. ^) im Buche "112J?n 
zu Anfang und öfter. ^) Gegen Dunascli S.S. ^) Eschkol Th. 1 S. 90. 

■') Verf. des 'cpbn iizn. ^) Hppn '^y2i>\s2i— P2n3 "jrc^z. ') \nppn 

^rzn^l Pinsker likkute S. 173. '") Schreiben au den Chasarenkönig. 

^') Schreiben an Chasdai ed. Luzz. 31a: ^j^p "'121 Tllpm. ^^) Mena- 
chem Lex. S. 1, 33, 51, 57, 66, 71, 81, 82. Vgl. Stern zu Menachems 
Schreiben S. XXIV. ^^j Gegen Dunasch S. 54, 61. ") Wörterb. Art. 
11 und n"i;. **) nmii'n § 6. 'ß) Pinsker a. a. O. S. 20. ") ppn 
"Iti'yn 1DD ^®) In dem Schreiben an Chasdai und im Lexic. S. 33, 51, 

57, 66. 71, 81, 82. ») a. a. 0. S. 108. ^o) Jeschuruu Th. 6 S. 62. 



— 50 — 

Arbeit gebraucht, ebenso vp^Q und fil'pyrJO i) , und im 15. 
Jahrhundert kommt PVD^) und vySN^) für verfassen vor, 
ersteres als zum Titel des Buches Dvys D"1 passend, letzteres 
einer Jahrzahl wegen. 

Nicht unähnlich ist die Stufenfolge von "!C zu n:i2; 
daher schreiben Menachem's Zuhörer (S. 13, 40, 73) n:3l^' 1SD, 
Kreskas Nasi*) 'r\^:2 minn; nSD ^32 hat Dunasch (Vorr.) 
bereits. 

"IN'2, das mit ^2" (Deut. 1, 5) und znr (Habacuc 2, 2) 
verwandt erscheint, bei Josippon^) ,, besehreiben", sonst auch*') 
,, erläutern'' ausdrückt, gilt bei Karäern'^) für ordnen und 
verfassen. 

ti''"'? für Piut verfassen, z. B. bei Samuel b. Meir zu 
Genes. 27, 27, Hapardes 43d, Or sarua II S. 118 b; vgl. 
synag. Poesie S. 60 und Lit. d. syn, Poesie S. 59 und 63. 

Schon im Talmud wird das Zusammenfügen der Worte 
zur Rede mit Weberarbeit verglichen und die Ordnung der 
Rede HIDI ]lpn) heisst Gewebe (nP"lJ<); daher sagte man auch 
die Halacha weben, und dieses Zeitwort ward mit Verfassen 
gleichbedeutend, wie aus Stellen bei Moses b. Esra, Abenesra, 
Joseph Kimchi, dem Gedicht 72lt*n "1D1Q, Immanuel u. A.^) 
ersichtlich ist. Vgl. die Mittheilungen in Ozar nechmad Th. 1 
S. 112, Dukes Spruchkunde S. 65 und Mittheil. S. 4 und 
Zunz Ritus S. 241. 

Das mit "|^"in, ü'in, n"in sprachlich verwandte und ur- 
sprünglich — wie aus Jebamot 75b oben und R. Nathan im 
Aruch zufolge auch daselbst 84a hervorgeht — stechen, durch- 
löchern bedeutende PH, gab den Schnüren durchstochener 
Perlen (Dnnn) und Fischnetzen (Hinno Mischna Mezia 2, 1 
oder inn ChuUin 95b) den Namen, bedeutete dann aufreihen 



') cod. Harl. 5583 zum zweiten Pesachtage und zehnten Tebet. 
2) Jesclmrun Th. 5 S. 151. ^) Lit. d. syn. Poesie S. 380 N. 1. *j cod. 
17 in 'i^'^h^n (Catalog, Berlin 1850). ^) S. 14 jl^i^H PX 1X^2, vgl- 
S. 66, 173, 174. «) DTlüni'TOI D''1N2D in der alten Uebersetzung von 
Saadia's Glaubenswerk. ^) Hadasi in Eschko) c. 337 f. 124a. Nisi bei 
Pinsker a. a. 0. S. 40. ^) z. B. ^llXiS* D^'V'^"! in dem Gesang D''yiS*; 
mi^riD JI*1X bei Abenesra in D^jlX^- In Bamidbar rabba 247b heisst 
^~1X bereiten, schaffen. 



— ()(J — 



zusammenbinden, einfassen ^). Bildlich wurde mit pn das 
Verbinden von Thora- und Prophetenstellen ausgedrückt, als: 

c\n^2j7 n'ypr2^ m^n n^iz nr.i (Midrasch Cant. IIb), i^mm 
n->in n2-2 (j. Chagiga 2, 1), c\s^z:b niin nzi nn?^ (Wajikra 

rabba c. 16), □"'mn r^'i'VT^ '''^V'^ (MeschuUam im Pesachjozer 
p'^EX), DT'^nD mmn (Leonte im Pezachjozer^)). Bei Mena- 
chem b. Seruk^) ist V^r^ü, parallel dem ni'HiJ^, Wortbildner, 
und so stieg, nicht unähnlich ppn und ygacfnu, dieses Zeit- 
wort zu dem Begriffe „verfassen'' empor. Jehuda b. Alan 
sagt ntjiin-*): „wir haben verfasst" und die alte üeber- 
setzung des Saadianischen Glaubenswerks schreibt für Ver- 
fasser mn. 

. Abenesra bedient sich in der Aufzählung grammatischer 
Vorarbeiten, ~D^ ausgenommen, aller Ausdrücke ebenmässig 
und hat ausser ZPr, |pn, nii'y, izri- "1ND, ppn, :1X auch ^DN: 
der dreihundert Jahre jüngere Ungenannte in der Sammlung 
Debarim attikim Heft II gebraucht ~D\ mt'y- "IZH, und "l'D; 
bei Simeon Duran findet man "C nur für Piut. Die Verbin- 
dung zweier Verba, womit Kohelet schon vorangegangen, 
und welche die noch nicht allgemein begründete Herrschaft 
des einzelnen bezeugt, verräth doch zuweilen nur grössere 
Lebhaftigkeit des Schreibenden. Ausser den bereits (oben 
S. 51, 53) erwähnter. riLi'yi ~C\ jpm izn, ZP21 Py^V, gehören 
hieher: :£'T21 ^^^'^), "1"D ID^?: (cod. Hamb. h. 17), IZn^H ID^ 
(Bedarschi S. 121. 171), ID^I IZH (z. B. Isserlein D^pD? Titel- 
blatt), lizn l-CZ: verbunden mit ^"ZD ^Zr{!2 (p-l» ^ilXC S. 42), 

nzn^i :i\s und -i-iDi :-iN (Ritus s. 241), ^:>pn2'\ pins n^zno 

")SD oder T^'D ^Jpnr^l I^D n^ZnC (Menachems Zuhörer S. 19). 
Für ., Verfasser" gebraucht Charisi (Tachkemoni 7b) 
^ZN und Abraham b. Ephraim (im Buche |"'2i?2"'Dn ms.) ''ZX 
~1?Cm; gemeiniglich ist, ausser den angegebenen Participieu, 
vi?Z üblich, welches Wort schon im Alterthume den Inhaber 
einer Sache und den Besitzer einer geistigen Kraft bezeich- 
nete, wie n^^yu HTiH n?2zrini (Kohelet 7, 12) oder nmn nzi 



') Exodus rabla c. 20 f. 137c oben. Raschi zu Mezia 23b. ^) Die 
Ausgaben lesen CTIZC wie in Midr. Cant. 8a: ?"ir?2 Xlp?2. ^) Lex. 
V, li': und Schreiben an Chasdai S. XXXIII. *) Pinsker a. a. O. S. 139. 
*) Dukes C^iTitp S. 80. 



yV'^V'^ ""-^ i'^"^"" (j- Sauhedrin 10, 1) darthut, dem die talmu- 
dischen Ausdrücke l^^br^ bV2, n'uü. bV2, .S"ip?2 bVD entsprechen, 
so dass, um „Verfasser" /.a bezeichnen, der Uebergang zu 
liznn byz oder "ISCn bV2 nahe lag-: jenes gebraucht der 
üebersetzer von Hai's '\2ür2^ ~pr2, auch Jehuda Tibbon^); 
dieses der alte Commentator des Jezirabuches-), Nisi der 
Karäer^), Joseph Bechor Scher*), das Bach der Frommen 
§ 2 u. A. m. Allmählig wurde bV-^ mit dem Titel eines 
bestimmten Buches verbundcu der gewöhnliche Ausdruck für 
„Verfasser des Werkes N. N/', z. B. pr^p-^n 'tvD (Jehuda 
Chajug), ü'^:2nbV2 (Gannacii), p^^r.H'D — 5), POT — 6), 

yrnn — 7) , MT':i^ -lED — «) , |^i^6n — 9), ^Dicn isd — i«), 
miDcn — 11) , D v:j;cn — ^2) , nn^-^.D — i3j ^ -non — i*) , -i-d — 
D^iyi^), n"n7 "i-D — 16), Dn^i^'H— 17), msDinn— 1^). 

In der Mehrheit Obyz) bezeichnet dieser Ausdruck theils 
die Urheber von Disciplinen, theils die gleichartigen Autoren 
in einem bestimmten Wissenszweige und die Gi-ünder von 
Sammelwerken. Es gehören beispielsweise dahin: PIJJn '•'py^ 
D^'7ni9),nn-i{< — 20),vXDi:n — 21) die Textkundigen, pHpin— 22), 
Dmznn —23)^ Schriftsteller,p:i'bn— 24),nniDC— 25), ü-h'^'ün —26)^ 

D^ii'iTcn— 27), jnnc ^by:— 2«),auch]nns ^2*:sy— 29J,niznpn— »o), 
mci^n— 31), T'^-n— 32j^ nn^inri— 33)^ Di^nnn ^ryz— 3*) Ver- 
fasser der Ueber Setzung. 



1) Katalog der Michaelschen Bibliothek S. 367. Vgl. Dukes: Ga- 
birol S. 106. ^) Dukes DTtCjlp S. 8. 72. 80. ^) Pinsker S. 39. 

*) Commentar S. 52. 56. ^) Munk: Abulwalid S. 54. ^) Isaac Giat 
mr'pn Th. l S. 55. ^) Meir Bothenb. RGA. N. 852. ») Dukes a. a. 
0. S. 75. 77. Abeiiesra mnZ H^^ 41b, ») Dukes S. 74. i») Tach- 
kemoni c. 3. ") Tarn gegen Dunasch S. 11. 35. '^) s. Dukes Mit- 

tbeilungen S. 84. 13) Oft im Ittur. **) Syn. Poesie S. 367. '^j Aben- 
esra a. a. 0. 8a. '^j s Ozar nechmad Th. 2 S. 103. i^) d. i. Ca- 

birol bei Abenesra u. Kiinchi. i^) Zur Geschichte S. 31. ^^) Raschi 
Ps. 64, 2. 20) Abenesra i^TID 110^ c. 2. ^i) HÜpin 'D S. 197. 

22) Das. S. 9. Duuasch n'!3"'li'n N. 32. ") Herzenspfl, 2, 1. n?2pin 'D 
S. XIV. 24) Menachem b. Seruk Lex. Buchst. ". 25) Gabirol grammat. 
Gedicht Vers 71. Abenesra a. a. 0. Tarn a, a. 0. S. 11. 26) ^li Sitten- 
brief S. 16. 27) napin 'D P. XII. 28) Menachem Lex. S. 28, 65, 69, 
83 u. a. m. 29) Menachem S. 32. 51 u. a. m. Commentar Thren. S, 39. 
^°) "iM^ün zn Joma Alfasi f. 222a. ^i) jellinek Beiträge Heft 2 S. 11. 
32) David Kimchi 'pi^DD 177a. Bedarschi S. 174. ") Abenesra oft z. B. 
zu Ps. 46. 34) Jehuda Tibbon in der Vorrede zu den Herzenspflichteu. 



- m — 

Mass einem Volke aucli Zeit gelassen werden, Schriften 
zu verfassen, so wird es deren noch längere bedürfen, Schriften 
zu übersetzen, zumal ohnehin dem schriftlichen der mündliche 
Uebersetzer vorangehen musste, auch stets vorangegangen 
ist. Denn erst Fremden-Verkehr und durch Eroberungszüge 
herbeigeführtes Nebeneinanderwohnen von Stämmen verschie- 
dener Zunge konnten, dem Bedürfnisse der Verständigung 
zu genügen, die Kenntniss zweier Sprachen, das üebertragen 
aus einer in die andere und die Bildung von Dollmetschern 
begründen. Weil in einer fremden also unverständlichen 
Sprache reden an Unverstandenes sprechen, an Töne nach- 
äffen, stammeln, verspotten gränzte, entwickelte sich eine 
Begriffs-Verwandtschaft der Wörter p- ^(^h ^p, VVbn (Raschi 
Spr. 4, 24), ]^rhl2 (Pesikta XIV bei Aruch v. Tb, grosse Pe- 
sikta N. 16 f. 34a. Raschi Jes. 8, 6. Midr. Prov. c. 13; 
Raschi Numer, 17, 13), ^Vv, ':hv und y7T>, während dem Zeit- 
worte Vw zugleich die Bedeutung ,, erläutern" verblieb, und 
l^vlp in der Genesis Dolmetscher, später Erklärer, Redner, 
Dichter und Fürsprecher ist. Der Karäer Nisi^) schreibt 

niD-m r^-Qwn \'h'Q'2 ^h^, Jehuda Tibbon-) ^(h^b^ nzncb d. i. 

Verfasser und Uebersetzer: Uebersetzung heisst bei ihm^) 
rcih^. Gleichwie Wajikra rabba c. U ^b'' durch Dnn?2 er- 
klärt wird, ist bei Tibbon'^) und Menachem b. Salomo^) 
Vwr\ erläutern und verdeutHchen; derselbe Menachem^) be- 
zeichnet, wie vor ihm Josippon (S. 175), mit ^v?2n das Ge- 
schäft des Y^^'O d. i. übersetzen. Für schriftliches Uebersetzen 
ward prägnant auch 2nr verwendet, so namentlich bereits 
bei den Alten für die griechische und aramäische Version 
biblischer Bücher, daher n^:i^ mmn [n^VC:] IZnz ') und .S-ipC 
Di:nn nnrii* [n^~^,Dy] ^). i^rst in dem alten Nizzachon (S. 159) 
wird auch eine lateinische Uebersetzung durch \^'^'b IjZHDI 
pt:'? ^iilhb n^yn ausgedrückt. 



') Pinsker likkute S. 2. ^) Einleituiigs-Gedicht des HCpin 'D- 
*) Das. hinter der Einleitung. *) Herzeuspflichten 1 c. 10 7j) V vHv 
iriy, 2 c. 5 jnZ V^b^- Vgl. Dukes: Schire Schelomo S. 76. ^) Wörter- 
huch V. DnniD^ by n:'?r y^'pnb ")> ^) Das. S. 17. 20. 45 ^) Mlschna 
Megilla 1, Fastenrolle Ende, Tr. Soferim 1, 7. Seder olam sutta, Tan- 
chuma HlCti', Midrasch PrOv. c. 15. «) Megilla 8b, 9a. Tr. Soferim 1, 10. 



Ueblicher bereits in älterer Zeit war D^"1P, das schon 
Esra 4, 7 für 1) die Uebertragnng ins Aramäische vor- 
kommt, woraus DIjIH als Bezeichnung der aramäischen 
Versionen entstand. Bald ward jedoch der Begriff der Ueber- 
setzung, von der Sprache abgesehen, herrschend, daher auch 
bezeichnend: 2) hebräische üeber Setzungen H'^llti'N DJOJlTm 
(j. Megilla 2, 1), später meist bei spanischen Autoren üblich 
als Mose Gecatilia^), Abenesra^), Jehuda Tibbon^) u. A.*); 
3) Uebersetzungen ins Griechische^) und 4) in das Ara- 
bische. Letzteres bei Hai Gaon^), Abenesra (Gen. 1, 11) 
und Ungenannten^). Endlich ward 5) ähnlieh dem ]''i:riDJ 
]1ti''? VÜ2, von der besonderen Sprache abgesehen, Dj'in über- 
haupt der Ausdruck für übersetzen, daher Abenesra*^) sagt 

mnN |iti6D inx jwib D:"in'? und von dem nibnn isd nrinü 

U'b^Vb spricht. 

Dem Beispiele von y^'^H folgend und analog den Verben 
fofifyivio und interpretor gingen auch ti'"lD und "IPS von er- 
läutern in übertragen über, und an das Qi^^n Hl t^'h^C des 

Bereschit rabba c. 36 anlehnend, wurde bis in das Zeitalter 
der Tibboniden für ,, übersetzen" ii'^S verwendet. Belege 

sind: 'IDDH P.X Ltns'? (Donolo), Hlinn ll^^DM und 1"^ 1^ VkJn?^1 
DnDD (Chasarenbrief), "iti'ID^ (Midrasch der Zehngebote N. 5), 
llin-} -p, D"1D ]riL'b2 llt'n^DI und t^'"lSC^' (Gaon Hai) 9), y:^Dl 
r\^h^} \S ^cns* pti'bz nb ^lin^CI '^'ip ]r^'b (R. Chananel bei Aruch 
V. n:), jl^'n^? (Abraham b. Chija im m^yn 'D S. 96 unt.), 

^2iv ]y^'b2 b\L'r\ h^ nx t^ms ^^), .spn ly'^D D^t^nE)D ^^) ; i£'id?2 n^n 

Vybz^-). "IHD haben Josippon^^) und der Selicha- Verfasser 

*) mjn m'>mN Vorwort und S. 16. ^) Commentar Genes. 2. 11, 
Exod. (kurze Rezension) S. 27. Hiob 2, 11. Hli'im ^bz c. 26: "ICi:"!!!! 
IWn. D:*inb bnX s. Zeltschr. d. D. M. G. XXIV S. 358. ^) Vorreden 
zu Eikma und den Herzenspflichten. *) D"'D1Clb?n "'"1D1C Anf. Die 
Abschreiber von nijn 'D (Anf.), b^2r\ 'D uud "npjH 'D- ^) j- Megilla 
1, 9. Tr. Soferim 1, 7. Tanchuma 7c, 37c. Vgl. Zunz gott. Vortr. S. 82. 
*) ]j^C:"in721 s. pip (Berlin 1856) S. 12. ') N^lipH H^mH Vorw. 

^2iy ]''Z'b2 □:i"1in?2. . Ebenso in IH^bts' HTIN f- 67c. ») VW^'Ti^ ^'PD 
Vorw. Comment. Ps. 3, 3. 9) V^ip S. 17, 4, 45. ">) Abraham b. 

David nbzpil 1DD 42a. i») HDin nCn^^l^ 2.5a. ^^) cod. Paris 585, 
wo die Uebertragnng mündlich aus dem Lateinischen ins Spanische und 
aus dieser Sprache alsdanu schriftlich hebräisch übersetzt wurde, '*) 2, 

23 s. 155: H^ii^ ])]i,*b bsS* HmH^ ]wbr2' — ^nD^i. 



SamneP), und |nns mit Di^in gleichbedeutend Dunasch 2), 
ein Ungenannter, der Hai befragt^), und der ältere Ueber- 
setzer von Saadia's GlaubensAverk'^j. 

Seit dem eilfteu Jahrhundert bedeuten auch "!*nn und 
"]2n übersetzen, indem jenes reddere, dieses vertere — fran- 
zösisch tourner, deutsch „in andere Sprache kehren'' — ver- 
tritt. Des "[Sn bedienen sicli Raschi (]''^*')2 ^2 "jIDH^ Tii'NDI 
-jE.Tpmry^)^ Ishac Ci^nNVG), Parehon^y (imzDn, ■]1Dnb 
Vnrsn, n?2Xl ), der Vorredner des Nl^pn pv.-^ins) (11[:6?0 I^DH 
^21V), der üebersetzer von HDI njIDN (S. 65: ^DNIS'PN ÜDSm); 
und das alte Nizzachou (S, 172) schreibt auch hier: "^^nn 
\^^'cb ]TiJ6'? nzyn ]r^'h. Das Zeitwort IFin findet man bei dem 
Üebersetzer von Hai's 12^01 npc im Vorworte ( — "»minm 

in\s ^n^iinn'i:' dv2) nnDyn pit^z vrninn nii\y • ■ • • nry iiirbz in\s 

und bei Maimonides^) (iilt^'p mim "IDDI nj^'r2n li'n^D Tin.lb 
^zny pii'bb mznn ni TiriNlT--- -^--pn). Das in Hapardes 13b 
und 14 d vorkommende Ty'?2 D*l"'*rpi heisst jedoch „in der 
Landessprache wiederholen". Gleichbedeutend mit linn ist 
2"'K'n, wofür spanische und provenzalische Schriftsteller Be- 
lege liefern, als: Ishac ^o) (Dn:n.|i:i''?C D^DÜ^IDH' •• 2^:&*nb), 

Charisi^) (pph2 D^mz^-^'m) , Bedarschi S. 246 O^DH Z^'^'n 
ijjiii'bb), Kalonymos*') (nzy'p ^2"iyc Vm2''"^'n). 

Aus dem biblischen ivb Ausländer wurde später der 
nicht hebräisch redende Inländer, so ivhn bei Raschi Exod. 
15, 24 und bereits in der Mischna (Megilla 2, 1) miy!*? oder 
r^Wh, ebenso R. Tarn ^2). (j^her D^lVtn ]rZ'b2 (Raschi ChullinSa) 
in der Landessprache. Für diese war schon frühe ']f2 die 
übliche Bezeichnung: im römischen Zeitalter in Palästina be- 
deutete es die griechische Sprache, daher lOTv 1^7 „griechisch 
eignet sich für Gesang" (j. Megilla 1, 9 und Midr. Esther 
123 d); -iVbz no:-im des palästinischen Talmud (Megilla 2, 1) 



») Selicha Hl "iZ'hii- r\)j\\i/^ D'^yZi^D ^J"in!:''1 ') Gegen Menachem, 

s. 20. 3) Eschkoi B. 2 s. 44. *) nijiQXH iDD ]nnD. 5) i^'sin 

S. 4. 6) Michaelscher Catalog S. 368. '') Vorrede, Lex. v. Zip- 

Epilog. ^) Dukes Mittheilungen S. 197. Vgl. Steinschneider Jew. lite- 
rature S. 321. s) Q''jp] DV'^ Ö- 73, Hli:: .TiCn 4a. '») a. a. O. 

') Vorrede zu D"'DlDlSDn ''1D)i2- *^) Steinschneider Catal. Codd. 

Lugd. p. 337. S. Dunasch a. a. 0. S. 56. 



— 65 — 

heisst im babylonischen (Megilla 18 a): D'^jV "lybz- 'Vb oder 
IV^ pti'71) ward stehender Ausdruck für die Landessprache; 
daher der Ausdruck^): „aramäisch war ihr 'V^". Aus der 
Verbindung des DJin mit ivh ging der Begriff des Ueber- 
tragens aus dem einen in das andere über und das Verbum Ivb 
wurde zu volgarizzare^) „in die Landessprache übersetzen". 
So beständig in Schriften zwischen dem elften und sechs- 
zehnten Jahrhundert, z. B, D:iinZ2n ly? p1 (Kimchi v. p^V), 

D^i:mnny^ pi4), ^j^^^), Mvb' (Efodi S. 41), imvb^^), ly^p^n 

(Semag, Verbot 137); am häufigsten W'vh oder ]^'V^b, das 
bei R. Gerschom^), Raschi»), R. Natan^), Samuel b. Meiri") 
Jehuda b. Natan^^), Menachem b. Salomo^^), Kimchi i»)^ 
Aaron hacohen^*), Mose Minz^S)^ in den Commentaren zu 
Tr. Nasir (7 a), Bereschit rabba (c. 1 und 41), und sonst oft 
angetroffen wird. Bedarschi ^^) hat ''"liJ^I ^iiybz für provenzalisch 
und latein, und bei Anderen hiessen die Uebersetzungen aus 
dem hebräischen ü^lVb, die Bücher D^lJ?l'? ^'^). 

Für das „übersetzen in das hebräische" wurde jedoch 
bald pri]!r\ herrschend, welches gleich "IZn für „verfassen'* 
alle Mitbewerber verdrängte. Die ursprüngliche Bedeutung 
des Ab- oder Wegrückens, die z. B. noch in ]i\2h T'priV'^n 
(Midrasch Kohelet 84 d) oder Cip^b D^pt:^ nxiznn ]"p\nyD 
(Aruch V. )D) sichtbar ist, ging meist in die bildliche des 
Entrückens, Fortschreitens über, daher: VP^IZ^^ p\'^>?nt,^' (j. 
Chagiga 2, 1 f. 5a), pnrii* „dass er die Meinung ändere" 



») R. Natan im Aruch oft, z. B. v. D^X, ]''D''"'T':;N, J^Zl^X. Dli^t^. 
Raschi Genes. 1, U. 4, 23. 19, 9. 38, 16 49, 19. Deuter, 32, 36, Hoheslied 
1, 9 u. a. m. Hiob-Commentar ms. H. h. 32. *) Zidkia Harofe (s. 

Zion Th. 1 S. 112), daher Tanja Ö8b. ^) Vgl. Zunz Ritus S. 182. 

*) Hiob-Commentar H. h. 32, ^j Hamanhig Abschn. PIDD § 72. ^) R. 
Tarn bei Dunasch S. 56. ^) :^'''Di^-l l'iiyV'PIi' PTiSIli'Dn in den Glossen zu 
Batra, s. Orient 1847 L. Bl. S. 566. ^) z. B. zu Jerem, 2, 22. 24. 

49, 16. Ezech. 13, 18. 15, 4. 21, 26. 26, 9. ») Aruch v. DT'pN, iCl'n, 
T:nDN*. '") Batra 73a. '») Maccot 20a. ^^) S. Orient 1846 

S. 436. ") Wörterb. v. IX und "p'^'. '**) CTi nTHS 80b. 

15) RGA. N. 46 f. 68d. ^^) Gedicht nZDnnCri ZI" S. 13 Vers 121. 

") Zunz zur Geschichte S. 198. Vgl. i^n ''])jt> in Menachem b. Sa- 
lomo Wörterbuch v. i;; [Dukes VZip S. 19]. 



— (!t5 — 

(Kusaii3,38),nDTi:n imn ba D|Tnynbi),inr,;2i:'CM^'ir'npnj?nb'^), 

[nvib nV'^ prV^'^'^). So wurde auch das biblische IpTyn 
(Spi*. 25, 1) als der Verborgenheit entrücken, in eine Samm- 
lung eintragen*), von den griechischen und aramäischen Ver- 
sionen daher als abschreiben aufgefasst, und kommt in dieser 
Bedeutung bei Abraham b. Chija^), Josippon^), Samuel b. 
Meir''), R. Joel halevi^) und Andern vor, riDJ das aramäischö 
Verbum für wegrücken, wird schon vom Gaon Hai^) auf 
gleiche Weise verwendet; daher heisst das Buch oder For- 
mular (DSIlO), aus welchem abgeschrieben wird eben sowohl 
pnyn^'^) als NnDIJ^^) und letzteres auch s. v. a. Exemplar ^2). 
Selten ist in derselben Bedeutung N'^l^n^^). 

Der Begriff des Fortrückens ward auch ausgedehnt auf 
das Uebergehen in ein anderes^*), also auf das Uebertragen ^^), 
das weiter Berichten ^^) , am häufigsten, von Abenesra^'^) 
namentlich, auf das Ueberliefern von Lehren, daher die 
Ueberlieferung npnjJn ^^) heisst und die Urheber des münd- 
lichen Gesetzes mn ""pTlVD i^) oder □''p\"^ycn ^'^) genannt werden. 
Endlich wurde, nach der Analogie von transferre, traducere, 



*) nn;2 ])pr\ 7a. ^) D^DIDI^DH nOI^ 7a. ^) Palquera t^pZCH 
21a. Vgl. noch Dukes: Philosophisches S. 14. *) Aböt R. Natan c. 1. 
Vgl. Midrasch Prov. c. 25 und Jalkut ib. § 961. ^) "llZyn S. 32. 

*) S. 155. 7) Batra 44b. ^) Mordechai, Megilla § 1341. ^) ynDCH 
N. 36. ">) px"T 97 d. Parchon Lexic. v. ppy. ") Aruch v. -T^. 

Vgl. Elia Levita in flimb ^'IZlt'. ") Maimonides bei Ozar nechmad 

Th. 2 S. 4. Jesaia de Trani in ynDCH N. 31 f. 24 cd. ") Tosefta 

Sota 7, 5: pti'b D^yDiTD HDiDD r\r\^r\w .-ninn nf< [|\x^"k^'ci] ix^irm. 

") Dunasch niDIl^T S. 32 § 107 nüH bü plPin pnj?in, eben so ist 
pnyj und pny^ verwendet. Daselbst auch p^lPin DpHyri wie bei J. 

Tibbon inv" npnyn (Kusari 3, 38). ^^) nHü ]ipn 4a: nzin npnyn 
n]n. n^i hjiqn s. 17 : ^irit» Sd bi< p d: nyunn Dir ip^nyn. 
»«) Kimchi V. b-21: p^DV^} pi^'^oH ]D nninDH p^nyc nmonr^* )dd 

D">"lDin. ") ipTiyn'z. B. Commentar Genes. 1, 26. 18, 28. Exod. 21, 17. 
Levit. 21, 2. 23, 3. 11. Höh. Lied Vor. Ps. 78. lio'^nn NID^ Anf.: 
r["V trnpn ir^n '•C'' ly r\"V 1:1^21 nWüü )p'^r\Vr^\i^- '®) Abenesra pentat. 
Commentar Vorw., zu Deuter. 32, 17. 39. Samuel Tibbon in der Erklä- 
rung der Fremdwörter v. pny: ^2"! n'^DpH n^t DiyH D\S"np ]D1 
npnyn. Der Uebersetzer des Maimonidischen imM 1f2a.D S. 32: 
npnym bZiWZ- '^) Abenesra [pent, Vorr., Exod. 21, 29. Levit. 25, 9. 
niüCn 'ü- Kohelet 2, 25. ^°) Abenesra Levit. 19, 19. 23, 3 u. a. m. 

K"11C 110'' c. 6. 



— 67 — 

ital. traslatare, trasferire, trasporre, tradurre, franz. translater, 
traduire, das Fortrücken und Uebertragen auf übersetzen 
ausgedehnt, wie es scheint, bereits von R. ChananeP); dann 
von Isaac Barzelloni 2) , Abraham b. Chija^), Abenesra*) 
und erst seit dem Zeitalter der Tibbonidcn der herrsehende 
Ausdruck''): dass, wie in Gesenius Wörterbuch (Art. IVv 
und pny) behauptet wird, pr>* in der Bedeutung von ab- 
schreiben und übersetzen schon im Talmud vorkomme, ist 
ein Irrthum, da eine solche selbst dem Midrasch der Sprüche 
und sogar Raschi unbekannt gewesen. 

Ausser Abschreibern '') und Berichterstattern') hiessen 
nun vornehmlich Uebersetzer^) □^p'^PpC, in späterer Zeit sogar 
Herausgeber^) und Drucker^"). Bei Abraham b. Chija^O 
wurden auch die eine Seelenwanderung'-) lehrten mit diesem 
Ausdrucke bezeichnet. 



1) Aruch V. ))^y. ,sr,tr m^r np^nynS- ') i:^Dn p^nynii' 

2"iyn ]1li'S2 imj< p'^r^V'^ ■ ■ ■ ■ \S'n Vorwort zu Hai's Werk über Kauf 
und Verkauf. 3) yi2Vr\ S. 5: t^-ipH ]r2,'b b^ Dp^P^V^ ^n^\n. *) Cod. 
Rossi 212 bei Steinschneider in der deut.sch.-morgenI. Zeitschr. Bd. 24 S. 356 
u. f. ^) Kardaniels Vorr. zum Kusari. J. Tibbons Vorreden zu Rikma 
und den Herzenspflichten; beständig bei Sam. Tibbon. ®) Joseph Kara 
in seinen Commentarien ms. öfter p^ry?2n ^JNV Hajaschar § 282, "llNCn 
Vorr., Kimchi v. pDV- ^) Abraham 'H m?:nbQ S- 12, 18. «) z. B 
die Verfasser des Targum bei Tibbon (Vorrede zu den Herzenspflichten); 
Hierouyraus pTy^H in HDFi P^Pl'p^. ^) Steinschneider Catal. Bodl. 
S. 75. ") De Eossi Anna], saec. XV S. 78. i') s. "ll^yn 'D Einlei- 
tung S. X. '^) nppyn in Saadia's Glaubenswerk G, 7. 



5* 



VI. 

Ueber das Verbum üd^d 

(Zeitschrift der deutsch-morgenlänclischen Gesellschaft Bd. 26 

[18721 S. 757—763). 



Das aus X''Dn"lD (n«^^^cri«) gebildete, bei Sj^rern und 
Juden bereits in den ersten Jahrhunderten gebräuchliche Z eit 
wort DD1D ,, bekanntmachen, veröffentlichen, entdecken" be- 
deutet auch „verrathen": i<:hd> yt2D'\BD i6) (j. Peah 1); 
nnD bj DD"1=:c ^:\X (j. Sanhedrin 6, 3), wofür Sanhedrin 43 b 
hat: '^JkS "iTtT^I Tl „bin ich ein Angeber?" spricht Gott zu 
Josua; yb DDIDO NJN „ich verrathe dich" (j. Sanhedrin 7, 13); 
vgl. Midr. Thren. 73 c. Für die erstgenannten Bedeutungen 
geben Talmud, Midrasch und die palästinischen Targum zu 
Pentateuch und Hagiographen mehrfache Belege. Tosefta 
Joma c. 4. und Joma 86b heisst es: Heuchler (D"'Cjn) müsse 
man bekanntmachen, entlarven. Dass solche Menschen zu 
den Angebern (s. g. Spitzeln) zählten, beweist Targum Hiob, 
welches ^Jü durch "TILDv"! delator erklärt. Als verstärkender 
Zusatz kann '''OjZ angesehen werden in den Ausdrücken 
^)b:2 DD^Db (Mechilta 14a, Sifre Numer. 15, 41, Sota 9a, 
Jalkut Numer. § 750 und Prov. 26, Raschi Numer. 11, 10). 
Andere Stellen, wo □DIE' vorkommt, sind z. B. Mechilta 5 a, 
Tr. Aboda sara 5a, Bereschit rabba 70£80a, Wajikra rabba 
23 f. 192b, 32f.202b. Midrasch Gant. 27c, j. Aboda sara 
1, 1; j. Jebamot 8, 3 (auch j. Sota 8, 6, j. Kidduschin 4, 1) 
Cü^lh- Tanchuma 19c, 36a, 58a, 67b, 71a, 73c, 74a, Ba- 
midbar rabba c. 18 = grosse Pesikta Abschn. 7, Genesis- 
Agada S. 4. üb)V2 DDID^ haben Midrasch Tanchuma 61a, 



— 69 — 

Bamidbar rabba280d, Abuab im Leuchter c. 266; p^V 1?3D"1S 
(j. Kidduschin 4, 1) ,,sie haben gezeigt was sie sind". 

DieTargumstellen hat Buxtorf gesammelt, z.B. Namer.17, 
26, Hiob 20, 27. 36, 15. Cant. 5, 11. Tbren. 2, 14. Kohelet 
12, 14. Esther 3, 14. 9, 26; zweites Targum 1, 12; auch 
II Chron. 6, 30. — Von älteren iVutoren sind noch anzu- 
führen : Derech erez sutta c. 7 wo n?0Dl3D dem nyjiJ?3 gegen- 
übersteht; Eldad Schreiben an den Gaon Zemach, Isaac Giat 
Halachot Th. 2 S. 62, Aruch v. ^3?:i?, Raschi öfter z. B. 
Genes. 19, 33. 37, 25. Abraham b. Chija ]1^:n Bl. 36, Abenesra 
Exod. 20, 12 u. A. m. Im alten Nizzachon p. 250 bedeutet 
es beichten. Die Verwandtschaft mit J?nn erscheint in 
b^b yniDI 1DD1SD der Genesis-Agada (S. 65), nDDI^Dm ^T'^ün 
Abraham's b. Chija (j^'^n Bl. 29), der Abwechselung von 
yiin'p und DD1?7 in den Nutzanwendungen (HP'pyin) von 
Levi b. Gerson, und bei dem alten Autor, der das biblische 
Dli'2 11?^^•^ mit ■j'? ^n^onD erläutert, s. Parchon Lexic. v. VT 
und die Schrift DnDiD r\l2''bi} S. 28. 

Auch die synagogalen Dichter haben DD1D aufgenommen, 
z. B. Binjamin in der Selicha für Esther-Fasten n"llt'2X 
O^D'13), Meir hacohen in seinem Tischsegen HIN (nCDIS'P)' 
Meir b. Isaac in den beiden Jozer nN':i THX (DDID?) und 
init'n n'?\S (ÜD"1D), Joseph Tobelem in Maarib 7. Pesach 
O^onD), Isaac halevi im Hochzeit Sulat (H^D^d'?}, Me- 
nachem b. Machir in der Selicha Olpü DIN* für Esther-Fasten 
(DD^D'P), der ungenannte Verfasser von 11 "inx C\ÜD1^ niin), 
Isaac Seniri im Sulat 'H D^rh^ (D: DD^sb), Mena- 
chem im Piut des Thorafestes (")1DD"1?), Baruch b, Sa- 
muel) in den Sehcha's n.snn nnx (0^3*12 DD1DQ) und rpDX 
(DD"1D'?); im Einheitsgesang 5. Tag (inconsbci). 

Aus dem aramäischen Infinitiv ''C1D1D, welchen das pa- 
lästinische Targum, der Talmud und der Piut V2!lD IvX ^) haben, 
ward das klangähnliche nomen verbale □ID'ID gebildet: 
XD^: "»DID^D (Pesachim 112 a, Megilla 18 a, Hapardes 46c) heisst 

Vgl. meine Literaturgesc.h. d. synag. Poesie S. 240. 152 u. f,_ 
147 u. f., 157, 131 N. 12, 250, 89, 473, 307, 308, 704 (Nachtrag S. 38). 
*) Das. S. 80. 



— 70 — 

Bebräisch DJH D1D"1D im Kol bo 45 b, in dem Esther-Commentar 
(ed. 1855 S. 21). Daher wird das Oeffentliche und Bekannte 
so benannt (Raschi Sabbat 21b, Herzenspflichten S. 133. 153. 
257 ed. Leipzig, More Nebochim 1, 6S), die Offenbarung 
(-nb Dnrc f. 65), das Offenbarwerden (More 3, 12), die Ver- 
öffentlichung (Maimonidische Briefe 48 b), das Gerücht (Ascher 
RGA. 17, 1. Abraham der Karäer: D^ilJDH D^CID-lSH, s. Ginse 
Israel 3, 36); DIDI?»"! l)iü was nach der allgemeinen Stimme 
gut oder schlecht ist, worüber Averroes niiJ^H 57 b, Palquera 
in r\r2Dn n^ti'NI ms. Bl. 523a, 557 ab, More Hamore S. 11, 
Moses Narboni zu More 31b, die Schrift mn nmD Anfang 
zu vergleichen ist. ÜIDISD gilt demnach so viel als N'^DHIDD 
„öffentlich" (Isaac Giat Halachot 1 S. 30, pl)i '':'\i<r2 S. 185, 
Salomo Verga min"' ^2^ 24 b, Joseph Caspi bei Geiger Zeit- 
schrift Bd. 6 S. 125); D1D1DD iSipJI „und hiess im öffentlichen 
Verkehr" (Isaac Latas RGA. S. 98). Daher ist dieses Wort 
mit ''IvJl synonym bei Kimchi (Lex. v. ^"IH) und Bedarschi 
S. 28, wie schon DDID in Targum Hiob und Klagel. für das 
hebräische Hv^ gebraucht ist. 

Das Passivum, DDlDfin oder DDISPJ, „bekannt werden" 
findet man Rosch haschana 24 a, 25 b. j. Taanit 2.1, Bereschit 
rabba c. 6, Pesikta Hachodesch, Jelamdenu bei Aruch (11) 
und im Jalkut (Genes. § 86), im palästinischen Targum (Exod. 
2, 14. Ruth 3, 3. Klagel. 4, 22. Kohelet 12, 13. II. Targ. 
Esther 3, 15. 8, 13. 14. 9, 14) und bei den Autoren seit dem 
neunten Jahrhundert, als: Gaon Sar Schalom (Or sarua 2 
§ 50 S. 22), David b. Saccai (Geiger Zeitschr. Bd. 10 S. 177), 
Nissim (nne^n 20 a), Jehuda hacohen (bei Meir Rothenburg 
RGA. N. 844), Raschi (Genes. 38, 23, Hapardes 23 d, 56 b), 
im Dibra N^SN* i), Maimonides (HDlirn 'H 3, 9), Joseph Bechor 
Schor (zu Genes. 45, 15), Kalonymos b. Jehuda in der Akeda 
n"11N- Gleichwie das Aktiv mit Vlin ward das Passiv mit 
V"I1J verbunden (Kimchi zu 1 Sam. 22, 6 und Lexic. v. VT), 
und bei Bedarschi S. 233 heisst DD"lDnD, als dem Bescheidenen 
— yij^ — entgegengesetzt, der Prahlende. 

Die Conjugation Pual ist seltener gebraucht 2). Das 



') das. S 78. ') z. B. DDTlD"'l£' in Maimonides Abhandlung über 
gewaltsame Taufe (Breslau 185U) 3a. 



— 71 — 

Mittelwort DD"T'?C ,, bekannt" (Sifra 45 a = Jalkut Levit. 
§ 526 f. 143a, Joma 86b, j. Jebamot 8, 3 = j. Kiddu- 
schin 3, 11), ,, offenbar" oder „öffentlich" (j. Rosch haschana 
1, 5. Bereschit rabba c. 36), dem ytji gegenübergestellt 
(Schemot rabba c. 41, Tanchuma 36 a, Derech erez sutta c. 7), 
,, augenscheinlich" (Verga 18 b) ist aus der Verbindung mit 
Hauptwörtern am deutlichsten zu erkennen, wozu die hier 
folgende Zusammenstellung beitragen dürfte: 

DDIISD DIN' (Gaon Paltoi bei Kol bo 155a. Isaac Giat 
Halachot 2 f. 13, Abraham b. David rhzpn 'D 41a), 

nCDIIC^ N1,'2\S öffentlich getragenes Kleid (Tosefta Kilajim 
c. 4), 

n?2D"11D?2n DmDX (More 1, 59) ihr berühmter Ausspruch, 

'Zu nbl2 (j. Mezia 10, 1), 

'5C 2:: (Tr. Baba Mezia 115 a). 

'2?2 "•}<;; (Zarza in Mekor Chajim 17 b) offenbar schändlich. 

'Zun ny-n (More 3, 46, 22, Malmad 14 a, Zarza 62 d) ver- 
breitete, geltende Meinung. 

'znn mm (nci njicx s. 73.), 

'Zr2 n'cn (Joma 86 b), 
'zrzn D^72-2nn \ ... ^ _ ^^^ 
.... i:^czn / ^^°'^ ^' ^^- ^^^' 
'Z72 m:y:: (Nissim in Dnnc nb:^). 

'DC ni>L: (Abraham b. Chija, s. dessen "HZyn S. X) offen- 
barer Irrthum. 

'2Cn nyiM (Averroes HDI^n 'D 45b) das anerkannte Wissen 

'Z^r\ DnSDH (iMaimonides Abhandlung a. a. 0. 3b) die 
öffentlichen Ketzer. 

'Zu rnü (Abraham b. Chija ]V:r\ 12 a). 

'Z72 Ü^D (Leuchter c. 48), 

'Zu 1'nr2 (j. Jebamot 8, 3. j. Kidduschin 3, 11), 

'272 :nx (More 3, 47) allgemein verbreitete Sitte. 
'BC'ii'n:D (Zarza a. a. O. 97 b), 

DDIIDC i<Ml'X' nc (j. Moed katan 1, 6) oder D2"nE:?2 Du 
(Hagahot Ascheri zu Tr. Moed katan c. 1 § 14) eine 
gekannte Leiche. 

'Zf2~ CjH (Verga 29 a) das offenbare Wunder. 

'Z^ "I^D (More 3, 12) ein berühmtes Buch. 



— 7-^ 



nCD-1^0 n^'ZV (Raschi Ezechiel 3, 20) s. v. a. 'h: ü'Cn 

(Raschi Joma 86b), eine öffentliche Uebertretung. 
'scn y:vr\ (More 3, 22) 1 

'SD PjIDl'p^D (Kusari 1, 63) } allgemein bekannt. 
])r2r\r\ 'p^ix 'DDH mii'n (More l, 1) die Form, wie die Menge 

sie kennt. 
'SD NSn (Kusari 1, 79) berühmter Arzt. 
'SD n::iti' (Verga 36a) offenbar verrückt. 
DD-nSD IDrz (Abraham b. Chija ]V:n 6b) bei seinem be- 
kannten Namen. 
'SD nptJ' (D^iy -1D^ Th. 2 f. 36 d. Verga 42 b) offenbar 

falsch. 
'SD tS'TiiJ' (Verga IIa) bekannter Ursprung. 
PDD-nSD nnDb' (Samuel b. Meir zu Batra 145b) gleich- 
bedeutend mit ^2D1S2 oder ''1'p:!2 „öffentlich"; vgl. Tischbi 
V. ^2D1S. 

Was augenscheinlich ist heisst VT]h DDIISD (Verga 18b), 
das Erfahrungswidrige DDIISD Tb2 (Abraham halevi: der 
erhabene Glaube S. 45), Weltbekanntes üb)V2 'SD (More 3, 29. 
Palquera Vorr. und S. 157 More hamore. Isaac b. Scheschet 
RGA. N. 45. del Medigo d'?^« S. 29). Was offen und sichtbar 
(Bedarschi S. 93) und bekannt ist, dabei braucht man nicht 
zu verweilen (DD'IISDZ! oder 'SDH "1212), s. Isaac b. Scheschet 
N. 171. 268. 297; yirn 'C § 380. Bei More 1, 46 heisst 
DD"nSD2 „nach dem übliehen Begriffe". Bei alten synago- 
galen Dichtern findet man DDIISDI inOJ (Selicha 'li'mx "jrnx), 
HDOniSD -jnt^npi), D^DDmSD (Abigedor Kara in nn-iCDt^'N). 

Aus dem altern sinnverwandten, nur in Bezug auf 
Gottes Allwissenheit gebrauchten VI""'! ''"l'^^-), womit Josippon's 
(S. 91) yrnjiTI ^TO~1 zu combiniren ist, entstanden Verbin- 
dungen des DD11SD sowohl mit ""ib:! als mit Vn"*, z. B. 

DDIISDI ^^by (nnSDH Anf., "IDyn 'D S. 24. 34. Vorrede zu 
pDi i:]ND S. 3, D^DJ nZ'V^ in Hechaluz Jahrg. 7 S. 119. 
Leuchter c. 134); nebst JJIT (in üb^V '^^' 4, 1). 



') Litgesch. d. syn, Poesie S. 148. ^) Musaf-TefiUa und Jose 

"inSN am Neujahrsfeste; Mechilta 61b, 95b; Berachot 17a, 60b. Taanit 
20a; j. Taanit 2, 4. Im Plural: Tefilla des Versöhnuugsfestes; MescbuUam 
bei Arucb v. -jy^; Abrahaivi b. Chija ]Ti:n Bl. 24, 



— 73 — 

nooniDDI ri'lb: (Kusari 2, 56. Briefsteller ed. 1534 § 30, 

D^on n,T s. 157). 

n^hy^ nCD^lSö (Hapardes 23d, Ofan yW TH') 0; im Plural: 
Kusari 3, 63. D^ODIieQ D^l'?^ Gabirol IV p^Z'. 

DD-^VD?01 ^]b^:D (Joseph Zaddik im Mikrokosmus S. 58; im 
Plural fem. : Abenesra (s.Zeitschr. der DMG.Bd.24,S.358). 

nbuoi HDDmSD (Schalom Enabi in Mikamocha für Hütten- 
fest)^); im Plural: Abraham b. David m;Jtt'n zu 

HDiit'n 'n 2, 5. 

DD-)ieDl V^T (R. Tarn bei Meir Rothenburg RGA. N. 315. 
Samuel Tibbon in More 1, 46. 2, 10 und in D^^n np"» 
S. 31. Moses Tibbon Vorrede zu mii?2n 'D. Nachma- 
nides Vortrag S. 9, Schemtob Palquera Vorrede zu 
seiner Schrift über die Meinungen der Philosophen, 
Moses Rieti 100a); im Plural in D^CH np^ S. 173. mjJIT 
m^DII!:^! in Herzenspflichten 3, 3. 

J?n^1 DDIIDD (Hai in Gutachten der Gaonen ed. 1864 N. 
99). ynM 'DCn (More 3, 23, Narboni zu More 60 b); 
im Plural in More 2, 29; D^yn^n 'DDH das. 2, 26. In 
nno ]1pn 3b ist D'DD'^^Znn dem D^i;n\1 parallel, und 
D^yn\n in More 1, 69 lautet D^CDmD?on bei Palquera in 
More hamore S. 36. Auch das biblische y""l^'2) (Ps. 55, 
14) wird von Bedarschi (Synonymik S. 251) mit zmx 
n'p::! DDIIDD erklärt. 

Zum Theil war die Nebeneinanderstellung des V"'' mit 
DD"n£'D eine Folge des letzterem von den Philoso)>henscbulen 
zuertheilten Begriffes. Es hat nämlich sowohl der Gegensatz 
von lebendig und leblos als der Zusammenhang von Kraft 
und Stoff die Trennung von Geist und Körper und demgemäss 
die Klassifizirung der Dinge und unserer Vorstellungen be- 
wirkt: dorther haben Logik und Fakultäten ihren Ursprung. 
Theologie und Philosophie wollen die geistige Kraft, Rechts- 
und Heilkunde den Stoff erforschen; zu dem Behufe haben 
die ersten beiden zwischen Glauben und Wissen, die beiden 
letzten einerseits zwischen Einzelwesen und Gesammtheit, 
anderseits zwischen sinnlich und sittlich getheilt. Den Anstoss 



') Litgescli. R. 561. ^) Naclitrag zur Litgesch. S. 47. 



— 74 — 

gab die Aristotelische^) Eintheilung der Begriffe in Bezug 
auf die Denkobjekte in speculative (m'prt^nc), überlieferte, 
anerkannte (*V<^oJft, manifesta) und sinnliche (mti'j'nD, bisweilen 
nii'rite)2); nach den ersten drei, welche die Gesammtheit 
der Gesetze bildeten ^j, wurden die Auslegungen der Alten 
klassifizirt^). 

Auf die von der allgemeinen Sitte anerkannten wurde 
nun der Ausdruck niCD"^1Du übertragen, die daher auch 
mcZDICn^) oder nr^n^Dßj genannt wurden, indem sie nicht 
was wahr und falsch, sondern was sittlich schön oder hässlich 
ist bezeichnen, und als solche so wenig als die überlieferten 
des Beweises bedürfen. Weil sie die Sittengesetze sind, sind 
Religionen und Nationen über ihren Werth einig, denn das 
Zusammenleben der Menschen beruhet auf ihrer Anerken- 
nung^). Desshalb heissen sie bei Schemtob Palquera miO 
nm?:n oder mn^y\1 n^bvo (Sefer hamaalot ms. S. 25 u. 35. 
Reschit chochma ms. f. 523). Wenn daher das DDIIDi^ auch 
nicht dem unbestrittenen (D'PIi'ID, More hamore S. 152) oder 
dem speculativ begründeten ip2'Z"\}2) im Range gleich stehe, 
so sei es doch der Wahrheit nahe (Reschit chochma ms. 
f. 539. Moses Chabib Vorr. zu DW ''-"l'^), und die mora- 
lischen Gebote bedürfen keines Beweises (vgl. Maimonides 
Logik c. 8, Samuel Tibbon Hp' S. 69). Daher der Lehr- 
satz®) in Maimon. Logik, dass die mCDUDIC nicht bewiesen su 
werden brauchen, welchen auch Levita, Asaria de' Rossi (c. 
34 f. 108b), Kaufmann (Vorrede zu David Gans: Zemach 
David) und Moses Mendelssohn (Commentar zu y^:ir[n Pl'PD 
c. 8) anführen. 



') Joseph Zaddik : Mikrokosmus S. 5. Maimonides Logik c. 8. Kalo- 
nymos jH riH c. 6. Joseph Caspi: commentaria ed. 1848 S. 12. Aaron 
Kar. Diin p c. 80 S. 104. ') Logik a. a O. Schemtob Palquera in 
der Abhandlung von der Seele. Abraham halevi's Glaubenswerk, Jos. 
Caspi u. A. ^) More 2, 33. Malmad 40b. *) Abuab: Leuchter Vorrede. 
»J Abraham Abulafia ni2''Pj J/'Zli' S. 15. ^) Kusari 2, 48. '') More 1 
c. 2. Vgl. Auswahl Kabbalistischer Mystik Lpzg. 1853 S. 14. Maimonides 
Einleitung zu Abot c. 6. Abraham halevi r\12'] D^IOi^ S. 75. Scheyer 
das psychologische System u. s. w. (1845) S. '22. ^) Meine Nachlese 

in Hebr. Bibliographie B. 9 S. 87 (unten XII, 5). 



— <0 — 

Voraussetzungen, für welche Beweise überflüssig sind, 
hiessen daher ni?^D~11?^ piDlpH (Isaac Natan Concordanz Vorr. 
Col. 9); weil Richter und Beamte das Gesetz, Philosophen 
die Idee handhaben, hiessen jene in das Moralische, diese in 
Weisheit Versenkte (D"'yipti') ^). Auch bei Immanuel dem 
Dichter stehen die Kenner der mvrti'l^ höher als diejenigen, 
welche die HtZ^DlI^C cultiviren, die in der Unterwelt als Blinde 
sitzen. Bisweilen z. B. in der Vorrede des "ll^Nn 'D heisst 
mTCDIIC/-- pciy der Beschäftigte überhaupt. 

Berühmte Leute heissen in dem Pentateuch Dti' "'ti'JX 
(vgl. lat. nominati, ital. riuomati), in der Chronik mc^' ""^Jf^, 
bei David Kimchi (Ps. 87, 5) D'Z'n ^bV2, während die Tibbo- 
niden (s. oben S. 72) bereits das Wort DDIISO dafür ge- 
brauchten, denen Menachem Meiri^), Verga^), Saul hacohen*) 
u. A. folgen. Allein als Ehrentitel in Briefen und auf Grab- 
steinen kommt dasselbe im Mittelalter nicht vor: DCTl^cn 
1/1~\~1 als Begleitung einer Briefaufschrift zu Anfang des vier- 
zehnten Jahrhunderts °) steht ganz vereinzelt. Dafür schrieb 
man, bereits im eilften Jahrhundert, ^l'PN*, pX^ und N^DID^), 
und dieselben Ausdrücke nebst ^7D1D (ausgezeichnet) wurden 
auch in Grabschriften angebracht. In der Regel wurde im 
Briefwechsel, nach der Empfehlung in Tr. Abot c. 6 § 3, 
bei der Ansprache das biblische "'^IVOT "'Dl'PN gebraucht. Be- 
lege geben Elieser b. Natan (liyn pN' 31 d, 147 d, 153 c), 
T^'\-1 'D 582. 596, die Maimonidischen Briefe 21a, 58b, Jacob 
Antoli (cod. Lips. h. im Catalog der Mss. S. 306), eine Nach- 
schrift zu cod. h. Paris 185 N. 5. Seltener ist J)1TO1 ^hi< '). 
An Mehrere wurde im Plural ''flvX oder iJ^'DvX u. s. w. ge- 
schrieben, vgl. Rlaimonides Gutachten N. 35, Briefe 7b, Isaac 
Zarfati Sendschreiben (1854) S. 20. Noch David Gans, der 
viele Männer in seiner Chronik namhaft macht und rühmt, 
hat nur yi"'' und JvDrc, niemals DD~1"1S?2' welches Wort erst 
seit etwa zwei Jahrhunderten eine Titulatur von Lebenden 



*) Moses Narboui Commentar zum More 41b. Vgl. Steinschneider 
Anmerkungen zu IIHM 1t2üD S. 14. ^) zu Abot 17b und c. 2 § 8. 

^) min^ tiz::' 34a. ^) n'hm' loc ^) niN:p nn:c s. i38. «) Meir 

Rothenb. RGA. N. 887. ^) derselbe N. 57, ed. Cremona N. 24. 63. 



— 76 — 

und ein Lobpreis von Verstorbenen geworden. Auf Grab- 
steinen findet man es in Lemberg seit 1664, in Wien seit 
1670, in Prag seit 1679. Mit der Zunahme der von Rabbinen 
ausgehenden Druckprivilegien und Büchererapfehlungen ver- 
breitete sich das DD"n£'?^n auch als Bezeichnung rabbinischer 
Grösse, namentlich unter polnischen und deutschen Juden, 
dem das vDti'IQ untergeordnet wurde, während im Alterthum 
das Gegentheil stattgefunden. 



VII. 

Biblisches und Geschichtliches. 

A) Alter der Casselschen Bibel-Handschrift Kenn. 157. 

(Zeitschrift der deutsch-morgenländischen Gesellschaft Bd. 25 
[1871] S. 6i9-651). 



In Bezug auf alte hebräische Handschriften ist schon 
vor 27 Jahren^) bemerkt worden, dass die in Unterschriften 
vorkommende Formel pV Nv IDIDH, auf pinn^l piPi reimend, 
sammt dem die Leiter ersteigenden Esel deutschen Ab- 
schreibern seit dem letzten Drittel des dreizehnten Jahr- 
hunderts gehört, und wurden als Belege 21 Codices angeführt. 
Die Zahl der Zeugen kann heute vergrössert werden. Das 
p? N7 ■ ■ ■ ■ ptn findet sich nämlich in folgenden Handschriften: 

Bibel vom J. 12642); cod. Rossi 1240 (J. 1270); cod. 
London Add. 11639 (um J. 1277); Kennic. 17 und 526 
(2mDn); Machsor ms. in Breslau (sämmtlich aus dem 13. 
Jahrb.); Kenn. 13 (um J. 1300); Kenn. 5; Kenn. 593 oder 
Wien 12 (J. 1302); Rossi 949 (Var. Lect. t. 4 p. XXHI); cod. 
Berol. (J. 1333)3); i^^i 266 (J. 1334); Rossi 1080 (vor A. 
1336) ; cod. in Cambridge oder Kenn. 92 (J. 1347) ; Kenn. 
612 (J. 1371); Rossi 480 (J. 1381); T^^n 'D cod. Asulai (J. 
1392) ; französisches Machsor cod. Zunz (zm^n pinnjs'1 pin am 
Ende des Versöhnungstages f. 412); Rossi 1257 (plN üb); 
Parma 26^); Wien 43; cod. Nüi^nberg bei Nagel p. 23; cod. 



*) Zur Geschichte S. 207; angeführt im Wiener Verzeichniss (1847) 
S. 14. ') zur Geschichte S. 209 Anm. d., 208 Anra. b. ^) Wolf bibl. 
t. 1 p. 166. *) hebf. Bibliographie B. 7 S. 117. 



— TS -- 

Leipzig 23; ältere Abschrift am Ende der gedruckten penta- 
teuchischen Tosefot: Rossi 145 vom J. 1468 (ir\^pn^ pm'' ZHIDH 
p]Vi<b); cod. Paris 1045 1) n^^DH) i<-\ynivb p}V i6)); cod. 
Steinschneider 2) (J. 1470); Wien 119 (J. 1472). 

Dieselbe Formel Avar mit dem üSlDZ "lIDn roV^ oft noch 
mit dem Zusätze D^H irZN ZpV "l'^'5< verbunden gleichzeitig 
gebräuchlicli; Belege geben cod. Weimar bei Hirt oriental. 
Bibliothek Th. 6 S. 284 (nach A. 1238), Kennic. 193 wo 
IID oder n"l-: anstatt des Esels erscheint (J. 1290), Machsor 
cod. Saraval 1 jetzt in Breslau (J. 1299), cod. in Königsberg 
(J. 1313), Kenn. 155 in Carlsruhe; cod. Rossi 405^) (vor 
J. 1327); viele Handschriften des vierzehnten Jahrhunderts 
als: ein biblisches Glossar cod. 301 in Paris*), cod. Michael 
444, die Wiener codd. 14 (Kenn. 595), 3 (Kenn. 590), 8, 52, 
13 (vor J. 1348), cod. Kenn. 185 in Mailand (r\üV i6 statt 
pP ^b), cod. Bisliches 59^), cod. Vatic. 5^), cod. Wien 10 
(Kenn. 588), Oppenh. 102F (Rossi exter. 59, J. 1340), Kenn. 
160 in Erfurt (ohne pV i6, J. 1343), Bisliches 13 aus der 
Provence, Parma 31 7) (J. 318), Wien 44 (eine Kuh, J. 1392), 
Vatic. 324 (J. 1399). Dem Jahr 1411 gehören an cod. 
Rossi 562 und cod. Luzzatto 109 »); älter als A. 1449 ist 
cod. Rossi 874, wie aus Var. Lectt. B 2 S. VIII erhellt. 
Mit dem pinn^l plPl ist pV i<b "l^icn auch in die alten Drucke 
übergegangen, wie Avicenna's Kanon (1491) und die Samm- 
lung Constantinopel 1519 am Ende von Tobia und zum 
Schlüsse des Buches zeigen. 

Die Stelle aus Jes. 40, 29 nz ^vb ]n3, mit dem vorge- 
setzten y^2 in das Frübgebet der spanischen Juden ^) auf- 
genommen, ist eine bei Verfassern — z. B. Isaac Sahola 
— und namentlich bei deutschen Abschreibern — später in 
abgekürzter Gestalt "jT'JZ — übliche Schlussformel geworden. 
Für die Abschreiber geben Belege cod. Vatic. 389 (n7nn 



1) Orient 1847. Litbl. 30. *) Jescburun B. 5 S. 151 u. f. ^) Mit- 
theilung von Abbate Perreau. *) Dukes introduction aux proverbea 
p. 41. 50. =) Verzeichnet in 'C'hZin Berlin 1850. ®) Lebrecht 
Handschriften u. s. w. Berlin 1862 S. 75. '') Hebr. Bibliographie B. 8 
S. 27. 8j Luzzatto in Kerem chemed 4 S. 178, Ozar nechmad Jahrg. 2 
S. 17, catalogue de la bibliotheque de Luzzatto, Padua 1868, p. 12. 
Zunz in hebr. Bibliographie B. 5 S. 143. ') Zuuz Ritus S. 13. 



— 79 — 

•••]mj'7. J. 1280), cod. Florenz bei Biscioni S. HO (J. 1291), 
Rossi 185 (J. 1304), Rossi 12 (J. 1311), 107, 1247, 452 (statt 
*^y V des Schreibers Nameß), 552 (weder vom Schreiber Oba- 
dia^) noch aus dem zwölften Jahrhundert), Parma 66^), cod. 
Berol. vom J. 1333, Kenn. 1, Kenn. 6123) (j^ 1371^^ ^je^ 
39 (vor J. 1340), Rossi 956, Leipzig 10 (J. 1410), Rossi 951, 
Odessa 12^), Wien 119 (^V'h ]m:'? ni<-^nn, J. 1472), Odessa 
14 (aus neuerer Zeit). Auch am Ende alter Drucke ist der 
ganze oder halbe Jesaianische Vers stehende Formel ge- 
blieben, wie unter anderen de Rossi Annal. Saec. 15 N. 4 
(J. 1477), 12 (J. 1485), 17 (J. 1487), der ll^.S um 1490, 
Nachmanides Commentar (Annal. S. 123), Aderet Gutachten 
(das. S. 126), mehrere Drucke Daniel Bombergs (Haftara's 
1516, Bibel 1517, nonnn 1523) und das Gebetbuch Prag 1527 
zeigen. In dem erwähnten Wiener cod. 13 ist des Reimes 
wegen ^V*^ weggelassen. Jedenfalls weist die Verwendung 
nr ^V^7 ]m3 '^1*12 in Handschriften und Drucken verschie- 
densten Alters die Meinung gänzlich ab, als stecke eine 
Jahresbestimmung dahinter und bezeichneten jene vier Worte 
das Jahr [4]957 d. i. A. 1197. 

Nach diesen Zurüstungen nähern wir uns dem Cassel- 
schen Codex, um desswillen Schiede im Jahr 1748 ein Buch 
von 226 Seiten und J. D. Michaelis, der mit seinen Zuhörern 
von 1766 bis 1771 mit demselben sich beschäftigt, eine Ab- 
handlung von 122 Seiten geschrieben bat. Allein von beiden 
erfährt man nicht, dass am Ende von Leviticus und Daniel 
ausser ']'\'\2 auch plV iö ' ' ' ' pin erscheint, und an letzterer 
Stelle oflfenbar der Name oder "ISIDH zu ergänzen ist. Die 
vollständigere Unterschrift hinter Leviticus, die bei Schiede 
p. 46 — nicht bei Kennicott — angegeben ist, lautet; 

]12H ro P]r^ ]n^:n -jl-iz 2pV- Demnach gehört auch diese Hand- 
schrift in die Reihe der oben verzeichneten, welche mit 
pV iÖ und jnijn u, s. w. auftreten und schon aus diesem 
Grunde Deutschland und dem sechsten Jahrtausend zuge- 
sprochen werden müssen. Ausser überflüssigen Punkten in 

*) s. Zunz in Geiger jüd. Zeitschrift Jahrg. 6 S. 103. ^) Hebr. 
Bibliographie B. 8 S. 97. ^) Wolf Biblioth. t. 4 S. 90. *) Pinner 
Prospectus, Odessa 1845 S, 38. 



— 80 — 

mehreren Buchstaben habe ich in dieser Handschrift, die ich 
am 26. Juli 1871 gesehen, nichts merkwürdiges gefunden; 
manches abweichende mag auf Rechnung eines altern Exem- 
plars, aus dem abgeschrieben wurde, kommen. Da die Zäh- 
lung der Psalmen mit dem zweiten Psalm, der N gezeichnet 
ist, beginnt, so mag diess eine Bekanntschaft des Schreibers 
oder Punctators mit Abenesra und Kimchi voraussetzen, 
welche den ersten Psalm als Einleitung in das Buch be- 
trachten. Vollends darf, was den Schreiber betrifft, weder 
an den i, J, 1094 gestorbenen Spanier, noch an den um 1170 
lebenden Gesetzlehrer ^) gedacht werden. Auch der i. J. 1286 
lebende Abschreiber gleiches Namens ^) ist nicht der unserige, 
da seine Unterschrift einen verschiedenen Charakter hat. 
Die im neuesten Pariser Handschriften-Katalog^) befindlichen 
Berichtigungen jener Unterschrift haben in dem, was daran 
richtig ist, in meinen Aufsätzen^) ihre Quelle. Auch cod. 
Rossi 350 ist für einen Isaac b. Baruch geschrieben. 



B) Masora Talmud Kabbala Grammatik in 
historischer "Wirksamkeit. 

(Jedidja B. 2 S. 265—268), 1818. 



Mischna und Talmud erwähnen der Masora als eines 
alten Institutes, dessen vergessene Stifter in die dunkle Zeit 
der grossen Synagoge versetzt wurden. Eben so unbekannt 
sind uns die Anfänge der jüdischen Schulen, und Sopherim 
heissen sowohl die früheren Gesetzlehrer als Textbewahrer. 
Nach und nach erst sonderten sich Masoreten von Tanaim, 
und werden für die gesonderten Zweige im Studium der 
heiligen Bücher einzelne Namen bekannt. 



Zur Geschichte S. 50. *) Das. S. 208. 215. ^) cod. 4. *) Isr. 
Annalen 1840 Nr. 12. Zur Geschichte S. 215. 



— 81 — 

Dies unabhängige Nebeneinanderstehen der Masora und 
der Mischna hat uns den Verlust der alten, wahrscheinlich 
hebräisch abgefassten masorethischen Bestimmungen, zuge- 
zogen, wovon denn auch manche zur Zeit des Talmuds schon 
vergessen waren. Denn nur Weniges, was etwa polemisch 
gegen Samaritaner und Alexandriner gerichtet war, mochte 
in religiöser Beziehung den Talmud angehen, der übrigens 
für seinen Drusch, obwohl mit der rechten Leseart bekannt, 
Textesänderungen macht, und nicht selten gegen die Satzungen 
der auch von Karäern geübten und angenommeneu Masora 
entscheidet. Hierin aber überwog sein Ansehen, da er, nicht 
jene, aus dem Volke emporgewachsen, auf dasselbe wiederum 
einwirkte. 80 hatte z. B. die Masora die fünf Finalconso- 
nanten als besondere Zahlbuchstaben angenommen: aber so 
zählt nicht Talmud, nicht Volk, denen Medialen und Unalen 
gleich gelten. 

Im elften Jahrhundert ward die Masora geschlossen; 
— zugleich sanken die Akademien Babyloniens. Da ging 
von Palästina die Kabbala aus und zog Masora und Talmud 
eben so wohl als fremde Philosopheme in ihren Zauberkreis. 
Der Sohar, ihr erster und glänzendster Repräsentant, über- 
setzt, citirt und commentirt talmudische Stellen, nennt Vocale, 
Gutturalen, Taggin, Pesik, Kethibs, Majusculen etc., und ent- 
wickelt neuplatonische Begriffe gemengt mit des Orients Magie, 
Chiromantie, Physiognomik, Geisterbeschwörung, Talismanen, 
himmlischen Alfabeten und Mysterien. Seine redenden Per- 
sonen, unthätig, von reinen Gesinnungen, sich selber be- 
schauend, ehren den Buchstaben mehr als das Wort. Weniger 
als der Talmud ist nunmehr die Kabbala im Stande, maso- 
rethische Räthsel aufzulösen; fester binden heisst ihr ent- 
wickeln. Und gerade wie sie mit Bibel und Masora um- 
sprang, wütheten ihre barbarischen Jünger des 16. Jahr- 
hunderts mit ihr selber, versinkend in den finstersten Aber- 
glauben. — 

Als aber, in demselben elften Jahrhundert, der Talmud 
ins Abendland gewandert war, fand er — wie später die 
Kabbala — die Köpfe nicht mehr unvorbereitet. Von Arabei'n 
mit griechischer Wissenschaft bekannt gemacht, hatten die 
Juden — zuerst in Afrika und Spanien — auf Grammatik, 

6 



— 82 — 

Astronomie, Philosophie sich gelegt. Der jungen lebendigen 
grammatischen Thätigkeit fing allmählig Allerlei zu missfallen 
an: in der Masora das unfruchtbare Betappen des Materiellen . 
— in dem Talmud dns Fechten für blinde Autorität: — in 
der Kabbala das Irre-Reden, welches den gegebenen Formen 
alle Bedeutungen, nur licht die grammatische leihet. Der 
Versuch, dem alten Princip >ich anzubequemen, ward endlich 
ein Kampf, worin aber durch ihre unbestimmte und compli- 
cirte Natur, auch oft von den Erscheinungen der Aussenwelt 
gehoben, keins je ganz unterlag. Daher sind vom zwölften 
Jahrhundert an Schriftsteller, Menschenalter und Gegenden 
nach drei Elementen zu construiren, welche — den Einfluss 
auf die christliche und muhamedanische Welt abgerechnet — 
heissen können: das alte talmudische der Theologen, — das 
mittlere kabbalistische der Asceten, — das neue grammatische 
(worin die Masora sich verloren) der Philosophen. 

Abermals ziehen , o bschon in veränderten Gestalten, 
grammatische und philosophische Ideen gegen talmudische 
und kabbalistische zu Felde. Aber es soll — so ziemt es der 
vorgeschrittenen Zeit — auch in dem Bestrittenen, das 
historisch- und sittlich-wahre geehrt, und nicht in die Sünde 
vieler Autoren verfallen werden, die jüdische Receptionen 
verwerfen, weil sie jüdisch sind, und Sittenlehren lächerlich 
machen, weil sie kabbalistisches Gewand tragen. Denn das 
ist die Philosophie, die himmelgeborene, die ihre Feinde be- 
siegt, begnadigt und anerkennt. 



C. Aelteste Nachrichten über Juden und jüdische 
Gelehrte in Polen, Slavonien, Russland. 

(Franker s Zeitschrift 1846 S. 382—386.) 



Slavonien, Ungarn, Böhmen, Russland findet man seit 
dem zehnten Jahrhundert in jüdischen Schriften genannt: 
Ungarn bei Chasdai, Schafrut, Josippon, Saadia zum Daniel 
u. A., und zwar unter der Form ^JH bereits bei Jehuda hacohen, 
Raschi und Isaac b. Abraham, welches ohne Zweifel dem 
Targum Ps. 83, 7 seinen Ursprung verdankt. Den gleichen 



— 83 — 

Ursprung hat 72^ für Slavonien, welches letztere nächst diesem 
seinem gewöhnlichen Namen (bei Cliasdai,. Josippon, Benjamin, 
Kimchi, Moses de Coucy) auch durch |yJZ! bezeichnet wird, 
welches ich bereits in den Anmerkungen zu Benjamin, Vol. 2 
p. 227 nachgewiesen und Dukes (Sprache der Mischna S. 121) 
übersehen hat. Auch Schaffarik hat in der Untersuchung 
über die alte Benennung der Slaven von den hebr. Quellen 
keine Kunde gehabt. (PJ^ bald Slavonien im Allgemeinen, 
bald Böhmen besonders, findet man bei Josippon, Jehuda 
hacohen (an drei Stellen: n"''Z!5^~l ms,, Gutachten Meir Rothen- 
burgs 887, Anmerkungen zu Mordechai m^lP^), Raschi (auch 
in DT^/3n)j Aruch, Saadia zum Daniel, Benjamin (p. 20 ed. 
London i<'''\L'^'^] mD7D1 ]V^J yiiO, wo unrichtig Palästina übersetzt 
ist), Baruch, dem alten pHüJ, in Or Sarua, den Hagahot Mai- 
moniot, und in handschriftlichen Werken französischer Juden 
des 13. Jahrhunderts ; Dil2 seit dem 12. Jahrhundert, z. B. hi 
Machsor Vitry, bei Benjamin und Petaclija. Eine Verbindung 
zwischen den Juden in Böhmen und Russland — welches 
letztere bereits Josippon, Chasdai, Elieser b. Natan und Ben- 
jamin nennen — ist natürlich. R. Elieser aus Prag, etwa 
1170 — 1190, ^war in Russland und spricht von einer Hand- 
schrift, die er daselbst gefunden; vermuthlich derselbe ist es, 
welcher Anfragen erwähnt, die man in Russland bei ihm 
gemacht. Die erste Notiz, aus Or Sarua stammend, erklärt 
so die Angabe zu cod. Vatic. 148, dass Orte in der Nähe 
von Lemberg in diesem Werke vorkommen, indem jene 
Gegenden noch im 15. und 16. Jahrhundert Russia hiessen, 
wie Kolon's (N. 184) und Luria's Rechtsgutachten (N. 37 Anf.) 
beweisen, und noch vor 200 Jahren war das jüdische Gericht 
zu Lemberg die Oberbehörde für Russia (Roth -Reussen). 
Dies führte auch zu einer Verbindung der Juden des west- 
lichen Europa. In den jüdischen Schriften des 11. und 12. 
Jahrhunderts, die Italien, Deutschland und Frankreich ange- 
hören, habe ich sieben altslavische Wörter gefunden, was eine 
mündliche oder schriftliche Ei'läuterung von Juden voi'aus- 
setzt, die in slavischen Ländern ansässig waren. Polens wird 
nicht vor dem 13. Jahrhundert gedacht. Aus jener und einer 
spätem Epoche werden einige Männer genannt, die den er- 
wähnten Ländern angehörig nach Deutschland und noch 

6* 



— 84 — 

weiter reisten, um deutsche Juden zu hören, als Isaac und 
j\Jordechai aus Polen, Isaac aus Russland, Ascher b. Sinai 
ebendaher. Im Vatican liegen alte Erklärungen zum Penta- 
teuch, in Russland geschrieben. Einige Mittheilungen über 
russische Gebräuche macht bereits Elieser b. Natan. Dann 
aber tauchen erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts einige 
Kamdn von unterrichteten Juden jener Länder auf; ich zähle 
darunter: Samuel aus Russia, der Collectaneen aus dem Tal- 
mud geschrieben, die 356 Bl. in 4. stark im Vatican liegen-, 
Katriel in Krakau, den Jachia anführt; Mordecliai Scheal- 
tiel aus Polen, dessen Sohn A. 1501 in Italien lebte (s. Schorr in 
Zion Th. 1 S. 96). Da der grösste Theil der dortigen Juden, 
wie Sprache und Familien beweisen, aus Deutschland stammte, 
so wurden sie, namentlich von fern Wohnenden, durch "'IJDl^X 
und ihr Land durch Ij^lS^iS* bezeichnet. So schon bei Ascher 
und Joseph Kolon. Elia Levita führt die Juden aller 
Sprachen auf, nur die polnischen nicht (Tischbi v. t^pli'D); 
Jachia nennt Schechna einen grossen Gaon in ganz TjDti'i<, 
und eben so lässt Conforte den Sal. Luria in IJDt^N wohnen, 
und macht ihn und die berühmtesten seiner Nachfolger in 
Polen zu D''1JDl^N. Wirklich ist von sogenannten polnischen 
Gemeinden im Orient während des 16. Jahrhunderts keine 
oder geringe Spur vorhanden, indem die aus polnischen Orten 
dorthin auswandernden Juden sich den Deutschen ange- 
schlossen, üeberdies war vor 3^0 Jahren Polen und Reussen 
noch nicht so stark von Juden bevölkert, wie aus Margaritha 
erhellt, und wohl auch aus dem Umstände, dass einmal in der 
ganzen Gemeinde von Ostiow kein ÜHflX zu finden war. 
Polnische Juden, sogar polnisch sprechende, haben indess um 
1510 in Brescia und Mantua gewohnt, da einige biblische 
Bücher damals in dieser Sprache für sie abgeschrieben wur- 
den, die noch in Parma aufbewahrt werden. Die selbst- 
ständigen Talmudlehrer beginnen für Polen mit R. Jacob 
Polak — irrig von Jost Falk genannt — der zwischen 1505 
und 1530 blühete, ausdrücklich als Oberhaupt in Polen be- 
zeichnet wird, wiewohl er auch in Prag Rabbiner gewesen. 
Einstimmig nennen ihn die Autoren jener Zeit ein grosses 
Licht und einen der Grossen seiner Zeit, der den Geschmack 
au D''p'l7n verbreitet, so dass seitdem die Vorträge sich in 



— 85 — 

diese Art von Schulübnngen verwandelten, deren Missbrauch 
und Uebertreibung später so sehr getadelt werden. Er ver- 
bot, in Pantoffeln und Handschuhen zu beten, und war so 
bescheiden, dass er, um nicht als pDl? citirt zu werden, es 
vermieden hat, seine Gutachten herauszugeben oder selbst nur 
abschriftlich zurückzubehalten. Angeführt wird von ihm nur 
eine Erläuterung in Bechai's Commentar, Einiges zum Mor- 
dechai, und seinen Namen trägt der 1594 gedruckte by pDD 
HjlJiy, dessen Verfasser jedoch Jacob b. Isaac genannt und 
von Asulai für einen Jüngern dieses Namens gehalten wird. 
Ein R. Abraham Polak war wirklich A. 1577 Rabbiner in 
Lubemilla. Als seine Zeit- und vielleicht Landesgenossen 
nenne ich: Moses Jafe, dessen Frau die Tante Joseph 
Cohen's in Krakau gewesen, lind der ein Gutachten an die 
Rabbiner in Italien gerichtet; Isaac Kleuber, mütterlichen 
Grossvater von Sal. Luria, wahrscheinlich in Posen wohnhaft, 
woselbst alle seine Bücher verbrannten ; er hatte über Ri- 
tualien geschrieben; R. Anschel, der das jüdisch-deutsche 
Glossar zur Bibel geschrieben. Jacob Polak's Schüler und 
der Lehrer aller derjenigen, die nachmals in Polen sich einen 
Namen erworben, war Schalom Schechna b. Joseph, 
gest. im Jahre 1558, der gleich Polak Nichts schriftlich hinter- 
lassen wollte, dessen Decisionen ms. jedoch die Oppen- 
heiraersche Bibliothek aufbewahrt. Der Anfang hebräischer 
Buchdruckerei in Polen geschah 1530, die jedoch bis 1570 
unbedeutend geblieben. Denn aus diesem ganzen vierzig- 
jährigen Zeiträume sind nur bekannt: 

Krakau. Brzesc. Lublin. 

1530 it'Cin fol. 1546 ^r2)n fol. 1547 np2^ U^DW 
— nyn nm^ iil: in 4. 1548 n6y:nn dpd 

1531 m:in 1558 tr?2in fol. 

1534 Anschel's Glossar 1559 Tr. Schebuot. 

1538 "iViC in 4, die erste Hälfte " — Machsor, deutscher 

s. a. Josippon Ritus, 

1569 Hirz Glossen zu Rabbot 1563 HDlt'jn nbxti'- 

1567 Machsor, poln, Ritus» 

1568 die Tractate nii>2, 



- 86 — 

also in Allem keine zwanzig Drucke aus 12 Jahren, und nur 
zwei neue Schriften! Falsch näualich sind: 1) nPiDt^' HTX 
Krakau 1552 (Le Long), da dieses Werk erst 1595 gedruckt 
worden, und der Verfasser noch 1608 in Zytomir lebte; 

2) Ü^J^V nns Krakau 1550 (Heidenheims Katalog N. 571); 

3) Sah Luria's Gutachten Lublin 1544 (Wolf), da diese Aus- 
gabe 1575 erschien und der Druck am 7. Jan. beendigt wurde. 

Als Schechna's Zeitgenossen werden aufgeführt: Jona 
b. Kaiman, Schechna's gelehrter Antagonist; Kaiman 
Worms, 1558 in Lemberg und lange vor 1582 gestorben; 
dessen Eidam Leser; Kaiman Haber kästen in Lemberg 
und Ostrowo; Kalonymos, greises Oberhaupt in Brzesc; 
Jehuda Kraschwitz; Moses Storch in Krakau; Salo- 
mon b. Liebe rmanns, 1550 Rabbiner in Eisenstadt, nach- 
her in Posen; Aaron in Posen und Prag. Im Jahre 1531 
hielt sich Elieser Treves in Krakau auf, und ebendaselbst 
war 1545 Chajim b. Bezalel, dessen Brüder gleichfalls in 
Polen gewohnt zu haben scheinen. Die eigentliche Verbrei- 
tung des Talmudstudiums und die Zunahme von angesehenen 
Lehrern in Polen bemerkt man erst etwa seit 1556, und hier 
muss zuerst genannt werden : S a 1 o m o L u r i a mit zahlreichen 
Schülern und Schriften, welche letztere jedoch erst nach seinem 
Tode erschienen sind; ferner Isaac b. Bezalel 1559 in 
Wladimir, von dem noch ein Gutachten erhalten ist; Israel 
b. Schechna in Lublin; Joseph Cohen, etwa um 1512 
geboren, 1591 in Krakau gestorben; Moses Landau b. 
Jekutiel halevi, 1550 in Prag, 1558 in Krakau; Matatia 
Delakrat, 1550 in Italien, später in Polen; Menachem 
Treves b. Eljakim, 1556 in Wilna; Naftali Hirz, 
1558 in Brzesc; Menachem Margaliot b. Samuel, 
1563 in Wilna; Jacob b. Jehuda Pisek 1564; Moses 
b. Eisak Engeries, 1561 in Krakau, Verfasser eines 
pentateuchischen Commentars ms.; Natan Spira, 1565 
in Grodno, ein Verwandter von Jochanan Luria (1480 
in Worms) und Joseph Salmoni (1520 in Ofen); Mor- 
dechai Reis b. Isaak, 1565 in Brzesc; Mordechai 
Singer in Krakau, vielleicht der im Jahre 1575 verstorbene 
Mordechai b. Jacob und derselbe, der die Sprüche erläutert 
hat; Mordechai Mardusch b. Jehuda, vor 1584 gestorben; 



— 87 — 

Hirz Cohen b. Menachem, 15G9 in Lemberg; Salomo 
b. Je hu da in Posen, dessen Schüler unter andern Meir Lublin 
und Isaac Cohen b. Hirz (Verf. von ''^V n:nc) waren; Ascher, 
Grossvater Meir Lublin's, vernnithhch der anderweitig be- 
kannte Ascher b. Joseph; Hirsch in Lubemila, der bei 
X"d gelernt; Benjamin in Gnesen; Simeon, Elia, Sal. 
man, alle drei um 1570 in Chelm; Eli es er in Busk. Die 
wichtigsten Männer nenne ich zuletzt: Moses Israels in 
Krakau 1550—1572; Isaac Cliajut 1568 in Busk, später in 
Prag; Mordechai Jafe aus Böhmen, der bereits seit 1553 
an seinen Schriften gearbeitet hat; Isaac Cohen Spira b. 
David in Kreminiec, später in Krakau, Meir Lublin's 
Schwiegervater und im Jahre 1582 gestorben. Für den Eifer, 
mit welchem 1550 bis 1580 die Lehrer in Polen thätig waren, 
zeugen obige Namen, ohne dass wir des Gemüsehändlers 
Abraham bedürfen, in welchem, Asulai zufolge, Luria einen 
ausgezeichneten Talmudisten entdeckte. Neben Luria's scharf- 
sinniger Gründlichkeit übersehe man nicht Männer wie Israels, 
Delakrat, Jafe, Chajut, Isaac b. Abraham und den viel- 
seitigen Hendel (gest. 1612), die Sinn für Literatui', Mathe- 
matik, Logik hatten und Maimonides philosophische Schriften 
studirten und verehrten, und ein Zeichen von Lerneifer ist 
doch wohl, dass Zarza's gedrucktes Werk über Aben Esra 
im Jahre 1583 vollständig abgeschrieben wurde. 



D. Eine merkwürdige Medaille. 

(Israelit. Annalen 1840 N. 17 und 18). 



Um das Jahr 1654 etwa fand man beim Graben unter- 
halb der Anhöhe Fourviere in Lyon eine bronzene Medaille, 
sechs Zoll im Durchmesser, worauf das lorbeergekrönte Haupt 
eines römischen Kaisers zu sehen war. Nächst einzelnen he- 
bräischen Worten und Buchstaben, die rechts und links stan- 
den, wovon einige aus dem Munde des Herrschers zu kommen 
schienen, lief rund herum eine hebräische Inschrift in zwei 



— 88 — 

Reihen. Unter dem Halse las man die Worte umilitas, 
Tcmtifüjais, letzteres nicht richtig geschrieben, und auf der leeren 
Kehrseite die Umschrift: 

Post tenebras spero lucem felicitatis iudex dies ultimus. 
D. III. M. 
Zum ersten Male wurde dieses Schaustück beschrieben 
und erklärt von Pater JVIenestrier in seiner Geschichte 
von Lyon (1696). Den abgebildeten Kaiser nahm er für 
Ludwig den Frommen (gest. A. 840), und behauptete nun, 
die Juden zu Lyon, deren Bethaus in jener Gegend gewesen, 
hätten wegen der Erlaubniss zu einem Synagogenbau jenem 
Kaiser diese Medaille als Zeichen des Dankes gewidmet. 
Nach ihm besprachen den Gegenstand Eccard (s. Wolf 
biblioth. t. 2 p. 1098) und de Boissi in seinen dissertations 
(1785); dieser nahm auch mit der Erklärung der hebräischen 
Worte kleine Aenderungen vor. Aus de Boissi schöpfte S. 
Löwisohn (Vorlesungen, Wien 1820), der die Inschrift mit 
hebräischen Lettern gab, die de Boissi mit lateinischen aus- 
gedrückt hatte, aber Menestrier's Werk blieb ihm unbekannt. 
Endlich erschien im Jahre 1835 von Hrn. Carm oly in Brüssel 
ein Memoire, in welchem die Medaille, die er in Belgien wieder 
aufgefunden haben will, abgebildet, den beiden französischen 
Gelehrten, die sie erläutern, ihre Unkunde vorgerückt, sonst 
aber nichts Neues gesagt wird, die eine Behauptung ausge- 
nommen, dass die Prägung der Medaille nicht durch die Ge- 
währung einer Synagoge, sondern durch die vom Hofe zurück- 
gewiesenen Anklagen des Bischofs Agobard veranlasst worden. 
Der Akademie der Wissenschaften in Brüssel, welcher der 
Verf. seine Arbeit zugeschickt, berichtete über dieses ,, ge- 
lehrte Memoire" Herr von Reiffenberg und acht Tage darauf 
am 24. Januar 1835 sandte der beständige Secretär, Herr 
Quetelet, Herrn Carmoly ein Dankschreiben für „seine interes- 
sante Mittlieilung." Es beginnt aber das 
,, Memoire sur une medaille en l'honneur de Louis le De- 

bonnaire ' 
mit folgenden Worten : ,,Giebt es einen Gegenstand, würdig die 
Aufmerksamkeit zu fesseln und unsere Neugierde zu wecken, 
so ist es ohne Widerspruch das Studium der nationalen 
Alterthümer. Diesem Studium allein verdanken wir die voll- 



— 89 — 

kommene Kenntniss der Sitten, der Gewohnheiten und der 
Bildung unserer Vorfahren. Allein nur mit grosser Mühe 
hebt man den dichten Schleier, welcher diese Alterthümer 
bedeckt. Die Hand der Zeit und mehr noch die der Menschen, 
hat den grössten Theil der alten Denkmäler zerstört, und 
die wenigen uns gelassenen Trümmer in Finsterniss ein- 
gehüllt. Diese kostbaren Ueberreste sammeln, und in die 
Dunkelheit, die sie birgt, Licht zu bringen suchen — das 
scheint mir das lobenswertheste Unternehmen.'^ So giebt der 
Verf. den Lesern zu verstehen, dass seine Schrift sehr in- 
teressant, seine Mühe sehr gross und seine Arbeit sehr ver- 
dienstlich sei. Das war sehr edel gehandelt; denn von selbst 
hätten die Leser schwerlich diese Vorzüge in einem Memoire 
ausgefunden, das mit seinem ganzen 200 Zeilen starken In- 
halt lediglich aus de Boissi^) zusammengetragen, fast abge- 
schrieben ist, was buchstäblich von sieben Citaten^) gilt. Aus 
Ehrfurcht gegen diesen Autor hat Herr C. sogar dessen 
Druckfehler respektirt^). War nun auch die Entdeckung, 
dass die Medaille ihr Motiv in den Verfolgungen Agobard's 
habe, aus de Boissi's ausführlicher Darstellung leicht zu 
machen, so bleibt doch ein anderer Fund sehr merkwürdig, 
nämlich dass die in der hebräischen Aufschrift befindlichen 
Abbreviaturen lauter Namen von Lyoner Gemeindegliedern 
sind. Da diese mit V^ anheben, so muss der zweite Vorsteher 
— der erste heisst Benjamin — Wolf, Vidal oder Wafsi ge- 
heissen haben; — jeder dieser Namen wäre merkwürdig und 
verdiente ein eigenes Memoire. Die dritte wichtige Ent- 
deckung, die der Verf. gemacht, besteht darin, dass die Juden 
zu Lyon in dieser Inschrift selber Gott um Vergebung wegen 
deren Anfertigung gebeten haben, „in dem lebhaften Gefühl, 
dadurch das Gesetz übertreten zn haben.'' Eine vierte Ent- 
deckung, dass Löwisohn bereits diese Medaille besprochen. 



*) Dissertations t. 2 p. 68—94. ^) Vergl. Memoire S. 6. 8. 11 

(N. 2). 12 (N. 1) mit Dissert. a. a. O. p. 70 a, 71a, 70 b u. c, 69 a u. b, 
75a. ') Mem. S. 11. N. 2: „Epistol. ad Nibridi," gerade wie bei 

de Boissi p. 69, wo auch (statt Nibridium oder Nibrid.) Nibridi gedruckt 
ist, und wenigstens mit einem folgenden Punkt, nicht mit einem Komma. 
Bei Agobard und Menestrier ist nur Nibridius zu finden ; bei Depping, auf 
der von Hrn. Carmoly S. 12 angeführten Seite, Nibride. 



— 90 — 

hat Herr C. für sich behalten, entweder um die Kräfte seiner 
Leser zu schonen, oder um mit einer eigenen „Notice" darüber 
zu überraschen. Das Staunenswertheste aber bleibt die ge- 
lieferte Uebersetzung der Inschrift; sie lautet getreu nach dem 
Fi'anzösischen folgendermassen : 

„Durch den Beschluss dessen, der regiert, gepriesen 
sei er, durch den ewigen Willen und die Aufrichtigkeit 
aller Gerechtigkeit, habe ich diese vergängliche Figur 
gesellen. Möge sie aber dauern, so lang als ihr Bild- 
niss. • Ich werde deine Vorsehung betrachten, mein 
Gott. Rom vererbte ihm einen Theil seines Ruhmes; 
dies ist es, was mich mit Freude erfüllt hat. Ich 
erwarte deine Befreiung von Tag zu Tag. Der All- 
mächtige ist gross und verzeihet." 
Nun Gott sei Dank, der dichte Schleier ist gelüftet, und 
Lyon vererbte Herrn Carmoly einen Theil seines Ruhmes. 
Denn es ist nicht die Schuld des Verfassers, dass der jüdische 
Vorstand in Lyon die Abfassung der Aufschrift zufällig einem 
Verrückten aufgetragen hat. Es wäre ja für einen Sinnigen 
himmelschreiend, einem Monarchen solche Dankgefühle vor- 
zusagen, und dass man über Rom und den Herrscher hoch- 
erfreut — die Befreiung täglich erwarte. Ehren wir auch 
die Selbstverleugnung der Herren CoUegen, die ihre Namen 
mit Anfangsbuchstaben einzeichnen Hessen, so ist es doch eine 
Unverschämtheit von dem ersten Vorsteher, den seinigen, 
„Benjamin Sohn Kusch," dem Kaiser dicht unter die Nase 
zu rücken. Ich zweifle daher sehr stark an der ächten jü- 
dischen Abkunft dieses Mannes, zumal sein Vater sich Kusch 
nannte, wie nie ein Jude geheissen. Sehr wahrscheinlich war 
er eigentlich ein Mohr, und vielleicht leben seine Nachkommen 
noch in Marocco, was dem Verfasser seine dortigen Corre- 
spondenten^) zuverlässig nicht verheimlichen werden. Dass 
diese Sache sehr wichtig sei, erfahren wir aus den Schluss- 
worten des Verfassers: „Es giebt in dieser Inschrift mehrere 
bemerkenswerthe Dinge, nämlich: die vorausgesetzte Krönung 
Ludwigs des Frommen in Rom; der Name des jüdischen 



*) S. den Aufsatz über Meir b. Baruch in den Israelit. Annalen 1839, 
N. 41, S. 348. 



— 91 — 

Vorstehers in Lyon, zur Zeit dieses Fürsten ; der schlechte 
Geschmack dieser Inschrift, welche die Barbarei des Jahr- 
hunderts, in welchem sie abgefasst worden, verräth. Nichts- 
destoweniger ist es eines der ältesten Denkmäler, das von der 
mittelalterliehen hebräischen Literatur in Frankreich zu uns 
gelangt ist. Was den Gebrauch dii-ser Medaille anbelangt, 
so scheint sie zuerst in der Synagoge auf der Anhöhe Four- 
viere aufgehangen, und nachher unter deren Trümmern ver- 
schüttet worden zu sein." 

Es ist eine Barbarei unseres Jahrhunderts, wenn es dem 
geschmackvollen Memoire beinahe wie der geschmacklosen 
Medaille ergeht: Es wird zwar in keiner Synagoge hängen, 
aber verschüttet wird es werden durch kritische Stösse, und 
in seinen Sturz hineinziehen Lyon und seine Synagoge, ein 
Stück alte Literatur und ein Stück neue Gelehrsamkeit, sammt 
Ludwig, Agobard und Benjamin Sohn Kusch, ,,und hinab- 
fährt ihr Gepränge und ihr Reichthum und ihr Getobe"^), 
und um dich, o Memoire! werden deine Käufer ,, sich Glatzen 
scheren und weinen betrübten Gemüthes"^); denn verrathen 
muss ich, dass in der fraglichen Inschrift die Anfangsbuch- 
staben der einzelnen Worte folgende Namen bilden: 

Von diesen sechs Worten ist also das erste: Benjamin. 
Das zweite betreffend, dai'f als bekannt vorausgesetzt werden, 
dass seit dem 14. Jahrhundert die Abkürzung "1CD2 ^) vor 
der Schreibung des Vaternamens üblich geworden, die bis- 
weilen noch durch ein oder zwei H vergrössert werden.*) 
Man hat selbst ein Beispiel aus Rom vom Jahre 1496, wo 
Jemand sieben Worte, worin 4 n hintereinander vorkamen, 
bei solcher Gelegenheit gebrauchte. ^) Noch engere Grenzen 
setzt uns das letzte Wort Tili'''; eine Abkürzungs- Formel 
(m2i::i m^n D^:ii' nT^ die zwar bei den Buxtorfen, bei Wolf^), 



') Jesaia 5, 14. ^) Ezechiel 27, 31. ^) d. i. pbV^ "112D p, 
^D"1 (odei* i"no), zu Deutsch: Sohn des hochgelehrten (Lehrers), Rabbi 

*) 'r\ = 2')n, n"n = D2nn 2*in oder cbt^'n D^nn. Daraus -inn"cD2. 

5) ^ZST 2ir\ XDnn d?U/n nznn 1123 p s. de Rossi Anual. sec. XV. 
p. 169. 6) Biblioth. hebr. t. 2. p. 582, t. 4 p. 259. 



— 92 — 

Selig^) und Dessauer 2) nicht zu finden ist, aber im 14. und 
15. Jahrhundert ein gebräuchlicher Ausdruck im mittleren 
Italien bei der Nennung lebender^) Personen war, wovon es 
Belege giebt aus den Jahren 1383 in Bologna'^), 1424 und 
1426 in San Severino^), 1428 in Ferrara und Portaleone^), 
1437 in Camerino^), 1451 in Monte Alzino^), 1454 in Ancona^), 
1473 in Tiano'O), 1488 in Bologna ^i), 1490 in Neapel ^2). So 
sind wir genöthigt, die Inschrift nach der Gegend des Kirchen- 
staates und in das 15. Säculum zu verweisen. Die vollste 
Bestätigung geben die Worte i^snn 1f<D "irp^J^ d. h. Elia Beer 
der Arzt. Denn bereits an einem andern Orte ^^) habe ich 
nachgewiesen, dass vor 400 Jahren Elia Beer (Fönte) ben 
Schabtai in Rom lebte. Dieser Mann, der sich Avicenna's 
Kanon abschreiben lassen, wird in der dortigen Nachschrift 
ausdrücklich ,,der Arzt" genannt, und auf seinen Sohn wird 
als auf einen dem gelehrten Stande Angehörenden hinge- 
wiesen^*). Und sehr wahrscheinlich stammt aus dieser Familie 
der aus Italien gebürtige ^5) Verfasser der Reehtsgutachten 
pK'J? IND, R. Schabtai Beer. So wären denn Zeitalter, 
Heimath, Familie und Personen in Bezug auf unsere Inschrift 
entdeckt: Sie rührt her von Benjamin ben Elia Beer 
und ist zu einer Zeit verfasst, wo sein Vater Elia, der Arzt, 
wolil auch noch lebte, also etwa um das Jahr 1430 in Rom. 
Hiemit stimmt das voikommende "'oll, und selbst das Material 
einer Kaiser-Medaille, die ausserhalb Italien wohl selten in 
Privatbesitz gewesen. Das über dem Haupte des Bildes be- 
findliche Schin^ß) bedeutet ''^^ (mein Name), und gleich 



1) Lehrbuch der jüdisch-deutschen Sprache, Leipzig 1792, S. 103. 
*) Aramäisches Handwörterbuch, Erlangen 1838. S. 233. ^) Biscioui 
cat. in fol. p. 108. 165. *) Biscioui cat. Laurent, p. 116. ^) Nach- 
schrift eines römischen Machsor Mscr. in Folio. ^) Biscioni p. 108. 
cf. p. 68. ^) Im ersten Bande des erwähnten Machsor Mscr. ^) Cod. 
Vatic. 396. 9) Biscioni, p. 165 Oli"»). »O) Biscioni, p. 138. ") ib. 
p. 2. de Rossi Annal. p. 55. ^^) de Rossi 2. 1. p. 76. — Auch noch in 
der Einleitung zu Moscato's Kol Jehuda. Vgl, Zur Geschichte S. 313. 
13) Analecten Nr. 5 , Joab, in Geiger's Zeitschrift B. 3. S. 53. ") DJi 
DDn^ IjD „und auch sein Sohn wird Weisheit erlangen." '^) Köre 
hadorot f. 42b. '6) Nicht Sin, wie de Boissi las und durch Qlf 
(posuit) erklärte. 



— 93 — 

darunter rechts und links ist p"" p (Benjamin) deutlich genannt. 
Mit diesem Bilde aber, wen es auch vorstellen mag, steht die 
Inschrift so wenig im Zusammenhang, als die Schrift mit dem 
Wasserzeichen des Papiers. Wie passt zu einem kunstfertig 
geprägten Bilde eine so unregelmässig, so ohne alle Sorgfalt 
ausgeführte Umschrift, mit bunt durch einander geworfenen 
Wörtern aus verschiedenen Sprachen? Der gezwungene 
dunkele Ausdruck jedoch ist hinlänglich durch das schwierige 
Akrostichon erklärt, das der Verfasser darstellen wollte. Die 
hierauf verwandte Mühe und die Thntsache selbst verrathen, 
dass irgend ein wichtiges Motiv zu Grunde liege, und über 
dieses Motiv kann uns nur der Sinn der Worte Aufschluss 
geben. 

Bekannt ist die Herrschaft, welche im Mittelalter die 
Sienideutung selbst auf tüchtige Köpfe geübt hat. Aus dem 
Gebiete des Sterndienstes und der Magie holten philosophische 
Schriftsteller die Bausteine zu ihrer Cosmologie, die Stützen 
für theologische Lehrsätze. Aben Esra^) zufolge sind die 
den Menschen bevorstehenden Schickungen den Himmels- 
körpern immanent und darum unabwendbar, wofern nicht der 
göttliche Schutz von diesen Kräften unabhängig macht; Spä- 
tere 2) hielten sogar jedes Schicksal für unvermeidlich, wenn 
es durch die sieben Planeten gemeinschaftlich nothwendig 
bedingt ist. So bildete sich ein Wissen von den Decreten 
der Sterne^), und die astrologische Sentenz ersah man aus 
eigenen Werken darüber^), z. B. aus den Schriften von Al- 
kabiz^) und Ali ibn Ragel^). Aben Esra übersetzte die 



') Zu Ps. 69, 29: Das Buch des Lebens ist der Himmel, woselbst 
die Schickungen (mi]^)- Zu Exod. 33 Ende: Wenn die Kraft des Höchsten 
ihn mehr schützt, als die- Sternkraft, an die er gebunden ist, dann wird 
er von den Schickungen gerettet. ^) S. Samuel Zarza in Mekor chajim 
ed. Mantua f. 38b. ^j D''2D'lDn ri"l]Jl- bei Schemtob Palquera in Reschit- 
Chochma Mscr. Abth. 6. Cap. 4. Vergl. Maimonides Schreiben nach Mar- 
seille. 4) D''DDlDn ''LD^lt'D I^D, s. Zarza a. a. O. f. 54c, 101 d, 103a. 
Vgl. R. Levi b. Gerson zu Genes. 1, 14. ^) In seiner Einleitung zur 
Astrologie handelte der vierte Abschnitt von den Constellationen und 
andern Dingen, die grosse Veränderungen bedeuten; der fünfte von den 
Loosen, s. Uri catalog. Bodlej. pars 1, cod. 453. N. 2. ^) Die hebr. 
Uebersetzung seiner Astrologia judiciaria, von R. Isaac b. Samuel Abul- 
chair, s. ebendas, cod. 452. 



— 94 — 

Fragen Mashalla's*), uud schrieb nächst den andern astro- 
logischen Traktaten -) ein besonderes Buch von den Sentenzen 
der Planeten. ^) Durch Metallfiguren , jirosse und kleine, 
wurden die Himmelskräfte auf die Erde geleitet; diese sowohl 
als ihre Urbilder, die Sterne, heissen PllVi^ Bilder*): auch 
diese Weisheit war in eigene Bücher niedergelegt.^) Gegen 
so allgemeine üeberzeugungen war selbst der Lehrsatz der 
Tradition *"), dass Israel ausserhalb des planetarischen Einflusses 
sei, zu schwach. Von der Stellung der Steine, denen Zu- 
und Abneigungen beigelegt wurden'^), versuchte man schon 
vor Aben Esra'^) die Erlösung abhängig zu machen. Eine 
besonders grosse Rolle aber spielten die Constellationen im 
vierzehnten Jahrhundert, wo sie ein wesentlicher Bestandtheil 
der Schriftauslegung Avaren, wie vor Allen die Werke von 
David ben Bilia (1320)9), Levi ben Gerson (1329), 
Joseph Aben Vakar (um 1330), Joseph b. Elasar 
(1337), Salomo b. Jaisch (1340^, Mose Narboni (1349), 
Jehuda Corsani (1365), Samuel Zarsa (1368), Samuel 
Mo tot (1370), Schemtob Sprot (1380) zeigen. Im fünf- 
zehnten Jahrhundert berechnete man Israels Leiden oder Er- 
lösung aus den Stellungen der Planeten, unter denen der 
Glück bringende Jupiter ^^), Mars, der Schutzherr Roms, und 



1) ib. cod. 445. N. 1. ^) 1) de electionibus, D'''in:?^n "I^D, von 

der passlichen Zeit in 12 Häuser getheilt, ib. N. 2. zwei solche Bücher, 
als Theile der grossen Astrologie, im cod. Vat, Urbin 47. 2) de nativita. 
tibus, ni~7''lCn "12D) s Zarza f. 101 d. Die Commentarien Ohel Joseph 
f. lila, und Motot 78b, Albo's Iccarim 4. 4. vgl. Rapoport in Kerem 
Chemed Th. 4. S. 138. Das dritte ist D''^yL:n "1SD, s- Jedaja ben ßonet 
Commentar des Midrasch Mscr., zu Tauchuma Abschnitt Haasinu, Ohel 
Joseph f. 55a, lila, Motot IIa. Vgl. Wolf Bibl. t. 3 p. 50; cod. Vat. 
Urbin. 47, wo zwei Bücher dieses Namens vorhanden sind. *) Ohel 
Josei>h f. 80b, Motot f. IIa. — Diese fünf Schriften, Ms. vom Jahr 1410, 
in der Oppenheim. Bibliothek (1676 Q.) — Vgl. cod. Vat. 384 N. 13. *) Aben 
Esra zu Exod. 20, 5. Maimonides Mischna - Commentar (Pesachim c. 4 
gegen Ende) und More 2, 9. 3, 29. Zarza f. 53 c. Ohel Joseph f. 66 d. 
5) S. Abbaraare in Minchat Kenaot Brief 5 S. 33. «) Tr. Sabbat, f. 156 a. 
■^ Aben Esra im Buche ha-teamim bei Ohel Joseph f. 107 d. ^) Derselbe 
zu Daniel 11, 29. Vergl. R. Asaria de Rossi in Meor Enajim c. 43 f. 
139 b u. f. 9) S. meine additamenta zum catal. codd. Lips. p. 326. 

*•>) Mose hacohen bei Aben Esra zu Jesaia 65, 11. 



— 95 — 

Saturn, der die Juden schützt *), die Hauptfiguren bildeten. 
Namentlich sprachen von merkwürdigen ConsteUationen der 
Jahre 1464 und 1469 R. Isaak^) in Florenz, der Mars und 
Jupiter mit dem durch Erdbeben erfolgten Einsturz der 
Kirchen in Verbindung setzt; R. David Gaco^), der sich 
über Jupiter und Saturn auslässt; über dieselben beiden Pla- 
neten Isaak b. Meir i.J. 1478 (cod. Vat. 105); AbravaneH), 
R. Abraham ha Levi^) und Bonet de Latas. Jedoch 
war der Einfluss der Astrologie schwächer geworden, und die 
Astrologen fingen bereits an, die tödlichen Streiche sowolil 
der Wissenschaft, wie der Religion zu empfinden. 

Auf dieses Gebiet verweist nun auch unsere Inschrift, 
und was sie von Schickungen, Sentenz, Bild und Erlösung 
sagt, ist dem Begriffskreise jener Zeit entlehnt. Auch Ben- 
jamin ben Elia mag planetarischen Berechnungen zufolge 
einen Termin der Erlösung gefunden haben; allein er will 
den Dank nur der göttlichen Vorsehung erstatten, welche die 
astrologischen Orakel, Bild und Sentenz, überdauere. Gott 
sei der Alhvaltende, und diese Schickung für Israel komme 
allein von ihm. Und seinen Trost und seinen Glauben ver- 
ewigte er an einem Bilde des Aberglaubens, und grub seine 
Worte, Israels Sieg verkündend, in ein Denkmal römischer 
Grösse und Macht ein, das ihm, wenn auch selbst Römer ^), 
das Symbol einer feindlichen Gewalt sein musste. Vielleicht 
hat er sogar auf das Jahr 1430^) hingedeutet. Die hebräische 
Umschrift besagt demnach folgendes: 



1) Zarza a. a. O. f. 101c. '^) VlWll Ms. f. 19 b, 20 b. 

^) p1D"in ni<"nn Ms. bei Reggio. Vgl. Jachia 76b. *) Maschmia 

Jeschua f. 13 b (Ausgabe in Folio); Commentar zu Ezechiel Cap. 20, wo 
nacb ihm A. 1464 die grossen Verfolgungen der Juden anfingen, die nach 
vierzigjähriger Dauer, mit A. 1505, einer bessern Zukunft Platz machen 
werden. ^) S. Jachia in Schalschelet-hakabbala f. 46 a ed. Vened. 

^) Der ältere Römer R. Schabtai ben Mose betet im Pesach-Sulat 
nJDJ nr21\X also: 

• ", wo dem Hasse gegen Rom die hebräische 

D^^Qn i:: -jny . ^ « 

Grammatik weichen musste. ^) Vpn = 5190 oder A. 1430. 



— 96 — 

Dui'ch den Beschluss des Waltenden, gepriesen sei er, 
nach der Gnade des ewig dauernden — während 
jedes Urtheil aufhört, das Bild vergeht^) — sehe ich 
dein Licht 2) zu der Zeit, die die Erlösung trifft, und 
denke nach der Vorsehung meines Gottes. Römer, 
bewahre davon ^) die Spur! So werde ich jauchzen, 
deiner Befreiung harrend, Gott^), Allmächtiger, Ge- 
bieter und Sünden v^ergeber! 

Text: 

■jmx ^n\s-i mi^n -^^vn tcstt'D b2 ddd ^'-liiJ p^nD 'n^ :im: nir^2 
]n br\ NiJ' j?n hd "'d jji n: ^i nboi 2*1 ^-;r ^i^ 'ptiIx -jnnD 

Die Anfangsbuchstaben der einzelnen Worte sind mit Doppel- 
punkten versehen, dem Fingerzeige zur Auffindung des 
Akrostichons; allein es kümmerte sich keiner darum, ausser 
Menestrier, der sie für lauter Jod, als eben so viele Ab- 
kürzungen des Tetragrammatons hielt. Die 18 Buchstaben, 
mit denen die Umschrift schliesst, bezeichnen die Verse Hiob 
19, 25 O^SI bis DY) und 14, 23 (b\SVD bis pn). Die Worte 
IJ-'I^ p zu beiden Seiten des Kopfes mögen eine Spielerei mit 
dem biblischen Ausdruck „Cusch derBenjemini" (Ps. 7, 1) 
und alle anderen Worte auf dieser Medaille wohl dem Ur- 
heber der hebr. Inschrift ganz fremd sein. Dass D. III. M. 
den dritten j\Iai bedeute, wie Menestrier schreibt, glaube ich 
vollends nicht. Das Schaustück aber ist nach Lyon ge- 
kommen , wie so viele Tausende von Alterthümern und 
Münzen in entlegene Gegenden hingerathen sind; aber Lud- 
wig der Fromme darf dadurch in seinem tausendjährigen 



*) Das 2 von "1~J?n musste des Akrostichons halber wegfallen. 
^) "]"n}<) nämlich Israels; Menestrier las "llIX „ich preise dich," Carmoly 
■]*nN ,,die Dauer." ^) Das Mem plurale in D?01^n bezieht sich auf die 
"Worte der Inschrift. *) "»li häufig in alten Manuscripten, und Regel in 

den karäischen Gebetbüchern, statt der gewöhnlichen i^bkürzung 1^. Das 
Memoire (S. 10 u. 13), de Boissi corrigirend, macht daraus DV1 Dl^ und 
übersetzt: de jour en jour. 



— 97 — 

Schlafe nicht gestört werden. Diess nun ist meine wenig 
interessante Meinung von dieser „interessanten" Denkschrift, 
über die bereits Herr Gerson Levi am 30. August 1836 
der Akademie zu Metz einen „sehr interessanten Bericht" 
abgestattet hat^), den ich jedoch nie zu sehen das Glück ge- 
habt habe. 



») Der Orient 1840 N. 8. S. 59. 



VIII. 

Berichtig ung"eii. 

A. Das Buch Jaschar. 

(Spcnersche Zeitung 1828, 29. November.) 



Der Londoner Courier vom 8. d. M. erzählte nach der 
Bristoler Gazette, dass man eine äusserst wichtige Entdeckung 
im Fache der biblischen Literatur gemacht habe. Alcurin, 
der ausgezeichnetste Mann seiner Zeit, habe aus Gasan in 
Persien für vieles Geld das Buch Jascher geholt, welches 
im Buche Josua Kap. 80 angeführt werde, und das bei den 
dortigen Juden gefunden worden. Diese in einige deutsche 
Zeitungen übergegangene Nachricht schien indess von so 
vielen Fehlern zu wimmeln als sie Worte enthielt. Wer ist 
Alcurin, der ausgezeichnetste Mann seiner Zeit? wo liegt 
Gasan? welches Buch heisst Jascher? und wie kann solches 
im 80. Kapitel Josua's, das deren nur 24 enthält, citirt 
werden? Wie kommen endlich persische Juden zu einem 
schon längst vor Josephus verlornen Buche? Wie wäre es 
möglich, dass ein Werk von so ungemeiner Wichtigkeit, das 
viele biblische Bücher des alten Testaments an Alter und 
folglich an Autorität überträfe, den gelehrtesten Juden, die 
über ein Jahrtausend in Babylonien und Persien lebten, und 
sämmtlichen Exilfürsten und Geonim entgangen sein sollte? 
Solche Fragen mussten sich bei Lesung dieses Artikels dem 
Bibelkenner nothwendig aufdringen, dem es übrigens nicht 
entgehen konnte, dass hier das sefer hajaschar gemeint werde, 
welches Josua Kap. 10. V. 13. und IL Samuel Kap. 1. V. 18 
(beide Male bei poetischen Citaten) angeführt wird. Referent 



— 99 — 

ist der üeberzeugung, dass eine Täuschung obwalten müsse, 
und wahrscheinlich das spätere jüdische Geschichtsbüchlein, 
welches denselben Titel führt, mit dem uralten, niciit vorhan- 
denen, verwechselt sei. Der engl. Courier vom 19. d. M. 
bestätigt dies deutlich genug, obgleich ohne es zu wissen. 
Ein Hr. Samuel aus Liverpool erzählt nämlich in dem ge- 
nannten Blatt, dass er von einem Juden aus Nord- Afrika das 
gedachte Buch, dessen Werth der Mann nicht gekannt habe, 
bekommen, und es nunmehr mit einer engl. Uebersetzung 
herausgeben wolle, sammt kritischen und historischen An- 
merkungen. Hr. Samuel, dem kein Freund über dieses Buch 
hat Auskunft geben können, sagt ferner, dass es von den 
östl. Juden aufbewahrt worden, indess seien vor 20 Jahren 
einige Exemplare in Polen gedruckt. Er rühmt den schönen 
Stil des Buches, das mit der Schöpfung anfange und bis 
Josua reiche 5 zwar sei einiges darin später zugesetzt, doch 
selbst diese Einschiebsel trügen ein Alter von 2000 Jahren. 
Hr. Samuel, der bereits das halbe Werk übersetzt hat, wünscht 
sehnlichst, etwas von der Abschrift zu hören, welche Alcurin, 
der ausgezeichnete Mann, mitgebracht hat. Ref. kann leider 
diesen Wunsch nicht befriedigen, jedoch vermag er — falls, 
wie er voraussetzt, diese Zeitung die Ufer der Themse er- 
reicht — ihm zu sagen, dass das Buch hajaschar, das er so 
sehr bewundert, wenigstens sieben Mal seit 200 Jahren 
aufgelegt worden, und von Niemandem bisher anders, denn 
als ein Machwerk aus dem 11. oder 12. Jahrhundert be- 
trachtet worden ist. Der Verfasser, der es bei seinen Lesern 
gern als das alte Sefer hajaschar einschwärzen wollte, hat 
ältere, zum Theil schon bei Josephus vorkommende, Sagen, 
mit alten jüdischen Midraschim, Auszügen aus dem Josippon 
ben Gorion und eigenen Erdichtungen zu einem Roman ver- 
arbeitet, der unter anderm mancherlei erbauliche Dinge von 
Aeneas erzählt. In der — zum Theil von J. G. Abicht ins 
Lateinische übersetzten — Vorrede wird erzählt, als sei das 
Buch bei der Zerstörung Jerusalems gefunden, und nachher 
nach Sevilla gekommen. Eine jüdisch-deutsche Uebersetzung 
ist bereits im Jahre 1674 in Frankfurt a. M. erschienen. Das 
Büchlein hatte ehemals auch den Titel : Längere Chronik, 
unter welchem Namen Stücke daraus in dem Jalkut ad 

7* 



— 100 — 

Pentateuch. §§ 166, 168, 176 und 186 citirt werden. Die 
Geschichte mit dein Alcurin, muss man der Zeitung, oder 
dem Mittheiler dieser Notiz, aufgebunden haben, und Gasan 
erinnert an das biblische Gosan, wohin die 10 Stämn)e ver- 
wiesen worden. Vielleicht mochte wirklich ein Manuscript 
oder ein gedrucktes Exemplar für theures Geld Jemanden 
als höchst selten verkauft worden sein. Bei der engl. Biblio- 
manie und der wenigen Kenntniss der Bücherliebhaber von 
hebräischer Literatur, ist diess begreiflich. Das Buch Jaschar 
ist übrigens nicht das einzige untergeschobene aus dem jüdi- 
schen Mittelalter. Jene Zeit war reich an solchen literarischen 
Betrügereien, wovon wir das eklatanteste Beispiel in dem 
Buche Sohar haben. 



B. Heisst Raschi Jarchi? 

(Israelit. Annalen 1839. S. 328 und 335). 



In der Geschichte ist eine umsichtige, eben so scharfe 
als besonnene Untersuchung das erste Erforderniss; um ein 
ürtheil zu fällen, müssen die Thatsachen ermittelt sein. Zu 
den Thatsachen gehören auch die Namen, sie stellen uns die 
verschiedenen Persönlichkeiten dar, und bergen Familie, Vater- 
land, nicht selten Zeitalter und Kulturverhältnisse. Am sorg- 
samsten sollte aber in der, so sehr vielen Miss Verständnissen 
preisgegebenen, jüdischen Literaturgeschichte jede Einzeln- 
heit, mithin auch der Name eines Autors bedacht werden. 
Zur Bemerkung dieser Vorschrift, die in der Anempfehlung 
nicht neu und in der Anwendung nicht häufig ist, giebt in 
der Einleitung zu der Ausgabe des Sapha berura (Fürth 1839, 
von Herrn Dr. Lippmann) folgende Stelle Anlass: 

,,Herr Dr. Geiger macht mir in seiner Recension über 
das von mir (1834) edirte Sefer Haschem zum Vorwurfe, 
dass ich in der Einleitung zum erwähnten Werkchen unsern 
Raschi, nach dem schlechten Vorgange Buxtorfs und christ- 
licher Nachtreter, Jarchi genannt habe. (S. wissensch. Zeit- 
schr. für jüd. Theol. B. 1. S. 202). Ich kann nicht umhin. 



— 101 — 

z ubemerKen, dass nicht sowohl Buxtorf, als schon der um 
das Jahr 1240 blühende, ausgezeichnete jüdische Gelehrte R. 
Moses von Ciitzi in seinem berühmten Semag bei dem 140. 
Verbote unsern Raschi unter dem Namen Jarchi anführt. 
Es heisst dort: 'fl^^ mbw '^ ^m, welche Stelle sich auch in 
Raschi vorfindet." (Das. S. 10 Anmerk.) 

Hiermit stimmt freilich nicht, was schon vor 17 Jahren 
in der Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums (S. 168. 
279) behauptet worden, dass der Name Jarchi falsch und 
grundlos sei, wenn er dem Raschi beigelegt wird, und zur Ver- 
fechtung dessen müssen wir noch einem andern Gegner in's 
Auge sehen. Unter dem Artikel „Jarchi'' bemerkt de Rossi 
im Dizionario Folgendes: „Simon (bist. crit. V. T. p. 152), 
Acolutus (de aquis amaris prooem. p. 2 — 8), Crenius, Löscher, 
La Croze, Wolf (biblioth. t. 1. p. 1057 etc.) halten den Bei- 
namen Jarchi, mit welchem unser Autor allgemein von den 
Christen genannt wird, für grundlos und irrig, und den 
Juden durchaus unbekannt. Aber sie in-en; es giebt alte 
jüdische Schriftsteller, die ihm selbigen beilegen, und die beiden 
neuesten Bibliographen dieser Nation bezeichnen ihn auch 
mit diesem Namen. Siehe Seder hadorot f. 52, Asulai Schem 
hagedolim Th. 2. f. 76, und das Verzeichniss meiner Hand- 
schriften zum cod. 5. Ebenfalls führt ihn Menasse ben Lsrael 
vielmal unter dem Namen Jarchi auf.'^ Gegen diese Demon- 
stration ist allerdings die in der deutschen Uebersetzung 
(S. 130) befindliche Parenthese: dass Raschi fälschlich Jarchi 
genannt werde, zu schwach, ob es gleich recht war, den Ar- 
tikel Jarchi zu streichen und Raschi lieber als Isaaki aufzu- 
führen. Unsicherer äussert sich de Rossi in der angegebenen 
Stelle (p. 4) seines Manuscriptenverzeichnisses. ,,Wenn ich 
jedoch, heisst es, bei der Aufzählung dieser Handschriften 
und der AulTühiung des Autors meist des Namens Jarchi 
mich bediene, so thue ich es nicht, weil ich selbigen für 
richtiger oder gesicherter halte, als die bei den Juden übliche 
Benennung Raschi oder Isaaki, sondern um dem Gebrauch 
der Cliristen zu folgen." Hierauf sucht er Wolf, der den 
Namen Jarchi für falsch und in Bezug auf Raschi für dem 
jüdischen Alterthum unbekannt erklärt, mit der Stelle aus 
Asulai — wovon nachher — zu widerlegen, beruft sich auf 



— 102 — 

Menasse ben Israel, und zweifelt nicht, cla*s auch andere 
jüdische Autoren den Namen Jarchi (für Raschi) haben werden, 
welchen Raschi, weil er nach der Behauptung vieler Autoren 
in Lunel lange gelehrt habe, sehr wohl hätte erhalten können. 
Zum cod. 800 (p. 178) bemerkt er wieder, Raschi werde zwar 
Jarchi genannt, docli nur selten. Aus dem Allen geht klar 
hervor, dass de Rossi weder einen nlten Autor, noch eine 
Handschrift kennt, in der Raschi Jarchi heisst, und er diese 
Benennung lediglich bei Menas.se, Jechiel (Vf. des Seder ha- 
dorot) und Asulai gefunden, die selber keine Stütze in den 
Quellen haben. Wir können ihm noch zwei jüdische Schrift- 
steller, bei denen Jarclii vorkommt, aufweisen: Schabtai 
(Sifte-jeschenim) und Sah Oliveyra. Das besondere Zeugen- 
verhör ergiebt aber folgendes. 

1. Menasse b. Israel sagt nirgend, dass Raschi Jarchi 
heisse, und überall nennt er ihn R. Salomo. Nur de termino 
vitae p. 27 und im Autoren-Register daselbst und von dem 
Buche de fragilitate steht Jarch Seine lateinischen Werke 
schrieb Menasse bekanntlich für das christliche Publikum, 
so wie sie auch christlichen Freunden gewidmet sind : mög- 
lich, dass ihm die in diesen Kreisen übliche Bezeichnung 
einmal entschlüpft ist. Es ist aber bekannt, dass die lateini- 
schen CJebersetzungen seiner Schriften mit Hülfe, wenn nicht 
gar allein von jenen Freunden angefertigt worden sind (vgl. 
Wolf t. 1. p. 780). Auch ist es nicht denkbar, dass ein so 
viel beschäftigter Mann ein und dasselbe Werk binnen wenigen 
Monaten in zwei Sprachen geschrieben und gedruckt (de 
resurrectione 1636, de fragilitate 1642, spes Israelis 1650). 
Nur vor der lateinischen, nicht vor der spanischen Edition 
de fragilitate findet sich das Register mit R. Salomo Jarchi; 
ein Beweis, dass hier eine andere Feder thätig gewesen. 

2. Schabtai weiss in seinem Commentar zu Raschi nichts 
von Jarchi, auch führt er diese Benennung in seiner Biblio- 
graphie (Amsterdam 1680) nirgends anders, als im Ver- 
zeichniss der Autoren auf, wo unter der Rubrik „Salomo 
Jarchi b. Isaac aus Troyes" auf Raschi's Schriften und auf 
das Leschon liramudim von (dem Jüngern) Salomo (b. Abba- 
raare) Jarchi verwiesen wird. Er folgte Buxtorf und Barto- 
locci, aus denen er schöpfte, und in der .Meinung, jene beiden 



— 103 — 

Schriftsteller seien eine und dieselbe Person, wusste er sieh 
nicht anders zu hellen, als dass er Jarchi in den Namen ein- 
schob. Ohne Zweifel benutzte er auch den Catalog der 
Leydener Bibliothek (1674 in 4.), woselbst das Verzeichniss 
der hebr. Manuscripte (p. 276) mit R. Salomon Jarchi 
anhebt. 

3. Sal. Oliveyra hat im Darke noam (Am^t. 1683 f. 45, 
b.) folgende Worte: 6^:^72 ^^■^^ ^m^ N-^pj) nb^Vn IIXD ^li-l 
Offenbar eine Anmerkung, die er halb aus Schabtai's Werk 
— das er besungen, — halb aus l'Empereur geschöpft. 

4. R. Jechiel hat im historischen Theile des Seder ha- 
dorot seinen Vorgängern nachgeschrieben, und f. 52 b. aus 
Schabtai's Register das Jarchi in den Text gebracht. 

5. Asulai hat im Sehern hagedolim Th. 2. f. 76a. fol- 
gendes: „Auch dünkt mich, in einem alten Buch (NITHj 
jl^lp ^.ZD2 \"T'i<1ki') gesehen zu haben, dass es Raschi Rabbenu 
Schelomo Jarchi nennt; so steht auch im Auszuge des Semag 
f. 38 b. Es scheint, Raschi oder sein Vater war ursprüng- 
lich aus Lunel, daher nannten sie ihn Jarchi. Auch heisst 
er so im Seder hadorot." 

Diese Aussagen ergeben folgendes Resultat: 
a) Sämmtliche 5 Zeugen haben nur an einzelnen oder 
einzigen Stellen Jarchi für Raschi, Avelches letztere stets herr- 
schend bleibt: b) bei dreien kommt jene Benennung ohne 
weitere Bemerkung vor, wobei der eine (Menasse) nicht ein- 
mal als Urheber zu betrachten ist; c) die zwei andern jener 
drei vSchabtai, Jechiel) sind nur als einer zu betrachten, der 
christlichen Werken nachgeschrieben; d) die beiden letzten 
behaupten oder vermuthen, dass Jarchi mit Lunel zusammen- 
hänge, Avelches der eine gewiss aus L'Empereur entlehnt, der 
andere vermuthet hat, da Serachja Levi aus Lunel auch 
dieserhalb sich des Ti"!'' bedient, was Asulai selber anderswo 
(Schem hagedolim Th. 1. f. 20 etc.) bemerkt; e) nur Asulai 
ist unter Allen derjenige, der zwei ältere Autoritäten anführt; 
und f) beide haben das berufene Jarchi wiederum nur an 
einzigen Stellen. 

In diesem Stadium der Untersuchung fallen bereits einige 
Behauptungen de Rossi's zu Boden, nämlich: dass Menasse 
„vielmal" Jarchi hat; dass diess sich in einem alten ,, Codex" 



— 104 — 

(catal. Mscr. 1. 1) finde; dass die „beiden'' Bibliographen 
Raschi mit dieser Benennung bezeichnen, — indem Jarchi 
nur einmal in einer lateinischen Schrift Menasse's zu finden 
ist, Asulai sich lediglich eines alten Buches erinnert, und nur 
wieder auf Seder Hadorot sich beruft, jedoch nicht selber 
den Autor unter Jarchi aufführt. Ist es nun nicht befremdend, 
dass das gesammte Alterthum nichts von diesem Jarchi weiss, 
bis er plötzlich nach einem halben Jahrtausend auftaucht? 
Der Verfasser des Semag mit seinen Lehrern, CoUegen und 
Schülern, sämmtlich französische Juden aus Paris, Coucy, 
Evreux, Falaise, Pontoise, Sens etc. (vergl. meine addita- 
menta im catal. codd. mscr. Lips. etc. p. 315 u. ff.) schreiben 
stets und unzählige mal rabbenu Schelomo, rabbenu Schelomo 
Isaaki, Raschi; und ein einziges Mal fiel jenem ein, Jarchi 
hinzuzufügen? Wenn irgendwo, dürfte man hier emendiren. 
Glücklicherweise ist es uns aber erspart, denn im ganzen 
Semag steht nirgend Jarchi, vielmehr Isaaki (ed. 1547. f. 14. 
c; ed. 1522. Bogen 2. Bl. 6. c. Verbot 65), folglich auch 
nicht im hundertvierzigsten Verbot. Nur im Auszuge des 
Semag ist es zu finden, welcher Auszug nicht, wie Asulai 
(ib Th. 1. f. 54a.) meinte, von R, Moses aus Coucy ist, 
sondern von — Sebastian Münster (s. Wolf. t. 2. p. 1365), 
dem man auch Compendien aus Josippon und aus R. Elia 
Misrachi's Arithmetik verdankt, und welcher der erste zu 
sein scheint, der ''t^""l in Jarchi auflöste; siehe seine üeber- 
setzung von perek schimmuschim (Basel 1527) §§ 5. 9., wo 
R. Sal. Jarchi statt "'l^l steht, welches er vielleicht aus dem 
Yarhii OT\''V) des lateinischen Mikne Abram (Vened. 1523) 
geschöpft. Dort wird nämlich ''t^""l stets mit R. Salomo ge- 
geben, also das "' unübersetzt gelassen, während "'TiT Hüb^ '""i 
(der Grammatiker) R. Sal. Yarhii lautet. So war es leicht, 
diese Bezeichnung auf jene Abbreviatur zu übertragen, obgleich 
übersehen worden ist, dass ebendaselbst (strata 26, Bogen 9. 
Bl. 7) 'pm^ nüh^ 1:^21, womit der Commentator Raschi be- 
zeichnet wird, ebenfalls nur durch R. Salomo übertragen 
wird, folglich das nicht ausgedrückte "* eben "'pnii^ ist. Jetzt 
bleibt noch das alte Buch, auf das Asulai sich beruft, fast 
nur als halber Zeuge, wie denn Asulai manches sich nur 
flüchtig und auf Reisen angemerkt hat. Sehr wahrscheinlich 



- 105 — 

hat er eben das Mikne Abram iu Händen gehabt, und da er 
Raschi und R. Sah Jarchi auf einem Blatte fand, bestärkte 
ihn dies in der Vermuthung, zu Seder Hadorot und Kizzur 
Semag einen dritten Gewährsmann gefunden zu haben. 

So verschwinden die alten Autoren und die Bibliogra- 
phen mit ihrem Raschi-Jarchi, von welchem vor Münster nir- 
gend eine Spur ist; Reuchlin kennt nur Salomo Gallus, oder 
Trecensis is. die Anmerkung 2 in Friedländer Beiträge zur 
Reformationsgeschiciite. S. 58), und Capito (institutiones 
hebr., Strassburg 1525. f. 58. a. u. sonst) schreibt: R. Salo- 
mon. Aber aus jenem ersten Irrthum entstand ein zweiter: 
man machte Raschi zum Verfasser des Leschon Limmudim, 
— welches de Rossi mit Unrecht dem Balmes aufbürdet. 
Nachdem seit Buxtorf der Name Jarchi für Raschi allgemeine 
Verbreitung gefunden, glaubte L'Empereur entdeckt zu haben, 
dass R. Salomo Cohen in Lunel (Benjamins Reisen) Raschi 
sei, und er seinen Namen Jarchi von Lunel habe. Nun 
wurde Raschi nach Lunel und zugleich in ein späteres Jahr- 
hundert verlegt, wodurch beiläufig bemerkt die Behauptung 
des Schalscheleth vom Zeitalter Raschi's, und somit der Ver- 
fasser selbst ein unverdientes Ansehen erhielt. Nach dem 
Jarchi -Lunel- Gerede nannte Basnage Raschi le Luuatique 
(bist. t. 8. p. 422, t. 9. p. 149), was die allg. Welthistorie 
(Th. 28. S. 390, 415, 442) zu erzählen bewog, dass Raschi 
sich selber den Mondsüchtigen genannt habe. So hat R. 
Salomo nach und nach Namen, Vaterland, Zeitalter und die 
nächtliche Ruhe eingebüsst. Wem fällt hier nicht das be- 
kannte: eine Sünde führt eine andere herbei, ein? Die den 
Namen Jarchi führenden Männer gehören der Provence an, 
und es wäre Zeit, diese Verfälschung des Namens auf Raschi's 
Unkosten für immer zu beseitigen. 



C. Anmerkungen zu Tholuk: de ortu Cabbalae. 

(Tholuks Litterar. Anzeiger 1838 No. 15). 

„Zu S. 11.: Ueber Jalkut Schimeoni ausführlicher bei 
Zunz S. 295 — 303., wonach der Sammler — nicht der Ver- 
fasser — um das Jahr 1240 oder vorher lebte. Rapoport 



— 106 — 

versetzt ihn in das Jahr 1100. — Zu S. 12.: Kiinitz ist in 
Ben-Jochai (Wien 1815) ge^en Jacob Emden und für die 
Aechtheit des Sohar aufgetreten; dagegen aber Rapoport (s. 
Nathan Anm. 20. S. 33.) und Reggio (Bechinat-Hadat'i. 
Wien 1833 fin.). — Ibid. Der Verl', des Buches Emunoth 
ist nicht Schemtob Ben Joseph — wie Wolf und de Rossi 
haben — sondern Schemtob Ben Schemtob, gestorben A. 1430. 
Der erste übrigens, der des Bahir gedenkt, ist Rabbi Tod- 
ros Halevi Ben Joseph, der etwa A. 1260 — 1270 sein 
"l^rn "li'lN schrieb. Dasselbe oder ein sehr verwandtes Buch 
citirt aber schon Nachmanides unter dem Namen Midrasch 
(s. Zunz. S. 404.). — Ibid. ad librum Jezira. Es könnte aber 
die ganze Gemarische Stelle erst dem Geonäischen Geiste 
angehören; s. Aehnliches bei Zunz S. 129. 141. vergl. Ra- 
poport Nathan S. 72. 74. — Zu S. 13.: Der Ideengang und 
die Redensarten, insonderheit die grammatische Eiutheilung 
der Buchstaben sind entscheidend, s. Zunz S. 165. Anm. f. 
Nicht bloss das Vorhandensein des Wortes "T'^X, sondern die 
Vorstellung davon ist zu erwägen, s. ibid. — Zu S. 14.: 
Jachia ist später als A. 1500 geboren. — Ibid. Die Stelle 
y""lJ findet sich in allen Juchasin-Ausgaben. — Ibid. . Die 
Stelle "i'-D nJti'D u. s. f. ist, wie Morinus richtig bemerkt, aus 
Schalschelet (ed. Venet. f. 31. b. u. f.), aber deren Inhalt aus 
Juchasin (Ed. Constantinop. p. 283.) geschöpft. In der 
vierten Reihe heisst es "IDIjH (dictus vel laudatus) nicht 121"! H. 
Die Schlussworte j'^Du^WD n^l"!?^! bedeuten: er hatte eine 
zahlreiche Familie. Davon steht übrigens im Juchasin 
nichts. Ueber das Verhältniss Moses de Leon's zum Sohar 
ist noch viel von Rapoport (Hai Anm. 17.) zu erwarten. 
— Zu S. 16.: Der Ausdruck n*lD:i am Schluss der Mischna 
Aboth beweist nichts; denn es kann die ganze Stelle jüngere 
Zuthat sein oder es ist bei diesem so viel abgeschriebenen 
Buche unvermerkt Gemara für Talmud eingeschlichen, vergl. 
Zunz S. 43. — Zu S. 23.: Aristotelische Sachen sind höch- 
stens seit der Mitte des elften Jahrhunderts hebräisch dage- 
wesen. — Ibid. Recanate, der spätestens der ersten Hälfte 
des 14. Säculi angehört, commentirt bereits den Sohar (vergl, 
Zunz S. 40G.\ so dass also das 15. Säculum gar nicht in 
Betracht kommt. — Zu S. 25. Note**): Abraham ben David 



I 



— 107 — 

ist beinahe 100 Jahre vor Moses de Leon gestorben und ein 
anderer als der Autor des Akidat. — Ibid. Die Kabbalisten 
lebten von ungefähr 1150 bis 1580. — Zu S. 26.: Statt 
Vi dal ist zu lesen Vital. — Abraham Ben Chija war kein 
Kabbaiist. — Juda der Fromme war aus Regensburg oder 
Speier, und Eiasar — nie Elieser — aus Worms. — Abu- 
Harun (wie auch Delitzsch prolegg. ad Migdal-Os p. VII. 
schreibt, der zugleich sagt, durch die Calonymos sei die Kab- 
bala nach Deutschland gekommen, und sich auf gegenwärtige 
Stelle beruft) ist eine Conjectur Rapoports. Aber in dem 
Manuscripte Elasar's, woraus die Quelle Rapoports schöpfte 
und VZN druckte, steht ^^J2"1. Also heisst es R. Aaron ben 
Samuel. — Zu S. 27.: Chananja Ben Isaac ist sicherlich 
Honain, wie schon Dukes (Ehrensäulen Wien 1837. vS. 28. in 
der Note) erwähnt." 



D. Aus Briefen in Geigers Jüdischer Zeitschrift. 

Bd. 6. S. 69, 76, 306. 

Berlin, 29. Januar 1868. 
Obgleich Zappert's Schlummerlied schon vor 10 Jahren 
und Jaffe's Aufsatz über dasselbe (Haupt' s Zeitsclu-ift 1867 
S. 496 — 501) vom 6. Februar 1867 bereits gedruckt ist, 
dürfte mein beifolgender Brief nicht ohne Interesse sein; 
vielleicht gönnen Sie demselben ein Plätzchen in dem nächsten 
Hefte Ihrer Zeitschrift. 

Aus meinem Briefe an Hrn. Prof. Dr. Jaffe, 4. Februar 1867. 
Zu der Thesis, dass manchem Akademiker jüdische 
Geschichte und Literatur, wenn ihre Kenntniss aus Schriften 
von Juden zu haben ist, fremder als baskisch und gleich- 
gültiger als kalmückisch ist, liefert der Bericht über das an- 
geblich altdeutsche Lied , welchen die Akademie in Wien 
sich hat erstatten lassen, den neuesten Beleg. Abgethane 
Sachen, z. B. wie Pfaffen und Pöbel mit hebräischen Büchern 
umgegangen, bedurften höchstens einer Hinweisung auf meine 
synagogale Poesie S. 18, 30, 31, 37, 43, 46, 49, 52. Dass 
Mido (bei Wilken) nicht Metz sondern Rameru ist, wie 



— 108 — 

Epbraim aus Bonn, der Zeitgenosse R. Jacob Tam's, aus- 
drücklich meldet, bat man schon vor zehn Jahren in Emek 
habacha gelesen. Dafür weiss der Bericliterstatter anderes, 
das dem jüdischen Altertbum unbekannt ist, z. B. von dem 
Unterricht im Hebräischen, den im zehnten oder elften Jahr- 
hundert deutsche Juden Geistlichen ertheilt haben. Die he- 
bräische Sprache war aber in jenen Zeiten und Ländern der 
nichtjüdischen Bevölkerung völlig unbekannt; dies beweist 
vor Allem die rückhaltslose Sprache vieler piutischen Stücke, 
als: das Rahit von Kalonymos, welches Wülfer und Eisen- 
menger erst wieder aus Handschriften entdeckten, das mäch- 
tige ns"inb Dinn (Ritus S. 10. 98), viele Hoschana's, Lieder 
und Selicha's. Wie kommt ein Apostat dazu. Uebungen an 
einem heidnischen Liede anzustellen? wie reimen dazu die 
abgerissenen Worte aus den Proverbien ? Wenngleich fremde 
mythologische Namen schon seit der persischen Epoche in 
die hebräische Engellehre eingedrungen und man im Mittel- 
alter griechische Götternamen in kabbalistische Schriften ein- 
geschwärzt hat, so ist doch der Versuch dergleichen Namen 
durch biblische zu erklären erst seit der Keige des 15. Jahr- 
hunderts bekannt, als fremde Literaturen spanischen und 
italienischen Juden geläufiger wurden. Von Assimilationen 
wie P-ti* (Zappertl) u. drgl. wusste Niemand etwas vor 
acht oder neunhundert Jahren, eben so wenig als von einer 
oberen Vocalisirung oder von einem alfabetischen Wörter- 
buche: jene Vocalisirung war im Osten des Chalifenreiches 
zu Hause und siebet anders aus, als uns hier, wo bekannte 
Vocalzeichen oben statt unten angebracht sind, vorgemalt 
wird. Alfabetisehe Anordnung von masoretischen oder tal- 
mudischen Gegenständen ist erst im neunten, lexikalische 
von Sprachwurzeln erst im zehnten Jahrhundert und zwar in 
Persien und Spanien gebräuchlich geworden; ein Deutscher 
wusste damals von beiden nichts. Die Uebungen in den 
hebräischen rarÜces verweisen sich demnach sammt ihrem 
deutschen Texte in das neunzehnte Jahrhundert. 

Berlin, 16. Februar 1868. 

Dr. Levy hat mich in der deutsch-morgenl. Ztschr, 
Bd. 21 S. 157 zu schnell corrigirt: Vermuthlich fehlen der 



— 109 — 

dortigen Inschrift 16 oder 17 hundert Jahre, vielleicht noch 
mehr; der Styl verweist dieselbe in das 15. oder 16. Säcu- 
lum; vielleicht ist Hj^^* in mii' = 900 zu emendiren. 

Berlin, 28. August 1868. 

Wenigstens 50 Autoren haben, was mich angeht, sich 
gegen ihre Leser versündigt, da sie theils schweigend mich 
ausgeschrieben, theils redend mich ignoriren. Zu letzteren 
gehört der Halberstädter Rabbiner Dr. Auerbach, der in 
seiner Geschichte der dortigen jüdischen Gemeinde behauptet, 
ich schriebe „Mardechai^'. Er meint die Veitsche Bibelüber- 
setzung; allein in allen meinen Büchern, seit A. 1822, ist nur 
Mordechai zu lesen: Mardechai in Ihrer Zeitschr. B. 4. S. 203 
ist ein Druckversehen. Bald nachdem ich, älteren Autoritäten 
folgend, den Vater des L22"t^*l Tobia genannt (gott. Vortr. 
S. 393), wusste ich den richtigen Namen Natronai, derselbe 
findet sich bereits A. 1845 in meinem Buche Zur Geschichte 
S. 33 und 205 (vgl. Liter, der syn. Poesie S. 259 Anm. 3), 
wie A. 1857 schon Landshuth (onomasticon S. 21) bemerkt. 
Und Auerbach wundert sich (Berit Abraham S. 19) im Jahre 
1860, dass ich in meinem Irrthum beharre! (vgl. hebr. Bibliogr. 
[1860] N. 17 S. 83.) In seiner Ausgabe des Eschcol hätte 
die Einleitung noch Platz gehabt, meines Aufsatzes in Ihrer 
Zeitschrift B. 2 zu gedenken, zumal ich dort S. 307 schon 
vor 30 Jahren erörtert habe, dass Abraham b. Isaac in Nar- 
bonne zu Hause war; über das ihn beunruhigende andere 
Eschcol findet der Herausgeber das Richtige in meinem Nach- 
trag (1867) S. 46. In seinem Eschcol Th. 1 S. 29 steht eine 
Note über ,,Wehishir"; diese ist nach meiner ausführlichen 
Abhandlung in Steinschneiders hebr. Bibliographie B. 8 
S. 20 — 26 halb fehlerhaft und halb überflüssig. Eben daselbst 
S. 64 würde nur ein Hinweis auf Ritus (S. 106 — 108) und 
Literaturgeschichte (S. 178 — 186) das D""!!"! für Abiturs Dich- 
tungen begründet haben. Eben so hätte S. 68 bei Elasar 
Alluf mein Ritus S. 190 notirt werden sollen. Th. 2 S. 6 ist 
übersehen, dass Scherira's Gutachten in D''DDn nü12p S. 106 
u. f. abgedruckt und dort das fehlerhafte "'"'110 in "'"'"ItD ver- 
bessert ist (Literat, d. syn, Poesie S. 23); über ''l'^^'l^ war das 
nöthige bereits in der syn. Poesie (1855) zu lesen. S. 30 



— 110 — 

wäre die Verschlechterung von "DwC "12'p unterblieben, wenn 
man meine Literaturgeschichte S. 15 gekannt hätte: eben so 
würde S. 67 bei Gelegenheit der Abbreviatur für die Haftara's 
eine Hinweisung auf die gott. Vorträge S. 189 dem Leser 
keinen erheblichen Schaden zugefügt haben. Dass übrigens 
Herr Auerbach nicht untrüglich ist, ist bereits in meiner 
Literaturgeschichte (S. 274 Anm. 10, S. 619 unten) nach- 
gewiesen. 



E. Aus einem Briefe. 

(Geigers Jüd. Zeitschrift Bd. 10 [1872] S. 149 u. f.) 



Und seitdem „gebildet" den ersten Rang unter den 

empfehlenden Eigenschaften eingenommen, haben auch ge- 
bildete Juden sich beeilt die hebräische Sj3rache zu vergessen, 
biblische Namen abzulegen, sich mit katholischem Lichtge- 
pränge von ,, Geistlichen" trauen und auf jüdischen „Kirch- 
höfen" begraben zu lassen. Bereits fürchten sie sich zu 13 
zusammen zu sitzen, oder etwas am Freitag zu unternehmen 5 
an Weihnachten werden die Kinder beschenkt, die am Pe- 
sachfeste „Osterkuchen" zu essen bekommen. Dieselben Gebil- 
deten bedienen sich in Rede und Schi'ift des Wortes Jehova, 
obwohl dasselbe eine Missgeburt ist. Als Christen hebräisch 
lesen lernten und unter dem Tetragrammaton die Vocale von 
Adonai fanden, lasen sie Jehova^ das so in die europäischen 
Sprachen eingeführt wurde, während umgekehrt jene Vocale, 
von dem unaussprechlichen Namen zurückhaltend, gerade 
die Aussprache Adonai bezweckten. Aus diesem Jehova 
haben denn auch Zunfttheologen eine Art Jupiter oder jüdi- 
schen Nationalgott fabrizirt, den' sie „ihren Jehova" heissen, 
ihn in der Rüstung der Werkheiligkeit, des jüdischen Glau- 
benshasses ihren Gläubigen vorgeführt, mit pharisäischem 
Sauerteig zureciit gemacht, damit man vergesse, dass sie die 
erhabensten Lehren über Gott aus dem Judenthume, von 
Juden und aus hebräischen Schriften erhalten haben. Ebenso 
hat Prof. Er d mann im März 1869 das „Vergessen und 
Vergeben" dem Gotte des Christenthums vindicirt, während 



— 111 — 

schon Luthers Bibel als Quelle die drei Stellen Jesaia 43, 25, 
Jeremiä 31, 34 und Ezechiel 33, 16 anmerkt Sie sehen, das 
Vergessen greift um sich; dieses Leiden sucht insbesondere 
frisch Bekehrte auf, sie vergessen was Andere und was sie 
selber früher gesagt haben. Sonst würde wohl auch der 
Verfasser des im J. J867 in London erschienenen Buches 
Massoreth, bei der Erwähnung von Asaria de' Rossi, Raschi, 
Midrasch und Meir Spira (das. S. 52, 105, 159, 257), auf 
meine Schriften verwiesen haben. 

Judenhass und Judenverachtung ist überhaupt kein Vor- 
recht der Orthodoxen oder der protestantischen Jesuiten; es 
glänzen damit Literati aller Gattungen. Grube' s Geschichts- 
bilder sprechen von Juden nur verächtlich. In Benseler's 
griechischem Wörterbuche für Schule ist i'OvJMog ein Mensch, 
der kein Schweinefleisch isst. Web er' s Lehrbuch der Welt- 
geschichte nennt eine biblische Geschichte mit Jehova u. s. 
w. Geschichte der Juden, die übrigens dort terra incognita 
ist. Von jüdischen Autoren werden ausser Philo und Josephus 
7 des Mittelalters, 3 der neueren Zeit genannt. Von Asaria 
de Rossi, Bloch und Steinheim weiss dieser Jugendlehrer nichts. 



IX. 

Beurtheilungen und Anzeig'en. 

A. Beurtheilung von Herzfeld's Kohelet. 

(Israel. Ann. 1839. Nr. 13.) 



Nicht befriedigt von den bisherigen Ansichten über das 
schwierige Buch Kohelet ging der Verf. an dasselbe, ohne 
Beistand der Subsidien, nur in der Concordanz mit selbst- 
ständiger Beobachtung vergleichend, und erst bei allmähligem 
Fortgange zog er die Verstärkung der Hülfswerke an sich 
unter welchen besonders K nobel hervorgehoben wird. Und 
das von tüchtigen Kenntnissen unterstützte, besonnene Stu- 
dium des Verf.'s hat eine Art Arbeit geliefert, die durch be- 
rühmte Vorgänger nicht überflüssig gemacht wird. Die haupt- 
sächlichste Aufgabe, die der Verf. sich gestellt, war, den Zu- 
sammenhang im Kohelet nachzuweisen, und zwar ausführlich 
in dem Commentar, übersichtlich in kurzen den einzelnen 
Abschnitten vorangeschickten Summarien und zunächst in der 
Einleitung (bis S. 23). Diese Einleitung verbreitet sich über 
Inhalt, Tendenz und Charakter des Kohelet. Den Inhalt be- 
treffend, so bestimmt der Verf. die 25 mal gepi'edigte Nich- 
tigkeit (Eitelkeit) der Dinge, als die Unfähigkeit des Menschen, 
durch sich allein Frohsinn und Erdengüter zu erlangen. 
Demgemäss zeige Kohelet 1) das ewige Einerlei (1, 1 — 11) 
und stelle vorweg das Ergebniss auf, dass alles menschliche 
Grübeln und Streben fruchtlos sei (1, 12 — 18). Hierauf wird 
dargestellt 2) wie unbefriedigend der Genuss (2, 1 — 11), wie 



— 11.^ — 

vergeblich die Klugheit sei (2, 12. 7, 22), unrl mii dem Klage- 
ruf 7, 23. 24 diese Beweisführung geschlossen. Nun folgt 
8) die Schilderung der sittlichen Uebel, die mit 10, 4 eine 
ti'östlichcre Wendung nimmt. Es wird gelehrt, dass der 
Mensch viele Uebel selber verschulde und manches Gute sich 
bereiten könne. Aber den wirklichen Trost gewähre erst 
4) der Schluss (12, 9 — 14) von der Gottesfurcht und dem 
vergeltenden Gericht. Nichtsdestoweniger schwanke Kohelet 
im Laufe seiner Betrachtungen hin und her zwischen Fata- 
lismus und Annahme einer moralischen Weltordnung (S. 5). 
— Die Tendenz Kohelet's sei, durch Darstellung des mensch- 
lichen Elends die Juden zu trösten, dass es nicht ihnen allein 
unglücklich ergehe (S. 10. 11). Aber eine solche Erfahrung 
tröstet eben so schlecht, als jenes Schwanken beruhigt. Wen- 
den wir uns einen Augenblick zu einem älteren Denker, 
R. Asaria de Rossi, hin, so vindizirt derselbe (Meor enajim 
c. 15) unserm Buche den Lehrsatz, dass der Mensch unfähig 
sei, in dem was geschieht das Wahre zu begreifen; was er 
preise sei eitel, was er meine thöricht, und er müsse sich in 
den Willen des göttlichen Richters ergeben. Hiernach musste 
Kohelet allerdings die Güter des Lebens nach ihrem wahren 
Werthe zeigen und den Menschen eindringlich machen, wie 
wenig sie auf ihre Kräfte sich einzubilden haben, auch ihr 
Verstand helfe nichts, zumal über die ewigen göttlichen Fra- 
gen. Das Schwanken fällt mithin nicht Kohelet zur Last, 
sondern dem Menschen, der von Gott unabhängig sich sein 
Erdenglück zusammenbauen und zusammendemonstriren wolle. 
Allerdings nun ist dasjenige, was den Volkslehrer Kohelet, 
einen Mann von so tüchtiger Lebensanschauung, zu solchen 
Betrachtungen zwingt, ein geschichtliches Moment; es ist das 
tiefe Weh seiner Zeit und seines Volkes. „Die dumpfe 
Trauer und tiefe Schwermuth, welche sich durch das Buch 
ziehet, war niclit dem Verf dieses Buches allein eigen, als 
vielmehr seiner Zeit; in keiner früheren Schrift wird dem 
Menschen so bestimmt und so allgemein aller Dünkel und 
alle Einbildung ausgezogen, und durch keine andre geht ein 
solcher Schrei edler Entrüstung über alles Eitle in der Welt" 
(Ewald, Kohelet S. 180. 182). Jenes Weh zu mildern durch 
Belehrung über den wirklichen Werth der irdischen Dinge, 

8 



— Ii4 — 

das gleiche Gesciiick Aller, und das Gericht Gottes ist mithin 
der Zweck des Buches, in welchem nur Einzelnes, nicht das 
Ganze, mit horazischer Lebensweisheit — wie H o c h ' s deutscher 
Salomo, Carlsruhe 1827, thut — vergleichbar ist. — Den guten Be- 
merkungen über Kohelet's sprachlichen Charakter fehlt insofern 
eine sichere Grundlage, als uns der Verf. über die Autorschaft 
Salomo's im Dunkeln lässt, über das Alter wie es scheint, selber 
ungewiss. Auchreduzirt er die jüngeren Hebraismen auf etwa elf, 
die Chaldaismen auf zehn Ausdrücke. Indess darf noch anderen 

(yzn s. 13. |;pV' P-^t' S. 15., nnj, D^L:i?c s. 18. d-i^d s. 19. ^pr^. 

S. 20) die Jugend nicht abgesprc chen werden, insonderheit nicht 
dem prosaischen alltäglichen Gebrauche des — ti'. Mehr als die 
dreissig einzelnen Belege von jüngerm Hebraismus — wozu 
nach dem Verf. S. 43 noch v mcy kommt — beweist die 

T : T 

Annäherung an das Phönizische der nächsten vorchristlichen 
Zeit und an den Dialekt der Mischna, zu welchem unser 
Buch, Daniel und die Tefilla, vorbereitende Instanzen bilden. 
Eben so entscheidend ist der Charakter des Stils und der 
Ideen; dass stoische Lehren im Kohelet durchblicken, läugnet 
der Verf. nicht (S. 4, 7), und Aben Esra mag Recht haben, 
dass das Buch von den vier Elementen weiss (8. 28. 29). 
Kohelet wird also wohl jünger sein als die Zeit des ersten 
Tempels (s. Saal schütz in Ilgens Zeitschrift 1837. Heft 4. 
S. 36), als das letzte Jalirhundert der persischen Monarchie 
(Ewald a. a. O. S. 178), und vermuthlich auch als das dritte 
vorchristliche Säculum (vergl. Zunz Gottesd. Vorträge S. 304 
u. f.), in welchem bereits ein Einfluss der Stoiker in Babylon 
und Alexandrieii bemerklich ist. — Den gründlichen Com- 
mentar empfehlen wir jedem Lernbegierigen, wenn auch über 
Einzelnes, worauf aber hier nicht eingegangen werden kann, 
noch zu streiten ist. Der „so lang verkannte'^ Sinn von 
Deuteron. 20, 19 findet sich bereits ausgedrückt in der unter 
der Redaction des Ref. erschienenen Uebersetzung der heiligen 
Schrift (Berlin 1838, Veit & Comp.). Die Uebersetzung ist 
sehr deutlich, aber in einigen Fällen die Auffassung gewagt, 
z. B. 3, 17 urtheilt er (D^) at dort; 5, 3 Bereitwilligkeit 
iy^r}) St. Verlangen; 10, 1, wo das Oel zum Subject des 
Satzes erhoben wird. Als Probe folgt hier Kohelet 5, 7 — 11 



— 115 — 

aus der Uebertragung des Verfs. und daneben noch drei neue 
Uebersetzungen : 

Herzfeld. 

Wenn du Unterdrückung eines Armen und die Ent- 
wendung von Gerechtigkeit und Recht im Lande siehst, so 
erschrick nicht über die Sache, denn ein Hoher wacht über 
den Hohen und Höhere über sie; der Gewinn eines Landes 
geht aber erst durch Alle hervor, der König ist dem Felde 
unterthan ! Wer das Geld liebt, wird ja nicht satt des Geldes, 
und wer grossen Schatz liebt, nicht des Ertrages — auch das 
ist Nichtigkeit. Wenn sich das Gut vermehrt, vermehren sich 
seine Verzehrer und was für ein Glück ist darin für den 
Besitzer desselben, als dass er es siebet "? Süss ist der Schlaf 
des Arbeiters, wenn er wenig und wenn er viel isst; aber 
die Sättigung des Reichen — sie lässt ihn nicht schlafen. 

Zunz u, s. w. 

Wenn Druck des Armen und Vorenthaltung des Rechtes 
und der Gerechtigkeit du in einer Landschaft siehst, wundere 
dich nicht über das Ding, denn ein Hoher, hoch über den 
Hohen wacht, und über ihnen die höchste Gewalt. Aber ein 
Vorzug des Landes ist, dass er überall ist; ein König über 
ein Ackerfeld und es wird bestellt. Wer das Silber liebt, 
bekommt das Silber nicht satt, und wer Reichthum liebt, nicht 
den Ertrag; auch das ist eitel. Ist des Guten viel, sind auch 
der Esser viel, und welchen Nutzen hat der Besitzer, es sei 
denn das Anschauen mit den Augen ! Süss ist der Schlaf des 
Ackerbauers, er esse wenig oder viel; doch der Ueberfluss 
des Reichen lässt ihm keine Ruhe zu schlafen. 

Ewald. 

Wenn du Bedrückung des Armen und Raub des Gerichts 
und des Rechts in der Landschaft siehst, so staune nicht über 
die Sache: denn ein Höherer ist über dem Hohen, und ein 
Höchster über sie; und ein V ortheil des Landes bei alle dem 
ist ein König der Landschaft gesetzt. Wer Geld liebt, wird 
an Geld nicht satt, und wer den Lärm liebt, nicht an Ge- 
winn: auch diess ist eitel! Mehrt sich das Gut, so mehren 



— 116 — 

sich die es verzehren, und welches Glück hat sein Besitzer 
ausser dem Anschauen seiner Augen ? Süss ist des Arbeiters 
Schlaf, mag er wenig oder viel essen, doch des Reichen 
Sättigung, die lä^st ihn nicht schlafen. 

Hoch. 

Siehst du den armen Landmann untergraben, 

Das Recht zum Raub, erstaune nicht! es wncht 

Ein Hoher, über Hohe mehr erhaben, 

Auf Grosse geben Grosse wieder Acht. 

Des Landes Stolz hoch über jeden Stand, 

Ein König ist's in wohlgebautem Land. 

Wer Gold liebt, wird des Golds nicht satt; 

Wie mag man doch den Wust, 

Bei dem man nichts zum Besten hat? 

Welch eine schaale Lust? 

Wo viel an Gut wird aufgesteckt, 

Nagt mancher Mund davon, 

Der Herr darf sehn, wie's andern schmeckt, 

Das ist sein ganzer Lohn. 

Ein Knecht hab' minder oder mehr 

Gespeist, so schläft er gut. 

Der Reiche hat so satt, dass er 

Davor im Schlaf nicht ruht. 

Druck und Papier sind gut. Dem hebräischen Texte 
fehlen die Accente. 



B. Beurtheilung von Sachs' Psalmen-TJebersetzung. 

(Geiger's Wissenschaftl. Zeitschrift Bd. 2 (1836) S. 499—504). 



Angeregt durch Rückert's Uebersetzung eines Theils der 
prophetischen Bücher, hat der Verfasser vorliegenden Werkes 
sich die gleiche Aufgabe für die Psalmen gestellt, „der her- 
gebrachten paraphrastischen Weise, der es mehr um eine un- 
gefähre Relation des Inhaltes, als um die Wiedergabe des 



— 117 — 

Originals nach seiner besondern Eigenthümlichkeit in Gliede- 
rung der Redemassen und Wahl und Gehalt der einzelnen 
Worte zu thun ist, ein eben diesen letztern Anforderungen 
entsprechenderes, getreueres Abbild des Urtextes entgegen 
zu stellen" (Vorr. Anf.). Da jedoch für Auslegung, ja für 
Lexikographie überhaupt, noch Vieles zu thun sei, so sollte 
die Uebertragung hinsichtlich ihrer Form die Eigenthümlich- 
keiten des Originals treu wiedergeben und zugleich durch die 
Art, wie der Text aufgefasst und behandelt wird, ein Versuch 
werden, „erstens zu einer wissenschaftlichen, philologisch- 
strengen Auslegung der Psalmen, aus einer, dem ^Standpunkte 
der Wissenschaft adäquaten sprachlichen Auffassung geleistet, 
und zweitens für eine rationelle grammatische und lexikalische 
Behandlung der Sprache einen Beitrag liefern" (ebend. S. X). 
In dieser letzteren Beziehung mussto der Verf. auf seinem 
Standpunkte, etwas grollend auf die fertigen Rauten bisheriger 
Arbeiter hinblicken, und wenn er in der That zu unmanierlich 
an ehrenwerthen Leistungen rüttelt, wollen wir ihm, der Namen 
und Autorität sich zu erfechten kommt, Dies nicht mit gleicher 
Schärfe vorrücken, zumal da er selbst an die Billigkeit des 
Lesers appellirt, welcher „darin nur eine nicht zu verküm- 
mernde Freiheit des Urtheils sehen wird, und, wo sich diese 
vielleicht über die Grenzen der gelehrten Etikette hinaus- 
verirrt, den Verdruss, dessen sich kein Mensch erwehrt, wenn 
er einen langwierigen Weg umsonst gemacht" (ebend. S. IX). 
Hindernisse und Fährliehkeiten giebt es auf neuen Wegen 
hinlänglich und wenn die Arbeit, was eingeräumt wird, an 
Steifheit und Ungelenkigkeit leidet, so kommt dies, wie die 
Vorrede schiesslich bemerkt, thcils auf Rechnung des Be- 
strebens, dass durch die Uebersetzung zugleich mit für richtige 
sprachliche Auffassung, ohne eingeschobene Zuthat, gesorgt 
sei, theils aus der Freiheit, welche sich gerade in dem Extrem 
des Bisherigen gefiel, um eben von diesem Bisherigen sich 
recht fern zu halten. Das Rechte werde sich bei ferneren 
Versuchen schon einfinden. Zu diesem Bisherigen rechnet 
der Verf. auch sowohl höhere als niedere Kritik. Daher ist 
nirgend der historische Standpunkt berührt, nirgend auch nur 
die leiseste Aenderung des masorethisch festgestellten Textes 
versucht. Der Uebersetzung, die durch sich selbst das Ver- 



— 118 — 

ständniss gewähren soll (vgl. Anmerk. zu Ps. 7), sind nur da 
Anmerkungen beigegeben, wo es die Schwierigkeit des Ori- 
ginals und die Abweichung bisheriger Exegese geboten. Dies 
ist bei 54 Psalmen der Fall, nämlich bei 32 der ersten beiden 
Bücher (Ps. 4. 8 bis 12. 16 bis 19. 22. 24. 28. 30. 32. 35. 36. 
40. 42. 43. 45. 48. 49. 55. 58. 59. 62 bis 64. 66. 71. 72), 9 
der beiden folgenden (Ps. 73. 75 bis 77. 81. 82. 87. 88. 94), 
und 13 aus dem letzten Buche (Ps. 102. 108 bis 110. 119. 
139 bis 141. 143, nehst den iu der allgemeinen Anmerkung 
über die Stufenlieder S. 190 berührten Ps. 120. 123. 129. 133). 
Der Anmerkungen zu Ps. 68 enthielt sich der Verf , da dessen 
mitgetheilte Uebersetzung von Rück er t eingeschickt worden ; 
eine Erläuterung zu Ps. 141 ist von Arn heim, dem Ueber- 
setzer des Hiob. Aus obiger Uebersicht ergiebt sich das 
Verhältniss der schwierigen zu den leichten Stücken, zugleich 
das Gebiet, wo der Verf mehr als anderswo selbstständig 
auftritt und sich zu behaupten hat. Bei einigen Psalmen (8. 
16. 17. 32 45), die als besonders schwierig geschildert werden, 
bekennt der Verf, dass er sich nicht genüge und mit dem 
Gegebenen nicht zufrieden sei (s. Ps. 16. 17. 32. 36 Y. 2). 
Sicher wird er Manches als gezwungen und unerwiesen selbst 
später aufgeben, z. B. dass die Kinder und Säuglinge in 
Ps. 8 auf David, und das ganze Bild auf dessen Ueberwin- 
dung des Goliath sich beziehe, dass Ps. 17, 4 Tncti' ein 
Optativ sei, während derselbe Modus in Ps. 63, 3 "l'TT'Tn 
richtig abgewiesen wird; dass Ps. 32, 6 ^uti'7 p1 u. s. f. 
interrogativ zu nehmen und im 49. Ps. die Unsterblichkeit 
„deutlich und offenkundig" (S, 71) ausgesprochen werde. 
Ps. 42, 7 behauptet der Verf. ohne Grund, "li/lsO "in sei Zion 
oder Horeb. Die Festhaltung an den überlieferten Text 
scheint Ps. 43, 6 bei der Erklärung von VJD myiti'"' zu weit 
getrieben. Nach Herrn Sachs hat der Psalmist hier absicht- 
ich "i''J?, und nicht ""jS, wie in den beiden andern Strophen, 
gesagt (S. 61). Ps. 40, 8 wird kühn interpretirt, „sieh ich 
erscheine mit der Rolle d<^s Buches, geschrieben auf mir," 
d. h. ich selber komme als Buch, als Geretteter, auf welchem 
die göttliche Macht lesbar geworden. Aber ist dergleichen 
poetisch oder nach dem Standpunkte der Psalmisten zu recht- 
fertigen? Ehen so dürfte die Auffassung von Ps, 58, 2 D^,i^ 



— 119 — 

(soll ich v^.rstummen) nur sinnreich sein, wahrer aber, was 
hierüber Ewald (die Psfilmen S. 226) mittheilt. Einige be- 
sonders herausgehobene gut-i Erklärungen finden sieh bereits 
bei Raschi (Ps. 4, 9 V'^b, 16, 4 i"^nc von ino), David Kimchi 
(vgl. Ps. 58, 10), Mendelssohn iPs. 4, 7 mDj\ Doch sol! dies 
hier nur eine gut gemeinte Erinnerung sein, aus Hochachtung 
vor den Masorethen und Rückert sich nie in einseitige Ten- 
denzen zu verirren. Uebrigens ist das Werk die Leistung 
einer selbstssändigen glücklichen Kraft, und möchten wir den 
Wortführern nicht wünschen, vornehm darauf herabzusehen. 
Sehr Vieles muss, als einleuchtend vorgetragen, gut inter- 
pretirt, kräftig wiedergegeben, der höchsten Beachtung em- 
pfohlen werden. Hier nur folgende Proben der Uebersetzung: 

Ps. 17, 3. Prüfst Du mein Herz, musterst Du Nachts, 

Läuteist Du mich: — dass Du nichts fändest! 
Sanr: ich Arges: dass es nicht geh' über meinen Mund! 

Mendelssohn: Mein Herz hast Du geprüft, 

Mit trüber Nacht es heimgesucht; 
Hast mich geläutert, fandest nicht, 
Dass wider Deine Worte 
Ich freventlich auch nur gedacht. 

Ps. 48, 13. 14. Umringet Zion und umlagert es, 
Zählet ihre Thürme! 
Richtet euer Herz auf den Zwinger, 
Market ab ihre Palläste, — 
Auf dass Ilir's erzählet dem nachkommenden 

Geschlecht. 
(ist ironische Anrede an die Feinde.) 

Ps. 49, 6 — 12. ,, Warum soll ich fürchten in den Tagen des 

Unglücks ■? 
Die Schuld meiner Fersen wird umringen mich?" 
Die Vertrauenden auf ihr Vermögen, 
Und mit der Menge ihi-es Reichthums prahlen sie: 
Den Bruder mit Löse lösete nicht der Mann; 
Nicht gab' ^r Gott seine Sül.ne: 
Und es soll theuer sein das Lösegeld ihrer Seele, 



— 1^0 — 

Und er hat Ruhe für ewig 

Und er h'bi für 1er, — 

Für beständig wird er nicht sciiaien das Verderben! 

Ja, er schaut es! 

Weise sterben : 

Allzumal Thor und Dummer kommen um, 

Und lassen Anderen ihr Vermögen. — 

Ihr Sinn ist, ihre Häuser sind für ewig, 

Ihre Wohnungen für Geschlecht und Geschlecht; 

Sie ben nnen mit ihrem Namen ihre Grundstücke. 

Ewald: Warum sollt' ich fürchten, da der Böse herrscht, 
Da der Laurcr Sünde mich umgiebt, 
leerer, die auf ihr Vermögen bau'n, 
sich der Fülle ihres Reiehthums rühmen? 
Sicher doch wird Niemand los sich kaufen, 
Gott sein Lösegeld nicht geben 

— Da so theuer ist das Lösegeld der Seele, 
Dass es fehlt auf immer — 

um zu leben ferner noch, 

nicht zu sehn die Grube: 

nein er wird sie sehen! Weise sterben, 

sämmtlieh Thor und Dummer kommen um, 

lassen Andern ihr Vermögen; 

nein ihr Grab sind ihre ew'gen Häuser, 

ihre Sitze für Geschlecht, Geschlecht, 

— sie die huchgepriesen waren überall! 

Ps. 84, 7. 8. Pilgernde durchs Thal Baka, 
Einen Quell machen sie es, 
Auch mit Segnungen hüllet sich Moreh ; — 
S.e gehen von Zwinger zu Zwinger: 
Er erscheint vor dem Herrn in Zion. 

Ewald: Die ziehend durch das Balsamthal 
zu ein' m Quell es machen: 
Doch deckt's mit Segnungen der Regen: 
sie gelicn fort von Kraft zu Kraft, 
erscheinen so vor Gott in Zion. 



— 121 — 

Ps. 76, 4 — 6. Da hat zerbrochen er des Bogens Blitze, 
Schild und Schwert und Krieg. 
UxDglänzter du, 

Herrlicher von Bergen Raubes! 
Geplündert vvuiden all' die Gewaltigen von Muth, 
Schlummerten ihren Schlaf, 

Und nicht fanden alle Männer der Tapferkeit 

ihre Hände. 

Mendelssohn: Daselbst zerbrach er des Bogens Gefieder, 
Schild, Schwert und Kriegesgerüst. 
O du Mächtiger! verheerender bist du 
Denn reissender Thiere Gebürge! 
Den Tapfersten weichet der Muth, 
Sie sinken hin in Todesschlaf; 
Kein Held weiss seine Hand zu finden. 

In dem angefügten Verzeichnisse der erläuterten (64) 
Wörter und Formen ist D1\~1D (S. 88 Anm.) übergangen, und 
D'^JCb besonders nachgetragen. Hierunter mancher scliätzbare 
Wink, der an Ort und Stelle zu beobachten ist. Hier sei auf- 
merksam gemachtauf D^-ii'np (16,3), ^:t^n (22,30 wie Raschi), 
znp da.^ Verzeichniss (67, 6), ICD (73, 15, wo Ewald a. a. O. 
S. 340 n:mDr emendiren möchte', \~il'7n (77, 11), V~\ ^^^ 
(94, 13) Tag der Strafe, D^:^':' (102, 20) bevor, .Slt^'b NIl^J 
(139, 20j, ^^7P (110, 6i substantivisch. Originell ist der 
Schluss von Ps. 123 nicht als Fortführung des Vorhergehenden, 
sondern als Verwünschung aufgefasst und übersetzt: Schmach 
auf die Hochfährtige» ! Die Arbeit des Herrn Sachs wird 
hoffentlich dazii beitragen, dem unter den Juden etwas ver- 
nachlässigsten Bibelstudium, jedoch nach allen seinen Rich- 
tungen hin, ein frisches Leben mitzutheilen, dessen Regungen 
dann auch in der gesammten Literatur, vornämlich in der 
jüdischen Theologie fühlbar sein werden. 



— \2-2 



C. Beurtheilung von Hamberger's Uebersetzung von 
de Rossi's historischem Wörterbuch. 

(Halle' sehe Literaturzeitung 1839. N. 68. 69). 



De Rossi's dizionario storico clegli autori ebrei 
e delle loro opere (Parma 1802, 2 Bcle in 8.) ist ein Werk 
von unbestrittenem Wertlie und die Deutschen haben in diesem 
Fache kein ähnliches aufzuweisen, Dass ein solches Buch 
erst nach 37 Jahren einen Uebersetzer erhält, müsste be- 
fremden, wäre die Ungunst, über die seit einem Jahrhundert 
die jüdische Literatur zu klagen hatte, nicht et\A'as Bekanntes. 
Jed nfalls bezeugt die vorliegende üebersetzung einen günstgen 
Wendepunkt; aus der wachsenden Theilnahme an jener Lite- 
i'atur hervorgegangen, wird sie deren weitere Belebung gewiss 
fördern. Zwar hat der Standpunkt, den der gegenwtlrtige 
Bearbeiter dieser Wissenschaft einzunehmen hat, seit vierzig 
Jahren sich sehr geändert, und die Anforderungen müssen 
jetzt höher gestellt werden. Da jedoch der Uebersetzer uns 
nicht mehr geben wollte, als sein Original, das nur hie und 
da durch Anmerkungen vervollständigt wird, so können wir 
auch damit zufrieden sein, wenn diese Absicht erreicht, und 
auch nicht weniger gegeben ist. Die Aufgabe ist auch in 
sofern befriedigend gelöst, als im Ganzen genommen richtiges 
Verständniss, eine leichte fliessende Sprache und eine sehr 
korrekte Schreibung der hebräischen Wörter stattfindet. Nur 
hätte der gründliche, geschmackvolle de Rossi eine sorgfältigere 
Feile, eine ehrerbietigere Treue verdient, und der deutsche 
Bearbeiter hätte nicht ohne Bei'uf an seinem Autor ändern 
sollen. An der Spitze solcher willkürlichen Aenderungen steht 
die Confusion der Namen. Das dizionario führt die Autoren 
nach Familiennamen auf, da wo es deren giebt, z. B. Algasi, 
Benbenaste, Perez, Schick, und bedient sich nur selten dazu 
des väterlichen Namens (als Bezalel Chajim st. Chajim ben 
Bezalel); der Uebersetzer aber, um diese Beziehungsweise durch- 
zuführen, erhebt auch noch Titel, Herkunft, Aufenthaltsort zu 
solchen Familiennamen oder er übersetzt den hebräischen 



- 1 23 — 

Namen und *! teilt il)n in zwei Stücke. So erscheint z. B. 
Schemtob als Sc'nem, Abigdor Abraham b. Mesclaillam als 
Ben-Meschullam, Salomo b. Cbanoch ist nuter Chanocli 
zu suchen, Elieser b. Hyrkan unter H y rk a n , Immanuel hat sich 
n Romi verwandelt, Elia der Alte in das hebräische Saken? 
Abraham der Proselyt in das italienische Peregrin o, Simclia 
in das deutsche Freud mann, und manc'ie Autoren sind gar 
zu Städtenamen geworden, und heissen: Hannover, Gar- 
juiza, Mainz, Metz, Prag, Regensburg, Smyrna. 
Jehuda Messer Leon wird dieser letztere Familiennamen ge- 
nommen und ihm dafür Mantuanus verliehen; Mose de Leon 
erhält nur ein i (Leoni); Uri b. David aber muss als Polni 
auftreten, weil er eine Zeitlang Rabbiner in Polonna war. Dar- 
schan, Nakdan, beide im diz. nur Hinweisungen, werden 
wie Karai, zu Hauptbenennungen verwandt. Durch diese 
dem wissenschaftlichen Ernst nicht geziemende Grille ist nicht 
nur das Auffinden sehr erschwert und mancher Name ganz 
entstellt, sondern mancher Irrthum begangen worden. Ein 
Rafael, von dem de Rossi nur vermuthet, dass er aus Frank- 
reich sei, erscheint als Zarfati; Abraham ben David Levi 
hat wieder Dior werden müssen, und wer aus Wolf u. A. 
Jacob Matalon kennt, wird ihn nicht finden, weil er Ta- 
lon i heisst 

Verschiedene Hinweisungen des diz. sind gestrichen, 
z. B. Esra, Abel, drei Artikel Arje; zusammengehörige Artikel 
auseinander gerissen, als die beiden Aaron (^S. 158. 247), 
Jesaia (146.318), Abraham b. David (S. 23. Gl); drei Autoren 
doppelt aufgeführt, nämlich Ephraim (S. 94, als Simsoni 285), 
Meschullam (57, 230), Sabulon (282. 291). Während wirk- 
liche Familiennamen (Abr. Gedalia 23, Isaac Nathan (25, 
Joseph Salom 153, Vidal Zarfati 328) unbeachtet geblieben, 
wird Elia Loanz zu Lama (173) gemacht, und Joseph (der 
Blinde) unter „Sage Nahor" aufgestellt, wo ihn auch das 
schärfste Gesicht nicht herausfinden wird. Sollten weniger 
Kundige nun Autoren Ako, Bene, Brzesci, Dani, Galaz, Schem, 
Sporta (richtig Sprot S. 318), Wien citiren, so trüge wenigstens 
de Rossi nicht die Schuld. Die bei verschiedenen der neuen 
Benennungen sichtbare Affektation — Jechieli, Romi, Leoni, 



— 124 — 

Samsoni, Tunisi — hat auch andere Namen (Chabibi B9. 70. 
st. Chabib, Conato 115 st. Conat, Samuel! 97) und zuweilen 
auch den deutschen Ausdruck betroffen. Ohne Noth über- 
laden ist: Hermeneia (313 interpretazione), Porismen 
(45. sensi\ Flierophant (329. gran maestro), und die 
Eptheta: ,,bunten" Gemisch (304), ,,g-rellen" Farben (325), 
„scharfen" Verstandes (3), „seltene" Regeln (32<^), „roman- 
hafter" Brief (89), ,, esoterischen" Geheimnisse (329), ,,oft" 
verfälscht (323 unt.). Bisweilen wird dadurch der Sinn ge- 
fährdet, als: eines Auszuges aus der Literatur der alten Philo- 
sophie (12) st. aus alten Philosophen zusammengetragen; im 
poetischen Gewände (S. 8. N. 15) st. gereimt. An anderen 
Orten sind Zusätze gemacht oder Neueres in de Rossi hinein- 
getragen, z. B. Richard Simon, „der Hermeneutiker des alten 
Testaments" (3), die damalige „Manier des aristotelischen 
Seholasticismus" (20. del secolo per quistioni), ,,die Ge- 
schichte der Kirche" des A. T. (305. st. die Erzählungen des 
A. T.\ „diesem Hagada- Werke i.323), ,,die Ueberlieferungs- 
kette der nationalen" Doctrin (324). Zuweilen wird mit Un- 
recht abgeändert. S. 2 Aben Esra geboren 1119 (während 
S. 5 das Jahr 1093 ausgerechnet ist) st. im zwölften Jahr- 
hundert, S. 144 portugiesischer Ritus st. italienischem. Anders- 
wo ist die Uebersetzung nicht genau genug. S 285 Z, 11. 
S. 322 unt. mehrere st. ausgewählte (scelti, bei Wolf selecta), 
305 ob. anfangs st. von Anfang an, ibid. unt. erst neuerlich 
(che si fa attualmente), 326 seltene st. dai precedenti 
autori omesse, 305 gemässigtere st. richtigere. Dazu 
gehört auch Gelehrte (185) st Lehrer, echt (14. 305) st. 
alt oder wahr, bescheiden für onesto (Vorr. XIV), Mo- 
ralien für argomenti (259), na türliche Erkenntnisse für 
scienze naturali (3>2). Indess sind Auslassungen wie folgende 
wohl nur einer flüchtigen Feder zuzuschreiben. S 3 Z. 17 
fehlt: Band 9. S. 4 Z. 2 v. u. Bemerkung — „die Niemand 
bis jetzt gemacht fiat." S. 11 am Schlus^e des Artikels: er- 
zählen — „und ist sehr bekannt." S 49 Z, 5: „Der zweite 
Maggid, zu den Propheten und Hagiographen." S. 80 (Gerson 
Chefez) wird nicht bemerkt, dass die zwetie Ausgabe Octav 
ist. 130. Voisin's Uebersetzung ist mit dem Text erschienen. 
138. Sal. b. Jaisch's Commentar ist zum Aben Esra. 146 



— 1 '2b — 

Tiut. Acharon — ,,oder der zweite/' Nur so sind am Schlüsse 
die Worte ,,von dem ersten Jesaia" verständlich. 208 Sah 
Marino war Rabbiner von Padua. 284 ob. „die ich mühe- 
voll an mich gebracht" (che noi abbiamo dissotterata, ed 
abbiamo nelle nostre mani unitamente alle due seguenti). 304 
unt. „gewöhnlichen Studien" (uso familiäre e a communi 
loro studj), 334 N. 1 zu Ende fehlt: „Peringer hat es ins 
Lateinische übersetzt, aber seine Uebersetzung ist nicht ge- 
druckt"; 2 Zeilen weiter lose man: Tabellen „über die Be- 
wegungen" der Himmelskörper. Bei aller auf die hebräischen 
Wörter verwandten Sorgfalt ist doch in manchen Fällen ein 
Schwanken zurückgeblieben. Man findet Eliezer und Eliesei-, 
Abigdor (230) und Abigador (12. 57), Jachia (133), Jahija 
(190) und Jehija (38. 87), Jesaia (146. 319) und Jeschaja 
(.oJ8), Aben (89) und Ibn (80), Galiko (110) und Oallico (91). 
— Ein und daselbe bezeichnen die variirenden Ausdrücke: 
Rechtsgutachten (33. l:-6 202), Rechtsbescheide (70. 146), 
Rechtsentscheidungen (56), Vota (93, 129), Responsen (258) 
Gesetzfrageu (41), Anfragen und Bescheide (20 1 ; zuweilen 
(s. S. 114. 239. 240) ist das italienische in das hebräische 
Scheelot und Tschubot zurückübersetzt. Die Nationalbiblio- 
thek (97) heisst S. 123 pariser Nationale, S, 98 nur pariser. 
„Prediche o discorsi" heissen (136) richtig: Predigten oder 
Reden; waium aber S, 95 ersteres „Discurse" und S. 83. 94. 
133 letzteres „Discursen"? „Osservazioni" sind Betracttungen 
(231), Bemerkungen (84. 95), Raisonnements (80), Novellae 
(114), Chidduschim (113); „decisioni" Rechtsbescheide (275), 
Entscheidungen (23), Decisionen (305) ; „epitafio" heisst Epi- 
taphium (296), Grabschrift, Aufschrift (156\ Inschrift (179); 
„letterale", das S.5 und öfter richtig „nach dem Wortverstande" 
gegeben wird, bleibt S 125 „literalen", erhebt sich an andern 
Stellen zu „wissenschaftlich" (12. 42. 158), „historisch" (97), 
„grammatisch" (97. Z. 14 164), ,. grammatisch-historisch" (207, 
209. 336), während (S. 1) aus „letteralura greca" griechische 
Sprache (st. Philosophie) wird. 

Neben diesen etwas absichtlichen Fehlern ist aber 
de Rossi auch hie und da missverstanden worden. S. 3 . . . . 
„sich kein Gewissen daraus machten, sich dieselben anzueignen" 
st. sie ohne Bedenken annahmen. 9 ,,Nativitätsstellung — 



— 126 — 

und andere astrologische Gegenstände". Aber , delle nalivita 
o novilunj .... dei quesiti e delle liberta'' sind die Ab- 
schnitte von den Neumonden, den Fragen und den FreiLeiten 
(vergl. Wolf t, 1 p. S2). 15 Mitte: „verliess er seine Zurück- 
gezogenheit''; aber ,.eredita" ist kein ,,eremita'', sondern heisst 
Erbe, wie auch Abravanel in der Vorrede zu dem Buci.e der 
Könige spricht. 91 „Dior'"' (Abr. Ben), „genannt der Erste, 
zum Unterschiede von Andern gleiches Namens, die später 
lebten, auch Ben-Dior mit einer durchgreifenden Verwechselung 
des Namens genannt". Man höre de Rossi: ,,Abr. B. David 
Levita, genannt der erste, zur Unterscheidung von dem fol- 
genden (der aber hier schon S. 23 vorgekommen), und von 
Andern Ben Dior" (seil, genannt). Ferner: „Er nennt sich 
einen Zeitgenossen Aben-Esra's" (st. er nennt unter Andern 
A. E. als seinen Zeitgenossen). „Endlich verliess er sein 
Vaterland, um seine Religion zu verändern" (st. endlich wurde 
er im Vaterlande erschlagen, seines Glaubens halber). Eben 
daselbst. . . . ,,suc^'t er zu beweisen, wie sich die verschiedenen 
Wissenschaften u. s. w. (st. zeigt er die Reihenfolge der Lehre) 
.... ,,zur Gründung des türkischen Reiches" (st. zu Anfang 
des ismaelitischen Reiches). Der Autor bemerkt, dass die 
wichtigsten Zeugen David lesen, nicht Dior, und fügt 
hinzu: Und ebenso R. Isaac Israelita im Jesod Olam und un- 
zählige Andere, die nachher kamen, zum Beweise, dass jene 
erstere Lesart (Dior) für wenig genau zu halten ist. Dafür 
heisst es hier S. 72 : „Aber unzählig viel der späteren Schrift- 
steller bemerken, dass diese ursprüngliche Lesart wohl nicht 
die genaueste sein möchte". 104 ob. 1. Auszug st. Commentar. 
113 Z. 12. Morinus (nicht Morino) führt an (nicht excerpirt) 
die Vorrede von Rikma (nicht die des R, Jona). 128 Z. 6 u. 
7 1. der (Pentateuch) st. die. Z. 10 meldet das diz., dass 
über 20 Ausgaben in jener Epoche erschienen sind, die grossen- 
theils u. s. w. 129 N. 3 st. „unter der Aufschrift" 1. zu dem 
Capitel. 266 Z. 10 1. derselbe Seiden st. S. selbst. 299 unt. 1. 
Spinoza zerstöre die Vorstellung von Gott als von einem ver- 
ständigen u. s. w. 310 (Teiilot) M.: „noch verschiedene An- 
hänge" soll heissen: haben deren noch mehrere hinzugefügt. 
322 M. ,,Da die Bemühungen (Jacob B. Chajims) nicht so 
sehr daraufgerichtet waren, uns die Massora selbst unverdorben 



— 127 - 

wiederziif^'eben, als durch deren Hülfe die echten Lesarten des 
heiligten Textes herzvistellen . . . . , so ernteten sie docii eilten 
allgemeinen Beifall/' Dieses ,,düch'' ist einlese' i würzt, weil 
der Vordersatz. Unrichtiges sagt. Richtisor: da .... nicht 
bloss .... sondern auch .... u. s. w. 334 M. Nicht des Ver- 
fassers Bemerkungen sind festgehalten, sondern die des Sullam 
beibehalten. — Leichter entschuldigt man Fe!)l(?r, wenn die 
Sprache des Originals Anlass gcgebisn. Statt Amati (42), 
Elchana (95), Jehosafat (141), Josua (155 Z. 2), Chafra (318 u ) 
lese man Hamati, Elkana, Jehosafa, Jeschua, Capra. Tüezio 
ist Huet, nicht Vezius QVd. 219. 220), Uries ist Vries, nicht 
Uri (300), Monasterio Monastir, nicht Münster (183), Hanov. 
Hanau, nicht Hannover (16. 155 unt. 283 unt.). Clement's 
französisches Werk (22) darf nicht italienisch aufgeführt wer- 
den (richtiger S. 139), eben so wenig wi(i des Autors latein. 
specimen (99 unt.). Zu de Castro's spanischem Buche passt 
nicht spagnuola (169), und statt der italienischen Ausdrücke 
sind zu empfehlen : legal (13), capitan(46), Buenhombre 
(209 ob.), die tarn enes de la prudencia (311). S. 53 unt.: 
„im Dresdener Programm, das im Würtembergischen" u, s. w. 
de Rossi meint das in Wittenberg erschienene Programm von 
F. W. Dresdeü 

Einiges Fehlerhafte im Original hat der Uebersetzer 
verbessert, z. B. falsche Namen, wie Trampel in Tarnopol, 
Sarfadi (Vol. 2 p. 120) in Zarfati, Eliezer in Elazar (S. 147)-, 
die bei de Rossi doppelten Artikel Medina (Vol. 2 p. 44. 120) 
und Tamar (ib. p. 141. 145) sind berichtigt, Jarchi (Raschi) 
getilgt, und Eibeschütz ganz umgearbeitet (wo jedoch das 
Todesjahr, richtig 1764 im diz. im 1757 verwandelt worden), 
während andere Versehen de Rossi's stehen geblieben, so 
S. 13 L 1606 St. 1609, S. 120, 178. 227 1. Hint st. Hinz, 
S. 256 1. Tortosa st. Toulouse. Zuweilen sind im Texte Zu- 
sätze angebracht (s. S. 277. 279. 301. 313. 315. 318. 331. 
332), öfter und namentlich von S. 117 an, Anmerkungen 
hinzugefügt, bald ei'läuternd, bald auf neuere Hülfsmittel ver- 
weisend, wie wohl auch da Oberflächliches (150) und Affec- 
tirtes (259. 277. 293) zu finden ist. Die Anm. S. 164 stand 
schon S. 158; verschiedene andere stehen am unrechten Orte 
(Anm. 170 gehört zu S. 157; S. 255 zu S. 90 Jalkut Schi- 



— 128 — 

moni), oder gehören gar nicht hinein (S. 173 ist bei einem 
gedruckten Commentar des hohen Liedes auf eine Vorrede 
verwiesen, die sich nur mit den ungedruckten beschäftigt; 
S. 306 über Alrumi, wozu der Text keine Veranlassung gab. 
Jedoch bekunden sie den guten Willen des üebersetzers, 
welcher sich auch durch die Zugabe zu der Vorrede de Rossi's 
bewährt. In der daselbst angegebenen Skizze von Joh. Chr. 
Wolf ist das Todesjahr (1739) vergessen. Die Vorrede des 
üebersetzers, die von neueren Leistungen in jüdischer Lite- 
raturgeschichte einen kurzen Abriss giebt, wobei verdienst- 
volle Männer unerwähnt geblieben, nennt unter den Zeit- 
schriften ßikkure ha Ittim als die erste, welche literatur- 
geschichtliche Elemente enthalte, während es bekannt ist, 
dass die Zeitschrift für die Wissenschaft des Juden- 
thums, — von der das erste Heft im Frühling, das zweite 
im Herbst 1822 erschienen — hierin die Bahn gebrochen. 
Den ersten wissenschaftlichen Aufsatz (Rapoports) las man 
ein Jahr später im vierten Jahrgang jener hebräischen Jahres- 
schrift. Dafür hätten Nullitäten wie ,, Füllhorn" und „Synagoge" 
füglich ganz unerwähnt bleiben können. Oder war. dies nur 
der Anlauf zu dem hämischen Ausfall gegen Geiger, dessen 
Zeitschrift eine Steppe genannt wird? Wenn dem üeber- 
setzer auch das Organ abgeht, das frische Leben und die 
fruchtbaren Studien in jener Zeitschrift anzuerkennen, so 
hätte die Beschäftigung mit de Rossi ihm doch mehr von 
dessen Bescheidenheit und Milde aneignen sollen. — Druck 
und Papier sind schön. 



D. Anzeige von Or Sarua. 

(Hebr. Bibliographie 1865. No. 43. S. 1—3.) 

nm\sn inxii m ,NmD j?": ni^'o t'i pn)i^ irzi nzn yp] "^^^ 
n"i^ r\^22 ]ci: jtt'^ v'22 rpp bv zinr n'^*^: "iis-'^d di^ih n"'2D 

niDit'D D3 HiNDT^D ]n ):'7^' D'"^'^ \s":ic: TkTN'c nvM' n\xnDi: 



— 129 — 

Or sarua talmudische Erläuterungen und Ritualgesetze von 
Isaac b. Mose aus Wien. Zum ersten Male nach einer 
HS. herausgegeben in 2 Thln. fol. Szytomir, Chanina 
Lipa und Mos. Jos. Höschel 1862 (232, 184 S). 
Isaac b. Mose, ein Enkel des Verfassers von Sulat 
D^?27i<Z: 11^2 ]''{<, gewöhnlich genannt Isaac aus Wien und nach 
seinem Hauptwerke V'X"""!, machte seine Studien in Paris bei 
Sir Leon, in Speier bei R. Simcha, sehr wahrscheinlich inner- 
halb der Zeit zwischen 1216 und 1223. Während seines 
Aufenthaltes in Frankreich mussten, vermöge der Beschlüsde 
ihrer Feinde vom J. 1216, die Juden als Abzeichen Räder 
auf dem Oberkleide tragen. Später war er in Regensburg 
und Würzburg, hier vermuthlich als noch Elieser halevi am 
Leben war; in Würzburg war es auch, wo Meir Rotbenburg 
sein Zuhörer war. Endlich ward er in Wien angestellt. Er 
nennt sich selber einen Armen und Unstätten, der endlich 
einen Ruheplatz zur Beschäftigung mit dem Gesetze gefunden. 
Er erwähnt des Jahres 1239, auch der Metzeleien in Frank- 
furt (1240), bemerkt einmal was er vor 30 Jahren in Regens- 
burg verfügt. Ausser den beiden genannten Lehrern hat er 
auch Jehuda den Frommen und Elieser halevi persönlich ge- 
sprochen, mit letzterm und Simcha noch Briefe gewechselt. 
Diese Umstände nöthigen, die Vollendung des Or sarua 
etwa in das Jahr 1260 zu verlegen, wiewohl einzelne Ab- 
schnitte älter sein dürften. Is. stand im brieflichen Verkehr 
mit Jesaia b. Mali und Elasar b. Samuel in Italien, Samuel 
b. Salomo und Jechiel b. Joseph in Paris, Chajim b. Mose 
in Neustadt, dessen Eidam Abigedor hacohen in Wien, dieses 
letztern Bruder Elasar ; mit Hiskia b. Jacob in Magdeburg, 
Samuel b. Baruch und Jehuda b. Mose hicohen im südl. 
Deutschland, ferner mit Aaron b. Elieser, Manoach b. Elia ha- 
levi, Isaac b. Salomo, Isaac b. Mose (N. 779), Jacob b. Isaac, 
seinem Eidam Samuel b. Schabtai, Joseph b. Masal (?), Isaac, 
Aaron, Ezechiel, Jona, Pesach. 

Das Or sarua erläutert, ähnlich dem Werke Elieser's 
b. Natan (]"Zf<1), den Talmud nach der Reihe seiner Ord- 
nungen so, dass der Inhalt zu selbstständigen Abschnitten 
der einzelnen Materien (nD^n) verarbeitet worden, ohne dass 
jedoch die Handschrift, welche der Ausgabe zu Grunde liegt, 



— 130 — 

sich an die Reihenfolge der Gemara hält, indem sie die 3. 5. 
6. Ordnung vor der 2. abhandelt. Als Einleitung dient ein 
dem Alfabet Akiba's nachgeahmter Abschnitt in Paragraphen, 
}<n''2 ^?5':'^^ genannt. Hierauf wird über die Mildthätigkeit 
(np"IÜ) in ;^)0 Paragr. verhandelt; die Halacha's aus der ersten 
Ordnung (HIDIZ) umfassen § 1 bis 332 (S. 83), worunter 
§§ 112 — 115 fünf Bescheide sind, aus der sechsten (minco) 
§ 333 bis 366 (S. 101), aus der fünften (D^ltnp) von § 367 
bis 530 (S, 148), welchen noch der Abschnitt Tefillin — weil 
in Tr. Menachot befindlich — hinzugefügt ist (§ 531 bis 594 
S. 159). Der dritten Ordnung (D^^O) von § 595 bis 737 
(S. 205) folgen Rechtsgutachten (§ 738 bis 780 S. 232) von 
dem und an den Verfasser, womit der erste Theil schliesst. 

Der 2. Theil umfasst 20 Abschnitte in 466 §, sämmtlich 
aus der zweiten Ordnung Hyi^), so dass der gesammte In- 
halt 42 Abschnitte des Verfassers ausser den Rechtsbescheiden 
enthält; überdies ist der Commentar Samuel's aus Falaise zu 
Tobelems mnnn ^■^biS aufgenommen (Th. 2 § 256 S. 114— 
120). Die einzelnen Abschnitte schliessen mit Reimen. 
Offenbar fehlt die ganze vierte Ordnung (]"'p"'f^), auf welche 
der Verfasser selber verweist (Il"N § 5, Verzeichniss zu Th. 1, 
§ 114, ^li^^D § 689) und die Asulai gesehen hat. Auszüge 
aus dieser fehlenden Abtheilung haben das kleine Or sarua 
(p"lN oder T'ND), die Gutachten von Chajim, des Verfassers 
Sohn, die Sammlung der Bescheide Meir Rothenburg's ed. 3. 
N. 152, 153, ferner Mordechai, Hagahot Ascheri, Recanate 
(z. B. § 276, 422, u. a. m.), Isserlein (GpDD N. 112 u. T'nn), 
Elia Misrachi. 

Für die Geschichte der Auffassung und Behandlung vieler 
in jene Gebiete fallenden Gegenstände ist das Werk von 
grosser Bedeutung, und Manches wird hier gereicht, was man 
bisher nur aus zweiter oder dritter Hand bekommen konnte. 
An mehr als 25 Stellen übersetzt der Verfasser Ausdrücke 
ins Slavonische oder Böhmische QV^^ ^^^^t vgl. Ritus S. 72), 
und hie und da liefert er für Cultur- und Sittengeschichte 
interessanten Stoff. Wahrscheinlich war der grosse Umfang 
des Werkes seiner Verbreitung hinderlich, da selbst Isserlein 
in Oesterreich kein Exemplar zu seiner Verfügung hatte 
(Ritus S. 217). Das Ms., nach welchem der Abdruck erfolgte, 



— 131 — 

gehörte dem Verfasser des ti'N"! D''Qli'D, woselbst (N. 93) 
nplli § 11 mitgetheilt ist, und — nach Steinschneider's Ex- 
cerpten — stimmt dasselbe mit cod. Opp. 648 F. überein. 
Die sonst in Catalogen verzeichneten Handschriften enthalten 
das kleine Or sarua. 

Unser Verfasser legte auch CoUectanea (D"'t31p7) an (Th. 
1 § 190, Th. 2 § 38), die wohl identisch mit dem sind, was 
sein Sohn (Rga. 4. 14. 43) dessen ^Dlp nennt, und aus welchen 
Einzelnes in den 212 D''JQ''D stammt, die ein Schüler Meir 
Rothenburg's angelegt (cod. Rossi 392) und die theilweise in 
Kolbo N. 145 anzutreffen. Die Herausgeber haben grosse 
Sorgfalt angewendet, einen correcten Text herzustellen, und 
wo sie ihn verbessern mussten, den der Handschrift stehen 
lassen. Einige Male ist indess die Verbesserung missglückt, 
z. B. Th. 1 S. 105 b unten ist nwü des Textes das richtige, 
d'pi^'D (Hagahot Ascheri f'pin 2, 4) unrichtig. S. 84 a IDJDD 
soll heissen Nl^'^ltoaiDD wie S. 85a. S. 200b ist i<^:W\^ (Sachsen) 
in J^""""!!©!^ geändert, aber Elieser halevi lebte in Sassonia, 
nicht in Hispania. 



9* 



X. 

Biographisches. 

A. Saadia und sein Zeitalter betreffende Bemerkungen. 

(Geigers Wisseiiscli. Zeitschrift Bd. IV. [1839] S. 387—391). 



Zu den Werken des R. Sa a d i a gehört noch (rücn 'D 
gegen den Ketzer oder Karäer TPipD. angeführt von Mose b. 
Esra. Saadia's Commentar zum Daniel, so wie sein ''l^^n 'D 
werden citirt in Abraham b. Chija's Vorrede zum POiD 
roycr\ (Wolf t. 4, p. 761), welches Buch unter diesem Titel, 
vor Abravanel schon Samuel Motot in n^ZTi^ Di^lli-'Ö ms., 
vor ihm aber schon Aben Esra (zu Daniel 11, 29) unter dem 
Namen Cipn 'D und Bechai (n''ii'N"12) unter iw^^'Cn 'D, auch 
Sabara in ""Tinn znrc (s. porta Mos. p. 193) anführt, wozu bei- 
läufig zu bemerken ist, dass der in dem Commentar des R. 
Jacob b. Ascher (Hannover 1838 in 4.) vorkommende N''"'n "1 
''""1?Cn kein anderer als R. Abraliam b. Chija ist, so dass 
folglich die beiden Worte "12 Dn"i2X ausgefallen sind. Hier- 
mit muss das ergänzt werden, was ich in den Additamenta 
zu den catalog. codd. mss. der leipziger Rathsbibliothek, ad 
cod. 40 über diesen letztern Autor angegeben habe. Saadia 
betreffend, so finden sich einige Worte aus seiner arabischen 
Uebersetzung der Sprüche in nnri^'n ICJ? (Livorno 1748 in 
4.) zu Prov. 1, 23 65N*: = \n5) und 8, 13 (2:Vrbi< = ]ix:). 
Mose b. Grecatilia's Hiob-Commentar, der sich neben dem 
Saadianischen befindet, kommt schon bei David Kimchi 
(Lexicon v. 211) vor, und die Vorrede dazu, deren auch 
Wolf (t. 3, p. 860) gedenkt, sollte bekannt gemacht werden. 
Dass dieser Mose auch die Psalmen commentirt, erhellt aus 



— 133 — 

Kimclii zu Ps. 77, 5. 132, 6, und Samuel Tibbon D^CH n|T 
c. 14, S. 88. Dieser letztere (c. 9, S. 44) beruft sich auch 
auf dessen arabischen Commentar zu Jesaia, Avorauf sich 
vielleiclit auch Maimonides bezieht, wenn er in seinem 
jOTl m^kX von Mose Gecatilia's Auflassung von Jes. 11, 6 
spricht. Mose's pentateuchischer Commentar ist aus Aben Esra 
bekannt. — Die zweite Ausgabe von Emunot wedeot ist 
vom J. 1648 (Wolf t. 3 p. 850), der Erläuterer in der dritten 
oder Berliner Ausgabe ist Bensev i^Rapoport S. 22. Vgl. 
notice p. 16). Zu die^vu Bereicherungen unserer Kenntnisse 
über jüdisch-arabische Productioncn gehört auch, was gele- 
gentlich über ben Gannach und Serdschado mitgetheilt 
wird. Von R. Jona b, Gannach rühmt Abi-Oseiba auch 
noch, dass er Logik verstanden, und im VÖ'pn die in der 
Medizin üblichen Gewichte und Maasse erklärt habe (s. cod. 
Pocok. 356 bei Pusey catal. Bodlej. p. 440); Maasse und 
Gewichte werden übrigens auch in R. Jona's Lexikon er- 
läutert, und mehrere Angaben dorther hat rHE»! "linSD f. 90a, 
92a, 95a aufbewahrt. Das Zeugniss über R. Jona's philoso- 
phische Einsichten wird durch R. Jedaja in seiner bekannten 
Apologie (m^iJjrin), durch Balmes' Grammatik (Bogen r 
Blatt 7, dass R. Jona den Organismus der hebräischen 
Sprache auf philosophische Principien zurückzuführen ver- 
suche), ganz besonders aber durch die hier mitgetheilte hand- 
schriftliche Notiz bestätigt, dass er gleichfalls gegen die 
Ewigkeit der Materie geschrieben. Der mit ihm genannte 
jnDn '':sn p ist R. Samuel Gaon b. Chofni, der zwar 
das Epitheton ,, Cohen" nicht hat in den ältesten Anführungen 
(Hai Gaon bei En jacob und in den Rechtsgutachten Schaare 
zedek, Aben Esra, R. Elieser b. Nathan f. 46 d, nitC^y, ^nn nXD 
N o. 21 und eben so Migdal os zu Hilchot Zizit c. 1, Kimchi 
zu 1 Sam. 28 Ende, Schibbole haleket, Vorrede des üeber- 
setzers vom maimonidischen Mischna-Commentar zu Seder 
Naschim, ]'2D^ zu ]^:o: f. 63 b 66 b: ]15<: "»ien ]2 bii'lüli; 21 p-!D p1 
niDT^^n 'DU b'l), jedoch damit ausgestattet ist in Sefer hakab- 
bala f. 41a (daher auch bei Jesod Olam f. 85a, Juchasin f. 
125b), Benjamin c, 13, Mordechai zu Sanhedrin c. 4 und 
zweimal zu Chullin (mD''"liO "0^), Hagahot Maimoniot zu Bera- 
chot c. 11 (fehlt jedoch ibid. in ni'CI yK^n) , Jore Dea 310, 



— 134 — 

Mose Alaskar RGA. f. 30 b, und im Cod. Vatic. 63, der 
seinen Midrasch zum Pentateuch enthält. — Der in derselben 
Notiz genannte Aaron ibn Serdschado dürfte aus fol- 
gender Untersuchung zu ermitteln sein: Geonim in Pumbe- 
ditha waren nach dem Tode des Cohen Zedek, d. i. seit 
dem Jahre 935, R. Scherira Gaon zufolge i^Juchasin I19b): 
1) Zemach ben Kafnai, 2V2 Jahre, gestorben zu Anfang 
des Jahres 1249 Seleucid (A. 937, Herbst); 2) Chanina ben 
Jehuda, vom J. 1250, Monat Tebet (Ende 935) bis zum 
J. 1254 (943), und zwar bis zum Frühling des gedachten 
Jahres, da die Dauer seiner Amtsführung, die auf 5V2 Jahre 
angegeben wird, vom Tode seines Vorgänirers anfangen muss ; 
3) Der ,, mächtige Kaufmann" Aaron b. Joseph Hacohen, 
bis Ende des J. 1271 (A. 960), wo er starb; 4) Nehemia 
b. Cohen Zedek, mit bestrittener Würde, st. 1279 (968); 
5) R. Scherira Gaon, der Sohn des genannten Chan in a 
(No. 2), vom Jahre 968 an. Nach R. Abraham b. David im 
Sefer hakabbala (f. 40 und 41), der den Zemach b. Kafnai 
(No. 1) gar nicht nennt, endigte das 5V2 jährige Amt R. 
Chanania's (No. 2) im J. 4701 mundi (A. 941 vor dem Herbst), 
und sein Nachfolger, der „reiche Kaufmann," Aaron Ha- 
cohen ben n'HD^'nD starb das Jahr darauf (A. 942). Vor 
R. Scherira, dessen Antritt gleichfalls auf 4728 (A. 968) be- 
stimmt wird, wird nur noch Nehemia mit 5 Jahren aufgeführt. 
Wir haben hier überall das Richtige bei R. Scherira zu 
suchen, der selber Gaon war, und von Dingen spricht, die 
seine Heimath, seine Zeit und seine Familie betreffen. Ueber- 
dies ist in den Angaben des Sefer hakabbala zwischen den 
Jahren 942 und 968 deutlich eine Lücke. Dass R. Chanina, 
der Vater R. Scherira's, A. 943, nicht 941 gestorben sei, 
geht auch daraus hervor, dass R. Saadia schon 1253 (A. 942) 
und zwar 13^2N ]\s:n ^^^D, wie Scherira (f. 119b) hinzufügt, 
gestorben war. Es kann daher auch nicht Aaron (No. 3) 
schon 942 gestorben sein, und R. Abraham hat hier den 
Antritt mit dem Ende verwechselt. Jedoch haben wir durch 
ihn den Familiennamen dieses Gaon erfahren, und der Ver- 
fasser des Köre ha-dorot nennt denselben daher ausdrücklich: 
den ,, reichen Kaufmann" Aaron hacohen b. Joseph ha- 
cohen ben rncaiD. Ein dritter Berichterstatter, R, Nathan 



— 135 — 

hacohen b. Isaac babli (um A. 960), führt nach Zemach b. 
Kafiiai (No. 1), dem er 13 Monate zuertheilt, Kaleb b. 
Joseph aiaf, genannt Kaleb ben llJlXItt' 5 von diesem Kaleb 
aber erzählt er, dass er in Bagdad gewohnt, vornehm, reich, 
unterrichtet und beredt, und ein Gegner R. Saadia's gewesen 
sei, mit dem er gewetteifert, bis sein Schwiegervater Kascher 
b. Aaron (um 936j Frieden gestiftet (s. Juchasin f. 121b, 
122 ab.). Offenbar war also Kaleb, als die Zwistigkeiten mit 
Saadia Gaon ausbrachen (A. 929) ein junger Mann, älter 
als dieser Gaon (37 J.) in keinem Fall. Dies stimmt zu R. 
Scherira's Bericht, dass Aaron b. Joseph von R. Mebasser 
(917 bis 925) promovirt worden, und nichts hindert uns, den 
Kaleb b. Joseph H^fslt^ (bei Nathan babli^, den Aaron b. 
Joseph n"?2!j1D (bei Scherira und R. Abraham), und den 
Aaron ben HX^ID (des Ms.) für identisch und für den von Abe u 
Esra citirten "'"1 |n2n ]int5 '"1 zu halten, da die Angaben über 
ihn und seine Zeit durchaus zu einander passen. Dieser 
Autor ist demnach ein Zeitgenosse von Saadia und Dosa, 
und dessen vulgärer Name Kaleb gewesen. Der Familien- 
name hat verschiedene Stufen der Corruption durchschritten, 
bis er bei Schatschelet zu n"lC"i:D geworden, woselbst auch 
unrichtig als sein Todesjahr A. 950 angegeben wird, (f. 37a). 
— Was R. Jehuda Tibbon, den Uebersetzer so wichtiger 
jüdisch- arabischer Werke betrifft, so hat er auch (vgl. notice 
p. 19) 7) R. Jona's Lexikon und Grammatik (s. D^2^V 11XD) 
und 8 andere Schriften dieses Grammatikers übertragen, wie 
aus Cod. Vatic. Urbin. 54 und der Vorrede zum Buche riüpl 
(bei Morin Excertt. p. 527 ff.) erhellt. Allein das von ihm 
übersetzte Mibchar hapeninim ist nicht von dem nach ihm 
lebenden Jedaja Badreschi (wie zuerst Gaulmyn nott. ad 
vitam Mosis p. 202 gemeint), sondern von Salomo Gabirol, 
was auch de Rossi ad cod. 131 anerkannt hat, und womit 
zu vergleichen ist catalog. codd. Lips. mss. p. 286. Schon 
im J. 1264 wird das Mibchar hapeninim angeführt von 
Schemtob Palquera in t2*p2?2n f. 21 a., und früher von Jehuda 
Tibbon 2. Vorrede zu mz^bn PZlFi und in seinem "IDTOH n"UN. 
Ueber die persischen Bibelversionen der Juden hören 
wir hier zum ersten Male. Hieb und die Klagelieder persisch 
sind auch in cod. Rossi 1093. Ob die k. Bibliothek in Paris 



— 136 — 

auch die Uebersetzungen von Samuel , den Psalmen, dem 
hohen Liede und Kohelet besitzt, geht aus dem Handschriften- 
Kataloge nicht hervor. Die Version der Psalmen, von der 
Walton (prolegg. p. 694) spricht, ist neu und von Mönchen 
angefertigt. Mit Recht behauptet Hr. Munk (p. 64), dass R. 
Jacob onxtO zur Zeit der Herausgabe der Polyglotte vom 
J. 1546 gelebt habe, da es sowohl aus dem W 1^*D ")t^'X, als 
auö dem schlichten Ehrentitel "1"D hervorgeht, auch V"^ offen- 
bar dem Vater zugehört, Ueberdies kommt hei Mose Alschech 
(RGA. No. 103 f. 45 — 46 c. Vgl. Köre ha-dorot f. 41 b), 
etwa aus der Zeit um 1570, ein R. Jacob b. Jisachar DIXtO 
vor, der vielleicht des üebersetzers Neffe war. Der erste, 
der jenes persischen Pentateuchs gedenkt, ist Asaria de' Rossi 
in den Nachträgen zu seinem Meor enajim f. 42 b. Aber die 
in den persischen Versionen befindlichen Randglossen (p. 67, 
Anm. 1) verdienen eine genauere Untersuchung; wenigstens 
werden in ähnlichen Glossen der erwähnten de Rossi'schen 
Handschrift unbestimmte oder unbekannte Autoren genannt. 



B. Jochanan. 

(Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und 

Künste von Ersch und Gruber. Zweite Section. Zwanzigster 

Theil (1842) S. 111—113). 



Jochanan: 1. ein hebräischer Name, ursprünglich Jeho- 
chanan (den Gott begnadigt), aramäisch zusammengezogen 
in (J^jriT') Jochanna, daher bei den griechischen Juden: Joanna, 
bei den Griechen: Joannes, Johannes. Der Gebrauch des 
Namens kommt zuerst im Zeitalter des Propheten Jeremia ') 
vor, und findet sich unter den Schriften des alten Bundes 
fast nur in der Cbronik und den von selbiger abhängigen 
Büchern Esra und Nehemia^ ; ausserdem trifft man ihn in 
dem ersten Buche der Makkabäer^), zehn Mal beim Josephus, 



*) Cap. 40. V. 4. Vgl. 2 König. 25,23. ^) Simonis Onomastic. 

p. 513. Zunz, Gottesdienstl. Vorträge S. 21. fg. ^} 8,17. 



— 137 — 

ebenso oft in der Mischna, und noch 34 Mal in den Midrasch- 
und talmudischen Werken^). Im späteren Mittelalter wird 
der Gebrauch dieses Namens bei den Juden etwas seltener. 

2. K. Jochanan^ , um die Mitte des 3. Jahrh. Ober- 
haupt der jüdischen Akademie und des Gerichts in Tiberia^), 
war der Sohn eines Schmieds, dessen Name unbekannt ist, 
und den irrig einige Autoren^) Elieser^) nennen. Der Vater 
starb noch vor seiner Geburt, und bald nachher auch seine 
Mutter. In seiner Jugend besuchte er die Lehrvorträge des 
Patriarchen Jehuda; seine spätem Lehrer waren: Simeon b. 
Jehozadak und Jannai in Sepphoris, Oschaja in Caesarea. 

Nachdem er gemeinschaftlich mit einem B^-eunde eine 
kurze Zeit Handelsgeschäften sich ergeben hatte, kehrte er 
zu den Studien zurück, verkaufte, um ihnen ganz obliegen 
zu können, einen Theil seiner Grundstücke. Noch jung stieg 
er zu den höchsten Würden empor, und erhob das Gericht 
von Tiberia zu einem Ansehen, welches sowohl den Patriarchen 
als den Exilfürsten verdunkelte^) Er genoss Unterstützungen 
von dem Patriarchen Jehuda IL, überlebte seine zehn Söhne, 
hatte mehrere Töchter und eine an seinen Collegen Simeon 
ben Lakisch verheirathete Schwester. Er starb nach einer 
mehr als oOjährigen Amtsverwaltung im Jahre 27U ''). Den 
Verlust dieses Lehrers, der später der erste Emora genannt 
wurde, und um den sein Nachfolger R. Ame wie um einen 
Vater trauerte, stellte man dem Todestage des Königs Josia 
gleich ^). Von seinen halachischen und hagadischen Aussprüchen 
sind beide Talmude voll: insonderheit sind fast alle Lehrer 
des palästinischen Talmud seine oder seiner Schüler Zuhörer, 
woher man auch, obwohl mit Unrecht, diese Gemara auf ihn 



^) Juchasin f. 60 b. 61a. Seder badorot f. 113a— 115d. ^j Vgl. 
die Artikel in Seder badorot f. 114b, etc., Jost, Gescbicbte d. Israeliten. 
4. Tb. S. 156 - 162. ^) Jerus. Beracbot c. 8. *) Bartolocci (biblioth. 
rabbin. f. 3. p 683); daraus Wolf (bibliotb. f. 2. Ip. 874), Jöcher, Jung. 
*) Jucbasin f. 94a: ITobn "ll^bx "i^lD UHV ''21 "HDD"' DX; diese Worte 
stehen Tr. Baba Batra 154b und heissen: Wenn auch R. Jochanan dem 
R. Elasar, seinem Schüler, abläugnet. Hieraus machte Bartolocci wohl 
seinen Jochanan b. Elieser, ®) Sanhedrin f. 31b. Seder hadorot f. 138c. 
') Scherira in Teschuba Ms., auch bei Juchasin f. 116a. Vgl. Kerem 
Chemed (Prag 1839) 4. Th. S. 186. 212. ») Taanit f. 25b. 



— 138 — 

als Urheber zurückgeführt hat^). R. Jochanan pflegte die 
Geset/.regelh der Mischna für ursprüngliche Tradition anzu- 
sehen^), erklärte Gesetzkenntniss für den höchsten Vorzug, 
und stellte den unterrichteten Bastard über einen unwissenden 
Hohenpriester^). Die dereinstige Belohnung der Weisen 
werde alles von den Propheten verheissene Gut übertreffen; 
die den Froromen vorbehaltene Glückseligkeit sei mehr als 
die Erlösung, die er erwartete, aber nicht erleben wollte*). 
Aber er wünschte noch den Untergang des in seinem 
hohen Alter eroberten Palmyra's zu sehen ^). Er hasste 
die feindseligen Perser^), verachtete den aramäischen Dia- 
lect, und spottete zuweilen des Hochmuthes der babylo- 
nischen Juden , da selbst sein Schüler Seiri seine Tochter, 
weil sie ihm nicht ebenbürtig schien, ausgeschlagen hatte'). 
Wir verdanken R. Jochanan -unter andern: Anführungen aus 
Sirach ^), geschichtliche und geographische Notizen, z. B. über 
Bar Kusba^), R. Meir^°), die Ebene Dura, die Gewässer 
Palästinas, den Ort Enam^^). Er verzichtete darauf die Eze- 
chielische Gesetzgebung mit der pentateuchischen in Einklang 
zu bringen ^2^. Er hielt auf strenges Worthalten und Billig- 
keit, konnte das öffentliche Beschämen eines Menschen nicht 
ertragen ^^) und erklärte die geringste Entwendung für einen 
Mord, und Raub für das grösste Verbrechen ^*). Die Juden 
verglich er den Oliven; beide werden edler, wenn man sie 
presst '-''). Den Mitleidigen nannte er einen Mann unaufhör- 
licher Schmer/.en '^j. Er selbst theilte seine Speise mit seinem 
Sklaven, eingedenk der Worte Hiob's (31,15): Hat nicht in 
dem Mutterleib, der mich geschaffen, er ihn geschaffen?^'). 



*) Jost a. a. O Anhang S. 245 fg., Zunz, (lottesdienstl. Vorträge 
S. 53. 2j Joma 80a. Megilla 19b. Kidduschin 39a. Nasir 28a. Jerus. 
Pea c. 2. 3) Jerus. Horajot Ende. *) Ranhedrin f. 99 a. 106 a. 98 b. 

Baba Bathra f. 75. ^) Jerus. Taanit c. 4. § 5. «) D''"12n s. Jebamot 
f. 63b. Vgl. ßuxt. Lex. talm. p. 704. ^j Bereschit rabba c. 38. Kiddu- 
schin f. 71b. 8) Nidda f. 16b. Vgl. Zunz a. a O. S. 103. Anm. a. 
3) Jerus. Taanit 4,5. i«) Sanbedriu f. 14a. i') Sanhedrin 92b. 108a. 
Baba Batra 74b. Sota 10a. bei En Jacob. ^^) Menachot 45a. ^^) Baba 
Mezia 49a. 30b. 59a. ") Baba Kama 119a. Sanhedrin 108a. '*) Mena- 
chot 58b. 1«) Baba -Batra f 145b. ") Jerusal. Ketubot c. 5. § 5. 



— 139 — 

R. Jochanan war ein stattlicher Mann, beinahe von Frauen- 
schönheit; er hatte lange Augenwimpern und keinen Bart. 
Seine Grabstätte wird in Tiberia gezeigt. 

3. Jochanan Aiman^) stammte aus einer deutschen 
Familie, und kam von Censtantinopel nach Italien, wo er 
sich niederliess. Er war ein Lehrer des Grafen Pico della 
Mirandola und lebte um das Jahr 1490. Er verfasste folgende 
Werke: 1. Ene ha-eda (ntyn Ty), einen Commentar zum 
Pentateuch; 2. Chaje Olamim (D''D7iy '•Tl), unbekannten In- 
halts; 3. Cbeschek Schelomo (nobti' p^'H), einen philoso- 
phischen Commentar zum hohen Liede, mit einer grossen, 
Salomo's Weisheit schildernden, Vorrede, von welcher ein 
Theil den Namen Schire-hamaalot hat; befand sich hand- 
schriftlich vom J. 1568 bei J. S. Reggio in Görz. 4. Collec- 
taneen, zum Theil Auszüge aus andern Büchern. Das Auto- 
graph, 191 Blatt stark, war gleichfalls bei Reggio. 

4. Jochanan hacohen, ein Synagogaldichter des 11. 
oder 12. Jahrh. Er verfasste ein im römischen Ritual befind- 
liches Musaph für den Versöhnungstag, anhebend: |Vjt^N 

T ; V : 

5. Jochanan Pinto Delgado^). Sein poema de la 
reyna Ester nebst andern biblischen Gedichten (Ronen 1627 
bei Du petit Val) ist dem Cardinal Richelieu gewidmet. Man 
rühmt an diesen Dichtungen Eleganz und Mannigfaltigkeit. 

6. Jochanan benSaccai^), Schüler Hillel's und ange- 
sehener Lehrer in Berur Chail, der nach Jerusalems Erobe- 
rung von den Römern zum Oberhaupte des Synedriums in 
Jamnia eingesetzt wurde und bald nachher (um 73) starb, 
angeblich 120 Jahre alt, und nachdem er 40 Jahre sein Amt 
bekleidet. Ein Sohn starb ihm bei seinem Leben, ein anderer 
hiess Jehuda*). Der Talmud gedenkt seiner neun Einrich- 
tungen^), auch war er es, der das Gesetz mit den Eifersucht- 
wassern (4 Mos. 5,11 fg.) abschaffte^). Er war ein grosser 

1) Bartolocci, Biblioth. t. 3. p. 782. de Rossi, Dizion. v. Alman. 
Asulai, Vaad lachachamim f. 17 u. 18. Reggio in Biccure ha-ittim 9. Th. 
S. 13. und in Igrot Jaschar 2. Th. S. 63—71. *) Wolf, Biblioth. t. 3. 
p. 361. Catal. de Gohier p. 123. No. 1253. ^) Vgl. Seder hadorot f. 

113b fg. *) Abot R. Nathan c. 14. Nidda f. loa. *) Rosch haschana 

f. 31b. «) Mischna Sota c. 9. 



— 140 — 

Kenner der väterlichen Gesetze, ein tüchtiger Kämpfer gegen 
die Sadducäer^), in vielfachen Kenntnissen bewandert; mit 
ihm ist der Glanz der Weisheit von Israel gewichen 2). Zu 
seiner Unterhaltung wählte er nur religiöse Gegenstände und 
lehrte, dass recht vieles Wissen in der Thora, das unsere 
Bestimmung ist, uns nicht stolz machen dürfe ^). Ein Feind 
des Unrechts und mild im Betragen, hielt er darauf, dass 
Jedem, auch dem Geringsten, Achtung gebühre, und ein 
gutes Herz alle anderen guten Eigenschaften besitze*). Seinen 
Zuhörern pflegte er Themata aufzugeben, und alsdann deren 
Antworten mit einander, auch mit seinem eigenen Ausspruche, 
zu vergleichen^). Auf dem Todbette schilderte er die Hoheit 
des Richters, dessen Urtheil er entgegengehe, und im Sterben 
glaubte er den König Hiskia zu erblicken^). Dass er aus 
dem Priestergeschlecht gewesen, ist unerwiesen und unwahr- 
scheinlicb, daher die Annahme, dass er der Priester Johannes 
Apost. 4,6 sei, ohne Grund''). Den Namen seines Vaters 
haben die Karäer, Behufs genealogischer Zwecke, verfälscht^), 
Sein Grab soll sich au der Südseite von Tiberia befinden. 

7. Jochanan Treves^), Sohn Joseph's, lebte um 1540 
in Bologna, dann in Padua und Venedig, und stand als 
Gesetzkundiger mit verschiedenen angesehenen Rabbinen in 
Briefwechsel. In den Jahren 1545 und 1546 besorgte er in 
Venedig die Correctur hebräischer Bücher, war im Herbst 1550 
noch am Leben ^^), aber im Frühling 1558 bereits gestorben ^^). 
Sein geschätzter seltener Commentar ^^) zu dem Machsor oder 
Festcyklus des römischen Ritus ist erschienen Bologna 1540 
und 1541 in Fol. Auch sein Sohn, Raphael Joseph Treves, 
ist als jüdischer Lehrer nicht unbekannt. 



') Mischna Jadajim c. 4. Tosefta Para. Baba Batra f. 115b. Mena- 
chot 65a. Megillat Taanit c 1,5. 8. ^) Succa 28a. Sota c. 9. Bereschit 
rabba c. 15. ^) Succa a. a. O. Mischna Abot c. 2. *) Horajot 10b. 

oben. Berachot 17b. Baba kamma 79b. Abot ebend. ^) Abot ebend. 

Abot R. Nathan a. a. O. Baba Batra 10b. Vgl. Jost, Gesch. d. Israeliten 
3. Band Anh. S. 173 fg. «) Berachot 28b. jerus. Aboda sara c. 3. § 1. 
') Lightfoot horae ad h. 1, p. 700. ®) Zunz, üottesdienstl. Vorträge 

S. 139. Anm. b. ») Wolf, t. 1. p. 472. i") Mose Israel's Gutachten 
No. 58. ") s. die Dedication vor Comment. Cantic. ed. Sabionetta 1558. 
«) genannt NJIlt'i^N"! NHOp. 



- 141 — 

C, Joel. 

(Ersch u. Grubers Allgem. Encycl. Sect. II Bd. 20 
11842] S. 158—159). 



1. Joel Aben Schoaib aus Aragon, wo er im J. 1469 
lebte, wohnte später in Tndela, bis er bei der allgemeinen 
Vertreibung der Juden aus Spanien im J. 1493 Navarra ver- 
liess und sich nach dem türkischen Reiche begab. Er hat 
folgende Werke verfasst: 1. Commentar der fünf Megillot, 
und zwar zu den Klageliedern im J. 1485 in Tudela; Aus- 
züge daraus finden sich hinter dem Commentar des Abraham 
Galante, ed. Venedig 1591 in 4. Dergleichen aus dem Com- 
mentar des hohen Liedes sind in den des Abraham ben 
Isaac (gedruckt Sabionetta 1558. Prag 1611.) eingeschaltet. 
2. Commentar zu den Psalmen, im J. 1489 in Tudela ver- 
fasst unter dem Titel: Nora Tehillot (P^nn Nli:), gedruckt 
Salonichi 1569 in 4. 3. Predigten oder Deraschot, genannt 
Olat Schabbat (HDIi' n'piy •, Venedig 1577 in Fol. 4. Comment. 
zum Pentateucb. 5. Comment. des Hiob, genannt En Misch- 
pat (CDli'C py). 6. Erklärung der Mischna Abot. Die drei 
letztgenannten Werke macht der Sohn des Verfassers namhaft, 
s. cod. Rossi 289. 

2. Joel" halevi ben Isaac aus Bonn, ein angesehener 
Rabbiner in Regensburg und Cöln, um 1170. Er ist der 
Eidam des R. EUeser b. Nathan, und Vater des R. Elieser 
halevi, die beide eine grosse Autorität in der jüdischen 
Gesetzkunde haben. R. Joel verfasste a) Rechtsgutachten, 
von denen mehre in späteren Werken vorkommen; b) Buss- 
gebete und Klagelieder, in denen der damaligen Verfolgungen 
der Juden gedacht wird ; mehre der erstem sind ungedruckt. 
Er ist derselbe, der cod. Vatic. 312 und cod. Rossi 586 ge- 
nannt wird. 

3. Joel Sirks ben Samuel, ein berühmter Gesetz- 
lehrer, war der Schüler des frommen Salomo ben Lob aus 
Ijublin (um 1580 Rabbiner in Posen) und Rabbiner in Lub- 
mila (1601), Beiz (1614), Brzesc Litewski (1616) und Krakau 
(1619), wo er im J. 1641 starb. Er hinterliess zwei Söhne, 
die sich durch Schriften bekannt gemacht, und sein Eidam, 



— 142 — 

David halevi, Rabbiner in Ostrow, ist der bekannte Ver- 
fasser des Türe hasahab, eines verbreiteten Commentar's zum 
Schulchan- Aruch. Das Hauptwerk R. Joel's ist: Bet Chadasch 
(Win rriD), ein erläuternder Commentar zu den vier Turim 
(Krakau 1631—1639 4 Thle. in Folio und sonst). Ausserdem 
hat er einen Commentar zu Ruth (Lublin 1616 in 4.), eine 
Erläuterung der Soharischen Theologie des Moses Corduero 
(handschriftlich in der Oppenheimerschen Bibliothek 927 Q.) 
und Rechtsgutachten verfasst, von denen zwei Sammlungen 
(Frkf. a. M. 1697. Karez 1785) erschienen sind. Einiges 
aus seiner Grabschrift theilt Wolf mit in der biblioth. hebr. 
t. 4. p. 1210. 



XL 

Analekten. 

A. In Geigers Wissenschaftl. Zeitschr. 1836—1844. 



1. Jose ben Jose. 
(Band 2. [1836] ö. 304-307). 

Vorbemerkung: Zur Orientirung über folgenden Artikel, theilweise zu 
dessenBerichtigung sei hier verwiesen: 1) auf die sy nagogale Poesie 
S. 74. 75. 220. 221, Beilagen S. 368. 372. 373. 374. 379 bis 386. 388. 
389. 392. 394. 399. 405. 406. 408. 410 bis 413. 415. 418. 421. 426. 
428 bis 431. 433. 434. 436. 437. 445. 482; 2) Ritus S. 106 bis 108. 
122 Anra. d; 3) Literaturgesch. d. syn. Poesie, 27 Anm. 2 S. 178 bis 
186, 573 N. 99, 602 A, 608 N. 9, a.b.c. 629 B, 630 A und Zeile 1 v. u. 
631 Z. 1, 632, 634, 637, 638, 639, 640; 4) Nachtrag S. 5. 7. 32. — 
Ueber Jose b. Jose ist meine Literaturgeschichte S. 24, 26 bis 28 zu 
vergleichen. 

In einem handschriftlichen Machsor-Conimentar vom 
Jahre 1317, den die Hamburger Stadt-BibHothek aufbewahrt ^), 
ist Jose ben Jose's schönes Festgedicht H'pbnt^ä) jj^jt einer 
Ueberschrift^) versehen, die aus dem Leben des so wenig 
bekannten Dichters zwei neue Momente mittheilt: dass ihm 
der Beiname „die Waise" und er selbst der Familie Avitur 
angehört. Es wird aber R, Joseph ben Avitur unter den 
besten Synagogendichtern der spanischen Juden des 11. und 
12. Jahrhunderts von Schemtob Palquera*) angeführt. Wirk- 
lich giebt es von ihm eine Keduscha^), ferner eine Aboda 
zum Versöhnungstage^), der ein Reschuth vorangeht, beide 



1) cod. hebr. 17 in fol. *) s. Rapoport yhp Anm. 20. S. 116. 

') DinM "nn^2N ^2 ^dv '"n mrpn "tid. *) wp2t2n f. 27b. 5) Machsor 

ed. Vend. 1524 in 12. f. 350b. Vgl. cod. Rossi 1377. *) Anfang '?}< 



— 144 — 

in Reimen und schwerem Styl ^). Demnach dürfen wir de 
Rossi's Worte ^) ,,R. Josephi ben Avitor commentar. in ordinem 
Avoda" als missverstandene Uebertragung^) betrachten und 
in ,, commentar. in ordinem Avoda R. Josephi ben Avitor" 
umstellen ; denn es ist ganz in der Ordnung, dass die dunkeln 
Werke älterer religiöser Dichter Erläuterer fanden, wie die 
Geschichte der Peitanim hinlänglich beweist*). Es wird aber 
der, in Folge eines Bannes um das Jahr 1010 von Cordova 
nach Damascus auswandernde, R. Joseph ben Lsaac ben 
Stanas von dem i. J. 1 Ißl schreibenden R. Abraham halevi^) 
ausdrücklich „der bekannte ben Avitur"^) genannt, ferner 
von R. Jehuda Charisi (1217), R. Joseph ben Stanas als der 
erste in Spanien angemerkt, welcher eine Composition ("1DJ??2) 
für den Versöhnungstag geschrieben ''). Offenbar ist der alte 
Festdichter Joseph ben Avitur bei Palquera — der keinen ben 
Stanas nennt — identisch mit dem Gaon Joseph ben Stanas 
des Charisi — der keinen ben Avitur aufführt — , und beide 
Namen vereinigt der ältere R. Abraham. Wer aber, etwa 
weil die Namen Jose und Joseph zuweilen altei-niren^), auch 
Jose ben Jose mit dem R. Joseph identifi-iren möchte, 
müsste bedenken, dass eine und dieselbe Handschrift Jose 
ben Jose deutlich von Joseph ben Avitur unterscheidet^), ja 
dass dem Dichter des n^'^DX eine gai;z andere Aboda ange- 
hört, nämlich das in Sprache und Form von der des R. Jo- 
seph so verschiedene HJJD nnx'^). Jene so charakteristische 
üeberschrift in dem gedachten sorgfältig geschriebenen Com- 
mentare für fehlerhaft zu halten, ist um so weniger Grund 
da, nicht bloss weil das parallele Stück nD''Dj^? seine richtige 



•) Machsor ms. A. 1451 (in der Bibliothek meines geehrten Freundes, 
des Herrn Heiman Joseph Michael in Hamburg.) ^) zu cod. 313. 

3) von ■nn"'2N p ^DV ''Dlb rniZy mO ti'TT'S- ■*) Zunz die gottes- 
dienstlichen Vorträge S. 387, 391. ') in rh2pn "1DD- *) ]2 yiTH 
"nn^DX, eben so Juchasin f. 126a (irrig ^^^^2^* ib. f. 162a), Köre haddo- 
roth f. 5b. '') Tachkemoni f. 7b und 8a. ^) Salomo ben Jose bei de 
Rossi Annales ad A. 1492 p. 92 ist Salomo ben Joseph cod. Rossi 984. 
Tn nnyn ]nX ms. fand ich ähnliches. Vgl. Wagenseil zu Sota 9, 9. 
*) s. cod. Rossi 1377. ">) cod. cit. Ferner Bartolocci biblioth. Th. 3 
p. 795, Äscheri und Mordechai zu Joma, Rapoport a. a O. 



— 145 — 

Benennung^) hat, sondern weil das Gebet ']"'lN*nv TJ\~l7N ^^-l"! 
■}DN (für den Vorabend des Versöhnungstages) mit ganz 
gleicher Bezeichnung auf ,, Rabbi Jose ben Avitur hajathom" 
zurückgeführt wird. In der That zeigt dasselbe in den ein- 
fachen schönen Gedanken, dem sprachlichen Ausdrucke und 
in den kurzen reimlosen Versen eine merkwürdige Ueber- 
einstimmung mit Jose's beiden anderen Dichtungen. Jose 
war vielleicht ein nachgeborener Sohn, und erhielt desshalb 
seines Vaters Namen und späterhin den Zunamen: die Waise, 
wohl aber, weil er in der Blüthe des Lebens gestorben, nie- 
mals den Rabbi-Titel. Da R. Joseph ben Avitur die erste 
Avoda geschrieben, so lebte Jose sicherlich später, doch wohl 
im elften Säculum, dem Zeitalter des R. Menachem ben 
Stanas, eines Dichters aus derselben Familie, den R. Moses 
ben Esra nennt"). Vielleicht ist der Titel Cohen, nach dem 
in einigen jüngeren Midraschim herrschenden Geschmacke^), 
ihm erst in späterer Zeit zuertheilt worden. Bemerkenswert!! 
ist, dass ein anderer Dichter für den Versöhnungstag, R. Jo- 
chanan hasaken*), auch als R. Jochanan hacohen^) figurirt, 
während das bekannte imxn einem R. Jochanan schlechthin 
zugeschrieben wird^). Jose's Aufenthalt verlege ich nach der 
Provence, dessen Autoren seiner zuerst gedenken ''), und 
wodurch allein genügend erklärt wird, dass schon früh rhei- 
nische und spanische Machsorim sich in seine Gebetstücke 
th eilten. 

2. Abraham ben Isaac und Abraham ben David. 
(Bd. 2 [1836] S. 307—313). 

R. Abraham ben Isaac, der grösste unter seinen 
Landesgenossen ^j, in Montpellier geboren^), lebte vermuthlich 
in Narbonne, denn unter den Lehrern dieser Stadt werden 
R. Abraham ben Isaac und R. Moses ben Joseph als Col- 
legen^*'), und beide — wiewohl uneigentlich — als Schüler 

*) "nybiX "n my^pn "IID. ^) Bei Wolf bibUoth. Th. 3 p. 4, wo 
DN'COJtf gedruckt ist. *) s. Zunz a. a. O. S. 317 u. ff., 320. *) codd. 
ßossi 373, 751, 963. ^) cod. Rossi 61. ^) cod. der Anmerk. 1. '') K. 
Isaac aus Marseille bei Rapoport a. a. O. ^) Juchasin f. 130b. ^) Schal - 
scheleth ed. Vened. f. 50a, ed. Amst. f. 38b. »") Kol bo ed. 1520 f. 10a. 
Sehern Hagedolim Th. 2 D 33. 

10 



— 146 — 

des R. Moses haddarschan aus Narbonne genannt^); R. Moses 
ben Joseph aber lehrte in Narbonne ^). Daher erkenne ich 
in dem R. Abraham. Präses der hohen Schule, welchen der 
reisende Benjamin in Narbonne trifft, unsern Isaaciden, der 
bekanntlich den Titel Ab- Beth-Din (i'^n) erhalten. Er stand 
in gelehrter Verbindung mit R. Nathan ben Mordechai in 
LuneP), R. Joseph ben Plat*), der vielleicht nicht verschieden 
ist von R. Joseph Gaon aus Narbonne^), und mit seinem 
Landesgenossen R. Samuel ben Mose^), wohl demselben, der 
seines Grossvaters R. Gerson aus Beziers Buch von den Ri- 
tualien, in^K^TIICD, vollendete ''). Möglich, dass R. Samuel 
aus Montpellier^) mit diesem Lehrer identisch ist, und der 
nämlichen Familie der nachmaimonidische Autor R. Samuel 
ben Gerson^) angehört. AlsR. Abraham's oder seines Schwieger- 
sohnes Lehrer in der Kabbala wird R. Jacob Nasir ge- 
nannt'^): jedenfalls haben wir diesen Rabbi, dessen Glossen 
zu Hiob^O nocl) in Fragmenten vorhanden sind, und von 
welchem kabbalistische^^) und Piutim- Erklärungen ^3) vor- 
kommen, in der Provence zu suchen. Weniges hat sich von 
R. Abrahams Rechtsgutachten i*), n')m2'^' mD^n (^:1C^^D '2Wr\ 
zu D"'t22"ll&' N. 16), dahingegen vollständig sein Eschkol^") er- 
halten. Er starb nach Rabbenu Tarn '*"), wohl vor R. Se- 
rachja, d. i. vor A. 1186^^), wenn es richtig ist, dass dieser 



') Juchasin 1. 1. ^) E. Jona zu Alfasi Th. 1 f. 21 b. Schaare 

Zion bei Scbalscheleth f. 54 b, alias 42 b. ^) cod. Rossi 159, Thefillin 

betreffend, daber vielleicht bei Mordechai (Thefillin) h^'j'h^ 12 2sN* ShV 
*) Abudraham ed 1726 f. 7 b— 9 a. =) s. rniCH Pesach §. 82. «) D''Qn 
Cyi N. 171, vgl. Juchasin 1. 1. ') R. Aaron Lunel in DiTi niniX 

f. 87c, 88d. Kol bo f. 68 c. Schalscheleth f. 54 b, 55a. ^) Biujamin ed. 

Nagel p. 5. ^) Abudraham f. 69 b, 113 b. '") s. unten S. 148 Anmerk. 17. 
") cod. Rcssi 181. Catalog. Oppeuh. ms. s. v. t^'H"»© (in 4) und v^i^-j (in 

Fol.) »2) '^] n^i: 2pV^ 1:^21 'Pn:- Zin t^'n^S wird angeführt in 

"crnn z'zm ie^d § 12 Biatt h 1 coi. 4. »3) in m^np ititd ms 

zu nij/t^rc'p '?X (cod. hebr. 17 in Hamburg). ^*) Hl^ltiTl "IDD ist citirt 
von R. Serachja in pl^mPn 12D c. 45 f. 204a; vgl. ibid. f. 10b, 155a. 
*^) bZ'ii'N'n "ISD, s. cod. Rossi 159, angeführt in Diyi U^r2r\ N. 193, 
mm eis f. 39 b, 135d, "^LDvNjpn ipDD N. 45, 53, 71, 175, 177, 580, ge- 
druckt 1867 u. f. 16) Vgl. D"'yi D''?2n N. 140, 217. ") Schebet 
Jeliuda f. 76 a. 



— 147 - 

letztere des R. Abraham als eines Verstorbenen gedenkt ^) ; 
doch sicherlich vor dem Jahre 1205 ^). Aber es war ihm 
vergönnt, noch den Ruhin seines Eidams zu erleben^). 

Dies ist R, Abraham ben David, bekannt als frucht- 
barer Autor, als Gegner des Maimonides und des R. Se- 
rachja^), mehr mystischen als speculativen Geistes, und ohne 
eigentliche Wissenschaft^) tief eindringend in Inhalt und 
Tendenzen des rabbinischen Judenthums. Er wohnte in 
Pousquiere^), Montpellier''), Lunel, mit dessen Einwohnern 
er zusammen genannt ■svdrd von Nacbmanides®), und wo 
seine Besprechungen ruit R. Serachja^) und R. Jehuda Tibbon*^) 
Statt gefunden haben mögen, und endlich in Nimes ^^), welche 
Schule, in Bezug auf ihn, als die dritte Instanz gegen Mont- 
pellier und Lunel ehrend genannt wird ^^) und nach welcher 
er vorzugsweise heisst: „aus Kirj ath- Jearim" ^^), wie man 
den Namen der Stadt Nimes ^^) hebräisch wiedergab, und mit 
welchem Beinamen auch noch ein üebersetzer Moses ^^) und 
ein Dichter Moses ben Abraham '*>) verseben sind. — R. 
Abraham klagt über grosse Leiden ^'^); uns ist nur eine kurze 
Haft bekannt, nach welcher sein Dränger — Elziar — nach 
Carcassone verwiesen worden (A. 1172) '^). Uebrigens wird 
er als reich und freigebig gepriesen ^^). Sein Lehrer ^•') war 



") Schein Hagedolim Th. 1 f? S ^) gegen Juchasin f. 132 a. 

3) Scliem Hagedolim Th. 2 J< 8. *) ib. {^ 10. Vaad lachachanjjm {^ 2. 

Vgl. WV' ü''Cn f. 68d. ^) Diy-l Di^n N. 238, f 51d: „Ich labe keine 
selbst der leichteren Kenntnisse der Gelehrten mir aneignen können, theils 
aus Schwerfälligkeit, theils vor Bedrängnissen des Schicksals." *) Bin- 
jamin ed. Asher. I, 36. ''j D'^T\ mPHN f- 116c. **) Igjidh Eanibfini ed. 
1726 f. 43 b. 9) s. Schalscheleth f. 53 a. »«) Vorrede zu n^DI/H TDin 
Abschnitt 2. ") it^'CJ, s. D^Vl D^'^H N. 7 und 19. '^) 1. 1. N. 7. 

a) "inn (Montpellier), b) Lunel, c) Nimes. 12"Nl (Id'pD f- 87 d) erläutert 
auf französisch. '3) Ct'^^V n"'1p, s. Bartol. Th. 1 p. 23, U^'^V H^lp 

nt^lD "l^y in cod. Urb. 44 und R. Abraham Lunel :\"i:?:n Pesach § 3; 
daher sogar ohne Nennung des Namens ib. Sabbath § 69 Ij^Z.'l Zim 
W'^V^ ni^pO ]1V "Tn:. **) lat. Nemausus, vgl. vijuos, Wald oder Trift. 
•5) Bartol. Th. 4 p. 238, cod. Vat. 382. und Wolf Th. 1 p. 894. '«) viel- 
leicht einerlei mit dem Vorigen, lebte i. J. 1466' in Avignou. ''') s. oben 
Anm. 5. ^^) Schebet Jehuda f. 76a. i^) Binjamin p. 6. 2") D"'^n 

D"'!?"! N. 9, 14, 245 und f. 76c. Vgl. t^p '^n ^blK* § '-', "vvo R. Abraham 
seineu Lehrer ,,Hacohen" citirt. 

10* 



— 148 — 

ß. MeschuUam ben Jacob aus LuneP), der die besten 
Werke seiner Glaubensgenossen sammelte und abschreiben 
Hess, selber ethische Schriften^) und Rechtsgutachten*) ver- 
fertigte, und im Jahre 1170, gleichzeitig mit R. Jacob Per- 
piniano zu Marseille, mit Tode abgingt). Auch R. Meschul- 
lams fünf Söhne: Joseph, Isaak , Jacob, Aaron, Ascher, 
sämmtlich reich und unterrichtet^), standen zum Theil in 
Verbindung mit R. Abraham. R Jacobs ben Meschul'am 
gedenkt sein Zeitgenosse R. Isaak aus Marseille'^); R. Aaron 
ben MeschuUam, des Maimonides Vertheidiger *) und A. 1210 
gestorben^), ist wohl derselbe R. Aaron, an den R.Abraham 
einige Schreiben gerichtet ^^), welcher letztere auch die Fest- 
Halacha's des R. Ascher ben MeschuUam anführt ^^), jenes 
angesehenen ':5i:i':)Q L^•^'-l^ ^^), der, den weltlichen Geschäften 
und Genüssen entzogen, dem frommen Studium emsig oblag ^^) 
und in Verbindung stand mit R. Isaak ben Samuel ^*) aus 
Frankreich'^). Nächstdem erhielt er auch Unterweisungen 
von seinem Schwiegervater^^), von R. Jacob Nasir ^.'^) und 



J) Jehuda Tibbon Vorr. zu m237n DDin. D^''n mrTlX f. 102 b. 
cod. Rossi 159. Schaare Zion 1. 1. Vgl. Rinjamiii p. .5 und Schebet Je- 
huda 1. 1 Unrichtig ist „Moses Meschullaiti" bei Köre Haddoroth f IIa. 
2) ein R. MeschuUam aus Narbonnt^ bei p"f<"1 12.')C. Hagahoth Maimo- 
nioth (Rechtsgutachten zu □"•LOD^Q nüS"! N. 70) und Mordechai (Kethu- 
both c. 13 Anf.) ^) Jehuda Tibbon 1. 1. *) mOHnn "lE^D f. 235 b, 

c. 46. ^) vgl. Binjamin p. 6 mit Schebet Jehuda 1. 1. ^) Binjamin 

p. 5. '') "llLDy f. 36 c. 8) Migdal Os zu HZIK'P c- 8. cod. Ro.s,si 772. 
9) Schebet Jehuda f. 76b. '"j DVI D^Z^P N. 9. ") ib. N. 120. 

'2) Köre Haddoroth f. IIb. 16a. Schem Hagedolim Th. 1 S' 19. R. Ascher 
ben Saul aus Lunel verfas.ste mjHjDn "1DD (ß- Salomo Duran RiJA. 
f. 34a) und ein R Ascher ans der Provence niOflDn 1?D i^g^- Schal - 
schelcth f. 54b, 61 b), vsronach Wolf Th. 1. p. 226 N. 3 und p. 227 N. 6 
zu berichtigen. ") Binjamin 1. 1. **) Hagahoth Maimonioth zu n^SPl 
c. 7. G''J?1 WÜPi N. 203. '5) nDT:iC, so an der letzt angeführten Stelle 
wohl wegen des gleiclmamigin Lehrers in Narbonne (Commentar der 
Chronik 1 9, 40. 18, 3. 5. H 24, 14). ^^) vgl. Schalscheleth 50 a, alias 
38b; □"lyi WOPi N. 39. ") D^^y m^N'D ms. Schem Hagedolim Th. 2 

J< 9. Vgl. die S. 149 Anm. 5 angegebenen Stellen, und Zunz G. V. 
S. 404. Die Stelle bei Kecanate {^Ü'J (vgl. Rapoport pJ )y^2l Anm. 57 
S. 49) ist verdorben und — wie Herr Heiniann Michael mir gezeigt — 
interpolirt; sie fehlt in der Ausgabe von 1523. 



— 149 — 

vielleicht auch von R. Joseph ben Plat^), und auf die Mit- 
theihmg eines der beiden ersteren ^) scheint jener Ausspruch 
hinzudeuten, dass der heilige Geist in seinem Lehrhause sich 
offenbart^). Nach Montpellier, in die Zeit und die Familie 
R. Abrahams führen uns die ersten Spuren jener antesoha- 
rischen philosophischen Geheimlehre*), als deren Träger uns 
R. Abrahams eigene Söhne, R. Isaak^) und R. Ascher^), 
genannt werden; ja man hat einen i. J. 1430 verfassten 
Commentar des Buches Jezira ^) dem R. Abraham unterge- 
schoben, was übrigens bereits R. Chajim Vital erkannt hat'). 
Ein ungedrucktes Buch R. Abrahams soll von dessen Bruder 
sprechen^). Von sonstigen mit ihm in Berührung gekommenen 
Zeitgenossen sei hier noch erwähnt: R. Moses ben Jehuda^^) 
in Beziers ^^), Lehrer des R. Saul hacohen^^) — vermuthlich 
der Vater des R. MeschuUam ben Moses ben Jehuda aus 
Beziers, der das Buch Hc'PU'n schrieb ^^) — , und R. Jehuda 
ben Abraham^*), vielleicht ein Sohn des in St. Gilles wohn- 
haften R. Abraham ben Jehuda ^^). So begegnen wir in R. 
Abrahams Lebensverhältnissen und geistigen Richtungen über- 
all der Provence; ja dass gerade dort sein Ansehen gelte, 
meldet er selbst in einem Schreiben nach Beziers ^*^). Er starb 
sechs Jahre vor Mairaonides^^), Freitag am 27. November 



1) D^yi D^Z^n f. 7 und N. 23. ,S"2Iin r\")W 18 fin. HIHI Dl^ 
f. 151a, 153a. Sonst noch citirt HIOTinn "ISD f. 131 b, 133a, "WH 1DD 

§ G02 (die Geonim Frankreichs und der Lehrer R. ';] Lc'pS). tCpSl '''P2ti' 
ms. N. 29. Maim. GA. IP. I^^D 8, angeführt von Ilt'N'"). ^) vgl. Schal- 
scheleth f. 50 a. ^) nilttiTl zu Lulab c. 8. § 5. *) Rapoport Nachträge S. 19. 
Zunz a. a. 0. S. 404. '") D"'J''y n*l^N?2> ms. mjl^NH 'D f- 33b. iy ^-[^D zu 
ThefiUiu c. 3 § 5. li'ipn PIIDy 2, 13. 3. 18. bpl^'^^H 'D zur Pesach-Hagada 
(„Sohn des heiligen R. Abraham in Beaucaire")- R- Bechai zu röW'l f. 49b. 
®) ni22n "IKIN zu Rosch haschana c. 1. Labbe bei Wolf Th. 1 p. 225 
(richtiger Th. 3 p. 139). Aber p^J 202, IfipH r\12V L 5- 15 beisst er 

Ascher ben David ben lDJ<in. '') ed. Grodno 1805. Vorrede f. 3 a. 

8) Schem Hagedolim Th. 1 X 6. ^) p'l)i nVIi' bei Uri cod. 345. '") D^?2n 
ü^])-\ 7 f. 6. Vgl. Juchasin f. 130 b. Kol bo f. 86 d. Ascher nDiP^ <V 4 
(f<jmiJ2), D1"nD nVli* 677. 1') li'iiSnZ bei Schalscheleth f. 54b emen- 
dire ich in tf-m^- ^^) mQHnn 'D f. 182 a. c. 42 § 5. '^j Juchasin 

f. 132b. Schem Hagedolim Th. 2 D 31. i*) D'^l C^CP N. 11. ^^) Bin- 
jamin p. 6. '«) U^l D^CH N. 113. '^) Köre Haddoroth f. IIb. 



— 150 — 

des Jahres 1 198 ^) , und der Leiche bereiteten Priesternach. 
kommen, die einen Begräbnissplatz sonst nicht betreten dürfen, 
das Grab ^), den Hingeschiedenen einem der alten Patriarchen 
gleichstellend ^). 

3. Kalonymos ben Kalonymos. 
(Bd. 2 [1836J S. 313—320). 

Kalonymos ben Kalonymos ben Meir, auch 
Kalony mos ben Meir genannt, 1284 oder 1287^) geboren, 
hat als üebersetzer und selbstständiger Autor einen rühm- 
lichen Namen erworben. Aber beinahe brachte ihn um die 
Hälfte seines Ruhmes jene Nachricht in allen Ausgaben des 
Buches Eben Bochan, welche ihm i. J. 1240 ein Alter von 
83 Jahren giebt°), so dass der Verfasser dieser Schrift un- 
möglich der Uebersetzer bleiben konnte, welcher i. J. 1317 
vorn in den Dreissigen war. Daher unendliche Verwirrung 
bei Wolf^) und de Rossi '^). Indessen schildert der Verfasser 
des Eben Bochan zu lebhaft für einen abgelebten Greis, so 
dass man die 83 Jahre aufgeben muss ; ferner zählt er seit 
der Vertreibung 17, seit der Hirten Verfolgung 2 Jahre ^), so 
dass man auch das Jahr 1240 in Stich zu lassen genöthigt 
wird. Da nämlich die Vertreibung A. 1306^), die Feind- 
seligkeiten der navarresischen Hirten A. 1321 ^°), Statt hatten, 
so trifft die Vollendung jenes Werkchens, richtig nach beiden 
Angaben, in das Jahr 1323, und zwar in den Januar, als 
Kalonymos noch nicht 39 Jahre zählte. So ist der, vermuth- 
lich durch Hinzufügung des Alters entstandene, Fehler der 
Nachschrift durch blosse Umstellung der Worte verbessert'^), 

Freitag Chanuca des Jahres 4959 (Juchasin f. 132a, vg-1. Schebet 
Jehuda f. 76 a). '^) ibid. ^) s. Maimonides 'p2^^ HlD^l c. 3 § 10. 

*) Er war i. J. 77 entweder 30 Jahre alt (Wolf Th. 4 p. 751, Uri catal. 
p. 74 cod. 303) oder 33 (Wolf Th. 3. p. 14). ^) HN'in nl^üH •'nD''D 

n:it'. ®) Th. 3 p. 972. '') Catal. mss. ad cod. 216 widerspricht dem 

dizion. stör. Vol. 1. p. 180. ^) c. 102, ed. Cremona f. 29. ») "IIDSD 

mCI f. 430, Levi ben Gerson Cotnmentar TlpriD, Schebet Jehuda N. 21 
f. 31 a. Vgl. Schalscheleth f. 59 a, Juchasin f. 133 a. ^°] s. die Quellen 
bei Basnage bist, des Juifs Th. 9 p. 520 und vgl. Schebet Jehuda N. 6 
und N. 43. Usque hat 5080. »i) F]bxn "IHN HW ü^:)J2\i^^ l^'blT P2'i^n 

nT^ ^\:12^'^ D^it'bii' ]z ^it'^cnn. (Vgi. unten s. i87). 



— 151 — 

indem nunmehr die 83 Jahre nicht dem Kalonymos, sondern 
der jüdischen Aere gehören. Einen grossen Theil seiner 
Uebersetzungen arbeitete er im Auftrage des Königs Robert 
von Neapel^), mit dessen Briefen versehen^) er auch eine Zeit 
lang in Rom verweilte, jenem Geschäfte obliegend''^). Im 
Jahre 1317'^) und im Jahre 1322 war er in der Provence; 
das letztgedachte Jahr finden wir ihn von Osten kommend 
nach Catalonien reisen^). Da uns nun weder eine zweite 
Reise des Kalonymos nach Rom, noch eine von ihm in den 
Jahren 1318 — 1322 vollendete Uebersetzung bekannt ist: so 
fällt sehr wahrscheinlich der Aufenthalt in Rom innerhalb 
der gedachten Epoche, und die Abreise, die der Dichter 
Immanuel bedauert^), zusammen mit jener Rückkehr nach 
der Provence. Vermuthlich hatte Kalonymos die königlichen 
Briefe, auf seiner Hinreise, in Avignon erhalten, wo Robert 
A. 1319 sich befand, arbeitete die beiden folgenden Jahre in 
Rom, erhielt 1321 oder 1322 die Anmahnung von R. Samuel, 
zu seiner Familie zurückzukehren, die Immanuel im Namen 
der römischen Gremeinde mit einer so schönen Lobschrift 
beantwortet^), worauf aber dennoch Kalonymos, noch i, J. 
1322, von Rom abreiste. Demnach ist dieser zuverlässig ein 
Provenzale, wahrscheinlich, gleich Todros, in Arles selber zu 
Hause. Von der Provence war die Uebertragung wissenschaft- 
licher arabischer Werke ausgegangen: Jehuda und Samuel 
Tibbon lebten in Lunel, Joseph Kimchi in Narbonne; Jacob 
Antoli übersetzte im Auftrage der Weisen von Narbonne^); 
Moses Tibbon schrieb in Montpellier^), Salomo beu Hieb in 
Beziers ^°). Dort wurde Wissenschaft angetjauet, und die 
Provenzalen wurden den rechtgläubigen Juden anstö-sig^^), 
und gerade mit Kalonymos gleichzeitig wiu''!en arabische 
Schriften übersetzt und erläutert von Jacob ben Machir in 



') Immanuel n"l"CriD Cap. 23 p. 210 (ed. Berl.) u. f. ^) ib. Z. 10 

V. u. mn '?-in mn on^ i^cn ir:nNo sS-^uin "ml'ü momnz. ' it . 

p. 211. 4) s. Wolf Th. 3 p. 14 tinten. *) Even Bochan f. 29—32. 

«) 1. 1. p. 211 nn:] ij'p x\n nbxiJ'n-ii'. '^j ib. p. 209-211. ^) catai. 

Uffenbach. p. 118 ad cod. 86. ^) cod. Rossi 776. i«) Wolf Th. 3 p. 14. 
") s. Jedaja bei R. Salomo Addereth RGA. ed. 1610 f. 111 d, 117b u. ff., 
und Addereth ib. N. 724. 



— 152 — 

Montpellier^), Levi ben Gerson in Bagnols^), Samuel ben 
Jehuda aus Marseille^), Todros in Trinquetaille bei Arles*). 
Von Griechenland, Italien, Provence, wo der Namen Kalo- 
nymos^) ursprünglich zu Hause ist — und von wo er nach 
Frankreich und Deutschland verpflanzt wurde — , ist nur 
letztere als die Pflanzstätte von arabischer Gelehrsamkeit 
und Dichtkunst bekannt, üeberdies ist „Kalonymos Nasi" 
(Fürst), wie sowohl der Uebersetzer^) als dessen Vater '^) ge- 
nannt werden, in Narbonne ^) und Beaucaire^) heimisch, und 
in der That treffen wir den Kalonymos zu drei verschiedenen 
Zeiten in der Provence, und zweimal (1307 und 1317) in 
Arles^''), woselbst vermuthlich R. Samuel, der nach Rom 
schrieb, Oberhaupt gewesen. Nun kann es auch nicht be- 
fremden, dass der Verfasser des Schaare Zion, ein Proven- 
zale^^), unter dreizehn Autoren, die sämmtlich Navarra, 
Catalonien, Majorca und Provincia angehören, auch Kalo- 
nymos ben Meir aufzähltest. Endlich möge nicht unbeachtet 
bleiben, dass die älteste bekannte Handschrift von Kalonymos' 
Schriften, die wohl noch gleichzeitig mit ihm ist, in Tarascon 
angefertigt worden ^^j. Seine aus dem Arabischen gelieferten 
Uebersetzungen in das Hebräische ^^j betreffen philosophische, 
mathematische und raedicinische Werke des Averroes, Alfa- 
rab, Galenus u. A. und fallen zwischen 1307 und lr)23; sie 
scheinen den Neid von Christen, vielleicht von Mitbewerbern, 



1) vgl. Addereth 1. 1. N. 395 mit de Eossi diz. stör. Vol. 1 p. 133, 
der irrig ihn nach Cordova versetzt, wovon die Quelle bei Wolf Th. 3 
p. 15. ^) Bartol. Th. 4 s. v. Vgl. Juchasin f. 133b, Wolf Th. 3. p. 

646. 650. ^) Biscioni catal. in fol. p. 150, in 8 p. 476. ^) Vgl. Nessel 
catal Biblioth. Vindob. p 7 cod. 94 mit Bendavid in Eichhorns Allg. 
Bibliothek B. 7 S. 775, 781. ^j so punctirt Immanuel p. 209 iu dem 

Gedichte ^rij?n^ iÖ, scheint aber dennoch aus Kleonymos entstanden. 
•) Wolf Th 3 p. 93, 969 und ^217, Th. 4 p. 751. Opp. Catal. p. 404. 
'') Immanuel 1. 1. p. 210. Wolf Th. 4. 1 1., wo auch der Grossvater Nasi 
ist. ^) Kalonymos Sohn des Nasi Todros in Narbonne (bei Binjamin) 

ist sicher Rabbenu Kalonymos Nasi. aus Narbonne bei "IIJCJ? f. 95 c. 
3) Tachkemoni f. 63 a. '") s. S. 153 Anm. 2. ") Schalscheleth 

f. 27 a, 61b (alias 19 a, 48 a); ein E. Isaak de Lattes in Perpignan bei 
Addereth EGA. N. 1249, »2) bei Schalscheleth f. 59 a. ^^) cod. Eossi 935 
"j Immanuel p. 209. ZlJJ ]wb nSD ^^2V ]y^'hh p^HJ?»!'?. 



— 153 — 

erregt zu haben ^). Nichts ist davon gedruckt. Es sind 
folgende: 1. Vier Abschnitte aus der columna fundamentorum 
medicinae des Ali ben Rezvan (1307 Herbst, in Arles), in 
Leyden^). 2. Elf medicinische' Tractate von Galenus i^ver- 
muthlich die Sammlung, die Aguilar besass)^), in Parma*). 
Hieraus drei Capitel aus der Abhandlung vom Aderlasse in 
Leyden; der Abschnitt von den kritischen Tagen und den 
Zeichen, in Paris ^). 3. Archimedes von der Kugel und dem 
Cylinder, ms. vom Jahre 1452 in Oxford^). 4. Averroes 
aristotelische Metaphysik (1311) im Vatican, in Leyden ') und 
in der H. Michaelschen Bibliothek. 5. dessen Topik (1313), 
in Turin ^). 6. Aristoteles von den Pflanzen (1314, 8. Nisan), 
in Parma ^). 7. Alfarab de scientiis (1314, 12. Ijar), eben- 
daselbst. Wahrscheinlich auch dessen Brief, welcher mit 
jenem Tractate, dem er angefügt ist, zusammenzuhängen 
scheint ^•')- 8- Dessen de intellectu, in der Oppenheimerschen 
Bibliothek''). 9. Gen tiloquium oder >f«e7iof, Auszug aus Ptole- 
mäus (1314', im Vatican, in Oxford, der Oppenh. Bibliothek 
(geschrieben von Abraham ben Simeon A. 1373)'^), und 
dasselbe vermuthlich in Leyden'^). 10. Abi Jussuf ben Isaak 
des Alexandriners epistola de intelligentiis sphaeras moventibus 
(1314, 21 Elul), im Vatican i*). 11. Averroes Aristot. Physik 
(nsgl axQoäatojs) 1316, 19 Elul), im Vatican und in Oxford, 
die vier ersten Bücher in Paris '^). 12. Dessen de coelo et 



i) s. ib. 210. Z. 11 von unten. ^) Wolf Th. 3 p. 1217 und p. 93, 
wo "'~7"^^^ statt ^HvlN* zu lesen. Das Datum ist: 13. Marchesehvan 68. 
*) ib. p. 969 (gegen Wolf, der einen jungem Kalonymos ans Italien nennt). 
*) cod. Eossi 1276. *) Wolf Th. 1 p. 1006, Th. 3 p. 167. 1218. «) Uri 
Catal p. 86 cod. 440. corrig. W. 4 p. 962. '') Bartol. Th, 1 p. 13. Catal. 
Biblioth. Lugd. B. in 4 p. 284 N. 14, in fol. p. 405 N. 9. cod. Vat. Urb. 45. 
Sj Wolf Th. 4 p. 751, aber p. 791 ist das Jahr 1314 angegeben. ^) codd. 
Eossi 216 und 776. '") s. de Eossi zu cod. 776 p. 168 und zu cod. 458 
p. 51. '1) Catal. p. 404 N. 1172. Vgl. Biscioni p. 150 cod. 25 N. S. 

'2) Wolf Th. 1 p. 969, Uri Catal. p. 68 cod 367, Oppenh. catal. ms. s. v, 
^15. Der gedruckte Catalog ed. 1782 nennt den Abschreiber nicht, der 
ed. 1826 p. 648 lässt Uebersetzer, Abschreiber und Alter aus; letztere 
beide hat bereits Wolf Th. 3 p. 16 und 920. ") Catal. p. 404. '-»j Asse- 
raani cod. Urb. 47 N. 3, vgl. Bartol. Th. 1 p. 11. '^) Bartol. Th. 1 p. 13, 
Wolf Th. 1 p. 1006, Th. 3 p. 14 und 970. Uri 1. 1. p. 74 cod. 393, wo 
das Jahr 77 angegeben ist. 



- 154 — 

mundo (1316, 9. Cheschvan d. i. 26. October), in Turin ^). 
13. Dessen Meteorologie (1317 in Arles), war bei Jablonski 
und Heydenheim; ms. vom Jahre 1331 in Parma, auch in 
Paris ^). 14. Dessen de generatione et corruptione, ebenso^). 
15. Dessen Sophistik (1323, 22 Elul), in Turin *). Ausserdem 
verfasste er vier Werke, nämlich: 1. ü''"'n '^7V2 H^JJN, eine 
freie Bearbeitung nach dem Arabischen der Abulzafa^) (Man- 
tua 1557, Frankf. a. M. 1703, wahrscheinlich vor 1321 ge- 
schrieben'^); 2. Ü''11D HDDD zur Belustigung am Purim (Vene- 
dig 1552 bei Daniel Adelkind). Nicht Leo de Valentibus'^), 
sondern unser Kalonymos ist Verfasser dieses anonymen 
Büchleins, das an ähnliche Dichtungen Immanuels^) erinnert. 
Er nennt darin sich selbst und andere römische Freunde ^), 
spricht häufig von Rom und Ancona, erwähnt italienische 
Speisen, und ist es wohl während des Aufenthaltes in Rom 
geschrieben. (Handschriftlich im Vatican, in der Michaelschen 
Bibliothek, in einem Manuscripte dicht hinter dem Commentar 
des R. Binjamin aus Rom). Die seltene Edition befand sich 
bei WagenseiP"); ist in Florenz ^i), 3. ]nD pX, das die Ge- 
brechen der Zeit scharf rügt, zu Anfang des Jahres 1323 
vollendet; handschriftlich in Leyden, Paris ^^), gedruckt Neapel 
1489^*), Venedig 1546, Cremona 1558 und sonst. 4. "12D 
D^übo über Geometrie, nach alleiniger Angabe des Schaare 



») Wolf Th. 4 p. 751. 2) Wolf xh. 3 p. 14. cod. Rossi 935. 

Heydenheinischer Katalog Rödelheim 1833 p. 30 N. 5. ^) 1. 1. Paris 

ist unsicher. *) Wolf Th. 4 p. 751 *) s. die Vorrede, und Wolf 

Th. 3 p. 971. «) sein Dichtertalent s. Immanuel p. 209, ferner p. 210 

unten HDin DV^O |pm IpFi^ jlXI, was der Autor p. 11 auch von sich 
selbst sagt. '') Bartolocci Th. 4 p. 10. ^) ^'^^2^t2 c 25, vgl. auch 

Vorrede Anf., c. 5 Anf., c. 9 p. 83 unten. ^) Kalonymos b. Meir, Bin- 

jamin ben Jechiel (so hiess der Oheim des R. Zidkia, der in t^p^ v!3li* 
ms. § 87 auch einen R Jechiel b. Binjamin nennt, beide aus dem 13 Jahr- 
hundert. Ein Binjamin ben Jechiel A. 1400 im Kirchenstaate bei de 
Rossi cod. 959 p. 26), Hillel Harophe (erinnernd an den Arzt Hillel ben 
Samuel, der Bruni chirurgia übersetzt liat, wie vor de Rossi aü cod. 1281 
schon Catal. Oppenh. ed. 1786 Abth. 2 f. 21 a oben meldet. '") Er theilt 
zwei Stellen daraus mit ad Sota c. 9 (bei Surenhus Mischna t 3 p. 318 
und 321); s. Majus in Catal. Ufifenb. p. 224. Wolf Th. 4 p. 1041. »') Bis- 
cioni catal. in fol. p. 142 cod. 11 N. 1; in 8 p. 445. '') Catal. Lugd. 

B. p. 404 N 10. Wolf Th. 3 p. 971. '3) de Ro.ssi Annal. p. 66. 



— 155 — 

Zion^). Wolfs Aussage 2), dass dieses Werk sich in der 
Oppenheimersclien Sammlung befinde, wird von den Kata- 
logen nicht bestätigt. Ohne Grund legt dem Kalonymos der 
Verfasser des Sifthe-Jeschenim eine eigene Schrift Iggereth 
hammusar bei^). 

4. Jehuda ben Moses Romano.*) 
(Bd. 2 [1836J S. 321—330). 

Jehuda ben Moses ben Daniel aus Rom, philo- 
sophus divinus^), hat zahlreichi^ Schriften im Gebiete der 
Theologie und der Philosophie, theils verfasst, theils aus dem 
Lateinischen übersetzt. Er bearbeitete unter Anderem die 
Werke des Angelus von Camerino, der zu Ende des 13. Jahr- 
hunderts lebte, und des Aegidius de Roma^), der i. J. 1316 
gestorben, aber keines Jüngern, so dass er wahrscheinlich 
in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts — in welchem 
seine Producte bereits verbreitet waren ^) — geblühet hat. 
Ueberdies erzählt R. Moses de Rieti, dass er sich in seinem 
48. Jahre, nämlich A. 1436, lebhaft nach einem Werke Jehu- 
da's, das er sich nunmehr selber abgeschrieben, gesehnt habe'^), 
— ein Beweis, wie wenig habhaft damals diese Schriften 
schon im Heiniathlande geworden. Es tritt uns aber in 
Immanuels Mechabberoth ein hochgepriesener Freund des 
Dichters, Jehuda®), entgegen, der kein anderer als unser 
Autor ist. Namen, Vaterland, Zeitalter, wissenschaftliche 
Stellung, Ruhm passen nur für R. Jehuda ben Moses. Baispiel- 
los wäre es, wenn in Rom gleichzeitig zwei ausgezeichnete 
Philosophen Jehuda gelebt hätten, von denen der eine als 
Krone der Denker und Schriftsteller besungen, jedoch durch 
keine Zeile der Nachwelt bekannt wird, von dem andern 
aber, den Niemand nennt, zahlreiche Arbeiten vorhegen. 

') bei Schalscheleth f. 59 a. ^) Th. 1 p. 1004. ^) {^ 48, wo auch 
behauptet wird, Kalonymos habe ins Lateinische übersetzt. *) niDlb^DH 
^^'?^s^, cod. de Rossi 590 p. 97, cod. 776 p. 169. Biscioni in fol. p. 16 
Immanuel zu Sprüche 30, 11. rjlQl'piPri bei Bartol. Th 3 p. 68, Biscioni 
p. 15 und 67. Vgl. S. 156 Anm. 3. ^) s. unten S. 160 ^) codd. 

Eossi 129 und 735 sind aus saec. 14, cod. 286 vom Jahre 1426. '') cod. 
de Rossi 1376 p. 159. «) Capp. 12. 20 (p. 189, 190). 28 (p. 263). 

*) Vgl. Steinschneider in Jeschurun B. 6. 



— 156 — 

Allein die Identität ist noch bündiger zu erörtern. Imma- 
nuels Jehuda heisst an acht Stellen, und fast so oft als von 
ihm die Rede ist: n^"1X *11J nilH"' i) ; der erwähnte R. Moses 
de Rieti, ein Verehrer des Jehuda ben Moses, konnte selbigen 
in seinem, dem Andenken jüdischer Weisen bestimmten, 
Bache loyc l^HpO^j^ unmöglich übergangen haben; wirklich 
nennt er ^1Dl'?"'D ^''i\ ("T'IN 11^ rniH'''^), und gerade diesen Namen 
führt Jehuda ben Moses, der zweifelsohne Leo*) genannt 
wurde, in einem seiner Werke s). Demnach ist es Jehuda's 
philosophischer Geist (vDl^') überhaupt und insbesondere 
dessen Schriften über Intellectus und Ideen, was Immanuel 
in der meisterhaften Lobschrift nnt< iMMl'^ und in einem 
andern üedicht besingt^); er zielt sogar in bestimmten 
Wendungen auf unseres Autors Bücher von den Ideen 
(nmiin?2)7) und von den Ursachen imDDnD)«). Und da er 
aus den Werken unseres Philosophen Manches geschöpft hat^), 
so gehört dazu vielleicht auch die Kenntniss von dem Buche 
flores divinitatis ^''). Die Bibliographen haben indessen auch 
einen Jehuda mit Immanuel in Verbindung gesetzt. Aus 
Schalscheleth hakabbala nämlich berichtet de Rossi^'), dass 
Immanuels jüngerer Bruder ein R. Jehuda sei, der A. 1240 
der Schüler des Albertus Magnus ^^) gewesen. Aber ''Jt^* TIN, 
dessen R. Gedalja Jachia^^), oder eigentlich dessen Gewährs- 
mann, Moses Rieti, sich bedient, heisst nicht jüngerer Bruder 



•) p. 105 Mitte, 106 vor Anfang des Gedichtes HN tlDH"^, 108 als 
Vers aus Genes. 49, 9. 110 Mitte. 112 (Cap. 13 Anf.), Capp. 20 und 28 
a. a. O. ^) s. de Rossi ad cod. 1360, Reggio in Biccure haittim Jahrg. 9 
S. 15. ^) im sechsten "lOi^Q (mitgetheilt von Saraval). *) vgl. R. 

Jehuda Cohen (circa A. 1000), der schon Leon hiess, auch E. Leon ben 
Schabtai im Mordechai, Schabtai Leo bei Immanuel p. 263. ") "'"IDT 

rn)n'' n"'"lX 1"i:i bei Blsciom in fol. p. 16. ^) s. Mechabberoth p. 107 — 110, 

190 OiÖBV. ^) vgl. p. 106 inm^i nnxi, io7 nm^n :in bv 22)Dn 
müit^'sn, 108 nniD^n nmun, in onmii '^^^'E:^ min^i, i9o LDi:^*sn 
nmnü nmy ny nx DncnD 'p2W2- ») v. los nDnnn ']2 niDon, 
111 DniDD lipn^ min^i i9o -ly^ ^jd 'pDts'b r\2D "(72^. ") p. loe, 

vgl. unten S. 159 Anm. 6. ^°) riVH^NM Ti")? p. 197, vgl. unten S. 161. 
") dizion. stör. Vol. 1 p. 112. '^) VlCT'd'^X richtig emendirt aus TlITüTI, 
wie in Schalschel. ed. Ven. f. 54 b wiederholt gedruckt ist. ^^) 1. 1. 

T'Dbn mini '^ i^:^ n^ii^' ^:\l' HvX 6 n^nir \n\s'n — bio^r^v "1 
^^^ion iiznD xyon m b^ xiiciDib"'Dn ncrnz v^'o i^Di^Dn. 



— 157 — 

oder Bruder^), sondern ,, Vetter" (Geschwisterkind 2)^ wofür 
bald ""Jt^' allein^), bald TIN* allein*) gebraucht wird. Mit 
letzterem Ausdrucke bezeichnet aber Immanuel seinen Je- 
huda^), welchen man für ,. Freund"^) nehmen könnte, wäre 
nicht durch die Wendung „Bein von meinem Beine, Fleisch 
von meinem Fleische"^) die Verwandtschaft ausgedrückt. 
Jenes Jünger- Verhältnis« zu Albertus kann hier nichts anders 
sagen wollen, als dass Jehuda die Schriften des Albertus 
studirt, übersetzt oder commentirt habe, — letzteres wird 
sogar M'örtlich hinzugefügt^). Aber nur Jehuda Romano 
ist als Bearbeiter Albertischer Werke bekannt, und dessen 
Identität mit dem Jehuda der Mechabberoth nun auch durch 
die Verwandtschaft, die Rieti und Immanuel bezeugen, bewährt. 
In der That trifft man in der Familie des Dichters sowohl 
Moses als Daniel; ersterer war sein ältester Sohn^), letzterer 
ein geliebter Verwandter, dessen er sich — was wohl zu 
beachten — erinnert, als von „Jehuda Gur Arje" die Rede 
ist^°); — vielleicht war jener Daniel ein Bruder des Philo- 
sophen oder Beider Vetter. Ja in Rieti's Werke selber war 
Jehuda Romano oder Jehuda Gur Arje als jener Vetter des 
Dichters bezeichnet, indem diese Notiz nothwendig sich als 
Anmerkung ^^) zu dem erwähnten Verse des ^V^ tflpD 



') so bei Seder Hadoroth f. 5?^ b, ^) 'Cpb 'h2\i/ ms. § 6: "»^l 

^jrr "»nx npiii, ib. § 109 .• ^12^:2 "12 'p't ^:itt' ^rn mi.T 'n m?:: vgi. r. 

Menacliem de Lonzauo bei Köre Hadoroth f. 21 si,. Ferner i<''jn f. 60a: 
Jti' ""nN* pC"»:!:: ~12 n^p1)i "l. ^) R. Meir Padua RGA. N. 8. f, 41 a, 

N. 87 f. 60 b, Samuel Schullam bei .luchasin f. 132 b, Del .Medigo wb^ 
p. 30 Z. 9. *) Cpb ^b:3li' § 87: "TIN* rTipli^ ist derselbe, wie der oben 

Anm. 2 bezeichnete; in beiden Stellen correspondirend mit R. Abraham 
ben Joseph aus Pesaro. Ibid. § 9 und 50: Tlf^ HLi'Q, aber § 48 nti'D 
pO''iD "12. Vermuthlich eben so ':55^in'' TiXb bei cod. Rossi 197 p. 129. 

*) Mechabberoth p. 105 nW ^flsS N'in, zu Spr. 30, 11 "TlwX min'' '"ID. 
«) rikS heisst Freund bei Mechabberoth p. 117 i'p n\n PiN* bj?, 211 "l^Djn 
-jinX, ben Scheschet RGA. 214 Auf., mjcn in 'C:^ § 15« pn^t "] inf< 
n^nnO 12, und sonst. In dieser Beziehung sagt Immanuel p. 105 von 
Jehuda: "lym l-IH- ^) ib. nU'^O 'W2) ^CK^D Dl^i?- ®) Schalscheleth 
1. 1. 9) c. 21 p. 197 und 198. '«) ib. p. 263 H^sX Ip miH^ NIH - 
^nX biS^jT nby^ ^mn ^V^\Z''2 %n^1 und weiterhin iniS* bvN^:"; DipD, ib. 
unten vN''J"l "l^HX ") solche sind in Prosa abgefasst und Theile des 

Werkes, s. die S. 156 Anm. 2 angeführten Stellen. 



— 158 — 

befunden haben muss, da in einer neueren Handschrift dieses 
Werkes an dieser Stelle eine ähnliche, schon verfälschte, 
Mittheilung gegeben wird: Dass dieser Jehuda sei Messer 
Leone, ein Bruder des Dichters Immanuel — und vermuthlich 
der Gegner des R. Joseph Kolon ^). Diese letzte Hälfte 
des Scholions, offenbar später als das 15. Säculum, zeigt die 
allmählige Zunahme des Missverständnisses. Allein, dass 
jener Jehuda i. J. 1240 gelebt, stand keineswegs im Rieti- 
schen Buche, sondern es ist R. Gedalja, welcher Albertus 
Zeitalter durch das Jahr 5000 bestimmt, und hierdurch den 
Verfasser des Sifthe Jeschenim bewog, den Immanuel in das- 
selbe Jahr zu verlegen, woraus endlich Wolf, eine Abkür- 
zung unrichtig auflösend, das Jahr 1241 gemacht hat^). 

Hat solchergestalt, wiewohl unverschuldet, der Philosoph 
in das Zeitalter des Dichters Verwirrung gebracht, so möge 
uns nun der Dichter beistehen, das des Philosophen genauer 
zu ermitteln. Immanuel war um das Jahr 1290 in seinen 
Jünglingsjahren, denn unter augenscheinlich Jugendarbeiten, 
gedenkt er des Falles von Ptolemais — vielleicht sogar mit 
Bezeichnung des Jalires — wie eines noch lebhaft besprochenen 
Ereignisses^). Demnach war er um 1321 längst im Mannes- 
alter, womit auch seine Stellung zur römischen Gemeinde, 
unter Andorra bei Gelegenheit des Schreibens an R. Samuel*), 
stimmt; folglich A. 1328, in welchem Jahre er, zwei gleich 
lautenden Angaben zufolge^), einen Theil seiner Dichtungen 
ausgearbeitet, wenigstens in der Mitte der 50 und 60. Als 
er die Mechabberoth begann, war er in Jahren vorgerückt; 
als er das Schlusscapitel, von der Hölle und dem Paradiese, 



') ms. bei Reggio in Görz. *) Vgl. Schalscheleth 1. 1., das Re- 

gister bei Sifthe Jeschenim f. 98 Col. 5 (XH d. i. 5000). Wolf Th. 1 

p. 150 ({^n als blosse Zahl nehmend, also 5001.) ^) Mechabberoth c. 6 
p. 59: 1211 HN* 1\L'2 Sd n^nt^'H ^D IDV PHt^'J \nD (^2=50 d. i. A'. 1290); 
vgl. die nächstfolgende Frage li^J? "lOXH n?21 und die Antwort. *) s. 

oben Kalonymos S. 151. Vgl. sein Schreiben an die römische Ge- 
meinde (p, 218), seine öffentlichen Dienste (p, 11. "TIDlJn "'DHiJD pDVh 
wozu auch Predigen (ib.) und vielleicht die Anfertigung von Kaufbriefen 
und dgl. (p. 79 Z. 4 von unten) gehören mochte, s. auch p. 196 TTlp ^{< 
'1\X^ 1/2 "»Cn u. s. w. 5) c. 24. p 217, c. 27 p. 241. 



— 159 — 

schrieb, über sechzig^); folglich liegen beide Epochen unfern 
des Jahres 1328, wozn es vollkommen passt, dass er Gedichte, 
vor 20 Jahren geschrieben, anführt^). Mit Bewunderung 
aber meldet er von Jehuda, derselbe sei so ausgezeichnet, 
und noch so jung, erst 36 Jahre alt^). So spricht ein Mann, 
der wenigstens 50 Jahre überschritten, und wir gerathen mit- 
hin wieder in die Nähe des Jahres 1328, ja in dieses Jahr 
selbst, da uns nun Nichts anzunehmen hindert, dass der 
grösste Theil der Mechabberoth eben in dem gedachten Jahre 
ausgearbeitet worden, folglich war Jehuda um 1292 geboren, 
als Immanuel bereits gegen 20 Jahre zählte. Er war auch 
noch am Leben, als Immanuel das Paradies beschrieb, und 
sich dessen künftigen Platz unter den Seligen zeigen Hess*). 
Die Behauptung, dass Jehuda ben Moses eine Generation 
jünger als Aegidius geblühet, hat mithin sichere Bestätigung 
erhalten. 

Seine Werke und Uebersetzungen, die handschriftlich 
in Rom, Florenz, Parma, Turin, der Oppenheimerschen 
Bibliothek (jetzt in Oxford) liegen, sind folgende: 

1. Erläuterung von Bibelstellen a) 18 Stellen (s. unten 
Nummer 8 und die Anm.), nämlich: Spr. 8, 12. Jes. 6, 1. 
Zachar. 6, 1. 5, 9. I. Kön. 22, 19 u. ff. Habak. 3. Gen. 11, 1. 
Zachar. 4, 2. Ps. 131. 16, 2. 3. II. Kön. 2, 9. II Sam. 24, 
1 — 17. Ps. 50, 1. 71, 16. Spr. 30,, 1—6. Ps. HO. Richter 13. 
Jeres. 1, 5. b) Ps. 29 bis 34. 146—150. Exod. 15, 11. Ps. 1275). 
c) Spr. 30^). d) Der Schöpfungsgeschichte und der Flügel 



1) Vorrede Anf. Cap. 28 Auf. Vgl. c. 4 p. 43 Mitte. «) c. 21 p. 191. 
3) c. 12 p. 105. *) c. 28 p. 263. ^) de Rossi catal. codd. Vol. 3 p. 91. 
Wolf Th. 1 p. 448. cod. Rossi 1174 N. 3, cod. 1376 N. 4. Bartol Th. 3 p. 69. 
«.) Immanuel zii Spruch. 30, 11 (ms. perg. in 4): "IDPICn SnU^OJ? "löX 

Dnr':n D^piD^n "iix^dd ^nx min^ Sb ^rhi^n p]iDib^Dn DDnn hhd 

D21ti^7 m □"'"ID"!. hierauf drei Columnen, und weiterhin in demselben 
Capitel nennt er ihn noch fünf Mal auf gleiche Weise, so dass das Frag- 
ment aus Jehuda's Erläuterungen 12^/3 Columnen, zu.sammen über 400 Zeilen 
beträgt. Bemerkenswerth ist das Exemplar dieser Tmmanuelischen Schrift 
in cod. Rossi 735, wo sich am Rande die Glossen des „Jehuda ben Moses 
ben Daniel" befinden. Aus der Vergleichung beider Handschriften wäre 
die Identität beider Jehuda's, wie es scheint, sofort zu erweisen. Viel- 
leicht ist ein Theil obiger Erläuterung einerlei mit den sub 1 a angege- 
benen zu Spr. 30, 1 — 6. 



— IßO — 

in Ezechiels Vision^). 2. Commentai' zu den fünf Megilloth^). 

3. Ciyti' (66 Abschnitte) über die prophetischen Bücher^). 

4. Erläuterung der Gebete, insonderheit des Kadisch, der 
Keduscha, 208 Capitel*). 5. n'HI? p, Oommentar zu Maimo- 
nides Jesode Thora (de fundamentis legis in seinem Mischne 
Thora)^) 6. üebersetzung von Albertus Magnus de forma 
visionis*"), de causis nebst Commentar von Jehuda'^), de 
anima^j, de spiritu brutorum-^; 7. Dessgleichen von Thomas 
de Aquino deideis^"), de assecutione intellectus nebst zwei 
kleinen Abhandlungen^^), 3 Kapitel de parabolis ^-) ; 8. dess- 
gleichen von Aegidius fünf kleinen Abhandlungen ^^); 9. von 
Aristoteles de anima und des Aegidius Commenta:^*); 10. des 



^) Biscioui p. 16 und 67, Assemani cod. 191 und 289, cod. Eossi 590 
N. 3, cod. 129 N. 3 (genannt Commentar zn Gen. 1 u. 2). cod. Vat. 191 hat 
eine lateiu. Üebersetzung von Jehuda Rom ano'snn^SDH ti^n^D. ^) Bar- 
tolocci Th. 3 p. 6(3. ^) Wolf Th. 4 p. 835. cod. Rossi 1174 N. 11, cod. 
1376 N. 5. Bartolocci 1. 1. p. 67 (es wird Thomas de Aquino darin oft 
eitirt). 4) Biscioni in fol. p. 67 (64 Blatt klein Fol., beginnt r\Vrh 

U^IDH'Dil mZD), cod Rossi 372, cod. 129 N. 5. Bartol. Th. 3 p. 68. cod. 
Vat. 90. ^) cod. Rossi 129 N. 4, 286 N. 6, 315 N. 10; auch im Vaticau 
und in Turin (Wolf Th. 4 p. 830, der aber Jehuda ben Daniel nennt, 
ohne Jehuda Romano zu erkennen). ®) cod. Rossi 315 N. 11, sicher 

dasselbe als n.S"l?22 nppHjn miün ~1DN*D des ^IJDti'N HN' (fratris ger- 
mani) bei Biscioni p. 15 cod. 22 N. 2. '') cod. Rossi 315 N. 5, cod. 

1174 N. 5, cod. 1376 N. 2. ^) cod. Rossi 315 N. 13, cod. 371 N. 6. 

9) cod Rossi 315 N. 14, 1371 N. 1. »»J ib. cod. 315 N. 8, 1174 N. 10. 

'*) ib. c. 315 N. 6, 1174 N. 6. 1376 N. 3, 590 N. 2 enthält die Verrede. 
1*) Catal. Oppenh. ms. s. v. "I^J^D, aber der gedruckte Katalog (Hamburg 
1826 p. 502 und 503) nennt den Verfasser DI^ICHJ^ i- e. Achitomi, und 
den Uebersetzer R. Moses ben Daniel. ^^) nämlich a) de regimine mu- 
lierum, Biscioni p. 16; b) de differentia relativi ib., einerlei mit cod. 
Rossi 315 N. 15; c) theorema de circuli angulis, Bise. 1. 1.; d) nDDPlD 
n^ti^Dj de animae facultatibus Bise. 1. 1., sicher eins mit cod. Rossi 315 
N. 1, 1174 N. 8; die Vorrede dazu von Jehuda liefert cod. 590. N. 2. 
Der Ueber.setzer flocht hier die Erklärung der obigen 18 Bibelstellen ein, 
welche c. Rossi 1174 N. 7 und 1364 allein zu enthalten scheinen, e) de 
essentia, Bise. p. 68, cod. Rossi 315 N. 2. ") cod. Rossi 315 N. 12; 

nur das dritte Buch de anima in der Oppenheim. Bibliothek, s. Wolf 
Th. 3 p. 137 und 335 (der das Epitheton in D1M"'n\S "IZ^JH "nN"*!! auf 
den Commentar bezog, es heisst aber venerabilis, vgl. H^Dji"! nXn 
''TjDtt'Nn bei Biscioni p. 15) und catal. Opp. p. 498 (der Idii statt 
Aegidii schreibt). 



— 161 — 

Buches flores divinitatis oder de causis sammt dem Com- 
mentar von Aegidius^); 11. von Boethius de uno^); 12. von 
Averroes D''r2Wn D)iV nebst Commentar^). Endlich 13. Disser- 
tationen und Lxcerpte aus Albertus, Thomas, Aegidius, 
Alexander dem Minoriten*}, Angelus^). Ein Gedicht 
und Schollen zu Jehuda's HTI? p giebt es von Moses ben 
Schabtai^), sicherlich einem Römer und vielleicht Jehuda's 
Schüler '^). 



') mbyn "IDD, au (äugend: njIt^Nl H^D ^D. auch genannt "IQD 
nlDDH oder mn'pNn THD, wird bald Piaton (Mechabberoth p. 197), 
bald Aristoteles (s. Chabih zu fliTlD f- 79 b ed. Ferrara, Hänel catal. p. 
517), bald Alpharabi (Wolf Th. 1 p. 222) zugeschrieben, stammt vermuth- 
lich aus dem Über Prodi und ist von Algazali (de Rossi ad cod. 286). 
Dass Aegidius den Commentar verfasst, bezeugt Biscioni 1. 1. p, 16 N. 9. 
Auch sind Aegidius libri de causis ms. in Paris (Hänel p. 307 N. 553). 
Ist in Florenz, Parma (codd. Rossi 286 N. 2, 315 N. 4, 776 N. 7 und 8, 
1174 N. 2, 1375), wahrscheinlich auch im Vatican (vgl. Bartol. Th. 3 p. 68. 
Wolf Th, 1 p 864, Th. 2 p. 1377). Als aus dem Hebräischen übersetzt 
findet man das Buch de causis in der Ausgabe der Werke von Averroes, 
Ven. ir>51, s. Wolf Th. 1 p 222 N. 23, vgl. ib. p. 17. ^) codd. Rossi 

315 N. 9, 1174 N. 9. ^) codd. ib. 315 N. 3, 1174 N. 4, 1342 N. 4' 

1376 N. 1. De Rossi nennt dies Buch ,,robur" coelorum, irrig Qijy statt 

UaV (Exod. 24, 10) lesend; richtig „substantia" coeli, Assemani ad cod. 

Urbinat. 43. *) Dies ist entweder Alexander ab Haies (gest. 1245), 

oder der Commentator Aristotelischer Schriften Alexander (gest. 1314 in 
Rom); beide waren Franciscaner. ^) Dv^Jt^ (catal. Opp. ms. s. v. 

D^IQN^t catal. ed. 1826 p. 498, dort Aquili übersetzt) ist Angelus von 
Camerino, ein Theolog zu Ende des 13. Jahrhunderts. Gleichmässig wird 
ge in Aegidius und Angelus durch ^, wie umgekehrt das "• in min^ 
durch gi gegeben. Die gedachten Excerpte, denen der Uebersetzer auch 
Eigenes hinzufügt (catal. ms.), bewahrt auch cod. Rossi 315 N. 7. ^) s. 
cod. Rossi N. 129 (Vol. 1 p. 82) und Wolf Th. 1 p. 897; sein vollstän- 
diger Namen ist Moses b. Schabthai b. Menachem b. Moses ben Binjamin. 
') Moses b. Binjamin lebte saec. 13 in Rom (s. oben S. 157. Anm. 4), Moses 
Sofer ben Binjamin ist Synagogendichter in den römischen Machsorim 
(codd. Rossi 254, 959); zwei Brüder Schabthai und Menachem und ein 
R. Schabthai ben Menachem waren ehrenwerthe Zeitgenossen Immanuels 
(p. 263). Moses b. Schabthai lebte A. 1342. (cod. Rossi 573). Auch ist 
die Handschrift aus dem 14. Jahrhundert. Noch aus späterer Zeit sind 
die Schreiber Moses ben Schabthai (A. 1473) und Schabthai ben Menachem 
(A. 1403) dem Kirchenstaate angehörig, s. Biscioni catal. in fol. p. 138, 
in 8 p. 427, cod. Rossi 61 p. 30. 

11 



— 162 — 

5. Joab. 
(Bd. 3 [1837] S. 39—58.) 
Hätten wir mehr als die Bruchstücke einer hebräischen 
Geschichte^ so wiissten wir vielleicht den Grund der feind- 
lichen Stimmung, die in den Büchern Samuel's und der 
Könige gegen David's Heerführer Joab herrscht (s. 2. Sam. 
3, 29. 39. 19, 14. I. Kön. 2, 5. 6, 31—33), und wohl mit 
dessen antisalomonischen Gesinnungen zusammenhängt, über 
welche die Treue gegen David in Schatten tritt. Dankbarer als 
die Geschichte ist gegen ihn die Sage. In ihr ist Joab stets 
der erste in der Gefahr'), freigebig 2), gottesfürchtig^) und 
gesetzkundig*), dessen Haus rein blieb von Unzucht und 
Raub^), den Salomo mit zweifelhaftem Rechte hinrichten 
lassen 6), so dass David's Flüche gegen Joab und dessen Fa- 
milie an dem eignen königlichen Hause in schreckliche Er- 
füllung gingen ''). Für die geringere Rolle, die er unter den 
Tapferen im Buche Samuel spielt^), entschädigt ihn die Er- 
zählung, dass er bei der Belagerung von Jebus einen jungen 
Fichtenbaum neben der Mauer eingesenkt, die Spitze nieder- 
beugte und von David halten liess, und dann zugleich mit 
dem Wipfel in die Höhe geschnellt, so auf die feindlichen 
Wälle heruntersprangt). Später war Joab's Körpei stärke^") 
ins Fabelhafte vergrössert. Er lässt sich mit einem Baum in die 
ammonitische Königsstadt hineinschleudern, zerbricht die guten 
Schwerdter, die ihm e'm Sehmied macht, wie Stückchen Holz, 
erl3gt allein gegen iöOO starke Krieger und öffnet von Innen 
den Seinigen das Stadtthor ^^). Auch mögen sich Sagen 
von Joab's Zügen erhalten haben, da z. B. die Juden im 
Marokkanischen ein Denkmal des Joab zeigen^^). Aber schon 



') s. 1. Chron. 11, 6 und Joseph, Archäol 7, 3, 1. Ico'ccßos Mq^t) 
Tovg akkovg. ^) jerus. Maccoth 6, 2. ^) s. 1 Chron. 21, 3. 6. 26, 28. 

*) Tr, Baba bathra f. 21 b. jerus. Maccoth 1. 1., wo die Worte Stt'i 
riDlt'D (2. Sam. 23, 8) auf Joab bezogen werden. Eben so Tanchuma 
lyOD f. 76 d, Pesikta rabbathi ed. Breslau N. 11 f. 19 a, Baraidbar rabba 
c. 23 f. 285 a. Easchi zu 2, Sam. 20, 17. ^) Tr. Sanhedrin f. 49 a. 

*) ib. und Bamidbar rabba 1. 1. '') jerus. Kidduschin 1, 7. ^) besser 

bei Raschi (zu 2 Sam. 23 Ende) erklärt, als bei Lightfoot barm, in opp 
t 1 p. 277. *) Midrasch Ps. 18 f. 14 b. i") s. ?]DiND 1790 p. 218 

rvn^i ]2 2i<V n"TI23 bv — btt'D irn etc. i') Maasebuch c. 14.o. ^^) Fred. 
Magaz. Bd. 2, P. 334. 



— 163 — 

in der Mitte des elften Jahrhunders hatte R. Simeon ben 
Isaac in seinen aramäischen Illustrationen der Zehngebote — 
zum Vortrage in der Synagoge am Wochenfeste bestimmt — 
das Gebot: „du sollst nicht morden" zu einem Ehrenkranze 
für Joab's Haupt verarbeitet, wozu wohl Pesikta rabbati^) 
die Veranlassung gab. 

„Herauskam das sechste Wort aus des Hochgeheiligten 

Munde, — 
Gepriesen werde sein Name, — 

Hier in Strahlen und Blitzen, in Lichtflammen dort, 
Fackeln aus Licht zur Rechten, Fackeln aus Feuer zur 

Linken, — 
Fliegend schwebte es im Himmels-Aether, 
Durchkreiste sichtbar die Lager Israels 
Und kehrte um, sich einzugraben in die Bundestafeln, 
Die Moses in seinen Händen hielt. 
Und durchbohrte sie durch und durch .... 
Da riefs und sprachs: O mein Volk, Söhne Israels! 
Seied nicht Mörder und Mordgenossen, 
Verkehret mit Mördern nicht in euern Gemeinden, 
Auf dass nicht eure Söhne ersteh'n nach euch. 
Und es lernen mit Todtschlägern zu sein — : 
Denn der Mörder Schuld brachte der Welt den Krieg" 2). 

„Mächtig dünkte sich Adonia, der Chagit Sohn, 
Da er stand gestützt auf Joab Sohn Zeruja's. 
Zwischen den Bergen Joab schrie, 
Und alle Creaturen hörten seine Stimme: 
Ein Held war ich, hatte meines Gleichen nicht. 
Doch alle Stärke, was hat sie mir gefrommt? 
Sitzt ja König Salomo, mich zu tödten sinnend, 
Mag nicht hören auf meine Worte; 
Warum gedenkt mir nicht Salomo der König 
All jenes Gute, das seinem Vater David ich erzeigt? 
Nicht die Vesten und Provinzen, die ich vor ihm nieder- 
gestreckt ! 



*) DnDI ll^J?: D«!"» '^lO^^ nü-in i6; auch ,Sin C. 26. 2) bis 

hierher das N"12"1 aus dem jerusalemischen Targum. 

11* 



— 1(54 — 

Meeresströme und alles trockene Land! 

Vor mir erzitterten alle Fürsten, 

Und die Helden flohen meinen Blick; 

Ha, dass nicht Gerechtigkeit ist in dieser Welt, 

Dass ein Mann wie ich falle durchs Schwert! — 

Des Todes Vorschmack kostete Joab, 

Da er sprechen hörte: Auf, dass wir ihn tödten! 

„Wackeres Urtheil, mich zu erschlagen, 

Nachdem ich geschlagen all' eure Feinde". 

Da er sprechen hörte: Auf, dass wir ihn tödten. 

Begann er, zurufend Joel, seinem Sohne: 

Dir, o mein Sohn Joel! Dir gebiet' ich, 

Weine über Deinen Vater, ruf ihm ein Wehe nach, 

Halte das Gesetz und Deinen Bruder ziehe auf, 

Ehre Deine Mutter, kränke die Mutter nicht: 

Was vermögen Wir gegen König Salomo? 

Weh mir, Mutter, wie richten sie mich so grausam! 

Und in selbiger Stunde brüllte Joab, 

Und man hörte ihn im ganzen Lande Lsrael: 

Beherrsche Dich und tödt' ihn nicht. 

Es kommt der Tag, wo Du mein gedenkst. 

Gedenke Du, erwidert König Salomo, 

Des Blutes von Abner Sohn Ner, von Amasa Jithra's 

Sohn, 
Und höre mich zu quälen auf. 
Da that Joab, Sohn der Zeruja, auf den Mund 
Und weinte, fortgehend mit allen Freunden, 
Und laut schrie er zu selbiger Stunde, 
Da die Starken zu ihren Waffen griffen. 
Die Stimme erhub Salomo der König, 
Begann zurufend seinem Sohn Rehabeam: 
Auf, mein Sohn Rehabeam, zieh dein Schwert, 
Eingedenk des Blutes Deines Oheims Absalom! 
Seine Worte hörte das gesammte Israel, 
Und ihren feuchten Augen entquoll die Thräne; 
Auch Joab hörte des Königs Stimme, 
Fing an und rief dem Benajahu, Jojada's Sohn: 
Benaja, es sei Dir nicht leid, o Benaja! 
Wohler ist mir, wenn Du mich tödtest, 



— ! 65 — 

Dass mich nicht tödte dieser Bösewicht; 

Stark ist mein Hals, Dein Schwert schwach, 

Kannst Du mich niederstrecken auf einen Hieb? 

Abhieb Benaja den Kopf Joab's, 

Joab's Haupt kam in Salomo's Königshaus. 

Alle Völker vernahmen, dass Joab erschlas^en, 

Ihr Mund frohlockte, doch weinte ihr Herz, 

Und grosses Weinen brach aus in Israel, 

Da getödtet worden Joab, der Zeruja Sohn. 

Es staunte drob König Salomo und sprach zu sich: 

Was vermochte ich gegen des Vaters Befehl"?^). 

üeber die alte israelitische Familie Joab haben wir 
nur Trümmer aneinander zu fügen. Chezron der Judäer 
(Gen. 46, 12. Num. 26, 21. 1. Cl)ron. 2, 5.), an die gleich- 
namige Stadt von Juda erinnernd (Num. .34, 4. vergl. mit Josua 
15, 3. 25), hatte einen Sohn Kelubai oder Kaleb (1. Chron. 
2, 9. 18) und starb zu Kaleb Efratha (ib. 24), welcher Ort 
wohl nicht verschieden von dem judäischen Kaleb ist, das 
im ersten Buche Samuel (25, 3. 30, 14) genannt wird. Dieser 
Kaleb aber ist, als Inhaber von Hebron (1. Chron. 2, 42) 
und Vater der Achsa (ib. 49), derselbe mit Kaleb ben Jefunne 
(Num. 13, 6. Josua 14, 6 und ff. Richter 1, 10 u. ff.), dem 
Kenisi (Num. 32, 12. Jos. 14, 14), dem Besitzer von Hebron 
(Jos. 14, 13. 14. 15, 13. 21, 12. Rieht. 1, 20) und Vater der 
Achsa (Jos. 15, 15 u. ff. Rieht. 1, 12 u. ff.), einem altern 
Bruder Othniels ben Kenas (a. a. O. und Rieht. 3, 9). Kalebs 
Sohn Chur heisst Sohn der Efrath (1. Chr. 2, 19), Erstgebo- 
rener von Efratha — d. i. Betlehem, s. Gen. 35, 19. 48, 7. 
Ruth 1, 2 — und Stammhaupt von Betlehem (1. Chron. 2, 50. 
4, 4), welches letztere auch Churs Sohn oder Enkel Salma 
ist (ib. 2, 51. 54), und ein Kelub erscheint wieder unter 
seinen Nachkommen (ib. 4, 11)^). Aus diesen dunkeln 



*) der Anfang dieses alfabetisch und akrostichisch eingerichteten 
Stückes lautet: n'':in ")D •T'JIN rT^bTIZ 1Ii:n''N*. ^) Ich halte nämlich, 
mit Simonis onomast. p. 52, das nmti' V. 1 1 für ni^*in V. 4, welches 
judäischer Ort war, s. 1 Chr. 27, 11, wo der aus Chuscha Gebürtige sich 
zu den Sarchi's zählt, i^lsdann wird Kelub der .'^ohn Eser's,^uud hiermit 
stimmt Esri ben Kelub 1. Chron. 27, 26. 



— 166 — 

Angaben scheint hervorzugehen, dass die Familien Betlehem 
jünger sind als die von Hebron — über dessen Alter schon 
die Stelle Num. 13, 21 sich verbreitet — , und wohl als Zweige 
derselben anzusehen. David aus Betlehem hatte seine erste 
Residenz in Hebron, und da Hess sich auch Absalom "krönen, 
während Betlehem Efratha noch zur Zeit der Assyrer-Herr- 
schaft als unbedeutender judäischer Ort auftritt (Micha 5, 1). 
Da' er durchkreuzen die gleichen Namen beide Richtungen: 
der genannte Salma, bald von Kaleb, bald von Ram ^ Söhnen 
Chezrons — stammend, ist Vorfahr des Davidischen Hauses 
(1. Chr. 2, 11 — 15. Ruth 4, 20, vergl. Targum zu diesem 
Verse ^), und dessen Bruder Schobal sammt Chur werden 
selber zu jüngeren Brüdern Chezrons (1 Chron. 2, 50 — 52. 
4, 1). Wirklich bleibt Schobal, in beiden Geschlechtsfolgenj 
Stammhaupt der Häuser von Zorah (ib. 2, 52. 53. 4, 1. 2). 
Chezron ist daher als Mutterstadt für a) Hebron, b) Kaleb 
und Efratha, c) Efratha oder Betlehem zu betrachten, aus 
denen die Familien Kenisiten, Kalebiteu und David's ent- 
sprangen; und da die Kalebiten die Vorfahren der Üavididen 
sind, so schimmern die Namen Kaleb, Chur, Salma, bald 
nahe bald ferne von Chezron, in dem Dämmerlichte der 
Genealogien. 

Zu Betlehem rechneten sich die judäischen Familien des 
nahen Netofa, auch Beth-Netofa^) genannt, vermuthlich gleich 
jenem wegen des ergiebigen Bodens^); sie leiteten ihre Ab- 
kunft von dem genannten Salma ab. Unmittelbar verbunden 
mit Netofa, und zwar in der Mitte der Netofäer und zweier 
ebenfalls zu Salma und Schobal gehörigen Häuser*) wird 
(1 Cltron, 2, 54) Atroth des Hauses Joab aufgeführt. Wäh- 
rend solchergestalt die Netofäer und die Joabiten sich an 
Betlehem anlehnen — daher auch bei der Chronik die nahe 
Verwandtschaft Joab's mit David — treten sie auch beide 
in Verbindung mit den Kenisiten oder Kalebiten auf. Die 



') ,,Und Nachschon zeugte Salma deu Frommen, das ist Salma von 
Betlehem und Netofa". ^j Esra 2, 21. 22. Nehem. 7, 26; vgl. 12, 28. 

1 Chron. 2, 54. Mischna Schebiit 9, 5. ^) S. Mischna nnd jerus. Ge- 

mara Pea 7, 1. Vgl. Löwisohn in y]ü i"ipnQ Wien 1819 f. 80a. *) Vgl. 
1 Chron. 2, 52 das Chazi Hammenuchoth und )V. 53 Zorah, die beide 
V. 54 wieder erscheinen. 



— 167 — 

Chronik zählt unter den judäischen Häusern auch einen Oth- 
niel auf, nämlich den bekannten Othniel den Kenisiten, 
unmittelbar vor Kaleb ben Jefunne, dem sie auch einen 
Enkel Kenas zuertheilt (ib. 4, 13 — 15). Keine andere kann 
die parallel mit den judäischen Sarchi's vorgeführte Familie 
Othniel sein, zu welcher ein Netofäer von Rang gehörte (ib. 
27, 15; vgl. V. 13 und 11; ib. 11, 30 und 2 Sam. 23, 29). 
Aber des nämlichen Kenisiten Othniel Neffe ist Joab ben 
Seraja — wie Joab Davids Neffe — , Stammhaupt des binja- 
minitischen Ortes ,,Tiial der Zimmerleute" (1 Chr. 4, 14. 
Neh. 11, 35). So erscheinen die Joabiten, vielleicht erst seit 
dem Davidischen Helden bekannt, gleich dem Aste, dem sie 
entsprossen, verzweigt nach beiden Richtungen hin: Kaleb 
und David, d. i. Hebron und Betlehem. Zur Zeit Seruba- 
bel's zählten sich Joabiten zu dem Hause Pachaili - Moab 
(Esra 2, 6. Nehem. 7, 11.), unter Esra finden wir beide ge- 
sondert (Esra 8, 4. 9. 10, 30.), unter Nehemia nur Pachath- 
Moab (3, 11. 10, 15), das noch in den spätem Jahrhunderten 
des zweiten Tempels neben dem Geschlechte der Davididen^) 
blühete. 

Ein herzhafter Sprung, lieber Leser, und wir kommen 
von Jerusalem in Rom an; während dessen aber hat die 
Weltgeschichte zwölf Jahrhunderte durchkrochen und die 
einer höhern Cultur theilhaftigen Abkömmlinge edler judäi- 
scher Geschlechter zu Kammerknechten von Barbaren ge- 
macht. Der ganz verschollene Name Joab erklingt wieder 
in den päbstlichen Landen, zum Theil einer Familie ange- 
hörend, deren Name ,,Bethel" an Betlehem und das Heilig- 
thum erinnert. Der erste ist Joab, der Urgrossvater des 
Verfassers des Aruch^), sein Nachkomme R. Joab, der als 
ein Gesetzlehrer um das Jahr 1160 in Rom blühete, Sohn 
des gelehrten R, Salomo^). Sehr wahrscheinlich sein Sohn 
ist Benjamin b. Joab, für welchen in Rom Abenesra den 
Hiob-Commentar geschrieben. Etwa drei Generationen jünger 



*) Vgl. Esra 8, 2. Zachar. 12, 7—12. 13, 1. 1 Chron. 3, 19—24. 
Mischna Taanith 4, 4. ^) Vgl. meine Anmerkung 34 zu Benjamins 

Reise und die Lit.-Geschichte der synag. Poesie S. 246. ^) Benjamin 
Ton Tudela Cap. 2. 



— 168 — 

ist ein Joab, abstammend von R. Jechiel, dem Vater des 
Verfassers des Aruch. Dies bezeugt Joab's Enkelin und 
Abraham's Tochter Phila, Gattin des Jechiel ben Salomo, 
die i. J. 1288 zu Rom lebte ^). Abraham b. Joab ist ver- 
muthlich der Literaturgesch. S. 356 genannte. Cod. Paris 
170 ist A. 1284 von Binjamin b. Joab geschrieben. Um 
dieselbe Zeit, nämlich 1280 und 1289, war in Rom der Schreiber 
Jekuthiel, Sohn des Schreibers Jechiel ben Jekuthiel — der 1268 
lebte und Selicha's verfasste (Lit.gesch. S. 351) — ben 
Benjamin Rophe^), der in dem erstgenannten Jahre eine 
Bibel- Abschrift für R. Joab ben Benjamin b. Salomo anfer- 
tigte, denselben wahrscheinlich, der in einer Handschrift vom 
Jahre 1304 als ,jR. Joab ben Benjamin in Rom" bezeichnet 
wird^). Nichts hindert uns, in diesem Manne den im Para- 
diese wandelnden Ju^^endlehrer Immanuel's zu erkennen, den 
R. Joab, Eidam des frommen R. Schab thai ben Mathitja'^). 
Wirklich lebte, und ohne Zweifel in Rom, etwa i. J. 1245, 
R. Mathitja ben Schabthai^), ferner gegen Ende des Jahres 1285 
— und zwar, wie der Schriftcharakter des de Rossischen 
Cod. 221 beweist, in Italien — R. Schabthai ben Mathitja, 
wohl des Genannten Sohn und identisch mit dem frommen 
Schwiegervater R. Joab's, und dieses letztern Vater würde 
dann jener R. Benjamin ben Salomo ^) sein, den R. Zidkia 
Rophe als Zeitgenossen einführt. Rabbinische Gelehrsamkeit 
machte oft Jahrhunderte hindurch den Adel einzelner Fa- 
milien aus, und desshalb dürfen wir schon wagen, in Joab 
dem Enkel Salomo's einen Nachkömmling von Joab bea 
Salomo zu begrüssen: 

Salomo 

Joab (1160) 

Benjamin 



1) Codex Saraval 27. ^) Wolf, biblioth. Th. 4. p. 443, wo aber 

das zweite "iJi^^mp^ hinter ^i^TP zu stellen und das erste D''y2"lX1 zn 
streichen ist. Cod. Rossi 667. ^) Cod. Rossi 3. *) Mechabberoth 

C. 28 p. 262. 5) j^pip ^^21^ ms. §§ 13 und 37. «J ibid. § 48 und 

N^:n 135 a. 



— 169 — 

I 

(Opp. 624 Q cf.) y etwa Schabtai? oder dieses Schabtliai andrer Sohn? 

Salomo Mathitja (1245) 

Binjamin (1265) Schabthai (1285) 

Joab Tochter. 

(1280—1304) 
Um das Jahr 1290 lebte in Rom Jechiel b. Joab und 
derselben Zeit gehören Jechiel b. Salomo b. Joab und Joab 
aus Salerno an^). Um 1340 lebte Joab b. Salomo, ein Enkel 
Schabtai's b.Matatia, Vater Menachems(A. 1378, cod.Harl. 7586). 
Verschieden von diesen Joab ist ein Dichter, Joab genannt, 
Verfasser eines poetischen Gebetes über Gottes Einheit, welcher 
den Immanuel, der älter war als er, durch einen herausfor- 
dernden Brief zu einer Replik geieizt, die mit sprudelndem 
Uebermuthe des Dichters wundeste Stellen geisselt^). Gleich- 
zeitig, nämlich in der ersten Hälfte des vierzehnten Säculums, 
lebten einige religiöse Dichter Namens Joab, aus der zu 
Rom und der Umgegend gehörigen Familie Bethel, deren 
Arbeiten nur in Machsorim (Pestgebets-Cyklen) der römischen 
Juden angetroffen werden. Es sind dies zunächst: 1. Joab 
ben Jechiel von Bethel, 2. Joab ben Binjamin von Bethel, 
3. Joab von Bethe . Des R. Joab ben Jechiel Piut über die 
dreizehn Artikel des Judenthums in eben so vielen fünfzei- 
ligen Strophen, für den Vorabend des Versöhnungsfestes be- 
stimmt, findet sich in zwei de Rossischen Handschriften; einer 
aus dem 14. Jahrhundert und einer andern, die am 9. Mai 
A. 1400 für Jemanden aus Perugia vollendet wurde ^); fei'ner 
in einem römischen Machsor bei Herrn Heimann Jos. Michael 
in Hamburg^). Vermuthlich ist er der Schreiber der Münch- 
ner codd. vom J. 1309. Joab ben Binjamin ist Verfasser 
eines Reschut (Introduction) zum Kaddisch und eines Reschut 
schlechthin ^). Von Joab von Bethel, ohne Angabe des väter- 

1) Steinschneiders Bibliogr. Bd. HS. 103 ff. ^) Mechabberoth c. 8. 
^) Cod. Rossi 254 nnd 959. *) das Einzelne schöpfte ich aus der äusserst 
heiehrenden Correspondenz des im Texte genannten gelehrten Freundes. 
Der Piut beginnt : r\)i1'j üb) iOiüj ^^ ^) ersterer inCodd.Rossi 325, 483, IßT, 
955 (wo allein „de Bethel" hinzugefügt ist), 959, 965; letzterer in cod. ib. 254. 



— 17n — 

liehen Namens, liefern de Rossische Machsorim, ausser einem 
Jozer für Passah, fünf verschiedene Reschut, als: a) ohne 
Beisatz, b) zu Kaddisch, c) zu dem Gebete Nischmath, d) zum 
NeujahrstagCj e) zum Wochenfeste ^). Die Identität des 
dritten Joab mit dem zweiten wird dadurcl» aufgehoben, dass 
ein und dasselbe Machsor zwei schlichte Reschut liefert, den 
einen vom zweiten, den andern vom dritten Joab^), und ein 
anderes Machsor den gleichen Unterschied hinsichtlich eines 
Reschut zum Kaddisch macht ^). Dahingegen giebt es in dem 
erwähnten Michaelschen Machsor von Joab oinen sieben- 
Rtrophigen Reschut zu Kaddisch und einen Reschut zu Nisch- 
math für den Neujahrstag*), so dass dieser wohl kein anderer 
als der de Rossische „Joab von Bethel" ist, zumal auch bei 
de Rossi ein Joab schlechthin als Verfasser eines nicht 
weiter bezeichneten Reschut aufgeführt ist^). Ob aber der 
dritte Joab mit dem ersten (ben Jechiel) zu identificiren, oder 
ob einer von beiden wieder zu erkennen sei in jenem Joab 
„de synagoga'', Verfasser eines Neujahrs-Reschut und eines 
Reschut ohne Charakter^), — wage ich ohne Einsicht in die 
Handschriften nicht zu entscheiden. Hiezu eingeladen von 
der Gleichheit des Thema's und der Uebereinstimmung von 
Bethel mit Synagoge'^), zögert doch das ürtheil vor dem 
bedenkhchen Zeugnisse, dass ein Reschut des Wochenfestes 
von Joab von Bethel und ein Reschut schlechthin von Joab 
de synagoga .sich in einem und demselben Machsor finden ^), 
ja dass ein anderer Codex zwei verschiedene Neujahrs-Reschut 
aufbewahrt, von denen ebenfalls der eine nach Joab von 



') Das Jozer iu cod. 740. Die Reschut a) codd. 254 und 882, 
b) 325, c) 373, von de Rossi irrig Reschut „animae" übersetzt; derselbe 
Fehler findet sich zu codd. 62 p. 30 und 767 p. 159; d) cod. 959, e) 325 
und 740. 2) cod. 254: aliud R. Binjaraini, R. Joab de Bethel, R. Joabi 
til. Blnjamini. ^) cod. 325: Rescud scevuoth Joabi de Bethel, ej. rescud 
Kadisc, ut et alterum Joabi fil. Binjaraini. *) ersterer hebt an: H"' 

n^:v 'D-^ ny:c ^2br2, letzterer: vjno f<-ipj< ^2b^ ^:Bb tipx y"i3N 

^12N'. ^) cod. 76t. 6) ersterer cod. 959, letzterer codd. 227, 420, 

740, 804, 894, 1212. '') '^X-P'^D für Synagoge bei David Kimchi in dem 
Briefe npX min\ PJCDH DlVp (Wolf Th. 4. p. 1152, 1160), den chine- 
sischen Juden (s. Murr Versuch etc. S. 61); 'H n''D in Mechabberoth p. 
257; gewöhnlicher n^^nn n"'2 (ib. p. 123, 182, 183. Tachkemoni c. 24 
und sonst) und flD^Dil D^2. ^) cod. 740 p. 145. 



- 171 — 

Bethel, der andere nach Joab de synagoga bezeichnet wird ^). 
Die Spuren der Betheischen Familie, denen die zwei, drei 
oder vier Synagogendichter Joab angehören, beginnen mit 
dem vierzehnten Jahrhundert. Sicher zielt Immanuel in seiner 
Höllenfahrt mit der ominösen Bezeichnung ,,Chiel der Be- 
thelit" (s. 1 Kön. 16, 34) auf einen damals lebenden unge- 
rathenen Sohn ^), der ,,Jechiel von Bethel" hiess, genau wie 
der Vatei- des ersten religiösen Dichters Joab. Vielleicht 
gehört sogar der von Immanuel verspottete Joab — der 
doch gleichfalls poetische Gebete schrieb — derselben Familie 
an. „Joab der Feldherr" nennt ihn Immanuel; eine Enallage, 
wie ich glaube, für ,,Joab der Bethelit", denn der jerusale- 
mische Talmud hat gerade für jenen ,,Chiel Betheli" die um- 
gekehrte „Chiel der Feldherr" 3). Laune, unterstützt von drei 
Schriftstellen (1 Kön. 1, 19. 11, 15. 21.) oder eine Rücksicht 
auf die Familie — da Immanuel auch sonst Namen ver- 
schweigt*) — konnte ihn zu dieser versteckten Benennung 
bewegen. Dem sei wie ihm wolle, das Dasein eines Joab 
von Bethel im zweiten Viertel jenes Säculums wird noch von 
zwei andern Seiten her bestätigt: einestheils durch eine ver- 
derbte Unterschrift bei Biscioni^), in welcher von Leon ben 
Joab von Bethel aus dem Jahre K-553 die Rede ist; andern- 
theils durch eine Oppenheimersche Handschrift und zwei de 
Rossische Codices, aus denen erhellt, dass Meschullam Nach- 
mias in den Jahren 1428 und 14o0, und dessen Vater Na- 
than, des Isaac Bruder, vollständig Nathan ben Meschullam 
Rophe ben Abraham ben Joab von Bethel genannt, i. J. 1399 
in Perugia lebte®), so dass jedenfalls das Vorhandensein eines 
Joab von Bethel ungefähr in der Epoche der Abfassung der 
Mechabberoth (1330 — 1333) gesichert ist. Noch ein ganzes 



*) cod. 959 p. 25:rescud novi anni Joabi de Synag., aliud Joabi de 
Bethel. ^} s. p. 256 und 257. ^) ib p. 77. s. jerus. Sanhedrin 10, 2 
Anf. n^L:blJO*lDX bxTi. *) z. B. p. 267. ^) catal. in fol. p. 167, in 

octavo p. 544: die Worte y'nQ i-)"lD{< lese ich ii"2D "'"110 'N 011D ''D&< 
ha, n''2D); nT'j ist nn (Oenuaro, Januar). «) Catal. Opp. ms. s. v. 

IfSJ Dia, wovon Nichts in dem gedruckten Kataloge p. 216 N. 255, als 
der mit allen seinen Vorgängern gemeinschaftliche Fehler, PIX signum 
statt niN desiderium zu lesen; codd. Rossi 180 und 475. 



— 172 — 

Jahrhundert nach Immanuel lassen sich die Spuren des römi- 
schen Hauses Bethel verfolgen, hie und da jüngere Joab und 
Jechiel darbietend. Es gehört zu dieser Familie der Ab- 
schreiber Jekuthiel ben Jechiel Rophe ben Jekuthiel von 
Bethel, der zu Perugia am 25. April 1399 für den erwähnten 
Nathan verschiedene Werke zu Ende brachte, unter andern 
den Aruch und römische Vertrags-Formulare ^). Etwa um 
dieselbe Zeit schrieb er ein römisches Machsor und eine 
Gebetordnung, letztere für Salomo und Binjamin, Söhne 
Mordechai Rophe's^): Das Datum des Cod. 1094, von Jeku- 
thiel geschrieben, setzt de Rossi auf das Jahr 1376 oder 
1406^); ich entscheide für letzteres Jahr und für die Einer- 
leiheit des Schreibers mit Jekuthiel von Bethel, da der Aus- 
druck in den Nachschriften ähnelt^), und die ersten Besitzer 
Moses ben Mordechai und Binjamin Nathanel ben Mordechai 
hiessen. Derselbe Jekuthiel unstreitig schrieb das römische 
Machsor Cod. 804, zumal de Rossi zwischen dem 14. und 
15. Säculum schwankt. Endlich hat er auch noch im Jahre 1410 
den Commentar des Recanate zum Pentateuch geschrieben, 
welcher den 15. Mai 1413 in die Hände eines Daniel zu 
Perugia überging und gegenwärtig in der Hamburger Stadt- 
bibliothek aufbewahrt wird^). Nicht unwahrscheinlich ist 
daher R. Jechiel Rophe, für welchen das Buch .Maaloth hami- 
doth des älteren Jechiel Hophe ben Jekuthiel i. J. 1377 ab- 
geschrieben wurde'';, eben jener Vater des Schreibers Jekutliiel 
von Bethel. Uebrigens w^ohnte i. J. 1399 in Ancona oder 
Rimini ein Jechiel ben Jekuthiel''), dessen Verwandtschaft 
mit der Familie Bethel wir dahin gestellt sein lassen, gleich 
wie die des Moses Isaac ben Josua ben Jekuthiel Rophe, 
vom Jahre 1404®), mit jenem Jekuthiel, des Abschreibers 
Grossvater. In Bezug aber auf den gedachten Binjamin ben 
Mordechai Rophe mag nur noch erinnert werden, dass ein 
Mordechai Binjamin ben Menachem Rophe in Fermo und zu 
Ende des Jahres 1412 in Ripa Transone wohnte^). 

cod. Rossi 180, vgl. ib. p. 119. ^) cod. Rossi 1147. ^) Von 
den drei Buchstaben der Aera ist nur der er.ste p deutlich, die andern 
liest de Rossi p. 62: r) oder ID. *) mercedem accepisse testatur. 

5) Wolf Th. 3 p. 701 oder cod. Hamb. hebr. 53. «) Cod. Rossi 151. 
») ben Schesehet RGA, N. 197. ») Cod. Rossi 305. ') ib. cod. 750 



— 173 — 

Fruchtbarer für Joab und die Betheliden sind folgende 
Nachrichten, aus bescheidenen Nachworten der Abschreiber 
geschöpft. Jechiel Chaj ben Joab von Bethel in Sulmona 
schrieb i. J. 1419 für ein ^Mitglied der römischen Familie 
de' Piatelli, i. J. 1422 den :'2'7'\ nivS^Z ms. Michael und i. J. 1445 
für einen Schabtaiben Jekutliiel; in der erstem Handschrift hat er 
sich noch mit 14, vermuthlich akrostichischen, Versen verewigt^). 
In Rom selbst besorgte er für Elia Beer (Fönte) ben Schabthai eine 
Abschrift der beiden ersten Bücher von Avicenna's Kanon, 
der er auch zwölf gereimte Verse, mit dem Akrostichon 
seines Namens Jechiel (ohne Chaj) ausgestattet, beifügte^). 
Ferner ist de Rossi's Cod. 197 im 15. Jahrhunderte zu Rieti 
von Joab von Bethel ben Jechiel Rophe, gemeinschaftlich 
mit seinem Sohne Jechiel, angefertigt und gleichfalls von 
Joab mit einer gereimten Nachschrift von 18 Zeilen versehen. 
Sicher ist dieser Jechiel ben Joab ben Jechiel ein und der- 
selbe mit dem Jechiel ben Joab der Jahre 1419 und 1422 
und nicht fern von diesen Jahren muss das Zeitalter jenes 
Codex des Avicenna angesetzt werden. Nicht unwahrschein- 
lich, dass sein Grossvater Jechiel Harophe eben jener Bethe- 
lide des Jahres 1377 ist, den Avir bereits als den Vater Je- 
kuthiels kennen gelernt. Also: 

Jekuthiel von Bethel 

Jechiel Harophe (1377) 
Jo^ von Bethel Tek^ithiel (1399—1410) 

Jechiel Chaj 
(1419—1445). 

Jener Zeit, als noch die Abschriften wissenschaftlicher 
Werke von unterrichteten Männern besorgt wurden, ist es 
nicht unangemessen, dass zwei Söhne und ein Enkel eines 
Arztes sich jenem Stande gewidmet haben. Und in der 
That lebten in Jekuthiel' s Zeit gerade in Perugia die Schreiber 



') ib. codd. 1135 und 326; vgl. cod. Kennic. 427. '} Die Einsicht 
in diese Handschrift (pergam. Fol.) verdankte ich meinem Freunde Dr. 
Schönberg in Berlin. 



— 174 — 

Jekuthiel und Scliabthai, Söhne Immanuel's und wahrschein- 
lich Brüder^). Solchergestalt sind uns aus dem Hause Bethel 
zwei Aerzte, drei Dichter und vier Schreiber und zugleich 
mindestens fünf Männer Namens Joab begegnet. 

Auch die Joabe der folgenden Jahrhunderte gehören, 
mit sehr seltenen der Beweise ermangelnden Fällen, Rom 
und den Nachbarstädten. Sieben sind noch aus dem 14. Sä- 
culum bekannt. Der Synagogendic'nter Joab Chnsan^), der 
Punctator Binjamin ben Joab aus der genannten Familie 
Anavim oder de' Piatelli^), und dessen Sohn Joab in Peru- 
gia, derselbe welcher fünfzehn Jahre alt A. 1366 den cod. h. 
Paris 182 geschrieben, ein Joab b, Abraham war um A. 
1400 in Rom (cod. h. München 80), ein Josua ben Joab 
vom Jahre 1405'*), Baruch ben Salomo ben Joab, der im 
Jahre 1451 in Larricia (Campagna Romana) ein arithmetisches 
Buch übersetz. te-''), ein Abschreiber Joab''). Unter der be- 
trächlichen Anzahl Joabe des fünfzehnten Jahrhunderts be- 
findet sich nur ein Einziger, der etwas geschrieben, nämlich 
Joab b. Natan b. Daniel, auch Joab der Kleine genannt, 
Verfasser von synagogalen Poesien (Litgesch. S. 502) und 
von Erläuterungen zu einzelnen Stellen in Jesaia, Ezechiel 
und zum 72. Psalm ^). A. 1414 lebte Joab b. Jekutiel aus 
Tivoli. Abra! am ben Joab Eljaschib besass i. J. 1438 den 
A. 1397 dem Abraham ben Jechiel geliörenden de Rossi- 
scl.en Cod. 896. Wir haben bereits zwei Abraham ben Joab 
als römische Juden erkannt; auch lebte ein aus Recanate 
gebürtiger Abraham ben Joab Finzi im Jahre 1456 in An- 
cona^), wohl der Sohn des Scliächters Joab b. Abraham 
Finzi, der im März 1436 lebte. Der cod. h. Paris 1245 ist 
im Sommer des Jahres 1458 für Joab b. Jechiel aus Modena 
in Ferrara gesehrieben; für Joab Emanuel Finzi sind es 
cod. Kenn. 121 (A. 1466) und cod. Michael 353 (A. 1477). 



s. cod. Kossi 234 und 1126. '^) cod. Rossi 1326 vom Jahre 1475, 
ein Siddur, worin poetische Stücke von Joab Katan Chasan. ^) ib. 

cod. 1261. cod. Paris 814. A. 1403. *) Assemani catal. Vatic. ad cod 

Urbin. 31. ^) Vgl, Bartolocci Tb. 1. p. 696 mit Assemani 1. 1. «) cod. 
Rossi 1100. ^) Bartolocci Tb. 3, p. 781. cod. Vatic. 90. ^) Biscioni 
catal. in Fol. p. 165. 



— 175 — 

Für David b. Joab ist der Pentateuch cod. Canon. 22 A. 
1468 im Monat Adar vollendet worden. Sason b. Joseph 
b. Joab lebte A. 1469 in Lissabon, üeberdies weist die 
Sitte des doppelten Namens auf Italien hin; dasselbe gilt für 
die drei folgenden: Joseph ben Joab Elia schrieb i. J. 1461 
für einen DanieP); Elieser Moses ben Joab lebte im Jahre 
1463^); Joab ben Menachem Joseph sclirieb i. J. 1460 für 
Jekuthiel ben Nathan eine Version des Jehuda Romano ab^). 
Mordechai ben Joab heisst der Besitzer einer Handschrift, 
die der vorhin erwähnte Abschreiber Joab (des 14. Säculums) 
angefertigt hatte*). Ein Schreiber Joab ben Daniel, ^'^j wie 
es scheint, vor dem Jhre 1426, verkaufte dem Salomo ben 
Zidkia einen Pentateuch •''). Die Namen Daniel und Zidkia 
sind gerade in Rom häufig. Ephraim ben Joab ben Moses 
aus Modeiia, ein Autor, welchen Wolf in unkenntlicher Ge- 
stalt aufführt, aber nicht, wie de Rossi meint, übei'gangeu 
hat®), schrieb im Jahre 1462 einen Pentateuch ab, verfasste 
ein Trostgedicht und ein anderes, genannt „Arm, Kinnl'acken 
und Magen", an die Mechabberoth, wo dieser Ausdruck in 
mancherlei witzigen Wendungen gebraucht wird, erinnernd; 
im Jahre 1481 hielt er sich in Abruzzo auf^). Joab ben 
Moses heisst auch der Besitzer einer, angeblich aus dem 
13. Jahrhundert stammenden, Handschrift^). Im Jahre 1479 
lebte ein Menachem ben Joab aus Ascoli^); i. J. 1483 in 
Italien Joab ben Elia ben Joab, welcher Mitglied einer 
aus Rom stammenden Gemeinde war ^^) ; im Jahre 1495 
Joab ben Joseph aus Modena'^). 

Dem sechzehnten Jahrhundert angehören: Joab Sehe- 
marja aus Correggio, der am 9. April 1503 den cod. Almanzi 
2 verkaufte. Elia Melammed b. Joab lebte A )525 in 
Rom, wie David Reubeni's Reisebericht meldet. Ferner R. 



') cod. Rossi 215. *) llri catal. Bodlej. t. 1. cod. 124, vgl. Wolf 
Th. 4. p. 825. 3) cod. Rossi 1371. *) ib. cod. 1100 zu Ende. -la) Lite- 
raturgesch. S. 366 °) ib. cod. 668. ^) de Rossi zu cod. 98 p. G4: de 
quo profunde Wolfius silet. ;.zu cod. 1278 p. 133: cujus nulla in Wolfio 
reperio vestigia. Aber Wolf nennt ihn Aben Ephraim (Th. 4. p. 789) und 
berichtet Manches, das de Rossi nicht hat. Statt yj^DD (ib-) lies yVDD- 
^) de Rossi a. a.O. und cod. 991. Wolf 1. 1. s) cod. Rossi 715. ^) ib. cod. 1056. 
'0) R. Jehuda Minz RGA. N. 2 und 3, rgl. f. 6a. ») cod. Rossi 1272. 



— 176 — 

Jacob ben Joab Elia de Fano, der im Jahre 1556 in Ancona 
lebte; er ist Verfasser des zu Ferrara gedruckten Büchleins 
Schilte hagibborim^). Aus demselben Jahrhundert wird ein 
Joab in Gemeinscliaft mit einem Immanuel und einem Mor- 
dechai aus San Miniato (Toscana) genannt 2). R. Baruch 
ben Joab war im Jahre 1573 Rabbi in Rom ^). Binjamin 
b. Joab lebte A. 1579 in Ravenna (cod. Urbin 32); Joab 
Valencin war 1594 in Venedig. — Aus dem 17. Jahrh. werden 
genannt: Joab b. Abraham Finzi, Joab Jedidja Verfasser 
von D''"n?:riJ' nu?2 1660. R, Joab beu Baruch aus der Familie 
Piatelli, ein Römer von Geburt, schrieb Vorreden zu zwei 
A. 1665 gedruckten Werken des Dr. Jacob Zahalon, ward 
nachher Rabbiner von Siena und beschäftigte sich um 1680 
mit einem Verzeichnisse aller Verfasser von Rechtsgutachten*). 
Dieser Joab nannte sich Dattilo, und wenn aus einem solchen 
einzelnen Beispiele eine Folgerung zu machen ei'laubt ist, 
war jener gelehrte Israelit Namens Dactylus, den Pico von 
Mirandola^) aufführt, wohl auch ein R. Joab, der um 1490 
etwa in Ferrara gelebt hätte. R. Joab Baruch Lampronti 
war um das Jahr 1730 in Ferrara^). — Joab b. Obadia aus 
Tivoli kaufte in Ancona den cod. h. 38 in Cambridge (catal. 
Vol. 1 p. 70). Menachem b. Joab lebte 1745 in Ferrara 
{pHT nns V. niJ'''Pn). Ein Jacob Terracina, der mit seiner 
Familie am 2. Juni 1827 zu Rom vom Pabste getauft wurde, 
hatte einen fünfjährigen Knaben Namens Joab'). 

Nur in einer Instanz war bei dem Namen Joab die 
römische Abkunft nicht zu erweisen, nämlich bei Jehuda ben 
Joab in Barcellona im Jahre 1278^). Und erst in der neu- 
esten Zeit, seitdem das Charakteristische der einzelnen Länder 
und der älteren Familien sich zu verwischen beginnt, fand 
ich einen Joab in den östlichen Landen. Es ist dies R. Joab 



*) Wolf Tb. 3. p. 463. De Rossi de typogr. hebr. Ferrar. ed. Er- 
langen p. 43. *) Biscioni 1. 1. p. 91. ^) Lampronti in pflÜ^ nPlD 
(Venedig 1798) s. v. HÜ'i'pri f. 23 u. ff. *) Bartolocci Th. 3 p. 781. ^) Pici 
oratio (opp. ed. Bologna 1495 Signatur T. Bl ßa): cujus rei testem gra- 
vissimum habeo Antonium cronicum virum eruditissimum, qui suis auri- 
bus cum apud eum essem in convivio audivit Dactylum hebraeum etc. 
^) pn)i'> ins (Vened. 1750) Buchstabe {^ f. 114d. ^) aus dem Diario 
di Koma gedachten Monats. ^) cod. Rossi 304, cod. Kennic. 523. 



— 177 — 

ben Jeremia, Rabbiner in Ungarn, Verfasser zweier talmu- 
discher Schriften und vor etwa dreissig Jahren gestorben ^). 
Und hiermit seien dem geduldigen Leser die vier und siebzig 
Joabe freundlichst empfohlen! 

6. Rom A. 1270 bis 1330. 
(Bd. 4 [1839] S. 188 — 199). 
Der mächtige Schwung, den Mose ben Maimon den 
Geistern gegeben hatte, war schon in Italien fühlbar geworden, 
als neue Kräfte, jüngere Männer bildend hinzutraten. Als die 
Gemeinde zu Rom von dem Tode des R. David b. Abraham 
Maimonides (1300) Nachricht erhielt, sandte sie an seine Söhne 
ein Schreiben 2'. Den Einfluss, welchen die Provence, im Besitz 
einer aus griechischer Zeit ererbten Cultur, durch Wissen und 
Poesie auf das mittlere Frankreich und Burgund, auf Katalonien 
und Italien übte, verstärkte seit der zweiten Hälfte des dreizehnten 
Jahrhunderts die in Neapel gegründete Herrschaft der pro- 
vengalischen Könige, zumal als Robert A. 1306 den Thron 
bestieg und Deutsche wie Italiener seine Uebermacht empfinden 
Hess. Andererseits wurde die Cultur der Provence, durch 
die gleichzeitige Verlegung der päbstlichen Residenz nach 
Avignon, namentlich den Römern näher gerückt. Die Ver- 
bindungen mit der Provence wurden lebhafter. Und da die 
Juden zu allen Zeiten den Richtungen der Nationen, unter 
denen sie lebten, wenn auch in ^weiten Kreisen folgten, so 
konnten auch in jener Epoche die Wirkungen nicht aus- 
bleiben, welche die provengalische Bildung, Pisa's Handels- 
flor, Bologn?i's Universität, die in den lom bardischen Städten 
erwachende Kunst im Allgemeinen, und ausgezeichnete 
Christen — wie früher Araber — auf geeignete Juden aus- 
übten. Daher haben spanische Uebersetzer und Sänger der 
Provence nicht minder als die geistreichen Schriften von 
Thomas und Aegidius römische Juden beschäftigt, und sicher 
ist Dante von Immanuel gelesen worden^). Um jene Zeit 

1) Qi^t^i inSt^ Theil 2. f. 26. N. 32. f. 37. N. 66; U/ip '•JDX (War- 
schau 1819) Vorrede und N. 18. f. 21a. Seine nODDH vor l^'Dj'p ND"1D 
(Wien) datirt aus D"''?nj?a 16. Elul 1791. — nri: ''IV^ (Wien 1792 
Fol.) enthält seinen Commentar zu den PIVIDK' "'"lyti'. *) Israel 

Ann. I. 55. *) Vgl. Mechabberot C, 28. Auch die Idee eines Begleiters 
aus der Vorzeit hat er mit Dante gemein. 

12 



— 178 — 

bedienten sich in Spanien und Italien ausgezeichnete Könige 
gelehrtei' Juden zu ihren Arbeiten. Friedrich II. unterstützte 
Jacob Antoli in Neapel^), und correspondirte mit dem aus 
Spanien nach Toscana gekommenen Jehuda Cohen b. Salomo 
über ein geometrisches Thema ^'. Für medizinische und astro- 
nomische Arbeiten bescliäftigte Alphons X. Jehuda Cohen 
b. Mose (1250), Isaac Aben Sid (1266) in Toledo, Abraham 
Chasan in Burgos (1277) und Samuel halevi'); Jacob über- 
setzte (1280) für Peter III. voii Aragonien^i, und auf Befehl 
Roberts von Neapel ward Kalonymos (1319) nach Rom be- 
rufen. Auch von angesehenen römischen Juden wurden ge- 
lehrte Manne; beschäftiL^'t, die für sie arabische Werke über- 
tragen, wühl auch eigene schreiben mussten. Der Arzt 
Nathan Hamathi b. Gad b. Elieser^), der in den 
Jahren 1279^)^ 1280 und 1283 7) blühete, hat in Rom») ge 
lebt. Er verfertigte einen Auszug aus Avicenna^), von dessen 
Canon er verschiedene Bücher über>^etzte '°) ; auch üi.ertrug 
er astronomische^^) und medizinische Sachen von Hippokrates, 
Elrasi, Abulcassem '^i und die Aphorismen des Maimonides'^) 
aus dem Arabischen ins Hebräische. S er ach ja b. Isaac 
b. Schealtiel aus Barzellona — zu unterscheiden von einem 
altern wie von einem Jüngern Serachja b. Isaac halevi'*) — 
übersetzte gleichfalls in Rom, und zwar i. J. 1284 die Meta- 



') Nessel catal. c. 61. cod. Kossi 771. Wolf biblioth T. 4, p. 7.51. 
Antoli citirt ihn im ID^O. ^) cod. Eossi 421. 3) de Castro 

bibliotheca espanola T. 1, p. 10.3 etc. 116 etc. 134 etc. 156 etc. *) cod. 
Kossi 165. ') TlNCn stammt aus Hemat (nCH) in Syrien. i;ii<?2, wie 
zwei Handschriften (Nessel cod. 136. Wolf T. 4, p. 749) lesen, ist wohl 
nur Anspielung auf Genes. 30, 11, es sei denn, dass der Autor selbst beide 
Namen führte und Nathan Gad hiess. ®j Nach Uri catal. cod. 419: aber 
Gagnier (bei Wolf 1. 1.) und de Rossi (diz. stör. s. v. Amati) haben das 
Jahr 1273. ') Wolf Bd. 3, S. 87. 1217 kann aus r\2"il2b D DJ, wie es 
im Leydenschen Mscpt. heis.st, die Jahrzahl nicht finden; sie ist aber un- 
bedenklich 43 (CJl), also A. 1283, stimmend mit der Monatsangabe (zweiter 
Adar), da dieses Jahr ein Schaltjahr war. *) s. Wolf ib. S. 87. 1218. 

ä) ib. Bd. 4, S. 931. '") Die ersten drei Bücher, s. Nessel cod. 136. 

Wolf Bd. 4, S. 749. Uri cod. 411, de Rossi ad cod. 927. Das fünfte Buch 
8. Uri cod 419 N.4. '') c. Vat. .389. '2) Hottiuger biblioth. oriental. p. 40 
Wolf Bd. 3, S. 3. 86. 87. 857. 1217 u. f. Uri cod. 420. N. 2. de Rossi zu cod. 
347 i-^. 4.) 1344. '3) Uri cod. 420. N. 1. ") Was Wolf (Bd. 4, S. 818) und de 
Kos s i (Register zum catal. codd. und diz. stör. s. v. Zerachia) versehen haben. 



— 179 — 

physik, die Physik und de coelo et mundo, dessgleichen das 
Buch vom höchsten Gut^) für R. Schabthai b. Salomo, 
und i. J. 1294 des Averroes Commentar zur Physik für R. 
Jahija ben Zidkia-). Derselbe übertrug die ersten beiden 
Bücher vom Canon des Avicenna^), Maimonides Abhandlung 
von den Nahrungsmitteln^), de anima erstes Buch^), Averroes 
Commeutar zur Metaphysik^), und ist Verfasser eines Cora- 
mentars der Sprüche Salomo's'^). Im Jahre 1297 sandte die 
römische Gemeinde den R Simcha nach Spanien, um Mai- 
monides Mischnacommentar herbeizuschaffen, und bekannt- 
lich haben wir die vorhandeneu Versionen fast allein diesen 
Bemühungen zu danken. Auch an Uebersetzcrn aus dem 
Lateinischen fehlte es nicht, wie Jehuda Romano und 
Hillel b. Samuel darthun, welcher letztere die Chirurgie 
Bruno's und das medizinische Sefer neharot übertrugt). Die 
Nachfrage nach spanischen Erzeugnissen, der Tibuonideu 
namentlich, hatte so zugenommen, dass ein Bücherhändler 
Aarou, der mit ISO Werken aus Toledo in Perugia ange- 
kommen war, auf dem Wege nach Rom, vor dem wissbegie- 
rigen Ungestüm seine Bücher kaum retten konnte^). Mit 
dem Bücherbesitze stieg die Zahl der Abschreiber, obwohl 
aus jener Epoche nur solche bekannt sind, die biblische und 
talmudische Werke angefertiijt haben, als Jekuthiel b, 
Jechielio) (1280—1289), Phila, die Tochter Abrahams ^M 
(1288), Nathan b. Machir b. Menachem aus Ancona 
(vor 1311)12), Jehudai3) (1312) und Menachem Zemach 



') "ll^jn 21L2n, wie die Unterschrift sagt, und so nennt diese 
Schrift auch Immanuel (S. 78). Das arab. Original ist in Leyden (catal, 
in Fol. S. 447. N. 918)*). ^) cod. Taurin 42. 157. (Pasinus); viell. nur 
abgeschrieben und zwar für ^XTl^ (st. J^TI^) (Steinschn.) *) Befindlich 
in dem Manuscripte, das in diesen Analekten N. 5. (S. 173 Anm. 2) er- 
wähnt ist. Seine Uebersetzung ist nicht die gedruckte. Das zweite Buch 
allein ist in Paris, s. Wolf Bd. 1. S. 9. *) cod. ßossi 150. N. 3. *) cod. 
Taurin. 157. vgl. Wolf Bd. 4, S. 751 818. «) cod. Taurin. 142, vgl. 

Wolf ib. S. 791. '') Var. Lectt. cod. ext. N. 54 war in Venedig auch 

bei Saraval in Triest. ^) s. diese Analekten 1^.3. (S. 154 Anm. 9.) 

und cod. Taurin. 80. ») Mechabb. S. 80 u. ff. *") s. Analekten N. 5. 
(S. 168). 1') ibid. «■) g. cod. Rossi 12. ") cod. Rossi 728. 

*) Aristoteles Buch de bono (cf. Brandis, Bonn 1823: de perditis 
ibb. 77) ist verloren. 

12* 



— 1.^0 — 

b. Abraham Rophe b. Binjamin b. Jechiel, der viel- 
leicht mit dem vor Immanuel verstorbenen frommen R. Me- 
nachem Rophe Anav identisch und aus der angesehenen 
Familie der Piatelli i-^t. Im Jahre 1322 schrieb er den unter 
Nummer 394 angegebenen Kennicottschen Codex, und im 
folgenden Jahre in Rom die in codd. Rossi 692 bis 694 ent- 
haltenen biblischen Commentarien, worunter, seiner Angabe 
gemäss, auch der des R. Binjamin aus Rom zu der Chronik 
gehört. Da sich derselbe aber nicht in diesen Handschriften 
findet sondern in dem, in Form und Alter jenen gleichen 
und unmittelbar vorangehenden Cod. 691 : so ist auch dieser 
gewiss ein Theil des gedachten Cyklus von Commentarien 
und von Menacliem Zemach geschrieben; zumal da Binjamins 
Commentar sich auch unter einem andern Cyklus findet, den 
er noch im Herbst desselben Jahres angefertigt hat. Aus 
dieser gegenwärtig in Rom befindlici en Handschrift^) — 
wovon ein Theil gegen Ende des Jahre> 1326 in Frascati 
geschrieben wurde — stammt die hebräisc' e Version der 
aramäischen Stücke in Daniel und Esra, die Kennicott in 
seiner Bibelausgabe, und hieraus Schulze besonders (Halle 
1782 in 8.) abgedruckt hat. Der schon erwähnte Arzt 
HilleP) b. Samuel b. Elasar aus Verona ist auch als 
philosophischer Schriftsteller aufgetreten ; er beendigte in Forli 
i. J. 1291 sein Tagmule hanefesch über die Seele, das im 
ersten Theile über das Wesen der menschlichen Seele, im 
zweiten über die Vergeltung spi-icht, wo die Meinungen der 
berühmteren Weisen über diesen Punkt erläutert werden 3). 
Zu den angesehenen Aerzten gehörte Chananel b. Tanchum, 
für welchen i. J. 1316 miJ?2n 'D nämlich p"^D, ein Commentar 
mosaischer Gebote, abgeschrieben worden*). Von Je hu da 
Romano's und Mose's b. Schabtai Leistungen ist bereits 
die Rede gewesen. 

Wie aber überhaupt Poesie uud Philosophie nur in der 
Weise eine Geltung erhielten, als die jüdischen Momente von 



1) cod. Kenn. 240. ^) corrumpirt in 'p^sbx Wolf 1 p. 140 N. 220. 

») cod. Urbin. 43. N. 1. (Assemani catal. pag. 437). cod. Rossi 1342. 

*) cod. Vatic. 147, wonach Bartolocci biblioth. Bd. 2, S. 847 zu berich- 
tigen ist. Assemani meint irrig, das Werk sei nnedirt. 



— 181 ~ 

ihnen durclidruugen werden konnten, so ward auch hier jener 
Geist vornehmlich in den nationalen Richtungen sichtbar. 
Gleich den Scholastikern, bei denen Theologie und Philosophie 
eins war, noch nicht getrennt durch das Schwert der Ge- 
schichte, d. i. der Kritik, waren auch Hillel und Jehuda 
mehr Theologen als Philosophen ; nur dass sie aus den fremden 
Quellen unmittelbar schöpften, während Menachem von 
Recanate, den ich in die zweite Hälfte dieser Epoche setze ^), 
dies auf Umwegen und meist ohne es zu ahnen that. Er 
ist der erste Commentator des Sohar, und überhaupt der erste, 
der diesen Namen kennt ^). Auch die andern römischen 
Exegeten jener Zeit gehören meist der philosophischen Schule 
an. Mose b. Judab. Mose aus der Familie Nearim be- 
weist dies schon durch den Autor, den er wählte; er erläu- 
terte den Aben Esra, und seine Schrift verschliesst der Va- 
tikan^). Binjami n b. Jehuda aus Rom, genannt Hab ba^), 
verfasste Commentarien zu der Chronik^), den Sprüchen^), 
vielleicht auch zu den Büchern der Könige '^^, die beiden 
erstem schon vor dem Jahre 1312 ; indess scheint er in diesem 
Jahre noch gelebt zu haben ^) Doch hat er früher als Imma- 
nuel die Chronik commentirt, indem er diese ein aus Mangel 
an Erläuterungen kaum gelesenes Buch nennt, was ihn denn 
auch bewogen habe, selbst Hand anzulegen. Seine Glossen 
sind kurz und seine Erläuterung folgt der Grammatik, Ob 



*) Er kennt das "lljnn IZü (Taame mizvot 23 b), wird auch von 
Rieti mit Jehuda Romano und sogar hinter diesem aufgeführt, und aus 
dem Immanuelischen Zeitalter kennt ihn Niemand. ^) Zunz Gottesd. 

Vorträge S. 405 u. f, ^) cod. Vat. 50. *) J«?2"n, so in Handschriften 
und bei Asaria de Rossi 123 a, t<2n kommt als Beiname vor in Neapel 
im Jahr 1230, s. Wolf Bd. 1, S. 297. ^) As. de Rossi 1. 1. cod. Oppenh. 
254 Fol. Biscioni catal. p. 63. cod. Rossi 308. 691. 728; auch in Hamburg. 
«) cod. Oppenh. 1. 1. vergl. Wolf Bd. 3, S. 152. cod. Rossi 308. 728. 
') cod. Rossi 195. finden sich zum Commentar des R. Jesaia des Ael- 
tern — den Biujamin auch im Commentar der Chronik anführt — Glossen 
von ihm. Vielleicht kannte Masius das vollständigere Werk, s. dessen 
Verzeichniss hinter dem Commentar zu Josua. ®) Im cod. R. 728 

vom Monat Nisan des gedachten Jahres nennt ihn der Schreiber, der in 
Rom lebte: D'Pti'n |?2^JD ''2~1 und dieser Ausdruck bezeichnet meisten- 
theils einen Lebenden. 



— 182 — 

er jener Binjamin ist, der bibelkundige und tüchtige Ma- 
soret, den als Genossen Jehuda Romano's Immanuel ^) ehrt, 
bleibe dahingestellt. Sein Tod fällt vor A. 13962). Ein 
Commentator der Genesis und des Exodus ist Salomo Je- 
didja^) , vielleicht ein Zeitgenosse Jehuda's*), der be- 
kanntlich sowohl biblische als liturgische Sachen behandelte. 
Und Immanuel, der mit Ausnahme der ersten und der 
kl -inen Propheten und des Esra, die ganze heilige Schrift 
comrae^^tirte, verbindet nicht nur grammatische und Sach- 
erklärung, sondern sucht, oft geistreich, in den tiefern Sinn 
einzudringen, gleich seinem altern Zeitgenossen Menachem b. 
Salomo dem Provengalen, und wohl zunächst von Moses 
Tibbon angeregt^). Doch hatte er, wie Aben Esra, Mose 
de Leon u. A.. gewiss auch äussere Aufforderung durch 
angesehene Männer oder wissbegierige Schüler, da wir wissen, 
dass ihn zu dem Commentar des Hiob Isaac b. Menachem 
in Rom veranlasst hat*^). Jedoch ist von den Werken dieses ge- 
nialen Mannes, so äusserst wichtig für die Geschichte der Exegese 
und zum Verständniss damaliger BilHung, nur wenig zugänglich 
gemacht. Die Commentare zu Kohelet^), Daniel^), der Chi'o- 
nik^) scheinen verloren; zu Jesaia, Jeremia, Ezec^nel haben sich 
nur Glossen erhalten ^^); die Werke über den Pentateuch^^), 



') 1. 1. c. 10, s. 110 u. ff. 2) -in ^^n rr\s |?2^J2 'n D::nn 

riDlDb p''~)i heisst es bei Biscioni S. 63. ^) cod. Vat. 61. *) Imma- 
nuel sieht einen Mann dieses Namens im Paradiese, wohl verschieden 
von dem S. 182 genannten Salomo Jedirlja. ^) Wie er im Commentar 

zu dem hohen Liede selbst bemerkt. ^) cod. ßossi 58. S. 27. '') Der 
Commentar zu den fünf Megillot folgt aus Mechabb.' S. 11, ti'Pi^D "lljn 
DTOO ti'Cn, vvas de Rossi (zn cod. 615 S. 105) nicht wusste. Der zu 
Kohelet wird citirt Mechabb. S. 11, 271. 266. und Commentar Prov. ms. 
zu 3, 24 und 21, 27. Eine Erläuterung der Worte Aben Esra's zu Kohel. 
7, 37 (nnxb nnX) war handschriftlich bei Reggio in Görz. 8) 9) Beide 
folgen aus Mechabb. C. 21. S. 196. y^21 tiHD"' ""D D"'?^M "'"IDl 15D ''i< 

D^cM yp -iD nbr V2 bx^:-! \s D^Qinon. '") s. cod. rossi 1070 

t'. 50. Aber de Rossi ahnte nicht, dass die vollständigen Werke in 
Mechabb. S. 11, 200. 261. 265. 266. angegeben sind. ") Angeführt in 

Mechabb. S. 11, 196. 261. 266, fllHX PPriJ des Äbravanel C. 5. 66b, 68d 
ed. Ven. 1566, D''jp] mt^J? C. 21, Hchalschelet f. 54. Daher ist die Un- 
kenntniss der italienischen Rabbinen unbegreiflich (s. de Rossi zu cod. 404, 
p. 30 und Var. Lectt. T. 1, p. CIX. N. 404). Handschriftlich nur bei de 
Rossi, der einzelne Stellen zu Genes. 36, 24. 41, 21. Deut. 32, 44 in den 



— 183 — 

<]ie Psalmen'), lliob^^, die Sprüche^), das hohe Lied*), 
Ruth 5), die Klagelieder'') und Esther'') sind, Dank de 
Rossi's Bemühungen, in Parma. Die über Hiob und das 
hohe Lied enthält der Vatikan^), und letzteres findet sich 
auch in Rom^), Görz und in Hamburg. Der Oommentar 
zu den Sprüchen, den R. David b. Jachja in seinem ""pj! 3p 
erhebt*^) und oft wörtlich ausschreibt, und den Del Medigo 
anführt^') ist z\A'ar gedruckt, Neapel 1487, aber die Ausgabe 
so selten als die Handschriften, Aus dem Psalmencommentar 
hat de Rossi dürftige Buchstücke bekannt gemacht ^^). Den 
mystischen Weg hatte Immanuel bereits in der frühesten 
seiner Schriften, über die Gestalt der hebräischen Buchstaben, 
betreten, um eine ältere Idee durchzuführen, dass in den Buch- 
staben die Reiche der drei Welten dargestellt seien '^). Aber 
mit eigentlicher Grammatik beschäftigt er sich in seinem von 
ihm erwähnten Eben bochan, das aus vier Abtheilungen 
besteht und in Parma aufbewahrt wird '*). 

Die Dichter, die das jüdische Rom um jene Zeit her- 
vorbrachte, versuchten sich nicht ohne Glück in verschiedenen 

Var. Lectt. mitgetheilt hat, und in der Vorrede zu deu Psalmscholien 
eine Stelle über Jacobs Segen verspricht. 

1) s. Mechabb. S. 11, 196. 265, cod. Rossi 615. 2) Angeführt in 

Mechabb. 11, 196. 266 und in seinem Commentar ms, zum hohen Liede. 
codd. Rossi 58. 574. Vgl. Var. Lectt. zu Hiob 19, 3. 20. 18. 21, 23. 22, 
20. 24, 6. 11. 18. 30, 17. 24. 41, 21. ^) Mechabb. 11. 196. 261. 266, Vor- 
rede seines Hiobcommentars und der zum hohen Liede; s. Var. Lectt. zu 
Prov. 4, 3. 8, 16. 14, 7. 18, 9. 24, 28. Elf Handschriften in Parma. Vgl. 
diese Analekten N. 4. S. 159 Anm. 6. *) Mechabb. S. 11, 266, cod. 

Rossi 577. 5) Vgl. Mechabb. S. 79 p ibv DD, "'Clt-'C D^iyb fiyCltTl 

nm ns"iyi ^cy:i -pü^hi^ dd, nnn ^mcDn nsoD n\xin, ^oy:'?. 

War bei Plantavitius (biblioth. N. 359). cod. Rossi 615. *) cod. Rossi 

ib. ■') ib. 8-) tjartol. T. 4. p. 286, cod. Vat. 85. ^) Var. Lectt. 

cod. exter, 8, s. de Rossi zu cod. 577. ^°) Vorrede: Fll'pj^ bN1i?2J? "\) 

7J<''"1J1C3 nyin. Bekanntlich ist Magdiel so viel als Rom (Bereschit 
rabba 92 d), daher der Pabst bei Liimanuel S. 268 durch 'pj^H]??; Hlbx 
bezeichnet wird, i') Im TlflN' DPDO S. 22: W^]): bsSIJCi? '"1 t^'TE? ^h^"0 'Dl 
^NIK'"' m~l''^1- '^) Scholia in selecta loca Psalm. Parma 1806, Ein- 

zelnes auch in Var. Lectt, Ps. 68, 31. 140, 11 und append. T. 4, p. 238; 
ferner Lexic. Parchoni (Parma 1805) p. 8. 15. 23. '^) Mechabb. 8. 11, 

99, Commentar Prov, ms, 19. 5, Das Einleitungsgedicht findet sich 
Mechabb. S, 100 und vielleicht hiess das Werkchen ]]) 7"i;iO. '^) Me- 

chabb, S. 11, cod. Rossi 396, 809. 



- 184 — 

Gattungen. Unter die religiösen Dichter gehören die bereits 
besprochenen drei oder vier Joab, auch die beiden Römer 
Mose Sofer b. Binjamin und Daniel b. JechieP), 
nicht aber der im Sommer des Jahres 1298 erschlagene Elia 
b. Samuel, der Heilige genannt, (obwohl seine Gebete 
nur in römischen Machsorim sind) vielleicht ist es jener in 
den Mechabberoth genannte Elia im Paradiese 2). Auch 
Immanuel darf nicht übergangen werden, da er, Klagege- 
sänge ungerechnet, zwölf Gebete und Hymnen geschrieben 
hat, nämlich einen Hymnus über die dreizehn Glaubensartikel, 
welchem das bekannte Jigdal untergelegt ist^), ein Gebet, 
das in Versmaass und Reim dem spanischen TilNn. 72 "jl^i 'n 
nacligebildet ist, auch mit diesen Worten scliliesst^), und 
zehn kleinere Stücke^), die entweder Bibelverse oder, tal- 
mudische Phrasen als Ausgang haben. Im Jahre 1321 traf 
die Juden in Rom eine Gefahr; ihr Vorsteher wurde ver- 
haftet, und Donnerstag der 21. Sivan (18. Juni) wurde zum 
Fasttag eingesetzt, und ein eigenes Gebet ist für diesen Tag 
in die römische Liturgie aufgenommen worden^). Hierauf 
bezieht sich vielleicht die Meldung am Ende der Mechabbe- 
rot von jenem Ungenannten, der sich in der Provence bei 
dem Pabste persönlich der Juden angenommen hat. Dieser 
Edle war zugleich ein Dichter in hebräischer, lateinischer 
und arabischer Sprache, Aber wir kennen nichts von seiner 
Muse, so wenig wie von Immanuels jüngerem Freunde Sa- 
iomo'^) oder von Juda Siziliano, der mehrere Jahre sich 
in Rom aufhielt, im Versemachen unterrichtend, und von 
Immanuel selber geschätzt^). Doch den ersten Rang nimmt 
unter den Dichtern Immanuel ein, dem trotz Joseph Karo's 
Anathema ^) die Bewunderung aller Zeiten geblieben ist. 

*) s. Analekten N. 4. (S. 161 Anm. 7) und cod. Rossi 959. ^) cod. 
Kossi 740. 804 Mechabb. S. 266. ^) C. 4. S. 43 anfangend "TliDZ: nPlDJ^. 
4) S. 236, anf. ijn I^DJ DM^N- ^) S. 103 rfi^ |X IV- S-. 104 nD\X 

nNin"". s. 139 nibnn Nm:. s. 172 ^d 'n .sis. s. 173 ^:h^pr\ dn, 
D^ro^ Dipv. bv Dii'vn. s. 174 n^pn^ zid)1. s. 245 m'px ^72^. s. 248 

''b^ "hii. ^) s. codd. Rossi 740. 882. 959. 963. ') Mecbabb. C. 8 

S. 67. 77.; zweifelhaft ob er auch Elch'anan geheissen und iiiitSalomo 
b. Salomo Jedidja (S. 262) identisch ist. ^) ib. C. 13; vgl. S. 117. 

ä) Schulchan Aruch in Orach chajim N. 307, § 16. Vgl. Sehern Hage- 
dolim Th. 2. 18 a N. 75. 



- 185 — 

Noch verdienen aus diesem Zeitabschnitt einige Männer 
genannt* zu werden, die als Gesetzlehrer, Schriftsteiler oder 
sonst Gutes gewirkt haben und bei ihren Landsleuten in 
Ansehen gestanden. So Jechiel b. Jekutliiel b. Bin- 
jamin Harophe, der Verfasser des trefflichen Sittenbuches 
Maalot-iia-middot — , das — in den Handschriften — noch 
zwei Gedichte enthält; Schabthai b. Matitja und sein 
Eidam Joab b. Binj am in'); Samuel, Immanuels Schwieger- 
vater, der ermordet wurde ^); Menachem b. Binjamin, 
für welchen i. J. 1289 der jerusalemische Talmud geschrieben 
wurde •'^); der Richter Je hu da*); der fromme Isaac Ha- 
rophe und sein Sohn Binjamin; der ungenannte Verfasser 
des Tanja (1314), ein Enkel R. Binjamins; Menachem Ha- 
rophe Anav; Menachem Bozeco und sein Solm Schab- 
thai der Fromme; R. Abraham und sein Bruder Me- 
schullam^); Leo und Menachem, zwei Brüder; Jehuda 
Parnas — sämmtlich vor Immanuel gestorben. Noch fünf 
verdienstvolle Personen werden, ohne sie zu nennen, als 
lebend von Immanuel aufgeführt, darunter der erwähnte un- 
genannte Dichter. So stellt sich denn die Epoche, in welcher 
die Geschlechter der Anavim, Nearim und B et hei blühe- 
ten, als eine in vielfacher Hinsicht begabte, einflussreiche 
dar, und die Nacht, die Immanuels Zeitalter deckte, entfaltet 
einen Sternenhimmel, an welchem unter fünfzig Lichtern, in 
erster Grösse Immanuel leuchtet. 

7. Namenkunde. 
iBd. 4 [18S9] S. 199—205). 

I. Nicht aus Biscioni's ausführlichem Cataloge, sondern 
allein aus Moutfaucon erfährt man, dass unter den Medicei- 
schen Handschriften sich ein Werk von Hasaph Hacam^) 
findet. Es ist dies Asaf, Verfasser medicinischer Bücher, 



1) s. diese Analekten N. 5 (S. 168). ^) Mechabb. S. 117. 119. 262. 
3) Wolf biblioth. T. 4, p. 443. *) Mechabb. S. 262. 263. ^) Ein re- 

ligiöser Dichter R. Meschullam Ha-Sofer in cod. Rossi 959. R. Me- 
schullam aus Rom in Schebet Jehuda 83b, ^) s. Biscioni p. 157, 

cod. 37. R. Hasaph Hacam, qui ex R. Johanan aliqua se decerjjsisse fa- 
tetur. 



— 186 — 

die auch in der Pariser^) und in der Oppenheimerschen^) 
Bibliothek liefen, und auch da wird, wie in dem Florentini- 
schen Manuscript, neben ihm der nichtjüdische Arzt Jochanan 
(aus Jericho) aufgeführt. Uebrigens wird ,,Asaf der Jude" 
schon von R. Elieser b. Nathan (1144)-^) und Nachmanides*) 
angeführt, als Autor eines Sefer Refuot, in welchem Fabeln 
von einem Macedonier Asklepios vorkommen, und vielleicht 
ist dies dasselbe Buch gleichen Titels, auf das an einem 
andern Orte R. Elieser^), und vor ihm R. Nathan^) und 
Raschi''^) sich berufen. Dav. Kimchi zitirt ihn zu Hos. 14,8. 
Der Name Asaf weist nach dem Orient oder dem griechi- 
schen Reiche hin. 

II. Dass der Name Kalonymos auf mos — nicht 
m u s — auslautet, bezeugen zAvei competente Männer, fast 
zu gleicher Zeit, nämlich Kalonymos und Immanuel. Beide 
reimen auf diesen Namen ^) nur Wörter auf di^ — , und letz- 
terer schliesst ein artiges Lobgedicht auf den ersten, mit den 
Worten: 

Die 71p my ^nxiiD xb "iD 

„Denn ich habe keinen Reim mehr auf mos."^) 

Aber in Satanows Ausgabe der Mechabberoth ist dieser 
witzige Schluss ganz verdorben, indem dort D1D7lp (die Fe- 
der) gedruckt ist. Auf Kalonymos Unkosten sind auch in 
einer wichtigern Instauz, zwei Wörter ungehörig zusammen- 
gerückt worden. In der ersten Ausgabe nämlich des Eben 
bochan ist — wie Herr Saraval mir mitgetheilt ijat — in 
der Nachschrift ein Zwischenraum zwischen den Worten 
nstcn und inx. Ich forschte nun nach Handschriften, und 



') Wolf T. 4, p. 789. 2) N_ 1645 Q. wird nach dem catal. ms, 

auf Sem den Sohn Noa's, zurückgeführt, gerade wie bei Biscioni 1. 1. 
^) ]2"N~1 'D 52a. *) 'piDjn lyii' ed. Ferrara 1557, 17b, und daraus 

bei nCZnn l^S^n §. 2 ßn. nnJ?2n nlin ms. 34, Schebile Emuna 117b. 
Zeda laderech 5, 3, 6. Abkat Rochel ed. 1566, 20 b. Sefer ha-Emunot 6, 
6. 65a, Schalschelet 91b. ») 1. 1. 122a. «) Aruch s.v. jmi. ') Zu 
Richter 15, 15. «) Eben bochan Nachschrift: DIDT, Dlby% DID'': 

Dien"'; Mech. C. 23. S. 209: dieselben, auch D"lbD% Dlbj?, DID^Ip. ^) i'^. 
ed. Brescia; auch so angeführt D"'n"Tn Ti Vorrede. 



— 187 — 

siehe da ! in zweien ^) war die Lücke durch das Wort D /lym 
ausgefüllt. Hiemit ist das Räthsel gelöst, und die Behaup- 
tung, dass die Zahl 83 der Aere angehöre, erwiesen, obwohl 
die oben versuchte Eraendation nun überflüssig ist. Der 
Verfasser schrieb demnach in seinem scherzenden Ton : 
„Beendigt im Monat Thebet, und die Welt war nach dem 
fünften Tausend 83 Jahre alt." Das verstanden die ersten 
Herausgeber entweder nicht , oder sie fanden schon in 
ihrer Handschrift ein Zeichen des Verdachtes: sie liessen 
D^iym weg, deuteten dies auch durch die Lücke an, welche 
erst in den späteren D-ucken verschwand und das Missver- 
stJindniss über das Zeitalter des Autors verursachte. Nach 
den meisten Handschriften ^) ist übrigens Kalonymos i. J. 1287 
geboren, war folglich 29 Jahre alt, als er Iggcet baale cha- 
jim, und 36, als er Eben bochan vollendete. Der erste, der 
nach Immanuel von Kalonymos spricht, ist der ProvenQale 
Kalonymos b, David b. Todros, der von ihm rühmt, dass er 
griechisch und ägyptisch verstanden, und die Gelehrten der 
„Provence'' durch seine gediegenen Uebersetzungen erleuch- 
tet habe^). Die Evidenz über Kalonymos Zeitalter verbreitet 
auch sicheres Licht über einige andere jener Epoche und 
Gegend gehörige Personen. Unter den zehn angesehenen 
Männern Kataloniens — dort hatte er sich niedergelassen — 
denen er Eben bochan widmet, ist der erste der Arzt Abra- 
ham Kaslari in Bezalu, unweit Perpignan, der achte Chas 
dai Krescas in Barzellona. Letzterer ist daher wohl jener 
Chasdai b. Je hu da*), welcher verschiedene juridische 
Sachen geschrieben und der Grossvater des berühmtem Chasdai 



1) cod. Tauriu. 160, p. 64 "i^iDrin ^bi<n "iHvS D^iyni: auch in 
Ms. Oratoire N. 24. eben so in einer alten Pergamenthandsclirift, wie Herr 
Michael in Hamburg' mir mitgetheilt, und wodurch dieser Gelehrte 
bereits früher das richtige Sachverhältniss gefunden hat. ^) Dass 

er nämlich i. J. 1316 im dreissigsten Jahre gestanden (vgl. Ana- 
lekten N. 3,* S. 150), bezeugen auch cod. Adler (catal. bibliotb. rabbin. 
Kiel 1836 S. 32) und cod. Michael, wonach er den 9. Cheschwan 77, d. 
i. am 26. Okt. 1316 im 30. Lebensjahre gewesen. ^) In der Vorrede zu 
seiner Ueberaetzuiig von Abuchamad Algazali's Schrift: D^DIDI^^DH P^Dn. 
Mittheilung von Hrn. Michael. *) s. ben Scheschet RGA. N. 25 und 

322, auch |"~1 zu Nedarim 2a, es werden dessen V'J? ''pDB genannt. 



— !88 — 

Krescas ist, der um 1370 blüliete. Da bleibende Familien- 
namen häufig ihren Ursprung in dem Namen eines Stamm- 
vaters haben, so kann hier Krescas sich von dem Namen 
des Vaters, Jchuda, herleiten, für welchen jene Benennung 
auch sonst noch angetroffen wird ^). Der Arzt aber ist auch 
als Verfasser verschiedener medicinischer Werke bekannt^), 
die theils i. J. 1325, theils mindestens vor dem Jahre 1362 
geschrieben wurden, und lebte zur Zeit des R. Nissim in 
Perpignan^). Eine astronomische Note desselben citirt 
Efodi' zu rn^D 1, 59. 72. 

III. Wie verloren erblickt man im Nachtrage zum Ju- 
chasin, Krakauer Ausgabe, das Wort p1p"lDyc^) und weiss 
es nicht zu deuten, gewährte nicht die anderswo^) gegebene 
Zusammenstellung der Quellen, aus denen uns die Kunde 
von solchem Namen fliesst, einen Schlüssel zur Lösung. 
Offenbar ist nämlich das gedachte Wort ein Ueberrest aus 
einem grossen Satze, indem hier ein Sprung über dreihundert 
Jahre gethan wird. Wir haben demnach einen Rabbiner 
innerhalb jenes Zeitabschnittes Nanciens Pfefferkorn aufzu- 
suchen. Nun findet sich nicht bloss ein Schemarja Pfefferkorn 
in Zürich um die Jahre 1378 und 1385^), sondern ein R. 
Pfefferkorn b. Schemarja, für welchen i. J. 1344 Sa- 
lomo Levi eine Bibel abgeschrieben '^). Und gerade aus jener 
Zeit sind Gesetzle rer bekannt, die in Helve.ien oder nicht 
weit davon lebten, z. B. R. Moses aus Zürich und R. Samuel 
Schlettstadt. Es ist daher, so lang neue Aufschlüsse fehlen, 
erlaubt, den Pfefferkorn des Juchasin für den im Codex ge- 
dachten zu halten. 



') Jehuda ben Scheschet hiess Krescas, s. beu Scheschet RGA. N. 387. 
*) nhrtO hDh2r2 (Buxtorf biblloth. p. 455), pyi r\bV im Jatr 1325 ver- 
fasst (cod. Vatic. 366 N. 6), D"'"!J?DCn "ISD (cod Taurin. 84 vom Jahre 
1362, cf. Wolf T. 4, p. 760); seiu Buch über das Fieber ist iu Leydea, 
s. catal. p. 407, N. 40. Wolf führt diesen Autor unter zwei verschiedenen 
Nummern (103. 70 b) auf. ^) R. Nissim RGA. N. 33, wo er Maeslre 

Abram di Kaslar genannt wird. *) 165a: ''C'2 IM D^tZ' Dm 

Aber n^Z'^N") lebte 1220, R. Abraham Minz 1510. ^) Zunz Namen der 
Juden S. 68 (Gesamm. Schriften II, 41) s. v. Pfefferkorn. «) Ulrich 

Geschichten der Juden S. 112. 387. 410. '') cod. Kennic. 587, in der Hof- 
bibliothek zu Wien. 



— 189 - 

IV". Der Name Bongodas ist in Katalonien und der 
Provence zu Hause ^) ; ferner gehören gelehrte Aerzte, Ueber- 
setzer aus dem Arabischen oder dem Lateinischen, wenn 
sie aus Frankreich sind, der Provence. Diese Vordersätze 
nöthigen uns, den um das Jahr 1352 lebenden Jehuda ben 
Salomo Nathan^) nach dem SüHen, in die Gegend von 
Montpellier zu versetzen. Denn er heisst auch Magister 
Bongodas Nathan, war aus Frankreich, übertrug die 
m:nD des Algasali und das ITNIH mt^'N-l?2 ins Hebräische 3), 
und gerade seit dem Anfang des 14. Säculums werden un- 
weit jener berühmten Schule der Heilkunde die meisten jüdi- 
schen Aerzte von Ruf angetroflfen. Da nun, nach der Sitte 
jener Zeit, Jehuda einen Begleitnamen hatte, und zwar, wie 
es üblich war, den des Bongodas^), der Name Nathan aber 
dem Magister verblieb: so ist Nathan der Familienname, 
der sowohl dem Vater Salomo, als dem Sohne zukam, und 
Pasini irrt, wenn er den Mann Jehuda Salomo ben Nathan 
nennt anstatt: Jehuda b. Salomo Nathan, oder: Jehuda Na- 
than b. Salomo. Diese Argumentation wird unterstützt durch 
Sani. b. Abr. Nathan A. 1300, Sal. b. Sal. Nathan A. 
1305 (m^Jp nn:D N. 94) den von Salomo Alkabiz ange- 
führten R. Jehuda Nathan Proven9al^), vielleicht den- 
selben Jehuda Nathan, dessen kabbalistische Sachen in 
Oxford aufbewahrt werden^); Krescas Bongodas Nathan 
1387 in Arles'^); ferner durch den Rabbiner und Arzt 
Mordechai Nathan, der i. J. 1456 in Avignon lebte 
und mit R. Joseph Kolon Briefe wechselte,^) so wie noch 



*) s. die Nachweisungen bei Zunz a. a. O. S. 56. Falsch ist Ben- 
gosa bei Gentius lateinischem Schebet Jehuda S. 227. *) cod. Rossi 143, 
p. 94. cod. 623, p. 107. ^) codd. Rossi 143. 286. 437. 515. 623. cod. 

Taurin. 150. *) s. cod. Taurin 40, wo Samuel ben Jehuda sich nennt 

Wh^'ü auch mXJp nnjD N. 95. (d. i. woW Muels, vgl. den Namen Sa- 
muel bei Zunz a. a. O. S. 95, ^7lD bei Sef. Schemot 67a) Bongodas; 
ferner b. Scheschet RGA. N. 171 und Simeon b. Zemach RGA. Th. 1, 
67c. 5) s. "•tt''» ti'-lti' ed. Cstopl. 9a. IIa. 21a. 22a. 60a. «) Uri cod. 
381. Wolf Bd. 3, S. 590. ') b. Scheschet RGA. 266. «) Ich habe hier 
drei Data vereinigt: Die Randglossen des Rabbi vom gedachten Jahre 
hat Asulai (Sehern hagedolim Th. 2. 53b.) gesehen; von dem Arzt spricht 
Joseph Kolon RGA. N. 181 — beide in Avignon; und an i"n?2) HDDjn 
Vi'"" ]nj ^Jllü ") 2ir\ schreibt er ib. 117b. 



— 190 — 

ein anderer Arzt daselbst, Namens Maestre Nathan^), vor- 
kommt. Sehr wahrscheinlich gehören zu derselben Familie 
Mordechai Todros Nathan in Avignon A. 1454 und 
1470^), Mose Nathan b. Sah Nathan in Haleb^^^^ Nissim 
Nathan (um 1650, starb in Aegypten)^) und noch zwei 
Mo so Nathan*): ein Verfasser von Briefen, und einer 
von Gedichten. Ursicherer ist Mose Nathan, der i. 
J. 1354 D''^i:yn2 nzriX schrieb ^); unwahrscheinlich Abba Na- 
than b. Samuel Zarfathi ^ ) ; gewiss aber kein Mitglied jener Familie 
der bekannte Soncinat und Drucker Israel Nathan (1484) ''). 
Anders aber verhält es sich mit Isaac Nathan, dem 
berühmten Verfasser der hebräischen Concordanz. Seine Ge- 
lehrsamkeit, so wie seine Polemik gegen Josua Lorki, dessen 
Schauplatz Tortosa war, weisen ihm Katalonien oder die 
Provence als seine Heimath an. Da er bald sich Isaac 
Nathan nennt ^', bald Isaac allein, das Nathan aber seinem 
Ahn zuertheilt^); so führt auch er letztern Namen als Familien- 
namen. Ueberdies hiess sein Grossvater Jehuda Nathan 
b. Salomo, welches, nach dem Bisherigen, so viel gilt als 
Jehuda b. Salomo Nathan. Nichts hindert uns, in diesem 
Grossvater jenen gelehrten Arzt wiederzufinden. Und wiederum 
geben ein Paar unbeachtete Ausdrücke die volle Gewissheit; 
Isaac Nathan nennt sich: „vom Stamme Jisai"^^) und eben 
so unterschreibt sich Jehuda Nathan ^^). Demnach ist der 
Verfisser der Concordanz ein Proven9ale, lebte vielleicht 
in Avignon, Montpellier oder Arles, von gelehrten Männern 

ib. N. 181, 160b. ^) cod. Taurin. 40. Wolf t. 3 p. 576. ^a) Jos. 
Karo EGA. u. 4. ^) Köre ha-dorot 49a. *) Buxt. biblioth. p. 438. s. v. 
nn^J^- Die Gedichte findet man, D^Fl mj^Ii'in betitelt, in Lonsano's iflli' 
r\TV s- auch Mach.sor Avignon u. Orau. =) Die Handschriften variiren in 
Mose und in Mose Nathan. Aber überall heisst der Vater Jehuda Hii, 
und ein Joseph b. Jehuda nji war im Jahr 1387 in Perpignau (b. Sche- 
schet R<tA. N. 266). *) sein Sohn Joseph war i. J. 1484 in Traui, s. cod. 
Rossi 892. ^J de Rossi Annal. Saec. XV, p. 29 u. ff. 178. ») Vorrede zur 
Concordanz, auch in den polemischen Schriften, vgl. Abravanel in fllplti^^ 
FPtfC 33 a. 34 c. 42 d. 44 c. (s. Zunz gottesd. Vorträge S. 289). *) Isaac b. 
Kalonymos b. Juda Nathan b. Salomo, s. Reggio in lü''^ nHjX Th. 1, S. 72. 

10) ib. Dnn'ki'n ^jupb ün^y izy ms^ vii'it^D ^it'^ p ^yi: ^v^^- ") cod. 

Rossi 623: Ego autem Judas fil. Sal. Nathan ex Isai prosapia oriundi etc. 

Vgl. ^]2;i y]:c Inj in if"Dtin riw n. 633. 



- 191 — 

abstammend. Eifer für sein Volk und seinen Glauben athmen 
alle seine Scliriften, die wohl unter fünf Rubriken zusammen- 
zufassen sind: 

1) Polemisches, darunter auch eine Widerlegung- des 
(erdichteten) Briefes des R. vSamueP); 

2) rc Yt2i\72 in drei Theilen, ein ethisches Werk; ms. 
bei Reggio; sichtlich dasselbe, das bei Sifte Jeschenira C 25 
Dl?2''jl'pp '"1 zugeschrieben wird. 

3) 21 Abhandlungen über verschiedene Gegenstände^); 

4) D'i'IDl HNO zur Belehrung der Jugend ^) ; 

5) ^^•i: 1\V?D oder Z^PJ 1\S^ d. i. die hebräische Con- 
cordanz. 

8. Die Gersoniden. 
(Bd. 5 [1844] S. 35—44). 
Wie die der jüdischen Literatur zuerkannte Vernach- 
lässigung in allen Momenten der Wissenschaft wie des Le- 
bens, zunächst dem Juden, dann dem Fortschritt übei'haupt 
Nachtheil bringt, davon hat das Jubeljahr 1840 wiederum 
Zeugniss abgelegt. Dem Vorurtheil verfallen, werden die 
Juden gemieden, das Jüdische verkannt, beides aus Unwissen- 
heit gehasst; dann muss ein Zehntheil der europäisclien In- 
telligenz aufstehen, den neun Zehntheilen zum zehnten Male 
zu beweisen, dass wir kein Mönchsblut trinken. Gilt für 
uns das Ausnahmegesetz in Damascus, so gilt es nicht minder 
in der Buchdrucker- Fei(;r: für lügenhafte Anklagen hat man 
ein Gedächtniss, aber keins für ehrenhafte Leistungen. Von 
den den ersten Druckern gespendeten Huldigungen mussten 
die Juden, das versteht sich, ausgeschlossen werden. Auf 
der an alten Druckwerken reichen typoj^raphischen Ausstel- 
lung in Berlin hat man im October 1840 kein einziges 
hebräisches Werk gesehen, wiewohl die alte hebräische Typo- 
graphie bereits im October 1795 von de Rossi verherrlicht 
worden. Wenn Harless in seinem Buche: Literatur der 
ersten hundert Jahre S. 275 etc. vor den Juden mit ver- 
achtungsvollem Stillschweigen vorbeigeht, so müssen de Rossi 



*) gegen Ende seiner, nur in der ersten Ausgalie der Concordanz 
(Vened. 1523) befindlichen, Vorrede angeführt. ^) Reggio a. a. O. 

Brief 11, wo (S. 72 — 76) Auszüge gegeben sind. ^) Buxtorf 1. 1, p. 451. 



— 192 — 

und Ebert noch im Grabe erröthen über solche Unwissenheit 
und Verblendung. Der wackere Ebert, der schon vor 23 
Jahren an Dibdin getadelt, dass er die hebr. Handschriften 
und die so ausgezeichnete jüdische Kalligraphie ganz über- 
gangen, der auch sonst den bibliographischen und diplomati- 
schen Leistungen lebender jüdischer Schriftsteller Gerechtig- 
keit widerfahren Hess, konnte wohl nicht vermuthen, dass 
man in seiner Heimath seitdem Rückschritte gemacht, wie 
die grosse Unwissenheit beweist, deren in jüdischen Dingen 
Winer, Hitzig, Grässe und Otto August Schulz sich 
rühmen dürfen. 

Freilich ist auch im jüdischen Publikum hie und da 
Unwissenheit noch eine bedeutende Grösse. Dem neuesten 
Berliner jüdischen Kalender, für das Jahr 5602 oder A. 1842, 
zufolge, giebt es erst seit 331 Jahren gedruckte hebr. Bücher, 
d. i. seit A, 1511. Wie schade um das schöne Werk: Anna- 
les hebraeo-typographici saeculi XV., das achzig hebr. Drucke 
vor 1501 aufführt, und zwar 51 mit Jahrzahlen versehene! 
Wie wundersam, dass dem Herausgeber nicht bloss einige 
zwanzig Autoren, von le Long bis Depping unbekannt ge- 
blieben, sondern sogar Bücher-Auctions- Verzeichnisse! In 
dem Oppenheimer'schen Cataloge (1826) finden sich zwanzig 
Drucke zwischen den Jahren 1477 und 1510; in dem Heiden- 
heim'schen (1833) drei aus den Jahren 1486, 1488, 1506. 
Eben so befremdend ist es, dass der gelehrte Verfasser der 
Geschichte der Israeliten (Th. 8, S. 67. 194 etc.) noch im 
Jahre 1828 lieber Basnage (bist, des Juifs t. 9 p. 885) als 
der Zeitschrift für die Wissenschaft des Juden thums (S. 349. 
352 etc.) folgend, die Soncinaten und die Drucke von Man- 
tua, Pesaro, Fano, hinter die Venediger, in die Periode von 
1520 bis 1550 verlegt. Einigerraassen tragen die Schuld 
dieser Verwirrung Gedalja Jachia und David Gans. Jener 
meldet: ,,Im Jahre 5271 begann Daniel Bombergo den Druck 
des Talmud und der andern heiligen Bücher." Bei Letz- 
terem liest man: ,,Der erste Druck heiliger Bücher durch 
Daniel Bombergo in Venedig war im Jahre 271." Beide 
meinen nicht den ersten Druck schlechthin, sondern die Bom- 
bergische Officin in Venedig; auch hatte Jachia der Sonci- 
naten viel früher schon gedacht, da wo von Autoren aus 



— 193 — 

dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts die Rede ist. Uebri- 
gens ist die am 11. December 1517 fertig gewordene rabbi- 
nische Bibel das erste hebräische Buch, welches in Venedig, 
und zwar von Bomberg, gedruckt worden ist. Verschiedene 
Theile der A. 1520 angefangenen und A.' 1523 beendigten 
Ausgabe des babylonischen Talmud haben die Jahrzahl 281 : 
vielleicht ist aus 281 und 278 die irrige Zahl 271 entstanden. 
Das so nützliche Buch „Gutenberg" (Leipzig 1840) von 
O. A. Schulz beweist, dass auch christliche Schriftsteller igno- 
rirt werden, wenn sie jüdische Wissenschaft anbauen. Der 
Verfasser kennt weder die Soncinaten noch einen sonstigen 
jüdischen Drucker : was er von Bomberg vorbringt, wimmelt 
von Irrthümern, auch übergeht er wichtige in die typogra- 
phische Literatur einschlagende Schriften von de Rossi. In 
dem Verzeichnisse der Druckorte, nach der Reihefolge der 
Jahre (S. 19 etc.), ist nur das einzige Leiria (1492), in 
welchem zuerst eine jüdische Druckerei war, aber nicht der 
Drucker Abraham aufgeführt. Unter 150 Orten, die bis 
zum Jahre 1530 aufgezählt werden, sind 14 übergangen, in 
denen Juden die ersten waren, die Druckereien errichtet 
hatten, ungeachtet 11 schon bei de Rossi zu linden gewesen 
wären, nämlich: Bologna (1482, Drucker: Abraham b. 
Chajim de' Tintori aus Pesaro, welcher zwischen 1477 und 
1488 in Ferrara, Bologna und Soncino druckte), Guada- 
laxara (1482: der Drucker oder Corrector hiess: Salomo 
b. Moses Levi ibn Alcabes ; ein Exemplar der letzten Pro- 
pheten, wovon de Rossi Annalen p. 109 nur Jesaia und Jere- 
mia hat, besitzt Saraval in Triest), Soncino (1484), Ixar 
(1485), Casale Majore (1486), Zamora (dort ist schon 
A. 1482 gedruckt worden; aber des hebräischen Druckes, 
Raschi zum Pentateuch, vom Jahre 1487, erwähnt selbst F. 
Mendez typografia espanola p. 264 etc. nicht), Constanti- 
nopel (1494, durch David und Samuel ibn Nachmias), Barci 
bei Brescia (1496), Fano (1505), Pesaro (1507), Salonichi 
(1515, durch Joseph Metatron), Orthona (1519), Rimini 
(1521), Oels (1530, Drucker: David b. Jonathan, Chajim b. 
David). Bei der Angabe (S. 18. 22) über die Druckereien 
in Portugal sind als Lissaboner jüdische Drucker ganz 
falsche Namen angegeben : S. Zorba und Elieser, Ein Zorba 



— 194 — 

hat gar nicht existirt, und R. Elieser, der mit den Ehren- 
namen ]2n J<2"ni ''21 geschmückt wird, war kein Drucker — 
welches vermuthlich Joseph Kalfon gewesen — , sondern Hess 
die Druckerei in seinem Hause einrichten, vielleicht auf 
eigne Kosten. Solche Gönner der Kunst aus jener Zeit ver- 
dienen eine dankbare Erinnerung; dazu gehören Joseph b. 
Abraham Kraveta in Bologna (1482), Elieser in Lissabon 
(1489), und der angesehene Meschullam Kusi in Pieve di 
Sacco, der 1475 während des von ihm veranstalteten Druckes 
starb; dieser letztere ist vielleicht identisch mit dem bei Moses 
Minz (N. 97) und Juda Minz (N. 9) vorkommenden. Für 
einen seiner Söhne halte ich Schalom b. Meschullam Kusi, 
der A. 1476 lebte, und dessen Verwandter Meschullam Kusi 
b. Mose scheint der Correspondent von Meir Padua (N. 82) 
zu sein. Der Vorsteher Kusi in Venedig im Jahre 1546 
(Moses Israels Rga. N. 51) ist wohl Kusi b. Meschullam, den 
R. Salomo Athia dort kennen lernte. Vor Alien aber sollten 
undankbare Zeitgenossen sich der edlen Soncinaten erinnern, 
die ein ganzes Jahrhundert für uns gekämpft, ein halbes für 
uns gedruckt haben. Vor 1450 trat Moses in Deutschland 
gegen den fanatischen Capistrano auf: sein Sohn Samuel, 
der vor dem Frühling 1484 gestorben und in Soncino an- 
sässig war, hatte einen, 1488 noch lebenden, Sohn Namens 
Israel Nathan, von den Zeitgenossen ein Mann Gottes ge- 
nannt. Er war es, auf dessen Betrieb sein Sohn Josua Sa- 
lomo A. 1484 die Druckerei errichtete, für welche er bis zum 
Jahre 1492 thätig war. Der Bruder dieses Salomo, Moses 
(vor 149ü gestorben), hatte zwei Söhne: Salomo und Ger- 
schom. Letzterer ist der berühmte Soncinatische Drucker, 
der von 1484 bis 1534, in welchem Jahre er starb, zum 
Theil unter Drangsalen, in Soncino, Brescia, Fano, Pesaro, 
Rimini, und die letzten vier Jahre in Constantinopel zahl- 
reiche Werke druckte, die heutzutage eben so geschätzt als 
selten sind. Sein Sohn Elieser (1534 — 1549) hatte seine 
Offizin in Constantinopel. 

Anstatt noch länger bei dem zu verweilen, was Jeder- 
mann bekannt sein sollte, wende ich mich einer noch nirgend 
genannten Üruckerfamilie, einer Offizin zu, die ilire De Rossi 
und Panzer noch erwartet, nämlich den Gersoniden in 



— 195 — 

Prag. Ungefähr um dieselbe Zeit, als die typographische 
Tbätigkeit der Soncinaten in der Lombardei begann, wurde 
in Deutschland Gerschom b. Salomo Cohen geboren« 
Er legte eine hebr. Druckerei in Prag an, und druckte ohne 
Zweifel daselbst bereits vom Jahre 1513 an, obwohl, so viel 
man weiss, sein Name zuerst in einem Gebet-Siddur vom 
J. 1516 genannt wird, wo er in Geschäftsverbindung mit 
einem Salomo b. Samuel Levi erscheint. A. 1518 erschien 
ein Pentateuch, auf Kosten von 5 Druckern, wie Lilienthal 
in der Vorrede seiner commentatio critica bezeugt; dies sind 
sicherlich die im ersten Theile des Machsor ed. 1522 ange- 
gebenen, nämlich: Gerschom b. Salomo Cohen, Meir b. Ja- 
kob Levi Eppstein, Salomo b. Samuel Levi, Chajim b. David 
Schwarz, Meir b. David. Noch in demselben Jahre erschien 
der zweite Theil des Machsor. Aber A. 1526, wo nicht 
früher, löste jene Verbindung sich auf. In der am 30. De- 
cember 1526 fertig gewordenen Pesach-Hagada erscheint in 
einer Vignette nur der Name Gerschom Cohen's; in der 
zweiten Auflage vom zweiten Theil des Machsor, ed. 1529, 
nennen sich neben Gerschom seine drei Söhne: Salomo, 
Moses, Mordechai. Am 5. Decbr. 1530 wurde der zweite 
Druck des Pentateuch vollendet, von Mordechai und Salomo, 
den Söhnen Gerschom's. In der zweiten Auflage des ersten 
Theils des Machsor, die A. 1534 den 22. März am Freitag 
fertig geworden, wird zu Anfang ausser Gerschom sein äl- 
tester Sohn Salomo, zu Ende aber mit grossen Lettern alle 
drei Söhne genannt. Im Jahre 1536 druckte Gerschom einen 
Gebet-Siddur. Chajim Schwarz hatte mittlerweile Prag ver- 
lassen ; nachdem er gemeinschaftlich mit David b. Jonathan 
den jetzt so seltenen Oelser Pentateuch A. 1530 gedruckt, 
wandte er sich nach Augsburg, wo er in den Jahren 1534, 
1536, 1540 mit Druckarbeit beschäftigt war; A. 1546 druckte 
er in Hedernheim. Aus Gerschom's Offizinen waren bis da- 
hin nur Pentateuche und Gebetbücher, also Bücher des ersten 
Bedürfnisses hervorgegangen. Der erste Theil der Turim, 
das rituelle Orach Chajim, mit den Glossen R. Abraham's 
aus Prag, erschien 1540, und das Jahr darauf die vierte Auf- 
lage des Gebetbuches bei Gerschom und seinen beiden 
Söhnen Moses und Jehuda. In demselben Jahre, 1541, 

13* 



— 196 — 

wurden die böhmischen Juden ausgetrieben, und in Prag 
blieben nur zehn Personen. Wiewohl die Erlaubniss zur 
Rückkehr noch in dem nämlichen Jahre erfolgte, so scheint 
die Gemeinde doch nur langsam sich erholt zu haben. Erst 
A. 1549 traten die Gersoniden wieder auf: Moses und Mor- 
dechai druckten ein Machsor in Folio mit einem Commentar. 
Mittlerweile war Gerschom gestorben; von Jehuda und Sa- 
lomo (gest. 1547) hört man nichts weiter; bei Moses erschien nur 
noch ein Schlacht- Ritual, ohne Jahrzahl. Bis auf wenige in den 
Jahren 1553 und 1556 gedruckte jüdisch-deutsche Ueber- 
setzungen biblischer Bücher schweigt die Prager Offizin nun- 
mehr eine geraume Zeit; eine Pause, die theils in den allge- 
meinen Schicksalen der dortigen Juden, theils in den besondern 
Verhältnissen der Familie Mordechai's, des Sohnes Gerschom's, 
ihre Erklärung findet. 

Die Verfolgung der jüdischen Literatur, von Abtrün- 
nigen und Mönchen im Jahre 1553 in Italien angefacht, ver- 
breitete sich sechs Jahre darauf bis nach Böhmen. A. 1559 
wurden alle den Prager Juden gehörigen hebräischen Bücher, 
die Gebetbücher nicht ausgeschlossen, weggenommen und — 
eine Ladung von 80 Zentnern — nach Wien geschickt. 
Unglücklicherweise legte eine am Fasttage, Donnei'stag den 
22. Juni, in der Judenstadt entstandene Feuersbrunst 72 Häuser 
in Asche. Alles gerieth in Angst, man stand, die Austreibung 
erwai'tend, auf der Flucht. Diese trat bald ein. Ferdinand 
gab die Bücher zurück, hiess aber alle Juden aus Böhmen 
fortziehen, so dass nur zwölf Familienhäupter eine kurze 
Frist erhielten. Im Jahre 1561 verliessen auch diese Prag. 
Da zeichnete sich Mordechai Colien, der Sohn Gerschom's, 
aus. Er reiste nach Rom, die Fürsprache des milden Pabstes 
Pius IV, anzuflehen, und den wirksamen päpstlichen Schreiben 
an den Kaiser, die er vermittelte, folgte bald darauf die 
Zurückberufung der Juden. Trotz dem gemeinsamen Leiden 
herrschte damals unter der Gemeinde in Prag, namentlich 
unter den Vorstehern, wenig Eintracht. ,, Streit und Gewalt 
hausen in Prag's Strassen, endlose Feindschaften ; unzählige 
Schandthaten werden begangen, und bekannte Angeber be- 
kleiden das Amt der Vorsteher; Verläumder und Gewalt- 
thätige setzen Alles durch, und die Worte der Schrift: die 



— 197 — 

Wahrheit fehlt, finden auf diese Zeit ihre Anwendung." So 
sprachen Jacob Berab und Moses Israels von dem damaligen 
Prag, und ähnlich schildert 70 Jahre später der treffliche 
Lipmann Heller seine dortigen Feinde. Zwietracht und An- 
geberei mögen selbst jene Verfolgung vorbereitet haben; 
auffallend bleibt es immer, dass die herrschende Partei des 
Vorstandes gerade gegen Mordechai Cohen ihren Hass rich- 
tete. Mordechai hatte wegen einer Geldforderuiig einen Pro- 
zess mit dem Vater seines Schwiegersohnes Seligmann ; dieser, 
vom Vater gehetzt, sprengte aus, er habe seine junge Frau, 
Mirjam Menucha, Mordechai's Tochter, auf Ehebruch ertappt, 
trennte sich von ihr um's Jahr 1551, klagte auf Scheidung 
und Einbehaltung des Heirathsguts. Seine Partei suchte sich 
mit bekannten Feinden Mordechai's zu verstärken, nahm 
übelberüchtigte Älenschen zu falschen Zeugen und kaufte die 
Aussagen armer Leute, deren Habseligkeiten bei Seligmanns 
Schwager verpfändet waren. Mordechai kam sogar auf vier 
Wochen in Haft. Endlich wurde sie bei dem jüdischen Ge- 
richte zu Cracau klagbar, vor welchem auch Mordechai sich 
einstellte. Dieser gewann den Prozess vollständig; der 
richterliche Bescheid vom 16. Sivan oder 2. Juni 1558 stellte 
den Rufseiner Tochter wieder her; R. Salomo Luria's Donner- 
stimme drohete den Verläumdern mit jähem Tode und schmach- 
vollem Begräbniss. 

Wir haben gesehen, wie Mordechai kurz darauf sich 
gerächt hat. Doch müssen alle diese Zerrüttungen sein Ge- 
werbe in Stocken gebracht haben, denn nicht vor 1569 fing 
seine Werkstatt wieder an, thätig zu sein. In diesem Jahre 
druckte er mit seinen 5 Söhnen: Pesach, Bezalel, Ger- 
schom Israel, Salomo, Samuel, Torat haolah des R. 
Moses Israels, das erste wissenschaftliche Werk, das aus den 
jüdischen Pressen von Prag hervorgegangen. A. 1578 druckte 
er mit den Söhnen Bezalel und Samuel das Buch Gur Arjeh 
von R. Löwe; zu Anfang des Jahres 1581 das ethische Or- 
choth Zaddikim, wo er das Geschäft bereits ganz den Sühnen 
Bezalel und Salomo übergeben zu haben scheint. Diese 
Beiden druckten in des Vaters Hause eine Derascha des R. 
Isaac Chajut b. Abraham, zwar ohne Jahresangabe, doch 
fällt der Druck in das Jahr 1584 oder 1585. Älordechai's 



— 198 — 

Pressen lieferten wahrscheinlich auch die Machsorim der 
Jahre 1583, 1585, 1586; sicher ist es von der geschätzten 
Selichot- Ausgabe 1587 in Fol. Den Druck von pra"" n"'b' 1587 
besorgten Bezalel und Gerschoin im väterlichen Hause. A. 
1589 erschien ein Vortrag R. Lowe's bei Bezalel und seinem 
Sohne Gerschom: bei diesem Gerschom allein ein Rechen- 
büchlein des Abraham Sofer. Bald darauf starb Bezalel, 
noch bei Lebzeiten seines Vaters, nachdem er in seiner letzten 
Krankheit noch den Namen Joseph erhalten, und hinterliess 
zwei Söhne: Gerschom und Moses. Salomo druckte noch 
im Jahre 1590. Um das Jahr 1591 starb Mordechai Cohen, 
gewöhnlich Mordechai Zemach geheissen, fast ein Neunziger, 
der lebendige Zeuge der bisherigen Typographie der Prager 
Israeliten. In den letzten 14 Jahren seines Lebens heisst er 
stets: der greise (ii'"'l^'\n). Einen Holzschnitt mit den Worten 
Mordechai Cohen y'"' erblickt man noch als Titelvignette vor 
Drucken bis zum Jahre 1610. Auf seinem Leichensteine 
heisst es: ,,HieJ' liegt ein Gerechter, Oberhaupt und Vorsteher; 
er beugte Öfter Austreibungen vor, gab sein Leben Preis, 
zog nach Rom und Hess durch den Papst den Kaiser seines 
Eides entbinden." Im Jahre 1592 druckten Salomo b. Mor- 
dechai und dessen Neffe Mose b. Bezalel das bekannte Buch 
Zemach David: der Druck war am 2L October beendigt. 
Aber mit dem Jahre 1594 traten auch Mordechai's Söhne 
vom Schauplatze. 

Ihre thätigen Nachfolger waren die beiden Söhne Be- 
zalels. Bei Gerschom erschienen mehrere Werke von 1595 
bis wenigstens 1610. Von seinen beiden Söhnen war An sc hei 
(1609) Setzer bei dem Vater, Mordechai bei dem Oheim 
Kloses, Dieser Moses, auch als Scliriftsteller bekannt, hat 
an gewerblicher Thätigkeit fast seinen Grossvater .Mordechai 
übertroffen, und war ein I )rittel Jahrhundert in seinem Be- 
rufe. In den Jahren 1592 und 1593 war er mit seinem 
Oheim Salomo verbunden: etwa seit 1597 und bis 1624 
beschäftigte ihn eine eigene Offizin, die, soweit bis jetzt er- 
mittelt worden, vieriindvierzig Drucke lieferte; hierunter 
mehreres Liturgische, die Lebuschim, die erste Edition der 
Tosefot Jomtob, die Bücher Dicnn ,]2"sX"l, mehrere Schriften von 
R. Meir Rothenburg, S. Luria, Alschech, Saadia Gaon, R. Löwe 



— 199 — 

und A. Weiter reichen die Spuren dieser Druckerei nicht. 
Der dreissigjälirige Krieg, die jesuitische Herrschaft, zum 
Theil die seit dem Jahre 1585 errichteten anderen jüdischen 
Druckereien, vielleicht auch Familienverhältnisse haben ihrer 
Thätigkeit ein Ende gemacht. Die Familie Gerschora Cohen's, 
die 112 Jahre in fünf Generationen die jüdische Typographie 
Prag's repräsentirte, nannte sich mit Stolz: Gersoniden 
(^Jlt^'^Jin nnDit'D), mit Anspielung auf das alte Levitengeschlecht 
Numer. 26, 57, Ansehen und Reichthum war bereits das 
Erbtheil ihres Ahnherrn Salomo Cohen, und Gerschom wird 
im Jahre 15"4 „ein vornehmer Priester von den Söhnen der 
Reichen" genannt. Aber sie waren auf die Würde eines 
Cohen nicht stolzer als aiii' die eines Typographen (ppIPIC) 
oder Setzers, wie sich nocii im IG. Jahrhundert die Druck- 
herren nannten ; selbst diejenigen Glieder der Familie, die 
keine eigene Druckerei besassen, sondern als wirkliche Setzer 
bei Anderen arbeiteten, z. B. Juda b, Isaac Jüdels Co- 
hen, vielleicht ein Nachkomme Juda b, Gerschom's, der 
1621 bis 1623 bei Moses und Anderen beschäftigt war, be- 
trachteten Gersonide als einen Ehrentitel, Derselben Familie 
angehörig sind die Setzer und Drucker Isaac b, Lob und 
Jüdels Cohen, 1670 bis 1690 in Wilmersdorf. Um eben 
diese Zeit ward auch in Prag wieder gedruckt bei Mose 
Cohen dem Gersoniden und den Enkeln Moses Cohen's und 
zwar von 1688 bis 1728, Auf dem Titelblatte der 1726 in 
Prag erschienenen Maimonidischen Briefe heisst es: „durch 
die Setzer, die Enkel des angesehenen R. Moses C a z (v'5 
d. h. Cohen), des Setzers aus der Familie der Gersoniden." 
Diese Druckerei hiess daher die ,,Cazische", selbst als sie in 
andere Hände übergegangen war, und führte diesen Namen 
noch im Jahre 1784. 



— 200 — 

Geschlechtstafel: 
Salomo Cohen 1480 

Gerschom 1513—1536 



Salomo Juda Moses Mordechai Zemach 

1529—1534 1541 1529—1549 1529—1591 



Pesach ßezalel (Joseph) Gerschom Israel Salomo Samuel 
1569—1589 1569—1587 1569—1594 



Gerschom 
1589—1610 



Moses 
1592—1624 



Anschel 1609 



Mordechai 
1623 



Isaac Jüdels Cohen 
Juda 1623. Juda Jüdels Cohen 



Moses Cohen 1692 Isaac 1670—1690 
Enkel des Moses Cohen in Wilmersdorf. 

1688—1728. 



B. In Geigers „Jüdischer Zeitschrift". 



9. Verfehltes Wortverständniss. 
(Bd. 6 [1868] S. 101—105). 

Heute ist es keine Neuigkeit mehr, dass Fehler, die 
man auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft begeht, lang- 
dauernd und hartnäckig sind. An solchen haben nicht den 
kleinsten Theil die sprachlichen Verstösse, meist aus der Un- 
bekanntschaft mit Sitten der Juden und mit ihrer Literatur 
entsprungen, auf welche ich bereits vor fünfzig Jahren in 
„Etwas über die rabbinische Litteratur ^)" aufmerksam ge- 
macht. Seitdem ist auf diesem Felde manches Gute gediehen : 
Irrthümer in Bezug auf Büchertitel, Personennamen, Orts- 
namen, Auf- In- und Unterschriften, Daten und Abkürzungen 
sind mannigfach berichtigt worden. Meinen Beiträgen zu 



») Oben Bd. I S. 25. 



— 201 — 

solchen Berichtigungen — als: in meiner Schrift gegen Chia- 
rini (1830)0; den gottesdienstl. Vorträgen S. 25, den addita- 
menta (1838) zum catal. Mss, Lips. p, 324. in Analekten 
No. 4, 5, 8^), itinerary of Benjamin of Tudela II, 65 zur 
Geschichte und Literatur (1845) S. 181, 219, 407, 416, 
446, 447, das Verzeichniss daselbst S. 450 bis 454; in den 
Ritus (1858) S. 217 oben, 221 Anm., den hebr. Handschriften 
(1864)3) — sei hier noch eine, meistentheils Handschriften- 
verzeichnissen entnommene Nachlese hinzuzufügen verstattet. 

In dem wahrscheinlich den ersten Jahren des 17. Jahr- 
hunderts zugehörigen Verzeichnisse der Mss. der ehemaligen 
Heidelberger Bibliothek (Serapeum 1850 N. 13) werden 
S. 196 aufgeführt: N. 20 liber ambulationum magnarum, 
N. 22 responsiones capitis. Zweifelsohne ist erstere Nummer 

D'bMj n^Db^ und letztere I^'NIH HlDItm d. i. des R. Ascher. 

Bartolocci (biblioth. t. 3. p. 610) übersetzt n2''''n ^DH 
'in {^y nV2'^l2^': Roma digna ut submergatur; t. 1 p. 169 löst 
ei' 'iV2 [ica Tractat Aboda sara] in itaque auf. — Eisen- 
m enger kennt (Th. 1 S. 198, Th. 2 S. 95) die Bedeutung 
nicht von NT"i: und 1.Tm2f<. — Die Gebetstelle nnD bD'?! 
nilDnc n .TW übersetzt Mai (catal. Bibhoth. Uflfenbach p. 6) 
extraneis gentiiibus nil nisi egestatem, so dass er den Segens- 
wunsch in einen Fluch verwandelt. 

Wolf (biblioth. t. 3 S. 695) giebt das Datum in einer 
Unterschrift wie folgt an: in novilunio mensis Ijar die tertio 
qui erat sabbatum, ohne den Widerspruch zwischen Sabbat 
und Dienstag zu bemerken, während die Worte "tii{>< n*i2 

liJp n^tr ';i DT'b ganz deutlich sind : er las p^li' statt njlT- 
D^Ti'', welches oft Gebildete, Erlesene bedeutet (vgl. Literatur- 
gesch. d. synag. Poesie S. 309) übersetzt er (das. S. 870) 
qui unum deum profitentur. Das (das. S. 1208) missver- 
standene D''521ti' hndet man auch in dem Kataloge der Tych- 
senschen Bibliothek S. 186. 



») Oben Bd. I S. 290 293. 294. ") Oben S. 156 161. 170. 171 

[Signum statt filN auch in cod. Kossi 326]. 192. ^) Oben S. 3. 6. 7- 8. 9. 



— 202 — 

Hirt (oriental. Bibliothek Th. 6 S. 277) übersetzt "IDm 
niDX mDT V „ist mir das Buch von den Verdiensten der Väter 
bekannt gemacht worden"; das. S. 292 und 296, wird aus 
dem einfachen Namen ^'h"\2.' pv 12 "'bne;} „N'aphtali dem ich 
Ansehen unter den Juden wünsche." Ebendaselbst heisst 
p)]i;n p ina :i'\y [er las hn'^'n] „ein anderer Bösewicht". — 
Unbegreiflich erscheint Köcher's „Asulai et filio ejusdem 
Agedolimo" (nova bibliotheca t. 2 p. 265) da er de Rossi de 
origine p. 108 anführt, wo deutlich ,,Asulai in receutissimo 
suo opere schem agedolim" steht. — Assemani's Katalog 
der Vaticanischen Handschriften berichtet, dass cod. 29 dem 
königlichen Schatzmeister Umith ben Asriel gehört habe: so 
missverstand man die masoretische Note zu 1. Chron. 27, 25! 
— 21 ""D" vSnS''D übersetzt Wilkins (1 Chron. 11, 22): librum 
in quo multum. 

Von \'erstössen de Rossi's — vgl. die hebr. Hand- 
schriften oben S. 6 ff . — seien liier folgende angemerkt: Nescihi 
(cod. 23) ist ^t>r\ \X^lJO und ghessi (cod. 62.) ^D^J, eben so 
missverstanden wie Benjamin de Tudela's ID"*^ (ed. Asher 
Vol 2 p. 12); eductio (cod. 102) verbessere man in testa- 
mentum — er las HNlk anstatt PNI^ — , Salmiel (cod. 396) 
in Schelummiel. Der Zuname Melammed ist zu cod. 94 
richtig angegeben; in dem Verzeichnisse vor den Varr. lectt. 
stand dafür „magistri". Dieser Fehler ist jedoch wiederholt 
bei cod. 402, wo p. 27 „praeceptoris", während derselbe 
Schreiber in cod. 483 Malmad genannt ist. Ego Mara (cod. 
409) u. Bedorach (cod. 312 p. 171) scheinen mir fehlerhaft, 
dessgleichen ist statt des Zunamens "VDbvy — womit Stein- 
schneider in hebr. Bibliographie B. 7 S. 18 zu vergleichen 
— beim cod. 489 „discipuli" vermerkt. Aehnlich dem Irr- 
thum in dem Buchtitel D^üU/n ü)iV (Analekten N. 4 S. 161 
Anm. 3) ist zum cod. 843 Hin DVn Diij;^ „in robore" über- 
setzt, während das richtige substantia bereits Assemani zum 
cod. Urbin. 43 hat. Die Worte cujusdam Seboraei (cod. 563 
N. 28) sind aus dem Namen "IDD p entstanden; der Titel 
"cnn , zum cod. 571 richtig chaver, wird zu cod. 1180 socius. 
In der Beschreibung der codd. 317, 801, 1298 erscheint di- 
lectus verdächtig: In dem ersten ist „in gratiam praeceptoris 



— 203 — 

mei dilecti'' vielleicht für ''D''2n "»"lID; ob im zweiten ,,filio ejus 
dileeto" für H^run 1^2 steht? „Binjamini dilecti domini" des 
dritten ist sicher nn'^l'' ]''D''J2. Zu cod. 611 ist übersehen, 
dass der Abschreiber sich des plPl anhebenden Verses 1. Chron. 
19, 13 bedient. Die Worte I^DH IS^N"! bei Parchon werden 
(cod. 764) in capite iibri übersetzt; wahrscheinlich muss "IDDH 
in i<'13D (Sifra) verbessert werden. Menares camardon des 
cod. 1319 ist der Vorplatz (l^n.lD ob Ghetto?) von Campredon. 
Aus der in Unterschriften üblichen Formel HTi^N "12 ("T'izyb 
— nach Ps. 116, 16 — wird trotz der Berichtigung" Biscioni's 
(catal. p. 78) Obadia b. Amathia (cod. 552) oder servi sui 
fihi veritatis ejus (cod. 1146). ''"''"! in cod. Kenn. 585 wird 
amicus; amico in cod. Rossi 215 ist vermuthlich ein ähnlicher 
Irrthum. Dahingegen wird "'in 11])^ einer Breslauer Hand- 
schrift (cod. exter. 129) cum auxilio patrui mei übertragen, 
während es Gottes Beistand bedeutet und die Worte der 
reimenden Unterschrift heissen müssen: IIVD, rapHP r\2^2 
n)i:bM^2D^^']D'^ -jni, n)i^m Das ra nn des Hohen Liedes, auch 
"•"in allein, ist in Midrasch und Piut die Bezeichnung Gottes 
in Bezug auf Israel. Das Wort HÜ fehlt in der Unterschrift 
bei de Rossi Varr. lectt. t. 3 p. V. — Zu cod. 326 ist über- 
sehen, dass delectus dissertationum das D''"10NDn iriDD dos 
cod. 1108 N. 3 ist. 

Zu Jesaia 38, 15 führt Gesenius aus Abulwalid eine 
Talmudstelle an, die zum Theil unrichtig wiedergegeben ist, 
obwohl sie bereits richtig bei Eisenmenger Th. 1 S. 479 zu 
finden war. — In der gedruckten Beschreibung des cod. 
Dresd. 399 ist als Verfasser des pentateuchischen Commen- 
tars ben zori angegeben, als stände in der Handschrift "lliJ P; 
«Hein dort ist nur "lliipl! n"nnn t^T.iD zu lesen. — 

Rittangel übersetzt in der Pesach-hagada "|"n mti'''"1D 
yiX: dispersionem per omnem viam terrae. 

Mit "11iJp2 (siehe oben) hatte schon Wagen seil Un- 
glück; aus Jachia's (46a): ~l1^p2 «TH Hti'yDn wird: haec acci- 
disse Kazori (tela p. 615). Auch kommt bereits bei ihm 
(disput. Jechiel p. 16) der Jesus Gereda (N'"1'''1J) vor. — Hyde 
(itinera mundi p. 131) versteht unter niU"! ^'iC\ capitali parte 
corporis. — Beck (Targ. Chron. 1, 48) verwandelt pnV "1 
nnn in Jochanan Didias. — Bei Wolf biblioth. t. 3 p. 170 



— 204 — 

muss Eulogius in Aulus Gellius und das. p. 826 subtilem in 
die Stadt Philippopel verbessert werden. — In Hirt 's orien- 
tai. Bibliothek Tb. 6 S. 277 liest man den Satz: auch in 
Ansehung dessen, wie sie der Ordnung nach von Anfang an 
auf einander folgen" als deutsche üebertragung von 1TDN 
myü'n t;inD. — In dem neuen Kataloge der hebräischen 
Msc. der Pariser Bibliotbek wiederholen sich die Fehler 
„Obadia b. Amathia" (cod. 604) und Ghisi -= ^D^:i (cod. 816); 
der Name in2D ist in "IHD entstellt icod, 310) und die Ab- 
kürzung f\i< it^'''^*n inivS) nicht richtig aufgelöst (cod. 1097). 
Die Ortnamen Asbona (cod. 592), Aspilo (cod. 609), Ali- 
zano (cod. 1176^ Bibania (cod. 401), Miliab (cod. 1010) 
lauten richtiger: Lissabon, Spello, Lucena, Bevagna, Millhaud. 
Mazitara (cod. 309) ist Misitra, wie es cod. 1281 genannt 
wird; Duca (cod. 307) ist Rocca (cod. 857); aus Minola 
(cod. 794) werde de Nola, gleich dem cod. 1041. "laipnü 
und nsb^C (cod. 1168) sind bekannte Orte in Neapel; jl^H^N "in 
(cod. 857) ist Montealcino, ^Ü^S^SD (cod. 926) heisst in Apice. 
Meir Bonin (cod. 359) ist f<:D "l^yD (aus Bonn), i6^)r2i6 
(cod. 768) vielleicht Munla in Aragon. Statt Calatayud 
schreibt der Katalog stets (cod. 434, 955, 1100 zweimal) 
Catalayud. Ganz unbekannt sind: Noglidano (cod. 152), 
Forti (cod. 381), Vitruvio (cod. 895). Ueber .S^T p'i^'l (cod. 
1047 p. 191) vergleiche man meine Literaturgeschichte der 
syn. Poesie S. 482. 



10. Begleitnamen in Chiffern. 
(Bd. 6 [1868] S. 187—196. Zusätze Bd. 7 [1869] S. 284). 

Nachdem die Vorträge der Propheten, Israels Klagen 
und Gesänge sammt den Sprüchen seiner Weisen zu einem 
die Verschiedenheit der Urheber und der Bedeutung auf- 
hebenden Canon vereinigt und in einen gleichartigen Aus- 
fluss göttlicher Weisheit umgewandelt worden, gingen sie 
wieder auseinander, um als Bibelstellen Midrasch und Hagada, 
Gebet und Piut zu befruchten. Aber bei der starken leb- 
haften Verwendung der heiligen Texte konnte neben dem 



— 205 — 

Allgemeinen auch das Besondere, das Eigene neben dem Natio- 
nalen nicht ausbleiben : Ein Denker, ein Frommer wählte 
einen Vers nicht sowohl zum Thema für Rede und Gedicht, 
als er ihn vielmehr aufnahm zum Führer für ihn selber, zu 
eigener Belehrung, zu eigenem Trost. So wurden Bibelstellen 
Sprüche, .auf die ein Weiser oft zurückkam, die er zu Sen- 
tenzen bildend der besondern Aufmerksamkeit von Schülern 
empfahl. So entstanden Denk- und Wahlsprüche aus bibli- 
schen Texten. Samuel der Jüngere, der zu Anfang des 
zweiten Jahrhunderts lebte, hatte einen Vers aus den Sprüchen 
Salomo's zum W^ahlspruch; um das Jahr 250 werden Stellen 
aus den Psalmen, den Sprüchen und aus Sirach von Talmu- 
disten empfohlen. An Bibelstellen, welche die Knaben in der 
Schule durchgenommen, wurde eine Belehrung angeknüpft^), 
man legte sogar den Thieren Verse in den Mund, wie das 
vor dem zwölften Jahrhundert verfasste n'T't^' p"lD zeigt. 
Später findet man, vornehmlich in Italien, bei Einzelnen den 
Gebrauch, dem eigenen Namen einen ßibelsatz, meist als 
Abbreviatur, beizufügen. Eine solche Chiffer ''Ijü ü^ genannt^), 
bald ein Gebet oder einen Wunsch — mitunter daher eine 
Euphemie^) — bald die eigene Nichtigkeit oder ein Lob 
Gottes ausdrückend, ward so beinahe gleichgeltend mit 
einem Amulet, bei dem wie bekannt die Abbreviaturen 
eine wichtige Rolle spielen. Reicht nun auch der Gebrauch 
von Wahlsprüchen bis in die ältere Zeit hinauf, so lässt sich 
doch die Verwendung von Chiffer-Namen als Namen-Beglei- 
tern erst seit sechshundert Jahren nachweisen, und einige 
noch zweifelhafte mitgezählt, treten nach der Zeitfolge ge- 
ordnet folgende ChifFern auf: 

Um das J. 1270: X^^r, ^2^1, N^21 

1300: ^n, Xin, 2W^ (zw.), ^Ti? pC (zw.). 

1312: N'Zn. 

1322: ^b'PD. 
1300—1400: ''^^püü. 

1366: N2X. 



*) Vgl. Berachot 17 a, j. Berachot 5, 1. Midr. Esther 127 c. Midr. 
m^ i<DJ< i^- 11- Gittin 56a. ^) cod. Bisliches 45 in 12^^^^ S. 17. 

3) Zur Gesch. und Lit, S. 304 ff., 455. 569. 



— 206 — 
Um dasJ. 1372: ^C^S* (zw.\ 

1387: :;np. 

1427: ""^J*. 

1400—1430: p^N, 1X2, ^m, -pn. 
1448: ^''^h, 'n nn^ -i?2n. 
1470: hv\ n^\ ^'om. 
1475: ^rh, ^-b. 
1480: vN-l\ i?2y. 
1520: \N:i. 

1540: n^r, N^IQ (?). 
1550: 121?2D. 

1600: -h^n. 

Für 17 Abbreviaturen, welche die genannte Handschrift 
aufführt, fehlen mir Belege, vielleicht waren einige darunter 
nur vorgeschlagene. Mit Ausnahme von etwa 12, die dem 
Pentateuch {^21, ^Cipc;^, ?<"!% "'p^lt'), den prophetischen Büchern 
(XZn, '•2^1, ^n, ^bn N*^T, X^b) und den Sprüchen (^DiJn, D^) 
entlehnt sind, stammen sie alle aus dem Psalmbuche, und 
zwar aus etwa 22 Psalmen (Ps. 9. 18. 21. 22. 28. 31. 34. 36., 
38. 70. 71. 72. 94. 112. 116. 118. 119. 121. 124. .138. 
143. 144). 

Verzeichniss von 45 Chiffern: 

N2N* begleitet den Namen des 15]ährigen Abschreibers 
Joab b. Binjamin A. 1366 und bezeichnet mit ^J"IN* miD^D N1D?< 
(Ps. 71, 16) den Wunsch ein hohes Alter zu erreichen. 
Nicht richtig ist die Entzifferung bei Dukes: Sal. b, Gabi- 
rol S. 122. 

^3J< hinter dem Namen von Zemach Elia Melli (um 
1520) ^) und des Mose b. Immanuel dreimal in cod. Sor- 
bonne 142 [cod. Paris 364] in einer Unterschrift vom J. 1427 2), 
ist wahrscheinlich dasselbe; 'H D^Dj;2 11\X (Ps. 108, 4) oder 
^j^iy T2 niHN (Ps. 73, 23) sind minder wahrscheinlich. 

b2N* könnte sein: ^22^ Gn2 -^nriü. (Ps. 101, 2), 

22b ■iti'^2 -j-IXS (Ps. 119, 7), 

^2^ b-22 TIIX (Ps. 138, 1). 



*) D''n2in nbN und 'mNi2 und H^Jinf. 30. sämmtlich Mantua 1566. 
2) Orient 1848 Litbl. S. 309. 



— 207 — 

jCN begleitet den Namen des Abschreibers Joab in cod. 
Michael 354'), der aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts ist, 
bedeutet vermuthlich ^'^Z: Hü'pD 'H N'JN (Ps. 116, 4). 

^^IJN* = 'n ^:zh ibnn.x (Ps. 116, 9). 

IHN = 'n ^:D]J?n 'px (Ps. 38, 22). 

"1N2 Zunamen des Elia b. Schabtai auf der vielbespro- 
chenen Medaille ist die Abkürzung von ipin TipSN "[T'2 (Ps. 
31, 6); cod. München 210 f. 207 aus dem J. 1459 liest man 
bl ^n2l^' "1"D T'iSZ b"] N^^N vermuthlich anstatt: ^2 b^ 1X2 X^'PX. 

^2: --^ n\n^ ■]n2 ca (Gen. 27, 33). 

X2n2) = 12X n^22 l^yKH (Puchter 6, 15). 

^2iJn = übltJ'^ pX2 p^HK ]n (Spr. 11, 31). 

^m, das um A. 1436 erscheint, ist 'n -]nDn mN12^1 (Ps. 
119, 41)3). 

''2''1 unmittelbar auf ''T folgend*) ist die zweite Hälfte 
von Jes. 53, 10: n'pH^ 1T2 'H ^DHl. 

DI) begleitet in cod. Kenn. 437, cod, Almanzi 236 und 
sonst ^) den Namen des A. 1490 gestorbenen Jechiel b. Isaac 
in Pisa und ist vermuthlich Spr. 8, 35 'HD ]1j»"l ps^l^ mit welcher 
Stelle Spr. 12, 2 und 18, 22 fast gleichlauten. Ob D^^ri und 
2li2> die jenen Versen voraus gehen, den Mann bewogen haben, 
niit bxTl''' ein gleiches zu thun? 

Tl kommt in älterer Zeit als Beinamen bei folgenden 
Vor: 1) MeschullamChaium A. 1300 (Literaturg. der syn. Poesie 
S. 364); 2) Immanuel Chai um A. 1400, Bruder von Jechiel 
und Abraham, Vater von Jekutiel und Mose ''2X (cod. Paris 
364); 3) Jechiel Chai b. Joab, Abschreiber in den Jahren 1419 
bis 1445, statt Chai hat de Rossi Vita (cod. 326) und Chajim 
(cod. 1135); 4) Immanuel Chai aus Camerino (Literaturg. der 
syn. Poesie S. 551), ein Zuhörer von Messer Leon^) und ver- 
muthlich derselbe, an welchen Bertinoro den Reisebericht 



') Jehuda Tibbon Ermahnungsschreiben (ed. Steinschneider S. 15). 
^) S. die Nachweisungen in meinen Analekten N. 6 (oben S. 181). ^) Zunz 
Literaturgeschichte der syn. Poesie S. 523; vgl. sjm. Poesie S. 324. und 
bei Landshuth onomasticon S. 104. *) Hebr. Bibliographie Band 7, 

S. 136 N. 24. Cod. Saraval 12. ^) Hebr. Bibliographie B. 5, S. 28 

Anm. 2, wo D2'' in Dil zu ändern. ^) Cod. Biscioni 52 im Cataloge 

S. 165. 



— 208 — 

geschrieben; 5) Josua Chai Säe. 15, vgl. Oppenh. Catalog 
S. 646 N. 832; ß) Josua Chai A. 1622 in Mantua (Lampronti 
'vX f. 112); 7) Schabtai Raphaei Chai Mondulfo um dasJ. 1650 1): 
8) Jacob Chai Flores um dieselbe Zeit^); 9) Salomo Chai 
Haraval in Venedig A. 1667^): 10^ Jehuda Chai de Recanate 
um das J. 1670 4); 11) Samuel Chai Cant&rini A. 1686^). 
Aus späterer Zeit findet man diesen ßegleitnamen sehr häufig 
bei Lampronti*'), Ghirondi'^), Nepi^). Sechsmal erscheint er 
in den (jrabschriften des Buches D''JDN 7X Man vergleiche 
noch Steinschneider Cat. Bdl. p. 2792, 2795, 2926 und Catal. 
Michael S. 333. "Ti \2/''ii nennt A. 1581 ein Abschreiber seinen 
Grossvater^) und ebenso A. 1615 der Rabbiner Asriel Mühl- 
hausen seinen verstorbenen Vater Namens Seligmann, wovon 
Ti U/'^ii (2 Sam. 23, 20) die Uebersetzung ist. Vielleicht ist 
das Ti ursprünglich die Abkürzung von ri^^ri^ ITI, das oft in 
Ezechiel vorkommt. 

i'p^n = PiiT^i vx'p .Tn^ vn (Ezech. 18, 21). Joseph 'h^n 
lebte im Juni A. 1601 in Sinigaglia, daselbst auch Raphaei 
Israel 'b'^n, Verfasser des Piut IK'ip D^^^ HT. 

p^n = nnnj -j^^o Sf^tt' D^^n (Ps. 21, 5). 

rvy in der Vorrede Salomo Athia's zu seinem Psalmen- 
Commentar ist 'H t<T "12: -]-12^ (Ps. 128, 4). 

^rf, das A. 1431 bei dem Namen Binjamin in Siena er- 
scheint, ist vielleicht DD::nb 'H HDH^ (Jes. 30, 18). 

"'T s. zur Geschichte S. 314. 

t^'T' noch jetzt Familienname in Mantua'*^) und bereits 
zu Ende des 15. Jahrhunderts vorkommend bedeutet '•lii"! ^'^"' 
VRN (Deut. 33, 24). 

rb^ = nirin ^mij?'? 'n (Ps. 70, 2). 

"^nr = ^3cn:b -j-ion w \t (Ps. 119, 76). 

ir entweder ^::ci ^"iV 'n (Ps. 28, 7) oder ^"lyöl ^]V 'n, 
(Jer. 16, 19). 



') Schabtai Beer RGA. N. 82. «; Steinschneider cat. Bdl. p. 2924. 
Vgl. Zedner catal. S. 110. ^) Das. p. 3036. *) Nepi S. 103. ^) Luz- 
zatto in Ozar nechmad Th. 3, S. 147. ^) In den Approbationen, ferner 
'K f. 9, c. 18, voc. "1DD f. 149 a und sonst. ') S. 38, 45, 104, 1.58. 

8) S. 104, 133, 153, 155, 167, 243, 289, 351. ») Luzzatto in hebr. Bibliogr. 
ß. 4 S. 98. 1") Luzzatto in hebr. Bibliogr. B. 5. S. 145. Zuuz Leben 
Asaria de Rossi's S. 158. 



— 209 — 

DK'"'- Eine Unterschrift in Chajim Or sarua Rga. N. 115 
lautet: 2^'' "jn^ 'fin p ^'72. Vielleicht in Wc Dlbti' M^ nach 
Ps. 122, 7 oder in D'ü^V^Z DH^iti' ib^^ nach Hiob 36, 11 auf- 
zulösen. Liest man 2^"1, so könnte Hiyz D''ü'\l' 221 (Deut. 
33, 26) gemeint sein. Vgl. aber zur Geschichte S. 347. 

ü'Pti''' zeichnet Menachem b. Binjamin A. 1316 (Stein- 
schneider über de Rossi's Ms.^. S. 22) : ob dieselbe Chiffer in 
cod. Paris 1221 vorkommt? bii*'' in cod. Paris 1225 ist 
üh^vb 1^^ \T Ps. 72, 17. 

')V\ Daniel bv' blühete um A. 1467. Ein Elchanan bv^ 
lebte A. 1550, ein anderer A. 16H1. Die ChifFer ist ver- 
muthlich ^b nn"liy 'n (Ps. 94, 17). Mit kleinen Veränderungen 
würden auch Ps. 28, 8. 30, 11. 49, 10 (HiJib '^V 'TVd. 61, 8 passen. 

^bbs in cod. Kenn. 554 vom J. 1322 ist I2)ü^ i6 d':'!^'? ^2 
(Ps. 112, 6). 

\S7 vielleicht das sieben Mal vorkommende 'D HN "1DJ?7 
oder D\^2^ "j-lvsb. 

t^^b = pN* lU'-T'^ □biy':5 (Jes. 60, 21), in einer Handschrift 
des Jahres 1475 und cod. 15 Florent. (Bise. p. 75) auf das 
Datum, in cod. Leyden 80 und cod. Saraval 29 auf den 
Namen folgend, wird gewöhnlich in ]0{< \"l"> nD"12b aufgelöst. 

TD ein Beiname des im letzten Viertel des 15. Jahr- 
hunderts lebenden Abschreibers Menachem de' Rossi ist, wenn 
nicht das biblische ^n*?, vielleicht """pn ''JHC'P des 119. Psalms 
nebst 'n. 

'PJ^'P ist vielleicht Id'? pj N'T^ üb (Ps. 112, 7). 

ii.'hb = p^:« HDit'^ n)i:b .xb (Ps. 9, 19). 

IJ'^trb In cod. Paris 933 1) vom J. 1448 folgt auf den 
Namen ^«2 in^'pN' noch I^'^t^b i<^)']r]. Es ist ICti' ]i:^ IT'CIi' ^:^b 
(Ps. 72, 17). 

n.s;2 = 'n .snpN bbnü (Ps. 18, 4). 

bnD = -j^yn^b -]iDn -jiit'D (Ps. 36, 11). 

^DIpCQ als Segen und Wunsch bereits im 14. Jahrhun- 
dert üblich 2) ist Deut. 33, 11: p^lp^ p Vi<:Z'f2^ TOp D^^no ynD. 
Vgl. Pinners Prospectus S. 12 und 28. 

22b: = 'HD mtDD ^2'? ])2: (Ps. 112, 7). 



') Vgl. Geigers jüd. Zeitschrift B. 5 S. 192. ') Orient 1847 

Litbl. S. 771. Hebr. Bibliogr. B. 6 S. 114 Anm. 1. 



14 



— 210 — 

lü'l': Der cod. Kenn. 500 ist A. 1469 in Neapel ge- 
schrieben für . . . "lCt^3 tr\S wni-iT "] -Z2jn. Was dahinter 
noch folji^t, gibt Bruns nur durch ,,etc.'' an; ob 1Clt'2 in 
T) Tkt'y^ Dli' ^nZJ (Spr. 22, 11 aufzulösen? 

IC^^D, das R. Jacob Firmon, der vor 300 Jahren in 
Salonicbi lebte, seinem Namen hinzuzufügen pflegte^), ist "HD 

21Ü niryi y"ic (Ps. 34, 15). 

^2y = 'n Di^'2 i:"iiy (Ps. 124, 8). 

"i?^!? in cod. Leyd. 80, cod. Kenn. 437, cod. Saraval 7 
und cod. Michael 662) i^t 'H DJ?D my (Ps. 121, 2). In allen 
vieren mit i'ip verbunden. 

WV = pXi ÜV2l^' nirj? (Ps. das.) 

iv>s*, wie Jechiel Trevot im J. 1573 zeichnet^), ist "T'VH 
nn:^ ^r:x^) (Ps. HO, 141). nizin) Ty-in nennt sich bereits 
Chajim Or sarua (N, 90.), nDjl 'T'yii verwendet Hadasi akro- 
stichisch seinen Namen begleitend, "f^n) "»JS "WH (wegen Rei- 
mens) Binj. Seeb 409. 

2r\p bei einem und demselben Schreiber in cod. Parma 
22 vom J. 1387 ■'^) und cod. (Juedalla (in London) vom J. 1392 
vorkommend ist 11222 Onn i:ip (Ps. 112, 9). Auch cod. Paris 750. 

yZ' ist, da es n-iin^ bip 'm yDtt' bezeichnet (Deut. o3, 7), 
vermuthlich für den Namen Jehuda vorgeschlagen. 

vS^n d. i. li'"'« vSbl nybm (Ps. 22, 7) wie schon R. Tarn sich 
nennt (Dunasch S. 98), findet man in Unterschriften aus der 
Zeit um J. 1300^, 1420^), 144:^«), 1463 ^j, 1524^«), 1557ii), 
1567^2,^ 1586^3) Abigedor hacohen zeichnet nv'pin ^DlS'i*) (Pg, 
das.) oder ny'pin l^'\Si-'), auch bloss nybmiC); seine Ansicht be- 
zeichnet er mit nybinn nyi i^). rpy ny'p'in (Jes. 41, 14) zeichnen 
Personen Namens Jacob, z. B. Jacob Halevi^^) Säe. 13, Jacob 



») Conforte a.yp 36 b. ^) Catalog S. 3.30. ^) Pachad Jizchak v. 
ni">bn f 25 und 26. *) Binj. Seeb RgA. X. 111.248. 262. 412. — Salomo 
Ayllon in einer Approbation A. 1701. ^) Hebr. Bibliogr. B. 7 S. 116. 
6) Minchath Kenaoth S. 82. 'j Maharil RgA. 162 wo N»'?! fehlt. ») eod. 
Paris 167, vgl. Orient 1848 LB. S. 301. ^) cod. Lips. 40 im Catal. p. 305 
u. 324. '«) Binj. .'^eeb. KgA. N. 300. Tarn Jachia Rga. N. 5. 87. 88 u. .sonst. 
") Jos. Karo RgA. N. 8. '*) Js. de Latas Rga. S. 155. ^^) cod. Bisliches 60. 
'*) Hag. Maim. p^l^ c. 21. § 28 i^) Anon. Schein Ha-Gcdolim S. 9. 

'^) Mordechai Gittin c 7. Chiddusche Ansehe Sehern zu Mordechai Rosch 
ha-Schanah c. 1. ") in cud. Paris 646 f. 59 b; v^l. py^im ]wb bei 

Hag. Ascheri Baba Bathra c. 1 '*) Geiger wiss. Zeitschrift Th. 5, S. 424. 



- 211 — 

Crispino ^) A. 1370, Jacob Margaliot Säe. 15^), Jacob Cha- 
bib (Berachot 43b), Jacob b. Samuel-^) A. 1728, Jac. Nunes 
Vais A. 1783 ; so nennt sich indessen auch ein Sohn Jacobs, 
nämlich Salomo AhnoH'^). PJ/'^in hintei' seinem Namen 
zeichnet Chajim Paltiel^). Bereits Meir aus Rothenburg 

unterschreibt ein Gutachten nny'pin tJ'DJD^)- NIH oder ny';)in 
allein ward so in der Verwendung synonym mit den sonst 
üblichen Unterschriften, als bin, DTCn, "IDH, mZJn, IDI/'n, 

^:i?n, LDiysn, -i^yiin, ycpn, bsiiri. — Den ganzen Vers nybin 

u. s, w. hat bereits Hadasi akrostichisch in der Einleitung 
seines Werkes. 

ICH in cod. Bisliches 45 muss wohl jf2r\ heissen, d. i, 
''ti'5j HTi'D sV'':»in (Ps. 143, 11); kommt im Nachwort des cod. 
Michael 354 vor. 

Unverkürzt erscheinen die Worte 'n "!"'""' I^-N aus Bin- 
jamins Segen (Deut. 33, 12) hinter dem Namen Binjamin 
Rofe in cod. Paris 1>33. 

Von folgenden, bis auf vier, Italien fremden Chiffern 
ist der Charakter zweifelhaft: einige mögen Ortnamen, andere 
die Uebersetzung deutscher Zunamen sein, nämlich: 

"•CIN cod. Vatic. 77 ist im Sommer 1372 geschrieben von 
Binjamin "'^^li^ b. Elia aus Macerata von der Familie Cor- 
rente für einen iMann in Massa. Vielleicht bedeutet der Bei- 
name aus Osimo, welche Stadt als Begleitname auch in 
C"l2"!n nvN ed. 1566 vorkommt, vorausgesetzt dass nicht N^i"' 
zu emendiren ist. 

z'PD hinter dem Namen des Grammatikers Binjamin b. 
Jehuda schlägt Steinschneider'') vor in |*7D zu verbessern, 

welches pi-i^i ti'X"!^ mD"12 (Spr. 10, 6) bedeutet, also mit ^ht 
verwandt würde. 

j2n bei dem Namen des Abschreibers Daniel b. Bin- 
jamin A. 1399 in cod. Paris 627. zn könnte ^sb^'Z bin (vgl. 
Richter 6, 15) sein, dessen sich sciion Zidkia (Vorr. zu Schib- 
bole ha-Leket) bedient. 

1) cod. Vat. 170. ^) Moses Miuz RgA. N. 73. ^) Lamperouti Pachad 
Jizchak pnQ f. 90a. ■*) 'H '-]]}W ed. 1533. =) Meir Rothenb. EgA. 

ed. 3 N. 135 (Zürcher Semak ms. s. 300a), 136, 157, 164 (Zürcher Semak 
ms. § 107). 177. 476. Vgl. Zunz Ritus S. 22 Anm. d. ^) RgA. ed 
Cremona N. 31. ^) Catal. Bodl. addenda p. XCIII. 

14* 



— 212 — 

DPin p unterschreibt Schabtai b. Samuel in den RgA. Meir 
Rothenburg ed. 3 N. 504; vielleicht ist nur ]^ zu berücksichtigen. 

'ü^' ipi im Zürcher Semak (Ritus S. 216), bei Chajim 
Or-Sarua N. 180 und den erwähnten RgA. N. 491 zeichnet 
Abigedor. 

^7C ti"'X 7~n folgt dem Namen des Schneor b. Kalo- 
nymos in RgA. Meir Rothenburg ed. Prag N. 611. i^"'N 7~n 
aus Jes. 53, 3 ist dem dort vorangehenden mij, folglich der 
Chiffer IJ^iJ verwandt. 

ryii'1 pH"' schliesst die Unterschrift von N. 113 in den 
Rga. Chajim Orsarua; die zweite Chiffre bedeutet vielleicht 
\bi<y^''] bz bv Ub'^^ (vgl. zur Geschichte S. 334 Anm. i). 

rd'^y^ s. Literaturgeschichte der syn. Poesie S. 619 u. f. 

"jCD rr^^ s. das. S. 369. 

Dbii'"* soll dem Namen Menachem in cod. Rossi 1390 folgen. 

]\SD in Machsor Livorno 1800. 

''ly 1^0 unterzeichnet Samuel b. Isaac in Meir Rothen- 
burg RgA. ed. 3 N. 120. 

ryc in cod. Almanzi 79 vom J. 1383 in Forli^) ist viel- 
leicht ^n^rn in ^lyc (Ps. 144, 2). 

X'']C, vielleicht ein Ortname, erscheint seit etwa drei- 
hundert Jahren bei folgenden Namen: 

1. Samuel, im J. 1542 Rabbiner in Frankfurt a. Main, 
ein Schüler von Jacob Margaliot und Lehrer des Phöbus 
Cohn-), vormuthlich derselbe dessen mp"'12 in Worms von 
Zebi^) angeführt werden, und wohl von dem R. Samuel in 
Worms, dessen Margaritha'^) gedenkt, nicht verschieden. Eiasar 
aus Worms A. 1587^). 

2. Isaac, Correktor des Machsor Tannhausen 1594, auch 
Hülfsarbeiter beim Druck D^iy myn^ 1597. 

3. Jehuda Selkle b. Isaac in Krakau, Eidam von R. 
Joel Serks, dem Verfasser des Bajith chadasch 5 er unter- 
zeichnet ^irti'f^ ^'^yo und hat Approbationen in I^DH pi2V (1648), 
""ZiJ n':'r.: (1659), n^l2^r\ n-^-^rp (1671). Sein Sohn Hirz, an 
welchen der Grossvater R. Joel A. 1636 ein Schreiben ge- 

ij Luzzatto iu f<12D S. 18 und hebr. Bibliogr. N. 23, S. 12.3. 
2) Sal. Luria zu Sefer ha-Mizwotb ed. 1600, "lli'ifl "1\S 5 a. ^) HlüTIti' 
n"lp'''I2'l ed. Basel 14b. <) Der ganze jüdische Glaube Kap. 23 S. 359. 

') Perle.s Gesch. der Juden in Posen S. 41. 



— 213 ~ 

richtet^), starb als Dajan in Lemberg im December 1668. 
Vgl. ^ip nziir: Heft 2 f. 10a, 19 b, 20 ab. 

4. Josejoh b. Lipman aus Prosnitz um das J. 1651, s. 
Literaturg-esch. S. 435. 

5. Mose b. Elia in Posen hat eine Approbation in H^PI^ 
2pr Amst. 1652. 

. 6. Matatia b. Adonia Israel A. 1653 Rabbiner iu Thien- 
gen, s. RgA. 'T^'H Llin N. 80 und 81. 

7. Mf'-e Cliajim b. Elieser Todros, 1702 in Prag, da- 
selbst 170'i) im Sommer gestorben. 

8. Gerson b. Isaac Mose aus Metz, Verfasser der A. 1785 
von dessen Sohne herausgegebenen Gutachten n^Pl r\^1p. 

.S^Di könnte pN* - ^12^ VTQ )WB: (Ps. 49, 19) sein. 
Mehreres s. zur Geschichte S. 369 und Literaturgeschichte 
S. 355. 

n:!j vgl. meine Analekten N. 7 (oben S. 190 Anm. 5l 
und zur Geschichte S. 451. 

pJ<iJ'. In Meir Rothenburg RgA. ed. 3 ist N. 424 von 
Dan. b. Joseph pN'^ unterschrieben; vielleicht ist es nur die 
üebersetzung von dem Namen Friedemann. 

^i:n. Ein Abraham ^i:n lebte A. 1417 in Mantua (Sorb. 
117 oder cod. Paris 612), ob Ps. 119, 175? 

Folgende zwei gehören indessen zu den Euphemlen für 
Verstorbene, nämlich y'^V7 (cod. Rossi 1390 und cod. Kenn. 554) 
welches p^li' n\n^ üb'^V '\-'h (Ps. 112, 6) und ^bv, das wahr- 
scheinlich 'n ^jsb -Diy (Genes. 18, 22) ist. Das letztere 
kommt als IH'^'^y und in Verbindung mit ii)r\ und mit y^ 
vor. Vgl. Steinschneider im Michaelschen Cataloge S. 345 
und 370, cod. Paris 1095 und meinen Nachtrag (1867) 
S. 27. 

Angrenzend an den Gebrauch der Chiffernamen ist der 
seit etwa 200 Jahren vorhandene, den Knaben mit dem Namen 
zugleich einen Bibelvers zuzuertheilen, dessen erster und 
letzter Buchstabe dem ersten und letzten Buchstaben des 
biblischen Namens gleich sind: so z. B. mit dem Namen 
Jörn tob den Vers Ps. 48, 3, da im Namen und Verse Jod 
der Anfang, Bet der Schluss ist. Ein solches Verzeichniss 



^) Neue RgA. des nn Korez 1785 N. 50. 



— 214 — 

hat Joseph Tobias p^ii P Amst. 1690 (s. W. Th. 3 p. 384) 
abgedruckt in c'pti'n'' Tüli'. Der Ursprung steht mit der 
Verwendung der Psalmverse zu Amuleten im Zusammenhange 
und reicht bis in die letzten Jahrhunderte des Mittelalters 
hinauf: Schon Hirz Treves (A. 1530) spricht von der Tra- 
dition, dass dergleichen Verse bei Reisen und apderen Ge- 
schäften dienlich seien, für seinen Namen — Naftali — dem- 
nach Ps. 119, 108. Den Anstoss mag unter andern die 
Bemerkung (D^jpl TiH 48 d) gegeben haben, dass sowohl der 
Name des Naeman (2. Kön. 5) als verschiedene mit jenem 
Vorfall in Verbindung gebrachte Verse mit „Nun" anfangen 
und endigen. Die Chiffre-Namen sind übrigens in neuerer 
Zeit aus Europa so ziemlich verschwunden, die Unterschrift 
i^Tyi, N'in und dgl. nur noch bei asiatischen und afrikanischen 
Juden gebräuchlich. 

11, Alte Sentenzen über Hochmuth und Demuth. 
(Bd. (3 [1868] S. 315-318. Bd. 7 [1869] S. 280-283). 

Hochmuth und Anmassung finden in der Stärke den 
Ansprach auf Würdigkeit, in der Macht den Besitztitel des 
Vorrechts; es ist daher eine schöne Einrichtung, dass bei der 
Vergänglichkeit irdischen Glückes, solcher Hochmuth meist 
durch sein Verschulden gedemüthigt wird; die von der Macht 
Unterdrückten richten sich auf und der Hohe stürzt zu Boden. 
Noch bevor weise Männer diess aus dem Leben der Einzelnen 
beobachteten, hat die V^ölkergesehichte gelehrt, dass der 
Mächtige von einem Mächtigern niedergeworfen werde; den 
Demüthigen und Gedrückten tröstete der Prophet mit gött- 
licher Liebe, während dem übermüthigen Unterdrücker der 
göttliche Zorn in den Weg trete. Sowohl Jesaia als Ezechiel 
feiern die Gerechtigkeit der Vorsehung, indem sie des Hohen 
Sturz und des Niedrigen Steigen verkünden. Ein alter Sieges - 
gesang (1. Sam. 2, 3 ff.) preist Gott, der erniedrigt und er- 
höhet, der den Dürftigen emporhebt und neben die Edlen 
setzt; der oberste Richter ist es, der diesen ei'höhet, jenen 
erniedrigt (Ps. 75, 8). Nach der Lehre späterer Weisen 
Israels erniedrigt der Hochmuth und kommt zu Fall. Den 
Uebermüthigen stürzt der Herr, während Demuth Ehre bringt 
und Leben (Spr. 16, 18. 29, 23. Ps. 147, 7. Daniel 4, 34. 



— 215 — 

5, 19. Hiob 40, 11. 12. .Sirach 10, 19. 20). Der Widerhall 
dieser alten Aussprüche erklingt durch das gesammte jüdische 
Schriftthum. „Halte ich mich niedrig, spricht Hiliel^), so 
ist das meine Erhöhung, halte ich mich hoch, bin ich er- 
niedrigt". DOnci h^ZWD oder DnDT b^Elt'D wird ein stehendes 
Ephitheton Gottes bei den Peitanim, z. B. bei Jose (n':57nx), 
Jochanan hacohen (.Ti^'Q l-l^l Abschn. 3), David b. Huna 
(n:\S'i»), Zahlal (V. 2H), MeschuUam (Pesach-Jozer), Binjaiuin . 
b. Samuel (N. 1), Binjamin b. Serach (N. 3), Joseph Tobelem 
(T:!vS--T'1), Hoschana yV^b, Gabirol mn ^:iti6, Mose b. Esra 
StvS DP, Isaac Giat (DnZT )bV'\ Ungenannter im Reschut On^ü' 
Dnp^ und Hymnus n^nn^)^ Schaltiel (Geula n:«:^') u. A; auch 
Abenesra in der Einleitung seines Jesod-mora. Der Herr, der 
den liebt, der sich erniedrigt *), wirft die Stolzen nieder und er- 
hebt die Isiedrigen, wie es in HIIJ? und im Frühgebet^) heisst 
und nachklingt im Jozer Neujahr 'f^H "jbc, bei Mose b. 
Kalonymos (Silluk yüM< Ende), Salomo (Selicha I^jH), Abitur 
(Nischmat N. 92), Simeon (Neujahr), Samuel (Selicha T:«), 
dem römischen n:i^ "liNPi^j ^^,1 {^ Einheitsgesang (4. Tag). 
So wuchs aus diesen Aussprüchen die Sentenz, dass erhoben 
wird, wer sich erniedrigt, und umgekehrt, und in dieser 
Fassung findet man sie Matthäus 23, 12. Lucas 14, 11. 18, 
14. Tr. Erubin 13 b, Derech erez sutta 9, 5, Hechalot c. 26, 
in Jacob Antoli's Malmad Hlp Ende, Sohar f. 232 b und 
Masioth ed. 1647 N. 4 Sogar der Vers Ps. 113, 5. 6 wird^) 
dahin gedeutet: wer sich erhöht kommt [auf den Boden] zu 
sitzen, wer sich erniedrigt wird [erhoben, mithin] sichtbar. 
Talmud, Pesikta und Dekalogs-Midrasch zufolge wird für die 
Offenbarung der Sinai erlesen, weil er, entgegengesetzt pa- 
lästinischen Bergen, sich in Demuth gestellt: so feiern ihn in 
den Festgesängen Kalir und Jochanan hacohen. Weil Du 
Dich erniedrigst, spricht Gott zum Buchstaben Alef '^), erhebe 
ich dich". Nach göttlicher Bestimmung, heisst es in der Perlen 



1) Vajikra rabba c. 1, Jalkut Spr. 143 c. In Dukes Blumenlese 
S. 155 ist irrthÜDilich Schemot rabba gedruckt. ^) Dukes Schire Scbe- 
lomo N. 68 S. 65. ^) Grosse Pesikta Abschnitt 3. ■*) Ritus S. 12. 

6) S. Literaturgesch. der syn. Poesie S. 20. Luzzatto J^I^J^ S. 23. ^) S. 
Vajikra rabba c. 1 und Commentar ("13(12 mjPD- '') Midrasch Dekalog 
Anf. Akiba'e Alfabet. 



— 216 — 

Auswahl (§ 43), werden die Niedrigen erhöht, die Hohen 
erniedrigt. Wer leben will, sagten alte Weise ^)j der ernied- 
rige sich. Abenesra^) zeichnet die Thätigkeit der Phantasie, 
sie erhebe das Niedrige und erniedrige das Hohe d. h. sie 
schildert Menschliches mit göttlichen, Göttliches mit mensch- 
lichen Bildern, und ähnlich wendet die Vidui 'H PX "I"12X, die 
Jehuda halevi zugeschrieben wird, die Drohung Ezechiels 
(21, 26): „Erniedrige Hohes und erhöhe Niedriges", in sitt- 
licher Beziehung auf das Gemüth des Menschen an. 

Der Tadel gegen Hochmuth, das Lob der Demuth bleiben 
stehende Theraaten der Sittenlehrer. Mit d''m stolzen und 
eingebildeten geht es bergab; wer wegen Gelehrsamkeit sich 
hoch iiält ist ein Aas im Wege^); dahingegen geht der 
grössere Mensch gesenkter einher, gleichwie die schwere 
Traube niedriger hängt ^). Wer sich niedrig hält, kommt zu 
Ehre und Ansehen^', wer selber sich nicht erhebt, wird von 
anderen erhoben^). Wer der Lehre halber sich klein hält in 
diesem Leben, wird in jenem gross '^); der Hochmüthige ver- 
unreinigt, der Demüthige heiligt das Land (Mechilta). 

Solche Aussprüche entsprangen zum Theil der Wahr- 
nehmung, dass die Würdigsten selten auch die Mächtigeren 
sind. Den Thoren, sagt schon Kohelet (10, 6), fallen die 
hohen Stellen zu, die Ausgezeichneten sitzen niedrig, Knechte 
reiten und Herren gehen zu Fuss. Aehnlich spricht die To- 
sefta (Sota c. 14) : Niedrige stiegen. Hohe sanken. Die Eitel- 
keit der Güter, die Unsicherheit und Flüchtigkeit des Besitzes 
— ein Thema, das Kalonymos im Prüfstein c. 76 und Jedaja 
Peniui ausführen — vermindern freilich die Neigungen nicht, 
Eigen- und Ehrsucht äussern ihre treibende Kraft; man üess 
daher dem Ansehen seinen Einfluss, nur seine Gefährlichkeit 
zu verringern bestrebt, und lehrte, dass Macht, Ansehen und 
Ehrenbezeugung den fliehen, der ihnen nachjagt, aber zu 
dem hineilen, der sie flieht. Es verhalte sich also ruhig, wer 
diese Güter begehrt. Das zu erreichende Gut heisst in den 

1) rommeritHi- Tr. Tamid 32a. ^) Zu Deut. 32, 1. ^) Berachot 
19a. Megilla 13b. Erubin 54a. Nedarim ö.öa. Sota .5a. Abot li. Nathan 
c. 11. Easchi Hiob 36 Ende. *) Midrasch Samuel c. 16. ^) ppn 

nnC 1. 2. 6) Arne h hl- ^) Baba mezia 85 b. Jalkut Esther 71 d. 

Binjamin Jozer 7'pnX. Batra 10b. Buch der Frommen c. 16. Aruch IJIJ. 



— 217 — 

Quellenschriften Ansehen (n';'~J) oder Herrschaft (H^Tllt') oder 
Ehre (^122). 

Wer nach Ansehen rennt u. s. w. heisst es in der 
ältesten Recension dieses Spruches in Erubin 13b^j und 
ebenso im Buche Mussar c. 3. Aber im Midrasch Tanchuma 
(41 d) wird, den Text Sprüche 29, 23 ausführend, Herrschaft 
gesetzt, und in dieser Fassung wiederholen den Spruch: 
Jalkut^), Tobia^), Ephraim zu Abot c. 1, Bechai*), Abuab^), 
Josua ibn Schoaib^), JechieF), Mose b. Natanel^), Jacob 
Chabib^) und Buch "lD1?2n c. 15. Hierzu stimmen die War- 
nungen, dass man der Herrschaft, d. h. dem Amte nicht 
nachlaufen ^^), kein Amt annehmen solle, das einem nicht 
zukommt ^^). ,, Gelüste nicht m"l^ zu begehren" ruft Tobelem 
(Dekalog). 

Anstatt 1^^"^^ oder »mU' lesen in obiger Sentenz bereits 
alte Autoren "123 "IHN' ^Din b^^^), also Ehre. So der alte 
Piut-Commentator in cod. H. h 61 f. 30 d., der Bi'iefsteller 
ed. 1534 N. 54 und Seligmann Ulm im Zuchtspiegel. Der 
Ausdruck: der Ehre nachjagen, die Ehre fliehen, kommt be- 
reits in jerus. Sota Ende und Derech erez sutta (2, 6) vor 
und befand sich, hinter "iizrn p pmPD, in dem Perek R. 
Meir — jetzt Abot c. 6 — , wie alte Ausgaben (PIDN*! v''D), 
Eliahu sutta c. 17, Tr. Kalla '^) und ein Commentar ms**) 
zeigen. Der Ehre nicht nachzulaufen schärft auch das Buch 
der Frommen (§ 558. 580) ein; dahingegen solle man der 
Demuth nachjagen'^): den Ruhm Fliehenden verfolgt der 
Rühmte). 



*) n'pn^n ^y "Tin^^n '?D. Abot Commeutar ms. liest: nm"in 
n'^n;; "inX. — In-thümlich ist bei Tendlau Sprüche § 874 Berachot 3 
angeführt. ^) Levitic. Änf., Samuel § 111. Sprüche §962 f. 144d unten. 
3) Levit. f. 2c. 4) Levit. Auf. 132a. ^) Leuchter c. 27. «) PTki'"!'! 

63 a. ^) nn?2n n6jjc 19 d. ^) d^Ti m^Kin § 55: iDi-in nTi'^; 

P]~"in mnis* rrr:^'r2 D:— rnzn. ») Zu Tr. Peah § 19. ">) Grosse 

Pesikta c. 22. Jalkut Sprüche § 940 und f. 143 c. Eliesers Testament. 
Eab's jN*ri''j:i1Ü gegen Ende. Vgl. Aruch Q"- ") Pesikta a. a. O. '2) In 
dieser Fassung war sie 18.38 dem Verfasser von p^lU ]nl2 (S- 71) noch 
unbekannt. >») D^iDILD^Ip n^'?2n f. 14 a. ^*) Nicht vor prnnQ: 

i)2jn p prnnci -nzrn -in.s p]in f<bi • ■ • • "izhdci. •') Derech 

erez sutta 7, 2: nijj? Hm in Ezobi's Lehrgedicht. '^) Dukes Spruch- 

kunde S. 21. 



— 21'^ — 

Macht und Ansehen, Ehre und Auszeichnung, die Ziele 
von Ruhmgier und Selbstsucht, die Prüfsteine für Hoch- und 
Demuth, weil der Fallstrick der Uebermüthigen auch die 
Hoffnung der Gedrückten, wurden sachlich- und sinnverwandt 
ein nie brach liegender Gegenstand für Vortrag und Sitten- 
lehre; sie standen in den Spruchsammlungen in den erwähnten 
drei Ausdrücken entweder neben einander oder variirten im 
Verlauf der Jahrhunderte im Munde der Lehrer: Ihre Ver- 
wandtschaft bezeugt durch ihren gemeinschaftlichen Gebrauch 
die gesammte Literatur seit alter Zeit. 



L nb^'u und mTi^'. 

In einem Ausspruch Jehuda b. Tabbai's — nach Anderen 
Josua b. Perachja's oder Josua b. Kapsai's ') — dass er sich 
stets von Aemtern fern gehalten, erscheint n'^Till? Dj^XI^* 
gleichbedeutend mit ^"^"1L^•^ ]C mU. Was Ofan "ITT'Z^) nennt 
--nt:n m\s;z heisst im Ofan '^VV^): n\x:i nbn:2. Auch die 
Hechalot (c. 3. 13. 16. 18) verbinden Hl«: mit mT^. Raschi 
Kohelet 6. 9. 10. Abenesra Kohelet 7, 3, die Herzenspflichten 
(3, 5. ß, 10. 9, 4) verbinden nbn:;! nTILt'. Berachja Nakdan 
Fuchsfabeln § 96: „die Herrschaft (mTii/m) flieht den An- 
sehn (nbnil) Suchenden". Al-Taham des Maimonides Sohn 
schreibt an Joseph b. Gerschom: Die Ausehn lieben und 
nach Herrschaft laufen". Menachem Meiri*) schreibt: nnx"' ^7 



II. M^n: und 1122. 

bli gleichbedeutend mit inr ^i^t bereits Deuter. 32, 3 

(vgl, paläst. Targum und Abenesra z. St.), mit welchen 
Worten auch das ""lip,? "HZ "ijn (Siddur An)ram f. 24, vgl. 
Tr. Soferim 14, 11) verbunden wird, vü und "IZZ als sinn- 
verwandte verbinden Deut. 5, 21, Ezech. 31, 18. n'?'l"i;i und 



»} j. Pesachim 6, 1. Menachot 109b. Abot R. Natan c. 10 Ende 
*) s. Literaturg. d. syn. Poesie S. 122 N. 9. ^) Das. S. 467 N. .S 

*) Hechaluz Jahrg-. 7 S. 115 unten. 



— 219 — 

niZZ zusammen haben Abot c. 6, die Jozer 7;nX von Bin- 
jarain und jnj^ von Amitai, das Buch DHC |fpn 1, 2. Hadasi 
c. 129, Rokeach Ib, Mordechai b. Schabtal (Sei. nn l^^pD). 
In den Hechalot\) wird dem Verlangen "^22 zu erblicken 
mit inbn:^ n^Sim genügt. Die Titulatur nbn: -122 war im 
Orient gebräuchlich. Hierher gehört auch "Ip"*, das aramäisch 
1122 bedeutet und in diesem Sinne bereits in den jüngeren 
biblischen Schriften sich findet; daher beide Wörter gleich- 
bedeutend in der Neujahrs-Tefilla, verbunden in Midrasch 
Tadsche c. 12, nD"* *n2n 5a, Einheitsgesang Tag 5, Dunasch 
S. 77; 1122 y] haben Meir b. Isaac (Jozer Dli'n as) und Se- 
badja (Selicha D3J<). nbn^ mit "1p'' verbinden Buch Esther 
und n2ti' "Iti'f^ "PN?; mit beiden verbindet noch "1122 das Schreiben 
N. 24 (S. 68) in der Sammlung Minchat Kenaot. 

III. n-i-i:i' und -122. 

Aramäisch verbindet beide schon Buch Daniel 7, 14: 
*)p''1 jtCvt^'. Aus dem Mittelalter sind beispielsv. eise anzu- 
führen: Der Abot-Commentar c. 6, Bechai im Commentar zu 
Abschnitt Hlp und Buche HCpH "12 f. 81a, Nissim aus Mar- 
seille im Vortrag über Ruth^), Josua ihn Schoaib a. a. 0. 
f. 62 d, dass die Gefahr der Ehrsucht in dem Jagen nach 
Herrschaft besteht. Obadia Sforno im Commentar zu Abot 
c. 4, dass Herrschaft und Ehre eitle Güter seien. „Der Glanz 
des Regenbogens, bemerkt Joseph del Medigo^), verfolgt den 
Fliehenden und flieht den, welcher ihm nachläuft, ähnlich 
wie es mit Ehre und Herrschaft geschieht". Das Jagen nach 
beiden hat auch in dem Zuchtspiegel (Buchstabe 2) und einem 
neuern Sündenbekenntnisse*) einen Platz gefunden. 

Der sittliche Kern in all diesen Lehren und Aussprüchen 
heisst demnach: Laufe Aemtern und Auszeichnungen nicht 
nach, und hast du sie, überhebe dich nicht, denn Sturz folgt dem 
Hochmuth; fliehe Macht und Ehrsucht, denn wahre Ehre folgt 
nur der Demuth. Aus dem bürgerlichen wie aus dem natio- 
nalen Leben Israels sind diese Lehren hervorgegangen und 
sind aufbewahrt in einem Demuth preisenden, Hochmuth 



') Amram's Siddur Tb. 1. f. 13. ») Hechahiz Jahrg. 7 S. 144. 

^j D^:: i^yc s. se. ^j nnx f]2 f. io9a. 



— 220 — 

verurtheilenden Schriftthum, das von Moses Amramssohn bis 
Moses Mendelssohn reicht. 



Nachtrag. 

1) nbn: und n-ni^. 

Raschi Jes. 9, 6. 61, 1. Zachar. 4, 7. Ps. 90, 10. 

105, 15. 
Jos. Migasch RgA. N. 8. Bei Maimonides (Abschnitt 
Sanhedrin c. 17 §§ 8 und 9) steht parallel ■nbTi:b "mn mit 
inn^-^'*? -mn. in den Hechalot (2, 3. 12, 4. 16, 3. 18, 3. 
20, 3. 24, 1) und Akiba's Alfabet S. 49, daher in P^'i<r\ 
n:iCvSm gleich den Ofan nn^2 und '"WV wird Erhabenheit 
r\M<)i) bald mit ("Ivm^I bald mit ""iTii' verbunden. 

2) n'pn: und inr. 

Tanchuma Tu 3 a, ncnn Anf., im'pynD 65 a. 
Bamidbar rabba 2ß5c und bei Nachmanides zu 
Numer. 1, 46. Tod Mose's S. 124. Frz. Aboda 
n:jir nax. Josippon S. 37, 404 unt. und 517. 
Nissim nn?0 25a. Raschi Numer. U, 16. Deut. 29, 3. 
Hadasi c. 313 und sonst. 

Kusari S. 3 und 21. Saadia's Glaubenswerk Abschn. 8. 
■jBuch d. Frommen § 15. 

Die Hechalot bei Amram's Siddur f. 13. Das grosse 
Rasiel 17 b. Mordechai b. Schabtai Sei. HH TipO. Kalonymos 
HD ]DX Ende. 

"il^D und *?"/, fast nur als göttliche Eigenschaften auf- 
gefasst, werden ebenfalls verbunden, z. B. von Salomo babli 
(Aboda Strophe 51), Mose b- Binjamin N. 19, Jehuda halevi 
(Diwan 83, ronian. Machsor 98a) u. A. 

nblliSl np'' hat Josippon S. 505; "Ip"' noch mit jenen beiden 
verbunden findet sich im Gebet HDU' yz'i< biö span. Recension, 
Perlenschnur § 43 und More B. Ic. 20. 

3) niTii' und -iir. 

Jelamdenu bei Jalkut Numer. 752 f. 230 d. Baraita 
Samuel c. 9 [wofür rü^'u Rasiel 17b s. oben]. 
Tobia K. (Pinsker ^I2'\pb S. 150). Buch der Frommen 



— 221 — 

§ 764. Binjamin Rofe in D^^n yv ^^V'^' Buchst. 3. 

Abuab Leuchter c. 1. 
ro'iiyi GHiyi "122 als gleichartig hat Parchon's Wörter- 
buch V. 7"J1. Man beachte auch die Stelle in dem poetischen 
n^yDv pj^ : , Hab ich die Herrschaft nicht, was soll mir 
An sehn und Ehre?" 



12. Tin «hagadisch gedeutet, 
(ßd. 8 [1870] S. 101—104). 

Seitdem das Buch Daniel die vier Asiatischen Reiche 
als Thiere und das vierte, das gegenwärtig dauernde, als das 
schrecklichste dargestellt, ist „das vierte Thier" stehender 
Ausdruck für das unterdrückende Volk geblieben, nachein- 
ander das syrisch-griechische, das heidnisch-römische, das 
römisch-katholische Reich bezeichnend ^). Und da Leviticus 
und Deuteronomium ebenfalls vier unreine Thiere aufführen, 
wurden auch diese zu symbolischen Namen jener vier Reiche, 
und das vierte, das Schwein (TIH), ward die Bezeichnung 
des vierten Thieres, d. h. Edom's oder Rom's und der römi- 
schen Christenheit ^j. 

Der Ursprung jener Benennung, wenn gleich von dem 
alten Abscheu gegen Mäuse- und Schweinefleischfresser ^) und 
den gehässigen Thaten des Antiochus Epiplianes und Hadrian's 
nahe gelegt, scheint jedoch erst in das dritte Jahrhundert zu 
fallen, nachdem Verfolgungen aller Art und die Verbannung 
der Juden von Jerusalem, dessen Thorzierde ein marmornes 
Schwein geworden, zu dem Abscheu den Hass hinzugefügt. 

Aber erst jüngere Hagadisten knüpften an die Bedeu- 
tung der Wurzel "lin ihre tröstenden Verheissungen; gleichwie 
man den Messias aus Roms Thoren kommend erwartete, wurde 
in dem Namen des Thieres die Andeutung einer glücklichen 
Zukunft gesucht, indem man an "'.^inn d. i. „wiedergeben", 
,, zurückerstatten" anknüpfte Diess geschah jedoch in mehr- 
facher Auffassung. 



') Vgl. synag. Poesie S. 437. 442. 2) Pesachim 118b. Bereschit 

rabba c. 44 und 65. Vajikra rabba c. 13. Schemot rabba c. 15. *) Jes. 
66, 17. 65, 4. 



— 222 — 

I. „Das Schwein, heisst es im Tanchuma^)^ ist das böse 
Edom, und dieses Volk wird durch T'in bezeichnet, weil 
dereinst Gott über dasselbe das Strafgericht ergehen lassen 
wird pn mc ]n^bv TFhIT', welches dort weiter mit dem Ge- 
nüsse des Schweinefleisches in Verbindung gebracht wird. 

II. In anderen Handschriften des genannten Midrasch 
oder im Vajikra rabba^) las man: „Gott werde dem altern 
Besitzer — Israel — die Krone d. i. die Herrschaft zurück- 
geben" njiJ'P; mtcyn "Tiinn?. Dieser Fassung, zuerst von 
Josua b. Levi^) angewandt, bedient sich auch Maimonides*). 

III. Einer spätem Ueberlieferung^) zufolge, soll schon 
R. Meir gesagt haben, die Juden nennen das römische Reich 
^"'in, weil es die Heri'schaft dem rechtmässigen Besitzer wieder- 
geben werde r\^bV2'7 n'ID'P?2n DJ« T'nn'p Tny. Aus selbiger 
stammen die Ausdrücke in der Elieser-Baraita^) und ver- 
muthlich auch jenes Gespräch R. Meir's 7) mit dem römischen 
Präfecten, dessen Spitze in "T'inn „Wiederkehr", „restauratio" 
besteht. 

IV. Aus den beiden letzten entstand endlich: n"!inctf 

V. Am stärksten gingen die Meinungen auseinander in 
Bezug aui die Lesart, die ganz kurz nur sagt, das Schwein 
werde einst zurückgegeben werden , also : 1j v^?) "Uv ITinn'? 
(Dn'po), oder, wie die meisten zitiren: ':5Xnii'^b 1Tinn':5io). Bald 
meinte man Esau werde, um ihn zu vernichten, den Israeliten 
preisgegeben^^), oder auch dass dessen Herrschaft zusammen- 
breche, indem seine höhere Schutzmacht sich l)ülfreich den 
Juden zuwendet, so dass unter die Menschen der Frieden ein- 
kehre ^2); bald hiess es, Edom werde aus dejn Herrn der 



') ed. Constpl. 1522, Veued. 1545, Parascha iJ^Ctt*; ebenso Bechai. 
^) Bechai i^i^'^i' und Recanate 95b. ^)^ Joma 69b. *) Czhü HUbn 
c. 11 § 1: njI^'V'? "in n''^ mwbc"l"'innb. ,^) Midrasch Kohelet 85 c. 

«) c. 11: nby^'p nzhün ninn und .T'iim^':' nn'p^n -ninm. '; Esther- 

Midrasch ed. Leipzig 1853 S. 22. ») Vajikra rabba c. 13 Ende. Jal- 

kut 145a § 536, ihn. Schoaib Hli^'"!"! 46b. 9) nPuCn miD ms. N. 22. 
'°J Joratob Aschbili zu Tr. Kidduschin 49 b. Immanuel Mechabberot c. 22. 
Samuel Zarza zum Pentateuch f. 66 c. Ziuni 63 c. Abravanel nj?2X ti'NT 
c. 3 und 13. Farissol DHI^X VaC ras. Samuel Cohen HI^C "12 112a. 
") Abravanel liT^'i^'?; n^yil^"' 48 d. '*J Bechai a. a. O. 



— 223 — 

Diener ') oder sein Schutzengel aus einem Ankläger ein 
Fürsprecher Israels werden-). Endlich ward auch gehofft, 
dass ganz Edom, oder doch die Besseren unter ihm ^), zum 
Judenthum zurückkehren werden*). 

Während so Tin nur auf den abweichenden Glaubens- 
stamm bezogen ward, fehlte es nicht an Auslegern, die jenes 
1"i''Tnn7 auf das wirkliche Thier hindeutend auffassten und 
meinten, das Schwein werde in der Messianischen Zeit eine 
erlaubte Speise werden; es wurde nämlich behauptet: Die 
unreinen Thiere werden in der zukünftigen Zeit rein sein; 
dies sagt Midrasch Genesis bei pugio fidei p. 802 oder Jelam- 
denu bei Albo Iccarim 3, 16 oder Midr. Ps. 146. Joseph 
Gecatilia^) hat ausdrücklich ib^N'b bxTZ^"''? Tinn'? ; Isaac Cohen^) 

sagt nrö n^nnb n^^r^n ^"in\s bxiti'^b n^inn'p; Jonatan Eyben- 

schüz'^) verkündet es als neue Lehre. Nach Anderen^) würden 
die Speiseverbote nur den zum Judenthum Uebergehenden 
oder doch nur während der Kriege in der Messianischen Zeit 
erlassen werden. Samuel Laniado'') behauptete, nicht das 
jetzige sondern das künftige wiederkauende Schwein werde 
erlaubt sein. 

Als sich im Jahre 1814 Moses Kuniz^") wider diese 
Restitution des Schweines erklärte, wusste er nicht, dass dies 
bereits dreihundert Jahre früher Jochanan Treves^^), 170 Jahre 
vor diesem Samuel Zarza'^) und 70 Jahre früher Abbamare 
aus LuneP"') gethan: Diese Alle verstehen unter IT'inn'p 
'7i<~lli'''7 es werde den Juden das Gesetz aufs neue erläutert 
und nebst anderen Gesetzes- Erläuterungen auch der Grund 
des Verbotes des Schweinefleisches gelehrt werden. 

Endlich fehlte es auch nicht an Solchen, die jenen Mid- 
rasch mit Misstrauen betrachteten, und ihn für später einge- 
schwärzt hielten: so Samuel Jafe in seinem Commentar zu 



') JocLaiiau Treves zum Sühnfest-.Iozer G^n^N'? IICN- ^j David 
b. Simra RGA. 828 ^) Abraham Migasch D\"lbN* "1122 131b. *) -|iny:i' 

bvsn^t'^ nib D^^innb r\"2n Abravanei n:c5< ii\s-i ms. ^) pDi nytj' 

20d. «j }<n TüyD 59b. '') |n:T' nZnX Th. 2f. 46a. 8j Abravanei 
und Pamuel Cohen a. a, O. ») niOH "hj 166b. '«j P^TiCH N. 74. 

») Zum Thorafest TZIN' DDPlN. '^) Zu Parascha T^^tT. ") DH^D 

mj<:p S. 6. 



— 224 — 

Vajikra rabba. Diess müsste freilich schon früh geschehen 
sein, da Midrasch Ps. und Bechai von ihm wissen. In neuerer 
Zeit hat Hirsch Chajes^) aus dem Dornenwege sich wider- 
sprechender Hagada's über Veränderlichkeit oder Wegfall 
von Verboten den Ausgang in dem Satze gesucht, dass 
über Hagada's, als Meinungen Einzelner, keine Frage zu- 
lässig sei. 

Für den Werth eines Ausspruches entscheidet die innere 
Wahrheit, nicht das Alter. Ob jene Hagada dem zweiten 
oder dem zwölften Jahrhundert angehöre sei dahingestellt: 
sicher ist, dass man weniger an das Thier als an Rom gedacht 
und die Wieder- und Umkehr als ein Hoffnungsstrahl in der 
Nacht des Exils erschien. Mit der Aussicht auf den end- 
lichen Sieg des Rechts und der Freiheit dürfen wir den Ge- 
brauch der Nahrungsmittel dem Ausspruch der Wissenschaft 
und dem Gebot des Gemeinwohls anheimstellen. 

13. Erlösungs jähre. 
(Bd. 9 [1871] S. 104—111). 

Wenn einfache Verhältnisse, wenn schlichte Sitten im 
Verlauf von Jahrhunderten zu vielfach verschlungenen Ein- 
richtungen, ja schwer drückenden Fesseln werden, darf es 
nicht auffallen, dass Glaubenssätze, die Völker entzweiend 
Städte verwüsten, in den Schicksalen wenig beachteter 
Gegenden ihren Ursprung haben. Die Schilderungen der 
Kirchenväter vom tausendjährigen Reich wurzeln in biblischen 
und hagadischen Schriften; was die katholische Kirche von 
Gott und Oflfenbarung, von Sünde und Busse, von Weltge- 
richt und Auferstehung lehrt, stammt aus Israels Lehrhäusern. 
So hat auch die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach Selbst- 
ständigkeit und Wiederherstellung eines nationalen Königs- 
hauses die Messiaslehre hervorgebracht: alle Stufen, welche 
der christliche Erlöser von einem Prediger aus Nazareth bis 
zu einem Gottessohn erstiegen, wurzeln in der Entwickelungs- 
reihe jüdischer Vorstellungen von dem erhofften Befreier. 
Unterdrückte Nationen erwarten dann einen Erlöser, wenn 



*) rvi'üjzn rbi< soa. 



— 225 — 

sie auf die eigene befreiende That verzichten : je länger solch 
ein Zustand dauert, je mehr die eigene Kraft abnimmt, desto 
riesiger wird der erhoffte Erlöser, seine Thaten desto wunder- 
haltiger. Allerdings geht dieser Prozess, den Zeitgenossen 
unbemerkt, langsam von statten: in Daniels Vision ist der 
Befreier bereits eine Art überirdischen Wesens. Unter Nero's 
Regierung erwartete man den Messias, und diese Erwartung 
beseelte den Aufstand, dessen unglücklicher Ausgang fünfzig 
Jahre später R. Akiba nicht gehindert hat, in Bar Kochba 
den Erlöser zu erblicken, der eine Prophezeiung Haggai's zu 
erfüllen gekommen. Kach und nach freilich entrückt sich der 
Hoffnungsinhalt den wirklichen Verhältnissen, und selbst wenn 
bestimmte Ereignisse hie und da solche Hoffnungen beleben, 
die Ausmalung der Ereignisse, an deren Nähe der Schreiber 
selber kaum glaubt, vollzieht sich mit dem Pinsel des Mythus: 
Es entstehen messianische Fabeln und Schriften, Schwärmer, 
die sich selber für den Befreier halten, beleben und bethören; 
mit Hülfe missverstandener Schriften alter Seher werden 
Messias-Berechnungen angestellt. So hat man denn von Zeit 
zu Zeit, gleich den christlichen Chiliasten, auf Bibelstellen 
sich stützend, das Erlosungsjahr zu finden und vorauszube- 
stimmen versucht. 

Was die Jahresrechnungen anbelangt, so haben selbige 
schon früh das Missfallen der Verständigen erregt; sie ver- 
wünschten diejenigen, die sich damit befassten und, wenn 
ihre Verkündigung nicht eingetroffen, Muthlosigkeit und Abfall 
bewirkten. Die wohlfeile Weisheit von Frischmut, Lent, 
Wagenseil, Eisenmenger, von der Hardt und noch A. 1773 
von de Rossi, die über die falschen Messiasse der Juden her- 
fallen, war also nichts Neues und nichts Eigenes, Indess, 
wenn aller Philosophie und Naturkunde zum Trotze Welt- 
untergangs-Schwärmereien bis heute fortdauern, darf es nicht 
verwundern, wenn Druck und Elend nach Strohhalmen greifen 
lässt, sei der Rausch auch nur von kurzer Dauer: so ent- 
schuldigt bereits Maimonides den Saadia, dass er mit seiner 
Verkündigung von der Ankunft des Messias die Trostbedürftigen 
habe stärken wollen. Alte Boraita's schildern den gräulichea 
Zustand vor jener Ankunft in der stillen Hoffnung, dass die 
Leiden der Gegenwart, da sie nicht zunehmen können, die 

15 



— 226 ~ 

letzten sein müssen. In der That, man rechnete im dritten 
und vierten Jahrhunderte allerlei Fristen aus; ein Lehrer 
bestimmte A. 470, eine Handschrift A. 531 als Erlösungsjahr. 
Insbesondere war das achte Jahrhundert, in welchem Serenus 
und Obadia auftraten, an messianischen Träumereien frucht- 
bar; auch die Elieser-Boraita verlegt die Erlösung in jene 
Epoche. Es erging dieserhalb A. 788 eine Anfrage von Worms 
nach Jerusalem. 

Nach dem Vorbilde im Buche Daniel w^urden die He- 
roen der Mischna zu Apokalyptikern erhoben, insbesondere 
Akiba, Simeon, Ismael. Letzterer, heisst es ^), hat Fristen 
und Termine berechnet und ist von Metatron belehrt, dass 
sieben Hundert Jahre nach Edom's Herrschaft, d. i. A. 770, 
die Erlösung eintreten wird. Der durch Araber und Karäer 
geweckte wissenschaftliche Sinn scheint damals messianische 
Berechnungen auf längere Zeit in den Hintergrund gedrängt 
zu haben: wenigstens hört man nichts davon bis in Saadia's 
Zeit. Saadia^) selber bestimmte A. 964 zum Erlösungsjahr; 
Jefet Halevi A. 1010 als das vierhundertste Jahr der Hed- 
schra; der Verfasser des Büchleins Serubabel A. 1058^).. 

Bei den unvollständigen und kaum parteilosen Berichten 
über die, welche als Messiasse aufgetreten, ist es schwer zu 
entscheiden, ob diese Männer sich selber oder nur Andere 
täuschten. Ein Erlöser dieser Art soll A. 1087 die französi- 
schen Juden beunruhigt haben: ähnliche traten in den Jahren 
1117 (in Cordova), 1127 (in Fas), 1153 (in Persien), 1171 (in 
Jemen) auf, die über ihre Glaubensbrüder nur Noth und 
Verfolgung brachten: Das von einem spanischen Asironomen*) 
ausersehene Jahr 1146 hatte statt der Befreiung grosse Be- 
drängniss in Africa, Frankreich und Deutschland heraufbe- 
schworen. Im Jahre 1179 wurde eine allgemeine Umwälzung 
erwartet: fromme Juden in Frankreich und Spanien hielten 
Fasttage; der Astrolog Salomo in Kinive sagte dem reisenden 
Petachia, dass er die Ankunft des Messias aus den Sternen 



^) cod. Rossi 541 N. 21. Commentar zu Daniel iu cod. München 
5 f. 214. ^) Glaubenswerk 8, 1. Eascbi zu Daniel 8, 14. ^) Jelli- 

nek's Bet-Hamidrasch Th. 2, S. 55. *) Maimonides Schreiben nach 

Jemen. 



— 227 — 

ersehen habe, indess „R. Jehuda der Fromme wollte das dem 
Buche nicht anvertrauen". 

A. 1211 begaben sich viele Rabbinen aus Frankreich 
und England nach Jerusalem, da man für A. 1212 oder 1216 
die Wiederkehr der Prophetie erwartete: letzterer Glaube 
war in Spanien verbreitet. In Frankreich erhofften Einige 
den Ablauf des Exils zu Ende A. 1240^). Andere, nament- 
lich R. Jacob aus Provins^) — zu A. 1257. Für das Jahr 
1260 ward der Messias von Mose b. Jehuda^) angesagt, und 
das nächstfolgende Jahr war eine Hoffnungszeit für die rö- 
mischen Juden. R. Meir aus Rothenburg soll im Traum den 
Simeon b. Jochai um die Zeit der Erlösung befragt haben*). 
Sicherer ist, dass politische Ereignisse und Gerüchte von einem 
in Syrien aufgetretenen Messias im J. 1286 in Deutschland 
eine Auswanderung nach Palästina hervorriefen: der Versuch 
brachte nur Geldopfer und die Einsperrung Meir's von Rothen- 
burg. Ein anonymer Prophet^) hatte das Jahr 1290, Abraham 
Abulafia 1290 oder 1293 für das Erlösungsjahr erklärt: allein 
der Sohar^) — von den Phantasten noch heute der heilige 
genannt — hatte sich für 1300 entschieden-, ein Ungenannter"^) 
für 1304; ein Anderer, vermuthlich Abraham aus Cöln, für 
13298), der treue Hirt») für 1340. 

Auf das Jahr 1345, in welchem der Arzt Arnaldus den 
Antichrist erwartete, vertröstete Levi b. Abraham ^^) ; auf das 
Jahr 1352 hatte schon Raschi^^) vertröstet. Verbreiteter 
war der Glaube an das Erlösungsjahr 1358, weil es 1290 
Jahre — eine Danielische Zahl — nach der Zerstörung ein- 
fällt: es theilen diesen Glauben Abraham b. Chija, der vor 
A. 1228 schreibende Verfasser des Commentars ]." ^^), Nach- 
manides, Levi b. Abraham ^^), Levi b. Gerson und ein unge- 
nannter Kabbaiist ^'^). 



•) Zunz, zur Geschichte S. 87, Anm. a. ^) Dukes in pjübn 

Jahrg. 1866 S. 381. *) cod Paris 711. *) cod. Eossi 1221. =) cod. 
Paris 792. ^) i<T1 Col. 290. Neuer Sohar mc?0 101b. ^) Luzzatto 

in hebr. Bibliographie Th. 5. S. 104. «) Vgl. codd. Vatic. 105 und 232. 
8) s. Parascha DPuS: tausend Jahre und 2i/"l d. i 1272 nach A, 68. 
10) Geiger in Hechaluz Th. 2 S. 21. ") zu Daniel c. 8. ^) pyi 

CjpT 86 a, D''jpi "nn 72 c, ,sn royS 43 a. ^^) cod. Paris 1066. ") cod. 
Paris 841. 

15* 



— 228 — 

Die Verfolgungen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts 
verscheuchten die Lust zu ähnlichen Berechnungen auf lange 
Zeit. Mittlerweile hatten auch Besonnenere den voreiligen 
Glauben an die Sterne uod den Verlass auf vermeintliche 
biblische Stützen erschüttert. Chajira Graleppa^) in Spanien 
sah um 1380 richtig ein, dass die Heiligen des Buches Daniel 
die Hasmonäer sind: dahingegen erblickte in Italien Isaac 
Cohen ^) im Buche Ruth geheimnissvolle Andeutungen des 
A. 1400 zu erwartenden Messias; er hatte herausgefunden, 
dass fünf Worte ^) in dem Verse Ruth 4, 6 nach dem Zahlen- 
werthe die Danielische Zahl 1335 ausmachen. Dieselbe Zahl 
hatte schon R. ChananeP*'), Abraham b. Chija^), Esra^) und 
Andere*') bewogen, den Weltfrieden 1335 Jahre nach der 
Zerstörung, also A. 1403, zu erwarten. Levi b. Abraham'') 
verhiess die Auferstehung der Todten für A. 1408; ein 
kabbalistischer Commentator^) vertröstete auf A. 1409, der 
Verfasser des Nizzachon ^) auf A. 1410. 

Das Jahr 1430, weil durch das Wort ypn (5190) dar- 
gestellt, Avar von Mehreren ^'^) als das Jahr der Erlösung 
aufgeführt. Ibn Schoaib ^^) erwartete die Auferstehung A. 1440, 
während planetarische Berechnungen für A. 1464 schwärmten^^), 
andere erwarteten selbige im J. 1470^^). 

Ein Rabbi des elften Jahrhunderts ^^) hatte das Jahr 
1478, Abigedor Kara das Jahr 1490, der Verfasser des Buches 
n:pn A. 1492 bestimmt. 

Da die Wunder, die Guttenberg, Columbus und Luther 
anbahnten, noch nicht sichtbar waren, so wurden, trotz Aus- 
treibungen und Inquisition, andere Wunder erwartet. A. 1502 
trat in Italien Lemlein aus Istrien als Messias auf; den Be- 
ginn der Erlösung verhiess Abravanel^^) für 1503, Bonet de 



1) Älbo Iccarim 4, 42. Abravauel nyil^'M ^^^D 39b. *) cod. 

Paris 768. Hebr. Bibliographie B. 4. 8. 79. Fehlt im gedruckten Com- 
mentar. ^) ih'pN*.' PX riHN "jb SnI ^b) Bechai N'2. *) Commentar. 
pentat. ms. Parascha }<3n ^D- *) Steinschneider catal. Leyd. p. 136. 

^) Ü^'jpl lin 73 a. cod. Paris 1066. cod. Bisliches 65. ^) D"'2D1Dn "'lODlt'O 
ms. ») ni}r2P. 'D 58 b. ") § 335. »") Jalkut Reubeni 12 c. -jn3 

iDNt^' 29 c. '>) niti'"n 43 d. 12^ |n nil'? ms. Pico V. Mirandola adv. 
astrologos 1. 5 c. 1. ^*) cod. Vatic. l(i.^ N. 10. '*) ^^ Raschi Sanhe- 

dria 97 b. i'^) IfT'I^'O myitt'^ f. 6 b. 



— 229 — 

Latas für 1505, Joseph Schraga ^) für 1512. Im Jahre 1521 
ward von Rom aus in Jerusalem angefragt, ob man dort 
nicht Zeichen für die Erlösung wahrgenommen^). Abraham 
Zacut, Abravanel und Abraham Halevi hatten eine solche 
für die Jahre 1529 und 1530 berechnet. Man hoffte allerlei 
Erspriessliches von dem Zusammenstoss der muhamedanischen 
und christücheu Völker. In Folge der Berechnungen Abra- 
vanel's^) waren 1531 in der Türkei die Erwartungen ausser- 
ordentlich: das Heil sollte, nach Salomo Molcho 1533, nach 
Abravanel 15':)4 erfolgen; Joseph d'Arles*) in Italien entschied 
sich für 1534, während Molcho meinte, es könnte auch erst 
1540 sich verwirklichen. 

Alle Hoffnungen wurden von den harten Zeiten auf 
Jahrzehnte hinaus verschoben. Isaac Luria glaubte an 1568, 
Joseph b. Schemtob ^) und später Mordechai Dato an 1575, 
in welchem Jahre Abravanel'') zufolge die Todten auferstehen 
sollten; Andere^) hofften auf 1577, Elieser Harofe") auf 1594. 
Gedalja Jachia^) träumte auch vom Jahr 1598, während auf 
das Jahr 1600 bereits Molcho vertröstet hatte. 

Mittlerweile hatte Asaria de' Rossi über diese und 
ähnliche Rechnungen verständige Worte gesprochen, und das 
was das Buch der Frommen in kindlicher Einfalt einge- 
schärft, philosophisch bekräftigt. Engel und Dämonen, heisst 
es in jenem Buche ^°), führen jeden irre, der mit Hexerei 
und Beschwörungen sich abgibt oder die Ankunft des Messias 
prophezeit, so dass seine Berechnungen zu seiner und seiner 
Gläubigen Schande ausfallen. Indess Noth und Finsterniss 
lagen schwer auf den Misshandelten, und man lieh auch 
fernerhin das Ohr den Berechnungen. Die soharischen Ge- 
heimnisse^') sammt Mordechai Dato '^) vertrösteten auf das 
Jahr 1608, Isaac Cohen ^3) in Prag auf 1634; das Jahr 1640 
hatte bereits das Buch nilDpi^) i^ Aussicht gestellt. Der 



») cod. Paris 242. ^) cod. Michael 690, s. PjZSi B. 5 S. 400. 

^) vgl. nyili'M "»ryD 81a. *) Luzzatto iu hebr. Bibliogr. Tb. 5 S. 45. 

*) ^DV n"'~!i<I^ ed. 1568 f. 88a. «J a. a. 0. 82 d. '') üedaija Jachia 

47 a. S) 'n nii^yO. ") 47b. i«) Ms. § 212, ed. § 206. ") Abschnitt 
DU'il. ^^) Bei As. de' Rossi c. 43. '^j zu {<n m^D Parascha "j'pil. 

") f. 58 b. 



— 230 — ' 

Sohar hatte 1648 (PiXin) verkündet, worüber der Verfasser 
des in demselben Jahre gedruckten ■]70n p:2V^) in nicht ge- 
ringe Verlegenheit gerieth, während Mendel, Rabbiner in 
Frankfurt, im Frühling 1647 in dem Schlussjahre des Exils 
zu stehen vermeinte^). 

Abraham Sason^), der sich für einen Nachkommen des 
Königs David ausgab, bestimmte A. 1656, weil 1335 Jahre 
iiach Constantins Bekehrung, zum Erlösungsjahr. A. 1664 
trat Sabbatai Zebi als Messias auf. Für 1666 hatte Molcho*), 
für 1674 Isaac Cohen Aussichten eröffnet. Der Sabbatianer 
Mordechai Eisenstadt Hess die Befreiung zwischen 1680 und 
1682 erwarten; Zadok ben Schemarja'') verschob den Termin 
auf 1695, Lob Minden*"') auf 1700, und in diesem letzten 
Jahre predigten polnische Sendboten die nahe Erlösung''). 

Mit der erwachenden Freiheit, mit der Ausbreitung des 
Wissens erblassten die Wahngebilde der Astrologie, sanken 
die kabbalistischen Götzen; eine menschlichere Behandlung 
der Andersgläubigen lenkte die Thätigkeit denkender Köpfe 
auf realere Gebiete hin. Die Jahre 1713 und 1714, die 
Isaac Cohen und Lob Minden aufgestellt, und 1717, auf 
welches Andere^) ihre Hoffnung gesetzt, gingen eben so 
unbeachtet vorüber, als Natan Spira's^) verheissenes Jahr 
1724"^). Mose Chajim Luzzatto, der A. 1727 den Messias 
spielte, entging mit Mühe dem Banne. Gog Magog, der 1736 
eintreffen sollte'^), blieb aus und statt des von Cantarini^^) 
verheissenen Messias brachte das Jahr 1740 Friedrich den 
Zweiten und das Jahr nachher wanderte Moses Mendelssohn 
in Berlin ein. Diess verhinderte freilich den Stifter des Cha- 
sidismus, Lsrael in Medzibos, nicht, am Neujahrfeste 1746 in 
den Himmel zu steigen und vom Messias zu erfahren, nach 
welchen Fortschritten in der n:ti'n er als Erlöser kommen 
werde ^^). 



>) f. 68 b. 2) das, in der Approbation. *) Itt'D?^ bip ed. 1605. 
4) "Wolf bibl. Th. 3 S. 1057. ^) Steinschneider zu Benzian's Catalog 1869 
S. 3 N. 6. «j Wolf bibl. Th. 3 S. 330. Vgl. J<n mjJD in rh^'>l 

•') Eisenmenger entd. Jud Th. 2 S. 667. ") s. Wolf bibl. Th. 4 S. 517. 
^) in nipICy rhyi2. ") nach A. 68 noch 1656 Jahre, so viel als die 

Fluth nach der Schöpfung. ^^) s. hebr. Bibliogr. N. 59 S. 140. ^^) in 
Vp ny. *^) Neuer Sehern Hagedolim 1864, Th. 1 f. 38. 



— 231 — 

Was seit jener Zeitepoche geschehen und geschiehet, 
hat Berechnungen des Weltendes und der Messias- Ankunft 
zwar nicht gänzlich beseitigt, doch aber als einen Völker 
und Ereignisse bewegenden Gedanken zerstört. Die Jahre 
1840, 1850, 1868 — ersteres im Sohar, zweites von Simeon 
Duran^), letzteres von Samuel Valerio ^) prophezeiet — 
haben weder Messias noch überhaupt Erlösungen den Nationen 
gebracht, und bleiben kommenden Geschlechtern noch gebuchte 
Hoffnungen. 

Dem Buche ni<"'bDn zufolge tritt die Erlösung im Jahre 
1900 ein ; Joseph Jachia ^) verlegte sie auf die Zeit von 
A. 1940; nach «""n ''b^ kommt A. 2000 eine grosse Wasser- 
fluth, von der nur Palästina verschont bleibt. Der Bischof 
Clayton^) bestimmte A. 2015 als die Zeit, in der das Exil 
der Juden ein Ende hat. Das Weltende erfolgt A. 2240 
oder — nach Akiba's Alfabet — A. 2333; jedoch wird ersteres 
Jahr von Jehuda Kalai als der Zeitpunkt der vollendeten 
Erlösung, die das Ergebniss von Freiheit und Humanität ist, 
betrachtet. 

Da nun alle Rechnungen seit dem römischen Zeitalter 
bis heute getäuscht haben, was seiner Zeit schon Menasse b, 
Israel zugegeben, so halte man an dem alten Ausspruche fest, 
dass die Erlösung unerwartet entweder in der Gestalt von 
Umwälzungen ein schuldiges, oder unter dem Schilde that- 
kräftiger Reformen ein reines Geschlecht überraschen wird. 
So möge, wer Revolutionen scheut, an sich selber verbessernd 
arbeiten, damit endlich das im Jesaia (11, 8. 9) verkündete 
Zeitalter eintrete, in welchem Säuglinge der Freiheit in den 
Löchern thronender Schlangen spielen und das vom untrüg- 
lichen Pabstthum erlöste Europa von Gotteserkenntniss über- 
fliesst. 

14. Saadia's niyil n^jlQN', ältere Uebersetzung. 
(Bd. 10 [1872] S. 4—10). 

Die ältere Üebertragung von Saadia's Glaubenswerke 
befindet sich mehr oder weniger vollständig im Vatican 

1) in tODti'D ZnX f. 202a. 2) "I^iob ]nn HOa. 3j Commeutar zu Daniel 
c. 8 Vers 14. *) Unpartheyische Untersuchung u. s. w. Frankf. 1753 S. 166. 



— 232 — 

(codd. 266 und 269), in Paris (cod. h. 669, nicht die Tib- 
bonsche, wie der neueste Catalog angiebt), München (cod. 
h. 42), der Oppenheimer'schen Bibliothek (1185 Q.) und war 
auch — bis auf den fehlenden ersten Abschnitt — im Besitze 
W. Heydenheims (cod. 1 vom J. 1545). Der einzelne Ab- 
schnitt heisst in jener Uebersetzung n'pjlD — wie noch im 
Buche D"'1py 4, 1 citirt wird — , während Jehuda Tibbon 
^Z2^^0, Berachja (in cod. Rossi 482), das Buch der Frommen 
(§ 612) und die Ausgabe des plism misn statt dessen "IS^D 
schreiben. Es kennen diese Uebertragung, die stellenweise 
mehr eine Verarbeitung zu nennen sein dürfte, der Einheits- 
gesang, Isaac Nakdan, Jehuda der Fromme, Elasar aus 
Worms, Mose b. Chisdai, Jacob b. Rüben, Elia Levita; ob 
auch Salomo Parchon (Lex. v, 22D), ist zweifelhaft. Dass 
namentlich der Verfasser des Einheitsgesanges aus jenem 
Werke geschöpft, bezeugen ausdrücklich Mose b. Chisdai 
(Ozar nechmad 3 S. 81. 98), der Anhang zum Juchasin (165a) 
und W. Heydenheim (Anm. zu "nn%"l "l"'ti' Tag 5, Zion 1 
S. 79, Geiger Zeitschr, 1, S. 127), und ein Einblick in die 
beiden Werke setzt es ausser Zweifel ; die Vergleichung folgen- 
der Stellen wird genügen: 

Saadia (Ozar nechmad S. 76). Einheitsges. Tag 5. 

]Vü-i i^x^ i6z: Nin -i:i\s* brn liJi^ n6d: ]Vüi ]\si -\r\bM idu ]\s 

b2 bv^ mz:! ]V2n b^ü ^iDm ^dü m^j picj; bzD piori — ^i2n 
)b :':i'ü y-cn ]\si^' ^3Dc m::: —)b D^ri^'D ab iJ"?2i bri^'-m:: 
ab) mpo ab ib a)i)D |\v d:i "ii^m bctoi mpc )b d\s^id }<b 

Hiermit ist noch ^i:ti'1 mpo -jm^? '^'W» f^b yiQ b^ (Tag 3) 
und aus dem zweiten Abschnitte D2n vD"' Ti ina a^HW mit 
mVD Drm '721^ bn ^n ^HN' -Ü^^ n^b ainW zusammenzuhalten : 
offenbar hat der freie Uebersetzer dem Dichter vorgearbeitet. 
Von Isaac Nakdan giebt es einen ungedruckten metrischen 
Einheitsgesang in 412 Halbzeilen, welche Anzahl dem Zahlen- 
werth der Worte ]"ipj pHiJi entspricht. Derselbe besteht aus 
drei Abtheilungen: Der erste beginnt ]iy?2D D\"l'PX *) und hat 

1) Lit. d. syn. Poesie S. 467. Die Worte HkS 22)^"' u, s. w. be- 
ginnen die zweite Zeile. 



— 233 — 

den Reim n, der zweite 3pj;i ii^X ''hi< und der dritte DTlbx 
n^y» haben den Reim fp; in der ersten heisst es: niOID Vü) 

r^2D bü nnN'i d^:d ]\si nnD ]^j< meiern nn^:i nvDDi y^üi. 

Parallel den Saadianischen Stellen, dass menschlicher Schmutz 
dem Wesen Gottes nicht schade (Oz. nechm. S. 64. 67. 69), 
sagt auch das Buch "G^n (das. S. 67. 74. 77. 87): piD ]\S1 
n£1JÜ Ulli' mn"''?, oder: m^in':) p^in i6 nslJD, ganz wie der 
Einheitsgesang (Tag 3): "l^rt^n N*b D^IT^D bj. Selbst bei Aben- 
esra (das. S. 97) liest man : in\X d'^d'p^ N'b • • • • ^Vj^) b^V':^ bzi. 
Das nV^bsiD n\S-i;o des Buches IDDH (das. S. 65) stimmt zu 
Saadia's nubz^D niia (das.) und HvS'bDIQ HCm (das. S. 76). 

Zu .-nm^Di npnzio n.yt^ij?^! hn'pdig n']))ir[ (das. S. 65) stimmen 

Elasar's Worte (Rokeach 6a): H-innc HNIJ'IJC nxbE)lcn miiän 
ntibciD HkSlD--- .-nnülC; Jehuda's "^p ib |\X NHI^n (Oz. nechm. 
S. 65) sind wörtlich in Rokeach 5 c und dem Schreiben Ela- 
sar's in den maimonid. Briefen 44 a und b, so wie dasselbe 
der Einheitsgesang (Tag 2) lehrt. Man vergleiche ferner: 

Elasar. Einheitsges. 

)\si • • • ^bb^^\^^ \snp^ ihn* y:i2 -jj\x • • • m^ipn b2 j/':-i2 yciiri 
bD2 mn j<"iDn • • • dbijb "jny mm • • • ^22 r\r\H • • • 'pd'? "ini? 

ferner p2"n 1^01 ' * " mpD i<b^ " ' pCDI ''12m mit den oben ange- 
führten Stellen. Das jnn^ n'pI jnon «b haben Saadia (S. 95), 
der Einheitsgesang (Tag 3) und Rokeach 6a. Im Buche der 
Frommen ist eine Stelle aus dem fünften Abschnitte mitge- 
theilt (§ 612 und 613); aus acht Abschnitten des Saadiani- 
schen Werkes theilt Mose b. Chisdai (Oz. nechm.) Stellen 
mit, nämlich aus Abschn. 1 (S. 76), 2 (S. 64. 65. 68. 76. 79. 
85. 86. 99), 3 (S. 95), 5. 6. 7. (S. 93), 8 (S. 92), 9 (S. 92. 
93. 94). Dass Jacob b. Rüben, der vielleicht älter als Mose 
b. Chisdai ist, die ältere Uebersetzung vor sich hatte, ersieht 
man aus seinem 'n niDnvQ , in dessen zwölfter Pforte folgende 
Ausdrücke vorkommen : ,1^2inD n22 ,12inö HDII ,0^2in^Dn HN n:;t'1 

□^2incn i2t:i^ ,r\ünn n.s D^cim ,mt^'^ii'n .DniiX rhrhb mny ,Dn^^jp 
yitnn b^ pn^sn. 

Elia Levita^) macht die Bemerkung, in dem nach 
Saadia benannten Memorialgedichte ]12?2 vnf<, welches die 

1) Masoreth bei Semler S. 80, Buxt. Tiberias p. 182, n?02n 01^213 197b. 



— 234 — 

Anzahl der Buchstaben des Pentateuchs angibt, seien schwere 
und seltene Wörter gleichwie in Saadia's Glaubenswerk; offen- 
bar hat er nicht die gedruckte Uebersetzung gemeint. In 
der That sind viele Ausdrücke jener alten Uebersetzung, un- 
geachtet des oft fliessenden Vortrages, mehr peitanisch als 
klassisch; mehrere darunter finden sich bei älteren Autoren, 
namentlich den Dichtern, so z. B. sind altpeitanisch : 

l^ni: (387 1), Literat. S. 123), Kalir, Joseph b. Salomo, 
Tobelem, Raschi Sabb. 35 a, 1 Kön. 7, 26. Elasar Worms 
Zion Nr. 18. Vgl. ^^1^-^ Erubin 14 b. 

WV2 (386), Schacharit i&'-ip:,!, Josippon S. 74. Nisi Kar. 

hat (S. 2) nti'^W. 

D^Cin (418). Bereschit rabba 97 hat unser Text Ü^Dlü 
wo die Alten ""'Cyc gelesen. Ist auch in 2 Hoschana's ]V^b 
2X, in JoKo's und in der französischen Aboda, Jozer Hütten- 
fest ^""^^sXX. Vgl. Liter, d. syn. Poesie S. 614. 

DV] 389), ni?1l^'\"l ^ny^ (catal. Bodl. p. 2180) fehlt in 
der Ausgabe Mantua, die später nur 11^ hat. Vgl. Meborach 
in Pinskers Likute S. 67, yny^ Rokench 5 c. p'ii'"^ (401). 

^12n (412), ai^n (389. Lit. S. 624), mpTO (Zion 1, 79, 
vgl. im röm. Machsor 8. Pesach: r\yvD), .-n^?23 (393) Oz. 
nechm. S. 75, vgl. in-I^CZ der Rehitim, mcy: (414), n^?^J?n 
(420), Dlb^D (Lit. S. 649, Kalir Neujahr b^n n.X und Geschem), 
lins (389) Oz. nechm. S. 76, vgl. oben; pp. (416), ]V^p, (399, 
Lit. S. 649) Einwurf, p^iJl. (399), :"^' (385), m^yn (Sei. nbnn 
n"lvX) vgl. Landauer in Orient 1845 Lbl. S. 180, Dukes 
Mittheilungen S. 14, Geiger Moses b. Maimon S. 38. 39. 

Einer Anzahl anderer Ausdrücke begegnen wir in den 
Schriften des neunten bis elften Jahrhunderts; dahin ge- 
hören : 

"Ipy mit 2':iJ verbunden als Raumbezeichnung (geometrische 

Mischna nncn). 

rhrh (Oz. nechm. S. 95), Donolo der Mensch S. 5. 
Raschi Deuter. 33, 13. Menachem Wörterbuch jHD p« v. 



1) Die ohne weitere Bezeichnung eingeklammerten Zahlen bedeuten 
die Blattseite meiner synag. Poesie von 1855. 



— 235 — 

i<bü, Jacob b. Rüben in mcnb?D 9 b, Bechor Schor Com- 
mentar S. 4. 

.-12^:, bei Menachem b. Seruk (376) nn^J. 

niiriiJ (432 u. fO- 

nmi-D (oben S.233); vgl. niHJi im Jozer D^2ni< nb\x, ih'inii 
bei Joseph b. Natan (Ritus S. 240), mniiiD (oben S. 233) 
in)iV) (Hadasi in Eschkol c. 74); Gabirol hat mn| (Ritus 
S. 239). 

mi?2D haben Isaac Nakdan (oben S. 232), Mokamaz (HD^bn 
Dip S. 72) und der Einheitsgesang Tag 5. 

^101 (s. Ritus S. 236) hat auch Rokeach 6b. 

Dicy vgl. Lit. d. syn. Poesie S. 124. 

?]-ny s. Ritus S. 236. yib^ (387) und ipDr2 (405) Ozar 
nechm. S. 76 hat der Römer Jechiel, ersteres auch das 
Schreiben aus Rom in Luzzatto's "l^lNn n''2 59 a ; D'^IDD (Oz. 
nechm. S. 82), Mehrheit von ^2ü (382. 387), hat Schabtai 
im Pesachjozer; "iTii^ (Oz. nechm. S. 86) haben Schabtai 
(388) und Mose hasofer (Lit. S. 624). 

Raschi hat nTcn Sanhedrin 72 b (vgl. r\TCi< 396), 
auch Bechor Schor Commentar S. 97; so wie auch 2"iiJ^ (388) 
und p:-) (388). 

n-ii:i ny^j (Oz. cechm. S. 68. 69. 76. 79) gebraucht auch 
Jehuda halevi (i^^;; S. 45) ; niT'J (Oz. nechm. 69. 76) Isaac 
Nakdan (oben S. 233). 

Das Passivum von T'^n findet sich in dem Satze i^iyiil 
tOptiTI "''PD, der aus dem ersten Abschnitte mitgetheilt wird 
(Orient 1848 Lbl. S. 554). 

Hieran schliesst sich eine Anzahl von Wortbildungen 
oder Bedeutungen, die früher nicht nachgewiesen sind, auch 
später ungebräuchlich waren; es gehören dahin: 

I. \i/li<. Der Commentar zum Einheitsgesange in cod. 
H. h. 139 liest am Ende des 5. Gesanges: I^IW tiHNI ITDJib 
und erklärt es durch Z'l ti'""! jVD (Gittin 56 b); ob Gewohn- 
heit? 



— 236 — 

mriN (im 3. Gesänge) hat auch Bechor Schor Commentar 
S. 103. □^"IIHN (das.). 

^ibii. nCNH. D2J<n vernichten (Oz. nechm. S. 93). 

]V12 (Ritus S.' 237). n^:?2ti'i:. mn\ (Ritus 8. 236. Hebr. 

Bibliogr. B. 2 S. 49. Nachtrag zur Literaturg. S. 3 
Anm. 2). 

nn (Ritus 237); in der Pariser Handschrift liest man: 
msbnnc mTjm mrim (Orient 1848 Lbl. S. 554). Hin Oz. 
nechm. S. 68. "tlTl s. v. a. rin^D, s. Zunz in der Zeischrift 
der D. M. G. B. 25 S. 442 u. f. Diiinnn. ^Wn ]V\l'n (Ritus 
S. 237). D^D12C (1. Gesang) nach cod. München 346 s. v. a. 
n^nyn. "'j3''2 redend, mit Sprache begabt. vl^D Oz. nechm. 
S. 78. 81. iiy Fiel: Zion 1 S. 79. n\snn rjiniy aie Schnellig- 
keit des Blickes. "ll^D- D"'Tlii1D von Seiten begränzt (Pariser 
Handschrift), pnbü (Ritus S. 237) auch in der Mehrheit 
nCNM ^JFi'piJ. V'^'7)in begränzen. HHü^in. D^-i^jp?2 als Prädicat 
zu D''^3p- ]1-iip verwandt mit 2UpJ im 5. Gesänge. v'lTlt'- 

HD^yhn (Ritus S. 238). hjz'n b^]:.' (miDn zu Anf.) 

H. pX gegen Ende des 5. Gesanges wird Kraft oder 
Echo übersetzt. Das dem Aramäischen und Arabischen nach- 
gebildete □'lio Körper (Oz. nechm. S. 64. 67. 76. 79. 86. 
Einheitsges. 3. Elasar aus Worms in Maim. Briefen 44 a). 
irii':nj der Pariser Hdschr. s. v. a. U'ltn:n?2 des Midrasch 
(hebr. Bibliogr. B. 10 S. 88). H-^Hi bei Kalir u. A. IHI (Lit. 
S. 669) s. V. a. niniX- bl^'^'O das Anhaftende (Oz. nechm. 
S. 76. Pariser Hdschr.). mi^'^üb statt n\L'^d7 (Kelim 14, 1). 
U'VVb ausländische. "]iyii^"' (vgl. 419. Einheitsgesang 2) im 
Raum einschliessen. D'^2^ÜD (Oz. nechm. S. 76). p'^lj? (Oz. 
nechm. S. 95), womit zu vergleichen yZjC (Simeon in Melech 
eljon), p]^l::d (Ritus S. 240), n^s:^ (Selicha "icHD n:n ••D), 
f D:Q (Literat. S. 652). i:bri:' 1^2:] im 4. Abschnitte, von 
HDIZJ gebildet. D1^^: (B. d. Frommen § 613. Oz. nechm. 
S. 76, wo D'1N"'J gedruckt), das bei den Tibboniden weniger 
im Gebrauche ist. ]"iy"lD das aram. jJ-ms, üblicher mJ^IID, 



— 237 — 

Bestrafung, entgegengesetzt der Belohnung hlü^, auch B. d. 
Fr. § 613, Bechor Schor Commentar S. 28, Jacob b. Rüben 
a. a. O. 12a. nypn Einheitsgesang Tag 2. 2D"inn zusammen- 
setzen ; Mokamaz hat 2'D^1f2 und ZID'l, Menachem S. 15 
2^2^.-1, Oz. nechm. 64. 69. 73 22^1ü. 

^Ct^' in Nifal und Hilil; bei Gabirol in Fiel (383). 

rrnriH; Binjamin (Sulat "ITiT^f^) hat das aramäische 
HTin, Schabtai (Pesachiozer) D^nnü (420), Kalir mmc. 

Jünger als der Einheitsgesang ist das in cod. Rossi 482 
enthaltene Sittenwerk Berachja's b. Natronai, das in Aus- 
zügen aus Saadia, Gabirol, Abenesra — der IIjI nDDH^ ti't<^ 
heisst — , Parehon [Art. "ICH] und in vier Stellen der Tib- 
bonschen Uebersetzung der Herzenspflichten — er spricht von 
jlSisDn r~ü2\l — besteht. Auch hat er denselben Stellen aus 
einem christlichen Werke hinzugefügt nT"112 "'j^^ TnDvt^* HD DJ?) 

T^N D^:vr\ n^DHc • • • • ij^ji^'^pS n^r^n ]r^hr2 ^npnynti' idd ncrnD 

Dn'':ili6'p D^ljn DlpTyn). Das Werk hebt folgend ermassen an: 

nstr noN ]mjn') "idd2 n^Diz nzn izhd "isid lcdi^'z D^Dtino. 

Dann heisst es: ]^2n -[DCD Iprh □\SdS \yj"-^,ü: 1D r\^212 DNJ 

imnyzi irnbvx nN*"i^ biyr?^2 n'z? 12b i.32T nti'vS zd':': b^Dti'?^ ':5Db 
bnjn bi^'f<n nnnD ^nSyj< mzjm i^yijn ^:n iii\x Dn^':5N* D^znp 

b"T rriiyD ir2"1 ]tJ<:n. Am Ende ist Verschiedenes, was zum 
guten Betragen erforderlich ist, zusammengestellt; er nennt 
sich dort D"'"lp1JD HM Itt'N ."T'iDlD. Das Ganze ist zugeeignet 
dem üblL'^ "1 D^JH ""jUN. Zu dem in den Noten zu Benjamins 
Reise (p. 32) über „Nadib" Mitgetheilten verstatte man hier 
folgende Ergänzungen : 

Il''"i2 und "DDJ verbindet schon Menachem b. Seruk in 
seinem Sendschreiben; — ''Z"'!] lt'N"1 sagt Raschi in dem Briefe 
It'Din Nr. 12. Sonst findet man Nadib noch in Jehuda Tib- 
bon's ^2)ü, in dem nnMI "IIDN ms. § 42 (Schreiben an R. 
Tam), Or sarua Th. 1 § 775, D^j1wX:n nt^'^D ms. § 466, 
Meir Rothenburg Rga. Nr. 546 und 251, Semak 71b, codd. 
Kennic. 228. 250. 559. 585, cod. Wien 44, cod. München 
210 f 188. 



*) Auch Elia Levita beginnt am Ende des Tischbi sein Nachwort 

mit nsii' n?2x |m:n nsDn n^- dh nbx. 



— 238 — 

Unser Nadib MeschuUam hat entweder in Italien oder 
in der Provence gelebt; dorthin gehört auch der Autor 
Berachja, der weder aus dem Arabischen übersetzt noch die 
ältere Uebertragung des Glaubenswerkes benutzt hat, womit 
denn auch Einiges, was in meinem Zur Geschichte (S. 117. 
127. 128) über diesen Schriftsteller angegeben ist, ergänzt 
und theilweise berichtigt ist. 



xn. 

Aus Steinschneiders Hebräischer 
Bibliographie. 



1. Die Cönsur hebräischer Werke. 
(1858) No. 2 S. 42—44. 

Die liebende Fürsorge, die von gelehrten und mächtigen 
Herausgebern Werken des Alterthums gewidmet wird, ist, 
wenn es jüdisches Alterthum betrifft, noch immer selten, da 
in den meisten Fällen deren Herausgeber oder Verleger weder 
mächtig noch gelehrt sind. Ohne Beruf und wissenschaft- 
liche Vorbildung, von Praenumeranten- Verzeichnis ;en befric' 
digt, ü'auern sie weder mit dem Käufer noch miL dem Ver- 
fasser, wenn sie das Buch mit weissen Lettern auf grauem 
Papier drucken, vorn mit Bescheinigungen gutmüthiger Cele- 
britäten ausgestattet und hinten mit Druckfehlern. Drucken 
sie aber in Polen, so bekommt der alte Löwe die Stösse von 
privilegirten Eseln und zuletzt in dem Tritt des Hasen, 
Censor betitelt, den Ritterschlag, Imprimatur genannt, gleich- 
sam für die Verkäufer die Berechtigung, ein hebräisches 
Werk zu verunstalten, Leser irrezuführen und die Wissen- 
schaft zu verhöhnen. Einen Beleg hierzu bietet die Ausgabe 
des Midrasch Tanchuma, eines Werkes aus dem neunten 
Jahrhundert, welche im Jahre 1851 in Warschau erschienen 
ist. Das Wort f, welches das Byzantinische Reich bezeichnet, 
hat überall, wo es vorkommt, zur Begleitung „Der Mace- 
donier*' erhalten, und an einer Stelle hat der Censor einen 
Bibelvers — „Und nichts haben Fremde neben dir", Spr. 
5, 17 — gestrichen. In einem, die mosaischen Gesetze ab- 



— 240 — 

handelnden Abschnitte des Exodus wird elfmal bemerkt, dass 
heutzutage die Gesetze der Regierung gelten. Ganze Zeilen 
wurden vertilgt, z. B. über 6 Zeilen in Nt^'P ''- f. 84 a, 11 Zeilen 
in ^j^ü^', 24 Zeilen in N2 f. 52 a u. m. dgl. 

Grössere Wunder erwarten uns in Sidilkow. Dort ist 
im Jahre 1832 das „Buch der Frommen" (D^TCHH "IDD) er- 
schienen, auf 140 grauen Octavblättern , mit abwechselnden 
Lettern, schlechter Pagination, vielen aber nicht verzeichneten 
erratis; der elende Druck und das häufige Abkürzen der 
Worte ist dem Fortkommen hinderlich im Text und im Com- 
mentar, — welcher letztere übrigens eine bessere Ausstattung 
verdient hätte. Zunächst fehlen hier vier wesentliche Stücke 
des Buches: 1) Inhaltsverzeichniss, 2) Vorwort des ersten 
Herausgebers, 3) dessen Nachwort, 4) der aus 43 Paragrayjhen 
bestehende Nachti'ag. Das Inhaltsverzeichniss, das in der 
ed, j)r. 100 Columnen einnimmt, hat der Herausgeber Abra- 
ham hacohen in Bologna verfertigt, es ist gewissermassen 
die ControUe des Inhalts. Das Vorwort desselben Abraham, 
welches den Charakter des Werkes trefflich zeichnet, ist 
durch ein kleineres ersetzt worden, in welchem auf PViC und 
Geschichten der Hauptton gelegt wird. Beide reimen auf 
D'-i: Das ältere hebt an: "icyb nnb D^DH 'pDliH nbUH^I "j^lZH^ 
D''T~lt^' '7-S~!".^"' ; das jüngere, welches wahrscheinlich einer frühe- 
ren Ausgabe entlehnt ist, CT'lit'n 'n DV^. Aus dem Nach- 
wort erfährt man, dass ausser dem Exemplar im Besitze des 
Editors von Bologna bis Jerusalem keine Handschrift des 
Werkes zu finden gewesen. Da indess der Nachtrag (von 
§ 1136—78) laut Ueberschrift aus einem andern Manuscript 
geflossen, so muss wohl während des Drucks irgendwoher 
ein solches herbeigeschafft worden sein. Sehr wahrscheinlich 
hat hier schon der Censor gearbeitet, da der ganze Abschnitt 
reiche Beiträge für die Kenntniss des alten Aberglaubens 
bietet, der wohl den neuen nicht beeinträchtigen sollte. 

Allein die eigentlichen Heldenthaten werden in dem vor 
uns liegenden Buche an dem, was wir lesen dürfen, sichtbar. 
Gewisse Ausdrücke sind ganz vertilgt, so ''U ,|lC^n ,1Dir ,~DIi'. 
Bentley und Wolf zusammen würden nicht entdecken, dass 
D^""yi?2n Dn2-D stehe statt DHN nCC (§ 52), oder Dn^tt'n'pDDli' 
statt W'^)^2W (§ 703). Im § 145 liest man D^ D^:ü2 DH 



- 241 — 

DSi:; ^"'D) 'n ^Z^IX; es soll aber heissen: ^^^2 Cnn^H ]\üü noi^ 
DSi:i pw bzi D^l^ Aus § 199 ist die Vorschrift verschwunden, 
sich nicht, um unei'kannt zu bleiben, in Mönchskleidung zu 
stecken, — ein Beitrag zur Geschichte der Anzüge und der 
Verfolgungen. Solcher verstümmelten zur Hälfte, oft fehlenden 
Paragraphen giebt es — kleinere Auslassungen nicht mitge- 
zählt — neunzehn, nämlich §§ 3. 4. 10. 28. 43. 116. 145. 
192 (fast ganz). 202. 221. 238. 277. 417. 429. 463. 479. 480. 
533. 621. Gänzlich verschwunden aber sind vierzig, nämlich 
§§ 66. 188. 190. 191. 197. 198. 203. 204. 270. 357. 391. 408. 
427. 431. 432. 435 bis 440. 464 bis 469. 474. 637. 638. 681. 
687. 688. 708. 862. 942. 954. 1021. 1115. 1135. Interessante 
Beiträge zur Sittengeschichte, Nachrichten über das Verhalten 
gegen Täuflinge, Angeber (§ 6S7) und Sonstiges wird uns 
auf solche Art entzogen, z. B. dass man sich enthielt, in Ge- 
wässern zu baden, in welchen die Wasserprobe abgehalten 
wurde (% 438); welche Rezepte gegen Mahren, Drachen 
Vampyre (§ 464 &.), Zauberer (§ 475) galten; oder Züge 
aus dem Familienleben, wie Eltern einstmals einen abtrünnig 
gewordenen Sohn mit Geld zurückzuführen versuchten, es 
ihnen aber von einem Manne, der des Sohnes Gemüthsart, 
kannte, widerrathen wurde, weil er dann auch seine Geschwister 
verführen würde (§ 188). Aus § 270 hätten wir erfahren, 
dass eine Edelfrau, die beim Begräbnisse wieder aufgestanden, 
viele Bischöfe und Hei'ren in der Hölle gesehen zu haben 
verkündete. 

Allein der Inhalt thut hier nichts zur Sache, das schlech- 
teste Buch ist weniger schädlich als der beste Censor, da 
dieser die guten Entgegnungen verhindert, die jenes hervor- 
ruft. Die Wissenschaft kann keine wohlgemeinten Ketten, 
die Freiheit keine oktroirte Aufklärung vertragen. Da man 
jetzt an der Befreiung der Schwarzen und der Weissen ar- 
beitet, wird man auch den verstorbenen Juden gegenüber 
menschlich und gesclieut werden, und wie beim Untergange 
des germanischen Mittelalters, so wird auch bei dem des 
slavischen, der hebräischen Literatur ein Reuchlin erstehen, 
aber ein grösserer: er soll die Censur tödten. 



16 



2. Die Baraita S;\mner-^. 
(lSG2j No. 25 S. l.">-20 

Die dem jüdischen Mittelalter während eines Zeitraums 
von drei Jahrhunderten bekannte Baraita Samuel verlor sich 
allmählich und seit ö oder 600 Jahren gedar'hte ihrer Niemand, 
nicht einmal ein Bibliograph, bis vor sn-hzig -Jahren De Rossi 
ihrer erwähnte. 30 Jahre später entdeckte man ihre Spur im 
Buche Rasiel und verschiedene seitdem gefundene Anführungen 
haben manchen zu meinen verleitet, unsere Elieser-Baraita 
sei die verloren geglaubte. Mau hat eine Stelle im Cusari 
als Stütze dieser Meinung angesehen, in welcher ein astro- 
nomisches Werk, genannt □"'pl? des R. Eliesev b. Hyrcanus, 
gerühmt wird; es verbreite sich fibor Maass der Erde und 
der Sphären, die Katur der Sterne, des Thierkroises, der 
Sternbilder und ihrer Häuser, ihren guten oder bösen Ein- 
fluss, Auf- und Niedersteigung, ihren Höhen- und Tiefpunkt, 
so wie über die Dauer ihres Umlaufs. Da nun noch hinzu- 
gefügt wird: ,,Er (Elieser) gehört zu den bekannten Mischna- 
lehrern, und Samuel zu den Talmudlehrern,*' so glaubte man 
den Verfasser des Cusari dahin zu verstehen, dass Baraita 
Samuel und Baraita Elieser eine und dieselbe Schrift sei. 
Man hat jedoch übersehen, dass die Beschreibung jenes 
Werkes gar nicht auf unsere Elieser-Baraita passt, welche 
nur ein Capitel über den Sonnen- und eins über den Mond- 
lauf enthält. Vielmehr müssen jene D''p"lD neben diesen beiden 
Capiteln noch mehreres andere enthalten und nach Elieser 
und Samuel ihren Namen geführt hnben. Dies erhellt deut- 
licher aus der Anführung Abrnham's hanasi pnyn S. 36), 
der aus einer Baraita, die nach diesen beiden Autoritäten 
genannt wird, eine — auch in a'"^^ c. 7 befindliche — Stelle 
beibringt als Dljpmn |Z liy^^S '1 □ti'Z ZIHD p, und unmittelbar 
dahinter aus derselben Baraita im Namen Samuels eine 
andere, nicht bei uns befindliche, die nach ,, grossen Stunden" 
rechnet, was in unsern 5<"1E' nie der Fall ist. Nichtsdesto- 
weniger las der Verfasser beide Stellen in einer und derselben 
Baraita, da er zum Ueberfluss HH NP^DD niJi2ti'nn bj hin- 
zusetzt, und. wiederholt von der Meinung des Samuel und des 



— 243 — 
R. Elieser b. Hyrk. spricht. Ebenso drückt er sich S. 40 

aus: ^V n^ipDn V'n^nzn nznb \s* Dijpim ]2 N"m ^nv^ij' n^i'? 

D'OZ' während er nur auf die erstere Stelle (X""1D c. 7) hin- 
weist. Auch David Kimchi zu Jes. 27, 1 und ein lizyn 'D 
MS. nennen Baraita Samuel nach R. Elieser '). 

Höchst wahrscheinlich war unsere Elieser-Baraita in den 
beiden astron. Capiteln tlieils vollständiger, theils mangel- 
hafter; manches mag daraus in die Samuel-Baraita über- 
gegangen, und wiederum anderes von letzterer entlehnt sein: 
Es lässt sich dies gegenwärtig etwas deutlicher erkennen, 
da neun Capitel der verlorenen Baraita entdeckt worden, 
die uns gedruckt vorliegen, und unter andern darthim, dass 
ältere Werke neben Hinweisungen und Stellen aus Capp. 2, 3, 
4, G, 8, ein Drittel von Cap. ö, die Hälfte von Cap. 1, und 
die Cap. 7 und \) beinahe ganz enthalten. 

Zuvörderst geht aus der Baraita Samuel hervor, dass 
sie von unserer Elieser-Baraita durchaus verschieden ist. 
Sie gleicht ihr weder in der Diction noch in dem Inhalt, 
weder in dem Charakter noch in dem Zwecke. Es ist nirgend 
die Rede von Engeln und Wundern, es wird keine biblische 
oder talmudische Autorität angeführt; dahingegen ist von den 
Weisen der Aegypt^r und Chaldäer die Rede. Der Tag 
wird in 12 grosse Stunden getheilt, .Mercur heisst ncn nrO, 
und gleich dem Buche Jezira kennt sie den Drachen C'^H), 
wobei gelegentlich zu bemerken, dass ähnlich dem '''^m 1773 
bereits j. Rosch haschana 2, 4 y^2n''X für Mondhnsterniss hat^). 

Bei einzelnen Sätzen werden, gleichsam um dem Ge- 
flächtnisse des Lesers zu Hülfe zu kommen, Bibelstellen an- 
gefügt; z. B. 

DTi^ Drylin bv "^'^r:^ nr^ni iu^ 222: f'\<b ycD ^pv nj^izi 
nz" HK'y rnys nn ncrü nnn 22^; pim n'?n: nr n:ii2i 

Möglich, dass der Beiname tt'inn hierdurch zu erklären ist. 
Dass man den Verfasser für den Samuel des dritten Jahr- 
hunderts hielt, beweist nNrnl"', womit er im Raschi-Commentar 



») Vgl. B. Goldberg in dem Aufsatz '^N'lfOli'C n'\L' iu "l'^'^pH 
Jahrg. 2 N. 5 u. 6 S. 41. '^) Vgl. j. Maaser Scheni c. 4 Ende 22)2 "PI ]}b2- 

16* 



— 244 — 

zum Bereschit rabba, im Commentar des Machsor Luzz, und 
cod. Opp. 1483 citirt wird und die deutliche Behauptung im 
Cusari. Allein dem widerspricht die Schrift selber, nicht 
nur durch ihren Inhalt und ihre Sprache : sie redet von dem 
Jahr 4536, in welchem bis auf 2 Stunden Sonne, Mond, 
Schaltjahre und Tekufa's in gleicher Art wie zu Anfang 
gewesen, und lehrt wie von dem Jahre an und weiter die 
Berechnungen anzustellen. Das genannte Jahr ist 54 mal 
84 J., und schon nach der Elieser-Baraita c, 7 sind alle 
84 Jahre (d. i. 3 mal 28 oder 4 mal 21) Sonne und Mond 
wieder an einer Stelle. Der Verfasser lebte also nach A. 776, 
und vor A. 860, kannte noch keine Arbeiten der Araber, 
von deren Angaben in den Entfernungen der Planeten er 
gänzlich abweicht. Drei griechische Worte, deren er sich 
bedient, trigon, hexametron, strongimos oder strogimos (vgl. 
cTQiuyo/uai n. crQayyfvio verweilen) scheinen ihn nach byzan- 
tinischen Gegenden zu verweisen, und wenn wir ihn in die 
Zeit 810—840 verlegen, ist einerseits die Bekanntschaft mit 
N""1D und nTÜ"" 'D, andrerseits die Unbekanntschaft mit der- 
jenigen Astronomie erklärlich, die von Hassan und Abraham 
b. Chija anerkannt wurde. Donolo's Urtheil über Samuel's 
Dunkelheit wird durch die Baraita bestätigt. 

Wenden wir uns zu der Schrift selber, so finden wir in 
dem ersten Capitel den Himmel, Orion und das Siebengestirn, 
den Drachen oder die Sonnenbahn, die Planeten und deren 
Licht, im zweiten und dritten die Mondbewegungen und den 
Lauf des Thierkreises besprochen, auch wird gelehrt, wie ein 
Sonnenzeiger anzufertigen. Das vierte Capitel bespricht den 
Character der Jahreszeiten und der Planeten, das fünfte die 
Planetenbahnen, zugleich mit Anweisungen, Molad, Tekufa 
u. s. f. zu berechnen. Im sechsten Capitel ist von der ur- 
sprünglichen Stellung der Planeten und der Eintheilung des 
Zodiakus, im siebenten von der Entfernung der Planeten von 
der Erde, im achten von ihren Hoch- und Tiefpunkten, im 
neunten von ihrer Natur und den Einflüssen auf Irdisches 
und Menschliches die Rede, jedoch mit dem Bemerken, dass 
den Sternen keine eigenmächtige Gewalt innewohne, Gutes 
oder Böses zuzufügen ; was sie thun , erfolgt nur auf 
des Schöpfers Geheiss. Dieser Inhalt, wenngleich zu der 



— 245 — 

Beschreibung im Cusari passend, füllt den Umfang der Baraita, 
wie die Alten sie kannten, schwerlich aus, da er weder alle 
Anführungen enthält, noch die Verbindung der beiden Kamen 
Samuel und Elieser erklärt. Mir scheinen die astronomischen 
Capitel unserer N*"nS ganz oder theilweise der Baraita ein- 
verleibt worden zu sein. Daher konnte Donolo in seiner 
Erläuterung der Baraita auch Abschnitte aus den Pirke Elieser 
c. 6 durchwebt von Baraita-Stellen einschliessen, und dorther 
schöpfte wohl auch Rasiel 18 b oben, wo abwechselnd Stellen 
aus den Pirke und der Baraita sichtbar werden. Da die Pirke 
bei den Alten Hagada oder Midrasch hiessen, so vermuthe ich 
auch aus anderen Hagada' s Interpolationen, z.B. aus derPesikta 
Hachodesch,da für einen dortbefindhchenMidrasch einMachsor- 
Commentar unsere Baraita anführt. Bekanntlich schlössen sich 
an „Hachodesch'' (Exod. c. 12) die Erörterungen über den 
Kalender an. 

Die aus unserer Baraita augeführten oder ihr gehörigen 
Stellen sind folgende: 

c. 1 (S. 6) HDipr ^Itt'y ypnn (Kara in n'T' 7, 61, Rasiel 
16b, 18b, 18 (bis) b; in allen Stellen nebst HDl^'b Vi.SD cnnOT. 
Vgl Hadasi c. 62 Buchst. 'D). P^DIDD n^\S pDii nno bis 
TMü"^ y^ü bv (Kara das., nur dass das Original IDJ^Tii' hat, ■svo 
Donolo und Kara nSDZ 2inD2 schreiben). nü^D mj-.VD nV2^ 
bis rnj?on (Rasiel 21a unten), nnz 0^121 bis 'b:^n r\] (das. 
20a Mitte). Dieselbe Stelle von mj-yo ny^ti' bis (S. 7) 
DXDi* (n"2 S. 64 und 65 unt. , vollständiger im Hiob-Com- 
mentar ms. und Rasiel 18 (bis) b Zeile 2 v. u. bis 19a Z. 5' 
alles dort darauf folgende ist aus Kara). Aus Is. Giat's 
Maamad nV2li< n^lL'V gehören hierher: mjiyD ny2ii' ino D^^'V 

DnniDi D^nmDQ n^iinr^ b^D2 r\^DW)ü nii'Dn^ Dnii'ipQ nn^zQ hd^d, 
ferner rpiD ^'n ^T rbb)n und 12^11 "Tt^vS ir^\sn "pnü ^bnn ly n-^-y 

IHD:. Statt 31 bw n^zn (n"D S. 65 unten) ist Rasiel fehler- 
haft b^ N^DP) (f. 19 a Z. 18) gedruckt. Hadasi c. 63: ^'^nm 

... 'Dl n^ nbbTi n^NTii* nn^ i:'n: .s'in bn:n pjnn ferner: 2tiT 
nn:2 -jbcD nn^bv 'bnn. Die Worte nnz ir'njn vxin ^br^ hat 

auch eine andere Uebersetzung des Cusari (ed. Cassel S. 353). 

S. 7 : m:o 'br\n bis pnbpy . Kimclü Jes. 27, l) •, 'bnn 

bis 22V i:\sn 'PsSni^'^D (n"D S. 62), vgl. Raschi (Jes. 9, 13. 
19, 15) und Nachmanides (Hieb 26, 13), die beide unsere Ba- 



— 246 — 

raita als Quelle nennen. Dasselbe im Pseudo-Saadia zu Jezira 
(m!5ir2 "I). Parallelen in den Coramentaren von Elasar und 
Botarel (der die Worte des erstem einem R. Joseph Asch- 
kenasi andichtet) und bei Kasiel 18 (bis) b und 19 b unten. 
Das n'-ipil ba. r\)ipn "p nilDC haben Kimchi, Donolo oder Kara 
(vgl. Wj^v: "^Vl^: 14b u. 15a, wo 'hr\ statt ''bl zu lesen). Zu 

nn:r und vi'^z'^l'vd vgl. Giat a. a. O : Hvu'ii'yz nn:z. Von t^'XI 

^br\n bis l-^^n "pnn hat Rasiel 21a unten. 

c. 2. Die Baraita, bei der sonst, wie im 1"l2J/n 'D, der 
Grad pbn heisst, nennt solchen zuweilen vTI (vgl. Berachot 
32 b), und nach dem Zeugnisse Abraham's hanasi (y~li<n Hllii 
§ 3) ward er in den jüdischen Schriften so genannt, daher 
bei Giat a. a. O.: 'c^\l"iL') n\S^ lt''?ti6 D^pbmc D^It'pE: n^Z'V 
D^b^n C^NipjH nibyc On cn C^b^n. Den Ausdruck HDID 
haben myil mJl?:DX und Rasiel, während Pseudo-Saadia ^Tl 
gebraucht, 

S. 9: N^Z?:i jb)r2 vgl, Rasiel 19b, MS. Paris [Goldberg] 
and Pseudo-Saadia Jezira f. 27. 

c. 3 (S. 10): ÜV br ncnm bis n\n nt:byi ausführlicher 
bei Kara (a. a. O. S. 63) und Rasiel 18 (bis) b Z. 12 v. u. 
bis Z. 9. Auf die Schattenmessung (S. 11) verweist Donolo's 
Vorrede. 

c. 4. Die Temperatur der Planeten erläutert Rasiel 17b, 
18a; Abenesra (Exod. c. 33) bestreitet sie. 

D^:ii' CTßl C^jti' 0"*:^ führt Raschi zu Bereschit rabba c, 51 
aus unserer Baraita an. 

c. 5. Die Anweisungen zur Berechnung beginnen mit 
der schon in Seder olam üblichen Formel V~''b HiiTin, Dieses 
Capitel hat solcher Anweisungen fünf; auf die erste (S. 14): 
"i7lC yTb nynn verweist ein Machsor-Comm. (s. Luzzatto bei 
mzyn -n^ S. 31 und n"2 Th. 8, S. 38. 

rh'^b Db"n y:ti"'Z u, s. w. (S. 15) erläutern Raschi Bera- 
chot 59 b, Sabbat 129 b, Erubin 56a (nach Donolo), Abraham 
iryn S. 29 (nach Vorgang älterer Autoren), "llJ/'H ]ZvX MS., 
Pseudo-Saadia f. 28b. Die Bezeichnung ]n"CÜ l^"6z haben 
auch Elieser-Baraita c. 6 und Ofan HIN IIIDD. 

mbrc Tki'y C^:-^- u. s. w. scheint aus N">Z c. 6 (nte 2""''? 
bis ü'ü'Z'n Vy^.2) entlohnt und findet sich Rasiel 18b. 



— 247 — 

b:h}2^ 'bri2 f pnx d'?D1 (S. 15). Derselben Worte bedient 
sich Doiiolo (&. Steinschneider Catal. S. 2237) und das ihn 
ausschreibende Buch Rasiel 19 b, 20a. Die Quelle ist das 
Buch Jezira ("iD m j^pilN ]bri). Aehnhch Donolo (der Mensch 
S. 12) und die Jezira Commentare Elasar's u. A. 

n:2bn "i\s bis □'^lyb norj i:\x d^:2id nirv^m ncnn(S. 16): 

Rasiel 19b, wo 4 Worte fehlen. 

ibna ^D2\L' bis OV n\SC ^'bu,' (4 Planeten) nebst H:"'? 
ist ziemlich verderbt das. 17b Z. 10 v. u. bis Z. 6. Aus 
dieser Stelle scheint Einzelnes in Bereschit rabba c. 10 hiii- 
eingerathen zu sein. 

nüm' ^D "^v n^s'i bis ixno vt (Rasiel 19b) m "7^ in^z; xb 

bis plD n:^'? (das., wo hinter HCn Zeile 8 das Wort ^NH 
fehlt). 

Vermuihlich gehören diesem Capitel noch folgende An- 
weisungen: 1) t^nnn ii\s-i nzi^'z n?2D2 vi^'b nijnn (ii^yn s. 30) 

worin nach grossen, d. i. doppelten Stunden gerechnet wird ; 
2) Rasiel 18b: ""^nn IfN"! ClpC nr.SD yi^b niJnn; schon in c. 2 
heisst es: b]r2 n]\S'2 ^bPiH yT^ "jn^l; 3) Abenesra Exod. 12, 2; 

r\j2br\ Dipo Vi'b ni^nn xn^n^n ni?:x. Vielleicht dass ibrc nyib 

und 12m pyivl bei Pseudo Saadia am Ende auch unsere Baraita 
betrifft. 

c. 6 (S. 18) ^b) v:^b i6 "jbn?2 ij\xi inV^n nx zryo Nin:^' 

T'~l^l^^75 vgl. Douölo oder Rasiel 20a oben. 

Die Vertheilung in 4 Dreiecke (i<"~!D c. 7), in männ- 
liche und weibliche Gruppen und nach den vier Elementen s. 
das. 18b. Vielleicht ist unsere Stelle gemeint mit der Be- 
zeichnung NZN p bii^r^lZ/ njti'CD rr^lX' N\~1 "jZ (Commentar ms. 
zum Buche Jezira, s. Donolo: Der Mensch, Vorr. S, V. Anm.}, 

c. 7 findet sich mit Abweichungen in Rasiel 17 b "IID 
D^^DZn '] bis 18a b^D nyzLI'l. Es wird nach Längen (b^n) von 
50 Ellen gemessen, deren 40 ein b''^ ausmachen ; dem Mond 
wird eine Entfernung von 2847 b"'C zuertheilt. Die Zahlen 
verdienen nach ihren Factoren eine eigene Untersuchung; 
es sind:i) (?. 52. 365; 2) 161. 353; 3) 29. 88;*) 118. 130^) 30. 
119; 6) HO. 576; 130. 900. Für die Nummer 1 (Mond;, 
2 (Mercur), 5 (Mars) sind nur in Rasiel, für Nummer 3 (Venus) 
nur in der Baraita die Zahlen richtig. 



— 2-18 — 

c. 8. Auf den Inhalt dieses Capitels passt D.m'pSti'T DmN'^tC'J 
.(Cusari) und DHTDy (Hadasi c. 63). 

c. 9 ist bis lyT N7 T mit Abweichungen in ßasiel 17b; 
auch Donolo, der in seinem Plauetenbuche die Herrschaft 
der Sterne abhandelt, wie die von mir (D"'j£'n iibü S. 99) 
mitgetheilte Stelle darthut, hat wohl dieses Capitel gekannt. 

Mir scheinen mehrere in dieses Gebiet gehörige Stellen, 
wo 7N1Cti' oder ^''1'^ citirt wird, unserer Baraita entnommen. 
Hier nur folgende Beispiele: 1) niHD n:^^ %' ntTin j\S bxiDlt' "IDN 
u. s. w. Bekanntlich sagt dies im Talmud R. Gamaliel, aber 
R. Elieser b. Natan ("liyn pX ms.) scheint einer Jüngern Schrift 
zu folgen. 2) ib^n myn; bi<)ü\i,' no.S (Midrasch ]:d S. 33, 
fehlt Rasiel 3Ga). 3) "TlDJ/'n HJlt' X^^n u. s. w. über die ver- 
schiedenen 19jährigen Cyclus (üb'iV "nD"" 4, 2, in Handschriften 
steht 'MV'ba ni N-n^nD vgl. n"D 8, 55, n'ii'20n II S. 41 und die 
Discussionen der Tanaiten, die Hadasi c. 194 berichtet). 
4) N'^JH zu Anfang des Buches m^nzy ist nach Juchasin 40a 
aus der Samuel-Baraita; in einigen Ausgaben wird ASVrii' "IDN* 
gelesen. 5) Raschi zu Bereschit rabba c. 6 zufolge, stimmen 
unsere Baraita und Seder olam darin überein, dass beim Aus- 
zuge aus Aegypten Nisan am Donnerstag begonnen, der 
Molad am Mittwoch Nachmittag gewiesen. Vermuthlieh ist 
hier die hagadische Recension der Baraita gemeint, die nach 
Elieser und Samuel den Namen hatte. 6) p^:2 '^N'ICtJ* "1DN 
u. s. w. im MS. Paris p'^'DDH a. a. 0.) 

So weit bis jetzt unsere Kunde reicht, haben folgende 
Autoren die Samuel-Baraita gekannt oder mittelbar benutzt: 
Dono 0, der sie commentirt, Isaiii' Gi.'it, Raschi, der Uommen- 
tator dus Berescuit rabba, Joseph Kara, Elieser b. Na'.an, 
Abraham b. Chiia, Jehuda Halevi, Hadasi, der eine Baraita 
von 21 und 'PN'lCti' neni;r; Ab 'iicsiit in 3 Werken ^Penta- 
teuch-Commentar, Sabbatbrief, 112yn IID); Jacob b. Simson, 
der sie commentirt hat; Erklärer des Machsor; Dav. Kimchi; 
Ungenannte im Jezira-Commentar, Elasar aus Worms, der 
vielleicht nur aus Donolo schöpfte, gleichwie er aus dessen 
Erläuterungen zu G"IvS H'Z'V^ (s. der Mensch S. 15) in Rasiel 
IIb oben manches beibringt; Nachmanides, vielleicht auch 
Efodi; zweifelhaft ist Abraham Zacut. 



— 249 — 

Es möge schliesslich nocls der Ausgabe, welcher die 
Einsicht in die für verloren gehaltene Schrift zu verdanken 
ist, hier gedacht werden: sie ist unter dem Titel 'PJsV^K^'l Xn^^D 
Ippn erschienen in Salonichi 1861, 25 S. Sedez. Der Text 
beginnt S. 6. Das erste Capitel (S. 6, 7) hebt an ypin 

pK'D2 nrnx bnnD nzrn nzipr ^r^'y, endigt ]d '.si nn\scn p 'n 

Dn3: IDDiX D^DDDH; das zweite (S. 8—10) hebt an: li'in tt'XI 

^2:)2 IX iri'Ni- Dni::i' )b ^:t'\ endigt D'ii' xm rmi ?]xilj' i;3ipD 'pni; 

das dritte (S. 10, 11) hebt an 'X ]hn rn]?22 b^n bz, endigt 
ncn 2222 nsipnn PTSD; das vierte (S. 12, 13) hebt an: 

ll^:^ nnm it'DU' ncnz Din 2DDD nsipnn p-i?, endigt ^is* m^j n^o 

n:iE:iJ i:SC P:D1 nxH; das fünfte (S. 14—17) hebt an: PjU'D 

nr^OQit' njzbi n?:n nr^' nyii' it'tin D^tt'bK'i n\s'?^ rj'om □^e'^x nyznx 

msipm, endigt nnpj DMT ^1: 2yV nbinz ]:0"1D "IIIJ'; das sechste 
(S. 17— 19) hebt an nox Dn^JD ^cm p^nD mo lii^D, endigt 
n'P"''p2 ^:i!:i* jiri-J^I; das siebente (S. 19—21) hebt an "no l)i^2) 
mi\XCn ^:U' bz' |njiy;:^, endigt D1^ r\"V Ii'pM; das achte (S.2 1—23) 
hebt an D^JIXD imbsLI'l h'p:: 1.12:1 HüH, endigt bti' 1.12.1 .121: im 
""bn.l 2j1; das neunte (S. 24, 25) mit der Ueberschrift 12 

D^222 btj' \r\2i<b^ 112 1X12^ hebt an niJ2D?2n bv^ ni^;y.i bv ^n2t:', 

endigt '^21 ]11X ^:^br2 Pllfl DH^ jnj ]2 DX xbx. Der Heraus- 
geber Katan Amram erzählt uns in einem Vorworte, in dem 
auf n"2 Th. 5 und 7 verwiesen wird, dass er die Schrift im 
Nachlasse seines Vaters gefunden, in schwer leserlichem 
deutschen Schriftcharakter. Auf dem Titelblatte sind noch 
4 kleine Werke als mitabgedruckt angegeben, nämlich: 1) 

pv p '212, 2) Djn^: 'DD, 3) 111 ni^^i nun, 4) iJpiii n^it'o n^'Vü. 

N. 1 (S. 25—30) besteht ai;.s 2 Capiteln: das erste ist das 
1212 nyK' ^:^' lb ]2 ycl.l^ 1\S-, das zweite anfangend ny2lJ^ 
]1V ]32 i^'^ Dnyii', endigend N""1 ^21 .i:n iy, ist einer alten 
Handschrift entnommen. N. 2 ist bekannt. Die Nummern 3 
und 4 sind mir uicht zugekommen; die erstere ist vermuthlich 
die Geschichte von David's Vater, ^vorüber die Quellen in 
meiner synagog. Poesie S. 129 Anm. a angegeben sind, denen 
noch ßamidbar rabba 9 f. 227 d und Machsor Vened. 1568 
hinzuzufügen sind. 



- 2:>o — 



3. Elasar b. Samuel und Elieser b. Samuel. 
(18(34) No. 37 S. 20. 2i. 

Zwischen 1190 und 1250 lebten vier Autoren und Gesetz- 
lehrer i^amens Elieser [Elasar] b. Samuel. 

1) Elieser b. Samuel aus Metz, abgekürzt CNI, Vf. 
des Buches □\ST. Er ist genannt bei .T'^ZiSn §§ 392 (]\san) 
und 394. 

2) Elasar b. Samuel aus Verona, Zuhörer R. Isaac's, 
der Grossvater des Philosophen und Arztes Hillel in Forli, 
welcher ihn Gaon nennt. Seiner biblischen Erläuterungen 
gedenken cod. Turin. 124 und cod. Rossi 255, Stellen in 
Samuel und Jesaia betreffend; Zidkia in "'b^ti' (5, 75, 79) und 
hieraus "llj^n (§§ 102, 594, 630) führen von ihm rituale und 
halachisclie Sätze an. Aus ll^N zitirt R. Joseph Karo zu 
Tur I, 59. Elasar aus Worms theilt (Rokeach 377) aus- 
fülirlich dessfu Gutachten iu Bezug auf die Gesetzmässigkeit 
eines Röhreiibades mit, wovon ein Auszug bei Mordechai 
(Schebuot n\Sip^ § 1078). Endlich befindet sich in.T'^DNn 
ms. § 901 dessen Bericht über einen Schiffbruch bei Pesaro 
und den dadurch veranlassten Tod eines Salomo aus Fano, 
auf welchen Bericht sich R. Elieser aus Metz beruft, um der 
Wittwe die Wiederverheirathung zu gestatten, was aber R. 
Elieser halevi nicht guiheissen wollte. Auszüglich ist der 
Fall von R. Ascher in einem Gutachten berührt, das nebst 
dem Bescheide R. Elieser's in den RGA. von Jehuda b. 
Ascher gedruckt ist. Auch berührt ihn Mordechai Ende 
mOD"'; seltsamer Weise heisst der Mann in beiden Stellen bei 
Mordechai : Elieser aus Verdun , ungeachtet kurz vorher 
NJmiC steht. Daher schon Mose de Trani in dem Streite 
mit Joseph Karo ClO"^2C r\")W Th. I N. 18ü— 188; p"n n"1t:' 
zu V'na. f. 51—59), und selbst Asulai (1^ Th. I N. 23 und 
39) Elieser aus Verona von Elasar aus Verdun unterscheiden, 
— welcher letztere nie existirt iat. Aus Verdun sind nur 
R. Jacob (cod. Lips. 6) und R Samuel (zur Gesch. 55) 



— 251 — 

bekannt. Die meisten Handschritten, auch cod. Vatic. Urbin. 
43, L^'h^n N. 57, Cod. Rossi 255, ferner Eiasar aus Worms, 
Elia Misrachi RGA. N. 82, 'bziJ' in N. 5 und 75, Rieti f. 105a, 
schreiben „Eiasar", und so stets sein Enkel. Elieser haben 
einige n"\S mss., codd. Turin 80 und 124, X^JH 73b und 77b. 
Aus "hz'il' ms. § 247 geht hervor, dass er mit Isaac aus 
Wien, der ihn befragt in T'N 755 gemeinschaftlich mit 
Jesaia de Trani, in Verbindung gestanden, auch zitirt ihn 
Zidkia noch in n"\S (§§ 9 und 48) und in D^:\N':n m'Vr2 
(§ 165). In einer Handschrift des ^"^^s führt in § 45 Abi- 
gedor hacohen einen R. Isaac ^^j^''V^ an, welches wahrschein- 
lich in J<riC zu emendiren ist, während umgekehrt Elieser 
n:m/2?2 (Gedalja Jachia 54a) heissen soll »Xn*!;;. David 
Confoite hat sogar einen Eiasar und einen Elieser aus Verona 
aufgeführt. 

3) Eiasar b. Samuel in Deutschland, der die Verord- 
nungen vom J. 1220 mit unterzeichnet hat. 

4) Im nzin n?2ri7C zitirt der Verfasser einer Streitschrift 
seinen Grossvater R. Elieser b. Samuel, beide Männer, 
wie es scheint, Schriftsteller und angesehene Lehrer. Er be- 
dient sich der Euphemie ^^''VTiZj und sciirieb um A. 1300. 
Vielleicht gehört dieser Elieser der Provence an. 

4. Das Buch THim (Wehishir). 
(1865) No. 43. S. 20—20. 

Den letzten drei Jahrhunderten des geonäischen Zeit- 
alters gehören verschiedeae, gänzlich oder theil weise, hala- 
chische Schriften, deren Kenntniss eine bedeutende Lücke in 
der Geschichte des jüdischen Rechts wie des Ritus füllen 
würde; sie sind jedoch nur aus zum Theil sehr spärlichen 
Anführungen bekannt. Ich beschränke mich hier auf die 
folgenden neun Werke aufmerksam zu machen, nämlich: 

Halachot mpiCD, Halachot mHiip, Halachot mj/'TtCp, Buch 
DZU'n, Buch C^bn: :"y lli'Z, Midrasch 'hz'^, die m2\-lD, Buch 

niyiypc, Buch THim. 

Die mpID? werden im Vitry-Machsor dem Jehudai Gaon 
zugeschrieben, jedoch grossentheils, wie von R. Gerschom, 
Gajat u. A., ohne Namen angeführt, da verschiedene Samm- 



— 252 — 

langen so hiessen. PlZlÜp kommen bereits in unsern grossen 
Halachot und in den Rga. der Gaonen (pliJ ''IV^ 29 a) vor, 
und sind angeführt bei Hai, Menachem in 21LD 7Dtt* Ms., Isaac 
b. Abbamare, Jesaia (r"12;2n N. 21) ; bei Zidkia (n"\X Ms. 75) 
bedeutet das Wort s. v. a. bei Anderen mpIDS- mj71tOp, welche 
an dem eben genannten Orte neben nmi»p vorkommen, kennen 
Tobelem, Elieser b. Natan, Maimonides, Isaac aus Wien (nbn 
§ 126). Das Verhältniss dieser drei Klassen gegeneinander 
ist noch unbekannt. ,,Haschkem'* hat alten Anführungen 
zufolge auch hagadische Bestaudtheile. Des D''7rü j"y "lti'2 
gedenken Isaac b, Jehuda (p")^ anon. ms. § 181), Machsor 
Vitry § 205, Hajaschar 225, Rokeach 227, Tosafot (Jebamot 
34b), Isaac aus Wien in Or sarua (Di::^ G05, r\h^l2 97, 98, 
rrnjJD 162, nDJDn n^Z 386); es enthie't unter Anderm Bescheide 
von Jehudai (Rokeach), Paltai 0"N Th. 1 N. 605 bei Ascher 
Rga. 32, 5; angeführt Meir Rothenb. Rga. 1022, y^'in nr2)'^r\ 
N. 219, 223), Natronai (VU mb^DN* § 422 A). Den Midrasch 
Waichullii nennt ein alter Commentator zu Neila, wie es 
scheint Joseph Kara, ferner Elasar aus Worms, Meschullam 
(riH2lpD zu Kamma f. 78 a) ; er enthielt Jelamdenu-Fragen, 
zum Theil mit denen in Tanchuma übereinstimmend, wie z. 
B. aus der Vergleichtmg des Aruch C^lt') mit Rokeach (§ 209) 
erhellt. Die fiDTiD kennt vor Isaac aus Marseille das Ha- 
pardes (21 d.). Das Werk mvi^p^n kennen Ephraim b. Ja- 
cob (Rga. Meir Rothenb. ed. 3 N. 318), Elieser b. Natan 
(]"2J<1), Elieser halevi (n"''ZlN'^), der letztere nennt es bereits 
nach R. Chananel [V'Ü. Th. 1 § 615); Isaac aus Wien jedoch, 
bei welchem es in den gedruckten Theilen 20 bis 30 Mal 
angeführt ist, fügt in der Regel keinen Verfasser -Namen 
hinzu, vielmehr wird an mehreren Stellen R. Chananel als ein 
anderer neben dem P1i?1!i»pC und Th. 1 § 79 selber darin ge- 
nannt (vgl. Rapoport n"l Anm. 36). — Was nun das "l^"l"[^^ 
anbelangt, so findet sich seine Spur bei folgenden Autoren: 
1. Jehuda hacohen verfügte mittelst Bescheides, der 
sich auch in seinem Rechtsbuche befindet (kurzes 
v2l*2N 25a), dass wenn Neumond Tebet am Sabbat 
ist, die Neumonds- und nicht die Chanuka Haftarn ein- 
trete (Hapardes 61c, Zidkia ^bz:^' Ms. 190, ed. 51). 
Seine Worte lauten ^HNUD n^mn n?D b\L' mpiD? n^DSlD"! 



— 253 — 

nnnp n'l n-i::?nt^ n^-'? TD. Das Gegentheil be- 
stimmten Jehudai's mpIDD mr^n (Rga. der Gaonen 
ed. Lyck S. 18, vgl. Hapardes 60 d, V'.S Th. 2 § 394) 
und Aniram's Siddur {]"2ia 79). 
2. Kalonymos aus Rom (über Ehebündniss vollzogen 
von einem Knaben, Hapardes 22a): 1j''2"1 2"in r]{<1 

3- Na tan b. Machir [s. Hapardes 21 dj fügt obigen 
Worten hinzu ^HNÜC n'^I ^^nin "IDDS ^Hi^^y ^21S1 

4. Pentateuchischer Commentar in cod. München 5. 

a) zu Exod. 30, 13: i^mcD 2'"^ Nn*iDQ^:D nb)v ni pii' 

]D \nj<y?:) Tnin. Dasselbe in Jalkut Exod. 105 d. 

b) zu Deut 7, 5 : ."n* mi^i? n\snpjn nüw nyz'vr^ inx n] 
D^itmp niin-:: Tmn m:i.s2 t^m: ■]d. Beide Stellen 

hat Herr Berliner im Israeliten 1864 S. 48 mit- 
getheilt. 

5. Eli es er b. N-atan: die Trauergebräuche betreflfend 

(§ 16) ^^'^^^^ -idddi myiLcp mD^nDi mbn: nirSiD \n:i^yi 

6. Tosafot (ChuUin 106b), vielleicht R. Tarn, auch 
Tos. Menachot 37a : aus dem ^^^^m über das Hände- 
waschen. Dasselbe in Semag Gebot 27 und bei 
Ascher zu ChuUin c. 8 § 11. 

7. Tosafot Menachot 109a (und hieraus Taschbez 196 
und Ascher zu Megilla c 3 § 19) : DIPD 1%nin "ISDD 

')2} ji^i'iO üDp^ i6) VÜ2 n.s Nii'^ i6 im n^^ni:* jnr. 

Derselben Meinung, die von R. Gerschom bekämpft 
wurde (dessen Bescheid in 1"X Th. 2 § 412), war 
Natronai Gaon (Hapardes 25 b, vHU' 13). Dasselbe 
in Aaron hacohen n"N* 109 c § 16, Col bo 128 f. 143a, 
Jerucham mm DIN 27d, wo bei allen dreien Tn^n 
statt "l%"lin. 

8. Elasar aus Worms, s. unten N. 13. 

9. Isaac aus Wien: bxnii'^ HN r\"2pn n\mm Tmn b")) 

Dn'p -iiDx n^iJ'n i-\22b nn: pp^'pncii' |m r\2\i'r\ na notri::' 
'Dl Dv myzo N'b.s p^hinb (r\s Th. 2, S. 7, n::^ 2^v § 11). 

10. Hiskia (n"''"inD) über die Benediction des Proselyten: 



— 254 — 

1\-lim pDi?]!"! (Haj^ahot Aschen zu Batra c. 5, § U). 
Eben so R. Ascher zu Biccurira c. 1: 1?D2 pD13 p1 

11. Meir Rothenburg in Pinor ni^^H § 38 (s. X. 5 
und vs^:n 93b): "^Tir^i^] "ison p^ptcp D^^bnz ^'^2 pi. 

angeführt C"n:n in SDvS c. 2. Auch n^^2T c. 3 § 13. 

12. Aaron hacohen a. a. O. f. DSc, § 13, über die 
Posaunenstösse am Neujahrsfeste: 2^2 "Vnzr] 'D1, wo 
also das Buch Bahir (Ritus 8. 28, Anm. m) cfestrichen 
werden muss. 

13. Eisak Stein (gest. 19. Sept. 1495 in Regensburg) 
bemerkt zum Semag f. 294a, dass Einige dieses Buch 
irrig Tnin nennen, es heisse THim, und so laute 
dessen Name bei Rokeach § 80 Ende [fehlt in ed.], 
Meir Rothenburg mr.Q'^' § 38 und Ascheri IK'Dn bz 
[s. oben N. 6]. Mit Mose de Coucy |N. 6], Ascher 
|N. 6, 7, 10], Taschbez [N. 7], Zidkia [N. 1], Col bo 
und Jerucham [N. 7] zusammen sind es mithin 19 
Autoren, die in dem Zeiträume von 1060 bis 1490 
dieses Werkes gedenken. Aus diesen wenngleich 
kurzen Fragmenten erhellt jedoch, dass dasselbe die 
Reihe der Farascha's befolgte (N. 4), neben Halachot 
und Scheeltot zu den mplDD gezählt wurde (N. 1, 2, 
f), 11), auch Hagada enthielt (N. 4) und den Namen 
"iVlTm nach dem Anfangsworte der Decisionen (N. 9) 
trägt, der also Wehishir, nicht Hasahir (zur Oe- 
schiclite S. 57, 161), auszusprechen ist. 

Zur Aufhellung des eigentlichen Charakters dieses Buches 
dürfte die Betrachtung des demselben ähnlich scheinenden 
Haschkem (DriJ'n, gottesd. Voi tr.S. 281) beitragen, welches bei 
den hier folgenden Gesetzlehrern und Schriftstellern vorkommt: 

14. Isaac halevi in Worms, Raschi's Lehrer, ertheilt 
auf Befragen dem iSatan b. Machir einen Bescheid 
über den Fall, wenn in einem geschlachteten Thiere 
zwei Gallen sich finden, und beruft sich ausser den 
Halachot Jehudai Gaon's nuf die D^t^'n n^DT mnb\S-^' 

(D^::ip^b Ms.). 

Das Haschkem enthielt demnach Vorschriften über das 
Schlachten und dies bestätigen das Werk Hapardes (31b, ^JN 



— 9 



J.O 



po p ]rrn i^hnn bi<^r2^' nox n-in^ "^."n arii'n -11:02 ^nj<5{D 

1DI nUT T:.'^:; nt'Tt: npDi;i IC^Z;^; der dort Sprechende ist N.itan 
oder Schemaja), f-iu nngciiaiititer arabischer Rabbi des 12. Jahr- 
hunderts (Steinschneider in Geiger's Ztsch. 186'i S. H06, 309; 
1863 S. 7(>, 77, 79, -SO), Jesaia de Trani (ynD?2n No. 10): 

DDK'H 'D2 i^i ^2^~ x^:d ^:ti'2i nn^ ^:^\t'2 ^nu?2 m':5n: niDbn ':'y2^ 

Jehuda b. ßlujamin harofe (^l^^^yc B)2bn Ms.: ^CT^ Dril'n -^SD 

15. Isaac Giat in den n^'pn S. 10: üllpl DDUM 2m'^21 

'121 np?2 nbnn2Li' nv'^ n^ j-'^'^jm nx ]^n^:'; ]^x U'-p^^'. 

16. Joseph Kara im Commentar zu den Worten y2L3 

D^-CDIi'Q in Kalir's rhnD -12' (Ncujahrsfert) führt die 
Stelle aus der Parascha D^'l:?K'^ an: ^l'V^ ]'^:''r\^'2^' 

D^*i:?ti' y2"is* p2y?^ cn pip^n2. 

17. Kill Coiuuientator der Seliclua "lj''2n citii't ebendaher 

zu 2"iynn'p: bi2^ v:: i:2"iiy npN* ]\n* dx i;"K'2"i -n -».»^x 
^:2')Vb; s. Midr. Ps. 119. 

18. Ein Commentar ]\la, zu Abot c. 5: m:X2 l^'i^ti' 1^2 

□M^xn nt:c xnp: i2br 1^21 n^'^ 'ptt* d^?2\"i ^12-1 D2it'n 
liniccn dij' v^y pipnn'. 

19. Isaac aus Marseille: 21*1: ripb21 D2tJ'n2 p1 (ir^Vn 
Th. 2 in p^^2n m2'?n § 8, f. 27a); dasselbe haben 
Ascher (]'hzr\ § 14) und Jerucham (mni DIN* 19, ."), f. 
170d): die zwei Benedictionen der Tefillin. 

20. Zidkia Ro f e n\S^':5inii' HD h'^' «TiCCl D2\L'n "15D2 ^aSÜD 
mtt'Cti^'n p2 (Trauergebräuche ms. § 17). Hieraus in 
x^jn 67 Auf. 

21. Anon. in N^:n zwei Stellen N. 64, f. 88b, N. 69 f. 96b 
{r2"nrc in?2 nx 12ipn und nyiCti* lb nnN2ü:* ^ü), wahr- 
scheinlich ebenfalls Zidkia entlehnt. 

22. Isaac Abuab im Leuchter: c. 30 von der Gewalt der 
Zunge; c. 51 von Aaron und Mirjam; c. 222, 225, 
229 von Richtern und richterlicher Gerechtigkeit. Ein- 
zelnes daraus, als aus „Haschkem", auch im "1D1?2n 'D 
(c. 15 und Anf. von Kap, 20) des Jehuda Claz. 

23. Israel Alnaqua im Leuchter (aus nJ22n n^'lt'isl ed. 
Cstpl.) : 

a) 262b üb^vn mcix i'?2^ N'S p))i!2 y2ti'2 nx nc 

b) 266a ^"2^n "'-!"'DbnQ T12br^2 n^^D. 



— 256 — 

c) 270b 'DI rh^V 'h -[i^io iSin nzi ]2 on'? ]m: nn« n"«. 

d) 275b 'IDT Dn: ]2 n\n dni . . . ün^-i n{NO\s ii ijin i<by 

277b, 280a, 282a (nnb: i6) von Richtern sind 
die Stellen bei Abuab. 

e) 282a: V'n J/'ti'lD Dn\S* p^-)i^W "IDNntr xb Vi ILDCt^'. 

f) 283a über Vergleich (nit^'D). 

24. David Abudarham 13c: nn?D :i"^D 1D1N bt-^VCti'^ DI 

nnyo i:d-i dpd p) y^ü d"iij DiLj'n :^-n^Di num: mmn. 

25. cod. München 232 I^. 11 f. 98 Habdala: DmiDD 

26. Abraham Seba in ll^n -ina ed. Vened. 1516: 

a) nonn 82 a: ":iD zni cDrn 'li-n^D nijnsn nxD 

b) ii2 Anf. rhvt^h 2^n2 no niz^ n?2Ni crii'n i^mcD iitns 
'Dl n'7]:n hn* n^'ii'm ]^:yn ]j2. 

c) npn f. 119b: D^TOI ]N'D2 D n?2N* DDliM t^m^^Dl 

'DI ^22 11 ncTikS' n"iD nvD^D yD"i«. 

.Das Haschkem, zufällig innerhalb desselben Zeitraums 
ebenfalls von 19 Autoren genannt, befolgt wie Wehishir die 
pentateuchische Reihenfolge (N. 16, 17, 25), wird neben Ha- 
lachot genannt (N. 14), enthält halachische Fragen (N. 14), 
überhaupt Plalachisches und Hagadisches, — so dass beide 
Werke gleichartig und auch nicht sehr verschiedenen Alters 
zu sein scheinen. Ein unerwartetes Licht wirft die Hand- 
schrift Cod. München 205 auf diese ungekannten Werke: 
beide, Wehishir und Haschkem sind ein und dasselbe, und 
der genannte Codex enthält davon einen bedeutenden Theil, 
nämlich auf 200 Blättern alles von Parascha Jn2 gegen Ende 
bis Parascha ^'ii'j Anfang, also 19 vollständige Parascha's 
der Reihe nach. Von den citirten Stellen sind in unserer 
Handschrift da: 

cod. f. 5b (N. 19), 16b (N. 23a), 27b (N. 22 c. 222), 28a 
(N. 22 c. 225), 31b (N. 22 c. 222), 32 a (N. 17), 34 b 
(N. 23e), 36b (N. 22 c. 229), 42a (N. 23f), 63b (N. 25a), 
76b (N. 4a), 92a (N. 15), 97b (N. 14), 108a (N. 14), 130b 
u. 131a (N. 14), 152b (N. 22 c. 30), 162a (N. 4b), 176b 
(N. 23d), 183a (N. 2), — also zwanzig Anführungen, wo- 
runter vier aus Wehishir, eine (N. 16 in cod. Rossi 655) aus 
beiden, die übrigen aus Haschkem beigebracht sind. Abuab 



— 257 - 

(c. 51) scheint einen abweichenden Text gehabt zu haben, 
da das was er aus Haschkera anführt (D''1D1 ]")nX2 1J"'yD ]D1) 
in der Handschrift fehlt, die dagegen f. 153a die ganze Stelle 
hat, die er nur mit 1ti^"TI D:n einführt (von ^IHD pJIl'l bis 
J^^'D rij?"1'iy?2) und welche auch theilweise in Midrasch Kohelet 
und Ps. 52 sich findet. Die Trauervorschriften, die in N. 5, 
11, 20, 21 berührt sind, kommen in unserm Codex nicht vor, 
eben so wenig N. 25c, welche der Parascha PpPl zugehört; 
die N. 8 ist gänzlich unbekannt (s. oben N. 13), N. 16 
raü'^ste ihren Platz in d<m Abschnitt über die Richter (Ms. 
f, 27 u. ff.) haben, jedoih wird dort nur allgemein ausge- 
sprochen (f, 32a\ dass gerechtes Gericht den göttlichen Straf- 
gerichten vorbeuge; aber Kara's Worte sind auch in den 
gedruckten Machsor-Commentar übergegangen. Von N. 9 
findet man f 91a nur die Eingangs-Formel HN r{"2pr{ THim 
r\2Wn DV nx t^np'p biNlti'\ worauf vom Kiddusch, nicht vom 
Anzünden der Lichte die Rede ist. Die Hälfte aller citirten 
Stellen, nämlich N. 1, 2, 5, 6, 7, 10, 11, 12, 18, 20, 21, 23 b 
und c, 24, 25b und c, würde mithin in dem uns fehlenden 
Theile des Werkes ihren Platz finden. 

Fast alle pentateuchischen Abschnitte in dem uns vor- 
liegenden Theile dieses Midrascli beginnen n"'2pi~\ ^\"lim, 
und zwar: 

rh^2 f. 6a : HN ]'^'-]ü'^i2 M^it' n^ii'H hv büT]'!''^ PN n"2pn "nMin 

nn'» f. 16a: p^')Z'b r\)i2'in r\y^'v bv b.snir^ n^x n"2pn -i\mni 

]:nnD bv "iioy'pi ]mtt'v'?i- 
DitoBtt'c f. 27b : mcvsb PCX ]n piti' D^*i2Dir pi:d':) n"Dpn Tnim 

nonp f, 56a : b])^ pipiun bv^ n))^^^^ bv 'pxTi^'^ pn n"2pn imthi 

pyi ]2i pnD ]2 i6i< Dnp^ xb onipm piQnpn. 
t^ti'p ^D f. 75b : i3p:i "iDXJir DH^bpt^ bipti6 'pxiu'^ px n"zpn -i\-nni 

'1D1 "11X2 inx2 ij^:iiM ri'^j "isr :£'\s. 
mp5 f. 91a: noxjr PDii'n DV px ti'np'? bxT^'^ px n"2pn ththi 

pM bv imDi ii^npb :^2Z'n dv px niDi. 
Nnp^i f. 97a: bv^' ^2 D^PH bv^ DiP by bxit^'^ PX .T'Dpn n^■^^m 

-:iDX p]iy 'pii' 1^21 n^n bi^ pzi p^pd. 
^i'^DW f. 127b: nx?3t2 ncp2 p ppppn*? 'pxiti'^ px p"Dpn p\nTm 

KDü p]iyci nxoü pip ]Di. 



— 258 — 

ymn f. I38a: nti'.si n.s^i:^ p i^'n^nb bin-,:" nx n^'^pn ")\mnt 

strnti' nz^y^ nzp:) in m':)^:^'. 
jJiiJiD f. 144b: i^r2D ]n^mrj?2 iit'nD^ti' biTiZ'^ ns* n"zpn Tnini 

nns' f. 154a: mnj: xti'^b «bti* nnyn by'PvSi^'i nx n"2pn Tnim 

"11DN f. 169a: ptT C^Hcb mxCtSH^ X^i^ D^^riDH n5< .T'ZpH THim 

nnzf. 174b: mztJ'm n^r^::' n^ti' •iC^Dtrn'? b^ir^ nx n"2pn ^nin) 

^mpnz f. 182a: ir:^)! hv "n^"^' ^o bzz' hayz'^ nx n"Dpn n^im 

nxi nirn?2 zihd izk* d'7^6 z^^n "n:. 
"izic: f. 190b : ti'-npo -nrz i*? nbi:ii' ^c ^n-TlI'^ nx n"2pn ynin) 

Nii': f. 196a: zipz i^iJ' Sipn PN* 'pzb ]inx ^^d nx n"2pn -i\iini 

Die Parascha X2 ist defect, bebt bei den Worten an: 

nüint^'D jbv py^' "i^yi y-^'b nz'piJ'inii' nytic ["in^r^'t^* d^^dh] 

^T bv ^pb'^'^ p 1J\V n-i?2n nx. mün (66a) und D^li'np ( 161 b) eröffnen 
mit einzelnen Erläuterungen, bnp'^'l (<^7a) und liJ (118b) mit 
halachischen Vorschriften, erstere: i^nb bi^'Wl'^b Dnb liDXl 
n^N D^sbx ^Jti'C -in? nzit'Z, letztere: niinz plDJ?^ bxTu!*^ ]^D^^ni 
'pn Tnim 'D1 D^~Dn mb^D^ZI. Auch im Fortgange des Vor- 
trages kommt das ^nm vor, so 35b: bv n"2pn "i\mn ■jd"'d'? 
pnn, 39b: ncrn dhz ij"»:!' pr^-i nifV^' micS 'pn Tnim, i98b: 
p n^z'p n2^':'V2 ^^-^ inti'xb vx:p?2ts' ^c bzii* n"2pn Tnim. Die 

Schlacht-Vorschriften in Cod. Michael 533 beginnen ebenfalls 
bt^lti'^ nx n"2pn "l\~*n und stammen vielleicht aus unserm 
Midrasch R. Elieser aus Metz gebrauclit den Ausdruck 
1%"lin nur bei Verboten. 

Die halachischen Auseinandersetzungen betreffen in XZ 
die Tefillin, in rb\L'2 die Sabbatruhe und znV ^Jn, in nn^ die 
mit dem Dekalog zusammenhangenden Gebote, in D'^L^Dlt'P 
die Erfordernisse des Richters, in n^nn (56 bis 62a) die 
Priestergabe, in Slp""! und ''Hp? den Sabbat, in X'lp''1 das Thier- 
schlachten, in lii den Eid und gerichtliche Zeugen- Aussage; 

in ^:i'^^ werden msn'i: mzSi , in jjnin die nnbv Tn, in miJo 

die nx^lC ^n, in 'IHN' und D't^'Hp die verbotenen Ehen, in 
Viipinz die Gelübde, in 1Z-;;2 die 1)22 ^j^ abgehandelt. Auf 



— 259 — 

das Halachische folgt Hagada, zum Theil der Pesikta, dorn 
Tanchuma, der Mechilta, dem Sifra entnommen. In D^tODti'D 
ist der ganze, theilweise der Mechilta entnommene Abschnitt, 
der gegenwärtig das 4. Kapitel dos Tractats D'''^} bildet; in 
der Parascha miin sind Abschnitte aus der Baraita von der 
Stiftshütte; "liJ endigt mit dem □l'Pti'n p*^D. Zuvor aber werden 
mehrere halachische Fragen aufgeworfen, genannt schwebende 
(nnvnn m'^'Mi', niDSl), welche nach Beendigung der Hagada 
ganz mit den in äimliciieu ^clsriften gebräuchlichen Formeln 
(Gott. Vortr. S. 235) beantwortet werden als: 

r\"2pn, f. 27 heisst es DD^J^D IJ^N^'L^* m^Nl^'H pybl Diese 
Wahrnehmung und das f. I52b vorkommende Hti'G "jD"'D7 
bN-lti'^ HvV 1\-!]Q (vgl. 53a "i'niO sin CipO ^DDK') erlauben anzu- 
nehmen, dass die Worte Drt> "l^>n ':'^nt:•^ HN* "IMTC Hit'O "jD^sb 

•p.s")!:'^ n.s niDi^ n^iui' n"2pn br:' rcu' inzn^ o^b Dnnp^i, deren 

Salomo b. Simson (Hapardes 45a) sich bedient, in dieser 
Gestalt aus dem Wehishir, nicht aus Pesikta (Jalkut Levit. 651, 
vgl. Tanchuma Ende D't^SIU') stammen dürften. Die Aus- 
dehnung unseres Midrasch über den ganzen Pentateuch ist 
möglich, wahrscheinlicher jedoch, dass er mit Exodus ange- 
fangen. Der Vers DDüTI mag die Introduction zur eröffnen- 
den Hagada gebildet haben, zumal auch in Schemot rabba 
auf jenen Vers unmittelbar TilN imm "j^ folgt. In vielen 
Fällen entscheidet der Autor, nach welchem Talmudlehrer die 
Halacha festzustellen ; den Ausdruck Piynn 'pip^* (vgl. Rapo- 
port: Nissim Anm. 11) erläutert er f. 41a. Vom Oberhaupt 
in Babel wird gesprochen, als sei ein solches noch vorhanden. 
Alle diese Umstände, der Gebrauch der hebr. Sprache und die 
künstliche Verbindung neuer Fragen mit alten Satzungen 
erlauben nicht, das Werk über das Ja ,r 880 hinaufzurücken; 
vermuthlich gehört es dem zehnten Jahrhundert und dem 
europäischen Süden an. Die Handschrift endigt in den 
nt^lD riDTTI bei den Worten HD DJ H^X'; sie galt mehrere 
Jahrhunderte hindurch für Jelamdenu : das ist wenigstens auf 
dem ersten Blatte und dem Rücken des Einbandes zu lesen 
Der Beschreiber der Handschriften vom Jahre 1838 hatte das 

Glück, dass damals der Codex ausgeliehen war. 

17» 



2m 



5. Nachlese zur Spruchkunde. 
(1869) No 51. S. 86—89. 

1. n'^Z'V nnvS ^2 bV "hv^ ninz nny'P D^2n\X, Freunde in 
der Noth gelien zehn auf ein Loth (Bensew Wörterbuch 
Art. Noth). 

2. n"t:nn n\Cl2p nnnj< Zwist bringt Reue (Perlenauswahl 
§ 3; dorther in der Sammlung D^'n P^niX Th. 2 Abschn. 80 
und Briefsteller ed. Augsburg N. 17). Im Zucbtspiegel lautet 
dieser Spruch : 

3. r\"2pn p vxbx •^\S bt^' lan ]^N (Bereschit rabba c. 68, 
Jalkut Richter § 70) ist unser: Ehen werden im Himmel 
geschlossen'^, was bereits Samuel (Moed Katan 18b) be- 
hauptet. 

4. n^y^ iX""!: ]"'X (Dukes Spruchkunde S. 90) führt auch 
Salomo Almoli (P]DNV2 Vorr.) an. 

5. Dn^^l?0 D^ynp D^~22ü Dn;2 Kleider machen Leute. 
Den Spruch CmDZ CI^'JN* '^'^i^ aus Tr. Derech erez führt Tan- 
ehuma (bei ^''-H 15a) aus Sirach an. 

6. :mxn ir: 'p^)in rV2 (Briefsteller N. 35 und 48) 
stammt aus der Perlenauswahl § 43 und ist auch in ''1D1D 
D^EIdb^rn 2, 21, Buch der P'rommen § 184, Sprüche (Testa- 
ment des Jeh. Tibbon) ed. Steinschneider N. 107 und sonst 
aufgenommen. 

7. ncn: ''ir. li'\S* N'yr^'' x:ri£ri nyi2 des Feindes Unglück 
ist ein halber Trost (Josippon S. 693). 

8. HPjyb "i:n nx: (Parchon Lexicon v. DIJ?), sowohl 
im Wissen als im Besitz ist Hochmuth mit Armuth verbunden. 
Verwandt ist das talmudische: Armuth ist ein Zeichen des 
Hochinuths (Kidduschin 49b, Sanhedrin 24a), obwohl dort 
nur Wissens- Armuth gemeint sein soll. Vom hochmüthigen 
Armen spricht schon Sirach 25, 4 und Pesachim 113b (Gott. 
Vortr S. 10 ;). 



— 261 — 

9. n2"in Düiy^D D^t^'jm ^br.m tr^<m 2^\S'n, Feinde, Feuer, 
Krankheit und Weiber sind wenig schon viel (Aldabi v^DlJ^' 
nj1?2f< 7 f. 102c). Eilf Dinge, die nur wenig gut, viel schlecht 
sind, s. in Dukes Blumenlese S. 239. 

10. inv DIHsS noNH (Chisdai Crescas, Or Adonai, Vor- 
rede gegen Ende, f. 26 Wien; Isaac b. Scheschet RGA. N. 104 
und 415 Ende, 271, Bezalel RGA. N. 22, Tarn Jachia RGA. 
f. 32a, Joseph de Trani Vorträge Abschn. i^lW "'Ti) ist das 
bekannte von Aristoteles stammende araicus Plato etc., das 
vollständiger in Sabara's HTin DPDC c. 7 Ende, Salomo Duran 
RGA. N. 34 und sonst zu finden ist (]1L:bs^* DJ? r^l2>6 2^1 
-inv DinN ncxn -|.X irDIHvS Dn^Jt^l). Vgl. auch Sal. Almoli 
p]DND 24a und RGA. Chajim Jair N. 9. — Bei Salomo b. 
Simeon Duran RGA. N. 504 Ende und Salomo Zeror RGA. 
^. 5 heisst es: H^il^'^^D n'p ncXH- 

11. n\sn pnn ]\S m?0D"ll??2n (Dukes, Oz. Nechm. 11, 113, 
Philosophisches S. 29) David Gans Chronik Th. I Ende. 
Auch: niDD^nScb u. s. w. (pnii^ ^HD, V 72a). ]\S ni?:Dl1B?3b 
niN 1"'"lii' Elia Levita am Ende des Aruch ed. 1532. Vgl. 

D^cyn br DH^by ic^ro^ mDD"n?Dn (Arama nti'p mm c. 5). Die 

Quelle ist Maimonides ]V:r\ nibo c 8. 

12. n^j^n rh:r\ l^n^l^'D D^23:n (Immanuel c. 11 S. 101), 
ohne Nachweis bei Tendlau Sprichwörter N. 906. 

13. n^nn ncioi r\2ni< nn^:j\si nxibnn Leihen langt mit 

Liebe an und endigt mit Zank (Tachkemoni c. 44, D^CZn '•bti'O 
N. 18 und Verwandtes in ed. Steinschneider S. 20 N. 16 und 
31). Ist auch im Zuchtspiegel und bei Neueren, z. B. 7li 
nüy^^n 8a, nnz: n^Z 17. Vgl. Briefsteller N. 50. 

14. |ri:^ti' ']21 bj bv bnnn (Dukes Blumenlese S. 967 
Philosophisches S. 75) ^:i^Dyn b^l2 Abschn. 2 f. 44b, wo auch 
mit "'jt^' ^1?^ n:injnn mcnn die zweite Natur der Gewohnheit 
ausgedrückt ist. In Deraschot ms. eines Ungenannten aus 
dem XV. Jahrh. f. 38b: ^:ii' V2'C NIH ^3 ]1tob*w^ "121 b^ bj? bmm- 
Vgl. unten N. 45, Bechai, Pinchas f. 196d, IIHN* 2D2r2 S. 16. 

15. "12yn 1^^b?2m -l^nyn ^ro nrnn. Von der Zukunft 
lügt der Prophet, von der Vergangenheit der Dichter (nach 
Oweni epigram in ata). 



— 262 — 

16. L-innm "inoi b)i:n^ jncn ist aus der Perlenauswahl 
(§ ^> ^S^- §§ 9, 43, 61) in den Briefsteller N. 28 übergegangen. 
Aehnliches von zu bereuender Uebereilung haben □"'DDP! ''bti'D 
N. 35 und nno ]ipn 4, 4. 

17. nv:y ^T^ NS ]^JDD poiyn (Raschi Sota 12a, ü^ipT Tiri 
25a) ist die Variation eines talmudischen Spruches Jebamot 
63a (Dukes Spruchkunde N. 70). 

18. np^N i^n:n pn ]21 Kaufe und verkaufe (ohne Gewinn), 
heisst du Kaufmann (Mezia 40b, Batra 90a). 

19. Cyzh D^irin Cnit'n |n Herrengunst Aprilwetter 
(Bensew Wörterb.). 

20. ^lin die Hälfte von ') ™^^^ s- Dukes, Gabirol S. 64; 
») nn^nn in nnzn Anfang und Dnc^O der Philosophen 1, 10; 
3)b2n s. Dukes Philosophisches S. 123 1), *)piD^Dn und ^)b:iWr\ 
in "inZQ Anf.; «) Hcn: s. oben nn2, unten "lyü; ') HLri::' in 
"irc?2 § 18; ^)imxn in dem Spruche, dass keiner auch nur 
die Hälfte seiner Wünsche erreicht; ^)n2'lti'n s. unten ri7i<ti'. 

^^)ir~)iV in y^:n^ -jbcn p c. 13. ^^j^mx in iijn 'd ed. 1516. 

i8)bt^n:i'^ s. Lsr. Brunn RGA. N. 148. ^3) u) g. unten S. 265. 

21. 'Cy ^yü2 ^l'pn irCin ^D i:\snn 2X3^ 1;^\SD (Briefsteller 
N. 5) ist dem Spruche „dem Kopfe folgt der Körper" (Dukes 
ßlumenlese S. 135) verwandt. 

22. nilt'p n^nnn hD „aller Anfang ist schwer''; Mechilta 
nn^ c. 2, Jalkut Exod. § 276, Raschi Exod. 19, 5, Tos. 
Taanit 10b (nachgewiesen auch von Weiss zu Mechilta S. 71), 
Jacob Landau Nachwort zu Pss. Neapel 1487, Almosnino in 
HD yüüD 176a, Wessely PCX! üt^ nZT Th. I c. 8. Ist ohne 
Nacliweis bei Buxtorf (vnp), dem Zuchtspiegel und Tendlau 
(N. 740), fehlt bei Lampronti. In Zarza's D^^n lipo (13c) 
heisst es: nnb^ n:\S njlJ'nn nSnnn; Kalonymos (]n2 ]DvX Anf.) 
schreibt: P^^V my,nn bnx. 



':>Dn "'UnO nnV X\"l nSnnnn von Aristoteles; vgl. Horaz ep. 
2, 40 dimidium facti qui coepit habet: s. Büchmann gefl. Worte S. 161. 



^ _ 263 — 

23. Die Sprüche bei Dukes Blumenlese N. 421 lauten 
im Midr. Ps. 48: nn:D jnCNT nüD J<bN' "{Üü. moNT r\DD i6 
(angeführt in Fürst Perlenschnur S. 11). 

24. njJDtr ^:0^1 nn in'? ixb wiederholtes Nein ist einem 
Schwur gleich (Tr. Schebuot 36a). 

25. Z"in übiyn nxiJ': C^y:nii'Cn ^bl'? „Wenn die Menschen 
nicht wie unsinnig für Vergängliches arbeiteten, bliebe die 
Erde wüst'' führt Mairaonides in der Einleitung zu Seraim 
(ed. Amst. 94a unten) an; vgl. P]DD niDy S. 112, nHQ H^D 17a, 
Dukes Gabirol S. 90. 

26. innx inyi DH.X yb\^'^ bx Qb)vb empfiehlt Maimonides 
im Schreiben nach Marseille. 

27. D'2rC2 DIX pDI^ D^iyb (Batra 109 b). 

28. tiU'UnD Nim N:DNa, bei Dukes Philosophisches S. 28, 
ist aus Midrasch Ps. 19 und Jalkut Deuter. .S03a unten. 

29. yzn ny yzn 'pDb ,-ip3 ny npim.XD „Morgenstunde hat 
Gold im Munde" (Bensew Wörterbuch), 

30. NH^'? 'T2: wSn Nn^b «mc wird als Sprichwort im Brief- 
steller No. 4 angeführt. 

31. '?^■^Z?2 rmjir b\nii;2D icrc:^ ^Q als Sprichwort in Na- 
gara biTW^'^ 'ü^ü 167b. 

32. D^lJ'pi Dpicy D^Ii'nn Cr^ „stille Wasser sind tief" 
(Bensew Wörterb.); ältere üebersetzungen giebt Dukes Spruch- 
kunde S. 88. 

33. P^d: i6 ii2lD NIU n:^'^2 ND':5DD (Seder Olam c. 25, 
hieraus Tos. Megilla IIb). Für eine Variation dieses Spruches 
wird von den Commentaren njriD m2PC D^'Nl'PTD "'jDN und von 
dem Verfasser des pmi ]vO jerusal. Schekalim angegeben; 
allein es findet sich dieselbe nur in En Jacob zu Schekalim 
§ 45, woraus sie auch vom Zuchtspiegel angeführt wird. Vgl. 
Dukes Blumenlese S. 138 N. 192. 

34. D^nno D^:-1 mpbo „foule Fische und Schläge" (Com- 
mentar "T'ZDDn zu Selicha "'DN':'^). Vergl. Dukes Spruchkunde 
S. 2, Tendlau N. 627. 

35. v:s vv^ i^'^D 21Ü v:y itoc (D^yiti'yii' 'd Ende), vgl. 

Horajot Ende, dass ein gelehrter Bastard dem unwissenden 
Hohenpriester vorangeht. 



— 264 — 

36. HD« 2'p2 nm n^yb ""nn: in einem Gedichte Imma- 
nuels (c. 20 S. 183), welcher das „reichst du ihm den Finger, 
will er die Hand" ausführt. 

37. njDD n'^)^ I^D ]^2D Q2^r\ V. pD) wird als ein ge- 
meines Sprichwort aufgeführt und war schon bei den Griechen 
üblich (Buxt. Lex. v. n:2D). 

38. m?2 ncn b^p ^21V (Immanuel c. 20 S. 180), daher der 
Satz, dass Vorsänger Narren seien (Tendlau N. 821). 

39. ncn: D^2"in nya (-ji^nn 'd § 327) oder ncn: '•ifn 

(nr^bw nrh 171a und Dukes in Ozar nechmad Th. 2 S. 111) 
lautet auch ncn: D^D"! mü (Elia halevi RGA. ]'\r\i< ]pT N. 38 f. 
36d)*), meist non: ^i»T, (Dukes Spruchkunde S. 18, 19, 90) ist 
das solamen miseris etc. bei Mario we im Faust 1580, s. 
Büchmann geflügelte Worte S. 158. 

40. □"•XnSn b''V^ rhzpn (Leo de Modena in Ari nohem 
c. 2). 

41. i^n'p^pz l^pbl ^«nb^p Nllp wird in Hapardes 22 d als 
Sprichwort aufgeführt: „Essen sie aus einem Topfe, bekommen 
sie auch zusammen Schläge". Von dem in Vajikra rabba 
c. 15 und 16 vorkommenden NTlp NIHD bzNl jedenfalls ver- 
schieden. 

42. ^r2)iV 'PHN [oder Znp DIN*] DIN* znp „Jeder ist sich 
der Nächste," s. Sanhedrin 9b, 25a, Jebamot 25b, Raschi 
Ketubot 18b, ^iSl m:c 73b, Briefsteller N. 50. Ephod S. 194 
verwendet das 2l"!p "inx bj u. s. w. Selbstsucht zu schildern. 
Bei Tendlau N. 287 ohne Nachweis. 

43. I^^V t21ti*p ist auch in Midr. Ps. 53. 

44. D^:3 zn u. s. w. (Spruchkunde S. 49) auch Batra 
110a, Tr. Soferim c. 15. 

45. ^jii' V212 t<in :in'jün 2n {'p'h n-y i, 3, 4). Vgl. oben 
br)nn. 

46. r\2Wr\ "»iTi D2n nb^'^:' (Üabirol S. 63) führen auch 
Mose Alaschkar (RGA. N. 42 f. 104b) und Elia halevi (RGA. 
N. 71 Ende) an. Simeon Duran RGA. 2 N. 52: • • • • JV^lbii^ 

r\')üb\:; m^llt'n als Compliment . 

*) In Ben«ew's Wörterbuch Art. Qn:n : morij ^ÜH Pli:"! nHü- 



— 26Ö — 

47. D^Sn DDCO D^E)^y:t' „Gedanken sind zollfrei." 

48. rhDJlü rhn^r\ Hoffnung trügt. 

49. ybb nnnxi nji^nob pid^phd n'pi'p pij' dSd^ onb |n 

ipnit'^ DnjJDnxi Gib dem Hunde Brod, der Thüre Oel, dem 
Zänker Schläge, dem Spötter eine Pension und alle vier 
sind still. 



6. Zweite Nachlese zur Spruchkunde. 
(1875. No. 85. S. 9—11)). 

11. mx l^iJ ]\X mOD^nSDb (wegen des Reimes). Asaria 
de' Rossi citirt den Spruch aus der lateinischen Ueber- 
setzung zu Daniel, s. Meor enajim c. 34 gegen Ende. 

14. Auch Cicero (de finib. 5, 25) sagt, dass eine zweite 
Natur durch Gewohnheit hervorgebracht werde , und dasselbe 
wiederholt Schemtob Palquera (mbyon 'D ms. S, 51). 

20. 6) Has Versprechen (nni32n) des Gerechten ist 
halber Trost. 10) "i^y (Prinz und Derwisch c. 13). 11) 
2mx ""lin nur einen halben Freund hat ein Philosoph sein 
ganzes Leben lang erworben (113n 1DD ed. 1516). 12) Wo 
ein halber Jude besser als ein ganzer sei, lehrt Israel 
Brunn (RGA. N. 148, 13 u. 14); dass Gott uns bewahren 
möge vor einem halben ÜDfl und einem halben XDH, Gazzali 

(pnü ^jixD s. 190). 

50. iX2n übiyb i^iJ'np mn □':nyn ::: (Immanuel miDna 19 
f. 170 b). 

51. 1"'"12''XÖ inx jzn, ein Sohn ist eins von des Vaters 
Gliedern (DIlDn 41 b). 

52. Der Aitsspruch 7lQ2 "'W 7Dn — eine Ausführung 
des Satzes in Tr. Sabbat f. 156 a, dass blü klug und reich 
mache — haben Autoren um das Jahr 1300, als Sohar (Ab- 
schn. n^U'xni! Col. 150, X'^T'i Col. 221 mit dem Zusätze l'P^DXT 
^DMS min n^D), Bechai Commentar "jb^l, das Buch m\XD 
ü^ry (Dukes Spruchkunde S. 32). Verwandt ist Rawa's 



— 26(3 — 

Ausspruch (Moed Katan 28 a) : Leben, Kinder und Nahrung 
hängen vom /TO ab. 

53. mrj; lin 2^irn'? ]r2m pn (Lehren der Philosophen 
2, 1 f. 8 a). 

54. Die Zunge ist eine Feder des Herzens (Herzens- 
pflichten 2, 5), eine Dienerin des Herzens (Lehren d. Ph. 7a)- 

55. Freundlichkeit (CJD n"12Dn) ist ein sicheres Zeichen 
der Freigebigkeit, gleichwie die Blüthe die Frucht ankündigt 
(D^Ti mm.X ms.) ; stimmt mit Perlenauswahl §§ 20. 38. 42. 

56. n^HNH n2D -IDH Hc'pyn (Lehren d. Ph. 8 a): Be- 
wahrung eines Geheimnisses erzeugt Liebe. 

57. msb yi:m lyub hdt nsn wird in xn n:yD 12 a als 

Sprüchwort angeführt. 

58. C'V\ □^21 i6) D^y^iD 1f<S1^ wird als b^D von Joseph 
Kimchi (Sprüche S. 28) angeführt. 

59. onnon p^^ D''']2ir\ 'ppit^-tr ^d (G^^n n^mx ms.) ; die 

Perlenauswahl Cap. 18 fügt V^^''^' hinzu. 

60. D^jD IK'yi m2N rW^'V^D (s. Steinschneider hebr. Biblio- 
graphie II N. 11 S. 93 und II, und in Jeschurun hebr. Th. 
8. S. 41) haben auch Sabal (bei Pinsker S. 40), Abenesra 
(Gen. 9, 18) und Immanuel (c. 1 f. 7 a der nn^HD). 

61. Zu Gen. 47, 12 fülirt David Kimchi das Sprüchwort 

an: ^L2n DFibn 2p~n pDH mj?cn 2p1, womit zu vergleichen ist 
])ü72n 2pn D^:2n 2n (Lehren der Ph. 2, 22 f. 18 b). 

62. n^nzn Dn^D:yi b2t^'n D^r:yn ii"it^ (Lehren d. Ph. 1, 15). 

63. Auf die Aristotelische Ethik sind die Aussprüche 
über Zusammenhang von Plan und Ausführung zu beziehen. 
Es gehören dahin: n2tiri^n ^^D N*in nti'yCH nbnn (Jehuda 
Tibbon zu den Herzen^^pflichten 2. Vorw.). «in n2I2'nQn rhnn 
nu^'vr^n f]}ö (lüb^ 33 b. 122 b), npM vbv\2^ n'^VT:^r^ ^1D Nini 
!i2wnr2n rbnr\ [inb^ 163 b), nii-yon ^)d'\ nz^nün rbnr) (n:iD{< 



2H7 — 



riD-l S. 93). Schemtob Palquera in l^'p2;^n 42 b erklärt wie 
inDltTlQ n'pnn irWl'V^ ^^D sich in den Worten des Aristoteles 
bewähre. Vgl. Dukes Philosophisches S. 68. Merkwürdig 
ist R. Meir's Ausspruch (Midr. Kohelet 88d) n^^"'') rbül n^D^D. 



7. Mose Cohen b. Elasar. 
(1869) No. 52 S. 113 u. f. 

Der Verfa'^ser des im Jahre 1866 in Warschau gedruckten 
Büchleins D^^^DH (17 Bl. kl. 8) hiess Mose Cohen b. Elasar ^), 
schrieb A. 1473, lebte in Deutschland, wahrscheinlich in 
Coblenz, wohin ein R. Nachlieb (7b) gekommen war, der 
jedenfalls jünger als der von Jacob Weil genanote Rabbiner 
ist; vgl. Namen der Juden S. 68^). Seine Oheime, Ascher 
und Chajim (6b, 8a, 12a, 14b, 16b), waren seine Lehrer, 
letzterer A. 1482 noch am Leben, wenn die Jahreszahl (6 b) 
richtig ist. Seines Vaters Bruder hiess Eljakim (10b). Dieses 
Buch heisst im Nachtrage des handschriftlichen Oppenheimer- 
schen Katalogs HNJ nroin, in dem Kataloge ed. 1782 f. 4 b 
b^Dt^DH 'D i<"ip: Dn^Dn, in dem vom Jahre 1826 Dn^DH "IDD 
(cod. 1257 Qu.), allein der daselbst genannte Schreiber Mose 
B. Isaac Cohen gehört zu dem HTT'Dnn 'D cod. 727 Q. Die 
Herausgeber, die tlieils Unrichtiges theils Unnöthiges sagen, 
machen aus dem Verfasser, den sie einen Neffen des Rabbenu 
Ascher nennen und in das vierzehnte Jahrhundert versetzen, 
einen Abschreiber. Deutsche Wörter findet man etwa fünf- 
zehn {6h, 7b, 8b, IIb, 15b, 16b, 17 ab); l^'c'piD (6a,b) heissen 
vermuthlich die am Hochzeitsabbat üblichen Bibelverse ah 
Introduction der Epithalamien. 



8. n"\S und r\"V2. 
(1870) No. 56 S. 49-53. 

Die Lehren der hebräischen Propheten von <T0ttes All- 
macht und seiner Liebe, die Ermahnungen der Psalmsänger 



*) liybx ^I"l. f. l^a ist nZtf in DZti'"' zu verbessern. *) Obea 

Bd. II S. 41. 



— 268 — 

zum Vertrauen auf Gott, ohne dessen Beistand alle Mühe der 
Sterblichen vergeblich sei, wurden Spruchregeln der Weisen 
und den nach solchen Regeln erzogenen jüngeren Geschlech- 
tern vertraute Redeweisen. „Alle Mühe der Bauleute ist um- 
sonst, wenn Gott nicht das Haus bauet" (Ps. 127, 1). „Befiehl 
Gott deine Wege und sie gelingen" (Ps. 37, 5). Dasselbe 
wiederholt der Verfasser der Sprüche (16, 3). Zur Zeit des 
Chronisten (I, 15, 26^ waren Ausdrücke wie „unter gött- 
lichem Beistande", „mit göttlicher Hülfe" bereits in die ge- 
schichtliche Darstellung übergegangen. Das „so der Herr 
will" als Zusatz, wo von menschlichen Vorsätzen die Rede 
ist, hat schon der Brief Jacobi (4, 15). Bei dem starken 
Vertrauen auf göttliche Hülfe und der kräftigen Hoffnung 
auf Rettung, die beide Israels späteres Schriftthum und dessen 
Gebete erfüllen, kann es daher nicht auffallen, wenn man 
den frommen Ausdruck ,,wenn es Gott will" zu einer re- 
ligiösen Verpflichtung erhob, die von den Juden in den Koran 
übei'ging^). Das Buch des ben Sira^) begründet in zwei 
Erzählungen die Vorschrift bei jedem Vorhaben zu sagen: 
„wenn Gott es beschliesst"; wer solches unterlasse habe kein 
Glück. Aehnlich drückt der Midrasch Leolam ^), an Sprüche 
19, 21 anlehnend, sich aus, und im Buche der Frommen 
(^§ 542) heisst es: Man äussere nichts ohne überzeugt zu sein, 
dass es dem Willen des Schöpfers gemäss ist. ,,Gott wollte 
es" wird vom Verfasser des Malmad (f. 59 b) als übliche 
Redensart angeführt, gleichviel ob die Menschen Gutes oder 
Böses treffe. Daher finden sich die Voraussetzung göttlicher 
Zustimmung ausdrückende Redeweisen in den jüdischen Schrif- 
ten des Mittelalters, bei Nissim, Bechai, Joseph b. Zaddik 
und Späteren , in denen man sich der Entscheidung (Hli;!) 
oder dem Willen (jliJ"!) Gottes unterwirft. Zu ihnen gehören: 
Glt'n -m:i^ DX (ben Sira), Dti'H 1*1: DX (daselbst; Joseph b. 
Zaddik S. 29, 52), D^^n^ 'n mir DvX (pHÜ^ nnbin Ende, nv^^ 
ü^:^y 67d), ^^nz hi<r\ mr DX (Levita Vorrede zum Meturg- 
man), «"IISH "mr DX (Maimonides Briefe 7 b), DipCH miJD 
(Midrasch Leolam), D^"l'?^s^'^ nilJlD oder XlDn (Herzenspflichten, 



') Geiger, Was hat Mohamed u. s. w., S. 92. *) ed. Vened. f. 9b 
und 10a. 3) § 12 in Israel Alnakawa's ch)]} IIX. 



— 269 — 

Abschn. 4 und 8), an. 'm ii^D^D HTTJD in Targ. II. Chron. 
33, 13 erinnernd; daher die Abkürzung n"J2, die bei David 
Kimchi v. '^"IX, Catal. Leyden p. 312, 313 und oft l)ei Estori 
Parchi, z. B. c. 5 (Ha),' 10 (38a), 14 (ößb), 51 (110b) zu 
finden. Serachja halevi aus Toledo hat: 'hv 'H^ ül^'H ll^^r DX ^). 
Die an den Willen Gottes sich anlehnenden Formeln sind: 
n)bün n)i)^ DX (Nissim nn^cn 4b), Dlt'n n-Ü']^ DN (Tosaf. Aboda 
31b, abgekürzt n"\S; Briefsteller ed. Augsb. N. 18), pü"ll 
N'^jH (Josippon S. 738, Herzenspflichten, Abschn. 10.), 
bxn piinD (n^-i nilCvX S. 49), 'n^ Dli'n ]1!i-iD (Cod. Turin 41 
p. 229), wozu auch des Malmad Dlt'n ni»"l p gehört. 

Der Ausdruck ^^"'Dli' ''Dn"12 war bereits bei den Gaonen 
üblich 2) und kommt auch bei Nissim, Isaac Gajjat und 
Abraham b. David 3) vor. NnnDti'in n^T ^^n^D hat Todros 
b. Isaac (n^lJ ^ti'n^n ms. Ende), ^:'rhi< ICHD CT^lvS' schreibt 
Hadasi (c. 55). 

Die weiteste Verbreitung und die häufigste Verwendung 
err:!ngen sich indessen die die göttliche Hülfe voraussetzen- 
den Redeweisen, wozu Inhalt und Styl der Psalmen den Grund 
gelegt. Des aramäischen ^''Cti'T xny''''D2^) bedienen sich Sche- 
rira (Sendschreiben an Nissim S. 24), Alfasi (Batra 8 f. 63b) 
und Spätere 5); DHU ^Cl^'C JJI^DD hat R, Natan^), bj piN yi^D2 
schreibt Gerson Soncino'); T1J?Dn yti"'D der alte Commentar 
der Chronik (Frkf. a. M. 1874) S. 25. 37: aber den Platz be- 
haupteten "liyD und miJJD bereits bei Autoren des 10. und 11. 
Jahrhunderts, bei Donolo, Josippon, David Mokamaz, Me- 
nachem's Schülern, Hai, Nissim, Jacob b. Rüben, Jeschua b. 
Jehuda; sie wurden herrschend im 12. und den nachfolgenden 
Jahrhunderten. 

I. 11V- wird verbunden mit vN (Hendels Gedicht Din 
vor seiner Erläuterung der Herzenspflichten), Db)V 'PN (Nach- 
schrift zu N. 6 Cod. h. Paris 1165), hi<r\ (Nisi b. Noa^), der 



>) Hebr. Bibliographie B. 4, S. 126. ») HDIltTl ''IV^ ^'^- 1^4. 

^ nnscn i9b. :x"n niDbn tu. 2, s. 30. G^yi D^^n n. 231. *) Nnj?"D 

i<\"l N"'Dtri sagt R. Asche (Aboda 5,öa).' °) Chajim T'}< Rga. N. 112. 
fl) Aruch ms am Ende des Buchst. 3. '') De ßossi Aunal. saec. XV. S. 96. 
8) Pinsker: Likkute S. 3. 



— 270 — 

Chasarenbrief, Isaac b. Mose, Mordechai Finzi^), IJMvN (Ha- 
dasi c. 173 f. 69b), 'n (im Chasarenbrief), Dli'H (Cod. Kenn. 
IGO vom J, 1343), N"l12n (Nachmanides Vortrag 'n niin S. 19), 
inj;n (Elieser b. Natan f. llTd), ll^in 2). 

II. Dem miy^ wird hinzugefügt: üb^V hi< (die Schüler 
Menachems b. Seruk^), Abenesra am Schlüsse des Commeu- 
tars zu Kohelet); T'J^n sehr oft z. B. von David Mokamaz 

(D^p mr^bn S. 77, 78), Niäsim (nn^DH 4a), Jacob b. Rüben 4), 
Abraham b. Chija (li'S:n |r:n f. 19, 38>, Sah Pärchen (Lexic. 
V. p"12\ Abraham halevi (n?2-l n:)ni< S. 46), Jehuda Tibbon 
in seinen Uebersetzungen des ill2p1j der Herzenspflichten 
(1, IC 9, 1) u. A. mbxn (nnscn 7b), Dm'pnM (Vorrede zu 
nrzp-^ S. XI und XIV. nnc lipr^ IIa unten), mn'pN (^:2Diro 
mj;i2ti' 20b), 'n (Josippon S. 732. HDpT S. 121); Dti'H (Herzens- 
pflichten 4, 4. Joseph b. Zaddik S. 14), das allgemein üblich 
wurde insonderueit in der Abkürzung r\"V2, so schon im 
mDCn DTtCJip S. 8, mynii* '•tCDli'O lOb und bei Späteren 5); 
5<"112 (Menachem b. Seruk Vorr. Aruch ms. hinter Artikel 
ir'ZN); vS"112n (nn^ ppn 16b. Joseph b. Zaddik S. 60, 75. 
Abenesra mW It'blJ' S. 4. Parchon f. 3d, 75a. Herzens- 
pfli.'hten 4, 4, □^:pl 1"in J2b und Spätere oft); lii^nß), yoV'') 
oder liiyn (Aruch PID, Jacob Antoli^) und Andere^); "IIH 
(n?2nnn Anf., Gabirol nnniN gegen Ende, Natanel Almoli ^®), 
TiäH (Herzenspflicbten, Abschn. 1, Einl. , Joseph b. Zaddik 
S. 10, Nachmanides J^ITH ^D f. 86, Jerucham mm D"iX Schluss 
der Einleitung^; """it^' (Chasarenbrief, Nissim PiPDCn 2b, 
HDDnn li'-l-lD'i), Cod. Kenn. 378, Cod. Bodl. 363 ^2), Cod. 
Hamb. h. 56^-3), Cod. Paris 670 N. 7^^), grosses Kasiel 8b); 
D^OB' (im miDCn D"i:::ip S. 72, Antoli in Maimonides nn:iX 



1) Michaelscher Katalog S. 370, 376. *) Zeda laderech Vorrede, 

Ende. ^) niZlK^H 'D ed. S. G. Stern, am Schlüsse des Gedichtes inCJn 
S. 17. ■*) Michaelscher Katalog S. 373. ^) Achsai Vorrede zum Mischna- 
Commentar. Tosefot Chuüiii 9a, 28b. ^) Briefsteller ed. Augsb N. 62. 
») 8. Pianer Prospectus S. 50, .51. «) Cod. Lips. h, 41 A. S. 306. 

«) Immanuel, vgl. Dukes Ti bv X^^ ^' V. H^ICX "'^''21^' Hob. 'O) Mai- 
monides Mischna-Commeutar D'^I^Hp Vorr. ") Steinschneider, Catal. 
Leyden p. 58. ^'^) Hebr. Bibliogr. Bd. 6, S. 51, Anm. ^^) Nachschrift 
des Schreibers Mose. ") in einer von Tobia übersetzten Schrift Jefet's 
halevi. 



— 271 — 

57a). — "{"Cn"" myZ! schreibt die Vorrede (gegen Ende) zu 
den Herzenspflichten, "^Piliyzi der Verfasser des ndTHnn 'D 
(Anf.), Dipcn miya Abraham b. David (D^yi D^DH N. 50). 

HL Bei diesen einfachen Bezeichnungen der Gottheit 
blieb es auch bei dieser Formel nicht; je nachdem Stimmung 
oder Reimbedürfniss gebot, fanden auch solche Ausdrücke 
Platz, mit welchen rednerischer Styl und Dichtertalent die 
Sprache bereichert hatten. Hier nur folgende Beispiele : 

A. "liV2 wird verbunden mit: 

nmn'p nx: h "lti\X Serachja b. Isaac in Cod. Lips. hebr.39 
(Katalog S. 302). 

nn^n y-r hinter nn?::n njlt'O in Cod. München 36. 
nm^'^^n n^JP (hebr. Bibliographie Bd. 8, S. 95). 
nbnn bD bv «ni:i bD y:iv (Cod. Lips. h. 19 S. 285). 
nVT DlvsS lübr^n (Wiener MSS. S. 100). 

^^^. p,L,y i Isaac b. Sajat m ü^j'V nV2^ 59d, 60d. 
N'in inz nnyn Aderet Vorwort zu n^2n H'^Cli'D. 

-ir:m -liiyn Vorwort zu D^^n mnn.N'. 

i;;:;,'::^: 1 ^oa. Ke„„. i«). 

□nci b^Dlt'C Abenesra N^to mo^ Anf. 
"'':5'?inD s. Gurland bs-lü'^ ^i:: Heft 3, S. 16. 

B. mipD ist verbunden mit: 
miru -nix (Cod. Lips. h. 30, 16 S. 296). 

Ü'jn^n |n.X (Nachschrift zu Cod. Kenn. 290 vom J. 1222). 
D^pi Ti bx Donolo ^JIODnn Vorrede. 
mz-iy 2D)1 bx (Cod. Kenn. 5482), s. hebr. Bibliographie 
Bd. 7 S. 67. 

TV '^b^ Levita Ende des Meturgeman. 

Nim "»IS* 1 . 

D^Cli'NmD } ^V-"^^3-n2.a. 

Dipn ^rav -i;:\Nn Ishak im Michaelschen Katalog S. 368. 



^) .s. meine Analekten in Geiger's Zeitschrift Bd. 6, S. 103 (obeu 
S. 203). Der dort gerügte Fehler ist wiederholt in Levy's cbald. Wörter- 
bucheBd.2, Vorw. S. IV. ^) InKennicott'sVerzeichnis.seu ist nur bü angegeben. 



— 272 — . 

D^"in "DiV^ nn ^<"nD Isaac hacohen Erläuterungen des 
Buches Ruth, Vorwort. 

D^nst^' .sin Dunasch S. 4. 37. 

nD2"10 bi:"l Tobia in Lekach tob Ende Nip^l. 

D'üb^Vn ^n (Cod. Lips. h. 30, 8, S. 296). 

nvin ]jin s. Hebr. Bibliogr, Bd. 5, S. 107, Anm. 

i'pKlJI mü 'n (Catal. Leyden ed. Steinschn. p. 396). 

y^'HD) "l\x;i s. Goldenthals Verz. der Wiener MSS. S. 20. 

D^2\L^rh "l\N?:;n Deutsch , die hebr. Handschr. in Wien, 
S. 84. , , 

n:n D"IN*b ^^r2br2n alter Commentar der Chronik S. 36. 

nyi DiN^ "lob^n David Kimchi, Vorwort zu dem Wörter- 
buche, den Pss. und ersten Propheten; ~1D1D tCJ? S. 4; Mord. 
Comtino (b.snti'^ ^1^: Heft 3, S. I). 

D^'pcn i^c in D^:^:Dn nnzc ms. Ende. 

D^^nn lipc (Wiener MSS. S. 109) vom J. 1351. 

N^Cti' nna s. Goldenthal a. a. O. 

nci:i ^Tn^^n in li's^n jT'^n 30b. 

mSin iX-^IJ Cod. Almanzi 119 (hebr. ßibliogr. Bd. 5, 
S. 21). Cod. Kenn. 578. cod. Opp. 1496 Q. 

t^ipz I-n: Jehuda Tibbon Vorr. zu riüp"]. 

IS'ipZ ^-INJn s. Goldenthal a. a. O. S. 35. 

"]"T1 C Z |mjn s. Luzzatto virgo Jehudae S. XI. 

n-l\S nj2iy (Cod. Paris 178. Cod. Odessa bei Pinner 
Prospectus S. 29). 

□niN* nüiy (Cod. Vatic. 449). 

]^\I.'ir\ ]Wii') b2 bv (Catal. Leyden S. 131). 

D^oblJ? -lliJ (Hebr. Bibliogr. Bd. 5, S. 102). 

D^ü)-\^ jnii' nij Anfang von pnn npnO- D'pnw 

Abr. b. David, Sifra (i7a. 

D^Du; DDn (HDnnn 'd 204). 

D^m bj bv Dl (Hebr. Bibliogr. Bd. 8, S. 34). 

n':i])^ ]D}W (Catal. Leydnn S. 105). 

nbyc'pIK* (Cod. Paris 148). 

nr2^') jZili' (Mose Nigrin ni)2V triTS Einleitung Ende), 

py ^72^' ]2)\i^ in r\:)nn ^bnt^' Ende der Vorrede. 



*1ty2 statt n^llpD ist im Pariser Cataloge S. 56. 



— 273 — 

Itrip m (Chajim VN RGA. N. 110). 

IV. Das "liy kommt bei solcher Verwendung auch hin 
und wieder in anderen Gestalten vor. Dahin gehören: 1^'^1J?^ 
hinzugefügt dem erwähnten 'H^ Dli'n ]1Ji-)D ,lJnN' lJ\-l'?X n"nj; HIMD 

(Josippon S. 424), ^■^b^^ "iiy DJ? (to^'pen Cod. 1). 'pnhd 

liyn Wn (Simeon Duran, s. Goldenthal a. a. O. S. 34. 
Joseph b. Schemtob Einleitung zu Efodi's Sendschreiben. 
Comtino in Gurland's 'pxiir^ ^"t:: Heft 3, S. 4). bsSl^'N D^rhunD 
"nyn (Cod. Lips. 43 D. Catal. S. 310), 11J?n bxii'N ITiyn 'PND 

('?N"itJ''' ^ij: Heft 3, S. 38), "iiym nücxn r\)bi<ü ba^n (Jehuda 

Tibbon Vorr. zu HDpn), yiivb 'PwSt&'N '7{<D (desselben Vorw. zu 
Jona's D^ltni^'n 'D), NIDH nb niiy^ -llt'}< IV d. h. bis sie mit 
Gottes Hülfe u. s. w. (Or sarua § 747 S. 213a), DITH ^mV' DH 
(Abenesra, Genes. 2, 12. 22, 1), mü ^JmjJ^ DN (David Kimchi 
%DÜ 69b), 'n ll-rW' DN oder "^'TT (^i:J Heft 3, S. 22), "nW ""JNI 
. . b D^r\bi<2 (Cod. Lips. h. 26, 2, S. 291). 

Abgesehen von allen diesen gelegentlich gebildeten 
Redensarten sind, auf die alten Vorstellungen von Gottes 
Willen und Macht gestützt, zwei Abkürzungsformeln stehend 
geblieben : in der Rede n"^N, in der Schrift das die Briefe 
eröffnende n"J?D, 



9. Miscellen. 

18 Nummern (1869—1875): No. 53 S. 132—137. No. 59 

S. 130—135. No. 61 S. 16—18. N. 63 S. 68—71, Mitte. 

No. 86 S. 34-36. 

1. Der in Mordechai kleinen Halachot häufig genannte 
Y'"^^), welcher auch in Meir Rothenburg Rechtsgutachten 2), 
Jesaia's Tosafot^), bei Aaron hacohen*) und im Kolbo vor- 
kommt, ist wie aus Parallelstellen 5) hervorgeht, R. Zadok, 



') Luzzatto in Ozar nechmad Th. 2. S. 11. *) N 802. 803. 861. 

862. 3) r2"]i^ zu Kama 14a, 58c. *) n'^DH § 103. ») rT'N in n'pSD 
§ 92: 0)-]^^ 1:^3-11 = y"y\ in Kolbo 7c. das. § 58: b"1 p)l^ 1J"'D"1 = V"! 
b"] Kolbo 8c. ' 



18 



— 274 — 

der jünger als Rabbenu Tarn ^) von Isaac b. Samuel 2) ange- 
führt yfird, ein Zeitgenosse von Aaron aus Würzburg ^) und 
^'K'"!*). In verschiedenen Stellen jedoch ist das '^'"l unsicher 
oder statt "'"T^) und ^'"'"1 verschrieben: Aus ^'"1 in einem 
Gutachten bei Aaron hacohen 6) wird bei Kolbo'^) "'"1; R. 
Zauok bei Aaron hacohen^) ist in unseren Tosafot^) R. Je- 
huda, im Semak §-57 ^"l- f'l in Kolbo c. 94 ist p"l d. i. 
AUasi '''). Das ^""IH in Rokeach § 475 scheint fehlerhaft, da 
die Originalstelle im Buche Hatteruma c. 49 nichts davon 
weiss. 

2. In Menachem Tamars Epilog (catal. Leyden ed. Stein- 
schneider S. 120) lese man statt 'V "IHD ^blD: nJD^bs (PhiUp- 
popel) '"V'\ (A. 1514). 

3. ''l!^"irn DU'sNn statt "'iSn Dlt\S, worüber Eis enmengerTh.l. 
S. 196 u. f. nachzusehen, hat auch der Selichot-Commentar 
^-^ZDün 24a. 27a. 81b. I32b. 

4. Die Fabel von dem Fuchse, welcher nachdem er in 
einem Garten sich dick gegessen^ ihn eben so mager als er 
hiueingedrungen wieder vei'lassen musste, erzählen Midrasch 
Kohelet 98 c und Nissim in den Geschichten 7 a, in einem 
eleganteren Stile Mose de Leon im Buche der Geheimnisse^^) 
und Meir Angel ^^). Dieselbe Fabel hat Berachja in den 
Fuchsfabeln (c, 35) von der Maus, Isaac de CorbeiP^) von 
dem Hunde. 

5. Zu meinem Aufsatze über das Buch Wehishir^*) ist 
nachzutragen, dass er auch den Zeitschriften Hamaggid und 
Lebanon'^) unbekannt geblieben. 



1) Kolbo 7b: r\)s.ih ünra inx "iiin n"-intj' nD\s r'*n 

jedoch bei Aaron hacohen a. a. O. § 103: H!^")^ Ilin H'Ü'IW IDIN' y'")). 

Vgl. Meir Rotheub. Rga. N. 803. ') Kleine Halachot ni3i"'iJ § 1272 K. 
Simson achreibt: y"^ Dl^D "»^l "h "IDN- daselbst ji'pDn § 1390: Dli'D ^""1 
V""). 3) Mordechai Hagahot Erubin c. "nn. *) Meir Rothenburg 
Rga. 802 (vermuthlich Simcha aus Speier). ^) y'"] "»DD N^ll bei Meir 
Rothenburg 861 lautet in Mordechai Batra 803: ""'"TinDlD N^l- *) D"Dn"> 
§ 11. ') c. 69 § 2. Beide zitiren aus R. Perez, der auch in n"f< Ende 
HDID R- Zadok anfährt. ^) lt'"p § 32. s) Berachot 25a. i») Semak 
§ 244 Aum. ") Kerem chemed Th. 8 S. 95. ^^) nnSH ViDüD Sig. 
10, 2 voc DN- ") Semak § 19. ") oben S 251. ^^) Jahrg. 1867 

8. 372 u. f. 



— 275 — 

6. Die biblischen Aussprüche über die Unterscheidung 
zwischen heilig'em und gemeinem, dem reinen und dem un- 
reinen, so wie über das aus den Völkern erlesene Israel 
haben im Mittelalter die Redensart THi^n'p herbeigeführt, 
welche, wofern 1) göttliches und menschliches, 2) jüdisches 
und nichtjüdisches nebeneinander gestellt wurden, bei der 
Vergleichung die Vorstellung der Gleichheit verhüten sollte. 

Ad 1) betreflfend, so verwenden ältere Schriftsteller dafür 
das Wort n':'n2n. Von Gottes Herrlichkeit, die Menschen 
geschaut haben, sagt Donolo ^) : 

.mbi^n HDDi noD nnN* bv ■ ■ ■ ■ NQiab nin-u: j^d h^^h tr-p p 

David Mokammaz-): ih^ D^CJ/'D ^s'px ^bn nbl2n IHK 

Samuel b. Meir») und Spätere*) haben mb^Dn r\D:)b^l2Ph 

TI^Hv allein findet sich in den pentat. Commentaren 
von Joseph Bechor Schor^), D^Jpl ny^e) und D'lpl "nn^). Das 
D^^nn 'D cod. München 207 f. 7a hat: b^l2r\b DINH nil'V^ p) 

Diese Scheu ist dem alten 7lD"'2D verwandt, dessen sich 
auch die Piutdichter bedienen, wie Meir b. Isaac in den Jozer 

i\x yitn^i ('pir^zD j-ö^b ib.sD) und nN':i tix {)ü)ivb yn^n b)j''22), 

Kalonymos b. Jehuda in Jozer b^Miü nn\X (DnD"lD 7215VD 

Was das TIDn'P ad 2) anbelangt, so begegnet man dem- 
selben zuerst im zwölften Jahrhundert. Schon das apokry- 
phische IIT'^ miblD schreibt S. 21 : bnzn'p D^ILTH pDl Dni»n;n p. 
Des b^m pzi ^Ipn p b^izn'? bedienen sich Samuel b. Meirg) 
bei der Nebeneinanderstellung von Salomo und Ahasverus, 



>) Der Mensch S. 2. ^) DID m2'''pn S. 75. ^) zu Exod. 28, 30 
*) Commentar in cod. Rossi 1033. Ziuni 21a. ^) S. 4. 9. 153. ^) f. 60a' 

Qitriy D^^i:ni^' 1D2 bnzn'? «"iidh i^dhS ') f. soa: ij'? "iiDrir nD 

D''ti'iy D^''i:nif IDD X*112n, wo ^''IDn'? zu fehlen scheint. «) zum 

Hohenliede 3, 11. 

18* 



— 276 — 

Schemtob Palquera^ für die Anführung aus den Schriften 
jüdischer Weisen und nicht] üdiscber Philosophen, David Gans^), 
um die beiden Abtheilungen seiner Chronik zu sondern. 
mntob i<r2\2 p b^l2nb Commentar Chron. I, 15, 27. Asaria 
de Rossi3) i^at: b"] ü'ü^nn p1 D:^2 b^izrb, die alte Ausgabe 
des Maase-Buches c. 240: b^l2Ph D^i: i:\S* Dnin\ Dergleichen 
haben Täuflinge, wie Brenz A. 1614, Schwabe A. 1619, nicht 
zu denunziren vergessen, hinzufügend, dass man, wenn ein 
Christ neben einem Juden genannt werde, HNDIJO ]"'3 TIDH? 
n"ini07*) sage. Pflichtgemäss ist es bei Eisenmenger*) auf- 
gefrischt. 

7. Meir Rothenburg schliesst ein Gutachten (N. 119) mit 
der Bemerkung: „Ein Handwerker ohne Handwerkszeug 
st dem IDVin^) gleich, um wie viel mehr ein iSVin wie ich, 
der ich weder Bücher noch Tosafot zur Hand habe.*' Den 
stehenden Gebrauch dieses Wortes zur demüthigen Bezeich- 
nung der eigenen Person^) findet man bei den Zuhörern R. 
Meir's, zuvörderst bei Mordechai, wo nicht selten die Aus- 
drücke icv-in ^is^ t:inn ^:n' ^bi«), 'b n^nj ^vm 'h^'), ^b rar): 

^Dinn ^JN'"), liVtn i^N n^n: ^bl"). Daher erkenne ich in dem 
Schreiber des n\S^ p bSi "12 L^Vin ^JN unterzeichneten Gut- 
achtens ^^^ unsern Mordechai, welcher in dem Klageliede 
nD2X: "inti' p 'p'pM p ^y p, auf Jes. 14, 12 anspielend, 
heisst; "!"'{<'' und IPlIi' sind poetische Namen für den Gross- 
vater Hillep3). 



') Einleitung zu More hamore. *) Chronik, Vorrede. ^) Meor 
enajim c. 29 f. 103b. *) Th. 1 S. 606 u. f., Register S. 951. s) Vgl. 
Lamperonti Lex. voc. pIX f, 65b ob. «) s. meine Analekten 

oben S. 211. ') Nidda § 1038 D""in 'h 1?2N1 [zwischen iJNl und 

"1120 ''n"'\"l las -n:i<n § 1374 noch LDVin]. 1056. Hagabot Ascheri 
Ketubot c. 1 § 28. ») Mordechai Gittin c. 1 § 426 und Hag. Ascheri 
das. § 7. ä) Gittin c. 4 § 528. Nidda § 1081 mit dem Zusätze: „so 

hörte ich von D""inD". Mezia § 368. i") Schebuot § 1189, 1191. Chullin 

§ 1242 fDyto ''b ncN DN* ^nnriri b"t m^b hn-ij i6))- schebuot iie? 

zweimal, 1173. Nidda 1056. Hag. Ascheri Ketubot c. 10. ") Gittin c. 2 §463. 
") Ascher Rga. 84, 6. i^) Zunz Literaturgesch. S. 508. 

*) Dasselbe im Gegensatze zum Götzendienst hat bereits Com. Cbron. 
n, 13, 9. 



— 277 — 

Die Worte ^PlDn tDinn '^'7) — vgl. weiter unten — in 
den Hagahot Maimoniot mbnj 9, 7 gehören vermuthlich Mor- 
dechai's Schwager Meir hacohen. Auch Susslin, der Ver- 
fasser des Agudda ^) , schreibt tsnn ""JN. Am beständigsten 
gebraucht das tO"t''"in der Verfasser des kleinen Mordechai, 
Samuel Schlettstadt, welchem auch die n"iJL3p niDSl angehören, 
die ausser dem Mordechai auch noch den Semak, den Aus- 
zug aus Or sarua, die Sens-Tosafot anführen und Tii^iJO 
D""inQir schreiben. So findet sich denn bei ihm: üinnn ^:i<^), 

tomn ^:xi'), LDvin '»b}*\ tomi b":^), '^b nta: tonn ^bi«)- Nament- 
lich kommt öfter ^JX^) oder ümDn ^Vlil 'h)^) oder auch nur 
ZniDH ^:N'19) vor. 

Des ■'JIDD tonn? bedient sich auch Salman aus St. Goar, 
der Ordner des Maharil; lom tOVin "»JX schreibt Joseph Ko- 
lon ^<^). Im cod. Bodl. 613, der etwa um das J. 1500 ge- 
schrieben scheint, werden verschiedene Piutstücke mit lOT'inT' 
«ingeführt. 

8. Schemtob Palquer a hat ein Werk D^DIDl'p^Dn myi^i) 
verfasst. In seinem mzin niJlX meldet er, dass er es schreiben 
werde, und im li'Djn 'D, dass es geschrieben sei, und ver- 
muthlich zielen auf dasselbe Werk seine Worte in ri''li'i<1 
nCDnis): i::il^Sd ntoDnn ibxD [1!:D] "IDnb ^n:nD. Jacob Romano 
in Constantinopel, der im J. 1623 das m^yCTI 'D unseres 
Autors abgeschrieben, hat jenes Werk gekannt oder besessen, 
wie aus dem Nachtrage Buxtorfs zur bibliotheca erhellt ; von 
einem gleichnamigen Werke Samuel Tibbons weiss er nichts. 
Ich halte nun das 'SH mj?! in der Leydener Handschrift 
Warn. 20 so wie cod. Rossi 164 für eben diese Schrift Pal- 
quera's, zumal schon die Verse ]"'DX und pX DNI u. s. w.^^) 



*) HDi^ Anf. und nl^:^i^ ^i^OTn 78 d. 2) -n:xn § 31. ^) K1 

Halachot § 1278. Zürcher Semak. *) Xlll '''M)^ Anmerk. f. 9a. Kleine 
Halachot 1394, 1402. ^) Jebamot 738 Chullin 1073, 1075. «) Eru- 
bin 269. Ketubot 816. Chullin 1054, 1056, 1063, 1064, 1078. Kl. Hai. 1297. 
') Sabbat 225. Jebamot 749, 782; das. 751 führt er seinen kleinen Mor- 
dechai an. 8) Mezia 641, Jebamot 740, Ketubot 818, Gittin 884, Kleine 
Halach. 1258, 1268. ») Jebamot § 771. Vgl. mein Ritus S. 216. '") Rga. 
N. 91. *') Vgl. D''D1DlbDn niyiZl Iq der Vorrede zu More hamore. 

dieselben Worte liest li^D:»"! 'D ms. c. 21, nicht i"izn2 (ed. S. 141) 
•'^) cod. München 45 f. 527b. »*) catal. Mss. Leyden S. 61 u. f. 



— 278 — 

Palquera's Einleitung za seinem ^p2ün angehören. Dieselben 
arabischen Schriftsteller werden in my"l und in mby?2n 'D 
benutzt. Die Stelle im catal. Leyd. S. 63 stimmt mit unseres 
Autors sonstiger Auffassung und Ausdrucksweise: die Be- 
zeichnung der m^bDIin mn^ii^ nibyc ist stehend in nhv^^ "ICD 
und n02n n^li'N*~l, dessgleicben das bei Palquera häufige"'J)Vn i) 
(S. 66), das sich in U'CJn 'D, mby^H 'D p. 52, More hamore 
und D^^n "lipc ^l2^pb wiederfindet, ferner D^CIl^n Meteore (S. 65, 
68, 70, 73) in tT'^JH 'D c. 8, It'pDCH 43 b; D^HH (S. 68), das 
er auch, statt des Tibbonschen D^Dün^n, im More (1, 72) ge- 
braucht. Ausdrücke wie D''"'n?:DS'n D'^DIDITS, Gleichstellung des 
Frommen mit dem Philosophen, Unterschied zwischen Prophetie 
und Philosophie (S. 65) sind Palquera eigen; die Behandlung 
der vier Kräfte (S. 72) ist die des l^'^in 'D, und die Ver- 
bindung des richtigen Wissens mit der sittlichen Handlung 
(S. 63) wird auf gleiche Art im mbycn 'D (p. 33) gefordert. 
Dieser allgemeinen Uebereinstimmung entsprechen einzelne 
Parallelstellen, z. B.: 

catal. S. 62. Die wahre Glückseligkeit ist NllZH n:itfn 

[oder niil^ n:l^'^ und )2 mpDin, s. It'pDCn 32a, 47]. 

das. S. 63 : D^rODI HQN NlHtT npnDH ^ODH nDHD 5<ÜD^tt* 

ijn:icN Di?. 
S. 73: ijn-nn Dy üdd^üh [p,^bv^r\ p. 6: n^nc izi 

)j^r22n n21 Dy D^O^DDDIJ' D^DIDlb^Sn. More hamore 

S. 145: nxi bv yj^v D^c^rDQ npn^n ^cdhc D^bn:i. 
PiDin m:N' f. 3: d^^dz^i n^x .smit' DnnDic nin:\i^ 
um Dy; f. 14: D^C^^DD DHli' D^siDi'p^Dn |n\s nn2D 
b"i ij-icrn Dy]. 

S. 63: p^ninb n;2xn nyi'? li'pzcn 'p^rti'c'? ^xsi ]\yi 

inDi nnT^N'b pT n'^ixn 12^2^ i6) Dn^i [m'pycn 

p. 6 : Dnn2i pTiin'? ^\sn pj<i iD\sn 'pn ld^dh':? ^ixn ]^ni. 

Vgl. Vorrede zu More hamore S. 4]. 



""jlTI ist bereits iu nilD 5, 10. 12. 21. nDD/H HDin 3, 9: 

l^vnn nnm. Ti:m "jbcn ]2 c. ss: nuTinn li-'s:.!. D^r-p: nii^ 2, 6; 1,40. 

nni mbn irn^S Buchst. ':. -ir^M "1?;XD S. 35. "lO'?;^ z. B. 40a, 62a, 
76a, 83a, 143b, pi^i i:iNQ 29, 38, r\]l/J2 "ipID (s. More hamore 107, 108) 

t2p Dbiy 23, 31, non nircx oft. n^^^n omn s. iso. isi. 



279 

das. : HDDnn n2^^^ nrjy ^IDI^D h'pü ; dieselbe Erklä- 
rung haben mbycn "IDD p. 32, 33, HD^n n^t^'NI 
f. 556b und \l'p-^n 47a. 

das. ist D''"lli'"'n sinnverwandt mit m"'"l"'K\ Deutlicher 

hat ncDn n^iJ'.xn f. 521a: mn^iJ\n nn:r%i mby^D. 

S. 65: riTpnn "iy?0 wie in der Vorrede zu More 

hamore. 
S. 71: Der Spruch 'JU'SJ VT u. s. w. eben so in 

D'hVün p. 31, dem Vorwort zu KTjH 'Dundti'pD^n 47a. 
S. 72 : Der aristotelische Ausspruch PQ-ip t^'^jH HD^n 

mcünn lXt^7 eben so in dem erwähnten Vorwort. 

-12in niN^ÜD auch in n"") f. 552. 

das. mDinm jn^Tn hdd auch in :^'?:n 'd c. 16. 
das. : n?^^yün E^nni t^iir^n i^'Ihd ^ivn'? rn^n DmN'^iiDir. 
[iTDjn 'D c. 18 : ^^vn hdi u^rrün it'itt'cm no^ytcm]. 

S. 75: n^iypn nnblinn, Mose Narboni bei a^'pti' n^tt' 
1 S. XV. dasselbe in nn 556 und 557, mbVDP, p. 33, 
entsprechend vielen ähnlichen Bildungen Palquera's, 

als: n^iüpn n'pnnn (n"n 552b), n^i:ipn n^brn (m'?y?:n 

p. 35, l^'D:n c. 18, Auszug aus D^^n lipc 7a), nn:D 
n^li'pn (rn 561 b, 569a, More hamore S. 18), 

n^iijpn rhvr:^n (mbycn p, 26), ^inpn r\)i2b'^r\ (n"i 

553b, 556a); auch ^y^y>r\ (D^^n "npD ^Cip'? 10b), 

nviupn (n"i 554a), nvinpn mbj?n (Kap. m^b-irz 

^ir'^NH S, 143); ^y^\^n byi^n (More hamore S. 42) 
V^mpn vnDD^I (More hamore S. 139). 

das. S. 78: bDj< tTDJD n?D2 nb^m n -npnb -ly^ it:Dnj<i 

f?U^: .s'p [More hamore S. 142: njJ^ti' mynn 111 

in2"i nz lAx ir:!'"! n'? nn\x "iipnb itcons]- 

Bis demnach neue Thatsachen Tibbons Werk gleichen 
Titels und Inhalts offenbaren, wird es erlaubt sein, von dem 
vorhandenen D"'D;01TSn myi den Verfas.'^er in iSchemtob Pal- 
quera anzuerkennen. 

9. „Die Kraft des Athemholens, schreibt Palquera'), 
stammt vom Monde und heisst im nomos (CICj) Engel, 
Heerführer und Gabriel." Ferner: „Die aus der allgemeinen 
planetarischen Seele stammende Naturkraft ist bei den Weisen 



•) Wlliry 38 ab. 



— 280 — 

die Natur des Seins und Vergehens und beim nomos ein 
Engel/' Deutlicher heisst es im nc^n nilfJ^^^). j)qj. nomos 
wird von der Menge für Ueberredung und List gehalten; 
allein es ist das Recht und das vermittelst der herabkommen- 
den Prophetie bleibend gestaltete, die Araber nennen den 
Engel welcher die prophetische Gabe hinableitet nomos." 
Salomo Finzi^), der diese letztere Stelle anführt, nennt seine 
Quelle D^DIDlbsn niDDH ^^Oipbo inx -12D. Bei Levi b. Gerson*) 
ist die Thora der nomos, durch welchen diejenigen, die sich 
völlig danach richten, zur wahren Glückseligkeit gelangen: 
Der genannte Finzi diesem Ausspruch beistimmend verwandelt 
Thora in Gemara. Aus diesen Beispielen erhellt, dass DICJ^) 
allmählig die Stelle von Recht und Religion eingenommen 
hat, Dass man D1D''J auch für Jas griechische on^ma (Namen) 
hielt, ist schon in meinem Leben Raschi's S. 287 bemerkt. 

10. Familiennamen p"L 

Unter den unzähligen idealen Benennungen des Volkes 
Israel, die demselben seit dem biblischen Zeitalter, von 
Dichtern namentlich, zuertheilt worden, nimmt ,, heilig" eine 
bedeutende, nächst dem „Volke Gottes'^, vielleicht die be- 
deutendste Stelle ein, und zwar ebensowohl als eine der 
ältesten, als auch weil sie vorzugsweise Israels religiöses 
Gut und die ihm gestellte Aufgabe sittlicher Reinheit^) be- 
zeichnet. Das ,, heilige" Israel durchzieht älteres und jüngeres 
Schriftthum in vielfacher Gestalt, zwar nur auf l^'Hp, KHIpO 
und tt'ip zurückzuführen, doch reich durch Verbindungen. 
Unverbunden ist am häufigsten ü^tfnp, weniger oft ""t^Hp 

(Ahaba ^^n^ 'rih'i< oder n:r ^narx), y\^'np (ybzn ij^Dit\s röm., 

Isaac Nischmat 1\XT Neuj. und Selicha "inD2 2\l'V\ V\i;np 
(Deut. 33, 3. Ps. 34, 10. Isaac Giat Aboda, Mose Jozer 
^:iD PN, Elia Sei. mu yb^) oder 'PN ^l^'Hp (Gebet N^JH -lli^X, 
D2nK'J< Thorafest, Isaac pTj;^). Die Mechilta (np^ f 71) hat 

1) das. 4Bb. «) Ms. f. 549b ^) s. Dukes Philos. S. 89. 158. 

*) ])entat. Commentar, Vorrede. '") Vgl, More hamore S. 116. nj1Di< 

nC^, S. 75: "inz DI^J; Z'pZün 20b ist D1D''3 für nummus! «) Ba- 

raidbar rabba c. 9. Kaschi Levit. 19, 2. Vergl. Zunz zur Geschichte 
S. 325 u. f. 



~ 281 — 

D^ßnipDl D^ti^'np; beide Eigenschaften als sich gegenseitig be- 
dingend stellt Tanchuma [und Bamidbar rabba] Ende TV\l' 
1^ auf; D^t^mpD haben Kalir (9. Ab p% Salomo {'Dip^' 
Tripolis), Mose Draa (bei Pinsker S. 118); ^tr-lipD^ommt, 
nach dem Vorgang von Tr, Sabbat 25 a, bei Salomo (Sei. 
b^ 12Z)Z') und in dem Schalom Hj"! omD DV vor. 

Nach dem Vorgange Jeremia's (2, 3) bezeichnet .^fip 
das — als Erstlingsgabe — Gott geweihete unverletzliche 
Volk. Den ganzen Vers Jeremia's hat Elieser b. Natan im 
Maarib des Wochenfestes; Theile desselben sind: 'P^^~lt^''' It'lp 
n^tTNT Sei. 68 (227)1); n^iiWn I^-ip Klage 35 (50), Salomo 
Sei. 6 (234), Baruch b. Samuel N. 29; nebst nNlDD Samuel 
haleviKlage nn''i2'\S2), nebst "^PSl^n Meschullam b. Kalonymos 

n:n^ i;o; inxnn n^i^'vS-i Gerschom N. 8; '^'y n^*ki\s"i n^^iiin 

Ofan "11?^ m3D (71); ^Ip bNIlT^ Elia b. Schema] a N. 33; 
hii-W' tinp (574 N. 127) ; Mose b. Abraham N. 27 (375) ; 
nur n^ti'vS"! hat Salomo Sei. 22 (235); tinp allein die grosse 
Pesikta (Abschnitt 11 § 5), Salomo Sulat Pesach, Gerschom 
N. 10; erhöhet in dem Ausdruck D'^'ip 'Wip (688). 

Insofern durch die Huldigung des göttlichen Namens 
sich die Heiligkeit bewährt''), werden die ,, Heiligen den" auch 
eine Ehren benennung, die nach Jes. 29,23 gebildet ist. Das 
■jDli' i'ki'npC des Frühgebetes verwendet Joseph Bechor Schor 
auf die Märtyrer von Blois. Daher die Benennungen D''Ii"'lp?2 
(im röm. '?X"1'^'^ iniTN und sonst, auch bei Abitur)*), 7l^•npD 
(Keduscha Neujahr und Sühntag, Rahit Sühntag N. 26 [55], 
Binjamin N. 21 [118]), V\L""pü (Binjamin N. 25 [119], Jozer 
Sachor). Selbst ntt'Hp wird den für die Glaubenstreue Ge- 
fallenen beigelegt, vgl. yb'' Pl^'np bei Salomo b. Joseph 
Seiich a N. 2. 

Die Israel innewohnende Heiligkeit verwandelt nun die 
genannten Ausdrücke zu Begleitnamen des Volkes, der Ge- 



') Die ohne weitere Angabe eingeklammerten Zalileu bezeichnen 
die Seite meiner Literaturgeschichte der synag. Poesie (1865). ^) Ist 

Literaturgesch. S. .341 vergessen worden. ^) Zur Geschichte a. a. 0. 

*) Ritus S. 108 N. 27. 



— 282 — 

meinde, der Nachkommen in verscliiedener Zusammensetzung, 
und zwar : 

I. Ijn-p DIX (704), 'p nTiZ: (Klage HDl^n -n:i), worin W)ip 
zwar Gott bedeutet, das jedoch auch auf Deuter. 7, 6 oder 
14,2 anspielt, 'p ^i: (Exod. 19, 6); nil/Mp my (in n^l^'N■^2 mJX 
c. 64, Gabirol Asharot, Klage niV D2^bi<); niJ'npn my (To- 
belem N. 8, Joseph aus Chartres Klage, Maimonides Schreiben 
nach Alexandrien, Anf. t^'^jm); 'p DJ? (Deuter.) Simeon (114). 
Ili'np cy bei Kalir Hachodesch, Menachem Vni "llN, Sühntag 
N. 20 (55), in Jehuda halevi's Mikamocha für Sachor und 
der Selicha DJ? ^.Xllfr 'pn DV (Abuab Leuchter Vorr.); 'p bnp 
Col bo 242= Ijü S. 8, Kalonymos (165). Elasar (718); 
'pn 7npr] m den beiden Reschut für Thorafest, dem röm. 
Gutachten bei Luzzatto Bibliotheca 57 a, aramäisch in Dlp"* 
lp"11C, bei Isaac b. Israel (504) ; iiwnp n^np haben Elieser b. 
Natan i:"nn S. 12, Natan im Nischmat (727), 

II. Mit D^li'Tip verbunden : ^11 Isaac b. Abraham Mika- 
mocha, Natan b. Isaac Techinna (587) ; 'Pti' D.TJ2 (vgl. 'p h^ p3 
Pesachim 104a) Mose b. Matatia (688); ^i:i in y'^WH röm. 
Thorafest, Binjamin b. Samuel N. 17 (118); rOD Kalonymos 
Rahit C:^'^2br2'^ y^TD Sühntag N. 21 Schacharit (55), N. 20 
Musaf (109); mSnp?2 im röm. Maarib Ende; my, nach Nu- 
mer. l'J, 3 gebildet, haben Kalir Schekalim und Hachodesch, 
Saadia im Kiddusch für den Pesach-Abend, Israel (504), 
Sei. nzK^nx -jXS: yZ')ip my Mose Dipz IN*; Pli'np my Ephraim 
aus Bonn N. 4; n^^l^'j Abitur N. 101; Dy Dan. 8, 24, Me- 
chilta rhw2 f. 36, Hechalot^, Kalir Keroba Neujahr, Silluk 
Mincha, Silluk Hachodesch, Jochanan hacohen Silluk Wochen- 
fest, Binjamin b. Serach Sei. N. 4, Tobelem N. 39, Meir b. 
Isaac N. 1, Kalonymos b. Jehuda N. 24, Elieser b. Simsou 
N. 1, Klage "li'j-inzj Strofe ü'; J'^'np ÜV Mischna Joma c. 4 
und dorther in den Aboda, im Achtzehngebet, in der Kaiiri- 
schen Klage N. 27; Vli'np n^i* Menachem b. Jacob N. 1; 
bnp Ps. 89, 6, Midrasch Chanucca S. 139. Ofan nrnx (71), 
Rahit Schacharit N. 40 (56), Simeon Jozer des Hochzeit- 
Sabbats, Jehuda halevi "]rij"'2ti' rf, Menachem b. Aaron; 
"•^i'pn bnp Leonte Jozer Wochenfest; mbnp Tobelem N. 56. 



') Midrasch Ele eskera ed. 1853 S. 19. 



— 283 — 

Iir. nu^-npC DIN* Abitur in Hoschana N. 2 (180) ; rWL'nipü D\X 
Leonte Jozer Wochenfest; D^U'Tp?:/-! D^l^'^t^'^ Kalir Klage N.53; 
^Dpr^n DV IsaacGiat (197), tS^llpC DV idnMohadscher N. 1(215). 

IV. J^^ipü ^1:1 Mose b. Samuel N. 16. 

V. Mit ^"ipn werden vorzugsweise Volk und Gemeinde 
verbunden: DV bereits Jes. 62, 12, Josippon S. 335, Chasdai 
Schreiben nacii Chasarien (gegen Ende), Isaac Giat p'^^ SlN, 
Jehuda halevi Asharot des grossen Sabbat, Mose (581), Cha- 
risi oft (Vorr., Abschn. 35, 43, 46, 47); t^-ipn Dlbnp haben 
mehrere ältere Gebete als ]\S*'pyD (Col bo 140), das römische 
n:V\l* '^r:, die Segensprüche "jlIlK' '^, Gebet D^cmn 2X, ferner 
Maimonides^), Esra b. Tanchum (268), Elasar aus Worms 
(319), Elieser halevi N. 4 u. A. m. 

VI. Zahlreicher sind die an ti^ip anschliessenden Israel 
bezeichnenden Worte, dahin gehören; 'p ""JüX Isaac Giat Mu- 
saf Mechaje; 'p '^:i< Exod. 22, 30, Kalir Purim bcN, Jo- 
chanan hacohen Woclienfest d, (98), yV ^"^^^ in cod. München 
69; 'p nn2 ^J2 Salomo Babli Selicha N. 1; 'p r'))f2n Kalir 
Sühnfest N. 5 (54); 'p ni. Salomo Babli Selicha N. 6; 'p ''h' 
Isaac Giat Schalom für Sabbat Hachodesch (196); 'p ytOD 
Jehuda b. Menachem Jozer für Sabbat Nachmu, "'J^tCQ Bin- 
jamin N. 3 (545); 'p r\2)ir2 Sei. nr2 ]nw, ]\Ieir b. Isaac N. 18; 
'p mV in der Kaiirischen Klage N. 27, Meir b. Isaac N. 2; 
'p DV Jes. 63, 18, Daniel 12, 7, Megilla 27b, Sota 39a, franz. 
Aboda HjjID, röm. Jozer Neujahrfest TIN l^ü ^ Sei. IvX "^J^X 
und "llii n"', Hoschana ITV^ 1JND, Isaac Giat Pismon Hacho- 
desch ''C!\ Jechiel Keroba des Esther-Fasttages (140), Jehuda 
b. Kalonymos N. 6 (281), Isaac piN* vN' (553), Isaac b Sa- 
muel N. 2 (283), Abraham Selicha N. 6 (391), Binjamin ha- 
rofe N. 14 (354) u. m. A.; 'p jNl.' Sühnfest Musaf DV N 14 
(99), Jose b. Jose Aboda Buchst. D; D^l^^p ]«iJ — nach Ezech. 
36, 38 — Kalir Sachor, 9. Ab ]'\y\ Hoschana ^JX D\S, Jozer 
Hachodesch, Silluk Wochenfest Jochanan's hacohen, Silluk 
Sühntag V7D'' ""D, Baruch b. Samuel N. 30, Salomo Simcha, 
der die Märtyrer so benennt; 'p mxz^ Meschullam Sühntag- 
Keroba, Simeon ^mmx und V^^V^', Tobia Sei. -THN, David 
b. Gedalja Ofan des Wochenfestes, Samuel halevi Klage 

') Rga. N. 54 und Sendsclireiben nach Arabien gegen Ende. 



— 284 — 

nn^l^'.X; ti^np ^21i Salomo Babli Sei. N. 22; 'p ^^V Isaac Giat 
bi< 1X1^^; 'p S-ip Elia lialevi 'N. 2 (389); 'p mbnp in dem 
Hymnus nD1\S nnx (53) ^), Simeon Selicha N. 13; 'p HNIDn 
Kalir (36), Salomo Babli Sulat N. 7, Mose b. Binjamin N. 17 
Strofe c (651), Binjamin harofe N. 20, womit rd'ip HNI^H 
in Salomo Babli Sei. N. 17 zu vergleichen. Dass in allen 
diesen Bezeichnungen die Heiligkeit in Bezug auf Gott, dem 
ähnlich zu handeln geboten war, gedacht wurde, zeigen die 
gleichbedeutenden biblischen Benennungen 'H DJ?? 'H mf<21i, 

^■^ bnp, 'n y:Dc, 'n my. 

Eine besondere Aufführung verdienen die den bisher 
genannten parallelen mit O. gebildeten Epitheta, sowohl was 
Innerlichkeit und Unvergänglichkeit als was das hohe Alter 
des „Geheiligtseins'' anbelangt. Daher sie, bei den religiösen 
Dichtern insbesondere, einen hervorragenden Platz einnehmen, 
wie aus folgenden Belegen erhellt: 

I. ti'i"pn ni Dunasch b. Librat Vorrede S. 5a. IK'Hp '1 
Simeon Ofau Wochenfest. 

H. D^irnp '1 Abitur N. 103 (185), Isaac Giat Dnü Dl'' 
und ]2)bj ]d7\ Ungenannter Dir roWii (Cochin); ^\L''np '] Me- 
nachein b. Machir Ofan 11123, Menachem Corizzi Ofan N. 3; 
"l^li'np n Israel halevi (504), Levi b. Mose np-^^n M q'? 
(Cochin 88a). 

III. ir-iipon '1 in n^u\x-i nnniN (21). 

IV. ^IfnpD y-ll Binjamin b. Serach Sei. N. 21. 

V. U/'^pn •] Esra 9, 2, Isaac Giat p"^ bnx, Raschi Jes. 
6, 13 und im Schreiben an R. Natan b. Machir N. 1, Me- 
nacliem b. Salomo Wörterbuch v. "IPIX, Charisi c. 1 und 46, 
Mose und Mose Draa (bei Pinsker S. 116, 123). In Simcha's 
Peticha (311) ist es ein Ausdruck, der wegen des Glaubens 
Geopferte bezeichnet. 

Ungewöhnlich ist Hti'Hp m Tanchuma J^ti'J f. 61b. 

VI. Den Schwerpunkt in dieser Gruppe bildet die Ver- 
bindung mit ij^ip, die in den Worten nPDKD \L'lp yil bereits 
Jesaia (6, 13) verwendet; daher im Ofan T^X in gleichem 
Sinne frcU^ D''li'np- Die angeführten Worte des Propheten 



*) In einigen Ausgaben liest man pilti'^ statt \l^']p. 



— 285 — 

dienen Nachmanides zur Schilderung der Familie von Mai- 
monides. Der Gebrauch von K^"lp "t reicht in der synagogalen 
Literatur bis in die älteste Zeit hinauf. Es genüge an fol- 
genden Belegen: 

irci^iS* DJCN' (28), iJWLcnD ivs (15), "1^-^ ^np nti\x 19) 0, 

n^N :)i nt^N (19)2), Q^pn:i^ ^xj^^^ (55 n. 21) 3) Buchst. ?, Sulat 
Dnn« TIN (71), Tischsegen 211D "jN* (88), Maarib W H-i^lTK, 
Selicha TIHD pON, Zusatz zu Hoschana iy""2X in den Machsor 
von Avignon und Algier; Kalir (36), Salomo Babli N. 7 
(104), Abitur N. 97 (184), Simeon Jozer zum Sabbat des 
Mose-Liedes, Binjamin b. Samuel N. 2a, Isaac Giat n'^nti' ]DN 
und Ijpyiti''' mi»\ Menachem b. Machir im Jozer des Busse- 
sabbats und in N. 17 (vgl. 643), David b. Meschullam (254), 
Leonte b, Abraham N. 5, Mose b. Esra 'IHD "IND n'PN*; Je- 
huda halevi Silluk Sachor, Sulat ^n ND% ^Wi< ^ü [Diwan 
3, 93] Ende; Isaac halevi Keroba Hachodescb, Abenesra zu 
Levit. 18, 21; Menachem b. Jacob N. 3 {l^^ip yil), Elasar 
aus Worms N. 3, 8, 40; Salomo b. Joseph Selicha H^ZN, 
Serachja Nischmat t^lp "\, Abraham b. Chajim (481a), Bin- 
jamin harofe N. 19, Natan (488); Schreiben aus Barzellona 
in Salomo Aderet RGA. Th. 1 N. 416; Kalonymos im Prüf- 
55tein S. 102, Col bo N. 121. — Mit ausdrücklicher Beziehung 
auf Märtyrer*) erscheint die Bezeichnung bei David b. Me- 
schullam, Salomo b. Joseph, Kalonymos b. Meir, in der Se- 
licha jlCN und sonst. Die Nachkommen der Verfolgten und 
Geopferten nannten sich daher vorzugsweise D''l^T1p yi'^) oder 
ti'tp V"n^), abgekürzt p"T, welches bereits seit dem 15. Jahr- 
hundert ein Familiennamen geworden , wie vor mehr als 
dreihundert Jahren schon R. Meir Padua'') bezeugt. Mit- 



*) Nur in Machsor von Spanien und Cochin, vergl. Hamanhig 98a, 
fehlt in der talmudischen Rezension. ^) Nicht in allen Ritus. Vgl. 

Aaron hacohen n"N Th. 2 ms. Abschn. 9. ^) In Handschriften, die 

Ausgaben lesen 'piPID yi"nD. *) Vgl. zur Geschichte S. 326 u. ff. 

*) Isaac Belinfante in Amsterdam in einer Handschrift vom Jahre 1748. 
*) Jacob Emden in seiner i. J. 1752 geschriebenen Autobiographie [Me- 
assef A. 1810 S. 82], die ohne Quellenangabe in ti'lp rü)iD Heft 1 
(Lemberg 1863) abgedruckt ist. Vgl. Jakob Hirsehel's (Emden) Leben u. 
Schriften von Wagenaar (Amsterdam 1866) S. 1 u. Anm. 8 S. 50. '') RQA. 
im Vorwort. 



- 286 — 

glieder solcher Familien fügten ihrem Namen p"1 oder p"T Vi^O i) 
hinzu, welches in einzelnen Fällen der Ursprung des heutigen 
,, Sachs" ist. Männer mit diesem Beinamen kommen seit vier 
Jahrhunderten vor: Simeon p"1 war ein Zeitgenosse von R. 
Jacob Weil 2); Natan p"l ält^n- als Hirz Treves^), ist wohl 
identisch mit Natan, dessen Sohn Lieberman p"1 im Sommer 
des Jahres 1540 gestorben ist*). Hirsch b. Natan p"1 lebte 
im Jahre 1612 0), sein Vater war bereits todt; älter scheint 
Seligmann (V'l p"l l"inO), vielleicht in Worms, der den R. 
Jacob Margaliot anführt''). Jacob Emden's Urgrossvater Bin- 
jamin p"! lebte um 1640 in Wilna. Am Hüttenfeste 1644 
starb Abraham b. Meir p"\ im Jahre 1650 Aaron b. Meir 
p"l, im J. 1653 Meir b. Abraham p"1, alle drei in Lemberg^), 
woselbst etwas später Bunem b. Meir p'1 lebte^). Im Jahre 
1724 war ein Schalom p"1 in Birs; im Jahre 1776 erschien 
das Werk m^'p.S ny^V von Elia p"l; ein Seeb p"l war 1838 
in Litthauen^), Chajim p"l 1843 in Sagarn ^o')^ 

So bewährt sich auch an diesem Namen der Satz von 
dem Zusammenhange derselben mit dem Culturgange und 
den Schicksalen des Volkes, 

11. (Jüdisch und Deutsch). Vor Lessing hat es in 
Deutschland kaum einen christlichen Schriftsteller gegeben, 
der von Juden milde und menschlich gesprochen. So mussten 
denn, noch in Grimm's Wörterbuche, die Belegstellen für 
veraltete und vergessene Wörter, sofern sie Juden berühren, 
Spott und Verachtung ausdrücken, z. B. bei Seb. Frank 
(Art. Ausländer und Durchächten), Alberus (Art. Auswarten), 
Teicher (Art. Klug: Juden und Wucherer), Mathesius (jüdi- 
sche und kokische Handlungen), Frey (Art. Bürzeln); christ- 
lich heisst: „nicht knapp wie ein Jude"; Weiss (B. 5 S. 2073) 
sagt: So wenig möglich als ein Jude nach Ambra riechen 
kann. Und an drei Stellen (B. 2 S. 1591, 1621, 1701) liest 



1) Jac. Emden a. a. 0. '^) p-'-i § 54 ') "»binDJ 19a. *) Nach- 
schrift in Perlen-Auswahl ms. ^) Meir Lublin RGA. N. 122. *) Rand- 
note in Maharil (D"^ 21V) ed. Hanau, VD\S ^DV § 994. ^ If Ip flDiJ^D 
Heft 1 N. 35, 46, Heft 2 N. 56. ») Seder hadorot 166 d. v, HdSi. 

9) Subscribenten - Verzeichniss in Q^DtiTl nn':'in Warschau. »») Sen. 
Sachs r\:V IDJD S. 26 u. f. 



— 287 — 

man: „es ist ein verzweifelt, clurchboset, durchgiftet, durch- 
teufelt Ding um die Jaden." Hat man doch selbst aus Göthe 
(Art. Kluppe) „Juden und Huren" herausgefunden. Die 
Lieblosigkeit gegen wehrlose Gemeinden wird durch den Satz 
,, nicht mehr gutes als die Juden thun" (B. 2 S. 727), die 
Phrase von dem] „Hass der Juden gegen Christum" (ß. 5 
S. 1803) und durch Artikel wie BetLeljude, Kornjude, Kober- 
jude, Kobermausche, gerade nicht vermindert, während — 
Phädou und Dorfgeschichten ausgenommen — kein jüdischer 
Autor gekannt und genannt -ist, obwohl deren mehrere zur 
Bereicherung des Sprachschatzes soviel beigetragen haben 
als Romanschreiber sammt der Kölnischen Zeitung, Selbst 
für älteres Deutsch sind die jüdischen Quellen gänzlich ver- 
nachlässigt, obschon gerade bei ihnen Altes sich lange er- 
halten. Man würde z B. Bannung schon vor Herder in 
Särtels Glossar vom J. 1604 gefunden haben, ebendaselbst 
sich abthun in der Bedeutung sich entfernen vor Olearius, 
afterlesen vor Kallenbeck, Begehrung vor Lessing. So hätten 
in den Buchstaben A und B unter anderen noch aufge- 
führt werden können: abei.teu (Glossar zu Richter 19, 9) 
d. i. abenden (1 S. 22), Abkehrer hebr. "niD, abmecken, 
Ackerdienst (Luther: Gesinde), Altgesessener d. i. Einheimi- 
scher, aufenthalten (1 Sam. 9, 16) in der 5. Bedeutung (1 
S. 637), gebannert hebr. b^n, Befehlung, Befehler (1 S. 1256 
nur vorausgesetzt) hebr. "!"'pS, begehrhaftig (im hohen Liede), 
Begreifer, sich beheften s. v. a. verbinden, gebeint (Luther: 
beinern) , Beirede (1 S. 1389) in der Bedeutung von Spott, 
Beispieler hebr. D"''pii'b, Beissung d. i. Zins, Beistendel hebr. 
nriQ s. V. a. Beistandpfahl (1 S. 1397; , Bekennung hebr. 
rnin und rniyn^ Belegerniss (Deuter. 20, 19) vgl. belegern 
(1 S. 1442), Belugung (Jos. 8, 13 2pV), Bereiterin hebr. r\\:;ip, 
Beschäfniss, Bescheider in der Bedeutung Erklärer oder 
Deuter, Bescheidniss, sich besetzen (Numer. 24, 22), das noch 
Mendelssohn (Num. 32, 40) hat (vgl. 1 S. 1619 u. f.), bewillig 
hebr. Hünnn 1 Sam. ^9, 4, Bracht subst. hebr. HXZn (Seli- 
chot ed. 1688), Brüchniss (Bibel ed. Athias). Auch in den 
Artikeln aus dem sogenannten Judendeutsch (z. B. Auweih, 
babbeln, kauscher, knellen) ist das Wörterbuch nicht weit 
über Heynatz, Kinderling und Heyse hinaus. In manchen, 



— 288 — 

z. B. Amme, besebeln, Cad, ist die hebräische Quelle unbe- 
achtet geblieben. 

12. (Botenbrot). Aus dem Gebrauche, dem eine Nach- 
richt bringenden Boten ein Brod zu spenden, entstand für 
Verkündigung und Botschaft der Ausdruck Botenbrot, „Evan- 
gelium (rmit'2) verkündigen" heisst bei Notker: predigen 
petinbrot, und noch bei Hans Sachs ist Botenbrot s. v. a. 
Botschaft (Grimm Wörterbuch B. 2 S. 274 u. f.). Dieser 
Ausdruck hat sich nebst den abgeleiteten Botenbroter und 
Botenbroten bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts in jüdi- 
schen Drucken erhalten, wie unter andern Machsor Kracau 1599, 
Maasebuch Basel 1602, Särtels Glossar Prag 1604, Selichot 
Amst. 1688 und Fürth 1749, jüd. deutsche Bibel Amst. 1687, 
Tischgebete Dyhrenf. 1796 beweisen; die einzelnen Aus- 
drücke lauten wie folgt: 

Botenbrot [auch Betenbrot]. Särtels zu Ps. 68, 12; 
Maasebuch; Bibel 2 Sam. 1, 20. 4, 10. 18, 22 [kein 
B. geben]. 2 Kön. 7, 9. Selichot 66a. — Botenbrot 
sagen: Bibel 1 Sam. 4, 17. 2 Sam. 18, 19. Jes. 41, 
27. 52, 7. — Botenbrot bringen: Selichot 45d (hebr. 
nii'D^), — Machsor Kracau 32a, 48b, 81b schreibt 
IDrc ]pVD; ist das Klangverwandtschait mit Becken 
[— Bäcker]brot oder Druckversehen? — In den Seli- 
chot 40d so wie im Tischgebet wird "1^?P Botenbrot 
übersetzt. 

Botenbroter, das auch bei Schmelzl A. 1545 vorkommt, 
haben 2 Sam. 4, 10, Jes. 52, 7, Ps. 68, 12, Selichot 
28c (Tniwn li'\S), Särtels für hehr, "lit'?!? und den 
Text erklärend auch Hiob 3, 3. 

Betenbroterin zweimal Jes. 40, 9. 

Botenbroten, bereits bei Hedio A. 1532, Särtels für 
-11^2'? und nii'D, Bibel 1 Sam. 31, 9, Jes. 60, 6. 61, 1, 
Selichot 55 d, 66c. Auch liier hat das Kracauer 
Machsor j'iOnD ]pj?3 (f. 40b, 72b). — Sie betenbroten: 
Särtels für mii'DO. — gebotenbrot: Machsor Kracau 
65a, Selichot 21c, 40b (in-lir? und ntt'D^), Bibel 
Ps. 40, 10. — gebotenbrot zu sagen: Jerem. 20, 15. 



— 289 — 

— gebetenbrot : Särtels "Itt'p. — gebekenbrot; Mach- 
801* 6a, 87a. 

Indessen wechseln in denselben Ausgaben hin und wieder 
obige Ausdrücke auch mit anderen und üblicheren ab. Sär- 
tels hat Ps. 68, 12 Botschaft, das Prager Machsor 1600 zum 
achten Azeret: Botschaftung; botschaften dasselbe Machsor 
zum Hüttenfeste für 1j"lti'3v? "lii'lD^ und "It^DN. Bemerkens- 
werth ist „erzählen" für Ilt'Zn und ,, aufgehoben" für Tlt^D 
(Machsor 60a, 81b). Bisweilen bleibt eine bekanntere hebr. 
Wortform für die unbekanntere in der Uebersetzung stehen, 
z. B. „die nmirz sagen" für IJIti'Dn (Machsor Kracau 88b), 
für nmti'D Ilt'D'? (Fürther Machsor 2. Tag Hüttenfest). „Die 
mit^D hören" oder "It^'DD sein in Selichot ed. 1688 f. 53a 
(IK'DnJ), 57a. 

13. (tonn) Bereits ein Jahrtausend bevor Gesetzkundige 
bescheiden sich iCVin unterschrieben^), hatte bei Griechen 
und Juden dieses Wort die ganze Stufenleiter von eigen und 
privat bis zu niedrig und unwissend zurückgelegt^) und so 
mit „gemein" und ,,Volk" (vulgus, Pöbel) das gleiche Schick- 
sal getheilt; aus dem was demselben entgegengesetzt wird, 
erhalten dessen Bedeutungen ihr volles Licht. Insofern der 
sterbliche Mensch überhaupt lonn heisst, ist der Gegensatz 
Gott (Meehilta nrc, Tr. Berachot 7a), meist mit der Bezeich- 
nung niDJ (Mischna Kidduschin 1, 6; Tosefta Kama 4; Sifre 
Abschn. DHiD; jerus. Joma 3, 6; Batra f. 88), □^Qi:' (Kama 
76a), auch n^lD^H (Tanchuma 28a), demnächst der das Gött- 
liche verkündende, als Mose (Meehilta 56a) und überhaupt 
der Prophet (Sanhedrin 67a), sodann das Heilige, geheiligtes 
Vermögen Wipn (Mischna Meila 3, 7; j. Gittin 5, 1). „Dies 
ist ein Gotteshaus" (Gen. 28, 17) lautet bei Onkelos: Dies 
ist kein tOVin 'inx wofür das palästinische Targum 7in "IPiX 
hat. mJOinn heissen die Samaritaner (Sanhedrin 21b) und 
nichtjüdische Könige (Megilla 15a, 28a ; Kama 93a). Gegen- 
über der heiligen Sprache heisst die Landessprache und der 



») Oben S. 276 ff. 2) ygl. M. Sachs Beiträge Heft 2, S. 87 ff. 

Dnkes, Blumenleae S. 299. 

19 



— 290 — 

in selbiger herrschende Sprachgebrauch tCT'nn ]Vit'7 (]. Sanhe- 
drin 7, 12; Mezia 104ab; Tosefta Ketubot 4i-, gleicherweise 
stehen die heiligen Schriften über geschäftlichen Urkunden 
mtCinn n-uCK' (Tosefta Sabbat 14, j. Sabbat, 16 1. Tr. Sabb.ll6b), 
die Worte der Thora über den der PiTVin (Buch der Frommen 
§ 3U),(lie Gottesnamen über denjenigen, die nii^T^in bezeichnen 
(Soferim 4, 4; Tr. P"D c. 4 . 

Innerhalb des engeren jüdischen Kreises ist C1''"n der 
private, unbeamtete, einer aus der Menge, daher s. v. a. TH^ 
(vgl. Midrasch Samuel c. 27 mit Jalkut Sam. § 145); auch, 
wenn von ausgezeichneteren Personen gebraucht, ein Aus- 
druck der Demuth, wie die Erzählungen Sanhedrin 91a und 
Tosafot Meila 17b zeigen. Die Gegensätze sind: Könige 
(Mischna Sanhedrin 10; Mechilta rh'\l*Z 55b; Sifre cniD und 
Ij'I^'m Ende; j. Sanhedrin 2, 3 und ß. 7, 10; Arachin 14b; 
j. Targ. Deut. 28, 13) und sonstige Würdenträger und Be- 
amte (Mischna Joma 7, 5, Horajot 3, 1, Tosefta Sabbat 8), 
Richter (Mischna Gittin lOb, IIa, Mezia 32a) die gesetz- 
kundig sind (DTiCIC), überhaupt der Unterrichtete ("^Zn To- 
sefta Taanit 3, DDH j, Sanhedrin 7, 12, Crn "l^c'pn Buch der 
Frommen § 698. 1119); jeder andere als der hohe Priester 
hiess daher auch CV"in ]n2. In Bezug auf Kenntniss und 
Fertigkeit steht dem Kaufmanne (l^n Sifra "IHZ c. 3; j. 
Mezia 4, 3) und dem Künstler und Handwerker (j'^lN Mischna 
Moedkatan 1, 8. 10; Tosefta Kama 10; Tr. Sabbat 58b; 
Aboda 49b) der nicht unterrichtete Privatmann gegenüber, 
und solcher drei galten z. B. für die Lösung von Gelübden 
so viel als ein Unterrichteter (Nedarim 78a). Da die Autori- 
täten Palästina's sich für höher hielten als die ausserpalästi- 
nischen, eine kleine Behörde dort für mehr galt als ein 
Synedrium hier []. Nedarim 6, 9; j. Sanhedrin 1, 2) und um 
das Jahr 200 R. Chama bereits die schwächeren und palästi- 
nischen Richter den starken ausserhalb des heiligen Landes 
gleichstellte (]. Mezia 1, 8), so begreift man R. Acha's Aus- 
. Spruch, dass die ausserhalb Palästina's Entscheidungen fällen 
mt2'!"'"in seien (j. Batra 8, 1), und dass der in Babylonien 
lebende Abaje es zugegeben (Gittin 88b). 

Aelterer und jüngerer Midrasch bezeichnet auch das 
gemein übliche Sprichwort mit ti"!''"in ^\l'ü ; Belege geben Sifre 



— 291 -^ 

(nip zu Numer. 18, 20; CniH? 32b; Deuter. 1, 7), Bereschlt 
rabba (c. 16 und 96), Tanchuma (17a u. 22b), Schemot rabba 
(c. 9 f. 126d und c. 31 Ende), Bamidbar rabba (c. 19 f. 276c) 
und dasselbe in der Introduction zum Tr. Semachot, während 
Tr. Sabbat 10b derselbe Spruch im Namen R. Simeons b. 
Gamaliel angeführt wird; Midr. Ps. 104, Tana debe Eliahu 
c. 24. Zum Theil von diesen Hagada's abhängig sind die 
unter derselben Bezeichnung bei mittelalterlichen Autoren 
vorkommenden Sprichwörter, z. B. bei R. Natan (Aruch v. 
]nr), Raschi ((Jenes. 15, 18; Exod. 16, 28 wofür Tr. Kama 
92a: ^IJTX nCN"; Deuter. 1, 7. 27), Tobia (Lekachtob 65c), 
R. Jacob Tarn (Or sarua Th. 2, § 392), im Jalkut (Genes. 
§ 21, Deuter. § 801, Josua § 4), nv-DX"! ms. § 556, dem alten 
Nizzachon p. 162 (Was Gott nicht mag nehmen die Teufel), 
Isaac Sahola (zu Anfang seines Fabelbuches), dem Buche 
der Frommen § 44. Noch Jüngere, z. B. Isaac Cohen 
(vVTl njys 12a) und Salomo Cohen (Lampronti's Real-Wörter- 
buch O f. lola) bedienen sich, Sprichwörter anführend, dieses 
Ausdrucks. 

AUmälig sank UVir\ noch etwas tiefer, es bezeichnete 
den idiota, den Unwissenden (Mischna Rosch haschana 2, 8; 
j. Berachot 1, f. 6b; j. Megilla 2, 4) gleichbedeutend mit 
unserm Bauer ("'jH^lp Tanchuma 42b) oder dem römischen 
paganus (Aruch v. ])tB), den Geringern (Tos. Taanit 21b), 
Unbedeutenden (Seder Olam c. 21; Targum ] Sam. und Hiob 
30, 8; Tr. Megilla 12b), den Unterworfenen (j. Targ. Deuter. 
28, 44). Es wurde sogar der nicht sorgfältig in seiner Rede 
ist (Raschi Chullin 90b) oder gleichgültiges für ihm gebotenes 
hält (j. Berachot c. 2 Ende; j. Sabbat c. 1 f. 4a) mit diesem 
Titel beehrt und micrin ging zusammen mit gemeinem Volke 
Cl^^xn "»DJ? Donolo Rezeptenbuch § 17), Thoren (derselbe, der 
Mensch S. 12) und Niedrigen [D'h^'^* Aruch v. '^r2 5)^). 

Was die Pluralform dieses Wortes betrifft, so hat sie 
ausser den biblischen m2N, mriD, nmpD Parallelen in m"!"i22 

mo^^j, mon:, mrm, r\W)^n, nnbi, m:Tt, ni^^n, nmrn, (Sifre 

5<2n r), min: (Debarim rabba 294 b; Jalkut Ps. 55 liest 



*) mtCVin fehlt bei Rasclii Sanhedrin 66a. 

19* 



— 292 — 
mzn, in Midr. Pss. fehlend), m)vb, mmpb, nniDO (jer. Sota 

9, 14), mmit'D niiriD:, mmui (Midr. Cant. 17 ab), nmpj (To- 

sefta Kidduschin c. 5), m:itO^D, mpno (Kelim 12, 2), m:iD''S 
(das. 20, 2), mL:iyD, mpirn. Bei einigen von diesen findet 
man auch die gewöhnliche männliche Endung, als Ü^IIDD und 
D^b^n (biblisch), Dn^rn, G^^I^^^D (Tr. Kuthim c. 2), D^p^D; des 
Reimes wegen schreibt Abenesra auch D"'pirn (in dem Gedichte 
Ton ir:). O^tomn haben die Elieser-Baraita c. 8, Donolo 
(im Rezeptenbuche) und als Mehrheit des „Priester-Hedjot" 
auch R. Natan (Aruch v. nJD^N'), Becher Schor (XH niJJS 
40b) u. A. In den Bildungen ^vm DIX (Abot R. Natan 
c. 9), '"in nDH (Tanchuma 74a, Bamidbar rabba 21, f. 281a), 
"in bti-'D hat das Wort fast adjectivische Bedeutung, welches 
in n^LDT'"in ms (Midrasch Ruth 44d) auch der Form nach 
stattfindet, 

14. (Tochecha.) Gleichwie im Deutschen „strafen" und 
,, züchtigen" (Zucht) bedeuten im Hebräischen nD"* und ID^ 
sowohl Rede als That, das ermahnende Wort und die zuge- 
fügte Strafe. Daher gleiches in den Worten 1D1D und nnzilD 
Es sind Lehren und Ermahnungen (Spr. 5, 12. 12, 1. 13, 18. 
15, 5. 32) oder Züchtigungen (das. 3, 11. 15, 10. Hiob 5, 17). 
So bezeichnen 1D1C mPDin (Spr. 6, 23) Lehren, während 
Ezechiels HDri mriDin Strafen meinen. Diese zwiefache Be- 
deutung der genannten Hauptwörter erläutert bereits richtig 
der Verfasser des Malmad (109b). Nun gibt es für HPIDin 
eine doppelte Form: mit Kamez [Tochacha] und mit Zere 
[Tochecha] ; in den biblischen Schriften kommt erstere im 
Singular nur in der Form PiriDin vor; nnDIPi findet man in- 
dess im Targum und bei Kimchi (rad. nD"" und Ps. 149, 7), 
auch hat jenes für nriDin und nnDIfl dieselbe üebersetzung 
(i^mJDDD). Aber auch die scheinbar verschiedenen Bedeu- 
tungen von Tochacha und Tochecha verschmelzen im Sprach- 
gebrauch in einander: In Midr. Thren. 51b und bei Raschi 
Hosea 5, 9 ist nriDlP Strafrede, während Midr. Thren. 65c, 
Kalir (nllti'n 2. Tag Hüttenfest) und Raschi Ps. 39, 12 
mriDin für die angedroheten Strafen des Pentateuch nehmen, 
wofür in Midr. Tadsche S. 176 und in der Selicha mDD pN 
"It^D ausdrücklich ,, Flüche" gesetzt wird. Daher heisst eben 



- 293 - 

dieser Abschnitt des Deuteronomiums nPlDin oder mPIDin bei 
Elieser b. Natan 101b, Samuel b. Meir Deut. 28, 69, D^Jpi nyi 
75a, D^:pi Tin 72c, Chaskuni Levit. 26, 45 und Deut. 1. L, 
während ihn pHX ri''2 niD^n in cod. Rossi 113 (aus dem 
14. Jahrhundert) nnpiD nennt. Dafür aber bezeichnet Jo- 
seph Bechor Schor zu Anfang des Segens Mose's diesen mit 
dem Ausdrucke Dn''2inK' nrT'p'inn. Ebenso gelten Raschi 
(Jes. 37, 3. 2. Kge. 19, 3) Tochecha und Tochacha gleich; 
die von den spanischen Juden Tochacha genannten Er- 
mahnungsgedichte lieissen in italiänischen, französischen und 
deutschen Handschriften nicht selten Tochecha, z. B. in cod. 
Paris 634 (See. 13), codd. Rossi 855 und 1133 (See. 14), 
cod. Paris 609 (See. 14), cod. Guedalja vom Jahra 1392, 
cod. Paris 629 vom Jahre 1427, cod. Günzburg 16 in fol. 
(Africa), cod München 346 und in cod. Rossi 804 wird die 
Todtenklage um den Märtyrer Elia so benannt. Der ver- 
schiedene Sprachgebrauch erklärt demnach, wie ich ebenso- 
wohl Tocliacha (Ritus von Avignon in Judenz. Jahrg. 1839, 
S. 290, 303, 380 u. a. m. 1840, S. 150. Literatur der synag. 
Poesie S. V und 201 ; Nachtrag S. 6, 7, 34, 42, 47) als, nach 
dem Vorgange de Rossi's, Tochecha (synag. Poesie S. 135 ff. 
Ritus S. 42, 43, 108 u. a. m. Literaturgeschichte S. 64, 222, 
277 und sonst. Nachtrag S. 17, 20, 26 u. a.) schreiben durfte, 
namentlich wo spanische und nichtspanische Dichter zu unter- 
scheiden waren. 

Die Mäkelei *) eines über unsere ,,nonci)alante Zeit" 
hervorragenden Akademikers gegen Tochecha ist, hoffe ich, 
durc'ii Obiges auf ihren wahren Werth zurückversetzt. 

15. Auch für Büchmann's lehrreiche geflügelte Worte 
(8. Aufl.) liefert die jüdische Wissenschaft Beiträge und hie 
und da Berichtigungen. So z. B. stammt Akiba's „Alles 
schon dagewesen" (S. lOO) einfach aus dem Prediger Salo- 
monis (1,10). Dass Eigenthum d. h. Geld Diebstahl sei (S. 105), 
sagen schon die Weisheits-Sprüehe hinter Jehuda Tibbon's 
Ermahnungsschrift (Berhn 1852) S. 20 N. 14. Zu S. 115 
ist zu erinnern, dass Zaba (Hieb 7, 1) entweder Bestimmung, 



*) Ueber einige Benennungen synagogaler Gesäuge u. s. w. (VViea 
1859, Juni) S. 8. [Vgl. H. B. III, 66. St.] 



— 294 — 

Gränze oder Frohndienst bedeutet. Zu dem alten Ausspruch 
(S. 137), die Hälfte ist mehr als das Ganze, gehört als Er- 
gänzung das Aristotelische (Ethik 1, 5) : der Anfang ist mehr 
als die Hälfte, das man hebräisch in Isaac Arama's Akea 
Abschnitt f^'^'J^"!!} liest (oben S. 262). Das amicus Plato u. 
s. w. (S. J42) haben lange vor Cervantes die jüdischen Philo- 
sophen gelehrt; vgl. oben S. 261. No. 10. Ebenso findet 
man vita brevis etc. (S. 144) in den hebräischen Lehren der 
Philosophen (2, 8) des dreizehnten Jahrhunderts. 

Das alte „vox populi vox Dei" wird in U'Zü'l IID (Salo- 
nichi 1594) an Ezechiel 1, 24 und 10, 5 anlehnend, mit 
n\i^ 'pipr pcn by ausgedrückt (8. 146). Dem Ciceroni- 
schen dass Jeder irren könne (S. 154) verwandt sind die 
biblischen Aussprüche 1 Kön. 8, 46 und Kohelet 7, 20. Zu 
S. 189 und 200 ist zu erinnern, dass es in den Zeiten Moses 
keine Juden gegeben und die heutigen Juden nichts von 
preflemore wissen. ,,Die Leviten lesen** (S. 200) hat jeden- 
falls einen anderen Ursprung, als den in dem Buche ange- 
gebenen; Tendlau (SprichAvörter u. s. w. S. 122) meint, es 
sei aus vidui (Sündenbekenntniss) verdorben. 

Der „Prediger in der Wüste" stammt aus der griechi- 
schen Uebersetzung, nicht aus dem hebräischen Jesaia, wo 
es heisst: Eine Stimme ruft: In der Wüste ebnet den Weg 
u. s. w. Der Spruch von dem Splitterrichter (S. 212) ge- 
hört einem altern als Matthäus, nämlich dem Priester und 
Mischnalelirer R. Tarfon, s. Tr. Arachin 13b, womit Sifri 
jpy zu vergleichen. „Perlen vor die Säue" kommt bei 
mehreren arabischen und hebräischen Dichtern des Mittel- 
alters vor (Dukes: zur rabbinischen Spruchkunde S. 25). 
Die Quelle von: „Suchet so werdet Ihr finden" ist Sprüche 
2, Vers 4 und 5. 

Der Weinberg des Herrn (S. 214) stammt aus Jesaia 
Kap. 5. Der Spruch (S. 215) ,,wer sich erhöhet wird er- 
niedrigt" erscheint bereits in dem alten jüdischen Morgen- 
gebet C^bs'ii* n^2:r2) □\s: ^^Cli'C, womit Tr. Erubin 17 b und 
Perlenauswahl c. 43 zu vergleichen. „Der Glaube macht 
selig" stammt aus der griechischen Uebersetzung von Haba- 
kuk 2, 4. „Arzt hilf dir selber" (S. 216) lautet in Midrasch 
Bereschit rabba c. 23: Arzt heile die eigene Wunde! ,,Den 



— 295 — 

Himmei offen sehen'' (S. 218) stammt aus dem ersten Verse 
Ezechiels und ,, Zeichen und Wunder*' (S. 219) findet man 
siebzehn mal in der hebräischen Bibel. 

„Wie ein Dieb in der Nacht" (S. 221) sagen Jeremia 
(49, 9) und Hiob (24, 14). „Den Schlaf des Gerechten" 
(S. 222) begründen drei Psalmen (3. 4. 127) und Sprüche 
3, 24. Die aus Aristoteles stammende ,, richtige Mitte" (S. 258) 
Avird von Maimonides (Einleitung und Gommentar zur Mischna 
niDN), Charisi (Sittenlehre der Philosophen 2, 1), Scheaitob 
Palquera (Sefer hamaalot ms.) und Anderen weitläufig be- 
sprochen. Den „Schmerzensschrei" (S. 260) liest man in 
Jesaia 65, 14. 

Zu S. 96 ist zu bemerken, dass Gibeis hebr. Lehrbuch, 
strigilis genannt, Wittenberg 1605 erschienen ist; den Aus- 
druck „Trichter" gebrauchte Schickard, dessen Buch 1627 
in Tübingen gedruckt ist; 

16. Obgleich Dillmann schon vor zwanzig Jahren in 
Herzogs Encyklopädie (Art. Gebete) bemerkt hat, dass ich 
zuerst die Zusammengehörigkeit von der Chronik mit Esra 
nachgewiesen, so ist diess im Jahre 1874 dem CoUaborator 
Dauber in Holzminden noch unbekannt geblieben, wie seine 
Abhandlung in dem Programme des dortigen Gymnasiums 
beweist. — Obgleich man schon zu Anfang dieses Jahrhunderts 
wusste, dass R. Salomo, genannt Raschi, A. 1105 gestorben, 
und diess A. 1822 in meiner Abhandlung erhärtet wurde, 
lässt ihn Winer 1105 geboren werden und nennt ihn, ohne 
sich durch jüdische Wissenschaft irre machen zu lassen, 
Jarchi. Man sehe sein Realwörterbuch 1817 B. 1 S. 631, 
B. 2 S. 101, 360, 594, 752. Meine Schrift über die Namen 
der Juden, obgleich in Leipzig gedruckt, ist ihm ebenfalls 
unbekannt geblieben. 

17. Aus meinen Schriften und Aufsätzen erhellt eben 
so wohl, dass der Verfasser des ]\Iordeel)ai ein Nachkomme 
von Elieser b. Natan gewesen, als das Richtige über Elieser's 
Eidam Samuel b. Natronai. Man veigleiche meine Literatur- 
geschichte S. 259 und 508 und meine Bemerkungen in Geiger 
Zeitschrift B. 6 S. 306 u. f. (oben S.109). Obwohl bereits die neue 
Auflage von Asulai's :"ni^ (1852 Th. 2 S. 170) dies erwähnt, 
wird es von Buchholz (Frankeis Monatsschrift B. 20 S. 426 



— 2?ß — 

u. f.) unbeachtet gelassen. Dass man mit absprechenden 
Behauptungen vorsichtig sein müsse, dürfen sich auch Mit- 
arbeiter an Zeitschriften merken. In der genannten Monats- 
schrift (B. 17 vom Jahre 1868. S. 150) ist von ^D^^ nib^b^ 
des Isaac Luntschütz die Rede, welches im Michaelschen 
Kataloge (1848 S. 164), in dem Kataloge r\üb'^ p^n (Amst. 
1857 S. 41 N. 399) und in Zedners Verzeichnisse des briti- 
schen Museums (186, S. 501) genannt wird; trotzdem heisst 
es dort: ,, Dessen von den Bibliographen mit keiner Silbe 
gedacht wird." 

18. Die am 1. Oktober '820 im Tempi verein zu Leip- 
zig gehaltene und gedruckte Predigt ist nie t von dem 1826 
in Dessau verstorbenen Lehrer J. Wolf, sondern von dessen 
ältestem Sohne, der vor Jaliren in der jüdisclten Alterver- 
sorgungs-Anstalt in Berlin gestorben ist. Der Prediger J. L. 
Auerbach ist 27. März 1791 geboren; Jerem. Heinemann im 
Juli 1778. Dr. Kley wird noch in der Widmung der Apo- 
crypha seines Schwiegervaters Seckel Fränkel im J. 1830 
is^'^bp 7iC]^"' 21 genannt (Berichtigungen zu Kayserlings Bibli- 
othek jüdischer Kanzelredner B. 1 S. 7. 8. 19. 411. 47). 



Nachträge und Berichtigungen. 

zum ersten Bande: 

Seite 10 Zeile 8 lies: von späteren. 
„ 111 bis 114. Der Artikel jüdisches Schulwesen ist aus 
der 9. Auflage des Conversations- Lexikons und nicht 
von mir; der meinige befindet sich etwas verkürzt in 
der 10. Auflage (1853 Jan.) S. 523 u. f. und lautet wie 
folgt: 

„Jüd. Schulwesen. Bei den alten Hebräern gab es nur 
eine häusliche Erziehung, die von den Eltern, hie und da 
aber auch von einem Lehrer, besorgt wurde. Das Buch der 
Sprüche giebt uns ein ungefähres Bild der Richtung, welche 
die Belehrungen verfolgten: sie waren einfach sittlich. Die 
Einschärfung des nationalen Gesetzes bildete den Kern der 
Lehren, und den Jünglingen wurde der Umgang mit weisen 
Männern empfohlen. Als der Stand der Soferim (Gesetzlehrer) 
sich herangebildet, entstanden die Midrasch-Institute, in denen 
ein angesehener Lehrer seinen Jüngern vortrug, wirkliche 
Schulen für Knaben wurden erst etwa seit A. 50 eingeführt. 
Vom 5. Jahre an lernte der Knabe lesen und wurde ihm die 
Bibel eingeschärft; im 10. Jahre kam er zur Mischna. Mathe- 
matik und ähnliche Gegenstände waren dem beliebigen Studium 
überlassen, wenn gleich von den Lehrern empfohlen. Hand- 
werk und Schwimmen müsste jeder Knabe lernen, sagten die 
jüdischen Lehrer des 2. Jahrhunderts. Aus den Midrasch- 
Häusern gingen allmählig die unter den Patriarchen und 
Synedrialhäuptern stehenden Akademien hervor, dergleichen es 
in Jamnia, später in Tiberia und Sepphoris gab. Auch in 
Alexandrien, Nisibis, Rom lehrten die Rabbinen und im 3. 
Jahrhundert erblühten die Akademien m Nehardea, 
Sura, Pumbeditha. In diesen Anstalten war Bibel und Ge- 
setzkunde (Talmud) der Mittelpunkt der Thätigkeit. Der 



— 298 — 

Jünger wurde zuerst zum Chaber (^Collega) und dann zum 
Rabbi (Doctor) promovirt. Nach zurückgelegten Schuljahren 
pflegten die sich dem Studium widmenden einen berühmten 
Lehrer an einer Akademie aufzusuchen der oft ein zahlreiches 
Studenten-Publikum hatte. Seit dem 10. Jahrhundert waren 
solche Schulen auch in Spanien, Provence, Italien, später in 
Frankreich, Deutschland und Polen. Jn den eigentlichen 
Kinder-Schulen wurde Lesen, Uebersetzen der Gebete und 
des Pentateuchs mit einem Commentar, wohl auch Mischna 
und Talmud gelehrt ; Schreiben, Rechnen u. dgl. besorgte in 
der Regel ein Privatlehrer. Die Verfolgungen welche die 
Juden während des Mittelalters betrafen, der Druck und die 
Ausschliessung, die bis auf die neueste Zeit ihr Erbtheil war, 
hat auch auf ihr Schulwesen nachtheilig eingewirkt. Die 
Judenlehrer waren oft ganz untaugliche Menschen, und die 
Klagen der Autoren, selbst verschiedene gute Jugendschriften 
des 16. und 17. Jahrb., konnten dein Uebel nicht steuern. Seit 
den unglücklichen Ereignissen von 1048 in Polen drohete von 
dort aus die Unwissenheit und Barbarei sich über Deutschland, 
Holland und Italien durch die vielen poln. Erzieher, Cabbalis- 
ten etc. zu verbreiten. Erst der Umschwung den das 18. Jahrh. 
den Juden verliehen, und die durch Mendelssohn herbeige- 
führte bessere Cultur unter den Juden selbst, brachen Bahn 
zu einem eigentlichen jüdischen Schulwesen. Als Herold der 
neuen Zeit kann H. Wessely (gest. 1805) gelten, der A. 
1782 zu einer Reform der Schulen aufrief; die Bemühungen 
dieser Art, die von Berlin ausgingen, hatten überall Erfolg 
(Prag, Dessau, Hamburg); in Seesen und Wolfenbüttel wurden 
Erziehungs- Anstalten gegründet. Auch zur Bildung jüdischer 
Lehrer entstanden Seminare (Münster, Berlin). An vielen 
Orten besuchen die jüdischen Kinder die Ortsschulen und 
Gymnasien. Besondere Verdienste um das Erziehangswesen 
der Juden haben sich erworben: J. Jacobson, Bendavid, 
Büdinger, Haindorf. 

Seite 131 Z. 4 st. Ziel 1. Lied. 
„ 179 Anm. 5. 1. Minchat. 

„ 219 Z. 6 hinzuzufügen : Arbeits- Verbot ist ausser Sabbat 
nur für den siebenten Tag des Pesach-Festes. 



— 299 — 

Seite 223 Z. 3 nach es soll: Gott lieben (8 Stellen), ihn 
fürchten (9 St.) 

„ „ Z. 4: gehorchen (16 St.) 

„ „ Z. 13: den Zusatz "jZ]^ N'bl haben sie mit Josua 
(1, 5) und der Chronik (1 28, 20) gemein. 

„ 224 Z. 1 4: Vgl. auch 29, 21 pn.yn "inn u. s. w. 

„ 226 Z 16. St. 22 1. 29. 

„ 250 Z. 18 hinter 34 : Beide hinzufügend DilT 2 HH« 

„ 231 Z. 6 1.: dass Kap. 45, 21 des u. s, w. 

„ 232 Z. 6 V. u. dreimal myo mi das nur in zwei jünge- 
ren Psalmen vorkommt. 

„ 235 Z. 5: auch Vers 16, 60. 

„ 235 Z. 20 hinter und: fünfmal von der 

„ 237 Z. 2 hinter Ezechiel: — was nachdem Vorgange 
meiner gottesdienstlichen Vorträge auch George (die 
älteren jüdischen Feste, 1835 S. 73) schreibt — 

„ 237 Z. 17 V. u. vor nur: und 2b N^Q 

„ — Z. 15 V. u. ^:d'p 2ü^^ in Nehemia. 

„ — Z. 12 V. u. ntt'yD (10, 2) Geschichte. 

„ 245 Z. 5 1.: Mehl- und 

„ 246 Z. 2 hinter die: mit ähnlichen Indischen und Assy- 
rischen Sagen verwandt. 

„ — Z. 20 st. während 1. woraus. 

„ 248 Z. 4 nämlich in Deuteronomium 4,34. 6,22. 7,19. 
11,3. 26,8. 29,2. 

„ — Z. 1 V. u. der 83ste Psalm hat die Endung 1^ — 
viermal, das Moseslied sie neunmal. 

„ — Anm. Z. 3 st. 29 L 20. 

„ 249 Z, 12 V. u. ist 16 zu streichen. 

„ 251 Z. 11 St. 23 L: 2, 3. 

„ 252 Z. 18 St. 20, 21 1.: 23, 22. 

„ — Anm. 2 nach Levit. 1.: 16, 29=18, 26. 

„ — — 2 Z. 2 hinter 18: 24, 16 und 22. 

„ 253 Z. 14. V. u. St. 31, 21 1.: 31, 13. 

„ — Z. 12 V. u. St. 24 1. 34. 

„ 255 vor dem Satze: die ersten zwanzig u. s. f.: In Numeri 
weint das Volk öfter und will nach Aegypten zurück; 
beides ist in Exod. nicht der Fall. Von Seuchen und 
andern Bestrafungen des widerspenstigen Volkes findet 



— 300 — 

man in Exodus nur ein einzelnes Beispiel: 'H ^p^l (32, 
35) ohne nähere Ausführung; allein Numeri ist in dieser 
Beziehung zehnfältig reicher : dreimal HD^ID (14,37. 17,14. 
25,9), zwei Niederlagen (11,33. 14,45), zweimal Feuer (11 
1. 16,35), Schlangen (21,6), der Untergang der Rotte 
Korach's (16,31 — 33) und das Aussterben der Erwach- 
senen (14,29 u. ff.) 
Seite 257 Z. 8 füge hinzu: die Vorschriften über Knechte und 
Mägde Exod, 21, 2 u. ff. sind jünger als die des Deu- 
teronomiums (15, 12 — 18). 

„ 257 Z. 5 V. u. St. 8 1. 18. 

,, 258 Z. 9 V. u. Ende: st. 8 1. 18. 

„ — Z. 1. V. u. Die Verordnung Num. 18, 1 — 7 ist eine 
Abänderung von 1, 50 — 53 welche die Leviten vom 
Altardienste ausschliesst : jene hat vHX, diese jDtt'D; in 
beiden ^)ip I^V n\T iö) 

„ 260 Z. 3. Hinter 30 ist hinzu zu fügen: (Exod. 31,13), 
4 (Exod. 34,17), 11 (Exod. 20,13), 12 (Exod. 30,7), 15) 

,, — Z . ö 1. ; die drei mittleren. 
— 20 1.: und Num. 

„ 262 Schluss 1. : acht Davidisches. 

„ 263 Z. 8 Ende: dasselbe ist bei Ismael, Isaac und seinen 
Söhnen, Aaron und Moses der Fall. nHyin nbx kommt 
auch Numer. 3, 1 und Ruth 4, 18 vor. 

„ — Z. 11 st. 29 1. 27 

„ — Z. 13 V. u. 1.: Enosch. 

„ — Z. 10 V. u. st. Rollen 1. Stellen. 

„ 264 Z. 16 1. nachher. 

„ 266 Z. 17 Anf 1. ; 35, 9. 

„ 267 Z. 2 Hagars Vertreibung und die Verheissuugen für 
ihren Sohn Ismael werden zweimal erzählt, im 16. Kap. 
von der Jahve- Urkunde, in dem 21sten von der Ur- 
kunde P^lohim; jene schreibt nnst^*, diese nO{<. Mit der 
ersteren (Vers 12) stimmt 25, 18; der Brunnen ^NT W 
erscheint auch 24, 62 und 25, 11 wieder. 

„ 268 Anm. st. 26 1. 23. 

„ 269 Anm. 1 : „auch" bis ,, Israel" zu streichen. 

„ 270 Z. 14 st. welclier 1. welchen. 

„ — Z, 15 st. den deuteronomischen 1. der deuterono- 
mische. 



— 301 — 
Zum zweiten Bande: 

Seite 172. Der Aufsatz ThefiUin ist die Umarbeitung einer 
am 26. Januar 1822 gehaltenen Predigt. 
„ 177 die Nummer XIII befindet sich französisch über- 
setzt in ünivers Israelite 1846, Februar. 

Berichtigungen zum dritten Bande: 

„ 29 Z. 6 V. u. statt Ausspruch 1. Anspruch. 

„ 127 Z. 11 V. u. statt im 1. in. 

„ 220 unten: -1123 "ip^ hat Baruch in Sehcha pD, inpi n'pi 

undnb: -j-lDD die Tekiata 'pf^b p^^?, l^Dm npM Nachma- 

nides nw^l S. 3. 



Druck Ton H. S. Hermann in Berlin. 
Beatb-Str. 8. 



BimiNQ ot.cT. NOV 17 1978 



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45 Gesammelte Schriften von 

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